furchtbar sensationell - Jürgen Bahro - E-Book

furchtbar sensationell E-Book

Jürgen Bahro

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Beschreibung

Sieben Schwaben (nein, nicht die sieben Schwaben) erleben eine Wanderung in Italien, die sich zwischen furchtbar und sensationell abspielt! Ein Reisebericht über eine wunderbare Woche, die jedem von uns in tiefer Erinnerung bleiben wird! Ein Reisebericht über Schmerz und Freude jenseits des normalen Alltags! Ein Reisebericht über eine ganz besondere Erfahrung! Ein Reisebericht über eine Wanderung auf einer Teilstrecke des Europawegs 5, kurz auch E5 genannt. Ein Reisebericht über sieben Freunde, die tatsächlich wieder als sieben Freunde zurückkehren, obwohl es im Vorfeld starke Bedenken gibt.

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Widmung...

Dieses Buch ist meinem Vater gewidmet, dessen hilfesuchende Augen ich auf meiner Wanderung auf dem Europaweg 5 zwischen Rovereto und Verona im Juli 2019 in Italien immer wieder in Gedanken vor mir sah.

Ich sah nicht nur seine Augen, sondern ich sah auch all die „lebenserhaltenden“ Schläuche in seinem Körper, bevor er diese Welt verließ und sich auf seinen eigenen Weg machte.

Und ich hörte seine Worte, die er zu mir sagte: „Junge mach dich auf zu allem Neuen, was dich interessiert oder fasziniert, denn das Leben ist kurz, zu kurz um immer nur zu sagen, das mache ich erst dann, wenn ich Zeit dazu habe.

Du weißt nicht wieviel Sand in deine Uhr gefüllt wurde und plötzlich ist sie leer!“

Und ich hatte Zeit genug, an ihn zu denken.

Daran zu denken, wie sehr er sich immer zurücknahm, um für seine Familie zu sorgen. Tag ein, Tag aus, seiner schweren Arbeit, nicht nur die „Unter Tage“ nachzugehen.

Wie bescheiden er in all den Jahren geblieben war, um seinen Kindern eine gute Schul- und später Berufsausbildung zu ermöglichen. Er selbst hatte dies nie erreichen können, wurde er doch 1933 geboren und gerade als er im schulfähigen Alter war, in die Wirren des 2. Weltkrieg gezogen. Und ich, ich nahm es als Selbstverständlichkeit hin, ohne darüber nachzudenken, dass auch er, nein, dass gerade er, ein Recht auf „dieses bessere Leben“, welches er mir immer wünschte, gehabt hätte.

Und ich sah seine Schmerzen nicht, die ihn in den letzten Jahren seines Lebens plagten, weil er nur im Stillen klagte.

Nein, ich hörte nur seine Worte: „Lebe und mache dir ein paar schöne Jahre, solange du jung bist“.

Und ich beherzigte seinen Rat und lebte!

Danke dafür, Papa!

Inhaltsverzeichnis

Widmung...

Wir gehen den E5

Knieprobleme

Schnapsidee?

Alfons

Bernd

Berthold

Christian

Frank

Jörg

Jürgen

Bierlaune und ein unverhoffter Schicksalsschlag

Was war geschehen?

Schuhe, Schuhe, nichts als Schuhe

Die Vorbereitung

Vom Haus Tanne zur Kreuzleshöhe

Von Missen zur Thaler Höhe

E2 - E4 / E7 - E5

Scheidegger Wasserfälle

Die Ausrüstungsliste

Die Tour

Die Generalprobe - der Hochgrat

Interessant zu wissen

Wir gehen den E5 von Rovereto nach Verona

Die fünf Wandertage - eine Übersicht

Anreisetag am Samstag, 29.06.2019

Ja, die Sucht kann schon mal zur Tortur werden!

Warum bin ich da eigentlich mitgegangen?

Komische Dinge passierten unterwegs

Großpackungen gefällig?

In 5 Minuten zum Hotel

Zwischentöne

Der erste Wandertag am Sonntag, 30.06.2019

Monte Maggio

Ein wenig Erdkunde

Bergab ist garnicht gut

Entweder gehen oder stehen!

Bilderbuch oder weiterschreiben?

Von hier an wurde es komisch!

Die Gämsenflüsterer

Gedankenspiele unterwegs

Wie man zum Gämsenflüsterer wird

Manchmal ist es gut, wenn man nichts weiß...

Der zweite Wandertag am Montag, 01.07.2019

Fliegenschiss der Zeitgeschichte

Kurzer Aufstieg mit schlappen 275 Metern

Nach kurzer Pause verließen wir die Albergo Al Passo di Costa.

Keine Besserung in Sicht!

Die wundersame Heilung und Erholung

Limerick

Der dritte Wandertag am Dienstag, 02.07.2019

Und dann, dann die Todeswand!

Protestaktion

Wie die wilden Tiere fielen sie über mich her!

Wie viele Schritte verträgt der Mensch?

Gluthitze und Wasserverlust

03. Juli

Der vierte Wandertag am Mittwoch, 03.07.2019

Vater und Sohn Gespräch

Toilettenhygiene

Und dann, dann die Überraschung!

...

was für eine Überraschung!

Auf nach Erbezzo

Albergo Berna di Micaela Gelio

Überraschung hin oder her!

Ein kleiner Rückblick auf die vier zurückliegenden Tage

Wie ist das eigentlich, immer so der Letzte zu sein?

Der fünfte Wandertag am Donnerstag, 04.07.2019

Im Tal der Wölfe

Wölfe in Italien?

Bären in Italien?

Verona was calling!

Der Freund der Berge

Einschätzung der „großen Wanderung“

Busfahrt nach Verona

Ankunft in Verona

Sicher geglaubte Unterkunft?

Ankunft der ersten Mädels

Verona - ein kleiner Stadtrundgang

Verona am Freitag, 05.07.2019

Frühstück bei Elena

Impressionen von Verona

Aida - die Oper

Der Spielort - die Arena in Verona

Giuseppe Fortunino Francesco Verdi

Der Abend in der Oper

Ein kleiner Einblick in die Oper

Kurz vor dem Verdursten

Was tat man nicht alles...

Verona am Samstag, 06.07.2019

Morgens um Viertel vor Sechs

Kein Frühstück bei Elena

Vorbereitung auf die Heimfahrt am Sonntag 07.07.2019

Die Heimreise, auf der ein paar komische Dinge passierten

Manchmal ist es schwer

Rückblick

Hütten ohne Internet

Die Tour gab viele Anlässe

Diese Tour

Mein Fazit

Wir gehen den E5

Sieht man einmal von all den heißen Liebesschwüren ab, die mir ein paar hübsche Frauen in meiner Jugend gegeben hatten, so glaube ich, dass ich niemals zuvor in meinen Leben die Bedeutung eines Wortes so sehr missverstanden habe, wie das Wort „gehen“ im Zusammenhang mit dem Europaweg 5 (kurz E5 genannt).

Knieprobleme

Ich hatte eine mir bekannten Chirurgin gebeten, einen Termin für mich zum MRT in der Klinik zu machen, in der sie arbeitete. Die Wartezeiten dafür waren oft sehr lange. Da ich aber akute Schmerzen in meinem linken Knie hatte, ermöglichte sie es mir ohne großen Zeitverlust danach sehen zu lassen.

Bereits zweimal wurde ich an diesem Knie am Meniskus operiert und befürchtete abermals ein Problem damit zu haben.

Nun gut, meine Knie sind das nicht, aber ich fand sie dennoch hübsch anzusehen.

(Internet-Foto unter Frauenbeine > Bilder)

Nach der Magnetresonanztomographie, auch unter dem Namen Kernspintomographie bekannt, sagte mir der Radiologe, dass es dieses Mal nicht der Meniskus war, der mir Probleme bereitete. Ich hatte keinen mehr, war seine Feststellung und ich sollte mir doch schon einmal ein neues Kniegelenk aus seinem Katalog heraussuchen. Außerdem hatte ich mir wohl noch vor ein paar Wochen das Innenband angerissen, auch das sah er auf den Bildern.

Ja, an diesen Schmerz konnte ich mich noch gut erinnern, war damals blöd aufgetreten und hatte mir dazu noch das Knie verdreht. Dabei muss es wohl das Band erwischt haben.

Frau Doktor, wollte sich jedoch noch ihr eigenes Bild von meinem Knie machen und legte mich zur Untersuchung auf den Behandlungstisch. Irgendwie schien meine Art zu Liegen interessanter für sie zu sein, als das zu untersuchende Knie.

„Wie liegst du denn da“, fragte sie mich. „Ich liege immer so“, war meine Antwort.

Nein, so lag kein Mensch, kein gesunder zumindest, gab sie mir zu verstehen und schickte mich gleich nochmals zum Röntgen, dieses mal nicht das Knie, sondern beide Hüften!

Nachdem sie die Röntgenbilder ausgewertet hatte, war ihre für mich schockierende Prognose, dass ich wohl in knapp vier Monaten eine neue linke Hüfte brauchen würde und dann gleich ein paar Monate danach eine neue rechte.

„Und mit dem Knie, da können wir noch warten!“

In knapp vier Monaten werde ich mit ein paar Freunden den E5 gehen. Das war schon längst ausgemacht.

Naja, ein wenig eingeschränkt waren meine Bewegungen wohl, hauptsächlich dann, wenn es galt ein Paar Socken anzuziehen oder noch besser die Zehnägel zu schneiden.

Ich jedoch mochte mich nicht an den Gedanken gewöhnen, gleich mehrere Ersatzteile in meinen Körper einbauen zu lassen.

Also beschloss ich, die Sache zu ignorieren und mich geistig auf meine einfache und beschauliche Wanderung einzustellen.

Zudem tat mir auch gerade jetzt überhaupt nichts mehr weh!

Warum also sollte ich einen weiteren Gedanken daran verschwenden?

Schnapsidee?

Nein, eine Schnapsidee war es gewiss keine, diese Tour auf dem E5 zu machen! Muss man doch dazu wissen, dass ich kein Freund von harten Getränken war und es allein deshalb schon nicht so war, wie es uns später unterstellt wurde.

Nein, eine Schnapsidee nie und nimmer, eher eine Idee aus einer kleinen Bierlaune heraus! Das kann man wohl zum Zwecke der Wahrheitsfindung so eingestehen.

Zum ganzen Hergang der Sache muss man natürlich auch wissen, dass es für meine Freunde und mich so etwas wie eine zweite Heimat in unserem kleinen beschaulichen Städtchen Isny im Allgäu gab.

Und da der Allgäuer im Allgemeinen sehr wortkarg ist und oftmals nur mit einem Wort auf eine Frage antwortet (maximal mit zweien), wollen wir diese Heimat einmal „Pub“ nennen, nur um die Wortvielfalt der Hiesigen zu dokumentieren. Zuweilen wurde es aber auch schon mal als „Irish Pub“ (man beachte: zwei Wörter!) benannt.

Die Frage, die wir uns also fast täglich stellten, war: “Wollen wir ein Schälchen eines guten Feierabendbieres im Pub nehmen?“

Und die knappe, aber oftmals durchaus folgenschwere Antwort (siehe „Wir gehen den E5“) lautete immer: „Ja!“ oder „Wir wollen!“

Und da dies schon seit einigen Jahren so war, hatten wir natürlich einen gewissen Bekanntheitsgrad in unserem Pub (übersetzt: unsere Kneipe).

Der Pub wurde, so ganz nebenbei bemerkt von Gise, unserer aller Lieblingsbedienung, Emer, der irischen Partnerin von Thomas und von Thomas selbst, mit einer jungen, aber durchaus hübschen Crew bewirtet. Nicht nur, dass sie uns bewirten durften, nein sie nahmen auch aktiv an unserem Leben, an unseren „ausschweifenden Gesprächen die jenseits der 4. Halben Bier stattfanden“ und an unseren ungeheuerlichen Unternehmungen teil!

Und so hatten sie auch an diesem denkwürdigen Abend teilgenommen, als fünf ihrer treusten Stammgäste beschlossen das tägliche Ritual zu durchbrechen, um den E5 zu gehen! Und sie mussten zur Kenntnis nehmen, dass diese Begehung gut eine Woche dauern sollte, in der sie um ihre sicheren Einnahmen fürchten mussten!

Aber darauf konnten wir keine Rücksicht nehmen. Zuletzt auch deshalb nicht, weil sich Thomas und Emer vehement dagegen wehrten gute Musik im Irish Pub laufen zu lassen. Sie unterhielten uns seit Jahren tradtionell ausschließlich mit irischer Musik.

Und weil sie daran eisern festhielten, nahm es der eine oder andere von uns zum Anlass, sich an diesem uneinsichtigen Paar ein wenig durch seine Abwesenheit zu rächen!

Vorweggenommen und ohne etwas verraten zu wollen, bliebe an dieser Stelle aber sofort zu sagen, dass der Irish Pub tatsächlich unsere Abwesenheit ohne größere Probleme überstand, was so nicht zu erwarten war! Und, dass diese nachtragenden und schlechten Gedanken, wohl am meisten die der Rache, uns Wochen später selbst einholen und unsere Tour zum Scheitern bringen sollten. Doch dazu später mehr.

Ohnehin muss ich an dieser Stelle mit meinen geistigen Ergüssen innehalten, nicht zuletzt deshalb, weil die Beschreibung der „Schnapsidee“ bei meinen Freunden einen gewissen Widerstand hervorrief.

So hieß es da plötzlich in meinem Umfeld, dass eine derartige Schilderung der Ereignisse durchaus den Schluss zuließe, dass es sich bei den Beteiligten um eine Gruppe schwerster Alkoholiker handelte.

Und da wirklich nur einer meiner Freunde dieses Prädikat für sich ganz offen und ehrlich in Anspruch nahm, es den anderen gegenüber sehr ungerecht wäre, sie als solche bezeichnen zu wollen. Zumal sie ja nur gelegentlich, wie man weiß, ein Schälchen eines guten Bieres zu sich nahmen. - Nein, das wollte ich nun wirklich nicht!

Und so ist es mir ein Bedürfnis von dieser ungeheuerlichen Unterstellung Abstand zu nehmen und sie nun einmal vorzustellen, als das, was sie sonst noch in ihrem wirklichen Leben sind. In einem Leben nämlich welches sich nicht zwischen 19:30 Uhr und 23:05, 1:13 oder 2:18 Uhr morgens abspielte, sondern ein Leben außerhalb des Pubs!

Alfons

Alfons war der Organisator unserer Tour „Wir gehen den E5“.

Ich denke, dass wir für diese Tour keinen besseren hätten finden können.

Er ist theologischer Referent und Exerzitien-Leiter, also beruflich, wenn man so will, ständig in den Bergen und auf Touren unterwegs.

Neben Betriebswirtschaft hat er auch Theologie studiert, was ihn allerdings nicht davon abhält das achte Gebot „Du sollst nicht lügen!“ ganz nach seiner Facon auszulegen.

Das mussten wir mehrfach auf dieser Tour erleben und vor allem ertragen. Am Schluss schoben wir diese fehlgeleitete Eigenschaft darauf, dass er sich mit diesem Virus der Bergwelt infizierte, der zur Folge hatte, Realität nicht ganz realistisch zu sehen. Oder aber, Wichtigkeiten seinen Kameraden einfach nicht mitzuteilen.

Was ihn aber vor allem mir so sympathisch macht, ist die Tatsache, dass er genau wie ich drei Kinder hat, darunter eine junge Tochter, die selbst schon ein Kind hat, ebenso wie meine jüngste Tochter.

Das gibt uns oft Gelegenheit uns als Väter und Opas auszutauschen. Und um uns gegenseitig wiederaufzubauen, wenn sie uns mit einem einfachen Augenaufschlag aus unserer Mitte warfen!

Bernd

Bernd, der älteste unserer Truppe hatte in seiner Jugend sehr viel Sport getrieben. Unter anderem lief er Marathon. Ich denke, dass er davon heute noch zehrte.

Der drahtige Kämpfer in unserer Truppe schonte sich nicht.

In seiner Zeit als LKW-Fahrer lernte er bald auf seinen Fahrten in den Orient durchzuhalten. Und durchhalten musste auch er auf dieser Tour.

Nicht, dass er ab und zu mal kein Schälchen eines guten Bieres trank, rauchte er auch noch unentwegt.

Als Gitarrenspieler hat er natürlich einen ganz besonderen Hang zur Musik, sei es nun Oper, Herbert Pixner Projekt oder Rock.

Zu Röcken haben Musiker bekanntlich auch einen ganz besonderen Hang. Gleich wie ein anderes Mitglied unserer Wandergruppe, nämlich der, der sich um den Wasserhaushalt kümmerte. Gleich wie, deshalb, weil er Berthold bei der Anzahl der Kinder um nichts nachstand.

Zum Spaß betreibt er tagsüber eine physiotherapeutische Praxis in Oberstaufen.

Und wenn ich ehrlich bin, haben wir ihn nur deshalb mitgenommen. Denn es war natürlich damit zu rechnen, dass der eine oder andere schwächeln würde und seine heilbringende Hand dringend erforderlich werden würde.

Berthold

Der „Freund der Berge“, wie er sich selbst gerne nennt, wurde als Sohn einer katholischen Familie aus dem Allgäu geboren. Da er als Kind immer draußen auf dem Lande sein durfte/musste, fühlt er sich bis heute der Natur sehr verbunden.

Außerdem läuft er in seiner Freizeit immer noch sehr gerne. Ab und zu besteigt er neben anderem auch den einen oder anderen Berggipfel. Dabei begleitet ihn hin und wieder eines seiner vier Kinder.

Von Beruf ist er Techniker - weil Zahlen ehrlicher sind als Worte.

Er kümmert sich in unserer Gemeinde um die Gewässer aller Art. Er hat somit weitläufig mit einem Getränk zu tun, das neben ein paar wenigen anderen Zutaten, wie Hopfen, Malz und Hefe hauptsächlich aus Wasser besteht.

Durch die Liebe zum Bier vom Fass muss er gezwungenermaßen das Haus verlassen und rausgehen. Rausgehen, hin zu den alkoholischen Versorgungsstätten, da, wo es dieses Zeug zu kaufen gibt.

Durch diese Tugend und dieser durchaus sympathischen Charaktereigenschaft, lernt er Menschen kennen, die zu Freunden oder Gleichgesinnten werden. Und die auch schon mal einer Schnapsidee“, oh Pardon, einer „Idee aus einer kleinen Bierlaune“ heraus, folgten.

Christian

Christian ist so etwas wie das lebendige Lexikon der Filmgeschichte. Neben seinem Beruf als Programmierer kümmert er sich mit sehr viel Herzblut um das kleine Kino in Isny. Deshalb erzählt er sehr oft und gerne über die Höhepunkte der Filmgeschichte.

Er treibt in seiner Freizeit viel Sport, unter anderem ist er auch in der Disziplin Radfahren unterwegs. Einer Disziplin, deren Beherrschung ihm nicht immer gelingen will, schenkt man ihm einmal Glauben, dass er sich nicht mit Absicht vom Rad schmeißt, wenn er Dinge einfach nicht tun mag.

Er ist Musikfan, wie eigentlich jeder von uns. Doch bei Richard Wagner findet seine Begeisterung kein Ende. Und so reist er gerne mit Freunden an die großen Aufführungsorte Wagnerischer Musikveranstaltungen.

Sein Hang zur Rockmusik und da vorwiegend zu den Rolling Stones, wie ich vermute, demonstriert er sehr gerne, indem er bei Nichtgefallen einer Äußerung oder Geste seines Gegenübers, ganz einfach mal die Zunge herausstreckt. Allerdings sehr viel dezenter wie es ein Mick Jagger tut.

Da er der jüngste in unserer Runde ist, haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er es eines Tages ebenso wie wir zu einem gewissen Kinderreichtum bringen wird?

Frank

Frank ist Fachanwalt für Verkehrsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft im Deutschen Anwaltsverein. Das wir hier von Straßenverkehrsrecht sprechen, dürfte klar sein, auch gerade dann, wenn man weiß, dass er zwei fast erwachsene Kinder hat, die ohne einer gewissen Mit-Glied-Schaft nicht gezeugt hätten werden können.

Genau wie Christian, Jörg und Jürgen verbringt er viel Zeit am Schreibtisch. Da seine Frau ebenfalls Anwältin ist und zwar für Scheidungsgeschichten, könnte man annehmen, dass die beiden nicht sehr viel in ihrem Beruf zu lachen haben. Denn schließlich bringt ihr Tagesgeschäft sehr viel Ernstes, manchmal sogar Böses mit sich.

Und da liegt es eigentlich auf der Hand, dass er sich, wenn zunächst auch erst zögerlich dazu entschloss diese Tour mitzugehen.

Mit seiner Spitzfindigkeit und gelegentlich einigen trockenen Kommentaren, war er in dieser Truppe gut aufgehoben, denn man durfte sich von diesen Möchte-gern-Bergvagabunden nichts gefallen lassen.

Zu seinem Glück, kann Frank auch gut einstekken, was ihm den Umgang mit dem Rest der Truppe doch sehr erleichterte. Und dann schaute er auch gerne mal, was da so auf ihn zukam!

Jörg

Die Firma JOBA ITK-Systeme ist in Isny im Hard- und Software Bereich für kleine und mittelständige Firmen als Systemhaus sowie für Privatkunden tätig. JÖBA, hätte wohl ein wenig komisch geklungen, also wurden die Ö-Pünktchen aus dem Namen Jörg einfach weggelassen, um einen perfekteren Firmennamen zu finden. Ja, das Streben nach Perfektem kann schon mal an die Nerven gehen. Und das Führen eines Kleinunternehmens ist in der heutigen Zeit bekanntlich kein Honigschlecken mehr. Denn wie das Wort selbständig schon sagt, muss man sich ständig selbst einbringen, um dem Perfekten, zumindest dem, welchen Anspruch man selbst daran stellt, gerecht zu werden.

Dann gibt es noch die beiden sehr viel jüngeren Kinder, als die Kinder der Wanderfreunde, die ihren Vater gut auf Trab halten können.

Immer einhundertzwanzig Prozent geben zu müssen ist echt hart! Hundertfünfzig könnten es da gerne auch mal sein.

Und dann ist da plötzlich diese Idee, die dir die Möglichkeit gibt, endlich etwas ganz anderes zu machen, als nur auf den Bildschirm eines Computers zu schauen.

Und dann, dann willst du da einfach mal mitmachen, denn du willst wissen, ob du auch (noch) in anderen Dingen (geradezu) perfekt bist?

Jürgen

Eigentlich Maschinenbautechniker der Konstruktion. Seit langem aber schon in der Technischen Dokumentation tätig, wo er u.a. Betriebsanleitungen verfasst, die ohnehin niemand lesen möchte. Täglicher Schreibtischtäter mit gelegentlichen Projekten, die ihn dazu nötigen sich über den alltäglichen Rahmen seiner sitzenden Tätigkeit hinaus bewegen zu müssen.

Ehemaliger Fußballspieler, der seit Beendigung seiner aktiven Laufbahn einen Ball am Bauch, in Höhe der Hüfte, stets bei sich trägt und gelegentlich deshalb gefragt wird, in welchem Monat denn die Niederkunft des Kindes sein werde?

Buchautor mit dem Hang zu einer schlechten Rechtschreibung, weswegen gelegentlich gefordert wird, er möge doch Bilderbücher machen, wodurch sich dieses Manko von selbst auflösen würde.

Doch auch diese Forderung wird seit der von ihm gezeigten Diashow über die E5 Wanderung im Juli 2019 stark relativiert, da er vergessen hatte, Bilder im Hochformat auch hochformatig zu zeigen.

Das Publikum gab es nach dem zehnten von knapp sechshundert Fotos auf, sich zur Seite zu beugen, um die Bilder in der richtigen Lage anzusehen.

Bierlaune und ein unverhoffter Schicksalsschlag

Wenn ich mich recht erinnere, war es Christian, der die Idee hatte, sich doch einmal von den täglichen Gewohnheiten zu lösen, um etwas anderes zu machen, was unseren Fähigkeiten und Wünschen voll entsprach.

Christian war mit Abstand der jüngste von uns und dementsprechend in seiner Freizeit mit dem Fahrrad unterwegs. Es gab bei ihm noch keine Hinweise darauf, dass er irgendwelche Probleme meiner Art hatte, was Knie und Hüfte betraf. Außerdem war er ein wilder Hund, der sehr oft ohne Schuhwerk barfuß unterwegs war und dementsprechend hübsche Beine hatte. Doch wenn mir zuweilen einmal der Bierdeckel im Pub unter den Tisch fiel, war ich gezwungen mir einzureden, nicht mit einem Schwarzfußindianer an selbigen zu sitzen, sondern eben mit Christian.

Auch Alfons schien die Idee einer Bergwanderung mit uns zusammen gut zu gefallen, möglicherweise um zu erfahren, ob wir auch in anderen sportlichen Disziplinen ähnlich gut waren, wie z.B. in der 0,5-Liter-Klasse im Pub.

Also waren sich ursprünglich vier Stammgäste einig, eine Bergtour im Sommer 2018 mit Alfons zu machen: Christian, Bernd, Jörg und ich. Alfons leitete also gleich die Organisation ein, nicht zuletzt deswegen, weil er es konnte. Er schlug uns vor eine Teilstrecke des Europawegs E5 zu gehen und zwar von Rovereto nach Verona.

Die Frage „Mailand oder Madrid?“, wie sie einst dem ehemaligen deutschen Fußballnationalspieler Andy Möller gestellt wurde, beantwortete er damals mit: „Hauptsache Italien!“ Diese Antwort wäre auf die Frage „Rovereto oder Verona?“ in jedem Falle richtig gewesen... damals war sie es leider nicht.

Italien war auch für uns OK und so begannen wir mit dem Training, denn ganz ohne ein paar Übungseinheiten wollten wir dann doch nicht los in die kleinen italienischen Dolomiten.

Jörg und ich bevorzugten Geh-Übungen beim Nordic Walken, weil es ja hieß, wir wollten den E5 gehen. Bernd versuchte sich in langen Wanderungen mit gelegentlichen Anstiegen und Christian trainierte seine Kondition mit dem Fahrrad.

Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren und der Tag der Abreise kam immer näher.

Nur zur eigentlichen Abreise kam es dann leider nicht.

Als ich eines Abends guter Dinge in den Pub kam, wurde ich darüber aufgeklärt, dass die Tour gecancelt war.

Bernd und Jörg hatten Alfons informiert, dass sie die Tour ohne Christian nicht machen wollten. Sowohl er als auch ich waren geschockt und überrascht zugleich.

Was war geschehen?

Bei den Bemühungen seine Kondition mit dem Fahrrad zu verbessern waren ihm wohl Zweifel gekommen, ob er, Christian, die angesagte Tour schaffen könnte. Geplagt von so viel Selbstzweifeln fiel ihm nichts Besseres ein, als sich vom Fahrrad zu schmeißen um sich dabei das rechte Schlüsselbein zu brechen. Eine nicht ganz schmerzfreie aber sehr effektive Methode, wenn man nach einer Ausrede suchte, keinen Rucksack tragen zu müssen.

Natürlich wäre es uns in stundenlangen Gesprächen gelungen ihn von seinen Zweifeln zu befreien, wenn wir auch nur die geringste Ahnung gehabt hätten. Und nur allzu gerne wären wir alle bereit gewesen das eine oder andere Bier auf unsere Kappe zu nehmen, wenn es dazu beigetragen hätte, ihn wieder in die Spur zu bringen.

Aber nein, es war einfach nicht seine Art sich zu öffnen um Trost und Beistand bei den Freunden zu suchen. Nein, er musste sich ja einfach nur so, mal eben, vom Fahrrad werfen.

Irgendwann, als er dann wieder aus dem Krankenhaus heraus war, versuchte er uns den Unfall (das war seine Version) so zu erklären, dass sich ein mittelgroßer Ast in den Speichen seines Vorderrads verheddert hatte und er die sich daraus ergebende Vollbremsung nicht schultern bzw. ihr Herr werden konnte.

Dabei kam er aus der Spur (aus der Fahrspur und nicht aus der psychischen, wie er mehrfach betonte) und zu Fall.

Geschultert hatte er die gefährliche Situation dann doch noch, wie man unschwer an seinem Verband erkennen konnte.

Nach diesem unschönen Vorfall schworen wir uns, nie wieder Rachegedanken gegen unseren Wirt zu hegen. Von nun an wollten wir die irische Musik wort- und kommentarlos ertragen, was bei anhaltender Dauer zu einer schweren Bürde wurde.

So kam es mal wieder anders als man dachte und unser Urlaub 2018 fiel ins Wasser bzw. mit Christian in den Straßengraben.

Alfons wurde für seine Mühe wegen der Organisation mit einem guten Essen belohnt. Aber nichtsdestotrotz, er hatte die ganze Arbeit umsonst gemacht.

Doch es ehrte ihn sehr, als er sagte, dass er durchaus bereit wäre die Tour im nächsten Jahr noch einmal mit uns zu planen bzw. zu unternehmen.

Die anderen waren darüber hoch erfreut und schworen sich, die Wanderung 2019 nachzuholen.

Außerdem wurde abgemacht, dass die Tour in jedem Falle stattfinden sollte, auch dann, wenn sich einer der Teilnehmer wieder vom Fahrrad werfen sollte. Dabei fiel unser aller Blick auf Christian, der ja noch eine gesunde linke Schulter hatte.

Und ein Jahr war schnell vorbei und schnell war man ein Jahr älter und „noch beweglicher und geschmeidiger“ als im Jahr zuvor.

Doch die Wunden, auch die von Christian, heilten. Wir begannen dieses Mal ein wenig früher mit dem Training um uns keinem psychischen Druck aussetzen zu müssen.

Die Vorfreude auf dieses Ereignis stellte sich bald ein und zog zwei weitere Stammgäste mit in ihren Bann.

Berthold war gleich davon begeistert, war er doch vor einigen Jahren bereits andere Teilstücke des E5s gelaufen und wollte mit unserer Tour die verbliebene Lücke schließen.

Frank haderte noch ein wenig, wohl nicht zuletzt deshalb, weil ihn ähnliche Zweifel ergriffen, wie im Vorjahr Christian. Doch um ihn mussten wir uns weniger Sorgen machen, denn er fuhr nicht Rad.

Außerdem gab Christian zu und zu bedenken, das ihm die Aktion aus dem letzten Jahr nicht wirklich weitergeholfen hätte. Denn er wollte in diesem, wie auch im letzten Jahr unbedingt dabei sein, obwohl andere Gerüchte immer noch die Runde machten.

Und im Übrigen sei so ein Schlüsselbeinbruch mit all dem Eisenzeug, was man ihm damals eingepflanzt hatte, keine Alternative einen Rucksack fünf Tage lang durch Spanien... oh Entschuldigung, durch Italien tragen zu müssen.

So wurden aus fünf tapfere Isnyer derer sieben, die sich aufmachen wollten die italienischen Berge zu bezwingen.

Begeisterte Fans dieser Truppe sprachen sogleich von den „Glorreichen Sieben“, was sie aber nicht davon abhielt Wetten zu eröffnen, welcher dieser sieben wohl als erster das Handtuch werfen würde.

So sind die Allgäuer halt, immer freundlich... vorne herum...! (Spaß!)

Schuhe, Schuhe, nichts als Schuhe

Irgendwie war es uns allen klar, dass die anstehende Tour etwas anderes sein würde, als im Pub am Tresen zu stehen.

Alfons hatte uns bereits eine Ausrüstungsliste mitgegeben, damit wir informiert waren, was alles in den Rucksack und mit auf die Reise musste.

Obwohl das Thema Schuhe im Alltag wohl eher etwas für Frauen war, kamen wir nicht umhin, uns zunächst einmal und in erster Linie darum zu kümmern.

Meine Wanderschuhe waren schon etwas älter und beim ersten Probelauf stellte sich heraus, dass der große Zeh beim Bergabgehen vorne anschlug. Ich konnte mich noch gut daran erinnern, dass das vor vier Jahren noch nicht so war. Der Schuh musste im Kellerregal geschrumpft sein.

Andere erzählten, dass ihre Bergstiefel wohl noch älter waren und Frank wusste zu berichten, dass seine Schuhe sich auf seiner letzten Tour aufgelöst hatten. Komischerweise hatte er am selben Tag die Sohlen beider Schuhe verloren und musste ein Stück quasi strumpfsockig gehen.

Bernd hingegen hatte überhaupt keine Schuhe, die dem Begriff Wanderschuh auch nur angenähert gerecht wurden. Also kaufte er sich gleich mal ein neues Paar. Wir wissen bis heute nicht, ob sie ihm wirklich so gut gefielen oder ob auf einen Schlag seine sämtlichen anderen Schuhe gestohlen oder auseinandergefallen waren, denn fortan sah man ihn nur noch in seinen neuen Schuhen. Es wurde unter der Hand gemunkelt, dass sie ihn einen Zentimeter größer machten.

Er hingegen wollte uns immer weis machen, dass ein Wanderschuh einzulaufen sei, wollte man später keine Blasen an den Füßen bekommen. Das mochte schon stimmen, aber wir hatten noch ein paar Monate bis zu unserer Reise. Und sonntags zum Kirchgang könnte er ja auch mal andere Schuhe anziehen, wenn er denn dahin ginge?

Auch ich kam nicht umhin mir neue Wanderschuhe zu kaufen. Ich kaufte das gleiche Modell wie Bernd, nur ein paar Nummern größer, damit sie auseinander zu halten waren.

Dann begannen wir an den Wochenenden Wanderungen und kleinere Bergtouren zu machen. Denn schließlich lebten wir im Allgäu und hatten tatsächlich auch hier den einen oder anderen Berg, der bestiegen werden wollte.