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In dem Buch "Fliehendes Flüchtige" bietet der Autor Eckhard Weise seinen Leser*innen einen teils angenehm hintergründigen, teils witzig-spritzigen überraschenden Einblick in sein dichterisches Schaffen. Im Kapitel I, Persönliches, gestattet er der Leserschaft Befindlichkeiten seiner wie vielen Alter Egos auch immer zu betrachten, zu be- bzw. verurteilen, insbesondere deren Versuche, Seelenleid zu entfliehen und Seelenheil endlich zu finden - in Zügen (im doppelten Wortsinn) träumerisch reisend. Im Kapitel II, Personalisches, mag es so erscheinen, als habe der Autor prominente und nicht-prominente Personen wie Vogelscheuchen mit menschlichen Angesicht in einem verwunschenen Garten aufgestellt - freilich nicht zum Abschuss freigegeben, eher zum Bemitleiden, Bewundern oder - von deren gesellschaftshistorischer Bedeutung her - zu hinterfragen und/oder wertzuschätzen. In Kapitel III, Poetisches, so verspricht der Autor seiner Leserschaft, sich von ihm zumindest für Augenblicke in sein Himmelreich begleiten zu lassen, v. a. in den Gefilden von Haiku und Senryjūs, zu Themen wie Jahreszeiten, Fauna, Flora, Abgründe und Glücksmomente von versehentlich (?) als "Krone der Schöpfung" bezeichnete Wesen, mal in ihrer grauseligen Hoffnungslosigkeit, mal in ihrer beharrlich erscheinenden Haltung, die Hoffnung sterbe zuletzt. Auf Letzteres konzentriert sich das Schlusskapitel IV, Politisches, mit teils ironisch-satirische Beschreibungen mancher Arten und Abarten von Recht und Unrecht, sei es in Form von Rache, sei es in der von Gnade. Eckhard Weise, geb. 1949 in Rendsburg, lebt und arbeitet als Autor in Bad Hersfeld. Veröffentlichung von Lyrik und Prosa, Essays zu Literatur und Film. Zur Illustration tragen hauptsächlich die Familien Grund und Weise bei, d. s. : Manfred, Amelie, Stella Grund und Susanne Kirwan, geb. Grund sowie Ilse, Frank, Harald und Eckhard Weise.
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Seitenzahl: 67
Veröffentlichungsjahr: 2019
Eckhard Weise
FliehendesFlüchtiges
Haiku, Senryus u. a. Gedichte, Aphorismen, Anekdoten, Kurzgeschichten, Essay, Farce, Kurzdrama
© 2019 Eckhard Weise
Lektorat: Manfred Grund
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7482-9159-6
Umschlagbild: Manfred Grund: „Drei Generationen?“
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Eckhard Weise
Fliehendes Flüchtige
Haiku, Senryūs u. a. Gedichte, Aphorismen, Anekdoten, Kurzgeschichten, Märchen, Essay, Farce, Kurzdrama
Mit Zeichnungen, Gemälden, Collagen, Fotos, Karikaturen u. a. von Manfred, Ameli, Stella Grund, Susanne Kirwan, Hans-Ulrich Brand, Susanne Hoffmannm,Ilse, Frank,
Harald und Eckhard Weise
Tredition-Verlag
für meine Traumfrau
Inhaltsverzeichnis
Kapitel I: Persönliches
Himmelsmacht
Die liebe Sonne am Himmel
Abteile
Fischgründe am Meer
Im Zug
Drei- bis Vielklang
In der Mitte unserer Winterreise
Dialektik der Freundschaft
Vermögen
Links ist dorten
Und tut Seefahrt nicht Not?
Allenvalls ein venig mehr als fünf vorsichtige Versuche vür den vereehrten Verfasser Vontane
Tiny Tims Flight To The Moon
Kapitel II: Personalisches
Papaveri e papere
Rosebud III
Poesie?
Wars Neigung nur oder doch der Triebe Natur
Golffinger
Rechtschreibreform in freiem Fall?, I
Rechtschreibreform in freiem Fall?, II
Arme Poeten
Steht da nicht ein Dichter auf jeder Dichtung?
Von Flut, Fülle und Flüchtigkeiten in der Poesie
Kapitel III: Poetisches
Frühling
Malend gemalt
Wiederkehr
Verlässlichkeit
Diealektik – die meinige
Auf Position
Dornröschen, erinnere Dich!
Kapitel IV: Politisches
The right of licence to kill for ever?
Dialektik der Ohnmacht
Ziemlich beste Freunde II
Recht der Natur
Brothers in arms II
Trikot- und/oder Rollenzwänge
Ei(l)meldung
How, sprach der Häuptling der Indianer
Mein Leben als glückseliges Kind
Friday For Future For Ever…
Kapitel I:
Persönliches
Collage: Eva Salzmann zusammen mit ihrem Kunst-Eeistungskurs, d. s.: Anna, Dominic, Isabell, Johanna, Kata, Lena, Sonja, Theresa, Valerie, Verena und Viki: „Hej då“, Bad Hersfeld, Sommer 2012
Himmelsmacht
Liebe ist eine Macht,
glaubt jede und ein jeder.
Dass der Himmel über solchen Unsinn lacht,
glaubt keine und kein einer.
Wenn sie es mit ihm macht,
weiß der Himmel wie !?
Im Wald, im Wannsee, in der Wanne,
dass es kracht!
Jede Keine, nein? glaubt,
ein jeder Keiner
mache aus das Licht zur Nacht.
Gemälde: Susanne Kirwan: „Paarship“
Die liebe Sonne am Himmel
Ein zu harscher Ton
wird bestraft durch Schweigen
bis in alle Ewigkeit.
Wie lange, ach, muss ich,
um in ihrem rosenknospenden Schoße zu ruhen
wie im mütterlichen Schaukelstuhl
und mich an ihm laben zu dürfen,
durch die Hölle gehen?
Gemälde: Susanne Kirwan
Gemälde: Amelie Grund: „Abteilungen“
Abteile
war es Zufall,
dass ich ihnen wiederbegegnete?
Nicht am Bahnsteig,
im Zug bei voller Fahrt,
im Speisewagen die eine,
im Lesesalon die andere,
im Ruheraum die dritte.
Und so weiter.
Zuletzt traf ich sie alle, die zärtlichsten Fünfe im Schlafwagen.
Im Dunklen kehrte ich ohne jegliche Scham
lustvoll zurück
in die Steinzeitpolygamie.
Ein Abteil in dieser Bahn fehlte:
dasjenige nämlich, nach dem ich mich schmerzlich sehne.
Warum nur
erfreute mich meine ungeplante Rückkehr
ins Vergangene,
verweigert mir aber mein Glück -
im Hier und Jetzt?
Fischgründe am Meer
Bis zum Horizont kein Boot in Sicht,
die Kähne liegen kieloben an Land,
die Farbe blättert auf Luv wie Lee.
Die Hütte hält sich noch gut in steifen Brisen.
Unter menschenleeren Sonnensegeln,
halbvolle Bierflaschen und zum Abwasch platzierte Teller.
Niemand, der die Netze flickt?
Nirgends Geruch nach Fisch,
keine Möwe, die nach Resten äugt.
Auf der anderen Seite der Bucht
eine Bude: „Geräucherte Flundern“.
Die hübsche Frau an der Theke.
Errät sie denn meine klammheimliche Frage?
„Nein, von uns sind die nicht.
Hier fangen wir schon lange nichts mehr.“
Gemälde: Susanne Kirwan: „Blick von Gräte zu Tante Käthe“
Im Zug
Essen, Trinken, Waschbecken, Wasserklo,
ein bequemer Sessel mit verstellbarer Rückenlehne
für dein Mittagsschläfchen, am Fensterplatz gar ein Kino:
unbekannte Landschaften, kleinere Ortschaften und
Städte zumeist grüßen den Fremden -
Letztere oft viel zu schnell,
als dass ihre Namen entzifferbar wären.
Landshut, Langeroog, Langballigau, Landsberg Ost wie West mit zwei genialen Frauen: meine Mutter und „Medea“-Christa Wolf und Wolf namens Adolf oder doch so fern und so nah der politischen unbehelligt strömenden Lech und Oder …
…oh welch Grauen, welch ein Krampf: Landsberg Süd; „Mein Kampf“
Was allerdings schwerlich schlimm bleibt,
denn dort irgendwo aus- oder umzusteigen,
liegt deiner Absicht so fern wie dein Ziel.
Sind all die Eindrücke endlich ermüdet,
so wartet ein frisch bezogenes Bett auf dich.
Gemälde: Susanne Kirwan: „TraumschaumweineHeiniHeineFrau“
Haben andere Lebensformen etwas Besseres
als Gespräche mit lieben Menschen womöglich?
Kein Problem!
Du musst Nähe nur wollen!
Und suchen. Vielleicht im Nachbarabteil.
Du reist zum Sonnenstrand oder zum beschneiten Berg
ganz nach Belieben.
Und bedrängt dich wider Erwarten irgendwie das Gefühl,
am Ende der Reise einfach gegangen und ausgestiegen worden zu sein?
Also im allerschlimmsten Falle,
so stelle nur beizeiten die Rücklehne nach hinten
und träume dich nachhause.
Drei- bis Vielklang
klimpernde Brandung,
Beachball, „Cocobello!“-Kanon:
höchst sturmstrandig..
Der Künstler Manfred Grund, seine Gemälde „Traumatelier“ und „hemlängtan“ (Heimweh). Fotomontage: Eckhard Weise, Oktober 2018
In der Mitte unserer Winterreise
lädt uns beide ein – ist‘s denn wahr?
können wir unseren Sinnen trauen? -
zwischen Wald und Heide
ein dampfend Freibad -
zum Schwimmen, zum Tauchen einladend sogar?
Einen Tag vor Ende der Reise
holt uns der Bademeister
hinauf aus unsren kühnsten Tiefen -
unablässig mit uns schimpfend,
ob wir denn nicht Zeitung läsen:
die Augen noch nicht trocken
buchstabieren wir sogleich:
„Heideschwimmbad geschlossen?
Vermutlich durchtränkt wegen Ertrinkender und Ertränkten!“
Die Ertränkten, das wird uns bald klar,
sind unser beider Unversöhnlichkeiten -
aber die Ertrinkenden? Frage ich eher beredt stumm
den Schwimmmeister.
Schweigen.
Ja, doch, die Ertrinkenden? Bekräftigt die Liebste meine Frage.
Ohne Anklage?
Haben sie die Anfrage meiner Liebsten nicht verstanden?
Die Ertrinkenden?!!
Schreit uns der muskulöse hochgewachsene farbige Mann an.
Das wagen gerade Sie, ja Sie ! mich zu fragen!!?
Gemälde: Unbekannte/r oder Künstler „Undine“
Dialektik der Freundschaft
Ich suche womöglich dein Glück im Gestein,
du suchst meins vermutlich im da sein.
Vielleicht finden wir es im Schmuck.
Aus Bern.
Im Uraltpflanzgewebten -oh, so fein
und nicht vielmehr dort seit ewigen Zeiten im Meer erloschenen ach, so fern,
dem einzigen Liebesstern!?
Kunstkarte: Unbekannte/r oder Künstler „Ohne Worte“
Vermögen
Zwei Bilder an meiner Wand – gemalt:
das kleinere von einem wissbegierigen Mädchen,
das größere von einer höchst erfahrenen Frau.
Im Kleinen leuchtet ein Pokal in Gold auf Weiß für gelungenes Spiel.
Im Großen hörst du Noten in Rot und Gelb:
„In diesen heil'gen Hallen kennt man die Rache nicht.
Und ist ein Mensch gefallen, führt Liebe ihn zurück.“
An guten Tagen begleiten mich die Gemälde
wunderbar auf Schritt und Tritt.
An schweren Tagen trösten und tragen sie
mich?
In gleichen aber nicht im selben Maß.
Anonym bleibende Künstlerin: „Der Pokal“, Juli 2018
Regina Weise:„Die Zauberflöte in der Semperoper, 20. März 2018
Links ist dorten?
Gewiss an Orten, wo der Daumen sich rechts bewegt!
Und der gehört schließlich zu mir.
Mitnichten werde ich ihn mir abschneiden,
bin ja nicht blöd.
Und heimlich verstecken
muss ich ihn ja auch nicht.
Denn vier Finger und ein umfingerter Daumen immerhin
ergeben eine stolz erhobene Faust.
Collage: Eckhard Weise:„Bildnisse des Skulpturendetails einer Stifterfigur im Naumburger Dom sowie der frühen Malerei eines meiner Kinder“, ca. 1986/2019
Und tut Seefahrt nicht Not?
Bin ich denn Schiffskompass,
der zu predigen scheint:
nicht durch schwarzes noch rosafarbenes Fernglas zu schauen,
sondern relative Zufriedenheit in allernächster Nähe baldmöglichst
auf allen Robinson-Crusoe-und-Freitag-Karten der Welt zu entdecken.
Also höre endlich auf mit deinem ewig nervenden ungeölten Gequarke
und schaue nach vorn – auf unserer unendlichen Reise nach Kap Horn.
Gemälde: Susanne Kirwan: „Käpten, mein Käpten. Ahoi!
Allenvalls ein venig mehr als vünf vorsichtige Verse vür den verehrten Verfasser Vontane
Vor Schloss Ribbeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand.
Heute Gestein und andres Ding im Blick.
Flora gewiss. Womöglich auch aufgeschreckte Fauna?
Ein Mensch hält liebe Menschen
vor berühmten verwunschenem Adelssitz
in einem Schnappschuss
zugunsten nachhaltiger Lebendigkeit
freigiebiger Blaublütler für die Nachwelt für immer fest.
Lütt Dern.
