Im Feuer der Begierde - Jeaniene Frost - E-Book

Im Feuer der Begierde E-Book

Jeaniene Frost

4,8
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Beschreibung

Den Prinzen der Finsternis zu lieben ist eine tödliche Leidenschaft

Leilas übernatürliche Fähigkeiten haben sie verlassen. Und als sei das nicht schlimm genug, erwidert der Vampir Vlad ihre Liebe offenbar nicht mehr. Da gerät Leila auch noch in das Fadenkreuz eines Killers und sie muss sich entscheiden. Vertraut sie dem Vampir, der ihre Leidenschaft wie kein anderer entfacht, sie aber kaum noch wahrzunehmen scheint? Oder akzeptiert sie die Hilfe eines dunklen Ritters, dessen grausame Vergangenheit ihn nicht loslässt, und der keine größere Sehnsucht kennt, als für Leila mehr zu sein als nur ein Freund. Welche Wahl sie auch trifft – ein falscher Schritt bedeutet für Leila ewige Verdammnis.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 453




Jeaniene Frost

Im Feuer

der Begierde

Roman

Deutsch von Sandra Müller

Die Originalausgabe erschien 2013

unter dem Titel »Twice Tempted«

bei Avon, New York.

Erste Auflage

Copyright © der Originalausgabe 2013 by Jeaniene Frost

© der deutschsprachigen Ausgabe 2013 by

Penhaligon Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Lektorat: Holger Kappel

Redaktion: Rainer Michael Rahn

Satz: omnisatz GmbH, Berlin

ISBN 978-3-641-11119-9

www.penhaligon.de

Für Tage, Kimberly, Candace und Carol

– für all das, was ihr tut,

und weil ihr einfach großartige Frauen seid.

Prolog

Es war nicht das erste Mal, dass ich in Gefangenschaft erwachte. Auch nicht das zweite. Ich musste unbedingt meinen Lebenswandel überdenken.

Aus Erfahrung wusste ich, dass ich nicht die Augen aufreißen oder den Atemrhythmus ändern durfte. Ich peilte also die Lage, während ich vorgab, noch ohnmächtig zu sein. Kopfschmerzen, keine Überraschung, aber so weit ging es mir ganz gut. Meine Arme waren hinter dem Rücken gefesselt. Das dicke Material, in dem meine Hände steckten, waren Handschuhe, das enge um meine Fußknöchel Fesseln. Störender war der Knebel im Mund, selbstredend.

Nach meiner physischen Lage checkte ich meine Umgebung. Das Geschaukel musste von Wellen herrühren, was bedeutete, dass ich mich auf einem Schiff befand. Dem Klang der Stimmen nach hielten sich ein paar der Typen, die mich gefangen genommen hatten, an Deck auf, einer war allerdings bei mir. Er sagte zwar kein Wort, doch durch Jahre des Zusammenlebens mit einem Vampir hatte ich Übung darin, die kaum hörbaren Laute wahrzunehmen, die sie von sich gaben.

Als ich die Augen öffnete, fiel mein Blick direkt auf den schwarzhaarigen Vampir mir gegenüber. Ein Blinzeln war das einzige Zeichen der Verwunderung, das er erkennen ließ.

»Hätte nicht gedacht, dass du schon so bald wieder zu dir kommst«, sagte er gedehnt.

Ich senkte den Blick zu dem Knebel, den ich im Mund hatte, und zog die Brauen hoch.

Er verstand die stumme Botschaft. »Muss ich dir erst sagen, dass Schreien zwecklos ist?«

Ich verdrehte die Augen. Hatten wir heute Anfängertag? Er lächelte, bevor er sich vom Bett erhob. »Dachte ich’s mir doch.«

In der kurzen Zeit, die er brauchte, um den Raum zu durchqueren und meinen Knebel zu lösen, versuchte ich mir, so gut es ging, ein Bild von ihm zu machen. Der Vampir sah etwa so alt aus wie ich, doch seiner narbenfreien Haut, den kurzen Haaren, dem glatt rasierten Gesicht und seiner durchschnittlichen Statur nach zu urteilen, konnte er höchstens hundert Vampirjahre alt sein. Ältere Blutsauger hatten meist vernarbte Gesichter und keinen Sinn für trendige Haarschnitte. Am verräterischsten aber war sein Blick. In den Augen wirklich alter Vampire lag so eine Art … Gewicht, als hätten die vielen Jahrhunderte eine greifbare Schwere hinterlassen. Meinem namenlosen Kerkermeister fehlte diese Besonderheit, und wenn ich Glück hatte, auch allen anderen auf diesem Schiff.

Junge Vampire waren leichter umzulegen.

»Wasser«, sagte ich, als er mir den Knebel entfernt hatte. Durch ihn und das Barbiturat, das man mir verabreicht hatte, war mein Mund so trocken, dass meine Zunge sich anfühlte wie eine zusammengeknüllte Socke.

Der Vampir verschwand und kam mit einer Dose Cola zurück. Ich schluckte gierig, als er sie mir an die Lippen hielt, was zur Folge hatte, dass ich am Ende einen herzhaften Rülpser hören ließ. Wenn mein Bewacher ihn direkt ins Gesicht bekam, war das nicht meine Schuld. Ich war gefesselt.

»Reizend«, meinte der Vampir trocken.

»Der Sinn für Artigkeiten ist mir abhandengekommen, als ihr meinen Freund mit flüssigem Silber beschossen habt«, antwortete ich mit ruhiger Stimme. »Und wo wir gerade dabei sind: Ich will ihn sehen.«

Die Lippen des Vampirs zuckten. »Du bist nicht in der Position, Forderungen zu stellen, aber ja, er ist noch am Leben.«

»Du willst mich also nicht zu ihm bringen, schön«, antwortete ich einer Eingebung folgend. »Ich nehme an, du weißt, dass ich per Berührung Visionen empfangen kann, also nimm mir die Handschuhe ab, und lass mich dich anfassen. Dann weiß ich, ob du die Wahrheit sagst.«

Der Vampir lachte in sich hinein, während ein grelleres Grün sich in seinen torfmoosfarbigen Augen ausbreitete. »Mich anfassen? Meinst du nicht eher, deine tödliche Elektropeitsche einsetzen, um mich in Stücke zu hauen?«

Ich fuhr zusammen. Woher wusste er das? Die meisten Leute, die gesehen hatten, wie ich meine Macht einsetzte, waren tot.

»Genau aus dem Grund sind deine Gummihandschuhe mit Klebeband befestigt«, fuhr er unverdrossen fort. »Nur für den Fall.«

»Wie heißt du noch mal?«, erkundigte ich mich, froh, dass meine Stimme beiläufig klang.

Die vollen Lippen des Mannes verzogen sich zu einem noch breiteren Grinsen. »Nenn mich Hannibal.«

Ich erwiderte sein Lächeln. »Okay, Hannibal, was soll ich machen? Meine Fähigkeiten einsetzen, um einen Feind von dir aufzuspüren? Dir sagen, ob jemand dich hintergeht? Oder die Vergangenheit aus einem Gegenstand lesen?«

Hannibal lachte, und obwohl es nicht unbedingt eiskalt, sondern eher nach Dr. Evil klang, war es doch bedrohlich genug, um mir einen Schauer über den Rücken zu jagen.

»Ich will gar nichts von dir, Vögelchen. Ich bin nur der Botenjunge. Mich interessiert nicht mal, bei wem ich dich abliefern soll. Ich weiß nur, dass du lebend dreimal so viel wert bist wie tot, aber wenn du irgendwelche krummen Dinger abziehst, bringst du mir tot immer noch ordentlich Kohle ein.«

Mit einem fröhlichen Winken verließ Hannibal den Raum. Ich sagte nichts, ganz darauf konzentriert, einen Ausweg aus dieser Zwickmühle zu finden. Ich würde mich nicht bei irgendeinem Fiesling abliefern lassen. Ich würde eine Lösung finden, und wenn ich dabei draufging.

1

Vier Wochen zuvor

Ich stand unter einer Kaskade aus Flammen. Zinnober und Gold ergossen sich über mich, verfingen sich in meinem Haar, teilten sich in Rinnsale, die über meinen Körper rieselten, zwischen meinen Fingern hindurch, bevor sie zu meinen Füßen landeten. Die Flammen waren so dicht, dass ich nicht durch sie hindurchsehen konnte und meine Welt zu einer glühenden Arena aus Rotgold reduziert wurde. So eingehüllt, hätte ich eigentlich sterben müssen, doch ich war unversehrt. Nicht einmal Angst hatte ich. Stattdessen erfüllte mich ein Gefühl des Verlangens. Ich versuchte, eine der Flammen zu fassen zu kriegen, schaffte es aber nicht. Von Kopf bis Fuß hüllte mich das Feuer ein, und doch entzog es sich meinem Griff.

»Leila«, hörte ich eine Stimme, so leise, dass ich nicht wusste, wer da sprach. »Geh, bevor es zu spät ist.«

Der gesunde Menschenverstand drängte mich zu tun, was die namenlose Person sagte, aber ich wollte nicht. Auch die Flammen schienen nicht verschwinden zu wollen. Immer weiter strömten sie über mich hinweg, liebkosten mich, statt mich zu verbrennen. Na also, dachte ich trotzig. Sie wollten mir nichts anhaben.

»Leila«, sprach die Stimme erneut, eindringlicher diesmal. »Geh.«

»Nein«, antwortete ich, während ich abermals versuchte, die Flammen zu fassen zu bekommen. Wie zuvor glitten mir die gleißenden Bänder durch die Finger, doch diesmal verdunkelte sich ihr Strahlen. Als sie zu meinen Füßen landeten, sahen sie aus wie Teerschlieren. Dann löste sich die Kaskade über mir abrupt auf, sodass ich nackt und zitternd in der plötzlich eingetretenen, überwältigenden Schwärze stand.

Furcht ließ mein Innerstes zu Eis erstarren. Die Stimme hatte recht. Etwas Schreckliches würde geschehen …

Mir blieb keine Zeit wegzulaufen, bevor das Feuer wieder die Finsternis erhellte. Statt sich sanft über mich zu ergießen, brandete es jetzt von allen Seiten auf mich ein. Schmerz verzehrte mich, während die Flammen mich mit all ihrer vernichtenden Macht attackierten, jeden Flecken meines Leibes, den sie trafen, verkohlten und versengten.

»Warum?«, schrie ich, und nur das Gefühl des Verrats war noch schlimmer als die Schmerzen, die ich spürte.

»Ich habe dich gewarnt«, antwortete die mir unbekannte Stimme hinter der Feuerwand. »Du wolltest ja nicht hören.«

Dann waren da nur noch meine eigenen Schreie, während das Feuer mich gnadenlos weiter verzehrte.

»Nein!«

In meiner Vorstellung schrie ich das Wort leiderfüllt aus mir heraus; in Wirklichkeit kam es als Flüstern über meine Lippen. Aber so wurde ich wenigstens wach und fuhr entsetzt hoch, bevor mir klar wurde, dass Bettlaken und nicht Flammen mich einhüllten. Das einzige Feuer, das ich sah, brannte sicher im Kamin an der gegenüberliegenden Wand.

Ich musste ein paarmal tief durchatmen, um den Alptraum abzuschütteln, der mir noch in den Knochen steckte. Kurz darauf verfiel mein wild pochendes Herz wieder in seinen normalen Rhythmus. Zu meinem Leidwesen sah ich, dass ich allein im Bett lag. Jetzt würde ich zwar nicht zugeben müssen, dass ich schon wieder diesen Alptraum gehabt hatte, aber die Tatsache, dass ich immer häufiger allein schlafen ging und genauso wieder aufwachte, war mir auch nicht recht.

Wäre ich abergläubisch gewesen, hätte ich mich voller Sorge gefragt, ob der wiederkehrende Traum ein Omen war, aber wenn ich warnende Vorzeichen empfing, dann nicht als vage Metaphern im Schlaf. Ich hatte solche Gesichte gehabt, doch sie waren als gnadenloses Erleben mit allen damit verbundenen Sinneseindrücken gekommen. Allerdings blieben sie seit Wochen aus. Lange hatte ich die Fähigkeit, solche Gesichte durch eine einzige Berührung zu erhalten, verwünscht, doch jetzt, da ich meine Visionen gebraucht hätte, wollten sich keine mehr einstellen.

Der Gedanke scheuchte mich aus dem Bett. Ich schwang die Beine über die Matratze und stieg von dem Podest herunter, das das große, mit Draperien verhangene Lager noch beeindruckender wirken ließ. Schnurstracks steuerte ich auf den Kamin zu und kniete mich davor hin. Im Laufe der Nacht war das Feuer fast erloschen, doch die zusammengefallenen Scheite glommen noch. Ich schob das Gitter beiseite, hielt einen Augenblick lang meine Hand über eines der Scheite und stieß sie dann ohne zu zögern in das bröckelnde Holz.

Der stechende Schmerz, der folgte, ließ mich vor Erleichterung aufkeuchen, bevor mir klar wurde, dass er nur von einem Finger ausging. Der Rest meiner Hand schien völlig heil zu sein, obwohl er bis zum Gelenk in der heißen Glut steckte. Um sicherzugehen, wartete ich noch ein paar Augenblicke ab, bevor ich die Hand wieder zurückzog. Bis auf einen aus meinem Zeigefinger ragenden Splitter und eine zehn Jahre alte Narbe war meine Hand unversehrt, kein Härchen versengt.

Verdammt. Sechs Wochen waren vergangen, und es hatte immer noch nicht nachgelassen.

Manche Frauen wurden von ihren Liebhabern mit Geschlechtskrankheiten angesteckt. Das war noch harmlos im Vergleich zu dem, womit meiner mich infiziert hatte – eine Immunität gegen Feuer, die unerklärlicherweise meine Fähigkeit untergrub, per Berührung Visionen zu empfangen. Eine große Überraschung hätte das eigentlich nicht sein sollen. Mein Verhältnis mit dem inoffiziellen Fürsten der Finsternis konnte ja nicht folgenlos bleiben.

Ich zog mir den Splitter heraus und saugte an meinem Finger, obwohl ich einer der wenigen Bewohner dieses Hauses war, dem der Geschmack von Blut nicht zusagte. Dann kramte ich herum, bis ich ein großes Männershirt aus kaschmirweichem Stoff fand. Vermutlich hatte es mehr gekostet, als ich auf dem Rummel in einem Monat verdiente, war aber gleichgültig zu Boden geworfen worden. Ich sah nie jemanden das Zimmer reinigen, aber es war auch nie schmutzig. Die Bediensteten warteten wohl wie Ninjas darauf, dass ich ausging, damit sie alles makellos säubern konnten.

Lange würden sie sich nicht mehr gedulden müssen. Ich musste mal pinkeln, und trotz des ganzen Pomps im Schlafzimmer meines Geliebten fehlte im Bad die Toilette. Als jahrhundertealter Vampir brauchte er keine.

Ich zog mir das Shirt über, das ich vom Boden aufgelesen hatte. Es war lang genug, um mein Tanktop und das Höschen zu überdecken, obwohl ich eigentlich nie jemandem begegnete, wenn ich aus diesem Zimmer in das offiziell mir gehörende schlich. Der Salon, der die beiden Gemächer verband, wurde nur von meinem Geliebten und mir benutzt. Die Privatsphäre und Eleganz machten den schmachvollen Gang zumindest ein wenig erträglicher.

In meiner Suite – einer in helleren Tönen gehaltenen und kleineren Ausgabe des mitternachtsgrünen Mahagoniprunksaales, den ich gerade verlassen hatte – eilte ich sofort ins Bad.

»Licht an«, sagte ich und fügte ein »Dimmen« hinzu, als die abrupt eintretende Helligkeit mich die Augen zukneifen ließ.

Ein sanfter bernsteinfarbener Schein ergoss sich über cremeweißen Marmor und betonte die goldenen und selleriegrünen Adern, die ihn durchzogen. In der Glasdusche von der Größe eines Kompaktwagens und über dem Waschtisch ging das Licht an. Als ich all den Luxus zum ersten Mal gesehen hatte, war ich vor Ehrfurcht erstarrt. Jetzt maulte ich leise vor mich hin, als ich auf die diskret abgeschirmte Ecke zueilte.

»Jeden Morgen fünfzig Meter rennen, bloß weil er keine Toilette in sein Badezimmer einbauen lässt. Gibt ja schließlich jeden Abend mehr Geld für das Dinner aus, das er nicht anrührt.«

Im Grunde wusste ich, dass mein Gemecker nur meine Kränkung über die Tatsache verbergen sollte, dass ich immer öfter allein schlief; doch meine Blase krampfte sich so schmerzhaft zusammen, als wollte sie sich auch beschweren. Als ich mich erleichtert hatte, stieg ich in die Dusche, bemüht, alles nur mit der linken Hand anzufassen. Die elektrische Spannung, die von mir ausging, war im Augenblick zwar nicht ganz so stark, aber ich wollte trotzdem nicht riskieren, einen Kurzschluss auszulösen.

Nachdem ich mich geduscht und angezogen hatte, stieg ich die vier Treppen in die Prunketage hinab. Am Fuß der Treppe erstreckte sich ein Gang mit himmelhohen Decken, Steinsäulen, antiken Schilden und prächtigen Fresken. Nur der Wintergarten sorgte dafür, dass das Ganze nicht wirkte wie Bill Gates’ gruseliges Ferienhaus.

Am Ende des Ganges stand mein häufig abwesender Geliebter Vlad. Ja, der Vlad, doch die wenigsten machten den Fehler, ihn Dracula zu nennen. Die Farbe seines dunklen Haares entsprach der des Stoppelbartes, der sein Kinn etwas dichter als ein Schatten bedeckte. Geschwungene Brauen bildeten den Rahmen für Augen von einer Farbe zwischen Kupfer und Smaragdgrün, und weich fallender Stoff umschmeichelte einen Körper, gestählt durch Jahrzehnte der Schlacht, als er noch ein Mensch gewesen war. Lediglich seine Hände und das Gesicht waren wie üblich unbedeckt. Der Rest von ihm steckte in Stiefeln, schwarzen Hosen und einem rauchgrauen, bis zum Hals zugeknöpften Hemd. Anders als die meisten gut gebauten Männer zeigte Vlad nicht viel Haut, doch die maßgeschneiderte Kleidung schmeichelte seinem wohlgeformten Körper nicht weniger als Laufshorts und ein ärmelloses Shirt.

Als ich den Mantel über seinem Arm sah, wurden meine lustvollen Betrachtungen jäh unterbrochen. Während ich geschlafen hatte, war Vlad nicht nur ins Bett und wieder hinaus geschlüpft; er wollte sich auch noch ohne ein Wort aus dem Staub machen.

Mal wieder.

Kennen Sie das, wenn Sie genau wissen, dass Sie etwas nicht tun sollten … und es dann doch machen? Die telepathischen Kräfte, die mir abhandengekommen waren, brauchte ich nicht, um mir darüber im Klaren zu sein, dass es komplett verkehrt war, auf ihn zuzustürmen und ihn anzufahren: »Wo willst du hin?« Aber genau das tat ich.

Vlad hatte gerade mit seinem Stellvertreter Maximus gesprochen, einem blonden Vampir, der aussah wie ein leibhaftiger rachdurstiger Wikinger. Auf meine Frage hin wandten sich mir zwei Augenpaare zu, ein graues und bemüht neutral dreinschauendes, das andere kupfrig grün und sardonisch blickend. Ich fuhr zusammen und wünschte mir, ich könnte die Frage zurücknehmen. Wann hatte ich mich eigentlich in so eine nervige Klette verwandelt?

Genau in dem Augenblick, als der Grund für Vlads Interesse an dir sich in Wohlgefallen aufgelöst hat, mokierte sich meine fiese innere Stimme.

Sofort begann ich, mir in Gedanken That’s the Way von KC and the Sunshine Band vorzusingen. Vlad war nicht nur ein ungeheuer mächtiger Vampir, dessen Lebensgeschichte den Stoff für den weltweit bekanntesten Roman über die Untoten abgegeben hatte, er konnte auch menschliche Gedanken lesen. Meistens.

Er verzog die Lippen. »Vielleicht fängst du ja wenigstens irgendwann an, Wunschtitel zu spielen, wenn du mich aus deinem Kopf fernhalten willst.«

Hätte ich ihn nicht gekannt, wäre mir die Ironie in seinem Tonfall entgangen, die seinen subtilen Akzent verstärkte und seiner kultivierten Stimme einen zornigen Beiklang verlieh. Er würde wohl nie dem Vampir vergeben, der mich gelehrt hatte, ihn aus meinen Gedanken zu verbannen.

»Es gibt Leute, die das Lied für einen Klassiker halten«, antwortete ich, während ich mich für die Gedanken schalt, die er gehört hatte, bevor ich es verhindern konnte.

»Was nur mal wieder beweist, dass die Welt voller Idioten ist.«

»Und du hast meine Frage nicht beantwortet«, gab ich zurück.

Vlad schlüpfte in seinen Mantel, noch immer mit diesem leisen Lächeln im Gesicht. »Das war kein Zufall.«

Meine Hand prickelte, als meine körpereigene Elektrizität in sie hineinschoss. Dank eines Unfalls mit einer abgerissenen Hochspannungsleitung gab mein gesamter Körper Elektrizität ab, doch meine rechte Hand war der Hauptleiter. Bekam ich mein Temperament nicht in den Griff, würde sie womöglich Funken sprühen.

»Wenn du mich das nächste Mal loswerden willst, mach es wie moderne Männer.« Meine Stimme war rauer als Sandpapier. »Sag was Ausweichendes, etwa, du hättest noch was zu erledigen. Klingt höflicher.«

Vlads kupfrige Augen färbten sich leuchtend grün, der sichtbare Beweis, dass er kein Mensch war. »Ich bin kein moderner Mann.«

Natürlich nicht, aber würde es ihn umbringen, sich ein bisschen weniger kompliziert, provozierend und rätselhaft zu geben? Zumindest ab und an?

Maximus warf mir einen Blick zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder Vlad zuwandte. »Bei deiner Rückkehr wird alles vorbereitet sein«, verkündete er, verneigte sich und ging.

Was soll das nun wieder heißen?, lag es mir auf der Zunge, aber ich würde sowieso keine Antwort kriegen. Was nicht hieß, dass ich die Angelegenheit auf sich würde beruhen lassen. Ich hatte genug davon, mich zu fragen, was seine immer häufigere Abwesenheit für unsere Beziehung bedeutete. Falls seine Gefühle für mich sich durch meine fehlende Hellsichtigkeit gewandelt hatten, musste er es mir sagen. Ich hörte lange genug auf, im Kopf vor mich hinzusingen, um ihm einen Gedanken zu schicken: Wenn du wiederkommst, müssen wir reden.

Diesmal lächelte er so breit, dass seine Zähne sichtbar wurden. Seine Fänge waren nicht ausgefahren, doch sein Grinsen lag trotzdem noch irgendwo zwischen Lover und Raubtier.

»Ich freue mich schon.«

Und damit war die Stelle leer, an der er eben noch gestanden hatte. Nur die sich schließenden gewaltigen Flügeltüren des Haupteingangs ließen erkennen, wohin er entschwunden war. Vampire konnten sich nicht in Luft auflösen, doch einige Meister besaßen die Fähigkeit, sich so schnell zu bewegen, dass es den Anschein erweckte.

Ich seufzte. In den vergangenen Monaten war meine Beziehung zu Vlad so leidenschaftlich und aufwühlend gewesen wie im Kino. Blieb nur zu hoffen, dass Hollywood, was das Schicksal der Frau, die sich in den berüchtigten Fürsten der Finsternis verliebte, nicht recht behielt.

Der Gedanke war deprimierend, aber ich wollte nicht herumsitzen und vor mich hinbrüten. Stattdessen würde ich mich der bewährtesten und wirkungsvollsten aller fraulichen Ablenkungsstrategien hingeben.

Ich sauste ins Zimmer meiner Schwester hinauf. »Aufwachen, Gretchen!«, rief ich durch die Tür. »Wir gehen shoppen.«

2

»Das ist das Einzige, was ich in Rumänien bisher nicht total beschissen finde«, verkündete meine Schwester, als sie einen Stapel Klamotten vor der Kassiererin ablud.

Ich schloss die Augen und wusste nicht, bei wem ich mich zuerst entschuldigen sollte: bei der Kassiererin wegen Gretchens Bemerkung über ihr Land, oder bei Maximus, der jetzt noch mehr Taschen herumschleppen musste als das halbe Dutzend, das er ohnehin schon zu tragen hatte. Das passierte eben, wenn man meiner Schwester eine fremde Kreditkarte in die Hand drückte. Vlad folgte der festen Regel, alle Ausgaben seiner Gäste selbst zu übernehmen.

Was er vielleicht noch mal überdenken würde, wenn die Rechnung kam. Meine Versuche, Gretchen zu mehr Sparsamkeit zu bewegen, waren auch fehlgeschlagen. Sie hatte lediglich aufgehört, die Sachen anzuprobieren, bevor sie sie kaufte.

»Ich bin müde. Wir sollten gehen«, versuchte ich es mit einer anderen Taktik.

Gretchens blaue Augen wurden schmal. »Auf keinen Fall. Ich bin jetzt schon seit Wochen in der Festung deines Geliebten kaserniert, obwohl sein Blutsaugerfeind bestimmt längst tot ist, sonst hätten Marty und Dad nicht gehen dürfen.«

Ich ließ davon ab, sie darauf hinzuweisen, dass unser Vater und mein bester Freund Marty auch weniger leichtsinnig waren als sie. Die Chancen standen zwar gering, doch falls Vlads Erzfeind Szilagyi doch überlebt hatte, war Gretchen hier sicherer aufgehoben. Sie konnte sich ums Verrecken nicht unauffällig benehmen, wie sie gerade wieder bewiesen hatte. Der Kassiererin zugewandt, zwang ich mich zu einem Lächeln und zog Gretchen am Ärmel zu mir heran.

»Kein Wort über Du-weißt-schon-was in der Öffentlichkeit«, zischte ich.

»Warum?«, schoss sie in gleicher Lautstärke zurück. »Die halbe Stadt weiß, dass es Vampire gibt, weil Vlad das Kaff gehört und er etliche der Einwohner als Blutsnacks benutzt. Und den Übrigen kann Maximus eine Gehirnwäsche verpassen, damit sie vergessen, was sie nicht eh schon wissen.«

Ich gaffte die Kassiererin aus großen Augen an. Sie machte eine abwehrende Handbewegung in Richtung des blonden Vampirs und sagte etwas auf Rumänisch.

»Keine Sorge, sie gehört zu Vlads Anhängern«, fasste er für mich zusammen. Dann landete der Blick seiner sturmgrauen Augen auf Gretchen. »Du musst dich diskreter verhalten, sonst bist du die Nächste, die ich hypnotisiere.«

»Das würdest du nie tun«, fuhr sie ihn an.

Maximus richtete sich zu seiner vollen Größe von einem Meter fünfundneunzig auf, als wäre sein muskelstrotzender Körper nicht so schon eindrucksvoll genug. »Ich habe weit Schlimmeres getan, um meinen Fürsten zu schützen.«

Ich hatte immer noch Lust, Gretchen eine zu kleben, aber niemand – nicht mal ein Freund wie Maximus – durfte sich erlauben, meiner kleinen Schwester Angst einzujagen.

»Sie hat’s kapiert«, sagte ich kühl. »Und falls nicht, regle ich das.«

Maximus warf Gretchen einen Blick zu, schüttelte kaum merklich den Kopf und machte dann eine tiefe Verneigung vor mir.

»Wie du wünschst.«

Mir schoss die Röte in die Wangen. Sehr zu meinem Leidwesen verneigten sich Vlads Sippenmitglieder vor mir, seiner Geliebten, ebenso wie vor ihm. »Lass, bitte, ich kann das nicht leiden.«

Ein ganz leises Lächeln spielte um Maximus’ Mundwinkel, als er sich aufrichtete. »Ach ja, ich vergaß.«

Und während sein Blick dem meinen für einen Sekundenbruchteil begegnete, sah ich darin den Mann, der versucht hatte, meine Liebe zu gewinnen, als ich als unfreiwilliger Flüchtling bei Vlad eingetroffen war. Dann senkte sich wieder der vertraute Schleier über Maximus’ Augen, und er war wieder ganz mein professionell höflicher Bodyguard.

»Ihr habt noch eine Stunde, wenn ihr weiter einkaufen wollt. Dann müssen wir zurück.«

»Warum?«, kam ich Gretchen zuvor.

»Weil ihr euch für Vlads Dinnergäste zurechtmachen müsst. Ihr wollt doch nicht zu spät kommen.«

Diesmal war Gretchen schneller. »Dinnergäste? Wer? Warum hat niemand was gesagt?«

»Dir wurde nichts gesagt, weil deine Anwesenheit nicht unbedingt erforderlich ist«, antwortete Maximus. Dann schenkte er mir ein mattes Lächeln. »Dir erzähle ich es erst jetzt, weil du offensichtlich andere Dinge im Kopf hattest.«

Verlegenheit und Resignation stiegen in mir auf. Wusste denn jeder, dass Vlad und ich Beziehungsprobleme hatten? Na klar, beantwortete ich meine eigene Frage. Bei dem feinen Gehör, das die Untoten hatten, wusste vermutlich auch jeder, dass Vlad und ich die ganze Woche nicht miteinander im Bett gewesen waren, weil ich meine Tage hatte.

Ich seufzte. »Dann muss ich mir wohl doch noch was kaufen.« Wir waren zwar schon in etlichen Geschäften gewesen, aber ich hatte mir bisher alle Ausgaben verkniffen, weil ich nicht auch noch zu der horrenden Rechnung beitragen wollte, die Gretchen uns eingehandelt hatte.

Ein Ausdruck, den ich nicht benennen konnte, huschte über Maximus’ Gesicht. »Das ist nicht nötig. Vlad hat bereits etwas für dich bereitgelegt.«

Erst haute er einfach ab, ohne mir zu sagen, wohin. Dann lud er unerwartet Gäste ein, und jetzt wählte er auch noch meine Garderobe für mich aus. Meine Augen wurden schmal. Was hatte Vlad vor?

»Du willst mir nicht zufällig einen kleinen Tipp geben, was vor sich geht?«, wandte ich mich an Maximus.

Sein Lächeln geriet ein wenig zu schmallippig. »Wie gesagt, ich habe bereits weit Schlimmeres getan, um meinen Fürsten zu schützen.«

Ein Blick auf die bereitliegende Robe sagte mir, dass bei dem geplanten Abendessen nicht einfach nur ein paar alte Freunde vorbeikommen wollten. Es handelte sich um ein Etuikleid aus schwarzem Samt mit kurzer Schleppe und einem tiefen, dicht mit winzigen schwarzen Steinchen besetzten Ausschnitt. Schwarze Pumps und passend bestickte ellbogenlange schwarze Handschuhe – selbstverständlich mit isolierendem Gummi gefüttert – machten das verführerisch extravagante Ensemble komplett. Ich probierte es an und war nicht überrascht, dass es mir passte, als wäre es mir auf den Leib geschneidert worden. Selbst ein richtiges Dekolleté hatte ich darin – was bei meinen kleinen Brüsten schon außergewöhnlich war.

Es war das schönste Kleid, das ich je getragen hatte, doch ich hätte es und jedes andere teure Geschenk, das Vlad mir je gemacht hatte, eingetauscht, wenn ich dadurch die wachsende Kluft zwischen uns hätte schließen können. Ich strich über den weichen Stoff und wünschte mir meine medialen Fähigkeiten zurück, damit ich hätte erfahren können, ob Vlad mit dem Kleid sein kühles Verhalten der letzten Zeit wiedergutmachen oder einfach nur dafür sorgen wollte, dass ich am Abend einen guten Eindruck hinterließ. Vlad war beides zuzutrauen.

Auch darüber musste ich später mit ihm reden, egal, was dabei herauskam. Mich aufzubrezeln war das Letzte, was ich jetzt wollte, aber offensichtlich handelte es sich hier um einen formellen Anlass. Am Ende meiner kosmetischen Bemühungen war mein normalerweise glattes schwarzes Haar zu dichten Locken geformt und mein Make-up zurückhaltend bis auf den dunkelroten Lippenstift, der einen hervorragenden Kontrast zu dem schwarzen Kleid und meiner winterblassen Haut bildete. Durch die vielen Jahre, die ich auf dem Rummel gearbeitet hatte, war ich eine Expertin im Aufhübschen. Auch die Narbe, die mir von der Schläfe bis zu den Fingern reichte, hatte ich gekonnt verdeckt. Eine glänzend schwarze Haarsträhne wellte sich über besagten Teil meines Gesichts und die rechte Schulter. Die Handschuhe hatte ich ganz hochgezogen, sodass nur wenige Zentimeter Haut an meinem Oberarm Zeugnis ablegten von dem Unfall, dem ich meine ungewöhnlichen Fähigkeiten verdankte.

Fähigkeiten, die Vlad außer Kraft gesetzt hatte, als er, um mich vor einer von Szilagyi ausgelösten Explosion zu schützen, in seine feuerabweisende Aura eingehüllt hatte. Vlads Erzfeind hatte geglaubt, er würde mich mit sich in den Untergang reißen, doch ich hatte das Inferno überlebt. Aber alles hatte eben seinen Preis, und das Schicksal ließ niemanden einfach so davonkommen.

Ich schüttelte den Kopf, um die Gedanken an die Vergangenheit zu vertreiben. Alles andere als festlich gestimmt, machte ich mich schließlich auf in die repräsentativen Räume.

Vlad wartete am Fuß der Treppe. Dank fehlender Farbakzente hätte sein schwarzer Smoking eigentlich zu streng wirken müssen, doch Vlad sah darin aus wie ein sinnlicher Todesengel. Als ich ihn ansah, erfasste mich ein unwillkürlicher Schauder. Kurz trat ein smaragdfarbenes Blitzen in seine Augen, und als er meine Hand nahm, spürte ich die Hitze seines Körpers durch meine Handschuhe hindurch. Normale Vampire hatten Raumtemperatur, aber nicht Vlad. Die pyrokinetische Gabe, die ihn unter seinesgleichen so gefürchtet machte, erhitzte auch seinen Körper stärker als den der meisten Sterblichen, wenn seine Fähigkeiten, sein Temperament oder seine Begierde sich meldeten.

»Du siehst umwerfend aus.« Seine leise knurrende Stimme verriet, welche Gefühle jetzt für seine erhöhte Körpertemperatur verantwortlich waren, und wieder überlief mich ein Schauder. Meine Gefühle für Vlad mochten von Zweifeln geprägt sein, doch für meinen Körper war alles klar. Ehe ich wusste, was ich tat, war ich bereits dicht an Vlad herangetreten, und meine Brustwarzen wurden steif, sobald seine Brust sie streifte. Als Vlads Mund über meinen Hals fuhr und seine dichten Bartstoppeln ganz herrlich meine Haut kratzten, spürte ich ein Ziehen in tiefer liegenden Körperregionen.

Vlad sog den Atem ein, und als er ihn wieder ausstieß, landete er wie ein gehauchter Kuss an meiner Halsschlagader. Dann schlossen sich seine Hände wundervoll heiß um meine Schultern. Mit einer schnellen Bewegung der Finger strich er mir das Haar beiseite, sodass mein Hals ganz entblößt war. Ich keuchte, als seine Lippen sich senkten und ein Paar harter, scharfer Reißzähne sich auf meine Haut pressten. Nur der Sex mit ihm konnte die dunkle Leidenschaft seines Kusses in den Schatten stellen, und in letzter Zeit hatte ich beides entbehren müssen. Ohne nachzudenken packte ich Vlads Kopf und zog ihn, beinahe zitternd vor Erwartung, enger an mich.

Etwas Unverständliches murmelnd, entzog Vlad sich mir, obwohl seine Augen noch immer smaragdgrün leuchteten.

»Nicht jetzt. Unsere Gäste warten.«

Mir doch egal!, war mein erster Gedanke, sofort gefolgt von: Was ist verkehrt an mir? Klar, man erwartete uns, und im Flur lungerten außerdem etliche Wachen herum. Ja, selbst ohne diese Hindernisse hätte ich ernsthafte Dinge mit Vlad zu besprechen gehabt. Die Befriedigung meiner Libido hätte das Letzte sein sollen, was ich jetzt im Kopf hatte.

»Stimmt«, sagte ich, ließ die Hände sinken und trat einen Schritt zurück. Ich sah Vlad nicht an, als ich mir das Haar wieder über die Schulter strich, um so viel wie möglich von meiner zickzackförmigen Narbe zu verbergen. Obwohl ich mich nicht dafür schämte, fand ich die mitleidvollen Blicke doch nervig, die die Leute mir zuwarfen, wenn sie sie zum ersten Mal sahen.

»Leila.«

Die Art, wie Vlad meinen Namen sagte, ließ mich ruckartig den Kopf heben. Seine Augen hatten wieder ihre glänzende mahagonibraune Färbung angenommen, und nur um die Iris herum zeigte sich ein natürlich grüner Ring.

»Versteck dich vor niemandem«, sagte er und strich mir das Haar wieder von der Schulter. »Nur Narren bemitleiden Überlebende wegen ihrer Narben, und vor Narren sollte man nie das Haupt senken.«

Dann streckte er mir die Hand entgegen, deren Haut ebenfalls von alten Kampfnarben wie von bleichen Strichen gezeichnet war. »Komm.«

Als ich seine Hand ergriff, musste ich mich gegen ein Gefühl wehren, das mir das Herz wie mit unsichtbaren Banden abschnürte. Stumm begann ich mir Lieder vorzusingen, um den gefährlichsten aller Gedanken zu verbergen, bevor er zu ihm durchdrang.

Das ist einer der Gründe, weshalb ich dich liebe. Du lässt dich von niemandem verbiegen.

Unglücklicherweise würde ebendieser Charakterzug uns womöglich entzweien.

3

Wie sich herausstellte, kannte ich einige unserer Gäste, obwohl auch eine Menge neuer Gesichter vertreten waren. Maximus saß neben Shrapnel, Vlads glatzköpfigem, kernigen zweiten Stellvertreter. Neben ihm Mencheres, der langhaarige ägyptische Vampir, den Vlad als seinen ehrenwerten Ahnherrn bezeichnete, ein Titel, den ich noch immer nicht recht einordnen konnte. Die schlanke Blondine an Mencheres’ Seite war seine Frau, Kira. Gretchen war auch anwesend, aber am anderen Ende der Tafel platziert worden; sie blickte angesäuert drein. Alle erhoben sich, als Vlad und ich eintraten, was das Szenario nur noch sonderbarer machte. Ich kam doch nicht zu spät, warum also waren alle schon da? Sollten die Gastgeber nicht die Gäste begrüßen, alle sich setzten, statt als Letzte aufzutauchen und von allen anderen zu erwarten, Gewehr bei Fuß zu stehen?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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