Fortune de France - Robert Merle - E-Book

Fortune de France E-Book

Robert Merle

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oder
Beschreibung

Frankreich im 16. Jahrhundert - es tobt der Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten. Die Christen beider Parteien metzeln einander nieder: es fällt so schwer, den Glauben des anderen zu ertragen. Noch in der kleinen Welt von Burg Mespech im Périgord spürt der junge Pierre de Siorac den Riss, der durch das Land geht. Sein Vater, der Barron, ist Anhänger der reformierten Religion und zwingt die Kinder wie auch das Gesinde, sich gleichfalls zu bekehren. Die Mutter bleibt Papistin, ein nie nachlassender Grund für Konflikte. Und trotzdem ist für Pierre die Burg der Ort, an dem er sich geborgen fühlt. Hier lernt er fechten, reiten, lieben und bildet die Talente aus, die er dereinst - in den folgenden Bänden der Romanserie - dem guten König Henri Quatre leihen wird ... "Fortune de France" - Schicksal Frankreichs - ist ein unterhaltsamer und zudem genau recherchierter historischer Roman, "... und wenn ich mir die geschichtlichen Hintergrundinformationen allein zusammensuchte, dann nicht aus hugenottischer Sparsamkeit, sondern weil es mir großes Vergnügen bereitete und ich mit keine der vielen amüsanten, bunten, schrecklichen oder pikanten Einzelheiten entgehen lassen wollte, von denen die Memoiren jener Zeit übervoll sind." (Robert Merle)

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 650




Robert Merle

Fortune de France

Roman

Aus dem Französischen von Edgar Völkl und Ilse Täubert

Aufbau-Verlag

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Impressum

Titel der Originalausgabe

Fortune de France

Aus dem Französischen von Edgar Völkl

Die Kapitel 11 und 12 übersetzte Ilse Täubert

ISBN E-Pub 978-3-8412-0171-3

ISBN PDF 978-3-8412-2171-1

ISBN 978-3-7466-1213-3

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, 2010

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die deutsche Übersetzung erschien erstmals 1993 bei Aufbau, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Fortune de France © Robert Merle

Die Originalausgabe ist 1977 bei der Librairie Plon in Paris erschienen

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung Preuße & Hülpüsch Grafik Design

unter Verwendung eines Gemäldes

von Jean-Auguste-Dominique Ingres, akg-images

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,

KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

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Impressum

Inhaltsübersicht

ERSTES KAPITEL

ZWEITES KAPITEL

DRITTES KAPITEL

VIERTES KAPITEL

FÜNFTES KAPITEL

SECHSTES KAPITEL

SIEBENTES KAPITEL

ACHTES KAPITEL

NEUNTES KAPITEL

ZEHNTES KAPITEL

ELFTES KAPITEL

ZWÖLFTES KAPITEL

ANMERKUNGEN

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|5|Wird sich das Schicksal Frankreichs wieder

zum Besseren wenden? Oder wird das Land

der Verachtung anheimfallen und für immer

darniederliegen?

Michel de L’Hospital

[Menü]

|7|ERSTES KAPITEL

Meine Familie kann sich nicht rühmen, ihren Adelstitel schon seit ungezählten Generationen zu führen. Erst mein Vater hat ihn erworben. Ich gestehe dies in aller Offenheit ein; denn wollte ich es daran fehlen lassen, würde ich diesen Lebensbericht gar nicht erst beginnen. Mein Vorsatz ist, mich bei der Niederschrift allein von der Wahrheit leiten zu lassen, ohne auch nur ein Jota davon abzuweichen.

Monsieur de Fontenac, welcher manch lästerliche Gemeinheit über uns verbreitet hat, wagte auch zu behaupten, mein Urgroßvater sei – wie Monsieur de Sauve – Lakai gewesen, was eine Lüge ist, für die ich ihm gehörig das Maul gestopft habe.

Wie jeder weiß, hat Monsieur de Sauve sein Ministeramt sowohl seiner höchst bewundernswerten Geschicklichkeit wie den Erfolgen zu verdanken, welche seine Frau als Bediente der Königin Katharina in den Betten der Prinzen von Geblüt errang. So hoch ist unsere Familie nicht aufgestiegen und nicht mit solchen Mitteln. Sie hat auch nicht so weit unten beginnen müssen, obzwar es keine Schande ist, wie ich vermeine, Lakai zu sein: die Angst vor dem Verhungern kann einen armen Schlucker leicht dahin führen.

Aber die Wahrheit ist, daß mein Urgroßvater François Siorac nicht bei fremden Herren Dienst tat, sondern nahe Taniès im Sarladischen ein gutes Stück Land zu eigen hatte und es auch selbst bearbeitete. Wie groß sein Besitz war, weiß ich nicht zu sagen, doch nach der Grundsteuer zu urteilen, welche er dem König zahlte – die höchste in der ganzen Gemeinde –, kann es so wenig nicht gewesen sein. Auch geizig war mein Urahn nicht, denn er gab seinem Pfarrer jeden Monat zehn Sols, seinen zweitgeborenen Sohn Charles das Latein zu lehren, in der Hoffnung vielleicht, selbigen einmal in den geistlichen Stand treten zu sehen.

Mein Großvater Charles, von angenehmem Äußeren – er hatte dasselbe rötliche Haar wie mein Halbbruder Samson –, |8|lernte sein Latein mit Fleiß, doch zog er den Gebeten das Abenteuer vor: mit achtzehn Jahren verließ er das heimatliche Dorf, um im Norden sein Glück zu machen.

Was ihm auch gelang, denn er heiratete in Rouen die Tochter eines Apothekers, dessen Gehilfe er geworden war. Ich weiß weder zu sagen, wie er als Apothekergehilfe zu studieren vermochte, um den Titel eines Apothekermeisters zu erwerben, noch ob er diesen überhaupt erwarb; jedenfalls übernahm er nach dem Tode seines Schwiegervaters dessen Offizin und führte die Geschäfte mit größtem Erfolge. Anno 1514, als mein Vater geboren ward, war er vermögend genug, zwei Meilen von Rouen entfernt eine Mühle mit den dazugehörigen schönen Wiesen zu kaufen, welches Anwesen den Namen La Volpie trug. Und in jener Zeit tauchte dann zwischen Charles und Siorac das kleine Wörtchen de auf, welches mein Vater zwar belächelte, doch nichtsdestoweniger beibehielt. Indes habe ich auf keinem der von meinem Vater aufbewahrten Papiere die Bezeichnung Edler vor der Unterschrift Charles de Siorac, Seigneur de la Volpie, gefunden, was beweist, daß mein Großvater niemandem etwas vortäuschen wollte wie so viele Bürgerliche, welche sich ein Anwesen kaufen, nur um sich mit einem Titel zu schmücken, den der König ihnen gar nicht verliehen hat. Der unechten Adeligen gibt es die Menge, wie ein jeder weiß. Doch ist ihr Vermögen nur ansehnlich genug, eine Heirat zu rechtfertigen, dann drücken auch die echten Adeligen ein Auge zu.

Mein Vater Jean de Siorac, denn so nannte er sich, war zweitgeborener Sohn wie schon sein Vater Charles und wie ich selbst es bin. Eingedenk dessen, was der alte François Siorac mit den so kostspieligen Latein-Lectiones für ihn getan, schickte Charles seinen Sohn Jean nach Montpellier, auf daß er dort die Medizin studiere. Dies bedeutete eine gar weite Reise, einen langen Aufenthalt in der Fremde und ein selbst für einen Apotheker beträchtliches Opfer an Geld, doch der alternde Charles träumte davon, daß sein Ältester Henri die Offizin übernähme und sein Zweitgeborener Jean sich als Medicus in der Stadt niederließe; solcherart den Patienten von zwei Seiten bedrängend, würden beide ein gutes Auskommen finden, so Gott wollte. Was seine drei Töchter betraf, welche in seinen Augen wenig zählten, so stattete er sie dennoch mit einer Mitgift aus, deren er sich nicht zu schämen brauchte.

|9|Mein Vater erwarb also in Montpellier den Grad eines Baccalaureus und hernach den eines Lizentiaten der Medizin, doch konnte er seine Doktordisputation nicht abhalten. Zwei Tage vor dem festgesetzten Tage mußte er aus der Stadt flüchten, alldieweil es ihn nicht danach gelüstete, mit einer Schlinge um den Hals seinen letzten Blick zum Himmel zu tun und anschließend in vier Teile gerissen zu werden, welche vier Teile dann gemäß dem örtlichen Brauche an den Ölbäumen vor den Toren der Vorstadt aufgehängt wurden: ein Brauch, welcher mich seltsam berührte, als ich dreißig Jahre später höchstselbst an einem sonnigen Junimorgen in diese schöne Stadt einritt und dabei die verwesenden Teile gehenkter Frauen gewahrte, welche zum Exempel an den Zweigen dieser Bäume hingen, die es sich gleichwohl nicht versagten, fleißig Früchte zu tragen.

Wenn ich meinen Vater heutigentags ansehe, so vermag ich mir kaum vorzustellen, daß er vor dreißig Jahren ebenso ungestüm war wie ich, ebenso waghalsig und den Weibern nicht weniger zugetan. Denn in der Tat war ein gewißlich ganz nichtsnutziges Frauenzimmer der Anlaß, daß mein Vater einen kleinen aufgeblasenen Edelmann, welcher ihn herausgefordert, in ehrlichem Duell mit seinem Degen durchbohrte.

Eine Stunde darauf erblickte Jean de Siorac von einem Seitenfensterchen seines Quartieres die Büttel, welche an die Haustür schlugen. Er sprang kurzentschlossen aus einem Hoffenster, schwang sich auf sein zum Glück noch gesatteltes Roß und sprengte mit verhängten Zügeln zur Stadt hinaus. Nur mit einem Wams angetan, barhäuptig, ohne Mantel und Degen rettete er sich in das Cevennen-Gebirge und fand zuerst Unterschlupf bei einem Studiosus, welcher hoch droben in einem Bergdorf sechs Monate lang die Heilkunst ausübte, bevor er zu Montpellier seine Doktordisputation abzuhalten gedachte. Alsdann durchquerte mein Vater die Auvergne und gelangte ins Périgord, wo der alte François Siorac ihn mit Kleidern, Wehr und Waffen versah, ehe er ihn auf den Weg nach Rouen zu seinem Sohne Charles schickte.

Doch in der Zwischenzeit hatten die Eltern des Edelmannes, welche die Sache nicht auf sich beruhen lassen wollten, Klage eingereicht beim Parlament zu Aix, und so wäre es trotz der Protektion, welche mein Großvater als Apotheker genoß, nicht klüglich gewesen, daß Jean de Siorac sich zu Rouen in aller Öffentlichkeit zeigte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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