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Gespräche, belauscht auf dem Friedhof in Hamburg Ohlsdorf. Unterhaltungen, wie im richtigen Leben. 24 Gespräche habe ich aufgeschrieben! Man kann es ernst nehmen, muss man aber nicht! Sollte ihnen das eine oder andere bekannt vorkommen, wäre das purer Zufall! Mit Sicherheit! :)
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Seitenzahl: 72
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Hans Werner Vogelwiesche
Friedhofsgespräche
Worüber das Jenseits spricht! II
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Friedhofsgespräche
Erwin und die Unterwäsche
Impressum neobooks
Der Ohlsdorfer Friedhof ist mit 391 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt. Neben zwölf Kapellen, drei Feierhallen, drei Freilichtmuseen, siebzehn Kilometern Straßennetz, sieben Friedhofsgärtnereien, 36.000 Bäumen, fünfzehn Teichen, findet man auch 235.000 Grabstellen und zwei Buslinien mit 22 Haltestellen in Hamburgs größter Grünanlage. Jährlich besuchen 1,2 Millionen Menschen dieses Gesamtkunstwerk.
24 Gespräche aus der Gruft. Von Menschen, die wir alle schon längst im Reich der ewigen Ruhe wähnten.
Prominente oder Leute wie du und ich, alle haben danach noch etwas zu sagen.
Es werden Probleme gewälzt, wie im richtigen Leben.
Ich habe mir erlaubt, die Herrschaften ein wenig zu belauschen.
„Was mich wirklich stört, ist der Regen!“, sagte Erwin etwas säuerlich.
Sein Nachbar reagierte nicht.
„Nicht nur dass dieses Geprassel mir auf die Nerven geht! Nein, es ist auch diese ekelhafte Feuchtigkeit!“ Erwin holte tief Luft und wollte fortfahren.
Doch Bernd kam ihm zuvor.
„Es wird dir noch einiges mehr auf die Nerven gehen! Das kann ich dir versprechen!“, sagte er mit einer emotionslosen Routine.
„Na, du musste es ja wissen. Du kennst die Gegend und die Bedingungen hier besser als ich.“, sagte Erwin mit einer deutlich ruhigeren Stimme.
„Warte mal ab bis die Kinder kommen und Fußballspielen. Was ist dagegen schon ein Regentropfen.“, erwiderte Bernd mit einem süffisanten Grinsen.
„Was heißt hier Fußballspielen? Das ist doch offiziell verboten. Es werden doch wohl Schilder aufgestellt sein, die auf dieses Verbot hinweisen. Wegen der Ruhe.“, sprach Erwin und schlug die Beine übereinander. Zufrieden etwas Kluges von sich gegeben zu haben.
„Glaubst du allen Ernstes, dass sich ein Mensch daran hält?
Jedes Verbot fordert doch die Übertretung geradezu heraus!“, widersprach Bernd.
„Aber wir wohnen schließlich hier!“, kam der etwas zögernde Einwand von Erwin.
„Zeitlich begrenzt.“, meinte Bernd fast ein wenig genervt. „Ja, aber ich habe hier noch einige Jahre vor mir. Sollte es also
wirklich so laut werden durch nervige Kinder und deren Bälle,
werde ich mich beschweren!“ Fast schon trotzig stieß Erwin diese Drohung aus.
„Tu das!“ War die kurze und knappe Antwort.
„Du kannst mir nicht sagen, bei wem ich mich beschweren könnte?“, kam die schüchterne Frage.
„Ich habe keine Ahnung!“, war die postwendende Antwort. Begleitet von einem leisen Grunzen.
„Naja,“ sagte Erwin, „lassen wir erst mal alles auf uns zukommen. Ich muss mich akklimatisieren. Das wird es sein. Ich denke wenn ich lange genug hier bin, sehe ich viele Dinge auch so gelassen wie du.“
„Das will ich doch schwer hoffen!“, erwiderte Erwin. „Schließlich haben wir noch ein paar Jährchen nebeneinander.“
Eine kurze Zeit herrschte Ruhe.
„Sag mal, hast du eigentlich genug Wäsche mit?“ , kam die etwas überraschende Frage von Erwin.
„Welche Wäsche?“ Wollte Bernd wissen.
„Na, die Wäsche zum wechseln!“
„Willst du mich verarschen?“, reagierte Bernd ziemlich heftig. „Alles was wir brauchen könnten, wäre ein Rasierapparat.“
„Stimmt!“, flüsterte Erwin!
Kurze Zeit später.
„Irgendetwas zwickt mich in den großen Zeh!“, stieß Erwin etwas überrascht aus.
Bernd gähnte und sagte: „Ja, so fängt es immer an!“
„Meinst du wirklich, dass sie auch nur das geringste Interesse an mir hatte?“, sagte er mit fragenden Blick in Richtung seines alten Kumpel Wolfi.
„Klar!“, antwortete dieser. „So wie sie dich angesehen hat, mag ich schon meinen, dass sie ganz schön scharf auf dich war!“
Klausi sackte in sich zusammen und fluchte leise in sich hinein. „Wie konnte mir das nur passieren?“, purzelte es langsam aus ihm heraus.
„Du wirst eben alt, mein Freund. Alt und anders! Verstehst du?“, griente Wolfi ziemlich gemein in Klausis Richtung.
Der vergrub sein Gesicht in beide Hände und dachte an die verlorene Chance. An die nie wiederkehrende Gelegenheit. Er war ein Versager. Soviel stand fest.
Wolfi hatte recht. Wir werden alt. Zu nichts mehr zu gebrauchen. Nicht mal den kleinsten Flirt bekommen wir hin. „Meinst du wir kommen noch einmal in so eine Situation, dass wir die Möglichkeit haben dieses eingerostete Gefühl wieder zu kosten wie im früheren Leben?“
„Weiß nicht?“, antwortete Wolfi ziemlich resignierend. Was wohl eher die Bedeutung eines Nein hatte.
„Es ist alles so nichtig ohne dieses Gefühl. Ohne diese Angst, etwas zu verlieren, was man doch gar nicht besitzen kann!“, spulte Klausi seine Gedanken ab.
„Magst recht haben!“, eiferte Wolfi. Doch in unserem Alter sind andere Dinge Prior!“
„Sag mir doch mein Freund, welche Dinge für den Menschen wichtiger sind, egal in welchem Alter, als dieses Berg und Tal
Gefühl? Dieses nicht mehr Sein können und dieses niemals gehen
wollen Gefühl?“, fackelte Klausi sein Innerstes ab.
„Es ist das Gefühl, morgen weg zu sein. Das Gefühl der Angst, die jugendliche Unsterblichkeit verloren zu haben!“, entgegnete Wolfi mit einem schelmischen Seitenblick auf seinen langjährigen Weggefährten.
„Das sind keine Gefühle, mein lieber Freund, das sind animalische Instinkte. Jedes Vieh auf der umzäumten Wiese denkt so!“ „Was sind wir denn anderes als Vieh mit IQ?“, fragte Wolfi provozierend!“
„Wir sind der Unterschied!“, sprach Klausi gleich einem Pfaffen auf der Kanzel. „Wir sind Träumer, Reisende, Suchende, Schaffende und Hoffende! Und manchmal, wenn wir nicht mehr damit rechnen, sind wir Liebende!“
Dann war da nur noch das Geräusch des Windes im Goldenen Lebensbaum und über den Kreuzen und Lichtern zu hören. Die Tore waren längst geschlossen.
„Vier Schlaganfälle!“ Tobias sagte es in einem betont gleichgültigen Ton.
„Fünf Herzinfarkte!“,kam es fast schon stolz zurück.
„Beides ist wohl eher nicht zu empfehlen!“
„Nein, das sehe ich auch so!“, sagte Wolfgang in einem lässigen Ton.
„Eigentlich hatte ich Glück.“, meinte Tobias. Mich hätte schon wesentlich früher der Schlag treffen können.“
„Na, so geht es uns doch allen! Frag doch mal nach, was die Nachbarn dazu sagen! Es sind gewiss auch welche dabei, die
unzufrieden sind und meinen, es hätte auch ein paar Jahre
später passieren können. Doch ich denke, jeder trägt einen Teil Schuld an dem was passiert!“, schwadronierte Wolfgang zum Thema.
„Nicht alle haben Schuld!“, sagte Tobias. „Ich kenne da einen Professor, der sein Leben nur der Wissenschaft und seiner Gesundheit gewidmet hatte. Auch der hatte seinen Schlag!“ „Das kommt vor.“, meinte Wolfgang.
„Ich war mein Leben lang sportlich und trotzdem waren die Infarkte schneller als ich!“ „Stress!“, erwiderte Tobias. „Ich sage nur Stress! Wie lassen uns zu sehr von der Gesellschaft einspannen für Dinge, die wir gar nicht wollen und die uns nicht interessieren.“
„Wir sind die Gesellschaft!“, erwiderte Wolfgang.
„Da hast du recht und deshalb sollten wir etwas ändern.“ „Bist du der Meinung, dass jemand auf uns hören wird?“, sagte Wolfgang und runzelte die Stirn.
„Eher nicht!“, kam die schüchterne, fast schon geflüsterte Antwort.
„Na also, nehmen wir es so wie es ist und richten uns so gemütlich wie möglich ein.“
„Wahrscheinlich hast du recht!“, resignierte Tobias.
„Ich kann mich noch gut an meinen ersten Schlag erinnern!“, setzte Tobias nach einer kurzen Pause das Gespräch fort. „Es war im Sommer 88. Wir waren im Urlaub an der Ostsee und es war brütend heiß. Ich wollte eigentlich in die Berge aber meine Frau und die Kinder wollten ans Meer. Naja, ich ging ins Wasser und kippte um. Die Kinder lachten sich schlapp und meine Frau rief nach einigen Minuten 'nun steh aber wieder auf Tobi'.
Dann stand da so ein Typ vor mir mit einer Signalfarbenen Jacke und fragte mich nach meinem Namen. Das wars dann! Seit dieser Zeit verspüre ich eine Abneigung gegen Wasser, das höher steht als meine Knie.“ „Hörst du mir überhaupt zu?“, krächzte Tobias
in Richtung Wolfgang.
Nach einigen Sekunden der Stille hörte er ein verkniffenes: „Zu dem Wasser könnte ich dir noch etwas unerfreuliches sagen. Doch viel wichtiger ist, dass irgend etwas auf meinem linken Auge sitzt!“
„Es ist Weihnachten.“, sagte Anna zaghaft und ein wenig weinerlich.
„Jetzt kommen sie bald. Die Verwandten, Freunde und Bekannten.“, erwiderte Franzi.
„Ja, da freue ich mich riesig!“, eiferte Anna.
„Ach was, das ist doch nur eine lästige Pflicht für die Leute!“
Es folgte eine kurze Spanne der Ruhe bis Anna fast schon trotzig „Nein, nein die meinen es ehrlich!“, antwortete.
„Träum weiter!“
„Ich träume nicht!“, beharrte Anna. „ Es war jedes Jahr an Weihnachten so, dass alle zu Besuch kamen. Auf die Kinder freue ich mich besonders!“
„
