Fritz Durst (1904-1985) - Günter Hoffmann - E-Book

Fritz Durst (1904-1985) E-Book

Günter Hoffmann

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Beschreibung

In jeder Region unseres Landes leben Künstlerpersönlichkeiten, die nicht in die Öffentlichkeit drängen und sich im Stillen künstlerisch betätigen. So auch in Waldshut, wo der Ofenbauer und Hafner Friedrich (Fritz) Durst neben seiner beruflichen Tätigkeit seiner Passion, der Malerei, nachging. Er hat keine Kunstschule besucht, sondern hatte sich die künstlerischen Techniken autodidaktisch angeeignet und diese mit Hilfe befreundeter Künstler weiterentwickelt, so dass im Laufe der Zeit eine eigene Handschrift sichtbar wurde.

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Seitenzahl: 68

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Meiner

Ehefrau Carmen

gewidmet

.

Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall

Giacomo Girolamo Casanova (1725-1798)

Einleitung

Dem Verfasser war der Künstler Friedrich (Fritz) Durst vollkommen unbekannt, obwohl er sich seit vielen Jahren intensiv mit der Kunstszene – vor allem mit den in Vergessenheit geratenen Künstlern am Hochrhein und im südbadischen Raum – beschäftigt. In einem Gespräch mit Herrn Dominik Rimmele aus Waldshut wurde der Name Durst erstmals erwähnt, da Herr Rimmele den schriftlichen Nachlass von Fritz Durst zur Auswertung erhalten hatte und die Familiengeschichte dieser alteingesessenen Waldshuter Familie erforschen wollte. Herr Rimmele brachte zum Ausdruck, dass sich Fritz Durst neben seinem Broterwerb als Ofenbauer und Hafner auch künstlerisch betätigte. Eine größere Anzahl von Arbeiten Fritz Dursts hätte sich erhalten. Diese zufällig erhaltene Information musste der Verfasser weiterverfolgen und Herr Rimmele vermittelte den Kontakt zur Besitzerin des Nachlasses von Fritz Durst. Das Sprichwort: „Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall“ traf in diesem Fall voll zu.

Es war erstaunlich, was dort vorgefunden wurde und nach langen Jahren in Vergessenheit auf Wiederentdeckung wartete. In der Hauptsache waren es neben Zeichnungen und wenigen Ölgemälden Aquarelle. Fritz Dursts Leidenschaft war die Aquarellmalerei. In dieser Technik entwickelte er sich zu einem Könner seines Faches und das, ohne fundierte künstlerische Ausbildung. Als Autodidakt hatte er von seinen Künstlerfreunden, deren Werke er in seinem Ladengeschäft ausstellte, sicherlich wertvolle Anregungen für seine Arbeit erhalten. Ein besonderes freundschaftliches Verhältnis pflegte er mit Adolf Hildenbrand (1881-1944), den er auf seinen Malexkursionen am Hochrhein oft begleitete.

Fritz Durst war ein Heimatmaler im wahrsten Sinne des Wortes. Dies bedeutet aber keinesfalls eine Schmälerung der Qualität seiner Arbeiten, sondern bezieht sich auf seinen künstlerischen Motivkreis, der rund um Waldshut und im Südschwarzwald lag. Er eröffnete einen Blick auf Altbekanntes und Vertrautes in seiner ihm eigenen Farbensprache. Menschen sind auf seinen Bildern nicht zusehen. Seine Liebe zur Natur und wie der Mensch mit seinen Bauten sich in die Natur einfügt oder eindringt, ohne den kritischen Zeigefinger zu heben, ist seine Sichtweise.

Leider liegt es aber vielmehr an unserer Zeit selbst, in der ein so sehr auf den Tag abgestellter und gemachter Kunstbetrieb herrscht, dass ein Werk seiner Art kaum mehr in das allgemeine Bewusstsein aufgenommen wird.

Auf Vollständigkeit der von Fritz Durst geschaffenen Werke kann kein Anspruch erhoben werden. Auch der Verbleib der Druckstöcke für seine Holzschnitte ist unbekannt; ebenso kann über deren Auflagenhöhe nichts gesagt werden. Die Mehrzahl der bisher bekannten Werke stammt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aus den Jahren 1944 bis 1948. Da Fritz Durst jedoch seit frühester Jugend künstlerisch tätig war, stellt sich die Frage, wo seine anderen Werke abgeblieben sind.

Diese weiteren Nachforschungen werden sicher noch eine unbestimmte Zeit in Anspruch nehmen. Sie verstreichen zu lassen, ohne das bis jetzt Bekannte zu publizieren, hieße aber, Fritz Durst und sein Werk im Reich der Vergangenheit zu belassen.

Lauchringen, im Februar 2024

Günter Hoffmann

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Herkunft und Leben

Fritz Durst als Künstler

Aquarelle

Gemälde

Holzschnitte

Zeichnungen

Die Rekonstruktionen der Waldshuter Tore

Fritz Durst als Kunsthandwerker

Fritz Durst als Ofenbauer

Die Künstlerfreunde von Fritz Durst

Anmerkungen

Bildnachweise

Literaturhinweise

Danksagung

Herkunft und Leben

Wer nach den Vorfahren von Friederich „Fritz“ Durst sucht, wird in Lenzkirch fündig. Dort sind im 18. Jahrhundert die Brüder Johannes und Philipp Durst als Hafner und Ofenbauer nachweisbar.1 Die Tätigkeit des Hafners umfasste neben der Herstellung von Gefäßen (sogenannte Häfen) auch die Fertigung von prächtigen Ofenkacheln. Von den Brüdern Durst kann heute noch eine Arbeit in Laufenburg/CH nachgewiesen werden. Ihre volle Signatur findet sich neben der Jahreszahl 1774 (Johannes Durst und Philipp Durst - bete brüetter in Lentzkirch) an dem Ofen im Louis XVI.-Stil im Saal des Gerichtsgebäudes.2

Ofen der Gebrüder Durst aus Lenzkirch 1774

Johannes Durst war verheiratet mit Maria geb. Villinger. Die Lebensdaten von Johannes, seiner Frau Maria und seines Bruders Philipp konnten nicht ermittelt werden. Das Ehepaar hatte zwei Söhne: Eusebius Durst (15. November 1779 bis 27. November 1830) und Eustachius Durst (3. September 1782 bis?).

Ihr Sohn Eusebius Durst, von Beruf Naglermeister, zog Anfang des 19. Jahrhunderts nach Schmalenberg bei Urberg (heute Gemeinde Dachsberg) und heiratete dort die am 8. Juni 1782 geborene Cäcilia Kaiser aus Schmalenberg. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und drei Söhne hervor. Die Söhne erlernten das Handwerk des Nagelschmiedes und Hafners. Einer der Söhne, Zachäus Durst (12. Oktober 1823 bis 13. Mai 1876), übersiedelte nach Waldshut und heiratete am 20. Februar 1860, die am 24. Oktober 1829 geborene Theresia Böhler. Zachäus Durst hatte vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn.

Der zweite Sohn, Eustachius Durst, von dessen Leben nur wenig bekannt ist, war verheiratet mit Helena Wiest. Aus der Ehe stammte der Sohn Philipp August Durst (1818 bis 19. Januar 1854), der im Mai 1843 Josefa Wassmer in Waldshut ehelichte. Wann Phillip August Durst nach Waldshut kam, ist unbekannt. Es ist jedoch zu vermuten, dass er das „Ofen- und Thonwarengeschäft Durst“ im Jahre 1839 gegründet hat, da er der erste Hafner namens Durst in Waldshut war. Im Mai 1843 erhielt er das Bürgerrecht.3

Spätestens 1854 nach dem Tod von Philipp August Durst übernahm der Sohn von Eusebius Durst, Zachäus Durst, der ebenfalls in Waldshut lebte, den Handwerksbetrieb seines Verwandten. Denkbar ist, dass Zachäus Durst bereits seit Gründung des Hafnergeschäft dort tätig war.

Zachäus Durst war Mitglied im Jugendmusikverein Waldshut, dem Vorläufer des Jugendorchesters der heutigen Stadtmusik. Ein Fronzettel für Zachäus Durst, eine Bescheinigung für geleistete Arbeit von 1864 und ein Forderungszettel für die Umlage der Neubaukosten des Kornhauses von 1865, dokumentieren die Bürgerpflichten gegenüber der Stadt Waldshut. Nicht zu vergessen sind die Steuern die Zachäus Durst nach einem vorliegenden Forderungszettel von 1863 zu leisten hatte.

Rheinstraße 39 um 1910

Fronzettel der Stadt Waldshut aus dem Jahre 1864

Forderungszettel für die Umlage zum Kornhausbau 1865

Sein Sohn Wilhelm Durst (26. März 1866 bis 15. Juni 1916) übernahm nach dem Tod seines Vaters den elterlichen Handwerksbetrieb, der zuerst von der Ehefrau weitergeführt wurde, bis Wilhelm seine Ausbildung zum Kaufmann 1883 beendet hatte. Er heiratete am 18. November 1890 Josephine geb. Herzog, die Tochter des Waldshuter Stadtchronisten Benedikt Herzog. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, wovon ein Sohn im Kindesalter verstarb.

Wilhelm Durst mit Familie Weihnachten 1913 vorne von links: Klara, Friedrich, Josefine, Wilhelm, Willi hinten von links: Josefine, Anna, Sofie4

Die Mutter von Josephine, Sofie Herzog, war eine geborenen Portmann, wodurch verwandtschaftliche Beziehungen zur schweizerischen Familie Bächtold-Portmann bestanden. Knapp fünf Jahrzehnte später sollten diese Beziehungen noch von großer Bedeutung sein und schlagen sich in einem Briefwechsel vom Frühjahr 1948 nieder, welcher einen tiefen Einblick in die Not der Nachkriegszeit auf beiden Seiten des Rheins gewährt. Es handelt sich um vier Briefe von Josephine Durst an ihre Cousins Robert Bächtold in Rorschach und Gottfried Bächtold in Luzern, welche sie mehrfach um Lebensmittelspenden und Kleidersendungen bat. Diese erfolgten auch, aber Robert legt in seinem Brief dar, dass auch bei Ihnen „nicht das Paradies“ sei und dass er die Waren nicht über ihm bekannte Firmen spedieren lassen möchte, denn er „will keiner Gaunerei aufsitzen“. Bemerkenswert ist zum einen die Tatsache, dass sich Josephine und ihre Cousins sietzen und zum andern, dass zunächst die politischen Fronten geklärt wurden: „Auch hat mir Ihr ausführlicher Brief Aufschluss über Ihre Gesinnung gegeben.“5

Wilhelm Durst nahm am gesellschaftlichen Leben in Waldshut regen Anteil. Er erweiterte das Sortiment des bestehenden Hafner- und Ofenbaugeschäftes um „begehrte Geschenke“, wie aus einem Zeitungsinserat hervorgeht. Er war auch als Agent für die Badische Feuerversicherung in Waldshut tätig.