Gegen Liebe gibt es kein Rezept - Joanna Neil - E-Book

Gegen Liebe gibt es kein Rezept E-Book

Joanna Neil

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Beschreibung

Ellies neuer Chef bringt ihre Knie zum Zittern. Nicht nur mit seinem Sex-Appeal, sondern auch mit seiner Herkunft. Denn James Birchenalls Vater hat ihre Familie zerstört! Warum nur ist ausgerechnet James der Einzige, der sie vor einem Skandal retten kann?

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Gegen Liebe gibt es kein Rezept erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2013 by Joanna Neil Originaltitel: „Sheltered by Her Top-Notch Boss“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA PRÄSENTIERT ÄRZTE ZUM VERLIEBENBand 69 - 2014 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg Übersetzung: Claudia Weinmann

Umschlagsmotive: Antonio_Diaz/Kalawin/GettyImages

Veröffentlicht im ePub Format in 02/2021 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751505611

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Ungeduldig rutschte Ellie auf ihrem Barhocker herum und schlug ihre schlanken Beine übereinander. Wie lange würde sie noch bleiben und Interesse heucheln müssen, bevor sie unauffällig verschwinden konnte? Gelangweilt rührte sie in ihrem Cocktail und betrachtete ihre Freunde, die sich im Gegensatz zu ihr allesamt großartig amüsierten.

Die Party war inzwischen in vollem Gange, und die ohrenbetäubende Musik machte eine Unterhaltung fast unmöglich, doch das schien niemanden zu stören. Einige Gäste hatten sich auf der Tanzfläche eingefunden und gaben sich begeistert den heißen Rhythmen hin.

Wenn sie doch auch nur so unbeschwert sein könnte! Aber Ellie hatte einen grauenhaften Tag gehabt und wünschte sich nichts sehnlicher, als dass er endlich zu Ende sein möge. Diese Bar hier war der letzte Ort auf der Welt, an dem sie sein wollte.

„Es freut mich, dass du es doch noch geschafft hast herzukommen“, sagte Lewis und beugte sich zu ihr herüber. „Ich weiß, dass du schon wieder Überstunden machen musstest.“ Mit seinen haselnussbraunen Augen sah er sie lächelnd an.

Ellie nickte und versuchte, fröhlich auszusehen, obwohl ihr kein bisschen nach Party-Small-Talk zumute war. Es war wirklich an der Zeit, nach Hause zu fahren.

„Ich hatte ja keine Wahl“, erwiderte sie mit einem gequälten Lächeln. „Es ist Zoes Abschiedsparty, und ich weiß, dass sie schrecklich enttäuscht gewesen wäre, wenn ich nicht gekommen wäre.“ Ellie beobachtete, wie ihre Freundin glücklich lächelnd von einer Gästegruppe zur anderen ging und mit allen kurz plauderte. „Ich werde sie vermissen, auch wenn ich ihr die Beförderung natürlich gönne.“

„Na ja, sie zieht ja nicht nach Australien um, sondern nur in die Nachbargrafschaft. Bestimmt kommt sie ab und zu zurück nach Cheshire, um uns zu besuchen.“

„Wahrscheinlich hast du recht.“ Ellie trank den letzten Schluck aus ihrem Glas. „Ich habe deine Frau noch gar nicht gesehen. Ist sie heute nicht mitgekommen?“

Lewis schüttelte den Kopf und wich Ellies Blick aus. „Sie … ähm … Sie hatte etwas anderes vor. Eine Familienangelegenheit.“ Gerade als Ellie nachfragen wollte, ob alles in Ordnung sei, kam Zoe zu ihnen an die Bar.

Erstaunt sah Ellie den Mann an, den ihre Freundin im Schlepptau hatte. Auch er musterte sie aufmerksam. Sein Blick war so intensiv, dass ihr ein Schauer über den Rücken lief. Kannte sie ihn von irgendwoher? Er erinnerte sie an jemanden …

Aber nein, es war unwahrscheinlich, dass sie ihm schon einmal begegnet war. Einen so großen und so außergewöhnlich gut aussehenden Mann hätte sie nicht vergessen. Er trug einen tadellos sitzenden dunklen Anzug, ein passendes blütenweißes Hemd und goldene Manschettenknöpfe. Trotzdem konnte Ellie das beklemmende Gefühl nicht abschütteln, ihm schon einmal begegnet zu sein.

„Ellie, ich möchte dir James vorstellen“, verkündete Zoe. „Er ist mein Nachfolger in der Klinik, und ich bedauere meine Kündigung bereits. Es ist doch unglaublich unfair, dass er in dem Moment auftaucht, in dem ich in eine andere Stadt umziehe!“ Ihr Blick ließ keinen Zweifel daran, dass sie James umwerfend fand.

James schmunzelte, doch er wandte sich sofort wieder Ellie zu. Mit seinen dunkelgrauen Augen hielt er sekundenlang ihren Blick gefangen, nachdem er Lewis kurz mit einem Nicken begrüßt hatte.

„Schön, Sie kennenzulernen, Ellie.“ James’ Stimme war tief und melodisch und ließ Ellies Knie weich werden.

„Ebenso.“

„Sie arbeiten also mit Lewis zusammen?“

Ellie nickte. „Mehr oder weniger. Wir sind nicht in der gleichen Abteilung, aber in der gleichen Klinik. Ich bin Assistenzärztin in der Notaufnahme.“

Verstohlen sah Ellie ihn an. Ihr war vollkommen klar, was Zoe gemeint hatte. James war genau der Typ Mann, der die Schmetterlinge in ihrem Bauch zum Fliegen brachte.

Mit seinem dunklen Haar, den schönen grauen Augen und dem perfekt geschnittenen Gesicht war er ausgesprochen attraktiv, daran gab es keinen Zweifel. Hinzu kam seine durchtrainierte, schlanke Figur … Selbst in ihrer momentan so angespannten Stimmung registrierte Ellie all diese Dinge.

James hatte sich nun an Lewis gewandt. „Hallo! Bleibt es dabei, dass du und Jessica an diesem Wochenende zu uns kommt?“

„Ja. Sicher.“

„Schön. Wir freuen uns schon darauf, euch wiederzusehen.“

Lewis nickte. „James ist mein Cousin“, erklärte er Ellie. „Er hat schon immer auf mich aufgepasst. Als ich ein Teenager war, habe ich meine Eltern verloren, und James’ Vater hat mich bei sich aufgenommen.“

„Verstehe.“ Sie zögerte. „Das mit deinen Eltern tut mir leid. Ihr zwei seid also mehr oder weniger wie Brüder aufgewachsen?“

„Ja.“

„Und ich bin dabei der große Bruder“, warf James lächelnd ein. „Ich sorge dafür, dass Lewis nicht vom rechten Weg abkommt. In der letzten Zeit habe ich ihn allerdings etwas vernachlässigt, denn ich war einige Jahre fort. Ich schätze, es wird eine Weile dauern, bis ich wieder auf dem Laufenden bin. Zum Beispiel hatte ich keine Ahnung, dass er mit einer so schönen Frau zusammenarbeitet.“

Als Zoe bemerkte, dass James und Ellie sich schon wieder tief in die Augen sahen, lächelte sie zufrieden und ließ die beiden allein, wobei sie Lewis mit sich fortzog.

Ellie stellte ihr leeres Glas auf dem Tresen ab. „Ich glaube, ich habe Sie eben schon beim Reinkommen gesehen.“ Auch da hatte sie schon dieses seltsame Gefühl beschlichen. Ach, bestimmt lag es nur daran, dass sie einen so furchtbaren Tag gehabt hatte.

James lächelte. „Sie sind mir auch sofort aufgefallen. Und als ich Sie dann hier an der Bar sah, habe ich Zoe gebeten, mich Ihnen vorzustellen.“ Wieder musterte er sie unverhohlen, und ganz offensichtlich gefiel ihm, was er sah. Ihr Kleid betonte vorteilhaft ihre Kurven, ihre schlanken Beine hatte sie noch immer graziös übereinandergeschlagen, und ihr lockiges, kastanienbraunes Haar fiel ihr offen bis auf die Schultern.

Entsetzt bemerkte Ellie, wie sie errötete. Noch nie zuvor war es einem Mann gelungen, sie mit einem einzigen Blick derart aus der Fassung zu bringen.

Mühsam versuchte sie, sich wieder unter Kontrolle zu bekommen.

„Ich habe gehört, dass Sie heute bereits Ihren ersten Tag in der Notaufnahme hatten, aber wir sind uns nicht über den Weg gelaufen. Trotzdem kommt es mir so vor, als würde ich Sie schon kennen.“ Fragend sah sie ihn an.

„Ich war in der Nachtschicht“, antwortete er. „Ich wollte mir einen ersten Eindruck verschaffen. Offiziell beginnt mein neuer Job als Oberarzt erst in einigen Tagen. Ich kenne Sie übrigens schon lange, denn ich sehe oft ihre Fernsehshow Bleiben Sie gesund!“

Mit einem verschmitzten Lächeln schaute er sie an. „Ich muss gestehen, dass Sie meine Lieblingsmoderatorin sind. Sie sind unglaublich fotogen, und Sie schaffen es immer, die medizinischen Zusammenhänge so zu erklären, dass auch ein Laie sie versteht. Bestimmt gibt es keinen einzigen männlichen Zuschauer, der sich nicht liebend gern von Ihnen behandeln ließe.“

Ellie lachte. „Das bezweifle ich, aber trotzdem danke für das Kompliment. Die Show macht mir großen Spaß und ist ein wunderbarer Ausgleich zu meiner Arbeit in der Notaufnahme. Außerdem gefällt mir der Gedanke, dass durch mich möglicherweise der eine oder andere Zuschauer ein bisschen besser auf seine Gesundheit achtet.“

„Ich finde, Ihre Arbeit ist unglaublich wichtig!“ James sah auf ihr leeres Glas. „Soll ich Ihnen noch etwas zu trinken bestellen?“

„Nein danke“, wehrte Ellie ab. „Ich wollte gerade heimfahren. Es war ein langer Tag, und ich sehne mich nach meinem Bett. Am besten rufe ich mir gleich ein Taxi.“

„Dann gefällt Ihnen die Party nicht?“ Er runzelte die Stirn. „Schon als ich Sie vorhin sah, hatte ich den Eindruck, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie scheinen sich Sorgen zu machen und wirken niedergeschlagen. Möchten Sie vielleicht mit mir darüber reden?“

„Eigentlich nicht.“ Sie glitt von ihrem Barhocker und zupfte ihr Kleid zurecht. James ließ sie dabei nicht aus den Augen. „Ich möchte Ihnen nicht den Abend verderben, indem ich Sie mit meinen Problemen belästige“, erklärte Ellie mit rauer Stimme. „Ich hatte einen schwierigen Tag und wäre wohl besser gar nicht erst gekommen, aber ich wollte Zoe nicht enttäuschen.“

„Aha. Es tut mir leid, dass es Ihnen nicht gut geht. Soll ich Sie vielleicht nach Hause fahren? Mein Wagen steht gleich vor der Tür. Wo wohnen Sie?“

„Ashleigh Meadows. Aber ich möchte Ihnen wirklich nicht zur Last fallen. Ich komme schon klar. Bleiben Sie doch noch und genießen Sie die Party.“

„Nein, schon okay. Es macht mir überhaupt keine Umstände. Ich wollte sowieso nicht so lange bleiben, sondern nachher noch einmal kurz in der Klinik vorbeischauen. Da liegt Ashleigh Meadows fast auf dem Weg.“

„Na dann …“ Sie zögerte. Es wäre doch nicht schlimm, wenn sie sein Angebot annähme, oder? „Ja, es wäre schön, wenn Sie mich mitnehmen. Vielen Dank.“

Kurz darauf saßen sie in seinem komfortablen, klimatisierten Wagen. Während aus dem CD-Player leise Musik erklang, erklärte Ellie ihm den Weg zu ihrem Haus.

Während der Fahrt saß sie zusammengesunken auf dem Beifahrersitz und blickte gedankenverloren aus dem Fenster.

Prüfend sah James sie an. „Sind Sie sicher, dass Sie nicht mit mir darüber reden wollen? Egal, was es ist, Ihr Problem scheint sie sehr zu beunruhigen. Ist es etwas Privates, oder hat es mit Ihrer Arbeit in der Notaufnahme zu tun?“

Ihr Instinkt sagte Ellie, dass sie besser den Mund hielt und ihm nichts von ihrem Bruder erzählte, der sich immer wieder in heikle finanzielle Situationen brachte. Noah hatte sie am Morgen angerufen und wieder einmal um Hilfe gebeten. Obwohl sie ihren Bruder über alles liebte, zerrte diese Situation an ihren Nerven.

Bei ihrem zweiten Problem lag die Sache jedoch anders. Natürlich konnte James ihr nicht helfen, aber eventuell würde es gut tun, mit einem Kollegen darüber zu sprechen.

„Eine Patientin ist gestorben“, erklärte sie ihm seufzend. „Natürlich weiß ich, dass so etwas immer mal wieder passiert, und dass wir als Ärzte damit fertig werden müssen. Aber diesmal war es jemand, den ich kannte – die Tante einer alten Schulfreundin von mir. Es war ein ziemlicher Schock für mich, als sie starb. Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich wirklich alles versucht habe, um sie zu retten.“

Mitfühlend sah James sie an. „Das tut mir leid. Bestimmt war es eine sehr schwierige Situation für Sie.“

Ellie nickte. „Für Amelia war es natürlich noch viel schlimmer. Sie ist bei ihrer Tante aufgewachsen, und sie war völlig außer sich, als ich ihr sagte, die Tante sei gestorben.“ Ellie schluckte. „Sie macht mich für den Tod verantwortlich“, flüsterte sie.

James runzelte die Stirn. „Das dürfen Sie sich nicht so zu Herzen nehmen! Der Tod eines nahen Angehörigen ist immer ein Schock, und manche Leute suchen dann wütend einen Schuldigen. Ich bin mir sicher, dass Sie alles Menschenmögliche getan haben, um die Tante Ihrer Freundin zu retten.“

Ellie seufzte. „Leider sieht Mel das anders. Vielleicht würde sie mir eher glauben, wenn sie mich besser kennen würde, aber wir haben nach der Schulzeit den Kontakt verloren. Sie glaubt, ich hätte ihre Tante anders behandeln und noch operieren müssen, aber ich glaube nicht, dass das etwas geändert hätte.“

„Was hatte die Tante denn?“

„Es war eine fortgeschrittene Herzbeutelentzündung. Als sie zu uns in die Notaufnahme gebracht wurde, war ihr Zustand bereits äußerst kritisch. Sie hatte starke Schmerzen und bekam kaum noch Luft. Ich habe ihr Sauerstoff gegeben, die Vitalfunktionen überwacht, alle üblichen Bluttests gemacht und ein CT sowie ein EKG veranlasst.“

Ellie holte tief Luft. „Die Tests zeigten, dass sie eine akute bakterielle Infektion hatte, durch die der gesamte Herzbeutel mit Eiter gefüllt war. Ich habe sofort eine Antibiose eingeleitet und den Herzbeutel punktiert, um die eitrige Flüssigkeit abzuleiten. Doch zum Schluss hat ihr Herz einfach aufgehört zu schlagen.“ Ihre Stimme erstarb. „Ich nehme an, ihr Alter und ihr schlechter Allgemeinzustand waren schuld daran, dass sie es nicht geschafft hat. Ihr Herz war der Belastung nicht gewachsen.“

„Und das haben Sie auch Ihrer Freundin so erklärt?“

„Ja. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie mich wirklich verstanden hat. Ich habe ihr einen Tee geholt, mich zu ihr gesetzt und versucht, es ihr zu erklären, aber sie war wie erstarrt. Offenbar hat sie mir überhaupt nicht zugehört. Mel war völlig fertig und gleichzeitig furchtbar wütend.“

James nickte bedauernd. „Das kenne ich. Manchmal reagieren Angehörige so.“

„Ja. Leider.“ Inzwischen waren sie angekommen, und Ellie sah aus dem Fenster auf ihr kleines Cottage. Auf der Veranda brannte eine Lampe, die den kleinen Vorgarten und die mit Efeu bewachsenen Mauern erleuchtete.

„Viel kann ich ja nicht erkennen, aber anscheinend haben Sie es sehr schön hier“, bemerkte James.

Ellie nickte. „Es freut mich, dass es Ihnen gefällt. Ich habe mich sofort in das Haus verliebt und war unglaublich glücklich, als ich es kaufen konnte.“ Sie zögerte. „Möchten Sie vielleicht noch auf einen Kaffee mit hereinkommen und es sich von innen ansehen?“

Obwohl sie ihn gerade erst kennengelernt hatte, wünschte Ellie sich, noch ein wenig mehr Zeit mit James zu verbringen. Er hatte so eine nette, mitfühlende Art.

„Das wäre toll. Danke. Ich mag diese alten Cottages. Sie haben einen ganz eigenen Charme.“

„Ja, genau!“ Ellie stieg aus dem Auto, und gemeinsam gingen sie zur Eingangstür.

„Eigentlich ist es gar kein typisches Cottage“, erklärte sie. „Auch wenn das Haus klein ist, hat es dennoch zwei Etagen.“

Durch die Eingangstür traten sie in eine geräumige Diele. Dann führte Ellie James in die Küche, einen mit hellen Holzmöbeln sehr einladend wirkenden Raum.

„Oh, wie gemütlich“, sagte James bewundernd.

„Dieses Zimmer habe ich als erstes renoviert“, erklärte sie, während sie Kaffeepulver in die Kaffeemaschine löffelte. „Die Holzvertäfelung war im Laufe der Jahre ganz dunkel geworden, sodass ich alles abschleifen musste. Danach habe ich dann passend zu dem hellen Holz die Möbel ausgesucht.“

Er nickte. „Der Raum wirkt sehr behaglich. Vor allem durch den alten Herd, den Sie offenbar ebenfalls restauriert haben.“

„Ja, er ist mein ganzer Stolz. Hier probiere ich immer wieder neue Rezepte aus. Das ist ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit in der Klinik.“ Sie grinste. „Allerdings koche ich immer viel zu viel, sodass meine Nachbarn, die dort gegenüber in der ausgebauten Scheune wohnen, quasi gezwungen sind, an meinen Kochexperimenten teilzuhaben.“

Er erwiderte ihr Lächeln, und wieder hatte Ellie das merkwürdige Gefühl, ihn schon länger zu kennen. Wenn sie sich doch nur erinnern würde, wo sie ihn schon einmal getroffen hatte.

„Sie sind also auch noch eine begnadete Köchin? Wow! Heute bin ich ja geradezu vom Glück verfolgt. Endlich habe ich meine Traumfrau kennengelernt!“

Ellie kicherte. „An Ihrer Stelle würde ich mich nicht zu früh freuen. Ich habe nicht behauptet, dass mein Essen auch schmeckt. Sie sollten warten, bis Sie es gekostet haben.“

Lachend folgte er ihr in den Wohnbereich, der sich direkt an die offene Küche anschloss. „Ich habe die Wand einreißen lassen, um einen großen, luftigen Raum zu bekommen“, erklärte Ellie.

„Eine gute Idee!“, lobte er. Er stand dicht neben ihr, während er seinen Blick umherwandern ließ, und Ellie konnte an nichts anderes mehr denken als an seine Nähe. Als er scheinbar unbeabsichtigt ihren Arm berührte, spürte sie, wie ihr heiß wurde.

Aufmerksam sah er sie an, und Ellie fragte sich, ob er das Knistern zwischen ihnen wohl auch spürte. Er schien einen Moment verwundert zu sein, hatte sich aber gleich wieder gefasst und setzte die zwanglose Unterhaltung fort.

„Sie haben alles gut durchdacht. Der Essbereich schließt sich an die Küchenzeile an, und durch die L-Form wird das Wohnzimmer ein wenig abgetrennt. Insgesamt ein wunderschöner Raum.“

Mühsam versuchte Ellie, sich auf das Gespräch zu konzentrieren. „Ja, genau das war mein Plan. Und dank meines Nebenjobs beim Fernsehen konnte ich all die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen auch bezahlen.“

„Das freut mich für Sie. Und als einer Ihrer treuesten Fans kann ich Ihnen versichern, dass Sie jeden Penny wert sind.“

„Danke! Vielleicht wäre das Showbusiness ja auch etwas für Sie? Die Produktionsfirma ist immer auf der Suche nach neuen Gesichtern.“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe neben meiner Arbeit in der Klinik jetzt schon viel zu viel zu tun. Im Gegenteil, ich habe mir fest vorgenommen, etwas kürzerzutreten und mir öfter eine Pause zu gönnen. Zum Beispiel auf meinem Boot. Nirgends kann man besser entspannen als auf dem Wasser.“ Er warf ihr einen fragenden Blick zu. „Hätten Sie eventuell Lust, mich einmal zu begleiten? Ich könnte ein, zwei freie Tage für Sie einrichten, sodass wir ein langes Wochenende hätten.“

Ellie lächelte unverbindlich. „Das ist ein sehr verlockendes Angebot, James, aber ich würde es mir gern noch überlegen.“ Die Vorstellung, ein ganzes Wochenende mit diesem attraktiven und dazu noch so netten Mann zu verbringen, war definitiv wundervoll. Trotzdem hatte sie den Eindruck, ihre innere Stimme würde ihr davon abraten.

Schon öfter hatte sie Beziehungen gehabt, die allesamt sehr vielversprechend angefangen waren, sich im Laufe der Zeit jedoch als Katastrophen entpuppt hatten. Möglicherweise lag es an ihrem familiären Hintergrund, dass sie so vorsichtig war und sich immer bemühte, nicht zu viel zu erwarten.

„Wir kennen uns schließlich noch gar nicht richtig.“

„Nun ja, das ließe sich ja schnell ändern …“

Gemeinsam gingen sie zurück in die Küche, wo Ellie ihnen den köstlich duftenden Kaffee einschenkte. Trotz ihrer Zurückhaltung genoss sie es, mit James zusammen zu sein. Noch vor einer halben Stunde hatte sie sich schrecklich deprimiert gefühlt, aber irgendwie hatte er es geschafft, sie aufzuheitern.

„Erzählen Sie doch mal, wie Sie zu Ihrer Fernsehshow gekommen sind“, bat er, nachdem sie ihm seine Tasse gereicht hatte. „Wurden Sie etwa bei uns in der Notaufnahme von einem Produzenten entdeckt?“

Ellie lachte. „Nein, so aufregend war es nicht. Eine Bekannte von mir arbeitet in dem Filmstudio, und als sie einen Mediziner für die Show suchten, hat sie mich vorgeschlagen. Ich hatte schon ein bisschen Erfahrung, weil ich vor einigen Jahren Unterrichtsvideos für Medizinstudenten gedreht habe. Deshalb dachte sie, ich wäre vielleicht geeignet.“

„Und sie hatte ganz offensichtlich recht!“

„Ja, kann schon sein.“ Verlegen kramte Ellie im Kühlschrank herum. „Möchten Sie etwas essen? Ich habe hier etwas Käse. Oder ein Stück Quiche?“

„Nein, vielen Dank.“ Aus seiner Stimme klang Bedauern. „Ich muss jetzt los.“

„Natürlich. Gut.“ Woher kam dieses Gefühl von Enttäuschung?

Während sie ihren Kaffee tranken, plauderten sie noch ein wenig über die Fernsehshow, und dann stand James auf.

„Sie sagten vorhin, Sie hätten neben der Arbeit in der Klinik noch sehr viel zu tun“, nahm Ellie das Gespräch wieder auf, während sie ihn zur Tür begleitete. „Was meinten Sie damit?“

„Ich helfe meinem Vater bei der Verwaltung seines Anwesens. Der Verwalter hat gerade für mehrere Wochen Urlaub genommen, um irgendeine Familienangelegenheit in Irland zu regeln, sodass ich einen Großteil seiner Arbeit übernehmen muss.“

Das Anwesen seines Vaters? Sie runzelte die Stirn, und mit einem Mal begannen die Alarmglocken in ihrem Kopf zu schrillen. Das erinnerte sie an etwas … Bilder aus der Vergangenheit bahnten sich ihren Weg in ihr Bewusstsein und ließen eine leichte Übelkeit in ihr aufsteigen.

„Sein Anwesen?“, fragte sie vorsichtig nach. „Das hört sich ziemlich groß an. Womit beschäftigt er sich?“