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Nachdem Harald, wegen seiner besonderen Gabe, von seinen Eltern im Wald ausgesetzt wurde, beschließen Roland und Helga, als sie ihn fanden und mitnahmen, aufzuziehen. Zehn Jahre später, als Harald mit seiner kleinen Schwester, Mia, wie immer, an einem alten, verlassenen Haus vorbeikamen, entschließen die Beiden, das Haus heimlich zu erkunden. Durch Zufall findet Harald ein altes Amulett, welches zu einem sehr mächtigen Set gehört. Der Wettlauf beginnt, denn Harald muss erst ausgebildet werden.
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Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2025
Geerbte Bestimmung IIIRelikte der Macht
Impressum
Texte:
©2025 Copyright by
Robert Zuschrott
Umschlag:
© Copyright by Robert Zuschrott Verlag:
Robert Zuschrott
35279 Neustadt
Druck:
epubli, ein Service der
neopubli GmbH, Berlin
Printed in Germany
I Mit ernstem Blick sahen sich Otto und Maria an, als sie mit dem Auto am Waldrand entlang fuhren. Der fünfjährige Sohn, Harald, saß auf der Rücksitzbank in seinem Kindersitz und spielte unbekümmert mit seinen Fingern.
„Bist du sicher, dass es die richtige Lösung ist?“, fragte Maria.
„Ja. Der Junge ist mir zu unheimlich. Keine Ahnung, woher er das hat“, antwortete Otto mit ernster Stimme.
„Ja, du hast recht. Die Nachbarn haben auch schon gefragt, was mit ihm ist, weil er selten redet.“
Kaum gesagt, hielt Otto das Auto, nach einer langen Fahrt, am Straßenrand einer Gabelung an. Otto und Maria stiegen aus und sahen leichte Blitze im Auto. Doch kaum hatte Otto die hintere Tür geöffnet, waren die Blitze weg. Vorsichtig hob Otto Harald aus dem Auto. Fröhlich und gut gelaunt ging Harald mit seinen Eltern in den Wald. Harald genoss es immer, mit seinen Eltern spazieren
zu gehen. Speziell im Wald war er immer sehr aufgeregt. Er hatte Glück und konnte ein Eichhörnchen fasziniert beobachten, welches auf einen Baum kletterte. Mit funkelnden Augen sah er dem Eichhörnchen nach, bis es in einem großen Loch im Baum verschwand.
„Hast du das gesehen, Mama?“, fragte Harald mit großen Augen und sah dort hin, wo seine Eltern standen. Doch da war niemand mehr.
„Mama? Papa?“, rief der Junge panisch und drehte sich in alle Richtungen, aber seine Eltern waren verschwunden.
„Mama? Papa?“, rief er noch lauter. Otto und Maria hatten Harald im Wald ausgesetzt und fuhren ohne ihn einfach davon. Langsam wurde es dunkel. Harald suchte nach seinen Eltern, aber es war vergebens. Ängstlich rannte der Junge durch den Wald, in der Hoffnung, seine Eltern wieder zu finden.
Aber weit und breit war von ihnen nichts zu sehen. Müde vom langen Herumlaufen im Wald, setzte er sich dann auf einen Baumstumpf und begann zu weinen. Der Abend dämmerte bereits und es wurde
langsam dunkel. Harald stand wieder auf und setzte seine Suche, nach seinen Eltern weiter fort.
„Irgendwo mussten sie ja sein“, dachte er.
Seine Müdigkeit wurde immer stärker und er konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten. Zum Glück fand er an einer Waldlichtung eine mit Moos bedeckte Fläche an einem Gebüsch. Sein Hunger wurde auch immer stärker. Zum Glück fand er neben dem Moos ein paar kleine Büsche mit Blaubeeren. Nachdem er einige Beeren gepflückt und gegessen hatte, ging er wieder zum Moos zurück. Dort setzte er sich und hoffte, dass ihn seine Eltern da finden würden. Es war Spätsommer und ein laues Lüftchen wehte durch den Wald. Es dauerte nicht lange, bis Harald die Augen zufielen und er einschlief.
Am nächsten Morgen kam ein frisch verheiratetes Pärchen und alberte frisch fröhlich herum. Die Beiden lachten ausgelassen. Plötzlich blieb sie stehen und sah mit ernstem und erstauntem Blick auf das Moos.
„Das gibt es doch nicht. Schatz sieh mal“, sagte Helga. Sofort eilte Roland heran und sah den Jungen im Moos liegen. Harald schlug langsam seine Augen auf und streckte sich nach allen Seiten.
„Ja wer bist du denn?“, fragte Roland mit sanfter Stimme. Harald sah die Beiden ängstlich an. Dann senkte er seinen Kopf.
„Harald“, sagte er leise.
„Hab keine Angst. Wir tun dir nichts. Wo sind denn deine Eltern?“, fragte Helga in gleichem sanften Ton. Aber Harald sagte kein Wort und sah sie nur mit großen Augen an. Dann begann er wieder zu weinen.
„Mama und Papa sind weg“, sagte Harald schließlich mit leiser Stimme. Er zitterte am ganzen Körper. Roland zog seine dünne Jacke aus und legte sie dem Jungen über dessen Schulter.
„Weißt du was? Wir helfen dir, deine Eltern zu suchen“, sagte er und nahm den Kleinen an die Hand. Den ganzen Vormittag streiften sie durch den Wald, aber von Haralds Eltern war keine Spur.
„Ich denke, wir sollten ihn mitnehmen. Hier können wir ihn auf keinen Fall allein lassen“,
sagte Helga bestimmend und Roland nickte zustimmend. Harald sah die Beiden nur an.
Zögernd ging er mit Roland und Helga mit. Es dauerte nicht lange, als sie an ihrem Auto ankamen. Roland hatte im Kofferraum noch ein Kissen. Dieses legte er auf die Rücksitzbank und setzte Harald darauf.
Dann fuhren sie los. Helga steuerte sofort ein Cafe an, welches sich in der Nähe befand.
„Lass uns da rein gehen. Du hast doch sicher Hunger“, lächelte Roland. Harald nickte schüchtern.
Nach dem Essen, fuhren sie zur nächst gelegenen Polizeistation und gingen rein.
„Guten Tag, wie kann ich ihnen helfen?“, fragte der Polizist freundlich.
„Guten Tag. Bitte können sie mir sagen, ob irgend Jemand einen kleinen Jungen als vermisst gemeldet hat?“, fragte Helga.
Sofort sah der Polizist in seinen Akten nach.
„Nein, was ich hier, auf dem ersten Blick sehe, wird niemand vermisst. Warum?“, fragte der Polizist.
„Wir haben den kleinen Jungen am Waldrand gefunden“, sagte Roland und zeigte auf
Harald. Der Polizist beugte sich über seinen hohen Tisch und betrachtete den Jungen.
„Hmm, ich werde mal meine Kollegen fragen, ob bei ihnen irgend etwas eingegangen ist.
Bitte warten sie hier“, sagte der Polizist und verschwand in das Innere der Wachstube.
„Wenn uns Jemand helfen kann, deine Eltern zu finden, dann sicher die Polizei“, sagte Helga sanft zu Harald. Der Kleine sah sie nur stumm und mit großen Augen an. Nach einer Zeit kam der Polizist zurück.
„Also bei meinen Kollegen ist auch keine Vermisstenanzeige eingegangen. Ich werde sofort das Jugendamt informieren. Die werden ihn dann vorübergehend in eine Einrichtung bringen, von da ihn seine Eltern abholen können“, schlug der Polizist vor.
„Das kommt gar nicht in Frage“, kam es sofort aus Helga, wie aus einer Pistole geschossen. Roland sah seine Frau mit großen Augen an. So energisch kannte er sie nicht.
„Ich schlage vor, dass wir den Knirps mit nach Hause nehmen. Haralds Eltern können ihn dann bei uns abholen“, fügte sie noch hinzu und gab dem Polizisten ihre Adresse und die Telefonnummer.
„Bist du sicher“, fragte Roland erstaunt.
„Ja klar. In ein Heim kommt der Krümel sicher nicht“, antwortete Helga und zog Harald sanft und beschützend an sich. Der Polizist nickte lächelnd.
„Dann wäre das mal geklärt. Und wir werden alles tun, um die Eltern zu finden“, sagte er lächelnd. Auch Roland nickte zustimmend und zog Helga und Harald an sich. Dann gingen sie zum Auto und fuhren nach Hause.
„Ich hoffe, sie finden seine Eltern so schnell, wie möglich“, sagte Roland.
„Und wenn nicht?“, fragte Helga.
„Dann werden wir ihn, wohl oder übel behalten müssen“, lächelte Roland.
„Und schon haben wir eine Familie“, lachte Helga. Roland und Helga kümmerten sich liebevoll um Harald, der sich langsam aber sicher an die beiden gewöhnte und sie fast, wie Eltern, ansah. Nachdem sich niemand für den Kleinen meldete, beschlossen Roland und Helga, ihn zu adoptieren. Ein Jahr später wurden Roland und Helga dann noch mit einer Tochter gesegnet. Haralds Eltern wurden nie gefunden. Harald liebte seine kleine
Schwester abgöttisch und beschützte sie, wo immer er konnte.
Roland Oras war ein schwarzhaariger Mann mit einem Dreitagebart, welcher eine unbestreitbare Autorität besaß. Er leitete seit zwei Jahren eine eigene
Rechtsanwaltskanzlei und hatte auf dem Gebiet auch jede Menge zu tun.
Helga Oras hatte blonde, kurze Haare und stechend blaue Augen, welche sie an ihre Tochter, Mia, vererbt hatte. Sie arbeitete in einem Restaurant als Kellnerin.
Roland und Helga hatten sich damals in Eilat, Israel kennen gelernt, wo Beide Urlaub machten. Nach ein paar Treffen verliebten sie sich sehr schnell in einander und stellten auch fest, dass sie in der gleichen Stadt, Graz, wohnten. Ein halbes Jahr später zogen sie zusammen und heirateten. Es stand zwar schon eine Familienplanung im Raum, aber als sie Harald gefunden hatten, beschleunigte dies ihr Vorhaben rasant. Die Probleme, die mit dem Fund des Knaben zusammenhingen, schweißte das Paar nur noch mehr zusammen.
Zehn Jahre später traf sich die kleine Familie Oras langsam in der Küche zum Frühstück zusammen. Roland saß bei seinem Kaffee mit geöffneter Zeitung bereits am Tisch. Helga stand an der Arbeitsplatte und schmierte gerade die Pausenbrote für die Kinder. Harald kam langsam und mit verschlafenem Gesicht aus dem Badezimmer.
Seine Schultasche hatte er bereits zur Garderobe gestellt.
„Na, eine harte Nacht gehabt“, fragte Roland lachend.
„Nein. Ist nur noch mitten in der Nacht“, antwortete Harald lächelnd und ging zum Tisch, wo sein Kakao schon auf ihn wartete.
Roland und Helga konnten ihr Lachen nicht verhalten.
Harald war inzwischen ein fünfzehnjähriger Junge mit rötlichen Haaren und hellbraunen Augen. Er brauchte in der Früh immer eine Zeit lang, um in die Gänge zu kommen. Kurze Zeit später kam auch Mia, ihre inzwischen zehnjährige Tochter herangesaust. Sofort fiel sie Harald um den Hals und küsste ihn lächelnd auf die Wange. Mia war ein schlankes Mädchen mit blonden langen
Haaren und blauen Augen. Sie liebte ihren großen Bruder abgöttisch. Die Beiden waren ein Herz und eine Seele. Harald half ihr, wo immer er konnte. Sei es bei den Hausaufgaben, oder wenn Mia irgend welche Probleme hatte. Auch wenn der Job als großer Bruder manchmal sehr anstrengend war, denn Mia war ein sehr lebhaftes Mädchen. Nach dem Frühstück nahm Harald, wie jeden Tag, seine kleine Schwester an die Hand und ging mit ihr in Richtung Schule.
Nach der Schule trafen sich die Beiden wieder im Schulhof und gingen nach Hause.
Auf dem Weg gingen sie, wie immer, an einem alten, verlassenen Haus vorbei.
„Warst du da schon mal drinnen?“, fragte Mia neugierig.
„Nein. Eigentlich noch nie. Warum?“, fragte Harald.
„Weil ich mich frage, wie es da drinnen wohl aussieht.“
„Ich habe mich auch schon gefragt, ob da noch Jemand wohnt“, sagte Harald nachdenklich. Plötzlich riss sich Mia los und rannte zum Haus.
„Hey, was machst du da?“, fragte Harald mit großen Augen.
„Komm mit“, lächelte Mia. Harald sah sich um, ob sie niemand beobachtete. Dann folgte er seiner kleinen Schwester. Etwas ängstlich griff Mia nach der Türklinke. Mit einem lauten Knarren, machte sie die Tür auf. Ein leicht modriger Geruch stieg in ihre Nasen.
Die Möbel waren mit Tüchern abgedeckt und der Staub hatte sich überall festgesetzt.
Vorsichtig betraten die Beiden das Haus und sahen sich um. Das Wohnzimmer war riesig.
An der Wand stand ein Pianino, welches ebenfalls abgedeckt war. Mias Augen begannen immer mehr zu funkeln, je weiter sie in das Haus vordrangen. Mitten im Raum trat Harald auf ein loses Brett, welches am Boden knarrte. Erschrocken sah er nach unten. Das Brett hob sich vorne und hinten, als er in der Mitte drauf trat. Langsam kniete er sich hin und hob das Brett auf die Seite. Darunter kam ein kleines Versteck zum Vorschein. Er fand eine kleine Schatulle, welche kunstvoll verziert war. Vorsichtig hob er sie heraus und versuchte sie zu öffnen, aber es gelang ihm nicht. Er betrachtete
sich die Schatulle von allen Seiten. Mia kniete voller Erwartung neben ihm. Am Boden der Schatulle fand er schließlich eine Inschrift.
„Bain usaid as an amulet seo go ciallmhar.
Muineann se duit cat ata Tu. I bhfocail eile, a oscailt”, las Harald.
„Was bedeutet das“, fragte Mia.
„ Es heißt: Verwende dieses Amulett mit Bedacht. Es lehrt dich, was du bist. Sprich öffnen“, antwortete Harald nachdenklich.
Mia sah Harald mit großen Augen an.
„Kannst du diese Sprache? Woher?“, fragte sie erstaunt.
„Ich weiß es nicht. Sie kommt mir aber so bekannt vor.“
„Welche Sprache ist das?“
„Klingt nach alt irisch, aber ich bin mir nicht sicher. Kann auch gälisch sein. Auf jeden Fall scheint es eine tote Sprache zu sein“, antwortete Harald nachdenklich. Dann drehte er die Schatulle wieder um und stellte sie auf den Boden.
„Oscailt?“, fragte Mia und sah ihn dabei an.
Die Schatulle stand, nach wie vor, reglos am Boden.
„Ja. Oscailt“, sagte Harald lächelnd.
Plötzlich erschraken Beide, als der Deckel der Schatulle von selbst aufsprang. Langsam öffnete Harald den Deckel. In der Schatulle befand sich ein wunderschön verziertes Amulett. Als Harald es vorsichtig heraus nahm, begann es leicht zu leuchten.
„Es ist wunderschön“, lächelte Mia mit funkelnden Augen.
„Ja, das ist es“, antwortete Harald. Dann schloss er die Schatulle wieder und legte sie in die Grube zurück. Das lose Brett legte er wieder sorgfältig drüber. Das Amulett steckte er in die innere Tasche seiner Jacke.
„Was machen wir damit?“, fragte Mia.
„Ich habe noch keine Ahnung. Erst mal müssen wir herausfinden, was das wirklich ist“, sagte Harald.
„Wir könnten ja mal im Internet nachsehen, ob es darüber etwas gibt“, schlug Mia vor.
„Gute Idee. Aber das muss unbedingt unter uns bleiben. Unser Geheimnis“, sagte er. Mia nickte, zwinkerte mit einem Auge und umarmte ihren Bruder liebevoll.
„Ich muss dir aber vorher noch etwas sagen“, sagte Harald, konzentrierte sich und
ließ, wie durch Zauberhand, ein kleines Karussell erscheinen, welches sich drehte.
Mia sah Harald mit großen Augen und sprachlos an.
„Aber wie?“, stammelte sie.
„Das konnte ich schon von klein an. Ich denke, deshalb hatten mich meine damaligen Eltern auch im Wald ausgesetzt. Seit dem habe ich das niemanden mehr gezeigt. Ich habe Angst, dass ich wieder weggeschickt werde“, gestand Harald mit gesenkten Augen.
„Das lasse ich auf keinen Fall zu. Du bist und bleibst der beste große Bruder, den ich habe“, sagte Mia bestimmend.
„Klar. Ich bin ja auch dein einziger großer Bruder“, lachte Harald.
„Eben deshalb“, lachte auch Mia und stieß Harald leicht mit dem Ellenbogen in die Seite.
„Bitte das muss unbedingt unter uns bleiben“, sagte er dann ernst.
„Keine Sorge. Von mir erfährt niemand etwas“, sagte Mia und zwinkerte Harald mit einem Auge zu. Dankbar nahm er sie in seine Arme.
„Ich habe einen Bruder, der zaubern kann.
Du kriegst die Tür nicht zu“, lächelte Mia ihn dabei an. Dann verließen sie das Haus und gingen nach Hause.
„Und wie war die Schule?“, fragte Helga, als die Beiden bei der Tür herein kamen.
„Interessant. Morgen haben wir Schularbeit“, lächelte Mia.
„Tja dann musst du heute noch fleißig lernen und dich vorbereiten“, lächelte Helga zurück.
„Ich helfe ihr bei Mathemadünn“, grinste Harald.
