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Kromer lebte in schwierigen, bewegten Zeiten. Er hat sowohl den 1. Weltkrieg als auch die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und des 2. Weltkrieges erlebt, oftmals in äußerst prekären Verhältnissen. Er ist eines der großen Talente, die unsere Region hervorgebracht hat. Heinrich Ernst Kromer war eine klassische Doppelbegabung. Popularität erlangte er durch seine Romane, Erzählungen, Hörspiele und Gedichte, aber auch durch Feldpostausgaben seines Anekdotenbuches: Von Schelmen und braven Leuten. Darüber hinaus hat er aber auch ein beeindruckendes künstlerisches Werk hinterlassen. Man schätzt den Umfang auf . ca. 900 bis 1200 Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und Radierungen sowie ca. 50 bis 70 Ölgemälde, die erhalten sind. Jedoch erklären schicksalhafte Wendungen in verschiedenen Lebensphasen, warum Kromer, trotz seiner außergewöhnlichen Begabung und der während seines langen Lebens geschaffenen sichtbaren Zeugnisse literarischer und bildnerischer Arbeit keine weitreichende Beachtung gefunden hat und sein Name schließlich in Vergessenheit geraten ist.
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Seitenzahl: 184
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Ich widme dieses Buch meiner Ehefrau Carmen,
deren kritische Anteilnahme mir, nicht nur bei dieser Arbeit,
stets eine besonders wertvolle Hilfe war.
Vorwort
Einleitung
Familiengeschichte
Kleiner Exkurs zum Wohnsitzwechsel nach Zizenhausen
Lebensweg Heinrich Ernst Kromers
Das schriftstellerische Werk
Schauen und Bauen
Die Mittendurcher
Arnold Lohrs Zigeunerfahrt
Gustav Hänfling
Von Schelmen und braven Leuten/ Alemannisches Geschichtenbuch
Die Amerikafahrt
Biographische Notizen zu Dorus Kromer
Dramen und Schauspiele
Kromers Werke im Nachlass
Sonstige Veröffentlichungen
Veröffentlichungen unter dem Pseudonym Karl Heinz Ammann
Veröffentlichen über Heinrich Ernst Kromer
Das künstlerische Werk
Aquarelle
Holzschnitte
Radierungen
Zeichnungen
Gemälde
Heinrich Ernst Kromer und die Frauen
Heinrich Ernst Kromers religiöse Motive
Die Portraits von Heinrich Ernst Kromer
Die sozialkritischen Motive Kromers
Don Quichote im Werk Kromers
Heinrich Ernst Kromers Schutzkeller-Motive
Die Landschaftsdarstellungen Kromers
Die Konstanzer Motive Heinrich Ernst Kromers
Plastische Arbeiten
Anhang
Heinrich Ernst Kromers Bekanntschaften und Freundschaften
Ausstellungen
Anmerkungen
Namensregister
Literaturhinweise
Bildnachweise und Bildrechte
Danksagung
Günter Hoffmann, der akribische Kunstdetektiv
von Jürgen Glocker
Die Erarbeitung von Werkverzeichnissen ist ebenso anstrengend wie anspruchsvoll. Zugleich stellt sie eine zentrale Aufgabe der Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft dar. Denn ein Catalogue Raisonné bildet letztlich die Grundlage für jede seriöse Beschäftigung mit dem Oeuvre eines Künstlers oder eines Komponisten. Die Erstellung eines Werkverzeichnisses meint also Grundlagenforschung – und ist in den allermeisten Fällen eine nicht enden wollende Sisyphusarbeit, die vom hundertsten zum tausendsten Mosaiksteinchen führt. Das gilt nicht zuletzt im Hinblick auf Künstler der sogenannten verbrannten Generation. Einer von ihnen war Heinrich Ernst Kromer.
Kromer (1866 – 1948) gilt nicht nur zurecht als eine Mehrfachbegabung, sondern spielte seine Talente und Fähigkeiten auf den unterschiedlichsten Feldern aus. Er war Schriftsteller, Literatur- und Kunstkritiker, Redakteur, Maler, Graphiker, Zeichner, Plastiker und Kunsthandwerker in einer Person. Und er lebte, um es euphemistisch zu sagen, in schwierigen Zeiten. Zwei Weltkriege, Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise, (Alters-) Armut und Hungersnot gingen über ihn hinweg, und er sah sich oftmals gezwungen, zwischen den verschiedenen Berufsfeldern zu lavieren, um sich wirtschaftlich einigermaßen über Wasser halten zu können. Erfolg und nationale, in gewisser Weise sogar internationale Anerkennung brachten ihm seine literarischen Arbeiten ein, sie besaßen die stärkste Strahlkraft. Die Reichweite von Kromers künstlerischem Schaffen, das ihm nicht selten das bare Überleben sicherte, blieb demgegenüber begrenzt.
So ist es zu erklären, dass zu Lebzeiten Heinrich Ernst Kromers nur relativ wenige Kunstwerke in Museen und öffentliche Galerien, verhältnismäßig viele aber in privaten Streubesitz gelangten. Werke Kromers wurden schon frühzeitig gesammelt. Während eine siebenbändige Ausgabe, neben zahlreichen Einzelveröffentlichungen, das literarische Schaffen dokumentiert und erschließt, war ein Grundlagenwerk zum künstlerischen Oeuvre Kromers bislang jedoch ein Desiderat. Angesichts der weit verstreuten Originale und des allmählich abnehmenden Interesses an einem, dessen Werk zwischen allen Stühlen positioniert war und ist, überrascht das nicht.
Nun hat sich Günter Hoffmann mit seinem umfangreichen Kromer-Verzeichnis daran gemacht, dem Mangel grundsätzlich abzuhelfen. Eine echte Herkules-Aufgabe liegt hinter ihm, und er hat sie mit Bravour bewältigt. Ohne seine jahrzehntelange Beschäftigung mit Heinrich Ernst Kromer, ohne seine ausgedehnten eigenen Sammelaktivitäten und seine Kenntnis des Kunstmarkts und der Sammlerszene wäre der nun vorliegende Catalogue raisonné nicht realisierbar gewesen. Günter Hoffmann ist es gelungen, 1315 Werke zu erfassen: 959 zum Teil aquarellierte Zeichnungen, sechs Aquarelle, 138 Radierungen, 102 Holzschnitte, 65 Gemälde, 40 plastische Arbeiten und fünf Linolschnitte. Es ist ihm überraschenderweise sogar geglückt, in den letzten Jahren eine stattliche Anzahl von Kunstwerken Kromers neu zu entdecken. In Deutschland ermittelte Hoffmann mehr als 100 zusätzliche Arbeiten, vier Gemälde, eine Plastik und zahlreiche Graphiken. Aber auch im europäischen Ausland wurde er fündig: in Frankreich neunmal, in der Schweiz viermal und in Großbritannien sechsmal.
Man kann es nicht anders sagen: Günter Hoffmann ist ein versierter, akribischer Kunstdetektiv. Er hat es überdies verstanden, und das ist eigentlich das wichtigste, seinem Werkverzeichnis eine übersichtliche, leicht nachvollziehbare und transparente Form zu geben. Es ist ein Vergnügen, mit diesem Katalog zu arbeiten. Und es ist nur zu hoffen, dass möglichst viele Kunstfreundinnen und Kunstfreunde ausgiebig von ihm Gebrauch machen. Denn mit Kromer ist ein Künstler wiederzuentdecken, der auf seltsame Weise quer zu seiner Zeitstand, ein (und das ist nicht pejorativ gemeint, sondern zielt insbesondere auf Kromers bevorzugte Formate) höchst eigenständiger Kleinmeister zwischen dem 19. Jahrhundert und der Moderne, der uns lehrt, dass Kunst lediglich in den seltensten Fällen in die ordentlich eingeteilten Schubfächer der Kunsthistoriker passt; meistens hängen da oder dort mehrere widerspenstige Zipfel heraus und wollen sich partout nicht wegpacken lassen. So ist die Kunst, erfreulicherweise.
Günter Hoffmann jedoch gehört unser herzlicher Dank. Chapeau!
Dem Gebiet des heutigen Landkreises Waldshut entstammen zahlreiche Künstler und Schriftsteller, wie der in Riedern am Wald geborene Heinrich Ernst Kromer.
Kromer lebte in schwierigen, bewegten Zeiten. Er hat sowohl den 1. Weltkrieg als auch die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und des 2. Weltkrieges erlebt, oftmals in äußerst prekären Verhältnissen. Er ist aus der Kunst - und Literaturgeschichte Süddeutschlands nicht wegzudenken und ist eines der großen Talente, die unsere Region hervorgebracht hat. Heinrich Ernst Kromer war eine klassische Doppelbegabung. Popularität erlangte er durch seine Romane, Erzählungen, Hörspiele und Gedichte, aber auch durch Feldpostausgaben seines Anekdotenbuches „Von Schelmen und braven Leuten“ sowie Lesungen im Radio. Die von ihm herausgegebene „Amerikafahrt“ war ein Verkaufsschlager.
Jedoch erklären schicksalhafte Wendungen in verschiedenen Lebensphasen, warum Kromer, trotz seiner außergewöhnlichen Begabung und der während seines langen Lebens geschaffenen sichtbaren Zeugnisse literarischer und bildnerischer Arbeit keine weitreichende Beachtung gefunden hat und sein Name schließlich in Vergessenheit geraten ist. Zwar erfreuen sich seine bildnerischen Werke bei Liebhabern einer kontinuierlichen Wertschätzung, das Interesse an seiner Kunst ist jedoch im regionalen und nationalen Bereich eher gering, wobei, wenn auf dem Kunstmarkt ein Werk Kromers zum Verkauf kommt, angemessene Preise erzielt werden. Immer wieder verbindet sich in Kromers Werk das persönlich erlebte Schicksal in visionärer Weise mit dem bildnerischen Schaffen.
In seinen Werken findet man neben Themen, die sich kindlicher Lebensfreude und Unbeschwertheit widmen, auch Schnittstellen mit dem eigenen Schicksal, z.B. wie Don Quichote als Kämpfer gegen Windmühlen. Auch die Landschaftsdarstellung wird zum Ausdrucksträger persönlicher Stimmungen und als existenziell bedeutsamer Raum behandelt.
Dr. Jürgen Glocker, betonte einmal, dass gerade das künstlerische Werk Kromers aus den Kriegsjahren manche „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ illustriere. So zeigten etliche Blätter Kromers aus den Kriegsjahren geradezu idyllische Szenen vom Bodensee, während andernorts der Bombenkrieg tobte. Kromers künstlerisches Werk könne und müsse im Kontext seiner Romane und Erzählungen gesehen werden.1
. Darüber hinaus hat er aber auch ein beeindruckendes künstlerisches Werk hinterlassen. Man schätzt den Umfang auf ca. 900 – 1200 Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und Radierungen sowie ca. 50 – 70 Ölgemälde, die erhalten sind. Zahlreiche Werke gingen durch die Zeitumstände, aber auch durch Kromer selbst – der vieles zerstört hat – verloren. Von einigen Ausnahmen abgesehen haben die noch vorhandenen Werke einen regionalen Bezug. Dabei gewinnen Kromers Arbeiten, wo sie zu sehen sind, Aufmerksamkeit. Sie sind jedoch keinem der gängigen Stilrichtungen jener Zeit (Impressionismus oder Expressionismus) zuzurechnen, wenngleich bei einigen seiner Arbeiten eine Affinität zum Jugendstil (Radierungen) oder zum Expressionismus (bei manchen Don-Quichote-Motiven) festzustellen ist. Damit ist nicht der Charakter des Malers gemeint, sondern tatsächlich der seiner Kunst. Einzig seine Stimmungsbilder aus Konstanz bei Nacht könnte man als dem magischen Realismus nahe stehend betrachten. Bei diesen Werken verschmelzen die Wirklichkeit mit magischer Realität (Träume, Wunschvorstellungen).
Die Vorfahren von Heinrich-Ernst-Kromer stammten aus Birkendorf (heute: Ühlingen-Birkendorf). Sein Urgroßvater Donat Kromer war mit Crescentia Bucher in Birkendorf verheiratet. Deren Sohn Dionys Kromer (01.10.1792 - 02.02.1840) heiratete die ebenfalls in Birkendorf wohnhafte Marie Kaiser (1795-1858) und hatte 12 Kinder. Als neuntes Kind wurde sein Vater Dorus Kromer am 4. April 1829 in Birkendorf in eine Bauernfamilie hineingeboren. Seine Geschwister waren Maria Kromer (geb. 1818), Karoline (geb. 12.04.1820), Josef (03.05.1824-1872), Jakob (geb. 1827), Zäsilia (geb. 1830), Donat (1832 - 13.08.1865) und Johann (geb. 1835). Die weiteren vier Geschwister starben vermutlich kurz nach der Geburt.
Als Dorus Kromer um die zehn Jahre alt war, kauften seine Eltern den auf der Gemarkung Riedern am Wald liegenden Weilerhof. Dorus besuchte hier die Volkschule, war aber mit dem Gelernten nie zufrieden, denn er wollte mehr wissen. Im Alter von 22 Jahren überwarf er sich mit einem seiner Brüder und beschloss, sein Glück in der Ferne zu suchen. Bereits verlobt, versprach er seiner Braut Maria Maurer (Bürgermeisters Marei) aus Riedern am Wald, dass er in drei bis sechs Jahren wieder zurückkehren wolle. Mit der Heimat und seiner Braut hielt er per Post regelmäßig Verbindung. In der Nacht des 4. Oktober 1860 gelangte Dorus Kromer - der noch dreimal nach Amerika gehen sollte - nach Riedern am Wald zurück. Er heiratete seine Braut, betätigte sich als Holzhändler und kaufte bis ins Bodenseegebiet marode Bauerhöfe auf, renovierte diese Höfe und verkaufte sie anschließend wieder. So wurden alle Kinder in verschiedenen Orten geboren. Lydia Kromer (geb. 29.08.1861 in Denkingen), Friedrich Victor (06.06.1863 in Straß bei Pfullendorf - gest. 1915 in San Franzisko) und Karl Alfred (geb. 25.05.1865 auf dem Dametsweilerhof bei Neuravensburg - gest. in Kalifornien).
1866 begab sich Dorus Kromer erneut nach Amerika, um die Hinterlassenschaften seines ebenfalls ausgewanderten Bruders Donat, der von einem Chinesen ermordet wurde, zu ordnen. Während seiner Abwesenheit wurde Heinrich Ernst Kromer am 26.September 1866 in Riedern am Wald geboren. Der Knabe war schwach und kränklich, so dass man ihm zwei Stunden nach der Geburt vorsorglich die Nottaufe gab. Dorus sah seinen Sohn erst fünfzehn Monate später, nach der Rückkehr von seiner zweiten Amerikafahrt. Als er seinen Sohn ansah, wandte dieser das Gesicht ab und schrie, erholte sich aber überraschend schnell. Die schwache Konstitution des Knaben und eine existenzielle Verunsicherung der Eltern blieben.
Die dem Vater angeborene Ruhelosigkeit und sein Unternehmergeist führten dazu, dass er nach der Rückkehr von seiner zweiten Amerikafahrt 1868 nach Zizenhausen in Hegau übersiedelte. Sein Bruder Jakob hatte dort von der badischen Regierung 1866 das Eisenwerk „Schmelze“ erworben und 1867 in Besitz genommen. Als 1867 die Brüder den Besitz teilten, errichtete Jakob anstelle des zerfallenden Schmelzofens eine Baumwollspinnerei und Dorus führte noch eine kurze Zeit das Hammerwerk weiter, verwandelte es dann aber in eine Sägemühle, die er neben seinem Bauerngut bis 1875 betrieb. In Zizenhausen erblickte ein weiterer Sohn, Norbert Adolf (geb. 28.09.1868 - gest. 23.06.1906 in Denver), das Licht der Welt. Die Familie zählte jetzt fünf Kinder und der Vater Dorus spannte sie „scharf in den Bauerndienst“ ein. Dass das auch für Heinrich Ernst galt, ist anzunehmen, da er dies in einem Brief an Emil Baader schrieb.2 Die Lebensweise der Familie Kromer war kräfteraubend, aber Dorus Kromer versuchte trotzdem jedem Kind nach dessen Neigung die Möglichkeit für eine bessere Bildung zu geben. So besuchte die einzige Tochter Lydia eine Mittelschule, ebenso wie der kränkelnde Sohn Heinrich Ernst zur Vorbildung für den künftigen Beruf als Künstler. Die übrigen drei Söhne blieben nach eigener Wahl auf dem Bauerngut. Als die Mutter von Heinrich Ernst Kromer 1880 starb, bewirtschaftete die Familie in Riedern am Wald drei Bauernhöfe gleichzeitig.
Im Jahre 1884 wanderten der älteste und der jüngste Bruder, Friedrich Viktor und Norbert Adolf, nach Amerika aus. 1886 folgte ihnen der zweitälteste Sohn Karl Alfred und 1887 die Tochter Lydia. Dorus Kromer beschloss die Güter zu verpachten oder zu verkaufen und reiste 1889 zu seinen Kindern nach Kalifornien. Von dieser dritten Amerikafahrt kehrte er 1897 zurück und war von da an mit seinem Bruder Johann fast immer im Schwarzwald und auf dem Weilerhof tätig. Als sein in München lebender Sohn Heinrich Ernst den Vater 1901 besuchen wollte, traf er ihn auf dem Weg zu seiner vierten Amerikafahrt. Dorus Kromer starb am 10. Februar 1905 in Fruitvile bei San Franzisko infolge einer Lungen - und Brustfellentzündung.
Lydia Kromer, verh. Holler, vorne rechts (aufgenommen in den Rembrandt Studios in San Francisco 1904)3
Jakob Kromer
Dorus Kromer
Die Familie Heinrich Ernst Kromers war ansässig in Riedern am Wald. Dort kam am 26. September 1866 der spätere Künstler zur Welt und verbrachte hier die erste Zeit seiner Jugend. Über den Wohnsitzwechsel nach Zizenhausen schweigt sich Kromer weitestgehend aus. Verschiedentlich bringt man den Vater Dorus Kromer mit dem Kauf der dortigen großherzoglichen Eisenschmelze in Verbindung. Auch Heinrich Ernst Kromer schrieb im Nachwort seines Buches „Amerikafahrt“, dass sein Vater mit seinem Bruder Jakob von der badischen Regierung das Eisenwerk Schmelze im Hegau erworben habe. Stimmt dies?
Am 27. Januar 1863 teilte die Großherzogliche Domäne-Direktion der Hüttenverwaltung Zizenhausen mit, dass durch Erlass des Großherzoglichen Finanzministeriums vom 5.12.1862 bei der Aussichtslosigkeit auf wirtschaftliche Besserung sich nichts anderes erübrige, als den Staatshüttenbetrieb allmählich aufzugeben. Als Einleitung dieser Maßnahme habe eine nähere Untersuchung des staatlichen Hüttenbetriebs stattgefunden. Am 3. Februar 1863 genehmigte Großherzog Friedrich I., dass mit den staatlichen Hüttenwerken Kandern, Albbruck und Zizenhausen Verkaufsversuche gemacht werden, und am 19.2.1864 erteilte das Finanzministerium den Auftrag, die zum Verkauf ausgesetzten Hüttenwerke nach ihren einzelnen Bestandteilen neu zu bewerten. Nach einer Mitteilung vom 26. Mai 1864 ergab die Schätzung der Liegenschaften, Gebäude, Maschinen usw. einen Wert von 266 470 Gulden für alle drei Hüttenbetriebe.
Nach den Vorschlägen der Hüttenverwaltung Zizenhausen sollte bei einer Versteigerung des unbeweglichen Inventars ein Betrag von 24 095 Gulden festgelegt werden. Die Großherzogliche Domäne-Direktion war damit einverstanden und die Versteigerung hat dann am 15. Januar 1866 in Zizenhausen stattgefunden. Es wurden einige Gebote für das Hüttenwerk abgegeben, aber kein Interessent erhielt den Zuschlag.
Am 17. Januar 1866 genehmigte die Domäne-Direktion die nochmalige Versteigerung unter Zugrundelegung des Mindestpreises von 25000 Gulden. Nachgebote sollten nicht angenommen werden. Nach den Zahlungsbedingungen war ein Zehntel bei der Übernahme des Verkaufsgegenstandes zu bezahlen, die restlichen neun Zehntel sollten in neun Jahresraten, zuzüglich 2 Prozent Zins auf die Schuldsumme, bezahlt werden. Am 25. Januar 1866 fand die Versteigerung im Hammerwirtshaus in Zizenhausen statt. Zahlreiche Bieter hatten sich eingefunden, aber das Gebot des Jakob Kromer aus Riedern am Wald von 28000 Gulden wurde nicht überboten und so wurde diesem das Werk zugeschlagen. Alleiniger Eigentümer war nun Jakob Kromer.
Die Domaine-Direktion schrieb kurz nach der Versteigerung an die Domänenverwaltung Stockach, welche die Versteigerung durchgeführt hatte:
„Was die persönlichen und Vermögensverhältnisse des Jakob Kromer von Riedern anbelangt, so ist uns derselbe persönlich bekannt, indem er 2 Lieferungsverträge von eichenen Schwellen zum Eisenbahnbau übernommen und hierauf im Jahre 1865 mehrere Abschlagszahlungen im Gesamtbetrag von 32 000 Gulden erhalten hat. Vom Vorstand der Gr. Eisenbaubau-Inspektion hier wurde uns der Steigerer als ein ganz reeller und rechtlicher Mann geschildert. Wir bitten nunmehr die Steigerungsverhandlung vom 25. D. M. zu genehmigen. Gez: Unterschrift
Als es um die Gestellung einer Sicherheitsleistung ging, kam Dorus Kromer und seinem Bruder Josef eine besondere Rolle zu. Beide übernahmen je eine selbstschuldnerische Bürgschaft. Während Josef auf einen Anteil an dem Hüttenwerk verzichtete, musste Jakob das ersteigerte Hüttenwerk 1867 mit Dorus teilen. Dies ist von besonderer Bedeutung, denn im Jahre 1870 kam Jakob Kromer in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Nachdem die Hälfte der Kaufsumme bezahlt war, musste die sechste Rate durch Zahlungsbefehl angefordert werden. Die fällige Rate konnte dann vor Einreichung einer Klage beglichen werden. Die restlichen Zahlungen zogen sich noch bis 1875 hin.4
Nach der Teilung des Hüttenwerkes betrieb Jakob eine Baumwollspinnerei und Dorus führte noch eine kurze Zeit das Hammerwerk weiter, wandelte es dann aber in eine Sägemühle um.
Dorus Kromer kam also erst in Besitz der Hälfte des Hüttenwerkes, nachdem Jakob als Alleineigentümer die Sicherheitsleistung nicht erbringen konnte. Heinrich Ernst Kromer hatte den Umzug nach Zizenhausen als kleines Kind erlebt und bei der Verfassung seines Nachwortes zur „Amerikafahrt“ sicherlich keine Kenntnis bzw. entsprechende Unterlagen über den genauen Vorgang des Kaufes des Eisenwerkes.
1866
Heinrich Ernst Kromer wurde am 26. September 1866 in Riedern am Wald (Landkreis Waldshut) auf dem Weilerhof geboren und verbrachte nur seine früheste Jugend in Riedern.
Taufeintrag im Kirchenbuch von Riedern a.W.
Im Jahre eintausendachthundertsechsundsechzig am sechsundzwanzigsten September früh halb sechs Uhr wurde dahier geboren und am dreißigsten desselben Monats nachmittags zwei Uhr durch den unterzeichneten Pfarrer in hiesiger Pfarrkirche getauft: Heinrich Ernst in der Civilehe gezeugte Sohn des Isidor Kromer hiesiger Bürger und Holzhändler und der Marie geborene Maurer von hier.
Patenkind: Johann Kromer hiesiger Bürger und Uhrenmacher und die ledige volljährige Landwirtstochter Patronella Maurer ebenso von hier. Zeugen: der obengenannte Pate Johann Kromer und Leonard Keller hiesiger Bürger und Meßmer.
Riedern den 30. September 1866 Heinel Pfarrer
Nach der Rückkehr seines Vaters von seiner zweiten Amerikafahrt zog dieser 1868 mit der Familie nach Zizenhausen (Hegau), wo sein Bruder Jacob 1867 ein Eisenwerk von der badischen Regierung übernommen hatte.
Geburtshaus von Heinrich Ernst Kromer in Riedern am Wald (um 1920 - WVZ Nr. H 48)
Geburtshaus von Heinrich Ernst Kromer (um 1920)
Die nachstehende Abbildung zeigt ein Haus zwischen Riedern am Wald und dem Mettmatal, wo auf Anregung des Heimatforschers Emil Baader aus Lahr und dem Heimatdichter Alois Burger aus Bonndorf eine Gedenktafel angebracht wurde. Das Anwesen hatte zwar in früheren Zeiten der Familie Kromer gehört, ist aber nicht das Geburtshaus von Heinrich Ernst Kromer. Das Geburtshaus stand auf einem Grundstück in Riedern, das heute noch einem Nachfahren von Heinrich Ernst Kromer gehört. Es musste abgerissen werden und wurde durch einen Neubau ersetzt. 5
Vermeintliches Geburtshaus von Heinrich Ernst Kromer
Heinrich Ernst Kromer besuchte in Zizenhausen die Volkschule von 1873 bis 1878 und wechselte dann auf die Höhere Bürgerschule in Konstanz und nach der Einjährigenprüfung an das Gymnasium, das er mit einem erfolgreichen Abschluss 1887 verließ. In Konstanz wohnte Kromer bei dem Zeichenlehrer Gebhard Gagg (1838 - 1921), der bereits sein künstlerisches Talent erkannte. Während der Schulzeit knüpfte er Bekanntschaften mit Ernst und Karl Maximilian Würtenberger sowie Emanuel von Bodman.
Abiturienten des Jahrganges 1887
Im Hause Würtenberger war Kromer oft anzutreffen. Hier machte er auch die Bekanntschaft mit den verschiedenen häuslichen Bereichen der bildenden Kunst und der Literatur durch die Schwestern der Brüder Würtenberger. Thusnelda malte, Laura spielte Klavier und führte gerne Gespräche über Literatur. Dabei lernte er auch die späteren Schriftsteller Emil Gött, Emil Strauss, Wilhelm von Scholz, Karl Henckell und den Maler Emil Thoma kennen.
1887
Gegen den Wunsch des Vaters begann er in Heidelberg das Studium der Germanistik an der „Großherzoglich Badischen Universität“, welches er aber nach zwei Semestern wieder aufgab. Ein „Studien - und Sittenzeugnis“ bezeugt, dass er im Wintersemester 1887/88 „Deutsche Kulturgeschichte“, „Deutsche Literaturgeschichte“ und „Germanische Grammatik“ gehört hatte. Sein Betragen war „den akademischen Gesetzen angemessen“,
1888
Es erfolgte die Verlegung seines Wohnsitzes nach München und Aufnahme als immatrikulierter Kandidat der Rechte an der „Königlich Bayerischen Maximilians - Universität“. Hier hörte er „Institutionen des römischen Rechts“, „Geschichte der deutschen und niederländischen Kunst“, „Ästhetik“, „Geschichte der römischen Rechtsquellen und Institutionen des römischen Privatrechts“ und „Deutsche Rechtsgeschichte“ vom Mai 1888 bis zum Ende des Wintersemesters 1889/90. In der Münchner Zeit hatte er fast nur Kontakte zu bildenden Künstlern u.a. Arnold Böcklin jun., Wilhelm Trübner, Hans Thoma, Anton Pruska und Max Doerner, der ihm die Kunstgeschichte vom Gesichtspunkt maltechnischer Grundlagen aus erläuterte, was ihm später bei seiner publizistischen Tätigkeit zugutekam. 6
1890
Heinrich Ernst Kromer gab das Studium auf, um sich - nach dem Ratschlag und Wunsch seines Vaters - ganz der Malerei zu widmen. Er blieb aber in München. Da er sich zu einem Besuch der Akademie der Bildenden Künste nicht entschließen konnte, begann er sich autodidaktisch weiterzubilden. Über die Unentschlossenheit in Bezug auf den Akademiebesuch kann nur spekuliert werden. Er hatte sicherlich von seinem Freund Ernst Würtenberger von den Aufnahmebedingungen der Akademie gehört und sich vermutlich das Aufnahmeverfahren nicht zugetraut. Oder schreckten ihn wirtschaftliche Gründe ab? Das Schreiben hatte Kromer jedoch nie aufgegeben und in „Der Zeitgenosse“, einer Berliner Monatszeitschrift, erschien sein Gedicht „Mädchenbild“.
1891
Kromer zog nach Konstanz um und beschäftigte sich neben der Malerei mit schriftstellerischen Arbeiten. Es entstanden neben Novellen und Anekdoten die ersten Gemälde sowie plastische Keramikarbeiten. Immer wieder kehrte er nach München zurück.
1893
Sein Gedichtband „Schauen und Bauen“ erschien auf Vermittlung von Richard Dehmel im Verlag E. Pierson, Dresden und Leipzig, nachdem Kromer ihn 13 Verlegern vergeblich angeboten hatte. Später hat sich Kromer jedoch von diesem Gedichtband distanziert und testamentarisch eine Neuauflage untersagt.
1895
Kromer war nach einem längeren Aufenthalt in München wieder in Konstanz. Er verfasste mehrere Theaterstücke und Kurzgeschichten. Zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes verzierte er Holztruhen mit Brandmalerei. Durch Emanuel von Bodman machte er die Bekanntschaft mit den Theaterkritikern Heinrich und Julius Hart und dem Schriftsteller Max Halbe.
1897
Kromers Vater kehrte noch einmal aus Amerika zurück. Die Begegnung zwischen Vater und Sohn endete im Streit. Kromer kam von einem Weihnachtsbesuch in Zizenhausen, „den ich infolge eines heftigen Zusammenstosses mit meinem Vater plötzlich unterbrochen habe“, früher als geplant nach Konstanz zurück. Die Begegnung mit der alten Heimat hingegen hatte in Kromer ein Hochgefühl ausgelöst: „Ich bin froh, wieder hier zu sein, wiewohl die Landschaft daheim, wo ich das herrlichste Wetter hatte, überwältigend auf mich wirkte. Im Frühjahr gehe ich wieder hinab, wenn mein Vater bis dahin bräver geworden ist“. 7
1898
Emanuel von Bodman empfahl Kromer an Maurice Reinhold von Stern in Zürich als Redakteur. In einem eigenen Verlag gab von Stern die literarische Monatszeitschrift „Stern`s Literarisches Bulletin der Schweiz“ heraus. Kromer nahm diese Herausforderung an und Maurice Reinhold von Stern übertrug Kromer die Herausgabe seiner Zeitschrift. Er kündigte dessen Tätigkeit am 1. Februar 1898 auf der Titelseite der No. 8 des im sechsten Jahrgang erscheinenden Blattes an:
„Mit heutigem Datum geht die Redaktion des <Bulletin> an Herrn H. Ernst Kromer aus Konstanz über. Diese Änderung, die von den Lesern und Mitarbeitern des Blattes bald als in ihrem Interesse liegend erkannt werden wird, ist deswegen notwendig geworden, weil es mir in Folge anderweitiger Verpflichtungen schon seit geraumer Zeit beim besten Willen nicht mehr möglich gewesen ist, die redaktionellen Arbeiten mit der gewünschten Sorgfalt auszuführen. Herr H. Ernst Kromer, der manchen Lesern dieses Blattes auch als hochbe
