Betörende Dunkelheit - Jeaniene Frost - E-Book

Betörende Dunkelheit E-Book

Jeaniene Frost

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Beschreibung

Cat und Bones sind auch im 7. Roman ein unwiderstehliches Paar!

Ein abtrünniger CIA-Agent treibt im Geheimen einen skrupellosen Plan voran. Nur die ehemalige Vampirjägerin Cat und ihr vampirischer Ehemann Bones können noch verhindern, dass es zum offenen Krieg zwischen Menschen und Untoten kommt. Doch jedes Geheimnis, das sie aufdecken, bringt sie und ihre Freunde in noch größere Gefahr. Denn es gibt Schicksale, die schlimmer sind als der Tod. Sollten Cat und Bones versagen, wäre ein kaltes Grab für die Ewigkeit noch ihr geringstes Problem …

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Buch

Ein abtrünniger CIA-Agent treibt im Geheimen einen bösen, skrupellosen Plan voran. Nur die ehemalige Vampirjägerin Cat und ihr vampirischer Ehemann Bones können noch verhindern, dass es zum offenen Krieg zwischen Menschen und Untoten kommt. Doch jedes gefährliche Geheimnis, das sie aufdecken, bringt sie und ihre Freunde in noch viel größere Gefahr. Denn in dieser Welt gibt es Schicksale, die um einiges schlimmer sind als der Tod. Sollte die Mission des ungleichen Ehepaars scheitern, wäre ein kaltes Grab für die Ewigkeit noch ihr geringstes Problem …

Bei Blanvalet von Jeaniene Frost lieferbar:

1. Blutrote Küsse

2. Kuss der Nacht

3. Gefährtin der Dämmerung

4. Der sanfte Hauch der Finsternis

5. Dunkle Sehnsucht

6. Verlockung der Nacht

7. Betörende Dunkelheit

Verführerisches Zwielicht

Beim Penhaligon Verlag von Jeaniene Frost lieferbar:

Die Geschichte von Spade und Denise: Nachtjägerin

Die Geschichte von Mencheres und Kira: Rubinroter Schatten

Die Geschichte von Vlad und Leila:

1. Dunkle Flammen der Leidenschaft

2. Im Feuer der Begierde

Jeaniene Frost

Betörende Dunkelheit

Roman

Aus dem Englischen

von Sandra Müller

Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel

»Up from the Grave« bei Avon, New York.

1. Auflage

Deutsche Erstausgabe Januar 2015

Copyright © der Originalausgabe 2014 by Jeaniene Frost

Published by arrangement with Avon,

an imprint of HarperCollins Publishers, LLC.

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2015 by

Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Umschlaggestaltung: www.buerosued.de

Umschlagabbildungen: Getty Images/Vetta/Coffee&Milk und

www.buerosued.de

Redaktion: Rainer Michael Rahn

HK Herstellung: sam

Satz: omnisatz GmbH, Berlin

ISBN: 978-3-641-13028-2

www.blanvalet.de

An die Fans der Night-Huntress-Reihe.

Danke, dass ihr Cat und Bones in euer Leben gelassen habt.

Dies ist für euch!

Prolog

Knirsch.

Das Geräusch war eine Erleichterung. Genau wie das plötzliche Erschlaffen der Gestalt unter ihr. Es war vorbei.

Sie sprang von dem Körper herunter, bevor er Flüssigkeit abzusondern begann, wie sie alle. Dann stand sie stramm, sorgfältig darauf bedacht, nicht direkt den alten Mann anzusehen, der sie hinter einer dicken Glasscheibe beobachtete. Er mochte es nicht, wenn sie ihm in die Augen blickte.

Der Mann schürzte die Lippen, als würde er über die Resultate ihres jüngsten Tests nachdenken. Kein Muskel bewegte sich, aber insgeheim lächelte sie über die Melodie, die er sich in Gedanken immer wieder vorsang. Ihre anderen Ausbilder sangen selten in Gedanken, aber er schon. Jedes Mal. Hätte es ihn nicht fuchsteufelswild gemacht, hätte sie ihm gesagt, dass sie das mochte, aber ihr Ausbilder konnte es nicht leiden, wenn jemand in seine Gedanken eindrang. Das hatte sie gleich mitbekommen, nachdem sie ihre Fähigkeit erhalten hatte, und so hatte sie nie etwas gesagt.

»Sieben Sekunden«, sagte er schließlich mit einem Blick nach unten auf die Leiche. »Diese Probanden stellen keine Herausforderung mehr für dich dar.«

Er klang zufrieden, aber sie lächelte trotzdem nicht. Das Zeigen von Emotionen löste zu viele Fragen aus, und sie wollte an ihre Lehrbücher zurück.

»Es ist Zeit, zur nächsten Phase überzugehen«, fuhr der Mann fort.

Die Worte schienen an sie gerichtet zu sein, aber eigentlich sprach er zu dem Mann hinter der verspiegelten Glasscheibe zwanzig Meter über ihm. Da sie nicht wissen sollte, dass er da war, nickte sie.

»Ich bin bereit.«

»Tatsächlich?«

So wie er das Wort betonte, würde dieser nächste Test nicht einfach werden, weshalb sie auch stutzte, als der Schacht über ihr sich öffnete und ein neuer Proband in die Arena stürzte. Er sah genauso aus wie die anderen, die sie neutralisiert hatte, aber als er aufsprang und sich ihr zuwandte, verstand sie. Ihr neuer Gegner hatte keinen Herzschlag.

»Was ist das?«, fragte sie, während ihr eigenes Herz schneller zu schlagen begann.

Auch ihr Gegner hatte eine Frage.

»Was zum Teufel ist das?«

»Neutralisiere ihn«, befahl ihr grauhaariger Ausbilder.

Sie verbarg ihre Enttäuschung. Wenn sie das hier schnell hinter sich brachte, würde sie vielleicht mit einer Antwort belohnt werden. Zumindest Informationen würde sie gewinnen, wenn sie dieses … Ding neutralisierte.

Ohne weiteres Zögern ging sie zum Angriff über, indem sie dem Wesen die Beine wegzog und ihm dann den Ellbogen in die Kehle rammte.

Knirsch.

Seine Knochen brachen mit dem üblichen Geräusch, aber statt zu erschlaffen, warf das Wesen sie ab und sprang in die Höhe, wobei es dem alten Mann einen ungläubigen Blick zuwarf.

»Was haben Sie getan?«

Während es sprach, sprang sein Hals wieder in die richtige Position zurück, ehe man mit der Wimper zucken konnte. Sie stutzte verwirrt. Was für eine Kreatur verfügte über solche Selbstheilungskräfte?

»Willst du leben?«, antwortete ihr Ausbilder dem Wesen kühl. »Dann musst du sie umbringen.«

Genau dieselben Worte hatte der Alte bereits an eine Menge Gegner vor diesem gerichtet, doch zum ersten Mal fühlten ihre Hände sich feucht an. Bei diesen ungeheuerlichen Selbstheilungskräften … War es da möglich, dass das Wesen gar nicht neutralisiert werden konnte?

Sie schaute kurz nach oben zu dem alten Mann und begegnete einen Augenblick lang seinem Blick, bevor sie wieder wegsah. Und da hatte sie auch schon ihre Antwort.

Das Wesen konnte getötet werden. Sie musste nur herausfinden, wie.

1

Ein Gespenst zu ignorieren ist viel schwieriger, als man gemeinhin denkt. Wände zum Beispiel sind kein Hindernis für sie, und so folgte mir der Geist, der sich vor meinem Haus herumgetrieben hatte, nach drinnen, als hätte ich ihn hereingebeten, obwohl ich ihm gerade die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte. Ärgerlich biss ich die Zähne zusammen, packte aber weiter meine Einkäufe aus, als hätte ich nichts bemerkt. Leider war das schnell erledigt. Als Vampirin, die mit einem Vampir verheiratet war, blieb meine Einkaufsliste recht übersichtlich.

»Das ist doch lächerlich. Du kannst mir nicht ewig aus dem Weg gehen, Cat«, murrte der Geist.

Ja, Geister können auch reden. Weshalb sie sogar noch schwieriger zu ignorieren sind. Dass der Geist mein Onkel war, machte die Sache natürlich auch nicht einfacher. Lebend, tot, untot … Verwandte schaffen es doch immer wieder, einem auf die Nerven zu gehen, ob man es will oder nicht.

Und natürlich konnte ich nicht anders, als ihm zu antworten, obwohl ich mir geschworen hatte, nicht mit ihm zu reden.

»Da wir ja beide nicht älter werden, kann ich das tatsächlich ewig so machen«, bemerkte ich kühl. »Oder zumindest bis du alles ausspuckst, was du über den Hurensohn weißt, der unser altes Team leitet.«

»Über Madigan wollte ich gerade mit dir reden«, verkündete mein Onkel.

Vor Überraschung und Misstrauen wurden meine Augen schmal. Monatelang hatte Onkel Don sich geweigert, auch nur das kleinste bisschen über meine neue Nemesis, Jason Madigan, preiszugeben. Don kannte den ehemaligen CIA-Mitarbeiter, der die taktische Einheit, für die ich einmal gearbeitet hatte, von früher, aber über die Einzelheiten hatte er sich bisher ausgeschwiegen, obwohl Madigan damit beinahe mich, meinen Mann und andere Unschuldige in den Tod geschickt hätte. Und jetzt wollte er reden? Da war doch was im Busch. Don war so pathologisch schweigsam, dass ich, erst vier Jahre nachdem ich angefangen hatte, für ihn zu arbeiten, dahintergekommen war, dass wir verwandt waren.

»Was?«, fragte ich ohne Umschweife.

Er zupfte an einer grauen Augenbraue, eine Angewohnheit, die er nicht einmal mit seinem irdischen Körper hatte ablegen können. Außerdem trug er wie üblich Anzug und Krawatte, obwohl er in einem Krankenhauskittel gestorben war. Ich hätte ja geglaubt, die Erinnerungen, die ich an Don hatte, würden mir diktieren, wie ich ihn sah, nur waren mir schon Hunderte anderer Geister begegnet. Im Jenseits gab es vielleicht keine Einkaufszentren, aber das Selbstbild, das man nach dem Tod noch von sich hatte, war so stark, dass Geister von anderen so gesehen werden wie sie sich selbst sehen. Im Leben war Don stets der Inbegriff des tadellos gepflegten Mittsechzigers und Bürokraten gewesen, und so sah er auch im Tod aus.

Selbst die Hartnäckigkeit in seinen anthrazitfarbenen Augen, die einzige körperliche Ähnlichkeit zwischen uns, hatte um nichts nachgelassen. Mein feuerrotes Haar und die bleiche Haut hatte ich von meinem Vater.

»Ich mache mir Sorgen um Tate, Juan, Dave und Cooper«, verkündete Don. »Sie sind in letzter Zeit nicht zu Hause gewesen, und wie du ja weißt, kann ich nicht in den Stützpunkt gelangen, um nachzusehen.«

Ich wies ihn nicht darauf hin, dass er selbst schuld daran war, dass Madigan wusste, wie man ein Gebäude geistersicher macht. Massenweise Marihuana, Knoblauch und brennender Salbei hielten einem selbst das stärkste Gespenst vom Leib. Und nachdem Madigan im Vorjahr beinahe von einem Geist getötet worden war, hatte er unsere alte Basis üppig mit besagten Kräutern ausgestattet.

»Wann hast du sie zuletzt gesehen?«

»Vor drei Wochen und vier Tagen«, antwortete er. Don mochte seine Charakterfehler haben, aber er war stets peinlich genau. »Wenn nur einer von ihnen so lange weg wäre, würde ich denken, er dürfte wohl auf einem Undercovereinsatz sein, aber alle vier?«

Ja, das war seltsam, sogar für Mitglieder einer Geheimabteilung des Heimatschutzes, die sich mit auffällig gewordenen Untoten befasste. Als ich noch Mitglied des Teams gewesen war, hatte meine längste verdeckte Ermittlung elf Tage gedauert. Kriminelle Vampire und Ghule frequentierten für gewöhnlich immer die gleichen Orte, wenn sie dumm genug waren, sich so danebenzubenehmen, dass sie die Aufmerksamkeit der Regierung erregten.

Aber ich wollte noch nicht vom Schlimmsten ausgehen. Als Geist konnte Don kein Telefon bedienen, ich allerdings schon.

Ich zog ein Handy aus der Küchenschublade und wählte Tates Nummer. Als ich nur seine Mailbox erreichte, legte ich auf. Wenn etwas passiert und Madigan dafür verantwortlich war, würde er auch Tates Nachrichten checken. Ich musste ihn ja nicht unbedingt mit der Nase darauf stoßen, dass ich herumschnüffelte.

»Geht nicht dran«, informierte ich Don. Dann legte ich das Handy weg und nahm ein zweites aus der Schublade, mit dem ich Juan anrief. Nach ein paar Pieptönen wies eine melodische, spanisch klingende Stimme mich an, eine Nachricht zu hinterlassen. Was ich nicht tat. Stattdessen legte ich wieder auf und griff mir das nächste Handy.

»Wie viele von denen hast du denn?«, murmelte der über meiner Schulter schwebende Don.

»Genug, um Madigan eine Migräne zu verpassen«, verkündete ich mit Genugtuung. »Auch wenn er die Anrufe verfolgt, wird er nicht rauskriegen, wo ich bin.«

Don warf mir nicht vor, ich wäre paranoid. Kaum hatte er den Job meines Onkels übernommen, hatte Madigan deutlich durchblicken lassen, dass er mich auf dem Kieker hatte. Warum, wusste ich nicht. Im Team war ich nicht mehr, und soweit Madigan wusste, war nichts Besonderes mehr an mir. Er hatte ja keine Ahnung, dass meine Verwandlung vom Halbvampir zum vollwertigen Blutsauger unerwartete Nebeneffekte zur Folge gehabt hatte.

Auch auf Daves Handy schaltete sich gleich die Mailbox ein. Bei Cooper genauso. Ich überlegte, ob ich es in den Büros der Männer versuchen sollte, aber die waren im Stützpunkt. Madigan hatte dort bestimmt alle Leitungen angezapft und würde mich aufspüren, da nutzte es auch nichts, dass ich die Signale der Wegwerfhandys umleiten ließ.

»Okay, jetzt mache ich mir auch Sorgen«, sagte ich schließlich. »Vielleicht ist es an der Zeit, mal auf einen kleinen Plausch bei Madigan vorbeizuschauen.«

»Spar dir die Mühe«, antwortete mein Onkel. »Er verlässt den Stützpunkt kaum.«

Das war mir auch neu und verstärkte meine Besorgnis noch.

»Also, wenn Bones heimkommt, überlegen wir uns, wie wir den Stützpunkt näher untersuchen können.«

Don warf mir einen nüchternen Blick zu. »Wenn Madigan ihnen tatsächlich etwas angetan hat, erwartet er, dass du auftauchst.«

Wieder presste ich die Kiefer zusammen. Und ob ich auftauchen würde. Tate, Dave, Juan und Cooper waren nicht nur Soldaten, an deren Seite ich jahrelang gekämpft hatte, als ich noch Mitglied des Teams gewesen war. Sie waren auch meine Freunde. War Madigan verantwortlich dafür, dass ihnen etwas zugestoßen war, würde es ihm bald leidtun.

»Na ja, Bones und ich hatten ein paar relativ ruhige Monate. Da können wir wohl mal wieder ein bisschen Aufregung brauchen.«

Mein Kater Helsing sprang von meinem Schoß, als sich die Atmosphäre mit winzigen Energieströmen auflud. Emotionen kribbelten durch meine Nervenbahnen. Nicht meine eigenen, aber sie waren mir beinahe ebenso vertraut. Augenblicke später hörte ich das Knirschen von Reifen auf Schnee. Als die Autotür geschlossen wurde, war Helsing schon an der Tür, sein langer schwarzer Schwanz zuckte vor Erregung.

Ich blieb, wo ich war. Mussten ja nicht zwei Kätzchen an der Tür bereitstehen. Zusammen mit einem eisigen Windstoß kam mein Mann, Bones, herein. Er war voller Schnee, sodass er aussah wie mit Puderzucker bestäubt. Er stampfte mit den Füßen auf, um die Flocken von seinen Stiefeln abzuschütteln, sodass Helsing mit einem Fauchen die Flucht ergriff.

»Er ist eindeutig der Meinung, du solltest ihn erst streicheln und dich dann um den Schnee kümmern«, sagte ich.

Augen, so dunkel, dass sie fast schwarz waren, erwiderten meinen Blick. Und sofort verwandelte sich meine Erheiterung in sehnsüchtiges Schmachten. Bones’ Wangen waren gerötet, und das betonte noch seine makellose Haut, die fein geschnittenen Züge und sinnlich vollen Lippen. Dann zog er den Mantel aus, unter dem ein indigoblaues Hemd zutage kam, das sich über seine Muskeln spannte. Seine schwarze Jeans saß an genau den richtigen Stellen eng, sodass sein straffer Bauch, die muskulösen Schenkel und, als er sich umdrehte, um seinen Mantel aufzuhängen, ein Hinterteil, das als Kunstwerk hätte durchgehen können, voll zur Geltung kamen. Als er sich wieder mir zuwandte, hatte sein leises Lächeln sich in ein wissendes Grinsen verwandelt. Wieder rasten Emotionen durch mein Nervensystem, während sein Duft – eine üppige Mischung aus Gewürzen, Moschus und karamellisiertem Zucker – den Raum erfüllte.

»Hast du mich vermisst, Kätzchen?«

Ich hatte keine Ahnung, wie er es schaffte, die Frage unanständig klingen zu lassen, aber es gelang ihm. Ich hätte durchaus gesagt, es lag an seinem britischen Akzent, aber seine besten Freunde waren ebenfalls Briten, und deren Stimmen ließen mein Innerstes nie zu Wackelpudding werden.

»Ja«, antwortete ich, stand auf und ging zu ihm.

Er beobachtete mich, regte sich nicht, während ich die Hände an seinem Körper aufwärts gleiten ließ und sie in seinem Nacken verschränkte. Ich musste mich dazu auf die Zehenspitzen stellen, aber das war okay. Ich zog ihn enger an mich, und als ich seinen festen Körper spürte, war das fast so berauschend wie das wirbelnde Verlangen, das sich um meine Emotionen kräuselte. Ich fand es herrlich, dass ich seine Gefühle spüren konnte, als wären es meine eigenen. Wäre mir gleich klar gewesen, dass das einer der Vorteile des Lebens als vollwertiger Vampir war, hätte ich meinen Halblut-Status vielleicht schon Jahre zuvor aufgegeben. Irgendwann senkte Bones den Kopf, doch bevor seine Lippen meine streiften, drehte ich mich weg.

»Erst wenn du mir sagst, dass du mich auch vermisst hast«, neckte ich ihn.

Zur Antwort hob er mich hoch und hielt mich mit Leichtigkeit fest, als ich mich aus Spaß zur Wehr setzte. Ich spürte glattes Leder im Rücken, als er mich auf der Couch absetzte; sein Körper bildete eine Barrikade, die ich nicht einreißen wollte. Hände legten sich um mein Gesicht und hielten es eifersüchtig fest, während seine Augen grün wurden und seine Zähne sich zu Fängen formten.

Nun kamen auch meine Reißzähne hervor und pressten sich gegen meine vor Erregung geöffneten Lippen. Bones senkte den Kopf, streifte meine Lippen aber nur ganz leicht und zärtlich mit seinem Mund, bevor er leise lachte.

»Hinhaltespielchen kenne ich auch, Schatz.«

Jetzt begann ich mich wirklich zu wehren, woraufhin sein Lachen nur tiefer wurde. Ich hatte schon so viele Typen auf dem Gewissen, dass man mir unter den Untoten den Spitznamen Gevatterin Tod verpasst hatte, doch auch bevor Bones zu seinen ungeheuren neuen Fähigkeiten gekommen war, hatte ich ihm nie das Wasser reichen können. All mein Sträuben führte nur dazu, dass unsere Körper sich auf äußerst erotische Weise aneinanderrieben – weshalb ich auch weitermachte.

Der Reißverschluss meines Sweatshirts öffnete sich bis ganz nach unten, ohne dass Bones’ Hände sich von meinem Kopf wegbewegt hätten. An meiner Kleidung übte er meistens seine neu erworbenen telekinetischen Fähigkeiten. Dann öffnete sich der Vorderverschluss meines BHs, sodass der größte Teil meiner Brüste sichtbar wurde. Sein Lachen verwandelte sich in ein Knurren, das ein herrliches Prickeln durch meinen Körper jagte. Als jedoch die Knöpfe seines dunkelblauen Hemdes aufsprangen, erinnerte mich die Farbe an Tates Augen und die Neuigkeit, die ich Bones beibringen musste.

»Da tut sich was«, keuchte ich.

Bones’ weiße Zähne blitzten auf, bevor er den Mund auf meine Brust senkte. »Ziemlich klischeehaft, aber doch wahr.«

Meine primitiven Instinkte wisperten, dass wir das Gespräch auch noch eine Stunde verschieben konnten, aber die Sorge um meine Freunde war stärker. Ich riss mich zusammen, griff in Bones’ dunkelbraune Locken und zog seinen Kopf hoch.

»Ich mein’s ernst. Don ist vorbeigekommen und hat verstörende Informationen geliefert.«

Es schien einen Augenblick zu dauern, bis die Worte zu Bones durchdrangen, aber dann zog er die Brauen hoch. »Nach all der Zeit hat er dir endlich verraten, was er über Madigan weiß?«

»Hat er nicht«, sagte ich kopfschüttelnd. »Er wollte mir sagen, dass er Tate und die anderen seit drei Wochen nicht gesehen hat. Ich habe versucht, sie auf dem Handy anzurufen und nur ihre Mailbox drangekriegt. Das hat mich wohl davon abgelenkt, Don über seine Vergangenheit mit Madigan auszuquetschen.«

Bones schnaubte, und der kurze Luftstoß landete in der sensiblen Vertiefung zwischen meinen Brüsten. »Hat er sich wohl gedacht, der alte Fuchs. War bestimmt auch kein Zufall, dass er dir das erzählt hat, als ich nicht da war.«

Nun, da die Sorge um meine Freunde nicht mehr ganz so übermächtig war, glaubte ich auch nicht mehr so recht an einen Zufall. Don trieb sich bereits lange genug in der Nähe unseres Hauses herum, um zu wissen, dass Bones jeden Tag ein paar Stunden fortging, um Nahrung zu suchen. Da ich einen anderen Diätplan hatte, begleitete ich ihn dabei nicht. Im Stillen fluchte ich. Ich wollte nach wie vor unbedingt wissen, ob es meinen Freunden gut ging, aber ebenso dringend wollte ich erfahren, was Don über Madigan wusste. Es musste eine Riesensache sein, wenn mein Onkel selbst dann noch schwieg, wenn es bedeutete, dass zwischen uns monatelang Funkstille herrschte. Ich war schließlich nicht nur die einzige Verwandte, die Don noch hatte; als Vampirin war ich auch eine der wenigen Kreaturen, die Don in seiner neuen Gestalt als Gespenst überhaupt sehen konnten.

»Wir kümmern uns später um meinen Onkel«, sagte ich und schob Bones mit einem Seufzer weg. »Erst mal müssen wir rauskriegen, wie wir in meinen alten Stützpunkt eindringen können, ohne beide in einer vampirsicheren Arrestzelle zu landen.«

2

Während meiner Arbeit für die Regierung hatte ich das Sicherheitssystem selbst ausgearbeitet, das unsere Operationsbasis schützte. Nicht genug, dass das Gebäude ein alter CIA-Bunker war, von dessen fünf Stockwerken vier unter der Erde lagen. Es gab auch Sensoren, die das Gebiet anderthalb Kilometer weit in jede Richtung überwachten, und zwar in wirklich jede Richtung. Hätten ein paar Ratten zu dicht an einer der unterirdischen Etagen gebuddelt, hätten sie mehrere Alarmsignale ausgelöst.

Und Madigan war sogar noch paranoider als ich. Deshalb befanden Bones und ich uns auch etwa sechs Kilometer entfernt von dem Gebäude und betrachteten es von einem hohen Baum aus durch Feldstecher. Von außen wirkte es wie irgendein Privatflugplatz kurz vor der Schließung. Drinnen arbeitete eine der hartgesottensten taktischen Einheiten des Landes, ganz zu schweigen von den vielen Geheiminformationen, die hier lagerten. Der Normalbürger hatte ja keine Ahnung, dass er den Planeten mit Untoten teilte, und dabei wollte die Regierung es auch belassen.

Meistens fand ich, dass dieser Grundsatz der seligen Unwissenheit eine gute Sache war. Heute allerdings verkomplizierte er die Dinge.

»Mal Klartext, wir haben nur einen Versuch«, sagte ich, und nahm meinen Feldstecher herunter. »Don meint, Madigan kommt so bald nicht raus, stürmen können wir das Gebäude nicht, ohne Unschuldige zu töten, und unbemerkt reinschleichen geht auch nicht.«

Bones stieß ein Schnauben aus. »Also, willst du klingeln?«

Ich schenkte ihm einen gleichmütigen Blick. »Ganz genau.«

Bones zog kurz die dunklen Augenbrauen hoch und zuckte dann mit den Schultern. »Dann haben wir wenigstens das Überraschungsmoment auf unserer Seite.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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