Anders als geplant - Robert Zuschrott - E-Book

Anders als geplant E-Book

Robert Zuschrott

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Beschreibung

Esther, ein 16- jähriges Mädchen, welches schwere Schicksalsschläge zu bewältigen hat, entschließt sich, auf Grund ihrer Erlebnisse, für den Weg als Nonne in einem Kloster in Graz. Esthers beste Freundin, Silke hat besondere Fähigkeiten, ist ihr auch in der schwersten Zeit immer beigestanden und hat sie immer vor Schlimmeren bewahrt. Doch Silke ist ein anderer Weg bestimmt. Ein Weg, mit dem sie nie gerechnet hat,

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 114

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Anders als geplantRobert Zuschrott

Impressum

Texte: ©2024 Copyright by Robert Zuschrott

Umschlag:

© Copyright by Robert Zuschrott Verlag:

Robert Zuschrott

35279 Neustadt

[email protected]

Druck:

epubli, ein Service der

neopubli GmbH, Berlin

Printed in Germany

I Schallend lachend kamen Silke und Esther aus einem Kleidergeschäft der Grazer Annenpassage.

„Hast du gesehen, wie die Augen des Verkäufers herausgekommen sind, als du den Push Up über deinen Pulli angezogen hast?“, fragte Silke, während sie sich den Bauch hielt vor Lachen.

„Und erst die Beule in seiner Hose“, antwortete Esther auch laut lachend.

„Das war ja so klar, dass deine Augen in diese Gegend wandern würden.“

„Keine Angst, ich habe auch gesehen, dass er knallrot im Gesicht war“, lachte Esther.

„Ich wette, er war noch Lehrling.“

„Ja, war er auch sicher noch.“ Die Beiden gingen noch quietschvergnügt in die Eisdiele gegenüber und holten sich noch jeder ein

kleines Eis aus der Tüte, bevor sie mit der Straßenbahn nach Hause fuhren. Silke sah in der Straßenbahn eine Zeit lang sehr ernst gerade aus.

„Oh Gott, bitte nicht“, sagte sie sehr leise.

„Alles ok?“, fragte Esther.

„Bei dir scheint wieder was zu Hause los zu sein. Bitte passe auf deine Mutter auf. Da scheint was Grobes im Busch zu sein“, sagte Silke.

„Ok, das ist nichts Neues“, antwortete Esther. „Was siehst du?“, fragte sie nach.

„Schwer zu sagen.“

„Was meinst du?“

„Ich sehe nur dich, deine Mutter und deinen Stiefvater. Und ich habe die Befürchtung, dass da was Böses kommen wird. Aber was genau, kann ich dir nicht sagen. Komisch, aber ich spüre mehrere Versionen.“

Esther wusste, dass Silkes Vorahnungen nicht von irgendwo her kommen. Meistens hatte sie damit recht. Silke hatte sie damit schon einige Male gerettet.

Die Eltern der beiden Mädchen waren seit Jahren bestens mit einander befreundet.

Esthers Familie wohnte in der Algersdorfer Gegend. Oft übernachtete sie bei Silke, denn sie hielt die häufigen Streitereien zwischen ihrer Mutter und dem Stiefvater nicht aus. Vor allem, wenn er angeheitert nach Hause kam. Es passierte auch sehr oft, dass er sich nachts immer wieder in das Zimmer von Esther schlich. Mit ihrer Mutter hatte sie schon mehrfach versucht, darüber zu reden, aber sie schenkte ihrer Tochter keinen Glauben. Dieses Spiel ging nach Esthers dreizehnten Geburtstag los. Er ließ das Mädchen glauben, dass das völlig normal sei und es einfach zu einer guten Familie dazu gehören würde. Aber dass sie mit niemandem darüber reden dürfe. Über die Jahre hinweg gewöhnte sich Esther dann

daran. Auch wenn sie wusste, dass es nicht richtig war. Esther war ein

sechzehnjähriges, etwas molligeres Mädchen mit dunkelbraunen, langen Haaren. Sie trug gerne Jeans und gab sich in der Schule eher ruhig. Ihr richtiger Vater kam bei einem Motorradunfall ums Leben. Bevor Esthers Mutter diesen Mann kennen lernte, war sie ein lebensfroher Mensch. Aber durch ihn und seine Dominanz und Herrschsucht, verlor sie irgendwie den Halt und hatte Anzeichen von Depressionen. Dadurch fühlte er sich auch immer stärker. Je näher Esther kam, umso mehr machte sich wieder Angst in ihr breit. Esthers Stiefvater war nicht gerade der Feinste. Immer öfter wurde er in letzter Zeit gegenüber ihrer Mutter handgreiflich. So auch diesmal. Sie hörte im Stiegenhaus schon lautes Geschrei und Glas, das zerbrochen wurde. Gerade als sie die Wohnungstür öffnete, sah sie, wie ihr Stiefvater ihre Mutter ohrfeigte. Ihr Körper flog geradewegs in eine Ecke.

„Und sonst geht es dir gut?“, schrie Esther ihn an.

„Frage einmal deine bescheuerte Mutter“, antwortete er.

„Das reicht jetzt wirklich“, sagte Esther und holte ihr Handy aus der Hosentasche.

Gerade, als sie den Polizeinotruf wählen wollte, stürzte sich ihr Stiefvater auf sie und versuchte ihr, das Handy wegzunehmen.

Esther wehrte sich mit allem, was sie hatte, aber er war viel zu stark. Als er es geschafft hatte, ihr das Handy abzunehmen, warf er Esther auf die Couch.

„Siehst du? Der Apfel fällt nicht weit vom Birnenbaum“, schrie er. Esthers Augen schweiften durch die Wohnung. Aber von ihrer Mutter war nichts zu sehen.

„Du merkst ja gar nicht, was du ihr damit antust“, schrie Esther.

„Nur, weil du dich selbst nicht im Griff hast, machst du uns alle noch mit dem kaputt.“

Kaum hatte Esther das gesagt, raffte sie

sich hoch, um ihre Mutter zu suchen.

Schließlich fand sie ihre Mutter auf dem Dachboden.

„Es tut mir leid. Ich bin an allem Schuld.“

„Nein Mama. Bitte komm wieder herunter und schick ihn weg. Dann ist bestimmt wieder Ruhe bei uns.“

„Tut mir leid Esther, das schaffe ich nicht mehr.“

„Mama bitte komm wieder durch das Fenster herein“, flehte Esther mit weinerlicher Stimme und Tränen in den Augen.

„Ich liebe dich“, sagte ihre Mutter noch und ließ los.

„Nein“, schrie Esther noch und rannte zum Fenster. Aber sie konnte den Fall ihrer Mutter nicht mehr verhindern. Esther musste zusehen, wie ihre Mutter auf die Erde fiel und aufschlug. Tränenüberströmt sackte Esther zu Boden und schlug mehrmals mit der Faust gegen den Boden. Es dauerte

nicht lange, bis die Rettung und Polizei eintrafen. Es war nur noch Blaulicht in der Siedlung zu sehen. Viele Nachbarn kamen als Schaulustige auf die Straße.

Silke hatte genau das gespürt und war sofort da. Sie stand Esther mit allem, was sie hatte bei. Esther wurde auch von den Sanitätern umsorgt, da sie komplett mit den Nerven herunter war. Danach wurde Esther von der Polizei dazu vernommen. Esther erzählte alles. Auch von den nächtlichen Übergriffen, denen sie ausgesetzt war.

Esthers Stiefvater wurde sofort verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Doch leider stand Aussage gegen Aussage, denn er stritt alles ab.

„Was soll ich jetzt nur tun?“, fragte Esther weinend und tränenüberströmt.

„Du kannst, so lange du willst, bei uns wohnen, wenn du magst“, sagte Silke und umarmte ihre beste Freundin dabei.

„Aber erst muss sie sich ausruhen“, sagte der Sanitäter.

Silke wich Esther nicht von der Seite.

„Mama, warum hast du das getan?“, fragte Esther immer wieder weinerlich und ganz leise.

„Egal, was noch passiert, ich bleibe bei meiner Freundin“, sagte Silke und sah dem Sanitäter tief in die Augen. Dieser senkte sofort seinen Blick.

„Aber natürlich“, sagte er und spritzte Esther noch ein Beruhigungsmittel. Dann fuhr der Rettungswagen die Beiden zu Silke nach Hause.

Silke war ein siebzehnjähriges, schlankes Mädchen mit blonden kurzen Haaren. Sie ist sehr selbstbewusst und etwas rebellisch.

Gegen alles, was ihrer Meinung nach ungerecht ist, setzte sie sich zur Wehr. Und das meistens auch mit großem Erfolg. Oft sah sie Dinge voraus, bevor sie eintrafen und konnte spüren, wenn jemand in Not ist. Mit

ihren Eltern, Silva und Otto, wohnte sie in der Papageiensiedlung. Ihre Eltern waren beide bei der Post angestellt. Da die Wohnung eine Art Dienstwohnung ist, war sie auch nicht besonders teuer. Silke und Esther waren in Vorbereitung zur letzten Maturaklasse und wollten danach studieren.

Die Beiden lernten sehr oft zusammen. Silke war Esther eine sehr große Stütze. Sie tat sich auch sehr leicht damit. Sie spürte sofort, wenn irgendetwas aus dem Ruder läuft. So sah sie auch Esthers Schicksalsschlag voraus und eilte deshalb sofort zu ihr. Am Dachboden fand sie Esther völlig am Boden zerstört und gab ihr Bestes, um Esther beizustehen.

Otto und Silva, Silkes Eltern, kümmerten sich ebenfalls rührend um Esther. Es dauerte einige Wochen, bis sich Esther wieder so einigermaßen gefangen hatte und ansprechbar war. Gerade als Silke ihr wieder beruhigend zuredete, läutete es an der Tür.

„Guten Tag Esther, ich bin Frau Slipek. Wie geht es dir?“

Brav schüttelte Esther ihre Hand.

„Das mit deiner Mutter tut mir leid. Ich möchte dir noch mein aufrichtiges Beileid aussprechen.“

„Danke.“

„Nach dem Tot deiner Mutter, hat das Jugendamt die Vormundschaft für dich übernommen. Wir haben für dich eine Einrichtung gefunden, wo du bis zu deiner Volljährigkeit wohnen kannst.“

„Aber sie kann doch bei uns wohnen. Ich passe schon auf, dass ihr nichts geschieht“, warf Silke ein.

„Ich weiß, dass du es nur gut meinst, aber du bist auch noch minderjährig.“

„Aber meine Eltern doch nicht.“

„Das obliegt nicht meiner Zuständigkeit“, sagte Frau Slipek.

„Aber es ist meine Zuständigkeit, auf meine Freundin acht zu geben. Und in so ein Heim kommt sie bestimmt nicht“, stellte sich Silke Frau Slipek in den Weg.

„Bitte mache es nicht noch schwerer, als es für deine Freundin eh schon jetzt ist.“

„Nein, das machen nur sie. Esther ist wie eine Schwester für mich. Sie kommt nirgendwo hin. Nur zu uns. Meine Mutter und mein Vater werden das schon regeln.“

„Das glaube ich nicht“, sagte Frau Slipek sehr selbstbewusst.

„Ich schlage vor, Esther soll, wenn es ihr wieder besser geht, selbst entscheiden, wo sie wohnen möchte“, sagte Silke ebenfalls selbstbewusst.

Silke war ein sehr rebellisches Mädchen. Wo immer sie konnte, versuchte sie sich, gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen.

„Ich weiß, dass du es für deine Freundin nur gut meinst und ich will mich jetzt mit dir

auch nicht streiten. Fakt ist, dass das Jugendamt jetzt das Sagen hat. Aber wir ziehen es in Erwägung, mit deinen Eltern darüber zu reden. Bis das endgültig geklärt ist, kommt Esther vorübergehend in diese Einrichtung. Mal sehen, vielleicht findet sie dort auch Freunde“, sagte Frau Slipek.

„Keine Chance. Ich rede noch heute mit meinen Eltern“, grinste Silke zurück.

„Bitte streitet doch nicht wegen mir“, sagte Esther. „Silke hat recht. Wir sind praktisch, wie Schwestern.“

„Was Esther erst mal braucht, ist Ruhe, damit sie das mit ihrer Mutter verarbeiten kann. Man muss ihr die Zeit zum Trauern geben“, versuchte Frau Slipek zu erklären.

„Da sind wir einer Meinung. Aber die meisten Teenager, speziell in einem Heim, werden ihr die Ruhe nicht geben. Jeder wird versuchen sie mitzureißen und das ist nicht gut. Esther und ich vertrauen uns blind und sie hat auch keine Hemmungen, mit mir oder meinen

Eltern zu reden, egal um was es auch geht.

Außerdem hat sie ja noch viel mehr zu verdauen, als das mit ihrer Mutter.“

„Eines muss man dir lassen. Du bist ihr eine tolle Freundin und du hast mit deinem Argument auch recht. Ich werde mit meinem Vorgesetzten reden und natürlich auch mit deinen Eltern. Aber versprechen kann ich nichts“, gab sich Frau Slipek bedingt geschlagen.

„Ach ja, danke, dass sie mich auch gefragt haben, was ich eigentlich will, Frau Slipek“, sagte Esther.

Inzwischen kam Silva, Silkes Mutter nach Hause.

„Bitte, was ist denn hier los? Und bitte wer sind sie?“

„Guten Tag Frau Doppelhofer. Ich bin Frau Slipek vom Jugendamt.“

„Stell dir vor, Mama, sie will Esther in ein Heim stecken.“

„Das kommt gar nicht in Frage“, sagte Silva sofort.

„Ihnen ist doch bewusst, dass wir, nach dem Tot ihrer Mutter, die Fürsorge von Esther haben.“

„Ja, das weiß ich. Aber Esther ist uns echt ein Anliegen. Ihre Mutter war eine sehr gute Freundin von mir. Und wenn sich das Jugendamt quer stellt, dass Esther hier wohnt, dann erwäge ich, sie zu adoptieren.“

Wortlos verließ daraufhin Frau Slipek die Wohnung. Esther brach wieder in Tränen aus und hielt sich die Hände vor dem Gesicht.

„Die spinnen doch“, sagte Silva.

„Nur weil sie keine lebenden Verwandten mehr hat, soll sie in ein Heim? Nie und nimmer“, sagte Silke. „Ich bin mir sicher, dass Papa auch unserer Meinung ist, dass Esther bei uns bleiben soll.“

„Mit Sicherheit.“

„Ich danke euch von ganzem Herzen, dass ihr so gut zu mir seid“, sagte Esther mit weinerlicher Stimme.

„Hey, dafür sind beste Freundinnen doch da.

Du bist fast, wie eine Schwester für mich“, sagte Silke und umarmte Esther tröstend.

„Ich muss aber noch mal nach Hause, um ein paar Sachen zu holen“, sagte Esther.

„Du gehst aber sicher nicht alleine. Ich begleite dich“, kam es sofort aus Silke heraus und Esther nickte.

Wieder spürte Silke, das etwas auf die Beiden zu kam. Und recht hatte sie. Denn als Esther die Wohnung aufsperrte, kam den Beiden sofort ihr Stiefvater entgegen.

„Was machst du denn da?“, fragte Esther verschreckt.

„Tja, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich weiterhin hier wohnen bleibe. Außerdem brauchst du ja jemanden, der sich um dich kümmert“, sagte dieser hämisch.

„Damit sie Esther genauso fertig machen können, wie ihre Mutter?“, fragte Silke sofort.

„Was heißt hier fertig machen? Ich bin ja schließlich der Mann im Haus“, sagte er mit scharfem Ton.

„Esther bleibt bei uns, bis die Sache geklärt ist“, entgegnete Silke ihm genauso scharf.

„Nix da. Esther bleibt hier.“

„Träum weiter. Ich hole nur ein paar Sachen und bin dann auch gleich wieder weg“, sagte Esther.

„Und wann bist du wieder zu Hause?“

„Nachdem Mami tot ist, hält mich nichts mehr hier“, sagte Esther mit gesenktem Kopf und ging in ihr Zimmer. Es dauerte auch nicht lange als ihr Stiefvater auch herein kam.

„Komm schon. Wir hatten auch eine schöne Zeit hier. Meinst du nicht auch?“

„Ich wollte das nie.“

„Natürlich wolltest du das auch.“

„Nein. Ich hatte das immer nur gesagt, damit du mich endlich in Ruhe lässt. Das war jedes Mal so eklig. Ich wüsste ja gar nicht, was ich tun sollte, wenn ich von dir schwanger geworden wäre.“

„Ich habe ja aufgepasst, dass das nicht passiert“, grinste er.

„Also haben sie sich doch an ihr vergriffen?“, fragte Silke.

„Was heißt hier vergriffen? Sie wollte es ja auch.“

„Nie wollte ich das. Ich hatte dir vertraut und du hast das schamlos ausgenutzt“, weinte Esther.

„Und ich sehe, dass Esther noch minderjährig ist. Außerdem, sie wissen ja, was das ist, wenn sie so etwas tun, was sie nicht will.“

„Tja. So, wie es aussieht, kommt hier keiner von euch wieder raus“, sagte der Stiefvater und stellte sich vor die Eingangstür.

„Wie meinst du das?“

„Zwei Mädchen sind doch besser, als ein Mädchen“, grinste dieser hämisch.

Sofort stellte sich Silke vor Esther.

„Bitte gehen sie sofort von der Tür weg“, sagte Silke und sah ihm dabei tief in die Augen.

Aber er lachte nur.