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Lukas, ein vierzehnjähriger Junge ist, seit seinem Unfall, gezwungen, mit Krücken zu gehen. Von ein paar Mitschülern wird er deswegen gehänselt und gedemütigt. Zu Hause trainiert er mit seinem Ergometer, um seine Krücken endgültig in die Ecke stellen zu können. Als er müde vom Training einschläft, trifft er im Traum auf seine sehr energische Klassenkameradin Bianca und findet heraus, dass ihre harte Schale einen Grund hat. Beide verbindet eine gemeinsame Mission, welche sich nicht nur im Traum abspielt.
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Seitenzahl: 142
Veröffentlichungsjahr: 2024
Lukas´ TräumeRobert Zuschrott
Impressum
Texte:
©2024 Copyright by
Robert Zuschrott
Umschlag:
© Copyright by Robert Zuschrott Verlag:
Robert Zuschrott
34628 Willingshausen
Druck:
epubli, ein Service der
neopubli GmbH, Berlin
Printed in Germany
Prolog Lukas, ein schlanker, zehnjähriger Junge mit kurzen dunkelbraunen Haaren, suchte den ganzen Spielplatz ab. Er und Chris spielten Räuber und Gendarm. Chris war ein schlanker Junge mit rötlichblonden Haaren. Die Beiden waren von klein auf Freunde und spielten nach der Schule immer zusammen. Diesmal war Lukas der Gendarm. Als er bei einem kleinen Holzhäuschen vorbei ging, stürmte Chris hervor.
„Habe ich dich, du Bulle“, rief Chris und versuchte, Lukas zu überwältigen.
„Denkste, du Gauner“, lachte Lukas und konnte dessen Tannenzapfen, welcher als Pistole diente, an sich reißen.
„Jetzt habe ich dich. Du bist verhaftet“, sagte Lukas.
„Träum weiter“, lachte Chris. Er konnte sich von Lukas losreißen und rannte davon. Sofort jagte Lukas hinterher. Mitten auf der Straße, drehte sich Chris plötzlich um.
„Ich habe eine zweite Pistole. Peng. Du bist getroffen“, rief Chris lächelnd.
Lukas blieb am Gehweg stehen. Er riss die Augen auf, als ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf Chris zuraste.
„Du sollst umfallen“, rief Chris noch einmal.
„Verschwinde von der Straße“, brüllte Lukas ihm entgegen. Chris erkannte in der Mimik von Lukas den Ernst der Lage und drehte sich um. In diesem Moment rannte Lukas los und schubste Chris auf den gegenüber liegenden Gehweg. Das einzige Geräusch, welches zu hören war, war das Quietschen der Reifen des herannahenden Autos. Es erwischte Lukas mit voller Wucht. Lukas flog in hohen Bogen durch die Luft und landete hart auf der Straße. Chris starrte geschockt auf den regungslosen Körper von Lukas, der auf der Straße lag. Als Chris das Motorengeräusch des Autos vernahm, beobachtete er fassungslos, wie das Auto einfach davonfuhr. Panisch sah er erneut zu Lukas, der sich immer noch nicht bewegte,
und lief davon. Er wusste genau, wem das Auto gehörte.
Vier Jahre später ging ein anstrengender Vormittag für die Hauptschüler in Köflach zu Ende.
„Und morgen sehen wir uns die
Versuchsergebnisse in Physik genauer an“, sagte Herr Rauscher, der Lehrer der dritten Hauptschulklasse. Dann schloss er sein Klassenbuch und entließ die Schüler. Sofort rannten diese aus dem Klassenraum.
Als Lukas gerade seine Schuhe zubinden wollte, wurde er von hinten, von Erich angerempelt und fiel zu Boden.
Seit dem Unfall, bei dem beide Beine gebrochen waren, war er gezwungen, mit Krücken zu gehen. Die Beine waren zwar geheilt, aber die Muskeln waren nicht stark genug. Und genau das nutzte Erich meistens aus.
„Musst du immer im Weg stehen?“, fragte Erich mit frechem Grinsen und ging weiter.
„Du hättest ja um mich herumgehen können“, sagte Lukas leise. Erich blieb stehen und drehte sich zu Lukas um. Dann ging er zurück. Er packte Lukas, hob ihn hoch und drückte ihn an die Wand.
„Was hast du gesagt?“, zischte er wütend.
„Und du meinst, der Loser wäre es wert?“, fragte Bianca skeptisch. Auch sie kam aus dem Klassenzimmer und schenkte Lukas einen verachtenden Blick.
„Da hast du auch wieder recht“, antwortete Erich grinsend. Er ließ Lukas los und zerzauste dessen Haare. Dann schnappte er sich seine Tasche und ging aus dem Schulgebäude. Lukas atmete erleichtert durch und wartete noch ein bisschen. Dann nahm er seine Krücken und verließ ebenfalls die Schule.
Die drei gingen in die gleiche Klasse. Erich war selbstbewusst und eine richtige Sportskanone mit sehr viel Kraft und Ausdauer. Durch seine blonden,
schulterlangen Haare war er bei den Mädchen sehr beliebt, aber nahm auf schwächere Mitschüler, speziell auf Lukas, keine Rücksicht. Lukas hatte vor Erich Angst und versuchte, ihm so gut es ging, aus dem Weg zu gehen. Aber das gelang nicht immer.
Er hatte ja noch das Handicap mit seinen Beinen.
Als Lukas nach Hause kam, hatte Annemarie Ressner, seine Mutter, gerade das Essen fertig und stellte es auf den Tisch.
„Hi. Bitte wasch dir die Hände und setze dich“, sagte sie zu Lukas mit einem freundlichen Lächeln. Das tat Lukas sofort.
„Und wie war es heute in der Schule?“, fragte sie beim Essen.
„Wie immer“, antwortete Lukas bedrückt.
„Ärgert dich dieser Erich immer noch?“, fragte Joachim Ressner, Lukas Vater.
„Ja, aber das ist nichts Neues“, antwortete Lukas erneut.
„Und warum gibst du ihm nicht eine auf die Nase?“, fragte Joachim weiter.
„Der ist doch viel zu stark für mich. Ich will nur meine Ruhe haben. Sonst nichts“, sagte Lukas und ging nach dem Essen in sein Zimmer. Erst machte er seine Hausaufgaben.
Danach zockte er ein bisschen mit seiner Konsole, bis seine Mutter ins Zimmer kam.
„Kann mich Papa nicht einmal wegen Erich in Ruhe lassen?“, fragte Lukas.
„Du kennst ihn doch. Er denkt immer noch, dass du es weiter bringen könntest“, antwortete sie.
„Ja schon, aber wenn ich mich mit Erich anlege, dann bin ich Gulasch. Und mal ehrlich.
Wenn sich Papa mit Erichs Vater deshalb in die Wolle bekommt, würde er auch zu Mus verarbeitet werden.“
„Da hast du recht. Aber jetzt ist es an der Zeit für dich, schlafen zu gehen“, sagte Frau Ressner lächelnd. Lukas schaltete seine Konsole aus und ging zu Bett. Seine Krücken hatte er sorgfältig in greifbarer Nähe, neben dem Bett gestellt. Annemarie deckte ihn zu und gab ihm noch ein Küsschen auf die Stirn.
„Gute Nacht, Sohnemann“, sagte sie und ging aus seinem Zimmer.
„Ich hatte mir etwas anderes für unseren Sohn gewünscht“, sagte Joachim etwas nachdenklich.
„Was soll er denn tun? Jedes mal, wenn wir für Lukas in der Schule interveniert haben, wurde es für ihn nur noch schlimmer“, antwortete Annemarie.
„Ich weiß auch nicht. Ich will nur nicht, dass der Junge von diesem Erich weiter schikaniert wird“, sagte Joachim mit runzelnder Stirn. Annemarie sah ihn nur an, aber sie sagte dazu kein einziges Wort mehr.
Kurz nachdem Lukas eingeschlafen war, schreckte er hoch. Als er zum Fenster raus sah, war es hellster Tag.
„Habe ich verschlafen?“, fragte er sich.
Dann fiel es ihm ein, dass es Wochenende war. Sofort wollte er nach seinen Krücken greifen, aber diese waren nicht an ihrem Platz. Als er aus dem Bett stieg und sich, der
Wand entlang, zur Tür begeben wollte, bemerkte er verwundert, dass seine Beine stark genug waren. Lukas ging vorsichtig die Treppen hinunter und hielt sich am Treppengeländer fest. Er ging in die Küche, aber da war Niemand. Er ging ins Wohnzimmer und danach ins Schlafzimmer.
Aber keiner war zu Hause. Dann wagte er sich langsam vor die Tür. Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin. Weit und breit war kein einziges Auto zu sehen. Eine warme Brise strich durch sein Haar.
„Komisch“, dachte er mit einem skeptischen Runzeln auf seiner Stirn.
Am Grundstück grenzte eine große Wiese.
An der Wiese grenzte ein kleiner Wald, in dem Lukas im Herbst leidenschaftlich gern Pilze suchte. Von klein auf kannte er sich damit aus und wusste, welche giftig waren, und welche nicht. Da fühlte er sich wohl. Vor seinem Unfall, war er sehr oft mit seiner Oma im Wald. Von ihr lernte er sehr viel über den Wald. Kurz entschlossen ging er rein und genoss die Ruhe, welche der Wald
ausstrahlte, in vollen Zügen. Es dauerte nicht lange, als Bianca plötzlich an ihm vorbeirannte und ihn fast umstieß.
Bianca war ein vierzehnjähriges, schlankes Mädchen mit dunklen Haaren. Zeitweise trat sie sehr energisch auf und konnte sich sehr gut behaupten. Und wenn sie mal Angst hatte, zeigte sie es selten und trat dem mutig entgegen. Aber sie wusste immer, wie weit sie gehen konnte.
Auf einmal blieb sie stehen. Sie drehte sich um und sah Lukas mit großen Augen an. Dann ging sie auf ihn zu.
„Was machst du denn hier?“, fragte sie Lukas mit großen und finsteren Augen.
„Was meinst du?“, fragte Lukas verwundert.
„Verschwinde. Das ist mein Traum“, sagte sie bestimmend und mit etwas lauterer Stimme.
„Dein was?“, fragte Lukas noch verwunderter.
Bianca packte Lukas und drückte ihn an einen Baum.
„Wo sind deine Krücken? Komisch, was? Du bist in einem Traum. Meinem Traum. Wie bist du hier hergekommen?“, fragte Bianca noch einmal mit bösem Blick und ernster Stimme.
„Äh..., keine Ahnung“, stammelte Lukas ängstlich.
„Ach egal. Wenn du nicht durch den Fleischwolf gedreht werden willst, komm mit“, sagte sie dann mit normaler Stimme und ließ ihn los.
Lukas atmete erleichtert durch und folgte ihr. Kurze Zeit später kamen sie an einem kleinen Häuschen an. Bianca öffnete die Tür und ging rein.
„Komm schon“, sagte sie hektisch zu Lukas.
Dieser verstand überhaupt nichts mehr.
Trotzdem folgte er ihr. Er sah sie die ganze Zeit fragend an.
„Hier sind wir sicher“, sagte Bianca und sah beim Fenster raus. Auch Lukas wagte einen Blick nach draussen und sah ein paar Männer mit Geweihen vorbeirennen.
„Das sind Fianne. Sie dulden keine Fremden hier. Nochmal, was machst du in meinem Traum?“, fragte Bianca wieder mit ernster Stimme.
„Nochmal, ich habe keine Ahnung. Ich wusste nicht einmal, dass ich in einem Traum bin“, antwortete Lukas. „Was haben diese Typen gegen dich?“, fragte er nach.
„Egal“, sagte sie.
„Kann es nicht sein, dass du in meinem Traum gelandet bist und es nicht gemerkt hast?“, fragte Lukas ängstlich.
„Sehr witzig“, antwortete Bianca und sah Lukas mit bösem Blick an.
„Auch witzig, dass du mit mir redest“, sagte Lukas mit gesenktem Kopf.
„Hier kann ich alles machen, was ich will. Und wenn du schon einmal hier bist, kann ich auch mit dir reden. Das weiß ja außer uns sonst keiner. Und wage es nicht, dich in der Schule zu verplappern“, antwortete Bianca. Sie streckte ihre Hand aus, zauberte ein paar Sternchen und ließ diese auf ihrer Hand kreisen.
„Cool. Wie machst du das?“, staunte Lukas.
„Wie gesagt, ich kann hier alles machen, was immer ich will“, sagte Bianca.
„Ich wünschte, ich könnte das in der Schule auch. Vor allem, wenn mich Erich wieder erwischt“, sagte Lukas mit gesenktem Kopf.
„Erich ist ein Hohlkopf. Er hat sein Gehirn in seinen Muskeln versteckt“, sagte Bianca schmunzelnd.
„Trotzdem tun seine Gemeinheiten immer weh. Kannst du mir das vielleicht beibringen?“, fragte Lukas schüchtern.
„Benutze doch deine Phantasie“, antwortete Bianca und rannte aus dem Haus.
Lukas sah ihr noch nach. Kurze Zeit später hörte er ein schrilles läuten. Der Wecker meldete sich. Lukas hatte vergessen, diesen für das Wochenende auszustellen. Als Lukas aufwachte, lag er in seinem Bett.
„Komisch“, dachte er verwundert. Langsam stieg er aus dem Bett, schnappte sich seine Krücken und ging ins Bad. Kurze Zeit später kam er angezogen in die Küche zum Frühstück.
„Schönen guten Morgen“, sagte Annemarie lächelnd.
„Morgen Mama“, antwortete er, setzte sich an den Tisch und nippte an seinem Kakao.
„Und was hast du heute vor?“, fragte Annemarie.
„Keine Ahnung.“
„Hast du Lust, mit mir einkaufen zu fahren?“
„Ja, können wir machen“, antwortete Lukas.
Im Supermarkt blieb Lukas eine Zeit lang nachdenkend vor dem Regal mit
Proteinpulver stehen.
„Willst du dich für Mister Universum bewerben?“, fragte Annemarie schmunzelnd, als sie ihn beobachtete.
„Ach quatsch. Aber es muss doch irgendetwas geben, damit ich wieder richtig gehen kann“, antwortete Lukas.
„Und damit du Erich die Stirn bieten kannst“, grinste Annemarie weiter.
„Jetzt fängst du auch schon an, wie Papa.
Ich will doch nur wieder normal laufen
können. So, wie früher. Das ist doch nicht normal“, motzte Lukas.
„Mal ehrlich, du bist der normalste Junge den ich kenne. Du solltest dich nicht mit Leuten abgeben, die dich nicht so akzeptieren, wie du bist. Sieh mal, andere hatten nicht so viel Glück wie du. Sie müssen im Rollstuhl sitzen, oder schlimmeres.“
„Du hast recht Mama, aber ich will die verfluchten Krücken endlich wieder los werden“, sagte Lukas mit gesenktem Kopf.
„Ich habe da eine Idee“, sagte Annemarie und ging mit dem Jungen in die Sportabteilung.
„Vielleicht kann dir der dabei auch helfen.
Was hältst du davon?“, fragte sie schließlich und zeigte auf einen Ergometer. Lukas sah das Gerät an und überlegte eine kurze Zeit.
Dann nickte er.
„Ja, das könnte klappen“, sagte er. Er würde alles tun, um die Krücken ein für alle Mal in den Schrank stellen zu können. Annemarie hatte sehr wohl mitbekommen, dass Lukas zwei Schachteln von dem Proteinpulver in
den Einkaufswagen geschmuggelt hatte.
Aber lächelnd tat sie so, als hätte sie es nicht bemerkt.
Kaum hatte Joachim den Ergometer in Lukas Zimmer aufgestellt, setzte sich der Junge drauf und begann zu radeln, was das Zeug hält. Auch wenn er sich, am Anfang, sehr schwer tat. Aber da wollte er jetzt durch.
Nach einer Zeit legte er sich völlig erschöpft auf sein Bett und nickte ein. Als er wieder aufwachte, sah er wieder keine Krücken. Langsam stand er auf. Er war erneut in dem Traum. Wieder nahm er den Weg in den Wald. Die Tiere sahen ihn nur an.
Lukas erschrak, als ein Fianna plötzlich vor ihm stand. Dieser starrte Lukas nur an. Der Junge senkte seinen Kopf.
„Ich heiße Lukas“, sagte er.
„Ich weiß. Ich heiße Dominikus“, sagte der Fianna ruhig, freundlich und mit sehr tiefer Stimme. „Komm mit“, sagte er noch. Lukas folgte ihm. Es dauerte nicht lange bis sie zu
einem Lager kamen, wo Bianca an einem Baumstamm gefesselt war.
„Bianca hat mir gesagt, dass ihr keinen Menschen in eurem Wald duldet. Warum nicht?“, fragte Lukas.
„Weil sie herkommen und alles, was sie nicht kennen, töten und zerstören. Dadurch bringen sie uns in Gefahr“, antwortete Dominikus.
„Und warum darf ich dann hier sein?“
„Weil du unsere Gesetze achtest. Nun liegt es an dir, das Urteil über diesen gefangenen Menschen zu sprechen.“
„Was hat sie getan?“
„Sie hat ihre Magie gegen uns verwendet“, sagte Dominikus ernst.
„Darf ich mit ihr sprechen?“, fragte Lukas schüchtern. Dominikus nickte. Die anderen Fianne wichen zur Seite. Lukas nahm Bianca den Knebel ab.
„Was machst du denn schon wieder in meinem Traum? Und vor allem, warum hast du dich mit denen verbündet?“, fragte Bianca forsch.
„Warum bist du sauer auf sie?“, fragte Lukas zurück.
„Das geht dich nichts an“, fauchte sie.
„Dann kann ich dir nicht helfen“, sagte Lukas und wollte schon von ihr weg gehen.
„Warte“, rief Bianca ihm ängstlich nach.
Lukas drehte sich erneut zu ihr um.
„Ich war zu übermütig und habe, aus versehen, einen Sionnach verzaubert. Jetzt sind die Fianne wütend auf mich“, sagte Bianca mit gesenktem Kopf.
„Kannst du das wieder rückgängig machen?“, fragte Lukas.
„Ja, aber nicht, wenn ich hier gefesselt bin.“
Lukas drehte sich zu Dominikus um.
„Ich bitte dich, ihr die Chance zu geben, ihren Schaden wieder rückgängig zu machen.
Sie lernt noch und hat bestimmt nicht in böser Absicht gehandelt“, bat Lukas Dominikus. Bianca sah Lukas mit großen Augen an. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass er ihr helfen wollte.
Sie hatte eher an Rache von Lukas gedacht, nachdem, was sie ihm, speziell an Erichs
Seite, schon alles angetan hatte. Aber dem war nicht so.
Dominikus sah zu den anderen Fianne. Dann nickte er nach kurzer Beratung. Lukas band Bianca los, dankte Dominikus ehrfürchtig und ging mit ihr zu dem Häuschen. Bianca sah ihn die ganze Zeit an. Dann packte sie ihn und drückte ihn an die Wand.
„Und jetzt sagst du mir sofort, warum sie dich in Ruhe gelassen haben?“, fragte sie mit wütender Stimme.
„Weil ich, laut Dominikus, ihre Gesetze achte. Was auch immer das heißen mag“, antwortete Lukas ängstlich. Bianca ließ ihn nach kurzer Zeit wieder los und setzte sich dann auf einen Stuhl. Wieder atmete Lukas erleichtert durch.
„Danke. Die hätten mich sicher umgebracht“, sagte Bianca mit normaler Stimme und gesenktem Kopf. „Aber warum hast du mich gerettet? Vor allem nachdem, was ich dir in der Schule schon alles angetan habe?“, fragte sie. Sie war immer noch verwundert,
dass Lukas sie normal und ohne Rachegelüste behandelte.
„Ich weiß, dass du mich nicht leiden kannst.
Aus welchem Grund auch immer. Ich habe dir nie etwas getan.“
„Du hast recht. Ich mag dich nicht. Aber vielleicht ist es auch mein Fehler. Ich hatte immer auf Erich gehört“, sagte Bianca und beobachtete LukasŔeaktion.
„Ich versuche wenigstens, den Menschen hinter der Fassade kennenzulernen. Das solltest du auch. Nicht das Aussehen ist wichtig, sondern der Charakter, der sich in dem Wesen verbirgt“, sagte Lukas mit gesenktem Kopf. Bianca sah ihn nur an. Sie war erstaunt, dass Lukas normal und offen mit ihr sprach. Vor allem brachte er sie zum Nachdenken.
„Lass uns den Sionnach suchen“, sagte sie.
Die beiden streiften durch den Wald und fanden schließlich den kleinen Sionnach, welcher statt Beinchen Räder hatte. Bianca schloss ihre Augen. Kurz darauf verwandelten sich die Räder wieder in Beine.
„Das wurde auch, verdammt noch mal, Zeit“, sagte der Sionnach, sah Bianca böse an und sprang vor ihr auf und ab. Danach sah er zu Lukas. Dann rannte er davon.
Auch Bianca war auf einmal verschwunden.
Lukas streifte noch weiter und nachdenklich durch den Wald. Es störte ihn nicht, dass er von allen Seiten beobachtet wurde.
Montag Morgen war es und Lukas saß beim Frühstückstisch. Es war die letzte Woche vor den Ferien. Ihm ging der Traum nicht mehr aus seinem Kopf. Irgendwie kam ihm das so real vor. Das konnte aber nicht sein.
Als er mit dem Frühstück fertig war, nahm er seine Krücken und ging in Richtung Schule.
Kaum im Schulhof angekommen, wurde er schon von Bianca überfallen und an die Wand gedrückt.
