Gefangen in der Zwischenwelt - Andreas Parsberg - E-Book

Gefangen in der Zwischenwelt E-Book

Andreas Parsberg

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Beschreibung

Cedric Vogt hat das Spiel der Dämonen gewonnen. Der Preis war hoch, doch der Pakt scheint erfüllt, bis ein folgenschwerer Fehler alles verändert. Eine dritte Séance, eine Warnung, und das Spiel beginnt von Neuem. Diesmal nicht für ihn. Henri Vogt, Cedrics jüngerer Bruder, wird in einen uralten Konflikt hineingerissen, dessen Regeln grausamer sind als alles, was zuvor geschah. Ein Dämon aus vergessenen Zeiten, gebunden an schwarzes Wissen und verlorene Seelen, zieht ihn über die Grenzen von Raum, Zeit und Tod hinweg in sein perfides Spiel. Henri erwacht in einer Welt, in der Geschichte und Albtraum ineinanderfließen: auf den Decks eines englischen Kriegsschiffes im Jahr 1747, zwischen Kolonialkriegen, Verrat und dunkler Magie. Was als Kampf ums Überleben beginnt, wird zu einer Mission gegen das Unfassbare, gegen untote Diener, dämonische Jäger und eine Macht, die Seelen sammelt wie Schachfiguren. Während Henri versucht, das Spiel zu verstehen, gerät er tiefer in die Zwischenwelt, einen Ort jenseits des Jenseits, in dem Zeit bedeutungslos ist und der Tod kein Ende kennt. Jeder Fehler bindet ihn fester an den Dämon Djehuti, der mit jedem Schritt seinem Ziel näherkommt: dem ewigen Leben. Henri muss kämpfen, fliehen, opfern, und Entscheidungen treffen, die weit über sein eigenes Schicksal hinausgehen. Denn diesmal steht nicht nur sein Leben auf dem Spiel, sondern das Gleichgewicht zwischen den Welten. Ein atmosphärischer Fantasy-Roman voller finsterer Mächte, tödlicher Prüfungen und magischer Grenzbereiche. Mit Henri Vogt nimmt das Spiel der Dämonen eine neue Wendung, gefährlicher, persönlicher und gnadenloser als zuvor.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 346

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Andreas Parsberg

Gefangen in der Zwischenwelt

Das Spiel der Dämonen (Band 4)

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

1

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3

4

5

6

7

8

9

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Impressum neobooks

Prolog

Oberägypthen, Stadt Theben

Königspalast von Pharao Ahmose I.

1528 v. Chr.

„Wie geht es ihr, Hem-netjer-tepi-en-Amun?“, fragte Pharao Ahmose mit seiner kräftigen Stimme. Die geschminkten Augen des Herrschers waren zu schmalen Schlitzen zusammengezogen. Neben ihm saß seine Halbschwester Ahmose Nefertri, seine erste Gemahlin und Mutter der gemeinsamen Tochter Satamun, Prinzessin von Theben.

„Anch, Wedscha, Seneb“, antwortete Djehuti, Hohepriester des Amun. „Sie wird sterben, neb-pechti-Re.“

Tief neigte er sein Haupt und nahm eine unterwürfige Haltung an. Der Hohepriester war ein stattlicher Mann mit dichten Augenbrauen, markantem Gesicht und einem eckigen Kinn, als wäre es aus Stein gemeißelt.

Der Pharao atmete tief ein, seine erste Gemahlin stieß einen angsterfüllten Schrei aus. Der Herrscher wurde blass, seine Hand zitterte leicht, als hätte selbst seine Macht plötzlich keinen Halt mehr.

Satamun, die wunderschöne Prinzessin, lag seit Tagen im Fieber. Der mächtige Pharao hatte bereits seinen ältesten Sohn Ahmose-anch im Kindesalter verloren. Zu seinen weiteren Söhnen, Amenophis und Saamun, konnte der Pharao keine Gefühle aufbringen. Seine einzige Tochter war sein Herz, sein Augenstern und seine Liebe.

Satamun, Prinzessin von Theben, war gerade neunzehn Jahre alt.

Jeder am Nil kannte sie. Sie war zart und schön wie eine Blume. Mit ihren langen blauschwarzen Haaren und den leuchtenden grünen Augen glich sie einer Göttin, die man nur aus Liedern und Wandbildern kannte.

Nun lag sie im Sterben. Niemand fand eine Erklärung dafür. Das Fieber hatte plötzlich und stark eingesetzt. Eine gewöhnliche Infektion schlossen die Ärzte aus, und mit jeder Stunde wurde die Stille in den Fluren schwerer.

Der Pharao blinzelte eine Träne aus seinen Augen.

Er wollte keine Schwäche zeigen, nicht vor Djehuti, dem mächtigen Hohepriester des Amun. Die Priester aus Karnak hielten eine bedeutende wirtschaftliche und politische Macht in ihren Händen, und jede sichtbare Regung konnte zum Werkzeug werden.

Da stürzte eine Dienerin der Prinzessin in den Thronsaal.

„Neb-pechti-Re“, stammelte die Frau und sank vor dem mächtigen Herrscher auf die Knie. „Anch, Wedscha, Seneb.“

Der Pharao neigte huldvoll seinen Kopf, als Zeichen, dass die Dienerin sprechen durfte.

„Satamun, Prinzessin von Theben, ist tot!“

Die Frauen weinten. Sie liefen aufgeregt durch den Palast in Theben, als könnten sie den Schlag durch Bewegung abwehren.

Die Kunde vom Tod der schönen Satamun verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt. Die Menschen rieben sich als Zeichen ihrer Trauer die Gesichter mit Erde ein, und selbst Händler verstummten an den Ständen.

Im Palast wurde die tote Prinzessin in ein Meer aus Blumen gebettet. Der Pharao ließ die höchsten Priester aus den Tempelanlagen Karnak kommen. Seit Stunden murmelten sie geheimnisvolle Sprüche, und der Klang ihrer Stimmen legte sich wie Rauch unter die Decke.

Djehuti, der Hohepriester des Amun, beschwor die Geister des Jenseits, die vom Körper losgelöste Seele ungehindert auf ihrem Weg ins Reich der Götter ziehen zu lassen.

Nefertari, Halbschwester von Pharao Ahmose, war die Hohepriesterin des Gottes Month. Sie hielt die Statue eines schwarzen Falken in der Hand und flüsterte Gebete, die so alt klangen, als hätten sie schon die ersten Steine des Tempels gehört.

Chandranath, Hohepriester des Gottes Apophis, hielt eine silberne Schlange in der Hand und schlug jammernd mit dem Schmuckstück auf den Boden, als wolle er die Unterwelt selbst wachrütteln.

Nach den Beschwörungen wurde der Leichnam weggetragen.

Die Ärzte entfernten das Gehirn der Toten. Es wurde mit goldenen Haken aus der Nase gezogen. Mit scharfen Steinmessern öffneten sie anschließend die Bauchhöhle, entnahmen die Eingeweide und legten sie zusammen mit dem Gehirn in steinerne Krüge.

Dann begann die Waschung des leeren Körpers.

Bevor die Einsalzung des Leichnams begann, kam die heilige Stunde des Hohepriesters. Er sollte die tote Prinzessin in die Arme des Gottes Amun führen. Für diese Tätigkeit verlangte Djehuti, alleine mit dem Leichnam zu sein.

Die Totenfrauen zogen sich zurück.

Der gründlich gereinigte Körper des schlanken, zartgliedrigen Mädchens lag vor ihm. Die große Bauchwunde war mit einem duftgetränkten Leinentuch abgedeckt, doch selbst dieses Tuch konnte die Endgültigkeit nicht verstecken.

Das ausdrucksvolle Gesicht war lieblich, wie der Kopf einer Porzellanpuppe. Die kleine Nase, der schöngeschwungene Mund, die hohen, etwas hervorstehenden Backenknochen, die dem Gesicht einen unverwechselbaren, typischen Ausdruck verliehen. Alles wirkte so, als hätte ein Künstler dieses Antlitz geformt, und als hätte der Tod nur die Wärme daraus genommen, nicht die Form.

Djehuti atmete bei diesem Anblick tief ein. Niemand hätte ihm seine Erregung angemerkt. Er war mit der Prinzessin allein. Unwillkürlich wandte Djehuti den Kopf, blickte sich im Raum um und vergewisserte sich, dass sich außer ihm niemand in der Kammer befand.

Um seine Lippen zuckte es.

Er erlebte einen ersten Triumph!

Die Öllichter waren so aufgestellt, dass sie den weißen, makellosen Leib in matten Schein tauchten. Das unruhig flackernde Licht trug mit dazu bei, den Eindruck zu erwecken, als ob die Prinzessin nur schliefe und sanft atme, und genau dieser falsche Schein machte den Raum noch unheiliger.

Djehuti leckte über seine trockenen Lippen. Er fühlte eine innere Anspannung und Nervosität, als stünde er am Rand eines Abgrunds, den nur er sehen konnte. In seinen dunklen Augen glomm ein seltsames Licht, nicht warm, sondern hart, wie poliertes Metall.

Er öffnete die buntgefärbte Tasche, die er bereits sein gesamtes Leben beschützte. Hierin befand sich das Totenbuch des Gottes Seth, dass er für das geheimnisvolle magische Ritual benötigte. Er holte mehrere, etwa zehn Zentimeter hohe gläserne Gefäße heraus. Hierin befanden sich zerriebene Kräuter und Harze.

Dann begann er!

Er warf das aromatisch duftende Leinentuch einfach zur Seite und fing an, den toten Körper mit einer glasklaren Essenz einzureiben. Verschiedene wohlriechende Düfte verbreiteten sich in der Kammer. Über eine Stunde rieb Djehuti den Körper von innen und außen ein, wie man ein Tier einsalzt, dem man die Eingeweide herausgenommen hat. Es roch, als ob ein Dufthändler verschiedene Parfüme mischte. Seltene Harze und Öle fanden Verwendung, die normalerweise auch bei der Einbalsamierung verwendet wurden.

Aber die genaue Zusammenstellung der Essenzen kannte nur er, denn Djehuti besaß das Totenbuch von Seth. Sonst niemand!

Sorgfältig verschloss er wieder die Fläschchen und verstaute sie tief in seiner Tasche. Er nahm ein kleines, goldblitzendes Messer aus der Tasche und klappte es auf. Neben sich legte er das Totenbuch und murmelte leise die dort geschriebenen Worte, als würden sie allein durch Klang schon Türen öffnen.

„Seth, Gott der Kraft und Neuordnung, leite mich auf den fünf Schritten zur Ewigkeit. Lass Satamun, Tochter des Ahmose, meine Nummer eins sein. Halte und bewahre sie für mich im Zwischenreich, bis vier weitere reine Seelen gefolgt sind.“

Dann flüsterte er fremdklingende Worte, beschwor immer wieder den Gott Seth. Seine Gestalt wurde in ein helles Licht getaucht, und die Schatten der Öllichter schienen sich zu ducken.

Jetzt kam eine entscheidende Phase.

Er holte ein kleines Messer hervor, nahm die Hand der Toten, drehte sie herum und schnitt tief in die Haut über ihre Pulsadern. Dann ritzte er mit dem Messer die Kuppe seines Zeigefingers auf. Ein dicker, dunkler Blutstropfen quoll hervor. Er drückte den verletzten Finger auf die leere Pulsader der Prinzessin.

„Durch mein Blut entsteht ein magisches Band. Deine Seele wird mir im Zwischenreich als Sklavin dienen“, murmelte er mit dumpfer Stimme. Auf seiner hohen, glatten Stirn perlte der Schweiß. Seine großen, kräftigen Hände zitterten. Eine geheimnisvolle Spannkraft erfüllte ihn. „Du bist meine Nummer eins auf dem Weg zum ewigen Leben.“

Seine Stimme zitterte. „Dein Tod ist kein Abschluss! Über den körperlichen Tod hinaus, bis in alle Ewigkeit, wird das magische Band existieren.“

Er unterbrach sich und zuckte zusammen. War da nicht ein Geräusch gewesen? Er hielt den Atem an und lauschte. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Mit glühenden Augen blickte er sich um, und für einen Moment war selbst er wieder nur ein Mensch in einem Raum voller Totenluft.

Djehuti schluckte. Er hatte sich ablenken lassen. Ein leichtes Zittern lief durch den Körper der toten Prinzessin! Das Blut des Hohepriesters in ihren Adern gab ihr neue Lebensenergie, und der Schein der Öllichter wirkte plötzlich weniger wie Täuschung und mehr wie Vorzeichen.

„Satamun? Kannst du mich hören?“

Er beugte sich über die junge Frau. Ihre fast durchscheinenden Augenlider zitterten leicht wie Schmetterlingsflügel. Djehuti nahm die Prinzessin in die Arme und löste seinen blutenden Finger von der Öffnung ihrer Pulsader. Ihr Körper fühlte sich weich und geschmeidig an, und doch blieb er ein Körper, der eben noch tot gewesen war, ein Gefäß, das seine Stimme zurückbekam.

„Das magische Ritual ist abgeschlossen! Deine Seele wird mir im Zwischenreich als Sklavin dienen“, flüsterte der Hohepriester.

Satamun öffnete mit einem Mal ihre Augen! Ein leichtes Lächeln spielte um ihre roten Lippen. Der Hohepriester hielt ihren Oberkörper mit einer Hand gestützt, während er mit der anderen über ihre Wange strich, als wolle er prüfen, ob dies wirklich geschah.

„Schau mich an, Satamun! Präg dir mein Gesicht ein, nur so kann deine Seele mich als deinen Meister anerkennen. Kannst du mich sehen?“

Sein Herz schlug wie rasend. Die dunklen, feuchtglänzenden Augen der jungen Frau musterten ihn. Die Lippen der Prinzessin bewegten sich leicht. Wie ein Hauch erklang die Stimme der Satamun.

„Ja, ich sehe dich.“

Er riss sie an sich, drückte sie fest in seine Arme. Das Ritual war erfolgreich gewesen! Er vergaß seine Umgebung, vergaß die Regeln, vergaß die Welt außerhalb dieser Kammer.

Alles um ihn herum versank hinter einen düsteren Nebelschleier. Sein Körper wurde in einem Trancezustand versetzt. Mit leichten rhythmischen Bewegungen begann er zu tanzen, als würde er eine unsichtbare Macht feiern, die nun an ihm hing.

Er wähnte sich allein.

Aber das Geräusch vorhin, er hatte sich nicht getäuscht.

Da war jemand!

Nicht im Raum, aber in einem Geheimgang. Eine kleine Klappe öffnete sich und zwei unruhige Augen erschienen. Es war eine Dienerin der Prinzessin, die sich mit zitternder Hand übers Gesicht strich. Wie gelähmt von diesem schrecklichen Anblick, schloss sie sekundenlang die Augen, als könnte sie ihn aus der Welt blinzeln.

Die junge Dienerin stieß sich förmlich von der kühlen Wand ab und verließ eilig den geheimen Schacht. Sie stieg eine schmale Stiege hoch und verschloss die Öffnung wieder.

Dann rannte sie durch den Tempel und betrat die Gemächer von Ahmose Nefertri, der Gemahlin des Pharaos. Die Mutter der Prinzessin hörte der Dienerin aufmerksam zu und brachte so den Stein ins Rollen. Sie informierte den Pharao, der daraufhin mit drei kräftigen Soldaten der Palastwache zu der Kammer eilte, in der seine Tochter aufgebahrt war.

Sie stürmten in den Raum und überraschten den Hohepriester. Aber das unheimliche Ritual war bereits abgeschlossen!

Die Seele von Satamun befand sich bereits im Zwischenreich. Der Gang durch die Nebelwand ins Jenseits blieb ihr versperrt.

Der Hohepriester wirbelte lächelnd herum.

Die Leibgarde des Pharao stoppte schockiert, als sie erkannten, was vor ihnen geschah. Die Prinzessin saß mit aufgerichtetem Oberkörper auf dem altarähnlichen Aufbau. Es war ein seltsames und gespenstisches Bild, als hätte man eine Statue zum Leben gezwungen.

Satamun hatte die Augen geöffnet. Ihr langes blauschwarzes Haar schmiegte sich an ihr Gesicht, die Haarspitzen berührten die kleinen festen Brüste.

„Ahmose-Sat-Amun, Sitamun“, stammelte der Pharao mit belegter Stimme.

Eine Verstorbene, der bereits die Eingeweide zur Vorbereitung der Einbalsamierung herausgenommen waren, saß mit offenen und glänzenden Augen auf dem Totenplatz. Die Bauchöffnung klaffte weit auseinander. Das mit aromatischen Düften getränkte Leinentuch lag quer über den Schenkeln der Prinzessin.

Im Aufspringen ließ der Hohepriester die junge Frau los. Unsicher wankte sie nach hinten, fiel dann zurück und schlug schwer auf den Altartisch.

„Ihr seid zu spät, das Ritual ist vollzogen!“, rief der Hohepriester triumphierend. Seine Augen schossen glühende Blitze auf die Eindringlinge.

„Wie kannst du es wagen, dich an meiner Tochter zu vergreifen, du Sohn einer stinkenden Ziege?“

Die Stimme des Pharaos donnerte durch die Kammer. Satamun lag ausgestreckt auf dem Vorbereitungsaltar. Sie rührte sich nicht mehr.

„Du hast ihre Seele zerstört, ihre Reise ins Jenseits zum Totengericht ist gefährdet“, fauchte der Pharao hasserfüllt. „Möge Osiris deine Waagschale zerstören, Ammit dein Herz verschlingen. Mögest du für immer den Flammenstrahl der großen Feurigen verspüren. Haltet ihn fest, ich werde ihn selbst richten!“

Der Herrscher ließ seine Soldaten nach vorne stürmen. Djehuti ergriff seine wertvolle Tasche und sprang zur Seite. Die Dinge entwickelten sich genau in die Richtung, die er geplant hatte!

Er musste gewaltsam sterben, dann wurde er ein Diener des schwarzen Fürsten. Aus seiner Tasche holte er ein kleines Tongefäß. Der Hohepriester hatte aus alter Überlieferung eine Mixtur der heiligen Öle Setji-heb, Nekhenem und Tjehenu hergestellt. Er schüttete die Flüssigkeit über seine Hände und verwandelte sie in schwarzmagische Werkzeuge.

„Ergreift den Frevler!“, befahl der Pharao mit unerbittlicher Stimme.

Die drei Palastwachen umringten Djehuti. Sie erhoben die langen Schwerter und griffen ihn an. Blitzschnell tauchte der Hohepriester unter dem Schwert des ersten Soldaten durch und stieß den Mann zur Seite. Der Wächter schrie laut auf und flog zurück, als hätte ihn die Faust eines Titanen getroffen. Unter seinem ledernen Wams quoll in Höhe der Hüfte, dort wo ihn der Hohepriester mit seiner Hand getroffen hatte, dunkles Blut hervor. Die Mixtur aus dem Tongefäß verlieh den Händen von Djehuti übermenschliche Kräfte.

Der zweite Wächter griff blitzschnell an. Seine Schwertspitze bohrte sich in den rechten Oberschenkel des Hohepriesters. Der Getroffene wankte zurück. Der Soldat zog sein Schwert aus dem stark blutenden Bein, stand dann mit unbewegtem Gesicht vor ihm, die Waffe locker in der Hand haltend.

Plötzlich grinste ihn Djehuti mit einer grässlich verzogenen Fratze an. Seine rechte Hand schnellte nach vorne und krachte gegen den Brustkorb des Soldaten. Problemlos drangen seine Finger in den Körper des Mannes ein und suchten das schlagende Herz. Es knirschte und krachte, als er die Rippenknochen zerbrach. Alle standen wie erstarrt und wurden Zeugen eines ungeheuerlichen Vorgangs.

Der attackierte Wächter taumelte zurück. Ein Gurgeln drang aus seinem Mund! Der Pharao glaubte seinen Augen nicht zu trauen.

Welche Mächte waren hier am Wirken?

Woher nahm der Hohepriester diese unheimliche Kraft?

Der Herrscher konnte nichts von der schwarzmagischen Mixtur aus dem Tongefäß wissen.

Der dritte Soldat wurde im gleichen Moment aktiv. Sein Schwert bohrte sich in Djehutis anderes Bein. Der Hohepriester knickte ein und sank auf den Boden. Die Tasche entglitt seinen Fingern. Ein Grinsen erschien auf seinen Lippen. Er hatte mit schwarzer Magie das Herz eines anderen Menschen zerquetscht. Dem Opfer wurde der Weg ins Jenseits verwehrt bleiben! Der Fürst der Finsternis hatte einen neuen Diener erhalten.

Djehuti lächelte glücklich. Jetzt konnten sie ihn töten! Er war bereit. Sein neuer Meister würde ihn mit offenen Armen empfangen.

Der dritte Soldat schlug mit der flachen Seite seiner Schwertklinge gegen die Stirn des Hohepriesters, der sofort bewusstlos auf den Boden kippte. Der Pharao trat näher und starrte auf den reglosen Körper, als wollte er sich vergewissern, dass das Grauen nicht doch wieder aufstand.

In der Zwischenzeit betraten weitere Priester die Totenkammer. Sie verbeugten sich vor ihrem Herrscher. Der Pharao blickte die Geistlichen streng an, er traute keinem mehr.

„Gebt mit einen Dolch“, befahl Ahmose und streckte fordernd seine Hand aus. „Seine sterbliche Hülle darf die Zeit nicht überdauern.“

Ein alter Mann trat hervor und verbeugte sich tief. „Anch, Wedscha, Seneb“, stammelte er und reichte dem Herrscher einen kleinen silbernen Dolch. Der Pharao nahm die Waffe, schloss seine Augen und sprach Gebete. Während seiner Worte öffnete er mit der scharfen Klinge die Halsschlagader von Djehuti. Der Hohepriester lebte noch, sein starkes Herz pumpte gleichmäßig das Blut durch die Halswunde aus seinem Körper. Sein Körper erzitterte ein letztes Mal, bevor er starb.

„Gebt mir den heiligen Stein!“, befahl der Pharao.

Ein Priester öffnete eine kleine Holztruhe und holte einen goldgestreiften Mineralstein hervor. Der Pharao legte das Tigerauge, den magischen Stein der Ahmosiden, auf die Stirn des toten Hohepriesters.

„Dein Ba soll niemals den Weg zurück in deinen Körper finden! Der Weg zum Totengericht des Osiris soll dir verwehrt bleiben. Du sollst ziellos durch die Finsternis wandern!“

Während der heiligen Worte des Pharaos leuchtete der Mineralstein hell auf, erzeugte Hitze und brannte ein Loch in die Stirn des toten Hohepriesters.

Wortlos stand der Herrscher auf und gab das Tigerauge dem Priester zurück, der den Mineralstein zurück in die Holztruhe legte.

„Verbrennt seinen Körper und zerstreut die Asche in der Wüste“, befahl der Pharao. Die Priester verneigten sich unterwürfig.

Als der nächste Morgen graute, war der Leichnam des Hohepriesters verschwunden. Was genau geschehen war, konnte keiner berichten.

Man hatte seinen toten Körper geraubt!

Der Pharao tobte vor Zorn und warf drei Priester seinen hungrigen Krokodilen zum Fraß vor. Aber die wahren Schuldigen konnten nicht gefunden werden. Der Leichnam von Djehuti blieb verschwunden.

Ungeachtet dieser Dinge kümmerten sich die Priester um die tote Prinzessin. Was bei der Mumifizierung begonnen hatte, musste nun beim Bestattungsritual zu Ende geführt werden: Die Seelen Ka und Ba sollten in den Körper der Verstorbenen zurückkehren, damit sie ihre Reise in die Unterwelt antreten konnte. Mit einem Schiff brachten die Angehörigen die Mumie nach Deir el-Bahari. Die altägyptische Grabanlage lag nördlich von Theben. Einer Legende nach wurde hier der Totengott Osiris begraben. Durch die Nähe des Gottes sollte sich die Verstorbene mit ihm identifizieren und, wie Osiris, wieder von den Toten auferstehen.

Am Tag der Bestattung legte man den Sarkophag der Prinzessin auf einen großen Schlitten, der von Ochsen gezogen wurde. Hinter dem Schlitten folgte der Zug der trauernden Angehörigen. Die Priester von Karnak begleiteten den Sarkophag mit Gesängen und Gebeten, deren Rhythmus sich wie ein dunkler Atem über den Weg legte. Ein weiterer Schlitten mit einem großen Kasten, in dem die Eingeweide in ihren Kanopen lagen, folgte den Trauernden. Zum Schluss kamen die Träger mit den Totenbeigaben, Schritt für Schritt, als trügen sie das Gewicht der Welt.

Am Grab angekommen, stellte man die Mumie in eine senkrechte Position. Es folgten Reinigungen, Räucherungen und Opferungen. Mit einem Stab berührte der Pharao den Mund seiner Tochter, damit diese wieder sprechen, essen und trinken konnte. Mit seinen Fingern streichelte er über Augen, Nase und Ohren, damit sie wieder sehen, hören und riechen konnte.

Ein anschließendes Stieropfer sollte für das leibliche Wohl der Prinzessin sorgen. Duftende Salböle, mit denen die Priester die Mumie einrieben, sollten ihr Herz erfreuen, und Weihrauchopfer sie näher zu den Göttern bringen. Der Rauch stieg in langen, zögernden Fäden auf, als würde er den Himmel prüfen, ob er die Last annehmen wollte.

Den Sarkophag mit der Mumie, und die persönlichen Gegenstände der Verstorbenen, trug man nun ins Grab, das anschließend verschlossen und versiegelt wurde.

Keiner ahnte, dass der gestohlene Leichnam von Djehuti nur wenige Meter von der Prinzessin, ebenfalls in Deir el-Bahari, vergraben lag.

Die Seele von Satamun befand sich bereits im Zwischenreich, der von Zeit und Raum unabhängigen Welt. Hier musste sie warten, bis sie Gnade vor den Göttern fand.

Der mächtige Gott Seth hatte im Buch der Toten den Weg beschrieben, wie eine Seele das Zwischenreich ohne Zustimmung der Götter wieder verlassen kann.

Djehuti, ehemaliger Hohepriester des Amun, wollte diesen Weg gehen. Durch fünf Schritte konnte er das ewige Leben erhalten!

Generationen kamen und gingen.

Neue Herrscher und Reiche etablierten sich, Weltreiche gingen unter.

Niemand sprach mehr von den Vorgängen der Vergangenheit.

Es war eine Epoche gewesen, die kaum Aufmerksamkeit in den Geschichtsbüchern gefunden hatte.

Eine neue Zeitrechnung begann.

Es vergingen 3466 Jahre!

Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V.

Deutsches Reich, Berlin

September 1938

Hans Schleif, SS-Obersturmbannführer und Leiter der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V., blickte von seinem massiven Schreibtisch auf, als es an der Tür klopfte. Das Geräusch hallte kurz im Raum nach, gedämpft von schweren Vorhängen und dicken Wänden.

Ein kräftig gebauter Soldat der Waffen-SS trat ein und schlug die Hacken zusammen.

„Heil Hitler“, grüßte er mit fester Stimme.

„Ähh, ja, Heil auch“, antwortete Schleif etwas fahrig, ohne aufzustehen.

„Die angeforderte Lieferung aus Wien ist eingetroffen!“

„Danke, Soldat. Weggetreten!“

Als sich die Tür hinter dem Mann schloss, spürte Hans Schleif, wie sein Herzschlag sich beschleunigte. Seine Handflächen wurden feucht, ein nervöses Zucken lief über seine Augenlider.

„Endlich!“, hauchte er leise und erhob sich von seinem Stuhl.

Hans Schleif war ein bedeutender deutscher Architekt, Bauforscher und klassischer Archäologe. Er war der erste Inhaber des speziell für Bauforscher vergebenen Reisestipendiums des Deutschen Archäologischen Instituts gewesen. An zahlreichen Ausgrabungen hatte er teilgenommen, unter anderem im Heraion von Samos unter der Leitung von Ernst Buschor, an dessen Forschungen er bis 1936 beteiligt gewesen war.

Doch wirklich fasziniert hatten ihn die Grabungen bei Theben, die er gemeinsam mit Hermann Grapow durchgeführt hatte. Dort, in der sengenden Hitze Ägyptens, war in ihm eine Obsession erwacht, die ihn nie wieder losließ.

Unter der Schirmherrschaft von Heinrich Himmler standen ihm erhebliche Geldmittel zur Verfügung. Sie ermöglichten es ihm, von der ägyptischen Regierung einen vermeintlich unbedeutenden Sarkophag zu erwerben, ein Objekt, das offiziell kaum Beachtung gefunden hatte.

Er musste dem Reichsführer-SS Ergebnisse präsentieren. Beweise. Sensationen. Etwas, das den ideologischen Anspruch des Ahnenerbes rechtfertigte.

Deshalb war Hans Schleif in diesem Moment stark erregt, als endlich jener Sarkophag in Berlin eingetroffen war, auf den er so lange gewartet hatte. Ohne zu zögern, verließ er sein Büro, eilte durch die Gänge und stieg in die Kellerräume hinab, wo er schließlich vor einem mächtigen, steinernen Koloss stehen blieb.

Die Wachmannschaft der SS schickte er mit einer knappen Handbewegung aus dem Raum. Zurück blieb er allein mit seinem engsten Mitarbeiter, Friedrich Wilhelm von Bissing.

Gemeinsam schritten sie langsam um die Lieferung herum und betrachteten die seltsamen Zeichen und uralten Symbole, die sich über die Oberfläche zogen. Hans Schleif klopfte mit den Knöcheln gegen den kastenförmigen, länglichen Gegenstand. Der Klang war dumpf, hohl, fremd. Eine dicke Staubschicht bedeckte die äußere Hülle.

„Lass uns beginnen“, bestimmte Hans Schleif.

Sein Mitarbeiter nickte zustimmend.

Gemeinsam befreiten sie den Sarkophag von Schmutz und Dreck. Staub wirbelte auf, setzte sich auf Kleidung und Haare. Schließlich fanden sie eine geeignete Stelle, an der sie den Flaschenzug befestigen konnten. Langsam, knirschend, wurde der oberste Deckel emporgehoben.

Der Blick war frei auf den inneren Sarg. Mit einer kleinen Bürste fegten sie vorsichtig die Aufschrift frei. In altägyptischen Hieroglyphen stand geschrieben:

Djehuti – Ḏḥwty – Neb-pechti-Re

„Er ist es!“, rief Hans Schleif erregt.

„Ja! Das muss Djehuti sein“, antwortete Bissing ehrfürchtig. „Die Überlieferungen sind wahr, er wurde in der Cachette von Deir el-Bahari beigesetzt.“

Hans Schleif zog Schraubenzieher und Hammer hervor und legte seine Staublampe auf einen Kistenstapel zu seiner Linken. Er machte sich an die Arbeit, versuchte von mehreren Seiten, den schweren Deckel anzuheben. Doch vergebens.

Als Bissing sich bückte, um den Flaschenzug an den Deckelkanten neu zu befestigen, stieß er plötzlich gegen den schräg gestellten Sarkophag.

Er begann zu rutschen.

Dann folgte ein Schlag, als wäre eine Bombe explodiert. Der unterirdische Kellerraum dröhnte, der Boden bebte, eine gewaltige Staubwolke wurde aufgewirbelt. Die beiden Männer mussten heftig husten, rangen nach Luft.

Hans Schleif war wie von einer Peitsche getroffen zur Seite gesprungen. Das war sein Glück gewesen. Es hätte nicht viel gefehlt, und der schwere Sarkophag wäre auf seine Füße gefallen. Staub legte sich wie eine graue Haut auf ihre Uniformen.

Plötzlich erklangen merkwürdige Geräusche.

Es schepperte im Sarkophag. Der Deckel bewegte sich.

Durch die Seitenwand lief ein langer, dünner Riss, doch der massive Komplex blieb erhalten. Langsam senkte sich der Staub, die Luft wurde klarer.

Wilhelm von Bissing zuckte bedauernd die Schultern und wollte etwas sagen, unterließ es dann jedoch. Stattdessen schob und drückte er erneut am Deckel herum. Hans Schleif setzte den Schraubenzieher in einen schmalen Schlitz.

Nun konnte er den Deckel bequem fassen und anheben.

Er stellte ihn in seiner ganzen Länge hinter den Sarkophag. Auf der Innenseite des Deckels traten verschiedene Zeichen und Symbole nun deutlich hervor. In der Mitte war eine rätselhafte Gestalt dargestellt: ein dämonenfratziges Ungetüm mit acht Armen. Je zwei Arme wuchsen ihm auf jeder Seite aus der Brust, zwei weitere links und rechts aus dem Hals, und selbst die langen, spitzgezogenen Ohren waren Arme – gierigen Krallen gleich, die nach allen Seiten griffen. Das Gesicht zeigte lange, dolchartige Zähne und grässliche Augen, deren starrer Blick den Betrachter festzuhalten schien.

Die Darstellung war so intensiv, dass Hans Schleif ein eisiger Schauer über den Rücken lief.

Doch nun erkannten sie den wahren Inhalt.

Im Sarg lag eine Mumie.

Sie wirkte dunkelbraun, ausgedörrt, wie ein uraltes Stück Holz. Bis zu den Schultern war sie mit breiten, knochentrockenen Leinenbinden umwickelt. Der Kopf jedoch lag seltsamerweise frei.

Die beiden Archäologen traten einen Schritt näher. Sie starrten in ein lederartiges, eingeschrumpftes Gesicht, dessen Haut matt und hart wirkte.

Etwas Beklemmendes, Furchterregendes stieg aus dem Inneren des Sarkophags empor. Hans Schleif fühlte es beinahe körperlich, als lege sich eine unsichtbare Hand auf seine Brust. Er zuckte zusammen.

„Er ist es wirklich“, flüsterte Bissing.

Hans Schleif beugte sich über den Sarkophag. Er wollte die gesuchte Mumie genauer betrachten.

Dann geschah es.

Plötzlich.

Unvermutet.

Eine eiskalte Hand bohrte sich in seinen Brustkorb und griff nach seinem Herzen. Ihm wurde schwindelig.

Irrte er sich? War es Einbildung – oder Wirklichkeit?

Alles vor seinen Augen begann sich zu drehen. Ein Schleier legte sich über seine Pupillen. Er presste die Augen mehrmals zusammen, doch das Bild blieb. Alles raste, kreiste, geriet in wirbelnde Bewegung. Wie ein Sog packte es ihn.

Er wollte schreien. Ein furchtbarer Schmerz schien seine Brust zu zerreißen. Ein großes Gesicht kam auf ihn zu. Dunkelrot. Wie Blut.

Alles an diesem schrecklichen, eingeschrumpften Antlitz schien zu einer einzigen breiigen Masse geworden zu sein. Die dunklen Augenhöhlen waren dicht vor seinem Gesicht.

Hans Schleif hatte das Gefühl, als würde diese grässliche Vision bereits seit einer Ewigkeit andauern, obwohl sie nur den Bruchteil eines Augenblicks währte.

Dann spürte er einen Schmerz, als würde jemand mit einer glühenden Zange in sein Gehirn fahren. Er riss die Arme in die Höhe. Seine Knie wurden weich, und er brach genau dort zusammen, wo er stand. Noch bevor sein Körper den Boden berührte, war er tot.

Die Mumie im Sarkophag erhob sich, setzte sich aufrecht und stellte sich auf, als hätte ein geheimnisvoller Zauber sie zum Leben erweckt.

Friedrich Wilhelm von Bissing stand da wie aus Stein gemeißelt. Seine Augen waren weit aufgerissen. Was er sah, durfte nicht sein.

Die Mumie im Sarg lebte.

Dieses schrecklich aussehende, verdorrte Wesen stand hochaufgerichtet in dem steinernen Sarkophag. Die mumifizierte Gestalt streifte die breiten Leinenbinden ab, als würde sie aus ihrer eigenen Haut schlüpfen, wie eine Schlange.

Dann trat sie einen Schritt nach vorn.

Ich muss hier weg, hämmerte es in Bissings Kopf. Er riss den Mund auf, wollte schreien, doch kein Ton kam aus seiner Kehle. Dann verlor er das Bewusstsein und krachte schwer zu Boden.

Die Mumie beugte sich über den reglosen Mann, drehte ihn auf den Rücken und suchte die Stelle, unter der das Herz schlug. Langsam, voller Grausamkeit, schob sie ihre klauenartigen Finger durch den Brustkorb, erfasste das schlagende Herz, presste es zusammen und sog alles Leben aus ihrem Opfer.

Djehuti, Hohepriester des Amun, war aus seinem Gefängnis befreit worden.

Er stand neben den beiden toten Männern und streifte sich die alten, muffig riechenden Leinentücher vom Körper. Über seine schmalen, dunklen Lippen kamen seltsame Laute und fremdartige Worte, so schrecklich im Klang, dass einem Sterblichen die Knie erzittert wären.

Der Hohepriester verließ die Kellerräume und tauchte in Berlin unter. Djehuti hatte lange warten müssen. Den ersten Schritt zur Ewigkeit hatte er durch das Ritual an Satamun bereits beschritten. Sie war in der Zwischenwelt seine Sklavin. Es fehlten nur noch vier reine Seelen.

Sein Plan stand fest.

Nun musste er nur noch den Stein ins Rollen bringen. Dazu brauchte er einen bestimmten jungen Mann, der in Germering lebte.

Seine Jagd hatte begonnen!

1

Germering bei München

Deutschland

Der muskulöse Mann mit dem markanten Gesicht belauerte Chloé von Bartenberg mit offener Mordlust in den Augen. Seine Erscheinung wirkte zugleich kräftig und geschmeidig, jede Bewegung kontrolliert und zielgerichtet. Die weiße Robe, die er trug, raschelte leise, beinahe unheimlich, als er mit langen, entschlossenen Schritten auf sie zukam.

Chloé blickte sich panisch um und erkannte mit wachsendem Entsetzen, wo sie sich befand. Es war eindeutig die Aussegnungshalle der St.-Martins-Kirche in Germering. Diese Halle kannte sie nur zu gut. Vor gerade einmal einem Monat hatte hier die Beerdigung ihrer Großmutter stattgefunden. Der Geruch von Blumen, der kühle Steinboden, die hohe Decke – alles war ihr vertraut und wirkte nun doch fremd und bedrohlich.

Sie wusste nicht, wie sie hierhergekommen war. Ihre letzte klare Erinnerung war gewesen, dass sie in ihrem Bett gelegen hatte. Doch eines war ihr schlagartig klar: Der Mann, der nun unaufhaltsam auf sie zuschritt, hatte die Absicht, sie zu töten.

Der Fremde war nur noch wenige Meter von Chloé entfernt. Das Einzige, was zwischen ihnen lag, war ein breiter Blumenkasten, in dem weiße Rosen blühten. Für einen kurzen Moment hoffte sie, er würde dem Hindernis ausweichen. Doch er stapfte einfach hindurch, als bestünde es aus Luft. Blüten und Erde wurden zur Seite gedrückt, ohne ihn aufzuhalten. Chloé wich instinktiv zurück, bemüht, nicht zu stolpern.

Plötzlich begann der fremde Mann in der weißen Robe zu sprechen.

„Beket-Amun, chetemu. Herj-seschta iri hut-netjer?“

Chloé verstand kein Wort. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie den Sinn dieser Worte überhaupt begreifen wollte.

„Du bist meine Nummer fünf, verstanden?“, erklärte der unheimliche Mann mit kalter Stimme. „Fünf! Cinquième! Quinque! Beş! Kvin! Viisi!“

Er griff unter seine weiße Robe und zog ein langes Messer hervor. Chloé sah, wie die scharfe Klinge im düsteren Licht der Halle aufblitzte. Sie öffnete den Mund, um zu schreien, doch kein Laut kam über ihre Lippen.

Und trotz der aufsteigenden Panik flüsterte eine leise Stimme in ihrem Inneren, dass an dieser Szene etwas nicht stimmte. Es war, als wäre sie gleichzeitig anwesend und doch nicht ganz da. Als stecke sie in ihrem Körper fest, während sie sich im nächsten Moment aus der Distanz selbst beobachtete.

Doch ihre Angst ließ keinen Raum für weitere Überlegungen. Der fremde Mann kam näher, das Messer fest umklammert.

„Ich schneide dir dein Herz heraus“, fauchte der Unheimliche und funkelte sie bösartig an.

Endlich drehte sich Chloé um und wollte davonlaufen. Sie glaubte verzweifelt, wenn sie die Aussegnungshalle verlassen könnte, wäre sie in Sicherheit. Doch ihre Beine gehorchten ihr nicht. Sie fühlten sich schwer an, kraftlos, wie gelähmt. Trotzdem zwang sie sich zu laufen. Langsam, wie in Zeitlupe, näherte sie sich dem Ausgang.

Im nächsten Moment jedoch hatte der kräftige Mann sie eingeholt. Chloé spürte seine starke Hand in ihrem Haar, die ihren Kopf brutal in den Nacken zog, sodass ihre Kehle schutzlos freilag. Sie sah die Hand mit dem Messer, spürte, wie die Klinge ihre Haut entlangkratzte, bis die Spitze direkt über ihrem Herzen zum Stillstand kam.

„Nein!“, schrie sie voller Entsetzen laut auf. „Ahhh …“

Der Rest des Schreis blieb Chloé würgend im Hals stecken, als ein greller Lichtschein ihre Augen traf. Instinktiv schützte sie sie mit den Händen. Als sie sie schließlich wieder öffnete, stellte sie fest, dass sie im Bett ihres Zimmers lag.

Eine ganze Weile starrte sie verwirrt zum Fenster hinüber. Es war hell. Sonnenstrahlen fielen warm auf ihr Gesicht. Langsam begriff sie, dass sie nur einen Alptraum gehabt hatte.

Seufzend schlüpfte sie aus dem Bett und ging noch leicht zittrig zum Fenster. Sie blickte hinaus. Es war Mai, und die sonnigen Tage der letzten Wochen hatten die Natur bereits zum Erblühen gebracht. Der weitläufige Garten ihres Elternhauses lag friedlich vor ihr. Chloé versuchte, die Erinnerung an den Alptraum abzuschütteln.

Während sie die Schönheit der Natur auf sich wirken ließ, kehrte der Satz des Mannes in der weißen Robe in ihre Gedanken zurück. „Du bist meine Nummer fünf.“

Warum eine Fünf? Was um alles in der Welt sollte dieser Traum bedeuten?

Sie schüttelte den Kopf und ging barfuß ins Bad. Es war nur ein blöder Alptraum, redete sie sich ein. Vergiss es. Nach einer ausführlichen Dusche betrachtete sie sich im großen Spiegel hinter der Tür. Sie war ein großes, achtzehnjähriges Mädchen mit einer schlanken, sportlichen Figur, langen blauschwarzen Haaren und leuchtend grünen Augen.

Mit diesem Aussehen ähnelte sie ihrer Großmutter väterlicherseits. Ihre Mutter und ihre ältere Schwester Michelle hingegen waren blond und blauäugig.

Sie wandte sich dem Waschbecken zu und putzte sich die Zähne. Nachdem sie die Zahncreme ausgespuckt hatte, rubbelte sie ihr Gesicht trocken und verscheuchte damit auch die letzten Bilder des Alptraums.

Sie musterte ihr Spiegelbild. Die kleine Nase, der schön geschwungene Mund und die hohen, leicht hervorstehenden Backenknochen, die ihrem Gesicht einen unverwechselbaren Ausdruck verliehen, wirkten geheimnisvoll und anmutig.

Chloé hob die Schultern. Sie wusste, dass die Jungen im Gymnasium sie attraktiv fanden, doch das interessierte sie kaum. Sie war intelligent und aufgeschlossen. Das musste reichen, um gemocht zu werden. Außerdem hatte sie seit zwei Monaten einen festen Freund.

Ein verträumtes Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie an Henri dachte. Er war im gleichen Alter und ging in die Nebenklasse des Max-Born-Gymnasiums. Verliebt hatte sie sich in seine rehbraunen Augen, die so intensiv leuchten konnten, voller Feuer und Zärtlichkeit.

Sie sah sich selbst im Spiegel an und verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen. „Du hast den besten Jungen der Welt gefunden“, flüsterte sie halblaut.

Sie verließ das Badezimmer, kleidete sich an und ging dann mit einem nachdenklichen Seufzer in die Küche, um zu frühstücken. Ihre Eltern waren bereits seit den frühen Morgenstunden in der eigenen Firma. Ihre drei Jahre ältere Schwester Michelle studierte in Innsbruck Mikrobiologie und kam nur noch gelegentlich, meist an den Wochenenden, nach Hause.

Chloé schaltete das Radio auf dem Kühlschrank ein und stellte ihren Lieblingssender ein. Gerade lief ein fetziges Lied, und sie drehte die Lautstärke höher. Der pulsierende Rhythmus vertrieb die letzten Schatten des Alptraums.

Während sie frisches Obst für ihr Müsli schnitt, blickte sie aus dem Küchenfenster auf die Straße. Ihre nächste Nachbarin, eine alleinstehende ältere Dame namens Christel Böhm, besaß eine ähnlich große Villa. Die alte Frau beschäftigte sich den lieben langen Tag mit Haus und Garten. Chloé fand sie zwar ein wenig eigenartig, mochte sie jedoch und besuchte sie von Zeit zu Zeit.

Sie kannte Christel Böhm seit ihrer frühesten Kindheit. Die alte Dame hatte stets behauptet, Chloé besitze die Gabe einer Seherin. Als Chloé sie damals gefragt hatte, was das bedeute, hatte Christel erklärt, sie könne Dinge sehen und spüren, die den meisten Menschen verborgen blieben.

„Wie ein Medium?“, hatte Chloé damals ungläubig gefragt.

Christel Böhm hatte genickt und ihr geraten, diese Fähigkeit weiterzuentwickeln. Chloé hatte das als das Gerede einer alten Frau abgetan. Doch inzwischen war sie sich nicht mehr sicher, ob Christel nur Unsinn erzählt hatte. Der Alptraum schien sie vor etwas warnen zu wollen. Warum sie diesen Gedanken hatte, wusste sie allerdings selbst nicht.

2

Am Nachmittag nach der Schule lag Chloé auf ihrem Bett, eng an Henri gekuschelt. Außer ihnen war kein Mensch zu Hause. Sie schmusten seit über einer Stunde miteinander. Er hatte ihr das Shirt ausgezogen und küsste zärtlich ihren flachen Bauch.

Chloé ließ sich aufseufzend nach hinten fallen und zog Henri mit sich. Sie fuhr mit beiden Händen unter sein Shirt und streichelte die warme Haut seines Rückens, langsam, als müsste sie sich vergewissern, dass dieser Augenblick wirklich ihnen gehörte. Henri lag halb auf ihr, sodass sie seinen Körper fühlen konnte, die vertraute Schwere, die Wärme, den ruhigen Atem. Das mochte sie sehr.

Sie küssten sich leidenschaftlich und spürten, dass sie sich dem Punkt näherten, der gefährlich war. Aber sie hatten gelernt, damit umzugehen. Deshalb wehrte sich Chloé nicht, als Henri über ihre Jeans streichelte. Warum sollte sie auch, wo sie doch wusste, dass es jetzt noch schöner werden würde? Sie hatte keine Angst, da sie Henri bedingungslos vertraute. Sie hatten vereinbart, noch nicht miteinander zu schlafen, da sie erst seit kurzer Zeit ein Paar waren. Chloé wollte die Beziehung im erotischen Bereich langsam angehen lassen. Daran hielten sie sich, da es so viele wundervolle andere Dinge gab, die sie tun konnten, Dinge, die Nähe bedeuteten, ohne Grenzen zu überschreiten.

Bis abends blieben sie im Bett und zeigten sich, wie lieb sie sich hatten. Henri legte seinen Arm um Chloé, sodass sie ihren Kopf an seine Schulter legen konnte, als wäre diese Stelle genau dafür gemacht, dass sie dort zur Ruhe kam.

„Wie waren die ersten Stunden vom Kurs?“, fragte Chloé, während sie ihre Augen schloss, als Henri sanft durch ihr Haar strich, Strähne für Strähne, beruhigend wie ein leises Versprechen.

„Sehr spannend“, erwiderte er gefühlvoll. „Numerologie ist eine komplizierte, uralte Wissenschaft. Zahlen erhalten die Elemente aller Dinge, der natürlichen und der spirituellen Welt, und aller Wissenschaften. Mit Zahlen kann man unendlich viel erreichen. Das glaubten zumindest unsere Vorfahren.“

„Hast du bereits etwas gelernt?“

„Natürlich, der Kurs hat zwei Schulstunden gedauert! Anhand von Zahlen kannst du dein Leben gestalten, indem du den Tag oder das richtige Datum für ein Vorhaben wählst“, erklärte Henri. Er hielt inne, küsste Chloé sanft auf ihre Stirn und sprach mit einer verstellten, tieferen Stimme: „Und dann sind da noch die dunklen, spirituellen Seiten ...“

„Zum Beispiel?“, fragte sie mit einer kichernden Stimme, da sie sich über seine veränderte Stimme amüsierte und weil sie es liebte, wie leicht er sie zum Lächeln brachte.

„Der Lehrer, der den Kurs leitet, hat von den fünf verbindenden Schritten zur Ewigkeit erzählt“, antwortete Henri. „Unsere Vorfahren glaubten, dass ein Mensch, der diese Schritte ausführt, ewig leben würde.“

„Fünf Schritte zur Ewigkeit?“, wiederholte Chloé. Etwas rührte sich in ihrem Unterbewusstsein. Ein leichter Schauer überlief sie, als hätte eine unsichtbare Hand kurz an einem Faden gezogen.

„Der Mann zeigte uns Kopien von alten Papyrus-Rollen mit ägyptischen Hieroglyphen. Die Wissenschaftler haben aus diesen Aufzeichnungen entnommen, dass ein Mensch fünf verbindende Schritte gehen muss, um das ewige Leben zu erreichen. Allerdings konnte man nicht genau übersetzen, was damit gemeint war. Es gibt viele unterschiedliche Übersetzungen, wohl deshalb, weil niemand die alte Sprache wirklich beherrscht. Der Lehrer meinte, dass hiermit auch der altägyptische Glaube der Seelenreinkarnation gemeint sein könnte. Wenn man sich mit fünf anderen Seelen verbindet, kann man die Ewigkeit betreten. Für mich gibt es keine anderen Seelen, du bist und bleibst immer meine Nummer eins, Liebes“, meinte er lächelnd, zog ihre Hand an seinen Mund und küsste ihren Zeigefinger.

Chloé spürte ein merkwürdiges Kribbeln, das sich durch den gesamten Körper ausbreitete, ein prickelndes, unruhiges Gefühl, das nicht nur von seinen Worten kam. Doch da brach der Gedanke, der sich in ihrem Unterbewusstsein geregt hatte, mit Macht an die Oberfläche.

Sie erinnerte sich an den Alptraum der vergangenen Nacht und spürte plötzlich panische Gefühle in sich hochsteigen. Der unheimliche Mann in der weißen Robe hatte doch gesagt: „Du bist die Zahl Fünf!“

War es nur ein unglaublicher Zufall, dass Henri von fünf Verbindungen sprach und sie davon träumte, dass sie die Nummer fünf wäre?

Doch Henri grinste sie frech an. „Hey, warum bist du plötzlich so nachdenklich?“, fragte er. „Du siehst aus, als hätte ich dich damit wirklich erschreckt.“ Er lachte. „Hoffentlich glaubst du nicht an solchen Unsinn. Ich jedenfalls glaube kein Wort davon.“

Dann wurde er plötzlich nachdenklich. „Aber der Kursleiter scheint es wirklich zu glauben. Er sagte, die Macht der Zahlen kommt aus den Überlieferungen der alten Ägypter. Meiner Meinung nach ist das uralter Quatsch. Früher gab es noch keinen Fernseher oder das Internet, da hatten die Leute eben nichts Besseres zu tun, als mit Zahlen und Zauberei herumzuspielen. Heutzutage dient die Numerologie nur noch dazu, seine geheime Glückszahl zu errechnen, um damit im Lotto zu gewinnen.“

„Und klappt das?“, fragte Chloé und schob entschlossen die finsteren Gedanken beiseite, so gut es eben ging, als würde sie eine Tür schließen, hinter der etwas atmete.

Henri schaute sich nach allen Seiten um, als wäre er dabei, ihr ein streng gehütetes Geheimnis mitzuteilen. Doch er lächelte dabei, und genau dieses Lächeln gab ihr Halt.

„Ich weiß es nicht“, antwortete er. „Soll ich dir deine Glückszahl errechnen?“

„Natürlich!“, sagte sie und lächelte ihn erwartungsvoll an, froh über jede Ablenkung.

Henri lehnte sich zurück. „Du musst dein Geburtsdatum mit deinem Sternzeichen kombinieren, dann mit der Anzahl der Küsse, die du mir gleich geben wirst, multiplizieren.“

Er verzog zunächst keine Miene. Endlich verstand Chloé den Witz und prustete los. Sie schüttelte den Kopf, als müsste sie das Lachen aus sich herausrütteln, damit es nicht aufhörte.

Henri war der interessanteste und charmanteste Junge, den sie je kennengelernt hatte. Sie fühlte sich in seiner Gesellschaft total glücklich und dankte ihrem Glücksstern, dass sie einen solchen Freund gefunden hatte, jemanden, bei dem selbst die Welt draußen leiser wurde.

Erst als Chloés Mutter in ihrem Auto in die Einfahrt fuhr, lösten sie sich voneinander. Sie gaben sich einen letzten Kuss und Chloé flüsterte Henri zu: „Es war unheimlich schön, Schatz.“

Henri nickte lächelnd. „Ja, für mich auch. Es wird immer schöner.“

Als sie angezogen waren, setzten sie sich dicht nebeneinander aufs Bett und warteten, bis Chloés Mutter nach ihnen rief. Erst dann gingen sie hinunter. Sie hielten sich an den Händen und strahlten sich verliebt an, als könnten sie gar nicht anders.

Chloés Mutter nickte verständnisvoll. „Ihr hattet sicher einen netten Nachmittag, richtig?“

Chloé und Henri sahen sich tief in die Augen und nickten beide.

„Wir hatten einen wunderschönen Nachtmittag, Mutti“, gestand Chloé leise.

Frau Bartenberg lächelte still. Sie ging ins Wohnzimmer und ließ die beiden Verliebten allein. Chloé spielte Hausfrau. Sie deckte den Tisch und servierte Henri eine kalte Brotzeit, mit der Sorgfalt, als wäre es etwas Besonderes, weil er da war.

Als sie mit ihm am Tisch saß, erklärte sie glücklich: „Ich will, dass es immer so bleibt, Henri. Ich hab dich nämlich ganz furchtbar lieb.“

Er lächelte sie verliebt an. „Ich dich auch. Es wird immer so bleiben, Chloé. Wir gehören zusammen, das ist ganz klar. Ich habe es vom ersten Moment an gewusst, als ich dich sah.“