Frei wie ein Vogel und doch gefangen im eigenen Körper. - Lara Linda Raiser - E-Book

Frei wie ein Vogel und doch gefangen im eigenen Körper. E-Book

Lara Linda Raiser

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Beschreibung

Dieses Buch handelt von der Lebensgeschichte eines jungen Mädchens, welches heute 15 Jahre alt ist und an einer infantilen Cerebral Parese leidet. Deshalb ist sie in der Bewegung der unteren Extremitäten eingeschränkt und zugleich wird ihr Gangbild sichtlich beeinflusst. Sie schildert ihre Lebensgeschichte bis zum heutigen Tage. Ihrer Meinung nach unterscheidet sich ihr Buch von dem klassischen Schreibstil eines Körperbehinderten, der seinen Alltag ausschließlich aus seiner Perspektive und zugleich sehr negativ beschreibt. Denn, sie hat eine andere Art zu schreiben gewählt, nämlich, eine Situation aus unterschiedlichen Perspektiven zu schildern. Da sie sich sehr gut in die Lage einer "Regel Person" versetzen und deren Standpunkte verstehen kann. Dadurch können die Leser ihre Lage vermutlich um einiges besser verstehen und nachvollziehen! Diesen Dialog zwischen "Behindert und nicht Behindert" versucht sie in ihrem Buch des Öfteren mit einfließen zu lassen, um der Bevölkerung zu zeigen, dass es durchaus auch ein miteinander gibt, dass nicht nur auf "Bitte keine Diskriminierung" beruht! Im Laufe der Geschichte lässt sie auch vermehrt die Unterschiede zwischen der deutschen und der brasilianischen Denkweise mit einfließen, da ihre Mutter brasilianischer Abstammung ist.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 169

Veröffentlichungsjahr: 2022

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© 2023 Lara Linda Raiser

Druck und Distribution im Auftrag der Autorin:

tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Deutschland

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Über mich

Ich heiße Lara Linda Raiser und war als ich anfing dieses Buch zu schreiben 15 Jahre alt. Ich lebe mit meinen Eltern in München, meiner Heimatstadt.

Nun wünsche ich euch viel Spaß mit meinem Buch!

Widmung

Meinem Papa und meiner Mama.

Des Weiteren möchte ich mich bei meinem Opa Günther und Oma Karin ganz herzlich für das Korrekturlesen bedanken!

Inhaltsverzeichnis

Cover

Urheberrechte

Über mich

Widmung

Kapitel 1 - Hilfe zur Selbsthilfe

Kapitel 2 - Die Macht der Erziehung

Kapitel 3 - Der Aufbruch in eine unbekannte Welt voller Herausforderungen

Kapitel 4 - Felicitas filmreife Geburt

Kapitel 5 - Unachtsamkeit oder Schicksal

Kapitel 6 - Übersprunghandlung

Kapitel 7 - Der reelle Engel

Kapitel 8 - Die Indianerin

Kapitel 9 - Mit genügend Willenskraft kann man Unmögliches Möglich machen

Kapitel 10 - Wortwörtliche Einwilligung

Kapitel 11 - Erste soziale Integration

Kapitel 12 - Erste Schritte mit Hilfe eines „Posteriol Walkers“

Kapitel 13 - Die Einschulung

Kapitel 14 - Eigene Entscheidung für Realschule

Kapitel 15 - Die echte Felicitas

Frei wie ein Vogel und doch gefangen im eigenen Körper.

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Urheberrechte

Über mich

Widmung

Kapitel 15 - Die echte Felicitas

Frei wie ein Vogel und doch gefangen im eigenen Körper.

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Kapitel 1 - Hilfe zur Selbsthilfe

Die Anfänge, sie waren ganz gewöhnlich fast schon der Norm entsprechend anders gesagt, „normal“, sofern sich etwas überhaupt als normal bezeichnen lässt. Christina führte ein erfülltes Leben inmitten der Idylle und gleichzeitig inmitten der Angst vor Gewalt und Kriminalität, doch die Idylle überwiegt, zumindest zumeist.

Sie hauste mit ihrem Vater Carlos, ihrer Mutter Amanda und ihren beiden Geschwistern Fernando und Ricarda in einem kleinen Mehrfamilienhaus am Rande der Stadt Salvador de Bahia in Brasilien. Das Haus war schnucklig, süß, schön anzusehen fast schon eine Touristenattraktion, voll tropischer Blumen, typischen Bemalungen, ursprünglichen Rollläden und kleineren Verzierungen an den verschiedensten Wänden. Das, das war die Fassade!

Doch es war nicht nur die Fassade des wunderbaren Hauses, in dem sie wohnten, denn das war von innen fast genauso schön wie von außen, modern ausgebaut, mit Spielzimmer für die Kleinkinder, Computerzimmer für alle die, die sich keinen eigenen Computer leisten konnten, kostenlosem WLAN für alle die, die einfach mal entspannt bei einer guten Musik die Ruhe suchten, sogar mit einem Nagelstudio auf Professioneller Basis konnte dieses Haus dienen. Zweimal am Tag kam ein Service vorbei der einem den Müll runter brachte, das Treppenhaus reinigte und das Haus im Allgemeinen in Schuss hielt, dafür stellte man sogar eine Rezeptionistin bereit, welche die Abläufe und das Arbeitsverhalten der Angestellten überwachte. Einmal pro Woche, immer samstags konnten einige Familien mit ihren Kindern unten im Keller einen Film mitbringen, diesen sah man dann an der bereitgestellten Leinwand an.

Im Grunde genommen war der Film nur Nebensache, das Wesentliche am Kinoabend war das Beisammensein, das gesellschaftliche Ereignis, welchem man schon die ganze Woche entgegengefiebert hatte. Sobald man den Moment genauer betrachtete roch man förmlich den Ballast, der wider Erwarten mit der ersten verputzten Popcorntüte abfiel, wie man entgegen aller Probleme, vor die einen der Alltag stellt, entgegen aller Sorgen, entgegen aller Ängste, ja im Grunde genommen entgegen allem was irgendwie negativ war einfach mal man selbst sein konnte. Man war ausgelassen, frei, hatte Spaß, konnte neue Dinge lernen auf den verschiedensten Ebenen, ganz egal ob im sozialen Interagieren oder durch die Erfahrungen anderer Menschen, anderer Mitmenschen. Man holte sich Rat von denen die es besser wussten, von denen die mehr Lebenserfahrung hatten. Alle Generationen trafen sich an diesem Abend, um sich auszutauschen, um sich zu bestärken, um einander Kraft zu schenken egal ob jung oder alt, man traf sich inmitten seines Hauses, um einfach mal zu quatschen über Themen, die einen bewegen Themen, die einem den Alltag erschweren oder erleichtern ganz egal, man war immer in netter Gesellschaft. Man kannte sich, man half sich war immer füreinander da, es war eine ganz andere Welt als wir sie heutzutage hier kennen in Europa oder in Deutschland, man war eine verschworene Gemeinschaft die nicht aufgrund ihres Bluts, sondern aufgrund ihrer Herzen, der Seele miteinander verbunden und in gewisser Weise sicher auch verwandt war. An diesem Ereignis nahmen nicht nur Familien aus demselben Wohnhaus, sondern auch Familien aus der Nachbarschaft oder die Angestellten im Housekeeping teil, denn diese waren ebenfalls ein gleichgestellter Teil der verschworenen Gemeinschaft.

Diese Mentalität äußerte sich nicht nur innerhalb der Nachbarschaft oder dem Haus, auch im Privaten war dies eine Selbstverständlichkeit. Christina und ihre Geschwister wuchsen in dieser Atmosphäre heran, sie stammten aus einer gut situierten Familie, die es sich leisten konnte, eine Putzfrau einzustellen, um den Haushalt nicht alleine bewerkstelligen zu müssen, dasselbe galt für ein Kindermädchen. Ich habe eben bewusst das Wort Putzfrau verwendet, welches wir im Alltagsgebrauch des Öfteren benutzen, um jemanden zu beschreiben, der uns im Haushalt hilft und beispielsweise die Wohnung putzt. In Deutschland oder Europa ist es von Nöten sich neue interessant und aufwertend klingende Bezeichnungen für die verschiedensten Berufsgruppen zu überlegen beispielsweise den Hausmeister als Facility Manager oder die Putzfrau als zertifizierte Fachkraft für Reinigung. All diese Bezeichnungen, die sich innerhalb des 21. Jahrhunderts in Deutschland und im kompletten europäischen Raum immer weiterverbreiteten, erst im Laufe der letzten Jahre wirklich Form annahmen und teilweise sogar im deutschen Gesetzbuch mit Geldbußen verbunden niedergeschrieben wurden, sind in den meisten brasilianischen Familien schon über mehrere Generationen hinweg zur Selbstverständlichkeit geworden. Dort kommt man ohne spezielle aufwertende Bezeichnungen aus, da man seiner Haushälterin oder Putz Dame automatisch ohnehin schon eine anerkennende Bezeichnung verleiht und ihr so einen festen Platz in der Familie beziehungsweise dem Bekanntenkreis verschafft. So werden diese meistens zwar beim Vornamen genannt, dennoch werden sie weder angeschriehen noch herumkommandiert, ganz im Gegenteil ihnen wird gelegentlich sogar zur Hand gegangen, weil man den Jüngsten der Familie so Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft lehrt.

So wuchsen die drei Geschwister immer weiter heran, gingen zur Schule, trafen sich mit Freunden, fuhren in den Urlaub, und genossen eine relativ unbeschwerte Kindheit. Doch hinter all dem Positiven verbargen sich auch einige Schattenseiten. Der Aspekt der Sozialkompetenz, der Empathie, des Miteinanders war gedeckt. viele Dinge liefen gut besser als sie es hier im „1. Welt Land“ je taten. Wir befinden uns im Sommer des Jahres 1987, in dem Christina gerade mal 15 Jahre alt war. Seit dem 2. Weltkrieg waren verhältnismäßig noch sehr wenige Jahre ins Land gegangen, das Ende des schrecklichen Ereignisses, bei dem Hunderttausende Menschen qualvoll ihr Leben ließen liegt gerade mal 42 Jahre zurück. Innerhalb dieser Jahre wandern Zehntausende deutsche Staatsbürger nach Brasilien aus, um dort den Frieden und die Einigkeit zu finden oder sich eine Zukunft aufzubauen ohne ständig um sein Leben bangen zu müssen. Dem zu trotz hat man bis heute in der brasilianischen Gesellschaft ein sehr positives Bild der Deutschen, geprägt von Struktur Reichtum und Ordnung.

Was sich hierzulande nur noch in den Geschichtsbüchern abspielt, ist in Christinas Heimatland leider immer noch bittere Realität. Es herrscht Hunger, Armut, Kriminalität und Korruption, auch das lässt das Leben einen im Alltag am eigenen Leib immer wieder spüren. Deshalb wird Christinas Haus so schön es auch sein mag rund um die Uhr bewacht, jedes Mal, wenn sie Besuch bekommt wird erst einmal von der Rezeption aus angerufen, um dem Besuch den Zutritt zum Haus zu erlauben Die ganze Prozedur dient ausschließlich dazu die Menschen zu schützen und die Kriminalität zu mindern. Die meisten im Land sind herzlich, nett, aufgeschlossen, das mag vielleicht sogar für jenen gelten der seine nächsten beklaut oder ihm sein Geld stiehlt.

So lief Christina einst mit ihren Geschwistern über den Fußweg an der Strandpromenade der Prajia da Baha, Salvadors bekanntesten Strandabschnitt, an dem sich ein magischer Sonnenuntergang beobachten ließ, geprägt vom Klang der Wellen, dem Geruch des Meeres, der zartrosa und doch knallgelben Farbe des Himmels, und vor allem der Ausgelassenheit der Menschen die, die letzten Minuten ihres wunderbar ausklingenden Strandtags genossen, einige von ihnen schlürften ihren letzten Cocktail, oder tranken ihr letztes Kokoswasser aus einer frischen knallgrünen Kokosnuss, deren Duft seinen Weg bis in Christinas Nase fand. Es war fast wie in den zahlreichen Filmen, in denen Mensch und Natur eins werden, die Palmen sich dem Wind anschmiegen und ihre Blätter tanzen lassen, ganz hinten im Wasser befand sich noch ein couragierter Surfer, der die perfekte Welle suchte, alles schien im Einklang und doch trügt der Schein.

Im Vorbeigehen werden die drei herzlich von einem Nachbarsjungen begrüßt, der gerade seine Schwimmeinheit beendet hatte und nun zum Essen zurück nach Hause lief, die Stimmung war gut, es lag ein Hauch von Glück in der Luft, überall wohin man auch sah waren zufriedene Gesichter, die aus dem Strahlen gar nicht mehr herauskamen. Dabei war es schlichtweg egal ob sie Touristen oder Einheimische waren, ob sie dunkle Haut hatten oder europäischen Ursprungs angehörten. Der Duft eines frisch gepressten Orangensafts und der eines traditionellen Chuhascos, eine speziell zubereiteten Grill Delikatesse für die Brasilien weit über seine Grenzen hinaus bekannt ist, schoss den Geschwistern in die Nase. Schräg gegenüber von ihnen in einem kleinen Restaurant am Fuße des kleinen Bergs auf dessen Spitze sich ein schwarz-weiß gestreifter Leuchtturm befand, saß ein junges Paar, welches aussah als wäre es gerade erst frisch vermählt, vielleicht trat es sogar gerade seine Hochzeitsreise an. So oder dergleichen könnte man zu jedem Gast, der in einem solchen Restaurant sitzt, eine individuelle Geschichte erfinden, basierend auf dem Sichtbaren, sprich basierend auf dem was die Menschen in diesem Moment von sich preisgeben, das können sowohl schöne als auch hässliche Dinge sein.

Einige Augenblicke später drehte sich Carlos um rund 180 Grad um, der Anblick, dem er wenige Sekunden später ausgeliefert war, war kein schöner. Er sah , seinen Nachbarsjungen, dieser war unten am Wasser gerade dabei einem wehrlosen Touristen sein Portemonnaie aus der Handtasche zu stehlen, die in jenen Moment unbeaufsichtigt im feinen Sand lag, weil der Besitzer sich wärendessen ein Bad im Meer gönnte. Als Außenstehender fragt man sich jetzt, warum keiner der Geschwister irgendwie eingegriffen hat, warum niemand hinter dem Dieb hergelaufen ist oder versucht hat die Handtasche wieder zurück zu holen. Dieses Handeln würden wir in Deutschland als Zivilcourage loben und im Grunde genommen in gewisser Weise sogar von unseren Mitbürgern erwarten. Aber so einfach ist es in Brasilien nicht zur Hand haben denn, wenn man so etwas voraussetzen würde, könnte man davon ausgehen das ungefähr jeder vierte Fußgänger in irgendeinen Interessenkonflikt eben zum Beispiel in einen Taschendiebstahl gerät. Da man sich egal um welche Altersstufe oder um welches Geschlecht es sich bei dem Dieb handelt nie hundertprozentig sicher sein kann, ob dieser vielleicht unter Einfluss von Drogen oder Medikamenten steht, würde man durch sein Eingreifen unter solchen Umständen unbewusst sein eigenes Leben in die Waagschale werfen. Deshalb wird einem in Brasilien immer angeraten sich ehr von solchen Diebstählen oder Interessenkonflikten im Allgemeinen zu distanzieren, um sich nicht selbst in die Schusslinie zu begeben. Leider machen einige sogar meiner Wortwahl Gebrauch und zücken unerwartet eine Waffe, weil sie sich von ihrem gegenüber bedroht oder ertappt fühlen. Aufgrund dessen wird wie schon gesagt gerade Touristen aber auch Einheimischen intensivst angeraten sich in einem solchen Fall niemals einzumischen!

Demzufolge hielten sich auch Christina und ihre Geschwister an den vorhergegangenen Rat, nahmen sich dennoch vor Nivaldos Eltern beim nächsten Antreffen auf den Diebstahl aufmerksam zu machen. Da sich die Geschwister über das Tatmotiv bereits im Klaren waren gingen sie nicht davon aus, dass die Eltern irgendetwas gegen das erneute Auftreten einer solchen Tat unternehmen würden. Trotz alledem hielten sie es für wichtig und richtig diese zumindest über die Geschehnisse zu informieren. Ähnliche Taten mit demselben Tathergang häuften sich in den letzten Jahren landesweit, weil die durchschnittliche Armut etwas zu nahm.

Auf Nivaldo bezogen ist das Tatmotiv bereits in der Nachbarschaft bekannt, seine Familie zog erst vor rund zwei Monaten stolz aus der Favela, den ärmsten Vierteln Brasiliens, in eine richtige Stadt und sogar in ein richtiges Haus. Das Leben in einer solchen Favela ist unvorstellbar hart und hinterlässt Spuren wie den Diebstahl von Handtaschen oder Wertsachen. Wie oben schon kurz erwähnt versteht man unter dem portugiesischen Begriff „Favela“ ein selbst gebautes Dorf, das von Geringverdienern beziehungsweise ärmeren Familien oft über mehrere Generationen besiedelt ist. Meist befindet sich ein solches Dorf auf einem Hügel oder einen höhergelegten Ort am Rande der Städte dadurch, dass dieser Ort ausschließlich von armen Familien bewohnt wird ist die Kriminalitätsrate dort enorm hoch.

Wie einst Nivaldo selbst berichtete ist das Leben in einer Favela wie folgt zu beschreiben.

Die Bewohner sind in den meisten Fällen sehr leicht zu erkennen, sie tragen alte, oft kaputte oder beschädigte Kleidung, die aller Wahrscheinlichkeit nach aus mehreren selbst zusammengenähten Stofffetzen besteht oder zumindest ihre besten Jahre schon hinter sich hatte. Den heißen Temperaturen hält sie aufgrund der geringen Qualität in der Regel nicht lange stand und bleicht deshalb extrem schnell aus. Auch am Schuhwerk lässt sich leicht erkennen wer aus der Favela stammt, denn dort werden nur in den seltensten Fällen Schuhe getragen, so sind die Füße quasi von Geburt an bezüglich der heißen Böden abgehärtet. Soweit zur Bekleidung. Kommen wir nun zum Aufbau und den Bauwerken einer Favela. Bereits seitdem sich Menschen in den Städten ansiedelten wurde radikal zwischen „Arm“ und „Reich“ unterschieden und getrennt, deshalb mussten sich ärmere Menschen schon seit jeher eine preiswerte Art zu leben überlegen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich so die ersten höhergelegenen Armenviertel Brasiliens diese nannten sich Favelas, Sie waren allein schon aufgrund ihrer Lage vom Rest der Population in gewisser Weise getrennt. Bedauerlicherweise werden sie den Bildern, die in den Köpfen der Menschen, entstehen, wenn sie an Favelas denken mehr als gerecht. Sofern man einer Favela angehört ist man ein Teil der Gemeinschaft sprich man wird nicht von seinen Nachbarn oder Mitbewohnern angegriffen. Gleich wie auch in den normalen Wohn oder Nachbarschaften beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus hilft man sich auch innerhalb der Favela gegenseitig. Um zur Favela zu gelangen muss man meist einen Hügel besteigen, da diese nicht direkt an die Städte grenzen, sondern wie schon des Öfteren erwähnt am Gipfel des Bergs liegen. Erreicht man nach einem langen beschwerlichen Fußmarsch sein Ziel, passiert einem nichts, solange man den Bewohnern bereits bekannt ist. Falls dem aber nicht so sein sollte wird man in den meisten Fällen auf kurz oder lang attackiert, da in der Mehrzahl aller Armenviertel auch Anhänger der Mafia oder anderen kriminellen Organisationen beherbergt werden und man deshalb fürchtet der Eindringling könnte möglicherweise der Polizei angehören. Daraufhin würde die Favela aufgelöst und Geldbußen bis hin zu Gefängnisstrafen wegen illegaler Beherbergung gemeingefährdender Personen verhängt. Selbst, wenn die Menschen unbeschadet davon kämmen stünden sie bei einer Schließung ganz ohne Zuhause in Einsamkeit auf der Straße und wären einem Teufelskreis ausgeliefert der mit sich bringt, dass sie weder Nahrungsmittel beschaffen noch sich und ihre Kinder ernähren oder ihnen ein Zuhause in Geborgenheit bieten können. Aufgrund dessen sollte man eine Favela als Tourist nur mit einer speziell dafür ausgelegten Führung betreten, hierbei ist das Risiko wesentlich geringer, da der Führer den Bewohnern meistens vertraut ist und sie deshalb die Ruhe und den Frieden bewahren. Trotzdem selbst dabei sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Besuch in einer Favela immer ein Risiko birgt. Sobald einem der Zutritt gewährt wurde, steht man direkt vor einer Vielzahl an selbstgebauten Hütten und Häusern, die aus den verschiedensten Materialien zusammengebaut wurden, manchmal sogar einer Art Recycling Hütte ähneln, da die Materialien zumeist aus Mülldeponien oder anderen Institutionen der gleichen stammen. Dies ist darauf zurück zu führen, dass sich diese Gesellschaftsgruppe bessere Materialien nicht leisten kann. So kommt es, dass die Familien sich in einem solchen Vierteln ansiedeln und nach und nach eine Unterkunft zusammenbauen, die im besten Fall regengeschützt ist, architektonisch erinnern diese Unterkünfte tatsächlich mehr an ein Survival Camp als an einen festen Wohnsitz. In den meisten dieser Bauten muss man sich einen gemeinsamen Wasseranschluss teilen das heißt man muss wie in vergangenen Zeiten sein Wasser beispielsweise aus einem gemeinsamen Brunnen pumpen, dabei ist nur extrem selten eine Trinkwasser Qualität gewährleistet, da das Brunnenwasser meist Regenwasser ist, auch die Wassermenge beläuft sich in der Regel aufgrund des geringen Niederschlags maximal auf einige Liter am Tag, diese müssen möglichst gerecht und zu gleichen Teilen zwischen den Familien aufgeteilt werden. Wie aus der vorhergegangenen Schilderung sicherlich schon ersichtlich wird, sind die Wassermengen pro Kopf sehr gering und es muss sehr sparsam mit dieser wertvollen Ressource umgegangen werden, außerdem muss ihr Verbrauch genau durchdacht sein, da es für alle Situationen reichen muss. Das heißt man muss mit dieser Wassermenge sowohl ausreichend trinken als auch kochen, duschen oder Landwirtschaft betreiben, auch kann man Lebensmittel und Mineralwasser zwar in den Supermärkten der zugehörigen Städte kaufen, das übersteigt aber meist die liquiden Mittel der Familien, weshalb es für sie keine Möglichkeit darstellt. Ihre Geschäfte müssen die Menschen in überholten Plumpsklos verrichten, weshalb dort immer ein gewisser Mief in der Luft liegt, da die Ausscheidungen im Laufe der Zeit in der Erde verrotten und währenddessen weder geklärt noch irgendwie gereinigt werden. Was im Grunde genommen heißt das die gesamten Gase und Gerüche, die beim Verrotten frei werden von den Menschen ertragen werden müssen, durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die heißen Temperaturen wird der Prozess zwar beschleunigt, die Gerüche aber auch entsprechend intensiviert. Nach Nivaldos eigenen Angaben gewöhnt sich die menschliche Nase aber relativ schnell an andauernde, unangenehme Gerüche, wodurch sie für einen selber gar nicht mehr störend wirken. Das Gesamtbild einer Favela ist extrem niederschmetternd. Als Europäer würde man das Ganze vermutlich als Aneinanderreihung selbstgebauter, ungepflegter, heißer, manchmal sogar einsturzgefährdeter Holzhütten oder Notunterkünften bezeichnen. Dadurch, dass so viele verschiedene