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Trauung und Taufe sind eindrucksvolle Momente, die Gegenwartssprache verlangen. In diesem Buch bietet der Autor Predigten, die emotional ansprechen und verständlich sind. Er verbindet jeden Gottesdienst mit einem alltäglichen Symbol, das die Lebensbedeutung von Taufe und Trauung spürbar macht und erschließt: eine Herzbrille, eine Seifenblase, ein Blei- stift, eine Gießkanne oder ein Reißverschluss – klare Bilder, die berühren und nachvollziehbar bleiben. Mit seiner zugänglichen, modernen Ansprache gelingt es dem Autor, den spirituellen Kern dieser Feiern zu vertiefen – ganz ohne eingefahrenen Jargon. Junge Paare und junge Eltern erleben berührende Momente und erhalten alltagstaugliche Impulse, die Gottes- dienst und Leben sinnvoll aufeinander beziehen. Ein Buch, das inspiriert und nah an der Lebenswelt bleibt.
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Seitenzahl: 171
Veröffentlichungsjahr: 2026
KONKRETE LITURGIE
MICHAEL PAUL
Gottesdienste mit Symbolpredigtenzu Taufe und Trauung
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
© 2025 Verlag Friedrich Pustet, Regensburg
Gutenbergstraße 8, 93051 Regensburg
Tel. +49(0)941/920220, [email protected]
1. Auflage 2026
ISBN 978-3-7917-3663-1
Umschlaggestaltung: www.martinveicht.de
Satz: Vollnhals Fotosatz, Neustadt a. d. Donau
Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regensburg
Printed in Germany 2026
Diese Publikation ist auch als eBook erhältlich:eISBN 978-3-7917-6289-0 (epub)
Unser gesamtes Programm finden Sie unterwww.verlag-pustet.de
VORWORT
TAUFFEIERN
MIT GOTTES BRILLE – DIE WELT NEU SEHEN
Symbol: Brille
100 % LIEBE – GOTTES SPEZIALMISCHUNG FÜR DICH
Symbol: Babygläschen
IM WASSER DES LEBENS – GETRAGEN VON GOTT
Symbol: Fisch
KOSTENLOS – ABER NICHT UMSONST
Symbol: Kartoffelsalat
DURCHLÄSSIG FÜR GOTTES LICHT – HOFFNUNGSLICHTER DER TAUFE
Symbol: Lichtertüte
EIN STÜCK GEBORGENHEIT – EIN LEBEN IN GOTTES OFFENHEIT
Symbol: Schnuller & Effata
GEFÜLLT MIT DEM ODEM DES LEBENS – GETRAGEN VON GOTTES GEIST
Symbol: Seifenblase
GETAUFT INS VERTRAUEN – GETRAGEN VOM WASSER DES LEBENS
Symbol: Schwimmkurs
GUT ANGEZOGEN – GOTTES WÜRDE UND GEDULD
Symbol: Taufkleid & Lätzchen
ERFRISCHUNG FÜR DIE SEELE – GETAUFT INS LEBEN
Symbol: Wasser
TRAUUNG
SPUREN DER LIEBE – GESCHRIEBEN MIT HERZ UND GOTTES HAND
Symbol: Bleistift
ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT SIEHST – DREI BUCHSTABEN, DIE ALLES SAGEN
Symbol: E H E
EIN REZEPT FÜRS LEBEN – GOTT SEGNET EUER JA
Symbol: Buchstabensuppe
VON KRAFTQUELLEN, LICHTMOMENTEN UND GOTTES LIEBE
Symbol: Energie
AUS DER QUELLE SCHÖPFEN
Symbol: Gießkanne
EIN ZEICHEN, DAS VERBINDET – GETRAGEN VON GOTTES SEGEN
Symbol: Liebesschloss
WENN ZWEI KUNSTWERKE SICH ZU EINER SAMMLUNG VERBINDEN
Symbol: Louvre
ZAHN FÜR ZAHN – HERZ AN HERZ
Symbol: Reißverschluss
DER URSPRUNG ALLER LINIEN – GOTTES KOORDINATENSYSTEM
Zeichen: Nullpunkt
BRAUTKLEID, BLAUKRAUT – UND EIN KLARES JA
Symbol: Zungenbrecher
SCHRIFSTELLENVERZEICHNIS
QUELLENVERZEICHNIS
Gertrud von le Fort hat einmal geschrieben: „Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in der kleinen, dunklen Kammer unserer eigenen Erfahrung sitzen.“1 Ich mag diesen Gedanken. Vielleicht, weil darin das Geheimnis Gottes so einfach klingt – und doch alles umfasst, was Leben heißt. Er erinnert mich daran: Gott ist nicht weit weg. Er ist schon da – in allem, was lebt, lacht, leuchtet und vergeht, in den Dingen, die uns tagtäglich umgeben, in allem, was wir berühren und was uns berührt. Nur wir – wir übersehen ihn oft.
Ich gehe gern mit offenen Augen durch die Welt. Denn manchmal predigt sie besser als wir. Ich glaube, dass die Dinge des Alltags von Gott erzählen – nicht laut, nicht feierlich, sondern mitten im Gebrauch. Ich frage mich oft: Was würden sie über ihn sagen, wenn wir ihnen zuhören könnten? Vielleicht sprechen sie von seiner Nähe, von Geduld, Humor und Treue – von einer Liebe, die uns längst begleitet. Manchmal genügt ein Blick, und ein vertrauter Gegenstand wird zum Zeichen.
Dann geschieht, was mich an meinem priesterlichen Dienst so fasziniert: Das Sichtbare beginnt zu sprechen, und das Unsichtbare wird spürbar. Ich erlebe das immer wieder, wenn ein Kind getauft wird oder zwei Menschen sich das Ja-Wort geben. Plötzlich haben Dinge eine andere Tiefe. Es sind Augenblicke, in denen Gott anklopft und Menschen – manchmal ohne es zu wissen – die Tür öffnen.
Ich denke dabei oft an ein Wort, das ich von den Maltesern in Speyer gelernt habe, für die ich mit großer Freude Diözesanseelsorger sein darf: „Wenn Gott klingelt, muss man nur noch die Tür öffnen.“ Ein Satz, der leicht klingt – und doch ein ganzes Glaubensprogramm in sich trägt. Denn Gott will nicht draußen bleiben. Er sucht die Nähe der Menschen, klopft an – leise, unaufdringlich, manchmal mitten im Alltag – in einem Blick, einem Lied, einer Umarmung, im Lachen eines Kindes oder in einem stillen Dankgebet. In den Dingen, die wir verwenden – oft sind es gerade solche Gebrauchsgegenstände, die plötzlich zu mehr werden, weil sie berührt sind von Gottes Gegenwart.
Aber wie oft überhören wir dieses leise Klingeln. Wie oft sind wir beschäftigt, verschlossen, abgelenkt. Darum braucht es solche Türmomente, in denen Herz und Himmel sich gleichzeitig öffnen können. Eine Taufe, eine Trauung – das sind solche Augenblicke. In ihnen fällt ein Licht in den Alltag, ein Raum wird still, eine Gemeinschaft spürt: Hier ist mehr als nur Ritual. Hier geschieht Nähe zwischen Gott und Mensch.
Solche Feiern nennt die Kirche Kasualien: Gottesdienste an den Wendepunkten des Lebens, an den Schwellen, wo etwas beginnt und sich wandelt. Für mich sind sie Türmomente Gottes – zarte Zwischenzeiten, in denen Himmel und Erde sich berühren, wenn Gott klingelt.
Aus solchen Momenten ist dieses Buch entstanden: aus Begegnungen, Gesten, Dingen, die plötzlich zu Predigern wurden. Ich habe versucht, sie in Worte zu fassen. Vielleicht helfen diese Texte, das Heilige mitten im Gewöhnlichen zu entdecken – da, wo das Leben spricht und Gott sich finden lässt, wenn man hinschaut und hinhört. Solche Augenblicke sind für mich kleine Offenbarungen. Sie erzählen, dass Gott längst da ist – im Gewöhnlichen, im Unscheinbaren, im Jetzt.
Ein paar Hinweise zum Gebrauch des Buches
–Alle Modelle beginnen mit der liturgischen Eröffnung:
–Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
–Der Herr sei mit euch! Und mit deinem Geiste.
Es folgt eine Begrüßung der versammelten Gemeinde.
Bei der Taufe etwa: „Liebe Eltern, liebe Patinnen und Paten, liebe Schwestern und Brüder, wir heißen Sie und besonders dich, liebe*r [Name des Täuflings], herzlich willkommen.“
Bei der Trauung etwa: „Liebe [Name der Braut], lieber [Name des Bräutigams], liebe Familien, liebe Trauzeugen, liebe Freundinnen und Freunde – herzlich willkommen zu diesem großen Tag!“
Kursiv gesetzte Formulierungen in eckigen Klammern [ ] bieten Beispiele für persönliche Informationen oder Erinnerungen, die an die jeweilige Situation bzw. die jeweiligen Eltern- oder Brautpaare angepasst werden müssen. Entsprechende Informationen können leicht im Tauf- oder Brautgespräch eingeholt werden.
Ich danke dem Verlag Friedrich Pustet und besonders Dr. Rudolf Zwank für die offene Tür, das Vertrauen und die Freude an diesem Projekt. Nur ein einziges Mal habe ich mit meinem Manuskript bei ihm geklingelt – und gleich öffnete sich eine Tür.
Allen, die dieses Buch lesen oder verwenden, wünsche ich, dass sie in ihren Feiern und Momenten spüren, wie voll die Welt von Gott ist – wenn man sie mit dem Herzen sieht und hört.
Michael Paul
1Gertrud von le Fort, Vom Geheimnis der sichtbaren Kirche, in: Hymnen an die Kirche, München 1924.
Einführung
Urlaubsfahrten mit Kindern – die haben es wirklich in sich! Viele von Ihnen kennen die berühmte Frage: „Sind wir bald daaaa?“ – immer und immer wieder. Doch Eltern haben ihre Tricks. Zum Beispiel Spiele wie: „Ich sehe was, was du nicht siehst …“ – mit Farben oder Dingen, die man unterwegs entdeckt.
Ich glaube, Gott mag dieses Spiel auch – allerdings in seiner eigenen Variante. Er sagt: „Ich sehe was, was du nicht siehst – und das bist du!“
Gott sieht so vieles in uns: Fähigkeiten, Talente, Liebe – und eine Zukunft, die wir oft selbst noch nicht erahnen. Genau das bezeugt die Taufe: Gott schaut dieses Kind an und spricht: „Ich sehe dich. Ich sehe, wer du bist – und wer du einmal werden kannst. Du bist mein geliebtes Kind.“
Bevor wir nun miteinander Gottesdienst feiern, schauen wir auf die Eltern und Paten. Auch sie gehören zu diesem „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Denn wir sehen ihr Vertrauen, ihre Bereitschaft, ihren Glauben.
Und nun laden wir Sie ein, Ihr eigenes „Ja“ zu sprechen.
(Es folgen die Fragen an Eltern und Paten – siehe Die Feier der Kindertaufe Nr. 35–38).
Schriftwort
Eph 1,17–19
„Ich sehe was, was du nicht siehst …“ –
ein Kinderspiel. Doch es funktioniert nur mit Hinweisen: „Ich sehe was, was du nicht siehst … und das ist rot.“ Erst mit dem Nennen der Farbe gelingt es, den Blick in die richtige Richtung zu lenken. Denn als Suchender brauche ich jemanden, der mir hilft zu sehen, was sonst verborgen bleibt.
Auch im Glauben ist es so. Von selbst sehen wir oft nur das Offensichtliche – oder das Dunkle. Wir brauchen Menschen, die uns Hinweise geben, die uns ermutigen, genauer hinzuschauen, die uns den Horizont weiten. Und im Tiefsten ist es Christus selbst, der unseren Blick lenkt und unsere Augen öffnet.
Im Markusevangelium (10,51–52) lesen wir: „Jesus fragte den Blinden: ‚Was willst du, dass ich dir tue?‘ Der antwortete: ‚Rabbúni, ich möchte sehen können.‘ Da sagte Jesus zu ihm: ‚Geh! Dein Glaube hat dich gerettet.‘ Im gleichen Augenblick konnte er sehen – und er folgte Jesus auf seinem Weg nach.“
Sehen lernen – das ist nicht nur ein körperliches Wunder. Es ist ein Bild für das Leben im Glauben. Paulus nennt das: mit den Augen des Herzens sehen. Sie sollen die Hoffnung erkennen, zu der Gott uns berufen hat. Wer Jesus begegnet, bekommt diesen neuen Blick: Augen für die Farben des Lebens, für die Liebe, für die Zukunft, die Gott schenkt.
Darum feiern wir heute Taufe. Denn hier öffnet Gott die Augen für einen neuen Weg – damit dieses Kind mit Christus seinen Weg gehen kann.
Mit welchen Augen sehen wir?
Darf ich Sie deshalb etwas Ungewöhnliches fragen? Welche Brille haben Sie heute auf? Natürlich meine ich nicht Ihre Lese- oder Ihre Gleitsichtbrille. Es geht um die Brille, durch die wir innerlich schauen – auf das Leben, auf die Zukunft, auf dieses Kind, auf den Glauben. Gerade heute, bei der Taufe von [Name des Täuflings], ist das eine spannende Frage: Mit welchen Augen sehen wir dieses Leben? Und mit welchen Augen sieht Gott?
Die schwarze Brille
Es gibt die schwarze Brille. Sie sieht zuerst die Unsicherheit: „Die Welt ist so unruhig geworden.“ – „Wer weiß, was diesem Kind alles bevorsteht.“ Diese Brille hat ihren Sinn: Sie schützt vor Naivität. Doch sie darf uns nicht den Blick auf das Gute verstellen.
Die Taufe antwortet darauf: Gott verspricht nicht ein Leben ohne Schatten – aber er verspricht: „Ich gehe mit dir – durch Licht und Dunkel, durch Freude und Angst.“
Das Wasser der Taufe erzählt genau davon: Wir gehen unter in allem, was bedroht – und werden neu gehoben in Gottes Licht.
Die Herzbrille
Es gibt die Herzbrille. Sie schaut nicht kritisch, nicht misstrauisch – sondern liebevoll, warm, voller Hoffnung. So schauen heute Eltern und Paten auf dieses Kind: mit Zuneigung, mit dem Wunsch, dass es aufblüht.
So schaut auch Gott. Gott setzt seine Herzbrille auf und sagt: „Du bist mein geliebtes Kind. Ich will, dass dein Leben gelingt.“ Das ist kein verträumter Blick, sondern der klarste, den es gibt: ein Blick, der trägt – bis in Ewigkeit. Die Taufe bezeugt und besiegelt diese Liebe.
Die Kinderbrille
Es gibt die Kinderbrille. Sie erinnert uns daran, dass wir manchmal die Augen verschließen, stehen bleiben, Verantwortung vermeiden möchten.
Doch die Taufe ruft uns: „Wachse hinein, geh weiter – werde erwachsen im Glauben!“ Sie ist nicht nur Geschenk, sie ist auch Auftrag: das Heilige im Alltag zu entdecken, für das Gute einzustehen, mit Würde zu leben – und anderen Würde zu schenken.
Die Taucherbrille
Dann gibt es noch die Taucherbrille. Sie führt uns ins Herz der Taufe. Denn Taufe heißt: eintauchen – in Wasser, in Gottes Liebe, in Jesu Geschichte, in den Geist, der trägt.
Das beschreibt Paulus heute: Gott erleuchtet die Augen unseres Herzens, damit wir tiefer sehen: hinein in seine Liebe, hinein in die Hoffnung, die er schenkt.
Welche Brille trägt Gott?
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Welche Brille trägt Gott?
Die schwarze? – Er kennt sie, er versteht unsere Sorgen.
Die Kinderbrille? – Er schätzt sie, weil sie staunen und vertrauen lehrt.
Die Herzbrille? – Ja, unbedingt. Denn so sieht Gott selbst: mit Liebe.
Und die Taucherbrille? – Ja, auch. Denn Gott schaut tiefer, als wir sehen können.
Und das Beste daran: Gottes Brille gibt’s zum Nulltarif – geschenkt in der Taufe. Eine Brille, die uns hilft, die Welt nicht nur mit den eigenen Augen zu sehen, sondern auch mit den Augen der anderen – und, wenn wir uns für eine göttliche Brille entscheiden, auch mit seinen Augen.
Schluss
Was geschieht, wenn wir einmal Gottes Brille aufsetzen und die Welt mit seinem Blick sehen? Der Dichter Lothar Zenetti hat es so gesagt:
„Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter.
Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer.
Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht.“
Dieses Licht fällt heute auf [Name des Täuflings]. Und es fällt auch auf uns. Damit wir sehen lernen – mit Gottes Augen. Amen.
Fürbitten
Gott sieht uns – mit Liebe, mit Geduld, mit Humor. In der Taufe schenkt er [Name des Täuflings] seine Art zu sehen: klar, hoffnungsvoll und zugewandt. So beten wir mit offenen Augen und weitem Herzen:
–Für [Name des Täuflings]:
Gott, schenke [ihr/ihm] Augen, die staunen können – über das erste Lächeln am Morgen, über Regenbogen, Schneeflocken und Freundschaft. Lass [sie/ihn] lernen, mit deinen Augen zu sehen – um das Schöne in der Welt und das Gute in den Menschen zu entdecken.
V
Guter Gott,
A
wir bitten dich, erhöre uns.
–Für die Eltern und Paten:
Gib den Eltern und Paten einen wachen Blick, der stärkt und Vertrauen schenkt, der das Leuchten im Gewöhnlichen sieht und von deiner Nähe erzählen kann.
–Für die Familie, die heute miteinander feiert: Lass alle in der Familie einander ansehen mit Wohlwollen und Humor, damit sie sich im Alltag nicht aus dem Blick verlieren, sondern Halt und Freude aneinander finden.
–Für Menschen, deren Blick getrübt ist:
Für alle, die sich schwertun, das Leben hell zu sehen. Schicke ihnen Menschen, die ihnen guttun – mit Zeit, mit Wärme, mit einem offenen Blick.
–Für uns alle:
Öffne uns die Augen des Herzens, dass wir dich in unserem Leben erkennen – in diesem Kind, in dieser Feier und in allem, was uns zugesagt ist.
Guter Gott, du siehst uns mit Liebe an und erkennst das Gute, auch wenn wir es übersehen. Öffne uns den Blick für dein Licht, damit wir die Welt hellsichtig, hoffnungsvoll und dankbar betrachten. So spüren wir dich mitten im Leben und bleiben verbunden mit dir, der uns durchs Leben begleitet. Amen.
Schlussgebet
Guter Gott,
du schaust uns an mit Augen voller Liebe. Du siehst in diesem Kind mehr, als wir sehen können: eine Zukunft, die du schenkst, eine Würde, die niemand nehmen kann, eine Hoffnung, die über alles hinausreicht.
Wir bitten dich: Öffne [Name des Täuflings] die Augen des Herzens, damit [er/sie] die Welt mit deinem Blick sehen lernt – hoffnungsvoll, liebevoll, tief.
Segne die Eltern und Paten, damit auch ihr Blick getragen bleibt von Vertrauen.
Schenke uns allen deine göttliche Brille, damit wir uns von Dunkelheit nicht blenden lassen, sondern dein Licht entdecken in unserem Leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Einführung
Zur Taufe gehören viele starke Zeichen:
–das weiße Taufkleid, das sagt: Du bist neu eingekleidet in Gottes Liebe.
–die Taufkerze, die erinnert: Du trägst Licht in dir – und in die Welt.
–das Wasser, das dich berührt, tränkt und umhüllt – Zeichen dafür: Gott macht dich zu seinem Kind.
–und das Kreuzzeichen, das dir auf die Stirn geschrieben wird wie ein ewiges „Ich bin bei dir.“
Ich habe heute noch ein weiteres Zeichen mitgebracht – keines aus der Sakristei, sondern aus dem Alltag vieler junger Familien: (Schraubgläschen hochhalten.) – ein Babygläschen. Apfel-Banane. 100 % Frucht. Ohne Zuckerzusatz. Apfel – für die Frische. Banane – für die Milde. Ein Hauch Zitrone – für die richtige Balance. Sorgfältig püriert, bekömmlich gemacht. Versprochen wird: Ohne Zusatzstoffe – nur das Beste fürs Kind.
So ein Gläschen ist pure Fürsorge. Es wird geöffnet mit Liebe, erwärmt mit Aufmerksamkeit, gereicht mit einem Lächeln – und manchmal mit einem kleinen Familien-Füttertheater: ein Löffel, der wie ein Flieger landet – mal im Mund, mal daneben. Eltern lieben dieses Abenteuer – mit Löffel, Lätzchen und viel Liebe.
So wie Eltern ihrem Kind Nahrung mit Liebe reichen, so reicht heute Gott selbst [Name des Täuflings] Nahrung fürs Herz.
Die Taufe ist ein erstes Zeichen dafür: Gott öffnet sein „Gläschen voller Liebe“ und gibt [Name des Täuflings] Anteil an seiner ganzen Fülle – an allem, was zum Leben gut ist und was zum ewigen Leben trägt. Darum wenden wir uns jetzt den Eltern und Paten zu und fragen sie, ob sie bereit sind, [Name des Täuflings] auf diesem Weg des Glaubens zu begleiten.
(Es folgen die Fragen an Eltern und Paten – siehe Die Feier der Kindertaufe Nr. 35–38).
Schriftwort
Mt 5,13–16
Schauen wir noch einmal auf das Gläschen. Der Deckel bleibt nicht drauf – nicht hier, nicht heute. Denn Gott ist nicht verschlossen. Er ist offen, nah, ganz da.
Und er gibt dir heute nicht nur einen kleinen Probierlöffel Hoffnung. Nein – er schenkt dir Liebe in ganzer Fülle: nicht löffelweise, sondern überfließend, nicht abgezählt, sondern verschwenderisch.
Heute sagt er dir: „Ich bin dein Gott. Ich gehöre zu dir – und du zu mir.“
Nur das Beste
Auf jedem Babygläschen steht genau drauf, was drin ist, zum Beispiel: „Apfel-Banane – 100 % Frucht.“ Das ist praktisch: Wer füttert, weiß sofort, was er dem Kind gibt.
Hätte Gott eine eigene Manufaktur für Gläschen, dann stünde auf seinem Etikett nicht ‚Apfel-Banane‘ – sondern etwas fürs Herz.
Auf dem Herzglas von [Name des Täuflings] könnte stehen:
–Von Gott geliebt – ganz und gar.
–Unendlich wertvoll – nicht messbar, nicht ersetzbar.
–Einzigartig – voller Möglichkeiten, voller Licht.
–Für immer verbunden mit dem Himmel – durch Segen und Vertrauen.
Die Taufe ist wie dieses Etikett: nicht aus Papier, nicht abwaschbar, sondern unauslöschlich geschrieben mit göttlicher Liebe. Einmal Gottes Kind – immer Gottes Kind.
Davon spricht auch das Evangelium: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“
So, wie auf jedem Gläschen draufsteht, was drin ist, so soll auch unser Leben lesbar sein: Salz, das das Leben würzt, und Licht, das anderen den Weg erhellt.
Darum ist die Taufe nicht nur ein Geschenk für dich allein, liebe*r [Name des Täuflings], sondern auch ein Versprechen, dass durch dich Gottes Licht in dieser Welt sichtbar wird.
Probier’s noch einmal!
Natürlich – so ein Gläschen kann auch mal umkippen. Einmal nicht aufgepasst – und schon landet der Brei auf dem Lätzchen.
Auch im Glauben geht nicht immer alles glatt. Es gibt Tage, an denen man kleckert, stolpert, müde wird.
Aber Gott ist keiner, der mit erhobenem Zeigefinger tadelt. Er hilft dir auf, wischt ab, deckt den Tisch neu. Und er sagt: „Probier’s noch einmal. Ich bin da und helfe dir.“
Darum musst du nichts allein auslöffeln – weder den Brei noch die schweren Tage. Gott bleibt an deiner Seite, er liebt dich – mit und ohne Breiflecken.
Nahrung für die Seele
Irgendwann ist jedes Gläschen leer, der letzte Löffel gegessen, der Bauch satt. Und das Leben geht weiter – mit neuen Geschmäckern, neuen Erfahrungen, neuen Herausforderungen.
Auch der Glaube wächst mit – wird tiefer, reifer, manchmal auch kantiger. Aber er bleibt Nahrung für die Seele. Denn die Taufe ist nicht das Ende – sie ist der Anfang: ein Start in ein Leben mit Gott, eine Einladung an den großen Tisch des Glaubens.
Und du, liebe*r [Name des Täuflings], wirst weiter genährt werden – durch Begegnungen, durch Liebe, durch Wunder, durch Menschen, die dich begleiten, durch Worte, die dich stärken, und durch Gott selbst: im Gebet, im Brot, im Leben.
Dafür steht Gott mit seinem Namen
Ich stelle mir vor, wie Gott heute ein ganz besonderes Gläschen für dich geöffnet hat: „Gottes Spezialmischung – handgemacht für [Name des Täuflings]. Himmlische Herstellung. 100 % Liebe. Ohne Ablaufdatum. Kann Spuren von Jesus enthalten.“
Nebenwirkungen? Ein Glaube, der wächst. Ein Leben, das leuchtet. Gott sagt: „Das ist für dich. Damit du leben kannst. Lieben kannst. Wachsen kannst.“
Bei den Babygläschen steht am Ende der Werbung immer: „Dafür stehe ich mit meinem Namen.“ Heute möchte ich das für einmal übernehmen – und sagen: Gott, dafür stehst du mit deinem Namen.
Fürbitten
