Gefährtin der Dämmerung - Jeaniene Frost - E-Book

Gefährtin der Dämmerung E-Book

Jeaniene Frost

4,6
7,99 €

Beschreibung

Ein fesselnder Vampir-Roman mit einem unwiderstehlichen Liebespaar

Die Halbvampirin Cat und ihr geliebter Bones schützen die Menschheit vor den Vampiren. Da fliegt ihre Tarnung auf und Cat wird selbst zur Zielscheibe der Blutsauger. Gleichzeitig wird Bones von der Vergangenheit eingeholt. Cat bleibt nur eine Möglichkeit, Bones und sich selbst zu retten – sie muss sich ihrem vampirischen Erbe stellen!

Eine coole Vampirjägerin, jede Menge Action und eine schier unmögliche Liebe.

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Seitenzahl: 502

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Buch

Eigentlich müsste die Halbvampirin Cat ihr Leben so richtig genießen. Denn mit ihrem untoten Geliebten Bones an ihrer Seite ist sie sehr erfolgreich darin, Menschen vor den Ränken und Taten der Vampire zu schützen. Doch dann fliegt ihre Tarnung auf – und Cat wird selbst zur Zielscheibe der mörderischen Blutsauger.

Als wäre das noch nicht genug, hat sich eine Frau aus Bones’ bewegter Vergangenheit entschlossen, den Vampir unter die Erde zu bringen – und dafür zu sorgen, dass er diesmal auch dort bleibt!

Cat, die sich selbst im Fadenkreuz eines rachedurstigen Vampirs befindet, muss nun Bones helfen, einen Zauber aufzuhalten, der auch ihn endgültig vernichten würde. Und die Fähigkeiten und Kniffe, die sie sich als Sonderagentin erworben hat, werden hier nicht reichen. Und so bleibt Cat nichts anderes, als sich ihrem vampirischen Erbe zu stellen, wenn sie ihren Geliebten – und sich selbst – retten will …

 

Bei Blanvalet von Jeaniene Frost lieferbar:

 

1. Blutrote Küsse 2. Kuss der Nacht 3. Gefährtin der Dämmerung

Inhaltsverzeichnis

BuchBei Blanvalet von Jeaniene Frost lieferbar:WidmungKapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21Kapitel 22Kapitel 23Kapitel 24Kapitel 25Kapitel 26Kapitel 27Kapitel 28Kapitel 29Kapitel 30Kapitel 31Kapitel 32Kapitel 33EpilogDanksagungCopyright

Meinem Ehemann gewidmet,für seine vorbehaltlose Akzeptanzund bedingungslose Liebe,dafür, dass er lacht,statt wütend zu werden,und mehr an andere als an sich selbst denkt.Ich schätze mich glücklich.

1

Der Mann lächelte, und ich ließ kurz sein Gesicht auf mich wirken. Seine Augen hatten einen hübschen eisblauen Farbton, der mich an Huskyaugen erinnerte. Aber der Mann neben mir war kein Tier. Ein Mensch allerdings auch nicht.

»Ich muss jetzt los, Nick«, sagte ich. »Danke für die Drinks.«

Er strich mir über den Arm. »Nimm noch einen. Dann kann ich dein schönes Gesicht noch ein bisschen länger genießen.«

Ich verkniff mir ein Schnauben. Was für ein Schleimer. Fragte sich nur, warum er mir dauernd in den Ausschnitt glotzte, wenn er so auf mein Gesicht abfuhr.

»Also schön. Barkeeper …«

»Lass mich raten.« Die laute Stimme kam vom anderen Ende des Nachtclubs. Ein unbekanntes Gesicht grinste mich an. »Einen Gin Tonic, Gevatterin?«

Scheiße.

Nick erstarrte. Dann tat er, was ich befürchtet hatte … er rannte los.

»Alarmstufe Rot!«, rief ich und setzte der fliehenden Gestalt hinterher. Schwerbewaffnete, schwarz vermummte Männer drängten sich an den Gästen vorbei in die Bar.

Im Rennen schleuderte Nick mir Menschen wie Wurfgeschosse entgegen. Schreiende, wild um sich schlagende Gestalten trafen mich. Sie aufzufangen und gleichzeitig mit einem silbernen Wurfmesser auf Nicks Herz zu zielen erwies sich als schwierig. Eine meiner Klingen landete in seiner Brust, zu weit seitlich allerdings, sodass sie sein Herz verfehlte. Trotzdem konnte ich nicht zulassen, dass die Menschen einfach wie Abfall zu Boden fielen. Nick hielt sie vielleicht dafür, ich aber nicht.

Meine Männer verteilten sich im Club, bewachten die Ausgänge und versuchten, die verbleibenden Gäste aus der Gefahrenzone zu lotsen.

Nick hatte die gegenüberliegende Wand erreicht, konnte nicht weiter und sah sich hektisch um. Ich kam mit meinen Silbermessern immer näher, und meine Männer bedrohten ihn mit ihren gezückten Desert Eagles.

»Du bist umstellt«, verkündete ich das Offensichtliche. »Mach mich nicht sauer. Wenn ich sauer bin, findest du mich bestimmt nicht mehr hübsch. Lass die Mädchen los.«

Er hatte zwei Mädchen bei ihren zarten Kehlen gepackt. Als ich das Entsetzen in dem Blick der jungen Frauen sah, flammte Zorn in mir auf. Nur Feiglinge versteckten sich hinter Geiseln. Oder Mörder wie Nick.

»Lass mich gehen, dann lasse ich die Mädchen gehen, Gevatterin«, zischte Nick. Sein Tonfall war nun alles andere als charmant. »Ich hätte es wissen müssen. Deine Haut ist zu perfekt für eine Sterbliche, auch wenn dein Herz schlägt und deine Augen nicht grau sind.«

»Farbige Kontaktlinsen. Heutzutage ist alles möglich.«

Nicks eisblaue Augen begannen vampirgrün zu leuchten, und seine Reißzähne kamen zum Vorschein.

»Es war ein Unfall«, kreischte er. »Ich wollte sie nicht umbringen, ich habe bloß zu lange gesaugt.«

Ein Unfall? Das sollte ja wohl ein Witz sein. »Ihr sich verlangsamender Herzschlag hätte dich warnen müssen«, gab ich zurück. »Versuch nicht, mich zu verscheißern, ich bin selbst mit einem Vampir zusammen, und dem ist so ein Malheur noch nie passiert.«

Nick erbleichte noch mehr, falls das überhaupt möglich war. »Und wenn du hier bist…«

»Stimmt genau, mein Freund.«

Die Stimme hatte einen britischen Akzent und einen vernichtenden Tonfall. Unsichtbare Kraftwellen schwappten mir über den Rücken, als meine Leute beiseitetraten, um Bones, den Vampir, dem ich mein Vertrauen – und mein Herz – geschenkt hatte, durchzulassen.

Nick ließ sich nicht wie erhofft ablenken. Nein, seine Augen blieben auf mich gerichtet, als er sich plötzlich das Messer aus dem Leib riss und es einem der Mädchen in die Brust stieß.

Ich keuchte und fing die junge Frau instinktiv auf, als Nick sie mir entgegenwarf.

»Hilf ihr!«, rief ich Bones zu, der schon hinter Nick herstürzen wollte. Das Mädchen war so stark verletzt, dass es nur noch wenige Augenblicke zu leben hatte, wenn Bones es nicht heilte.

Ich hörte Bones leise fluchen, bevor er die Verfolgung aufgab, herumwirbelte und neben dem Mädchen auf die Knie sank. Ebenfalls fluchend setzte ich dem Vampir nach. Schüsse fielen, aber nur wenige. Meine Leute konnten nicht einfach munter drauflosballern, solange noch Gäste zu den Ausgängen strömten und Nick das zweite Mädchen wie einen Schild vor sich hielt. Nick war das ebenso klar wie mir.

Mit einem Satz sprang er über die Köpfe der Anwesenden hinweg; die Gesetze der Schwerkraft schienen für ihn nicht zu gelten. Er schleuderte das Mädchen einem meiner Teammitglieder entgegen. Der Körper riss den Soldaten zu Boden, und Nick schnappte sich die Pistole des Mannes.

Ich warf noch drei Messer nach dem Vampir, konnte aber in dem Tohuwabohu schlecht zielen. Nick kreischte auf, als sich die Klingen in seinen Rücken bohrten und das Herz verfehlten. Dann drehte er sich um und feuerte auf mich.

In Sekundenbruchteilen wurde mir bewusst, dass die Kugeln die Umstehenden treffen würden, wenn ich mich duckte. Im Gegensatz zu mir waren sie keine Halbvampire und schwebten daher in Lebensgefahr. Also holte ich tief Luft … und spürte im nächsten Augenblick, wie ich herumgerissen wurde. Bones drückte meinen Kopf an seine Brust, während sein Körper von drei heftigen Einschlägen erschüttert wurde. Die Kugeln, die eigentlich mich hätten treffen sollen.

Bones ließ mich los, drehte sich mit einem Ruck um und stürmte quer durch den Raum auf Nick zu, der sich gerade wieder eine Geisel schnappen wollte. Er kam nicht dazu. Bones warf sich mit solcher Wucht auf ihn, dass beide durch die Wand krachten. Ich rannte los, sprang mit ein paar Sätzen über die Umstehenden hinweg und bekam gerade noch mit, wie Bones das Messer in Nicks Brust herumdrehte.

Ich war erleichtert. Das bedeutete das Ende für Nick.

Bones drehte das Messer zur Sicherheit noch ein letztes Mal in der Wunde und riss es dann aus der Brust des Vampirs. Sein Blick richtete sich auf mich.

»Du blutest«, stellte er besorgt fest.

Ich fasste mir an die Wange, wo mich irgendein Gürtel oder Schuh getroffen hatte, als Nick versucht hatte, mich mit menschlichen Wurfgeschossen auszubremsen.

»Du hast gerade ein paar Kugeln abbekommen und machst dir Sorgen wegen meines kleinen Kratzers?«

Bones kam zu mir und berührte mein Gesicht. »Mein Körper heilt in Sekunden, Süße. Deiner nicht.«

Ich wusste zwar, dass er die Wahrheit sagte, konnte es mir aber nicht verkneifen, seinen Rücken abzutasten, um mich zu vergewissern, dass seine Haut intakt war, die Kugeln kein zerfetztes Fleisch hinterlassen hatten.

»Du musst übrigens auch noch jede Menge andere Verletzte heilen, wo wir gerade davon sprechen. Um meinen Kratzer kannst du dich später kümmern.«

Bones ignorierte meine Bemerkung, ritzte sich mit einem Reißzahn den Daumen auf und legte ihn mir erst auf den Schnitt an meiner Wange und dann an die Lippen.

»Für mich kommst du immer an erster Stelle, Kätzchen.«

Nur Bones nannte mich so. Für meine Mutter war ich Catherine, für mein Team Cat und für die Untoten die Gevatterin Tod.

Ich leckte das Blut von seinem Finger. Diskutieren war zwecklos, das wusste ich aus Erfahrung. Außerdem hätte ich an Bones’ Stelle ähnlich gehandelt.

»Na dann«, sagte ich, als meine Wange nicht mehr brannte. »Bringen wir’s hinter uns.«

Die junge Frau, die Nick meinen Männern entgegengeworfen hatte, lag ein Stück weit entfernt. Bones musterte sie kurz, sah, dass sie körperlich unversehrt war, und näherte sich ihr.

»Das ist … er ist doch kein … «, fing sie an zu stammeln, als sie seine Fänge und die grün leuchtenden Augen sah.

Ich tätschelte ihr die Schulter. »Keine Sorge. In zehn Minuten wirst du dich an nichts mehr erinnern.«

»A…aber was …?«

Ich ignorierte ihr restliches Gestotter und nahm die anderen Opfer in Augenschein. Abgesehen von Nick schienen glücklicherweise alle mit dem Leben davongekommen zu sein. Die andere Geisel war bereits von Bones geheilt worden. Nur ein Blutfleck auf ihrer Brust und ihr zerrissenes Oberteil zeigten noch an, wo das Messer sie verletzt hatte. Wir hatten Glück.

»Schadensbilanz?«, wandte ich mich an Cooper, der kniend über einen der Gäste gebeugt war, den Nick nach mir geworfen hatte.

»Lässt sich verkraften, Boss. Mehrere Knochenbrüche, Abschürfungen, Quetschungen, das Übliche.«

Ich sah zu, wie Bones zwischen den Verletzten hin und her ging und denen, die es schlimmer erwischt hatte, ein paar Tropfen seines Blutes verabreichte. Vampirblut war einfach das beste Heilmittel.

»Noch mal Alarmstufe Rot, querida«, informierte mich Juan, einer meiner beiden Hauptleute. Er deutete auf den vorlauten Vampir am anderen Ende des Raums, der gerade von Dave, dem anderen Hauptmann, dingfest gemacht wurde. Dave war ein Ghul und konnte dem zappelnden Vampir Paroli bieten. Meinen menschlichen Teammitgliedern wäre das kaum möglich gewesen.

Ich nickte. »Ja, leider.«

Juan seufzte. »Das waren jetzt schon drei hintereinander. Ist wirklich schwer, deine Identität geheim zu halten, sogar wenn du deine Augen- und Haarfarbe änderst.«

Das hörte ich nicht zum ersten Mal. Ich fing Bones’ Blick auf. Hab ich dir doch gesagt, gab sein Gesichtsausdruck deutlich zu verstehen.

In den vergangenen Monaten war unsere Situation tatsächlich immer gefährlicher geworden. Zu viele Untote wussten, dass eine Halbvampirin Jagd auf sie machte, und waren gewarnt.

Ich warf dem dingfest gemachten Vampir einen bösen Blick zu. »Danke, dass du meine Tarnung hast auffliegen lassen.«

»Ich wollte dir nur einen ausgeben«, stammelte er. »Ich war mir nicht mal sicher, ob du es wirklich bist, aber deine Haut … die war einfach zu perfekt für eine Sterbliche, obwohl du atmest. Und du hast rotes Haar, das habe ich gesehen, als du den Arm gehoben hast. Die kleinen Haarstoppeln in deiner Achselhöhle sind nicht blond.«

Ungläubig hob ich den Arm und inspizierte die rasierte Haut darunter. Man höre und staune.

Dave riskierte ebenfalls einen Blick. »Er hat recht. Wer hätte gedacht, dass dir jemand unter die Arme gucken würde.«

Ja, wer hätte das gedacht. Frustriert fuhr ich mir mit der Hand durch mein gefärbtes Blondhaar. Jetzt hatte ich alle Farben durch. Auch mit Schwarz und Braun hatte ich es schon versucht, dazu kamen noch Kontaktlinsen in den unterschiedlichsten Farben, aber in letzter Zeit hatte das alles nicht mehr funktioniert.

»Juan, halt mal«, sagte ich und gab ihm meine Messer. Nach mehrmaligem Blinzeln hatte ich mir die braunen Kontaktlinsen aus den Augen gefischt. Ah, welche Erleichterung! Die hatten mich schon den ganzen Abend genervt.

»Darf ich mal sehen?«, mischte sich der Vampir ein. »Ich hab davon gehört, aber kannst du es mal vormachen?«

Daves Griff wurde fester. »Sie ist keine Jahrmarktsattraktion. «

»Nicht?« Ich seufzte und ließ meine Augen aufleuchten.

Sie strahlten wie zwei smaragdfarbene Scheinwerfer, wie es sich für Vampiraugen unter bestimmten Umständen gehört. Ein unumstößlicher Beweis meiner Abstammung.

»Ich heiße Ernie. Ich gehöre zu Two-Chains Sippe. Two-Chain ist ein Freund von Bones, du kannst mich also nicht einfach umbringen.«

»Wer braucht schon Feinde, wenn er solche Freunde hat?«, gab Bones sarkastisch zurück. Er hatte sich wieder zu mir gesellt, nachdem er alle Verletzten geheilt und ihnen kraft vampirischer Gedankenkontrolle falsche Erinnerungen eingegeben hatte.

»Du hast meine Freundin ja quasi zum Abschuss freigegeben, als du ihren Namen durch die ganze Bar gebrüllt hast«, fuhr Bones fort. »Allein dafür sollte ich dir eigentlich schon die Eier abreißen und sie dir zum Fraß vorsetzen.«

Manch einer hätte das nur so dahingesagt. Aber nicht Bones. Er bluffte nie. Ernie kannte seinen Ruf offensichtlich. Er presste die Schenkel zusammen.

»Bitte nicht«, flehte er. »Ich wollte ihr doch nichts Böses, ich schwör’s bei Kain.«

»Schon klar.« Bones’ Stimme war eisig. »Aber wenn du lügst, wird dir nicht mal mehr der Erschaffer aller Vampire helfen können. Kätzchen, bis ich sicher sein kann, dass er wirklich einer von Two-Chains Leuten ist, soll er im Stützpunkt untergebracht werden, und zwar in der Kapsel.«

Bones wandte sich an mich, weil ich im Job seine Vorgesetzte war. Innerhalb der Vampirgesellschaft jedoch hatte Bones mit seinen über zweihundert Jahren einen weitaus höheren Rang als ich.

»Geht in Ordnung. Aber in der Kapsel wird’s ihm gar nicht gefallen.«

Bones’ Lachen klang ein wenig bitter. Er wusste aus eigener Erfahrung, wie ungemütlich es in unserer Vampirtransportvorrichtung war.

»Wenn er lügt, hat er bald ganz andere Sorgen.«

Cooper kam zu uns. »Boss, die Kapsel ist bereit.«

»Mach ihn darin fest. Hier muss so schnell wie möglich wieder Ruhe einkehren.«

Mein Stellvertreter, Tate Bradley, betrat den Club. Aus dunkelblauen Augen sah er sich im Raum nach mir um.

»Cat, das war jetzt das dritte Mal, dass dich jemand erkannt hat.«

Das wusste ich selbst. »Wir müssen uns einfach eine bessere Tarnung einfallen lassen. Und zwar schnell, vor dem Job nächste Woche.«

Tate ließ sich von meinem Tonfall nicht beschwichtigen. »Du spielst mit deinem Leben, wenn du ein so hohes Risiko eingehst. Der Nächste, der dich erkennt, zieht vielleicht eine Knarre, statt dir einen Drink zu spendieren. Das Ganze wird zu gefährlich, selbst für deine Verhältnisse.«

»Mach mir keine Vorschriften, Tate. Ich bin der Boss, also fang nicht an, den großen Bruder zu spielen.«

»Du weißt, dass meine Gefühle für dich alles andere als brüderlich sind.«

Ehe ich mich versah, hatte Bones Tate am Schlafittchen gepackt. Die Füße des Mannes baumelten ein gutes Stück über dem Fußboden in der Luft. Tates Kommentar hatte mich so wütend gemacht, dass es einen Augenblick dauerte, bis ich Bones anwies, ihn loszulassen.

Hätte ich Tate nicht seit Jahren gekannt, wäre ich ihm selbst an die Gurgel gegangen, weil er sich ununterbrochen an mich heranschmiss, nur um Bones zu provozieren.

Statt zu treten oder wild um sich zu schlagen, verzog Tate das Gesicht zu einer Art Grinsen.

»Was willst du machen, Gruftie«, keuchte er. »Mich umbringen? «

»Lass ihn runter, Bones. Sein loses Mundwerk ist im Augenblick unser geringstes Problem«, sagte ich. »Wir müssen hier fertig werden, Ernies Identität überprüfen, Don Bericht erstatten und nach Hause fahren. Komm schon, der Mond steht hoch am Himmel.«

»Eines Tages treibst du es zu weit«, knurrte Bones und ließ Tate abrupt los.

Ich warf dem Soldaten einen warnenden Blick zu. Auch ich befürchtete, dass er einmal zu weit ging. Tate war mein Freund, und er bedeutete mir viel, aber seine Gefühle für mich waren gänzlich anderer Natur. Dass Tate in letzter Zeit entschlossen war, diese Gefühle auch zu zeigen, machte alles noch schlimmer, insbesondere wenn er es vor Bones tat.

Sein Verhalten wirkte wie das sprichwörtliche rote Tuch auf den Stier. Vampire waren nicht gerade dafür bekannt, dass sie gern teilten. Bisher hatte ich zwar verhindern können, dass die beiden ernsthaft aneinandergerieten, sollte Tate aber so weitermachen, würde er es nicht überleben.

»Senator Thompson wird mit Genugtuung hören, dass der Mörder seiner Tochter bestraft wurde«, sagte mein Onkel und Vorgesetzter, Don Williams, als wir später in seinem Büro saßen. »Cat, man hat mir gesagt, du bist wieder erkannt worden. Das ist jetzt schon das dritte Mal.«

»Ich hätte da eine Idee«, antwortete ich. »Tu dich doch einfach mit Tate und Juan zusammen und verkünde es der ganzen Welt. Ich weiß verdammt noch mal selbst, dass es zum dritten Mal passiert ist, Don!«

Er störte sich nicht an meiner Ausdrucksweise. An meinen ersten zweiundzwanzig Lebensjahren hatte Don keinen Anteil gehabt, dafür aber die letzten fünf umso intensiver miterlebt. Vor ein paar Monaten erst hatte ich überhaupt von unserer Verwandtschaft erfahren. Don hatte sie mir verschwiegen, weil ich nicht wissen sollte, dass der Vampir, der – angeblich – meine Mutter vergewaltigt hatte, sein Bruder war.

»Wir werden uns einen anderen weiblichen Lockvogel suchen müssen«, stellte Don fest. »Deine Rolle als Teamleiterin steht außer Frage, Cat, aber es ist einfach zu riskant, dich weiter als Köder einzusetzen. Bones stimmt mir sicher zu.«

Ich stieß ein spöttisches Lachen aus. Die Tatsache, dass ich regelmäßig mein Leben aufs Spiel setzte, war Bones ungefähr so verhasst wie mir mein Vater.

»Worauf du dich verlassen kannst. Bones würde vor Freude auf deinem Grab tanzen, wenn du mich dazu bringst, meinen Job aufzugeben.«

Bones, der das offensichtlich auch so sah, zog ungerührt eine Augenbraue hoch.

»Du würdest ihn doch nur dazu bringen, Don wieder auszubuddeln, Cat«, warf Dave spöttisch lächelnd ein.

Ich lächelte zurück, als ich daran dachte, wie wir Dave aus dem Grab geholt hatten, als der bei einem Einsatz ums Leben gekommen war. Dass Vampirblut ein äußerst potentes Allheilmittel war, hatte ich vorher zwar auch schon gewusst, dass aber ein tödlich Verletzter als Ghul wiederauferstehen konnte, wenn er vor Todeseintritt davon trank, war mir bis dahin nicht bekannt gewesen.

Don hüstelte. »Wie dem auch sei, wir alle sind der Meinung, dass es für dich zu gefährlich ist, weiter als Lockvogel zu fungieren. Denk an die Unbeteiligten, Cat. Jedes Mal, wenn wir Alarmstufe Rot haben, geraten Menschen in Lebensgefahr.«

Er hatte recht. Der heutige Abend war das beste Beispiel. In die Enge getrieben reagierten Vampire und Ghule schnell panisch. Zudem eilte mir der Ruf voraus, keine Gefangenen zu machen, und was hatten sie schon zu verlieren, wenn sie so viele Menschen wie möglich mit in den Tod rissen?

»Scheiße.« Ich gab mich geschlagen. »Aber dank deiner sexistischen Vorschriften haben wir keine weiblichen Teammitglieder, Don, und nächste Woche steht wieder ein Einsatz an. Uns bleibt also nicht genug Zeit, um eine qualifizierte Soldatin aufzutreiben, ihr zu offenbaren, dass es Vampire und Ghule gibt, sie mit den nötigen Selbstverteidigungstaktiken vertraut zu machen und dann adrett herausgeputzt in die Schlacht zu schicken.«

Nach diesen Einwänden herrschte Schweigen. Don zupfte an seiner Augenbraue, Juan pfiff vor sich hin, und Dave ließ die Nackenwirbel knacken.

»Wie wäre es mit Belinda?«, mischte sich Tate ein.

Ich starrte ihn ungläubig an. »Die Frau ist eine Mörderin.«

Tate schnaubte. »Ja, aber als Trainingshilfe für die Männer hat sie gute Arbeit geleistet. Wegen guter Führung haben wir ihr in Aussicht gestellt, dass sie in zehn Jahren freikommt. Wenn wir sie zu Einsätzen mitnehmen, können wir vielleicht besser beurteilen, ob sie wirklich vom Saulus zum Paulus geworden ist, wie sie behauptet.«

Bones zuckte leicht mit den Schultern. »Riskante Angelegenheit, aber Belinda ist eine Vampirin und daher stark genug für den Job. Außerdem sieht sie gut genug aus, um den Lockvogel spielen zu können, und wir würden sie nicht erst ausbilden müssen.«

Ich konnte Belinda nicht ausstehen, was nicht nur daran lag, dass sie schon einmal versucht hatte, mich umzubringen. Sie und Bones hatten eine gemeinsame Vergangenheit, in der Bones’ Geburtstagsfeier, eine zweite Vampirin namens Annette, zwei sterbliche Mädels und sehr wenige Worte eine Rolle spielten.

»Don?«, wandte ich mich an meinen Boss.

»Nächste Woche versuchen wir es mit Belinda«, verkündete er nach einer Weile. »Wenn sie es nicht bringt, sehen wir uns nach einem geeigneten Ersatz um.«

Eine Vampirin sollte uns helfen, ihre Artgenossen zu ködern und umzubringen. Klang fast so verrückt wie unsere bisherige Strategie, nämlich mich, eine Halbvampirin, dazu zu benutzen.

»Da wäre noch etwas«, bemerkte Don abschließend. »Als Bones vor drei Monaten unserem Team beigetreten ist, haben wir eine Vereinbarung getroffen. Seinen wichtigsten Beitrag zu unserer Arbeit habe ich noch nicht eingefordert … bis heute.«

Ich fuhr zusammen. Mir war klar, worauf er hinauswollte. Zu meiner Linken zog Bones gelangweilt eine Augenbraue hoch.

»Was unsere Abmachung anbelangt, werde ich keinen Rückzieher machen. Sag mir also, wen ich für dich in einen Vampir verwandeln soll.«

»Mich.«

Tate hatte das gesagt. Ich sah ihn an.

»Du hasst Vampire!«, platzte es aus mir heraus. »Warum willst du dann einer werden?«

»Ich hasse Bones«, pflichtete Tate mir ohne Umschweife bei. »Aber du selbst hast einmal gesagt, dass es die Persönlichkeit ist, die den Charakter eines Vampirs ausmacht, und nicht umgekehrt. Was bedeutet, dass ich Bones auch als Menschen gehasst hätte.«

Klasse, dachte ich, von Tates Anliegen noch immer schockiert. Wenigstens hat er keine Vorurteile mehr gegen Untote. Na dann.

Bones musterte Don. »Ich brauche Zeit, um ihn auf den Übertritt vorzubereiten, und eins möchte ich gleich klarstellen.« Er wandte sich wieder Tate zu. »Dadurch wirst du nicht erreichen, dass Cat dich liebt.«

Ich wandte den Blick ab. Bones hatte laut ausgesprochen, was auch mir insgeheim Sorge bereitete. Gott, hoffentlich war ich nicht der Grund für Tates Entscheidung, sich als Erster aus unserem Team in einen Vampir verwandeln zu lassen.

»Ich liebe dich als Freund, Tate.« Meine Stimme war leise. Es war mir unangenehm, das vor so vielen Leuten sagen zu müssen, aber alle hier wussten über Tates Gefühle Bescheid. In letzter Zeit hatte er keinen großen Hehl mehr daraus gemacht. »Du bist sogar einer meiner besten Freunde. Aber mehr eben nicht.«

Don räusperte sich. »Wenn von deiner und Bones’ Seite keine weiteren Bedenken vorliegen, tun Tates Gefühle hier nichts zur Sache.«

»Seine Motive aber sehr wohl«, widersprach Bones prompt. »Was, wenn es ihn verbittert, dass er mir Cat nicht wegnehmen kann? Und lass mich dir versichern, Kumpel, das wirst du nicht. Bleibt also die Frage: Will er es selbst, oder tut er es für sie? Basiert seine Entscheidung auf den falschen Gründen, wird er nämlich ausreichend Zeit haben, sie zu bereuen.«

Schließlich äußerte sich auch Tate. »Meine Gründe gehen nur mich etwas an, und meine Arbeitsmoral wird nicht darunter leiden.«

Bones schenkte ihm ein schmallippiges Lächeln. »In hundert Jahren wird es diesen Job und deinen Boss längst nicht mehr geben, aber du wirst immer noch mein Geschöpf sein. Du schuldest mir Treue, bis ich dir erlaube, deine eigene Sippe zu gründen, oder bis du mich zum Duell herausforderst und dir dein Recht erkämpfst. Bist du dir sicher, dass du dich darauf einlassen willst?«

»Ich werde schon klarkommen«, antwortete Tate knapp.

2

Später erwachte ich allein in unserem Bett. Ich sah mich schläfrig um und stellte fest, dass Bones nicht da war. Neugierig ging ich nach unten, wo ich ihn auf der Couch im Wohnzimmer vorfand.

Er starrte durch das Fenster auf den fernen Gebirgskamm. Vampire konnten vollkommen reglos dasitzen, starr wie Statuen. Schön genug für ein Kunstwerk war Bones jedenfalls. Sein dunkelbraunes Haar wirkte im Mondlicht heller. Er trug es jetzt wieder in seiner natürlichen Farbe, nicht mehr blond gefärbt, um bei Einsätzen weniger aufzufallen. Die matten Silberstrahlen beschienen auch sanft das Relief seines alabasternen Körpers, betonten die muskulöse Statur. Seine dunkleren Brauen hatten fast die gleiche Farbe wie seine Augen – wenn diese nicht vampirgrün leuchteten. Als er den Kopf drehte und mich in der Tür stehen sah, ließen Schatten seine hohen Wangenknochen noch edler wirken.

»Hey.« Ich zog meinen Bademantel enger um mich, als ich seine Anspannung spürte. »Stimmt was nicht?«

»Alles in Ordnung, Schatz. Bin bloß ein bisschen nervös.«

Ich merkte auf und setzte mich neben ihn. »Du bist doch sonst nie nervös.«

Bones lächelte. »Ich habe etwas für dich. Ich weiß allerdings nicht, ob du es haben willst.«

»Warum sollte ich es nicht haben wollen?«

Bones glitt von der Couch und kniete sich vor mich hin. Ich kapierte immer noch nichts. Erst als ich das kleine schwarze Samtkästchen in seiner Hand sah, kam mir die Erleuchtung.

»Catherine.« Hätte ich seine Absicht noch nicht erkannt, wäre ich durch die Nennung meines vollen Namens darauf gekommen. »Catherine Kathleen Crawfield, willst du mich heiraten?«

Erst jetzt merkte ich, wie sehr ich mir gewünscht hatte, dass Bones mich das fragen würde. Klar, nach vampirischem Recht waren wir bereits verheiratet, aber der blutige Handschlag, mit dem Bones mich zur Frau genommen hatte, war so gar nicht das, was ich mir als kleines Mädchen unter einer Traumhochzeit vorgestellt hatte. Außerdem hatte Bones es getan, um einen handfesten Krieg zwischen seiner Sippe und der seines Erzeugers Ian zu verhindern, der ebenfalls glaubte, Anspruch auf mich zu haben.

Als ich Bones nun aber ansah, verblassten all meine kindischen Träumereien. Er war zwar kein Märchenprinz, sondern ein Vampir, ehemaliger Gigolo und Auftragskiller, doch nun, da er, der Mann, den ich so abgöttisch liebte, auf Knien um meine Hand anhielt, hätte keine Märchenheldin bewegter sein können als ich. Die Rührung schnürte mir die Kehle zu. Womit hatte ich so viel Glück verdient?

Bones schnaubte in gespielter Entrüstung. »Ausgerechnet jetzt fehlen dir die Worte. Sag doch bitte einfach ja oder nein. Die Spannung bringt mich noch um.«

»Ja.«

Tränen traten mir in die Augen, und ich lachte, weil ich vor lauter Freude hätte platzen mögen.

Etwas Kühles und Hartes wurde mir über den Finger gestreift. Vor meinen Augen war alles so verschwommen, dass ich kaum erkennen konnte, was es war, aber ich sah etwas Rotes aufblitzen.

»Den habe ich vor fast fünf Jahren schleifen und fassen lassen«, sagte Bones. »Ich weiß, du denkst, ich hätte dich nur geheiratet, weil ich keine andere Wahl hatte, aber das stimmt nicht. Ich wollte dich immer schon zur Frau nehmen, Kätzchen.«

Zum ungefähr tausendsten Mal bereute ich es, Bones damals verlassen zu haben. Ich hatte geglaubt, ihn zu beschützen, aber wie sich herausstellte, hatte ich uns beiden nur unnötiges Leid zugefügt.

»Wie konnte es dich nur nervös machen, mich zu fragen, ob ich dich heiraten will, Bones? Ich würde für dich sterben. Warum sollte ich dann nicht mit dir leben wollen?«

Er gab mir einen langen, innigen Kuss, und als ich mich schließlich von ihm losriss, um Atem zu schöpfen, hauchte er mir die nächsten Worte auf die Lippen.

»Genau das will ich auch.«

Später lag ich in seinen Armen und erwartete den heranbrechenden Tag, der nicht mehr fern war.

»Willst du irgendwohin fahren oder lieber ganz groß feiern? «, fragte ich schläfrig.

Bones lächelte. »Du weißt doch, wie wir Vampire sind, Schatz. Wir lassen es immer gern krachen. Mir ist klar, dass die vampirische Zeremonie nicht das war, was du dir unter einer Hochzeit vorstellst, also will ich, dass du noch eine richtige bekommst.«

Ich stieß ein amüsiertes Schnauben aus. »Wow, eine große Feier. Dürfte ein bisschen dauern, dem Partyservice zu erklären, was wir essen wollen. Hauptspeisen zur Wahl: Rind oder Meeresfrüchte für die Sterblichen, rohes Fleisch und Körperteile für die Ghule … und ein Fässchen frisches warmes Blut an der Bar für die Vampire. Gott, ich kann mir schon das Gesicht meiner Mutter vorstellen.«

Bones’ Lächeln wurde diabolisch, und er sprang auf. Neugierig beobachtete ich, wie er durchs Zimmer ging und eine Nummer in sein Handy eintippte.

»Justina.«

Kaum hörte ich den Namen meiner Mutter, rannte ich Bones hinterher. Der ergriff die Flucht, versuchte, sein Lachen zu unterdrücken, und redete weiter.

»Ja, ich bin’s, Bones. Na, na, das war aber ein böses Wort … hmhm, du mich auch, Justina …«

»Gib mir das Handy«, befahl ich.

Er ließ mich einfach stehen. Seit ihrer Begegnung mit meinem Vater hatte meine Mutter einen krankhaften Hass auf Vampire. Sie hatte sogar schon versucht, Bones umbringen zu lassen – zweimal –, weshalb es ihm jetzt auch solchen Spaß machte, ihr eins auszuwischen.

»Eigentlich habe ich ja nicht angerufen, um mir anzuhören, was für ein untoter Mordgeselle ich bin … ach ja, und ein mieser Stricher auch. Habe ich dir schon mal erzählt, dass meine Mutter auch auf den Strich gegangen ist? Nicht? Also wirklich, meine Familie ist schon seit Generationen im horizontalen Gewerbe tätig …«

Ich hielt den Atem an, als Bones meiner Mutter dieses neue Detail aus seiner Vergangenheit offenbarte. Inzwischen war sie bestimmt auf hundertachtzig.

» … eigentlich wollte ich dir eine freudige Nachricht verkünden. Ich habe deine Tochter gebeten, mich zu heiraten, und sie hat eingewilligt. Herzlichen Glückwunsch, ich werde offiziell dein Schwiegersohn. Soll ich dich jetzt schon Mom nennen oder erst nach der Hochzeit?«

Ich warf mich mit einem Satz auf ihn und schaffte es endlich, ihm das Handy zu entreißen. Bones lachte so sehr, dass er sogar Atem holen musste.

»Mom, bist du noch dran? Mom … ?«

»Vielleicht wartest du erst mal einen Augenblick, Kätzchen. Ich glaube, sie ist ohnmächtig geworden.«

 

Manchmal stimmte mich der Gedanke, dass ich nie Kinder haben würde, schon ein bisschen wehmütig. Mein Vater hatte meine Mutter zwar noch schwängern können, weil er gerade erst zum Vampir geworden war, doch im Allgemeinen waren Untote nicht fortpflanzungsfähig. Künstliche Befruchtung kam ebenfalls nicht in Frage, weil ich nie das Risiko eingegangen wäre, meine genetischen Anomalien an mein Kind weiterzugeben, und adoptieren wollte ich aufgrund meines gefährlichen Lebensstils auch keines.

Im Augenblick allerdings war ich froh um meine Kinderlosigkeit. Auf der Jagd nach Vampiren und Ghulen hatte ich zwar schon einiges erlebt, aber inmitten von kreischenden Kinderhorden zu stehen, die, aufgeputscht von Unmengen Süßkram, kreischend von einem Spielautomaten zum nächsten rannten, war ein echter Horrortrip, zumal ich nicht wegkonnte.

Bones, der Glückliche, wartete vor dem Chuck-E.-Cheese-Restaurant. Das hatte mit seiner Aura zu tun. Andere Vampire spürten ihn, wenn er in der Nähe war, was drinnen der Fall gewesen wäre, also behielt Bones für gewöhnlich draußen die Umgebung im Auge, bis unsere Zielperson wusste, dass wir hinter ihr her waren und die Party richtig losging. Mir fehlte die typische Aura der Untoten, die sich, je nach Stärke des Vampirs, anfühlen konnte wie statische Elektrizität oder ein ausgewachsener Stromschlag. Nein, mein Herz schlug, und ich atmete, und deshalb wirkte ich harmlos – zumindest auf alle, die es nicht besser wussten.

Aus diesem Grund zeigte ich auch fast keine Haut. Hey, ich spielte jetzt nicht mehr den Lockvogel, also musste ich auch mein Schlampen-Outfit nicht tragen. Belinda war es, die in ein tief ausgeschnittenes Oberteil und eine Jeans gesteckt worden war, die ein gutes Stück ihres Bauches freiließ. Sie hatte sich Locken gelegt, und geschminkt war sie auch, eine Seltenheit, weil sie als Dons Gefangene nicht viel rauskam.

Wenn man Belinda mit ihrem Blondhaar, dem lächelnden Schmollmund und ihren überwältigenden Kurven so ansah, hätte man sie nie für eine Vampirin gehalten, zumal sie am helllichten Tag unterwegs war. Selbst Menschen, die die Existenz von Vampiren für potenziell möglich hielten, glaubten schließlich, sie würden nur nachts umgehen, was natürlich, wie so vieles, Humbug war. Vampire schliefen weder in Särgen, noch fürchteten sie sich vor religiösen Symbolen, und mit einem Holzpflock konnte man sie auch nicht töten.

Der kleine Junge an meiner Seite zupfte mich am Arm. »Ich habe Hunger«, verkündete er.

Ich war verwirrt. »Aber du hast doch gerade erst was gegessen. «

»Du, das war vor einer Stunde.«

»Nenn mich Mom, Ethan«, ermahnte ich ihn, ein breites Lächeln aufs Gesicht getackert, während ich nach Kleingeld kramte. So ein verrückter Auftrag war mir noch nie untergekommen. Wo Don einen zehnjährigen Jungen aufgetrieben hatte, der als Statist herhalten konnte, würde mir ewig ein Rätsel bleiben, aber er hatte dafür gesorgt, dass Ethan mitdurfte. Don war nämlich der Auffassung, unsere Zielperson würde uns unweigerlich für Pädophile oder Vampirjäger halten, wenn wir stundenlang ohne ein Kind in einem Chuck-E.-Cheese-Restaurant rumhingen.

Ethan grapschte sich eine Handvoll Geldscheine, ohne abzuwarten, bis ich den genauen Betrag abgezählt hatte.

»Danke!«, rief er und trabte in Richtung Pizzatheke davon.

Okay, das hatte authentisch gewirkt – ich hatte heute schon den ganzen Tag lang beobachten dürfen, wie Kinder sich ihren Eltern gegenüber verhielten, gestern übrigens auch. Grundgütiger, für das ganze Essen und die unzähligen Bons für Spiele hatte ich mehr ausgegeben als sonst in einer ganzen Woche, wenn ich in Bars arbeiten und literweise Gin Tonic kippen musste. Wenigstens ging alles auf Staatskosten.

Das Chuck-E.-Cheese hatte nur eine Etage. So musste man Belinda wenigstens nicht dauernd im Auge behalten. Sie spielte in dem Abschnitt links der Eingangstür Skee-Ball. Gerade hatte sie wieder einen Treffer gelandet. Lichter blinkten, und der Automat spuckte weitere Tickets aus. Zu Belindas Füßen lag schon ein ganzer Haufen, und mehr als ein paar bewundernde Väter und Sprösslinge hatten sich bereits um sie geschart.

Allerdings war weit und breit kein anderer Vampir zu sehen, obwohl vor drei Wochen hier eine ganze Familie verschwunden war. Die Restaurantgäste ahnten davon allerdings nichts. Nur weil eine Überwachungskamera auf dem Parkplatz ein leuchtendes Augenpaar aufgenommen hatte, war Don überhaupt der Verdacht gekommen, Vampire könnten etwas mit dem Vorfall zu tun haben.

Untote Mörder frequentierten ihre Jagdgründe oft mehrmals, was ich ziemlich merkwürdig fand. Ohne diese Angewohnheit wäre die Heimatschutz-Sonderabteilung, der mein Onkel vorstand, nämlich längst überflüssig gewesen. Es gab schon jede Menge Schwachköpfe unter den Untoten.

Mein Handy vibrierte. Ich nahm es vom Gürtel, warf einen Blick auf das Display – und lächelte. Die 911 leuchtete auf, was bedeutete, dass gerade ein Vampir auf dem Parkplatz gesichtet worden war. Ich behielt Ethan im Auge und pirschte mich unauffällig an Belinda heran. Als ich ihr die Hand auf den Arm legte, warf sie mir einen verärgerten Blick zu.

»Showtime«, murmelte ich.

»Hände weg von mir«, zischte sie, ohne dabei ihr freundliches Lächeln zu verlieren.

Ich drückte nur noch fester zu. »Versuch irgendwelche krummen Dinger, und ich bringe dich um. Zumindest wenn Bones mir nicht zuvorkommt.«

Ein kurzes grünes Funkeln trat in Belindas Augen, dann jedoch zuckte sie mit den Schultern. »Zehn Jahre noch, dann brauche ich dich nicht mehr zu ertragen.«

Ich ließ sie los. »Ganz genau. Also versau das Ganze nicht.«

»Musst du mir nicht langsam wieder von der Pelle rücken, Gevatterin Tod?«, zischte sie so leise, dass sogar ich es kaum verstehen konnte. »Wollen doch das Wild nicht verscheuchen, oder?«

Ich schenkte Belinda noch einen kühlen, prüfenden Blick, dann wandte ich mich um und ging. Was ich gesagt hatte, war keine leere Drohung gewesen. Sollte Belinda irgendwelche Mätzchen machen und eines der vielen Kinder hier in Gefahr bringen, würde ich ihr das Licht ausknipsen. Wir hielten sie an der sprichwörtlichen langen Leine. Blieb abzuwarten, ob sie sich damit strangulierte.

Als ich zu Ethan ging, vibrierte wieder mein Handy. Ein Blick auf das Display ließ mich innerlich aufstöhnen. Schon wieder 911. Wir hatten es also mit zwei Vampiren zu tun. Nicht gut.

Ich war jetzt bei Ethan angekommen und wollte sowohl ihn als auch die Tür genau im Auge behalten. Es dauerte nicht lange, da betraten zwei Männer das Restaurant, deren unverwechselbarer Teint und zielstrebiger Gang sie deutlich als Vampire auswiesen.

Noch einmal sondierte ich frustriert die Umgebung. Die vielen Kinder machten das Restaurant zu einem denkbar schlechten Ort für einen Showdown mit den Untoten. Hätte ich den Lockvogel gespielt, hätte ich versucht, die Vampire irgendwie auf den Parkplatz zu lotsen und so das Risiko für die Umstehenden möglichst gering zu halten. Derlei Skrupel waren Belinda bestimmt reichlich fremd. Na ja, dann würde ich eben ein bisschen nachhelfen müssen.

Ich packte Ethans Hand. »Es ist so weit«, sagte ich.

Seine blaugrünen Augen weiteten sich. »Sind die Bösen da?«, flüsterte er.

Ich bezweifelte, dass Don dem Jungen oder seinen Eltern – wer auch immer die Irren waren, die ihr Kind für so etwas hergaben – erklärt hatte, hinter welchen »Bösen« genau wir her waren. Und ich würde das bestimmt nicht nachholen.

»Denk dran, du bleibst immer in Sichtweite«, schärfte ich ihm sanft, aber bestimmt ein. »Das wird schon.«

Der Junge nickte, ihm war deutlich anzumerken, dass er all seinen Mut zusammennahm. »Okay.«

So ein braves Kind.

Wieder klingelte mein Handy, wieder leuchteten Nummernfolgen auf dem Display auf.

 

911 – 911

 

»Oh, Sch… Mist.« Beinahe wäre mir auch noch ein schlimmes Wort herausgerutscht.

Ethan sah mit großen Augen zu mir auf. »Was ist denn passiert? «

Ich packte seine Hand fester. »Gar nichts.«

3

Es dauerte nicht lange, bis die Vampire auf Belinda aufmerksam wurden. Vielleicht hatten sie sie schon gewittert, bevor sie sie gesehen hatten, denn sie waren noch keine Minute im Restaurant, da machten sie sich auch schon an sie heran. Ethan weiter fest an der Hand haltend, hörte ich, wie Belinda die Vampire begrüßte. Ich lauschte angestrengt für den Fall, dass sie etwas wie Falle oder Gevatterin sagte. So weit war alles friedlich. Belinda spielte nur die Kokette – und die Killerin, denn sie erkundigte sich bei den Vampiren, ob sie vorhatten, jemanden zu vernaschen.

»Wieso sind wir deiner Meinung nach hier?«, fragte einer grinsend. »Wegen des fetten Mausmaskottchens bestimmt nicht.«

Die anderen lachten. Ich biss die Zähne zusammen. Dreckskerle.

»Bist du in Begleitung hier?«, erkundigte sich ein anderer und musterte Belinda mit lüsternem Blick.

»Mit einer Tussi und ihrem Sohn«, war Belindas abschätzige Antwort. »Die Alte könnt ihr gern haben, aber der Kleine gehört mir.«

»Zeig sie uns«, forderte der dunkelhaarige Vampir sie auf.

Belinda hob die Hand, und ich schaffte es gerade noch, von den Vampiren wegzusehen und Ethan mit einem falschen Lächeln im Gesicht anzustrahlen. Keine Angst. Dir passiert schon nichts.

»Siehst du die Blonde mit dem schwarzen Rolli und den Jeans, die den kleinen Jungen an der Hand hält? Das sind sie.«

»Hübsch«, bemerkte der Braunhaarige gedehnt und fügte dann schnell hinzu: »Nicht so hübsch wie du natürlich.«

»Danke.« Belindas Tonfall gab deutlich zu verstehen, dass er sich nicht geschickt genug aus der Affäre gezogen hatte, sie aber ausnahmsweise bereit war, darüber hinwegzusehen. »Also, wie läuft das bei euch für gewöhnlich? Schnappt ihr euch einfach ein Kind und haut ab?«

»Siehst du den Typen da hinten?« Der schlaksige, hochgewachsene Vampir deutete auf einen Mann, dessen Hemdaufnäher ihn als Restaurantmitarbeiter auswies. »Ich hypnotisiere ihn und klau ihm die Klamotten.«

»Was willst du denn mit seinen Klamotten?«, wollte Belinda ungläubig wissen. Unauffällig warf ich der Gruppe einen Blick zu. Genau das hatte ich mich auch gerade gefragt.

»Wenn man ein Chuck-E.-Cheese-Kostüm anhat«, erklärte der Vampir grinsend, »ist es ganz leicht, die Kinder nach draußen zu locken, ohne dass jemand Verdacht schöpft. Wenn die Eltern doch was mitbekommen, macht einfach einer seinen Strahleblick an, und sie gehen seelenruhig nach Hause. Dass ihre Kinder weg sind, fällt denen meistens erst einen Tag später auf, und dann können sie sich nicht erinnern, wann sie sie das letzte Mal gesehen haben.«

»Wir locken sie einzeln nach draußen und verstauen sie im Kofferraum«, fügte ein anderer hinzu. »Um diese Jahreszeit ist es relativ kühl, da gehen sie nicht ein und verderben, und wenn man sie hypnotisiert, geben sie da drinnen auch Ruhe.«

Erst als Ethan aufschrie, merkte ich, wie fest ich seine Hand umklammert hatte, und lockerte meinen Griff. Ich musste mich schwer zusammenreißen, damit meine Augen vor lauter Wut nicht anfingen zu leuchten. Ich konnte es kaum erwarten, die Typen abzumurksen.

Belinda lächelte. »Ein Vampir in einem Chuck-E.-Cheese-Kostüm? Das muss ich gesehen haben.«

Auch der Vampir grinste. »Warte hier, Schätzchen. Die Show wird dir gefallen.«

Wie aufs Stichwort kam künstliches Leben in die Plüschroboter auf der Bühne. Die Kinder kreischten vor Begeisterung. Ich beobachtete, wie einer der Vampire dem Mitarbeiter, auf den sie es abgesehen hatten, hinter die Kulissen folgte. Gerade wollte ich ihm nachgehen, da hörte ich die Stimme eines zweiten Blutsaugers: »… hab jetzt schon Hunger, ich such mir jemanden aus.« Mit diesen Worten entfernte sich der Rothaarige gemächlich von Belinda und den anderen.

Ich ließ Ethans Hand los. Belinda hatte angekündigt, ihn für sich haben zu wollen; von allen Kindern hier hatte er im Augenblick die besten Karten. Ich kniete mich vor ihn hin, sodass ich auf Augenhöhe mit ihm war.

»Siehst du das Spiel da?«, fragte ich ihn und deutete auf den Automaten, der uns am nächsten stand. »Dort spielst du und rührst dich nicht vom Fleck, bis ich oder einer der Jungs, die du vorhin kennengelernt hast, dich holen kommen. Versprich es mir.«

Ethan nickte. »Versprochen.«

»Braver Junge«, murmelte ich. Ethan ging zu dem Automaten und legte all seine Spielmarken davor ab. Eiskalte Wut überkam mich, als ich beobachtete, wie der rothaarige Vampir sich auf Beutezug machte.

»Alle Einheiten bereithalten«, flüsterte ich in mein Handy. Das hier konnte ziemlich schnell ungemütlich werden.

Diskret behielt ich den im Restaurant umherstreifenden Vampir im Auge, der mit geübtem Blick die unbeaufsichtigten Kinder erspähte. Ein kleiner Junge holte sich gerade ein paar Spielmarken am Automaten. Der Vampir beobachtete ihn, und während der Junge noch versuchte, sich für eines der Spiele zu entscheiden, pirschte er sich immer näher an ihn heran. Er wartete ab, bis der Kleine an einer Ecke angekommen war, und legte ihm dann die Hand auf die Schulter.

Der Junge sah auf – und mehr brauchte es nicht. Ein kurzes grünes Funkeln in den Augen des Vampirs, ein Murmeln, so leise, dass ich es nicht verstehen konnte. Niemand sonst merkte etwas. Ohne zu zögern folgte der Junge dem Vampir hinter eine Trennwand in den Nebenraum.

Als ich den beiden nachging, fiel mir auf, dass der Vampir sich das ruhigste Eckchen im Restaurant ausgesucht hatte, den Abstellraum für die defekten Spielautomaten. Er kniete vor dem Jungen auf dem Boden. Das Gesicht des Kleinen war in das grüne Licht der Vampiraugen getaucht. Der Junge stand einfach nur da, machte keinerlei Anstalten zu fliehen oder zu schreien.

Er wird zubeißen. Hier und jetzt. Und die Leiche kann er einfach hinter einem kaputten Automaten verstecken. Falls den Eltern doch irgendwann der Verdacht kommt, ihrem Sohn könnte etwas zugestoßen sein, wird der schon längst nicht mehr leben …

Der Vampir beugte sich vor, Furcht hatte er weder vor den Eltern des Jungen noch vor Gott oder sonst wem, der hätte eingreifen und ihn aufhalten können. Ich zog ein Silbermesser aus dem Ärmel und pirschte voran. Jetzt darfst du mit meinem kleinen Freund Bekanntschaft machen, Arschloch!

»Was zum …?«

Kaum hatte ich die Stimme gehört, spürte ich auch schon die übermenschliche Energie im Rücken und wirbelte herum. Hinter mir stand der Vampir, der sich als Chuck E. Cheese verkleidet hatte, den großen, ausgestopften Mausekopf fragend zur Seite geneigt. Der Rothaarige ließ von dem Jungen ab, und sein Blick blieb an meinem Messer hängen.

»Silber«, murmelte er.

Das war unser Stichwort.»Zugriff!«, brüllte ich. Bones konnte mich hören, das wusste ich. Dann warf ich mein Messer.

Bis zum Heft bohrte es sich in die Brust des Vampirs. Fast zeitgleich stürzte ich mich auf ihn, riss ihn zu Boden und drehte das Messer ein paarmal kräftig in der Wunde. In dem Augenblick landete etwas Schweres auf mir. Etwas Schweres und Weiches. Es war der Vampir in dem Chuck-E.-Cheese-Kostüm.

Ich rollte mich herum, zog die Beine an und verpasste meinem Angreifer einen Tritt. Er wurde so heftig gegen einen Automaten geschleudert, dass das Gerät durch die Fensterscheibe krachte. »Heimatschutz, keine Bewegung!«, hörte ich Tate rufen, schnappte mir noch ein paar Messer und versenkte sie treffsicher in der Brust des verkleideten Vampirs. Der wankte rückwärts, ging aber nicht zu Boden. Das verdammte Kostüm war offensichtlich zu dick.

Mit neuen Messern in der Hand stürzte ich mich auf ihn. Er wehrte sich, so gut er es in seinem unförmigen Mauskostüm eben konnte. Wir wälzten uns am Boden; immer wieder stach ich zu, um doch noch den dicken Plüschanzug zu durchdringen, während der arg in seiner Beweglichkeit eingeschränkte Vampir sich abmühte, mich mit seinen Fausthieben zu treffen.

»Lass Chucky in Ruhe!«, hörte ich ein Kind heulen. Ein paar andere brüllten.

Jesus, Maria und Josef, die Kleinen würden ein Trauma davontragen. Eine offensichtlich Geisteskranke ging mit einem Messer auf ihren geliebten Plüschhelden los, und sie mussten es mit ansehen. Bones würde ihnen eine Gehirnwäsche verpassen müssen, sonst würden sie noch jahrelang Alpträume haben.

Ich ließ mich allerdings nicht beirren und hackte munter weiter auf den Vampir ein, als ich hörte, wie irgendwo noch ein Kampf ausbrach. Die anderen Vampire. Endlich war mein Messer tief genug eingedrungen, der Vampir unter mir erschlaffte, und ich konnte die Klinge ein letztes Mal in der Wunde drehen.

Als ich schließlich aufstand, waren die entsetzten Blicke der versammelten Kinder- und Elternschar auf mich gerichtet, doch ich hatte keine Zeit, ihnen zu erklären, dass Chucky gar nicht Chucky war, sondern sein böser Zwillingsbruder. Quer durch den Raum kam der blonde Vampir auf mich zugestürmt; wer ihm im Weg stand, ob Kind oder Erwachsener, wurde einfach weggefegt. Ich griff nach einem Messer, stellte fest, dass ich nicht mehr viele hatte, und machte mich ebenfalls angriffsbereit. Die Messer zu werfen konnte ich nicht riskieren – duckte sich der Vampir, würden sie einen Unschuldigen treffen. Nein, ich würde zum Nahkampf übergehen müssen. Meine Augen funkelten grün. Na los, Blondie, zeig mal, was du draufhast.

Als der Vampir das Leuchten in meinem Blick sah, hielt er inne, allerdings nur ganz kurz. Aus dem Augenwinkel heraus sah ich Belinda mit dem dunkelhaarigen Vampir ringen. Aus naheliegenden Gründen hatte wir ihr keine Waffen gegeben, aber ich war erleichtert, dass sie für uns und nicht gegen uns kämpfte.

Hinter dem blonden Vampir tauchte der letzte der Blutsauger auf. Mit einem Fauchen wollte auch er auf mich losgehen. Dann ging sein Blick zur Tür.

»Oh Scheiße«, hörte ich ihn noch sagen, und damit drehte er sich um und floh hinter die Bühne.

Ich wusste, auch ohne hinzusehen, was ihm solche Angst machte; ich konnte Bones’ Präsenz im Raum spüren. Im gleichen Augenblick allerdings traf mich die Faust des Blonden, sodass ich den Anblick des türmenden Blutsaugers nicht genießen konnte.

»Den übernimmst du, ich habe mit Blondie zu tun«, rief ich, bemüht, den Fängen auszuweichen, die sich in meiner Kehle verbeißen wollten.

»Den Mistkerl kaufe ich mir«, knurrte Bones und verschwand hinter den überdimensionierten Plüschrobotern, die auf der Bühne unbeeindruckt ihr fröhliches Spektakel aufführten.

»Wir verziehen uns nach draußen, Leute!«, rief ich, weiter brutale Schläge einsteckend und austeilend. Es musste schnell gehen, bevor noch irgendwelche Eltern oder Kinder als Geiseln genommen wurden.

Ich warf einen kurzen Blick auf Belinda, die gerade dabei war, den dunkelhaarigen Vampir nach draußen zu zerren; fast sah es so aus, als würde sie ihn stürmisch umarmen. Offensichtlich sprach sie auch mit ihm, aber bei dem ganzen Radau konnte ich kein Wort verstehen.

Ein harter Fausthieb lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf den blonden Vampir vor mir. Ein kleines Stückchen noch, beschwor ich ihn im Geiste. Ich will dich ja auch gar nicht umbringen, jedenfalls nicht vor den ganzen Kindern. Die sind schon traumatisiert genug.

Vor der von dem Spielautomaten zertrümmerten Fensterscheibe stürzte ich mich auf ihn, tief geduckt, damit er mich nicht mit den Reißzähnen erwischte. In hohem Bogen flogen wir durch das Fenster und auf den Parkplatz, wo wir auf dem Asphaltboden aufeinander einprügelten. Mir waren nur wenige Messer geblieben. Ich hatte nicht damit gerechnet, so viele wegen Chuckys dickem Pelz einzubüßen. Jetzt musste ich den richtigen Augenblick erwischen.

»Mommy, mach, dass sie aufhören«, jammerte ein Kind, und ich fluchte stumm. Einen ungünstigeren Ort konnte es für eine Vampirjagd nicht geben. Wie es sich anhörte, hatten meine Jungs alle Hände voll damit zu tun, die Eltern und Kinder davon abzuhalten, in Panik auf den Parkplatz zu fliehen, was die ganze Angelegenheit noch komplizierter gemacht hätte. Dave gab lautstark Anweisung, den dunkelhaarigen Vampir, den Belinda in der Mache gehabt hatte, einkapseln zu lassen.

Gerade war ich einem Schwinger ausgewichen, der mir unweigerlich den Hals gebrochen hätte, da sah ich, wie Belinda den anderen Vampir losließ und sich auf Zachary, einen jungen Rekruten, stürzte und ihm die Reißzähne in den Hals schlug.

»Tate, halte sie auf!«, schrie ich, unfähig, etwas zu unternehmen, als ein Beben durch Belindas Körper ging und Zachary umkippte. Er hielt seinen Hals umklammert, rotes Blut rann zwischen seinen Fingern hervor. Dann rannte Belinda los.

Schüsse, Flüche und hektisches Fußgetrappel waren zu hören, als ein Teil des Teams herbeigeeilt kam.

»Feind entkommt, alles abriegeln!«, rief Cooper.

Ich bedachte den Vampir vor mir mit einem eisigen Blick. »Mir reicht’s jetzt«, knurrte ich, warf mich auf ihn und ging mit ihm zu Boden. Ich wehrte mich nicht, als er auf mich eindrosch. Ich ließ die Hiebe auf mich einhageln, hielt ihn nur mit einer Hand davon ab, mir in die Kehle zu beißen, und rammte ihm mit der anderen mein Messer ins Herz. Dreimal musste ich kräftig zustechen, dann war er endgültig tot.

Mühsam löste ich mich von ihm. Meine Rippen taten höllisch weh, aber ich widerstand dem Drang, mir die schmerzenden Seiten zu halten. Ein hektisches Durcheinander zu meiner Linken ließ mich den Kopf herumwerfen, sodass ich noch mitbekam, wie der dunkelhaarige Vampir, der eigentlich in die Kapsel hätte verladen werden sollen, zwei Soldaten neben sich zu Boden warf. Wer von unserem Team nicht damit beschäftigt war, die Ausgänge zu bewachen, hatte sich, abgesehen von ein paar wenigen, die bei Zachary knieten, an Belindas Fersen geheftet. Niemand hatte auf den Vampir geachtet, und das hatte er schamlos ausgenutzt.

Dave wollte ihn sich schnappen, doch der Vampir duckte sich, warf sich auf den Bauch, rutschte vorwärts wie ein grotesker Pinguin und preschte dann davon.

Ich rannte los, hinter Tate und Juan her, die wiederum hinter Belinda her waren. Als bloße Sterbliche hatten sie allerdings keine Chance, die Vampirin einzuholen.

In Sekundenbruchteilen hatte ich mich entschieden, den anderen Vampir laufen zu lassen und selbst die Jagd nach Belinda aufzunehmen. Von ihr ging die größere Gefahr aus. Belinda kannte mein gesamtes Team mit Namen. Sie war mit internen Details über die Vorgänge in Dons Organisation vertraut, und weil sie lange genug unsere Gefangene gewesen war, wusste sie auch über unser Sicherheitssystem so weit Bescheid, dass sie jedem Irren, der versuchen wollte, es zu knacken, ausreichend Informationen liefern konnte. Ich durfte auf keinen Fall zulassen, dass sie etwas ausplauderte.

Ich gab alles und hatte Tate und Juan bald eingeholt. Belinda war zwar nicht mehr zu sehen, aber aufgrund kreischender Bremsen und lauten Geschreis wurde mir klar, dass sie eine offensichtlich verkehrsreiche Kreuzung überquert haben musste.

»Hol den Wagen«, keuchte ich, an Tate gewandt, als ich an ihm vorbeipreschte. »Fahrt mir nach!«

Ich hatte einen Piepser, durch den sie mich orten konnten, und mit dem Auto konnten sie mir schneller folgen. Und uns die Polizei vom Leibe halten, falls die sich einmischte. Wieder quietschten Reifen, ich folgte dem Geräusch, überquerte in rasendem Tempo eine Kreuzung und sah gerade noch Belinda, die in einer Seitenstraße verschwand. Oh nein, das wirst du schön bleiben lassen, dachte ich.

Ich rannte schneller und wünschte mir, nicht bei jedem Schritt das Gefühl zu haben, mir würden sämtliche Rippen brechen. Als ich die Seitenstraße erreicht hatte, betete ich im Stillen, Belinda möge nicht in irgendeine Wohnung stürzen und versuchen, eine Geisel zu nehmen. Stand zu hoffen, dass sie genug über mich und mein Team gehört hatte, um zu wissen, dass ihr das nicht gut bekommen würde. Sie begnügte sich Gott sei Dank damit, wie der Teufel zu rennen, ich jagte ihr nach und verfluchte sie im Stillen, während ich aufholte.

Im Laufschritt setzte Belinda über einen Zaun. Wenigstens war sie keine Meisterin. Dann hätte sie auch noch fliegen können, und ich wäre ziemlich angeschissen gewesen. Ich überwand den Zaun fast so schnell wie sie, aber die Wunde am Bein, die ich mir dabei an einem scharfkantigen Metallteil zuzog, heilte bei mir nicht sofort. Manchmal beneidete ich die Untoten um ihre Selbstheilungskräfte. Allerdings nicht so sehr, dass ich den Wunsch verspürt hätte, mich vollends in eine der Ihren zu verwandeln.

Als ich Belinda so weit eingeholt hatte, dass ich glaubte, es riskieren zu können, warf ich meine Messer. Ich hatte nur noch wenige, sie mussten also sitzen. Sie trafen die Vampirin im Rücken, ungefähr an der richtigen Stelle. Sie strauchelte, ging aber nicht zu Boden. Verdammt, ich hatte das Herz verfehlt! Da ich über schwieriges Gelände rannte und mein Ziel sich bewegte, war ich nicht halb so treffsicher wie sonst. Merke: Wurftechnik bei Verfolgungsjagden verbessern.

Allmählich ließen die Klingen Belinda allerdings langsamer werden. Durch ihre Bewegung war ein Messer wohl gefährlich dicht an ihr Herz geraten, und Belinda hätte anhalten müssen, um sich die Messer herausziehen zu können. Immer wieder versuchte sie es im Laufen, aber ihre Verrenkungen trieben eines der Messer nur umso tiefer in sie hinein. Wieder geriet Belinda ins Straucheln, und ich zwang mich, schneller zu laufen. Gleich hast du sie … gib Gas, Cat, du darfst sie nicht entkommen lassen!

Ich nahm all meine Kraft zusammen, machte einen Satz und schaffte es, Belindas Knöchel zu packen und sie zu Boden zu reißen. Sie wirbelte herum, ihre Fangzähne schnappten nach jedem erreichbaren Stück meines Körpers. Ohne mich davon beeindrucken zu lassen, warf ich mich mit meinem vollen Gewicht auf ihren Oberkörper.

Belinda erstarrte. Ihre großen, kornblumenblauen Augen erwiderten kurz meinen Blick, und mit einem Schrei, der sofort wieder erstarb, schlossen sich ihre Lider. Die Messer hatten ihr Herz durchbohrt.

Ich wollte trotzdem kein Risiko eingehen, legte Belinda auf den Bauch, drehte beide Messer einmal in der Wunde und spürte, wie die Vampirin endgültig unter mir erschlaffte. Du hättest die zehn Jahre absitzen sollen, dachte ich kühl. Aber du musstest es ja so weit kommen lassen.

Ein Schrei brachte mich wieder ins Hier und Jetzt zurück. Wie es aussah, waren wir in einem Garten gelandet. Die Hauseigentümerin, eine ältere Dame, war eindeutig ziemlich entsetzt über die zwei Furien, die auf ihrem Rasen ein Gemetzel veranstaltet hatten.

Seufzend setzte ich mich auf die Hacken. »Na los, rufen Sie schon die Polizei. Dann geht’s Ihnen besser.« Die Gesetzeshüter würden natürlich niemals Hand an mich legen. Don war viel zu einflussreich.

Außerdem würden bald Tate und die Jungs hier eintreffen, und Bones bestimmt auch. Er brauchte keinen Peilsender, um mich aufzuspüren; er konnte mich wittern.

Die Frau stammelte etwas, das wie »Mörderin« klang, verschwand im Haus und schlug die Tür hinter sich zu. Augenblicke später hörte ich sie die Polizei rufen.

Ich blieb neben Belinda auf dem Rasen sitzen und nickte höflich ein paar Nachbarn zu, die aus ihren Häusern gekommen waren, um ebenfalls nachzusehen, was da vor sich ging. Auch sie liefen schließlich in ihre Häuser, um einen Notruf zu tätigen. Nicht einmal drei Minuten waren vergangen, da kam Bones in rasendem Tempo angesaust. Als er mich sah, wurde er langsamer und ging die letzten paar Meter bis zu mir schließlich im Schritttempo.

»Alles in Ordnung, Süße?«

Ich nickte. »Ein paar Kratzer und Blutergüsse, nichts weiter. Was ist mit dem Vampir, hinter dem du her warst?«

Er kniete sich neben mich. »Trifft sich gerade mit Belinda in der Hölle, würde ich meinen.«

Schön. Einer war uns zwar entkommen, aber die drei anderen hatten es nicht geschafft, und die Gefährlichste von allen dorrte gerade in der späten Nachmittagssonne vor sich hin.

»Zachary?«

Bones schüttelte den Kopf. Ich sog tief die Luft ein und wünschte mir, Belinda noch einmal erstechen zu können, um sie für seinen Tod büßen zu lassen.

4

Der andere Vampir war uns entwischt. Dave gab sich die Schuld daran, weil er es, abgelenkt durch Belindas Angriff auf Zachary, versäumt hatte, ihn in der Kapsel zu fixieren, was Belinda mit ihrer Aktion schließlich bezweckt hatte. Zachary war verblutet, als Bones hinter dem letzten Vampir her gewesen war. Er war zu spät eingetroffen und hatte Zachary nicht mehr helfen können. Zudem hatte Zachary eine Art Patientenverfügung hinterlegt, in der er eine Wiedererweckung in Form eines wie auch immer gearteten übermenschlichen Wesens im Falle seines Ablebens ausschloss. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als seinen Wunsch zu respektieren und ihn zu Grabe zu tragen.

Ethan war, wie sich herausstellte, eine Waise, was die Tatsache erklärte, dass seine Eltern keinen Protest gegen die Rolle erhoben hatten, die er als mein »Sohn« bei dem Einsatz gespielt hatte. Ich nahm Don das Versprechen ab, weder ihn noch irgendein anderes Kind je wieder bei einem so riskanten Auftrag mitwirken zu lassen und den Jungen an eine gute Pflegefamilie zu vermitteln. Wenn Don eine geheime Regierungsbehörde zur Bekämpfung von Untoten leiten konnte, sollte das für ihn zu schaffen sein.

Für Tate kam schließlich Tag V. Wir waren vollzählig im Stützpunkt versammelt. Nur Annette fehlte, was aber daran lag, dass ihr Flug Verspätung hatte. Annette war die erste Vampirin, die Bones erschaffen hatte, und sie kam extra angereist, um uns bei Tates Verwandlung zur Hand zu gehen.

Das war meine Idee gewesen. Bones hatte kaum ein Wort mit Annette gesprochen, seit sie versucht hatte, mich mit unschönen Details aus seiner Vergangenheit zu vergraulen, aber mir war klar, dass ihm das angespannte Verhältnis zu ihr zu schaffen machte. Also schlug ich vor, sie könnte abwechselnd mit den anderen in der Zelle Wache halten, in der wir Tate nach seiner Verwandlung einschließen würden. Bis Tate gelernt hatte, mit seiner Blutgier umzugehen, ohne gleich dem Erstbesten an die Gurgel zu springen, konnte durchaus eine Woche vergehen, sodass ihm in jenen ersten Tagen kein Sterblicher beistehen konnte. Dave hatte sich bereits angeboten, aber eine dritte Person stellte eine zusätzliche Entlastung für Bones dar. Und Annette bekam ihre Chance, den Zwist mit Bones beizulegen. War ich nicht die geborene Diplomatin?

Im Augenblick allerdings war ich nervös. In einer halben Stunde würde Bones Tate umbringen, um ihn hinterher wieder zum Leben zu erwecken. Die Zeit zwischen Biss und Wiederauferstehung konnte eine oder auch mehrere Stunden betragen. Das große Ereignis sollte um acht Uhr abends gleich nach Sonnenuntergang stattfinden, weil Bones dann am stärksten war. Für einen Vampir war es ein Kraftakt, jemanden zu verwandeln, so hatte man mir zumindest erklärt. Ich erlebte das schließlich zum ersten Mal.

Natürlich hatte Don mehrere Videokameras aufstellen lassen. Sogar Elektroden waren an Tates Brust und Kopf angebracht worden, damit sein genauer Todeszeitpunkt festgestellt und die Gehirnaktivität überwacht werden konnte. Als Bones den ganzen technischen Schnickschnack sah, schüttelte er den Kopf und erkundigte sich bissig, ob das Ganze auch ins Internet übertragen würde. Don kümmerte es nicht. Er war fest entschlossen, so viel Informationen wie irgend möglich zu gewinnen. Skrupel waren ihm fremd.

Der Raum, in dem Tate auf seine Verwandlung wartete, ließ sich mit mehreren Titanschlössern verriegeln. Selbst einen martialisch anmutenden Behandlungstisch samt Titanfesseln gab es. Bones erklärte Don, dass er die Vorsichtsmaßnahmen übertrieben fand, aber Don fürchtete, Tate könnte ausrasten und Amok laufen. Der Betreffende lag unterdessen gefesselt auf dem Tisch, nur mit Shorts bekleidet, damit genug Platz für die Elektroden war. Schnell schlüpfte ich noch einmal in den Raum, um ihn ein letztes Mal als Menschen sehen zu können.

In einem Kühlschrank lagen Blutkonserven bereit, die Tate in der ersten Zeit ernähren sollten. Mein Blick wurde von Tates indigoblauen Augen gefangen genommen, als ich an den leicht gekippten Behandlungstisch trat. Ich veränderte den Kippwinkel so, dass Tate in eine aufrechte Position kam.

»Gott, Tate.« Meine Stimme war zittrig. »Bist du dir auch ganz sicher?«

Er versuchte ein Lächeln, das aber recht schwach ausfiel. »Mach nicht so ein entsetztes Gesicht, Cat. Man könnte meinen, du wärst der Todeskandidat, nicht ich.«

Ich legte ihm die Hand auf die Wange. Seine Haut war ebenso warm wie meine. Sie würde sich nie mehr so anfühlen. Tate seufzte und beugte den Kopf zu mir.

»Seltsam, wie das Leben so spielt, was?«, murmelte er. »Früher habe ich nicht mal an Vampire geglaubt. Jetzt will ich sogar einer werden und vertraue mich dazu auch noch meinem Lieblingsfeind an. Ironie des Schicksals, hm?«

»Du musst das nicht tun, Tate. Wenn du es dir anders überlegt hast, blasen wir die ganze Sache ab.«