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Wer möchte sich schon nicht gerne als HAPPY MILLIONÄR® fühlen! Ich glaube von mir behaupten zu können, das Rezept dazu gefunden zu haben. Diese Behauptung kommt natürlich nicht von ungefähr. Wer erfahren will, wie man zum HAPPY MILLIONÄR® wird der sollte unbedingt dieses Buch lesen. Mein Name ist Stephan Bosshard, auch bestens bekannt als der Schweizer BREZELKÖNIG. Im Jahr 2000, am Ziel meiner Träume angekommen, liess den umgesetzten Traum los und verkaufte mein Lebenswerk, um zurückzugewinnen was ich verloren hatte: die Freiheit! Als Kapitän auf der eigenen 21 Meter Motoryacht finde ich auf dem Mittelmeer anfangs gemeinsam mit Ehefrau Birgit und Hund Rocky die totale Erfüllung. Aus einer Laune heraus entscheiden wir uns 2006 zur Auswanderung in die USA. Nochmals lassen wir komplett los. Die Villa, die Yacht, die Luxusautos, alles wird zum Kauf angeboten. Das neue aufregende Leben beginnt spektakulär in einem der nobelsten Wohntowers Miami Beachs, ganz oben im Penthouse des 25. Stockwerks. Ein Millionenprojekt soll uns im Land der unbeschränkten Möglichkeiten auch geschäftlich nach ganz oben bringen. Was Ende 2008 mit einem bombastischen Erfolg in Miami Beach beginnt, droht im Frühling 2010, ausgelöst durch die Weltfinanzkrise, und in Verbindung mit der gleichzeitig stattfindenden grössten Ölkatastrophe aller Zeiten im Golf von Mexiko, zerstört zu werden. Ausgerechnet mit dem berühmtem New Yorker Times Square glaube ich meine Challenge gefunden zu haben. Das Schaffen in Big Apple erfordert jedoch all unsere Kräfte und bringt mich schliesslich zu Aussagen wie dieser: «Wo zur Hölle sind wir hier gelandet und was zum Teufel tun wir hier überhaupt?» Wie, wann und ob überhaupt wir es schaffen aus dieser Hölle herauszukommen, ist nur eine von vielen spannenden Geschichten in diesem Buch. Soviel sei verraten, immer dann, wenn es kritisch wird, zählt sowieso nur das eigene Glück. Und genau darum geht es in diesem Buch: Mehr happy als Millionär!
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Seitenzahl: 419
Veröffentlichungsjahr: 2021
Dieses Buch schreibe ich für meine geliebte Birgit, den wundervollsten Menschen auf diesem Planeten, und in ewiger Erinnerung an unseren über alles geliebten, kleinen Rocky. «Liebe Birgit, du bist für mich die schönste Frau auf der Welt, mein ewig leuchtender Stern an meiner Seite und der lachende Sonnenschein in meinem Leben. Ich wünsche mir nichts mehr als 30 weitere gemeinsame, glückliche Jahre.»
Stephan Bosshard
HAPPY
MILLIONÄR
© 2021 Stephan Bosshard
Umschlag, Illustration: Stephan Bosshard
Lektorat: Stephan Bosshard
Korrektorat: tredition
Verlag & Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback 978-3-347-30006-4
Hardcover 978-3-347-30007-1
E-Book 978-3-347-30008-8
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhaltsverzeichnis
• Kapitel 1
Millennium wie Millionen
• Kapitel 2
Das Traumschiff
• Kapitel 3
Zurück zu den Wurzeln
• Kapitel 4
Gefeiert wie ein König
• Kapitel 5
Rocky von Paris
• Kapitel 6
Happy Lifestyle
• Kapitel 7
Das kommt mir spanisch vor
• Kapitel 8
Abenteuer Nordafrika
• Kapitel 9
Prinzessinnen Geburtstag
• Kapitel 10
Glücksrad
• Kapitel 11
Das Queen-Mary-Desaster
• Kapitel 12
Traumdenken
• Kapitel 13
Der Plan
• Kapitel 14
Traumdenken
• Kapitel 15
Zwischen den Welten
• Kapitel 16
Penthouse mit Aussicht
• Kapitel 17
The American Way of Life
• Kapitel 18
Businessdenken
• Kapitel 19
Auf der Zielgerade
• Kapitel 20
American Challene
• Kapitel 21
Gold-Nuggets
• Kapitel 22
Bei Erfolg gibt’s APPLAUS
• Kapitel 23
Katastrophenalarm
• Kapitel 24
American Roadtrip
• Kapitel 25
Kollaps in Miami
• Kapitel 26
Think big
• Kapitel 27
Hoch hinaus
• Kapitel 28
Organisationstalent
• Kapitel 29
Times Square
• Kapitel 30
Hitze, Obama und die US-Haushaltskrise
• Kapitel 31
Ein ganz normal verrückter Tag in New York City
• Kapitel 32
Flucht aus New York City
• Kapitel 33
Die hohe Schule des Lebens
• Kapitel 34
Rezept zum Glück
• Kapitel 35
Happy Millionär
• Kapitel 36
Bahamas, Capt. Woody & Lobster bis zum Abwinken
• Kapitel 37
Der Bahamas-Supertörn
• Kapitel 38
Mehr Happy als Millionär
• Kapitel 39
Liebe, Glück und andere Herzensangelegenheiten
• Kapitel 40
Finale in Miami
Kapitel 1
Millennium wie Millionen
Der Verkauf von BREZELKÖNIG, dem Unternehmen, das ich aus dem Nichts erschaffen habe und welches ich gemeinsam mit meiner hübschen, deutschen Ehefrau Birgit zum erfolgreichsten Schweizer Unternehmen seiner Art aufgebaut habe, geht im Dezember 1999 zügig über die Bühne. Die Millionen fliessen ganz unspektakulär auf unser Konto und warten jetzt nur noch drauf, ausgegeben zu werden.
So viel Erfolg will ausgiebig gefeiert werden. Wir sind jung, wir sind schön und wir sind reich! Also ab nach Las Vegas, wohin denn sonst! Natürlich First Class, was denn sonst! In der uns bestens bekannten Spielermetropole werden wir mit offenen Armen empfangen. Wie versprochen erwartet uns unsere liebe Freundin Arna am Ausgang des Terminals und kann es kaum erwarten, uns zu drücken. Stolz lässt sie uns in ihren auf Hochglanz polierten, goldenen Mercedes einsteigen und fährt uns zielgenau über den berühmten Las Vegas Strip direkt zum weltberühmten CEASARS PALACE.
Das erste Mal, dass wir hier in Las Vegas landeten, ist schon ein paar Jahre her. Bereits einige Monate nach unserem ersten Date im Herbst 1991 flogen wir nach Panama City und checkten dort als frischverliebtes Paar auf der MS BERLIN ein, damals bekannt als das ZDF-TRAUMSCHIFF. Aufgrund des gefühlten einhundertjährigen Durchschnittsalters der Passagiere an Bord ergriffen wir in Acapulco allerdings die Flucht und landeten einige Tage später dann das erste Mal in Las Vegas. Die Stadt hatte uns sofort verzaubert, das war Liebe auf den ersten Blick. Und als wir damals im CEASARS PALACE eincheckten, hatten wir das grosse Glück, auf Arna, die Chef-Concierge des Nobelhauses, zu treffen. Sie war es auch, die uns Greenhorns unter ihre Fittiche nahm und uns in die Geheimnisse von Las Vegas einführte. Vielleicht lag es an der schwarzen American-Express-Karte, vielleicht aber auch an unserer Herzlichkeit, die vor allem Birgit schon damals auszeichnete. Auf jeden Fall haben wir drei uns auf Anhieb blendend verstanden, sodass uns Arna ganz spontan in den VIP-Bereich einlud und uns gleich mal ein Glas Champagner spendierte. Spätestens als sie uns in aller Selbstverständlichkeit in die höchste CEASARS PLATINUM MEMBER Ebene hinaufstufte, uns eine supercoole Suite buchte und uns schliesslich in die Welt der VIPs einführte, liebten wir Arna für ihre Grossherzigkeit. Ganz alleine Arnas VIP-Schulung war es zu verdanken, dass wir damals sehr rasch herausfanden, wie man sich mit etwas guter Unterhaltung an den Spieltischen oder Automaten die nötigen CEASARS-Bonuspunkte verdienen kann, um davon auch wirklich zu profitieren. Wenn es richtig gut gelaufen war, lebten wir 14 Tage in der schönsten Suite, assen nur in den besten und teuersten Restaurants und hatten endlosen Spass, ohne jemals eine Rechnung begleichen zu müssen. Kein Wunder, dass wir die folgenden Jahre Las Vegas zwei bis dreimal im Jahr besuchten.
Heute, kurz vor Silvester 2000, hat sich wenig verändert. Nicht anders als damals fühlen wir uns heimisch und willkommen im CEASARS PALACE. Das Millennium steht vor der Türe und Arna hat uns eine ganz besondere Überraschung versprochen. Voller Freude überreicht sie uns zwei goldene Umschläge und mahnt: «Aber bitte erst heute Abend beim gemeinsamen Dinner öffnen!» Frisch gestylt treffen wir uns einige Stunden später mit unseren Freunden Arna und ihrem Mann Tommy bei den FORUM SHOPS des CEASARS PALACE. Nach einem kurzen gemeinsamen Bummel durch die vornehme Welt der Luxusshops landen wir bei dem von Arna empfohlenen Italiener zum Dinner. Je näher das Dessert rückt, desto nervöser wird sie und schliesslich drängt sie uns, nun endlich die beiden goldenen Umschläge zu öffnen. Wir tun dies unter Hochspannung, und als wir entdecken, was darin steckt, fehlen uns schlicht die Worte. Arna übernimmt für uns das Reden und berichtet stolz: «Meine lieben Freunde, das sind zwei der nicht käuflichen VIP-Tickets zu Tina Turners Millenniumskonzert. Während Tina heute Abend beim restlos ausverkauften Konzert vor knapp zwanzigtausend Leuten auftritt, gibt sie morgen Abend ein Privatkonzert nur für CEASARS VIP-Gäste. Und ihr zwei Lieblinge seid natürlich als VIP-Gäste zu Las Vegas’ begehrtester Millenniumsparty eingeladen.» Uns haut es beinahe um von so viel herzlicher Grosszügigkeit, die uns Arna da gerade entgegenbringt. Wir drücken sie fest und bedanken uns mit tausend Küssen für dieses einmalige Geschenk.
Birgit hilft mir noch kurz mit dem Krawattenknopf und schon stolzieren wir herausgeputzt in VERSACE, KERKORIAN und CHANEL als Noble Guests durch das prächtige CEASARS PALACE. Beim Eingang zum festlich geschmückten Festsaal werden wir von Arna und Tommy bereits sehnsüchtig erwartet. Obwohl den beiden heute wohl der anstrengendste Tag des Jahres bevorsteht, lassen sie es sich nicht nehmen, uns persönlich einen tollen Abend und einen guten Rutsch zu wünschen. Der Saalchef höchstpersönlich begleitet uns jetzt zum besten Tisch Nummer 18 inmitten des Saals und direkt vor der Bühne. Unsere lustigen und sehr typischen amerikanischen Tischnachbarn stellen sich uns als Texaner im Öl-Business vor. Was denn sonst?
Wie eine Göttin betritt Tina Turner die Bühne. Alle, aber auch wirklich alle Gäste erheben sich und applaudieren ihr minutenlang. Noch während des Applauses gibt die Diva Vollgas und startet mit dem Superhit SIMPLY THE BEST. Während ausschliesslich Dom-Perignon-Jahrgangschampagner eingeschenkt wird und die Filet Mignons auf den Punkt genau serviert werden, folgt Superhit um Superhit. Genauso zum Hit wird der ganze Abend, der bis kurz vor Mitternacht von einem Höhepunkt zum anderen führt. Einige Minuten vor zwölf gehen die Lichter an, Tina bedankt sich bei den Gästen und wünscht allen einen guten Rutsch ins neue Jahrtausend. Wir schnappen uns eine Flasche Dom Perignon und mischen uns draussen vor dem CEASARS PALACE unters Volk, geniessen das bombastische Feuerwerk und stossen happy auf unser gemeinsames Glück im neuen Jahr 2000 an.
HAPPY MILLIONÄR
Las Vegas – Ceasars-Palace-VIP-Service bei Arna
Happy New Year 2000 mit Dom Perignon
Las Vegas, Ceasars Palace – Millennium 2000 Mega Party mit Tina Turner
Kapitel 3
Zurück zu den Wurzeln
Die Anschaffung einer grösseren Yacht hat durchaus ihre Berechtigung. Denn neben der absoluten finanziellen Freiheit verhilft uns der Verkauf von BREZELKÖNIG auch noch zum höchsten Gut, das ein Mensch braucht, um glücklich zu sein: Zeit! Endlich sind wir nicht mehr in unserem Unternehmen gefangen und können wieder, nach Lust und Laune und wann und wo immer wir wollen, das Leben in vollen Zügen geniessen. Genauer gesagt soll die APPLAUS künftig für sechs Monate im Jahr unser Zuhause werden und da macht der neue Wohnkomfort natürlich Sinn.
Nur ein halbes Jahr deswegen, weil wir erstens nicht dafür gemacht sind, uns von nun an für den Rest unseres Lebens unter dem Sonnenschirm zu räkeln, und zweitens auch deshalb, weil das aktuelle Markt- und Messegeschäft vom damaligen BREZELKÖNIG-Deal ausgeschlossen worden ist. Und so kommt es, dass die in mir verloren geglaubte Leidenschaft des geborenen Markthändlers während der Frühjahrsmesse BEA 2000 in Bern neu entfacht und ich mich plötzlich wieder in meinem Element fühle. Fast hätte ich vergessen, wie schön es doch ist, gemeinsam mit meiner grossen Liebe hinter dem süssen rosa SCHLOSS SCHLARAFFENLAND zu stehen und den Leuten unsere Spezialitäten voller Überzeugung und mit viel Humor anzudrehen. Die Kundschaft liebt uns für unseren persönlichen Einsatz, unsere Freundlichkeit, die frechen Sprüche und natürlich für die stets obendrauf gelegten extra Müsterli. Die Arbeit macht so viel Spass wie noch nie und das liegt natürlich vor allem auch daran, dass wir genau wissen, 10 Tage harte Arbeit und schon wartet wieder das süsse Leben auf uns. Und das Beste daran ist, dass sich unsere gute Laune sofort auszahlt und wir uns an traumhaften Umsätzen erfreuen können.
Dieser Erfolg kommt natürlich nicht von ungefähr. Schliesslich bin ich quasi als Markthändler geboren worden und habe die entsprechenden Gene im Blut. Darauf bin ich stolz, genauso wie auf meine beruflichen Anfänge, mit denen mich vorwiegend positive Erinnerungen verbinden und die mich nie vergessen lassen werden, woher ich komme. Und deshalb freue ich mich, in gewisser Weise wieder zurück zu meinen Wurzeln gefunden zu haben. Mit dem kleinen, aber bedeutenden Unterschied allerdings, dass heute ein Team hinter uns steht, das sämtliche Vorbereitungen und den Aufbau der Geschäfte für uns übernimmt. Zum Beginn einer Messe oder eines Events brauchen wir sozusagen nur noch die Bühne zu betreten und losgehen kann die Show.
Früher war das natürlich noch anders, und ganz früher nochmals anders. Damals in den 40er Jahren war es kein Geringerer als mein geliebter Grossvater Hans Bosshard, der Erste aus dem zürcherischen Uster, der gemeinsam mit meiner Oma den Grundstein zur familiären Markthändlertradition gelegt hatte. Als gelernter Bäcker und Konditor war er einer der Ersten, der die weichen Butter-Nidelzelti, die gebrannten Mandeln sowie das Magenbrot selbst produzierte und auf dem Markt verkaufte. Bald merkte er, dass es noch besser lief, wenn er seine Nidelzelti und gebrannten Mandeln direkt am Stand zubereitete. Eine clevere Innovation, die über Jahrzehnte die Zukunft von drei Generationen beeinflussen sollte. Im Laufe der Zeit zeigte sich mein Grossvater auch stets erfinderisch, schöpferisch kreativ und was sein Sortiment betrifft, sehr anpassungsfähig. Je nach Saison erweiterte er sein Angebot um heisse Marroni, gegrillte Bratwürste oder Cervelats, aber auch um rote Zuckeräpfel für die Kinder. Er liebte seinen Beruf und er war der Inbegriff eines echten Markthändlers.
Mein Opa hat mir nicht nur die damals für einen Markthändler unerlässlichen Sprüche beigebracht, auch die äusserst attraktiven Standorte am Zürcher Knabenschiessen, am Grossjahrmarkt in Siebnen und am traditionellen Herbstmarkt in Uster hat er mir noch zu Lebzeiten vermacht. An allen drei Events findet man uns bis heute noch quasi am selben Standort. Beinahe wie in den Vierzigerjahren bieten wir auch in der Gegenwart, nicht viel anders als mein Opa es anno dazumal tat, frisch gebrannte Mandeln, weiche Butter-Nidelzelti und frisches Magenbrot an. Natürlich mit Opas uralten Sprüchen und ganz frisch nach Opas Originalrezept.
Genauso wie Grossvater war auch mein Vater ein pfiffiger Unternehmer mit unzählig vielen neuen Ideen. Er war es auch, der als einer der allerersten Schweizer Markthändler seine altmodischen Verkaufsstände gegen moderne und gut eingerichtete Verkaufswagen tauschte. Schon als Kind durfte ich meinen Vater stets während der Schulferien zur Arbeit begleiten. Das war immer das Allergrösste für mich und ich konnte mir damals einfach nichts Schöneres vorstellen, als in Vaters Verkaufswagen mitzuarbeiten. Ganz besonders der St. Galler Herbstjahrmarkt während der alljährlich stattfindenden Landwirtschaftsmesse OLMA hatte es mir angetan. Mein Beruf stand für mich schon seit frühester Kindheit fest. Als frühreifer Jugendlicher stand ich nach dem Abschluss der Sekundarschule im Herbst 1975 kurzzeitig vor der Entscheidung, eine Berufslehre zu machen. Nach der ersten Absage einer Lehrstelle als Automechaniker warf ich jedoch sofort die Flinte ins Korn und bat meinen Vater, mich in seinem Marktbetrieb aufzunehmen. Einen besseren Lehrmeister als meinen cleveren Vater konnte ich mir eh nicht vorstellen. Mein Kindheitstraum wurde Wirklichkeit.
Begeisterungsfähig, lernbegierig und sehr fleissig wie ich war, arbeitete ich, wenn nötig, Tag und Nacht. Ganz egal wo ich im Einsatz war, immer dort, wo ich gerade hinter der Theke stand, gab es den meisten Umsatz. Ganz nach dem Motto «dem Fleissigen gehört die Welt» stürzte ich mich mit meiner vollen Energie in das Geschäftsleben und liess beinahe täglich meine frischen Ideen in den Betrieb einfliessen. 1977 war ich mit 17 der unbestrittene Chef hinter der Theke.
Nachdem ich im Herbst 1978 meine Führerscheinprüfung bestanden hatte, war ich kaum noch zu bändigen. Ich strotzte vor Power und wusste, dass ich alles, aber auch wirklich alles schaffen konnte. Zurückhaltung war damals wie heute nicht mein Ding, sodass ich als junger, 18-jähriger Wilder gar nicht anders konnte, als Vollgas zu geben, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und Initiative zu ergreifen. Das tat ich mit vom Vater geliehenen 1'000 Schweizer Franken, seinem geliehenen Toyota Celica, dem ebenfalls geliehenen Stand auf dem Dach und meiner deutschen Freundin Dagmar auf dem Beifahrersitz. So wie ich es zuvor von meinem Vater gelernt hatte, fuhren wir auf gut Glück nach Pforzheim. Der Horten-Direktor hatte seine Freude an so einem pfiffigen Jungunternehmer mit hübscher Freundin und erlaubte uns tatsächlich, vor seinem Haus unseren Stand gegen Abgabe einer 25-prozentigen Umsatzprovision aufzubauen. Mitten in der Fussgängerzone Pforzheims, direkt vor dem Haupteingang des Horten, eröffnete ich meinen ersten eigenen SCHWEIZER-SAHNEBONBON-Verkaufsstand. Mit unseren Buttercaramels erwirtschafteten wir zur damaligen Zeit beinahe unglaubliche Umsätze von über 1'000 Deutschen Mark pro Tag und waren so bald die Stars bei Horten. Das ging dann gar so weit, dass mich der oberste Horten-Boss in der Zentrale Neuss empfing und mir anbot, in sämtlichen Filialen deutschlandweit arbeiten zu dürfen. Allerdings war ich damals für das ganz grosse Geschäft noch nicht reif genug. Und so war dieser Traum nur von kurzer Dauer, genauso wie das Liebesleben mit der deutschen Dagmar.
Diese Schule hat mich allerdings erwachsener gemacht, und als ich etwa ein Jahr später wieder in Vaters Betrieb eintrat, tat ich dies selbstbewusster als je zuvor. Auch mein Vater erkannte meine Talente und engagierte mich 1980 kurzerhand als Standchef des fixen GLOBUS-Verkaufsstandes Seite Löwenstrasse. Während der Frühlings- und Herbstsaison musste ich zusätzlich noch jeweils einen Messeverkaufsstand managen. Auf eigenen Wunsch verzichtete ich auf einen Fix-Lohn und bestand stattdessen auf 10 % Umsatzbeteiligung. Wieder gab ich Vollgas, liess die Umsätze durch meinen Fleiss explodieren und verdiente dadurch mit bereits als 20-jähriger überdurchschnittlich gut.
Ich muss zugeben, dass ich vom Erfolg gelockt nur noch in eine Richtung schaute, und zwar nach oben. Anfangs versuchte ich meinen Vater davon zu überzeugen, mit mir gemeinsam weitere Filialen zu eröffnen, doch ihm gefiel es, wie es war, hatte er mit mir doch einen äusserst tüchtigen Mitarbeiter. Ich war aber nicht bereit, mich damit abzufinden, und das sorgte dann immer wieder für Spannungen, die schliesslich zwei Jahre später dazu führten, dass sich unsere geschäftlichen Wege trennten.
1982 eröffnete ich mit 22 meinen ersten eigenen Gebrannte-Mandeln-Verkaufsstand direkt an der Bahnhofstrasse vor dem Haupteingang des Jelmoli in Zürich.
1985 wechselte ich das Konzept und eröffnete mit 25 meinen ersten BREZELBECK-Stand in Zürich und später einen weiteren in Basel.
1986 präsentierte ich an der OLMA in St. Gallen stolz meine erste von insgesamt drei rosa BREZELKUTSCHEN.
1991 fand im Frühling anlässlich der SCHWEIZER MUSTERMESSE in Basel, kurz MUBA, die Premiere des exakt nach meinen Wünschen bei MACK in Deutschland gebauten, rosa SCHLOSS SCHLARAFFENLAND statt.
1991 lernte ich Ende September, während der Luzerner Herbstmesse, Birgit, die Liebe meines Lebens, kennen. Von diesem Tag an war ich wieder unaufhaltsam und wusste, dass wir gemeinsam alles, aber auch wirklich alles schaffen können.
1993 eröffneten wir gemeinsam in Zürich beim Jelmoli den allerersten BREZELKÖNIG-Verkaufsstand, mit dem wir unglaubliche Erfolge feierten.
1994 toppten wir mit der Eröffnung unserer Filiale beim Zürcher GLOBUS an der Bahnhofstrasse alles bisher Dagewesene. BREZELKÖNIG machte nun endgültig Furore. Die erzielten Umsätze waren schlichtweg sensationell und selbst für uns unglaublich, die Zehntausendergrenze sprengten wir beinahe täglich. Weitere Filialen folgten.
1994 kam es dann auch zum schönsten Tag in unserem Leben. Die Heirat am 6. August 1994 öffnete ein neues Kapitel in unserem Leben und verlieh uns wahre Superkräfte.
1996 eröffneten wir kurz nacheinander erst die Luzerner BREZELBOUTIQUE mit der weltgrössten Auswahl verschiedener Brezeln und danach die weltweit modernste BREZELFABRIK, bei deren Eröffnung wir die Weltpremiere des ersten und einzigen Brezelschlingroboters feiern durften.
1999 unterbreitete uns ein deutscher Fabrikant pünktlich zur Jahrtausendwende ein unschlagbares Angebot zur Übernahme von BREZELKÖNIG. Wir liessen den umgesetzten Traum los und verkauften unser Unternehmen, um zurückzugewinnen, was wir auf dem Weg zum Erfolg verloren hatten: die Freiheit!
HAPPY MILLIONÄR
Chronologische Bilderstrecke Seite 23 bis 26
Vierzigerjahre: Oma und Opa am Uster Markt
Fünfzigerjahre: Opa, mein Vater und Oma am Uster Markt
Sechzigerjahre: Oma hinter dem Stand in Arosa
Opas alter Chevy beladen für den nächsten Markt
Siebzigerjahre: Opa und Oma in Action
Opa mit Zigarre am Caramelkochen
Oma vor dem Vilan Chur
1977: An der OLMA St. Gallen
1978: Mit meiner ersten Freundin an meinem 1. eigenen Caramelstand in Pforzheim (DE)
1982: Mit 22 an meinem ersten eigenen Gebrannte-Mandeln-Verkaufsstand in Zürich beim Jelmoli
1985: Erste BREZEL-BECK-Verkaufsstände beim Jelmoli in Zürich und beim Manor in Basel, damals noch Rheinbrücke
1986: BREZELKUTSCHE-Premiere OLMASt. Gallen
1991: SCHLOSS-SCHLARAFFENLAND-Premiere MUBA Basel
1993: Birgit an Zürichs allererstem
BREZELKÖNIG-Verkaufsstand beim Jelmoli Uraniastrasse
1994: Der neueste BREZELKÖNIG beim Globus Zürich
Birgit, der Superstar hinter der Theke
1994: 6. August, Traumhochzeit in der Hofkirche Luzern
1996: 29. Februar, Eröffnung DIE BREZELBOUTIQUE in Luzern
1996: 3. Mai, Eröffnung DIE BREZELFABRIK und Weltpremiere Brezelschlingroboter (Originalbroschüre 1996)
2015: Buchpremiere REZEPT ZUM GÜCK www.rezeptzumglueck
Kapitel 4
Gefeiert wie ein König
Erfolg muss man sich erarbeiten, umsonst gibt’s nichts und genau deshalb ist mir der weitverbreitete Neid der Leute absolut unverständlich. Diese sich ständig wiederholenden Aussagen, dass Reichtum unglücklich mache, und ähnlichen Unsinn kann ich nur als schwachsinnig bezeichnen. Warum auch sollen wohlhabende Menschen weniger glücklich sein als die weniger begüterten? Ein diesbezüglich besonders treffendes Erlebnis hatten Birgit und ich vor Jahren mal in Saint-Tropez, als wir unsere Begeisterung über das Anlegen einer Megayacht im Hafen mit den beiden neben uns stehenden Schweizer Touristen teilen wollten. Die Antwort des Paares fiel dann beinahe in Stereo ziemlich eindeutig aus: «Ja, das ist schon schön, aber ob die auch glücklich sind!?» Dass es sich bei den beiden, die wir wortlos stehen liessen, um Schweizer handelte, verwunderte uns wenig. Denn eigentlich bin ich es schon seit meiner frühesten Jugend gewohnt, immer wieder die Missgunst der Schweizer Neidgenossen spüren zu bekommen. Über die Jahre habe ich mich immer wieder von angeblichen Freunden abgewendet, weil deren Neid und Missgunst einfach unerträglich wurden.
Die Krönung der Eifersucht erfuhren wir, als wir in unserem Freundeskreis stolz bekanntgaben, BREZELKÖNIG mit grossem Gewinn verkauft zu haben. Der Neid der Leute und vor allem der unserer engeren Freunde gipfelte ins Unermessliche. Dies ging schliesslich so weit, dass man meinen Lamborghini als Zuhälterauto oder Birgits fünfzigtausend teure, mit Brillanten besetzte Uhr als Tussi-Schmuck bezeichnete. Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo ich diese in ihrer kleinen, beschränkten Welt lebenden, einfältigen Leute nicht mehr ertragen wollte. Kurzerhand liess ich die erst noch gross angekündigte Geburtstagsparty für den 6. August 2000 platzen und kündigte damit auch gleich 80 % meiner Schweizer Freundschaften.
Einmal mehr heisst das Rezept zum Glück Loslassen, wobei in diesem Fall wohl eher Losfahren die korrektere Bezeichnung wäre. Denn nun, wo das mit den falschen Freunden für ein und allemal geklärt ist, will ich mir erst recht einen ganz besonderen Geburtstagswunsch erfüllen. Im schneeweissen Lamborghini Countach soll es zu meinem runden vierzigsten Geburtstag nach Lust und Laune quer durch Bella Italia gehen. Aufgrund meiner Fahrzeugwahl hegt Birgit allerdings nicht unberechtigte Zweifel. Einerseits hätten wir weit bequemere Autos zur Verfügung und andererseits zählt mein rarer Countach 5000 S mit anspruchsvollem Zwölfzylinder-Motor und komplizierter Technik halt eben nicht gerade zu den zuverlässigsten seiner Art. Handkehrum, was soll uns mit einem Schutzbrief des Schweizer Automobil Clubs und der schwarzen CENTURION AMEX in der Tasche schon gross passieren?
Wenn wir schon mal wieder in Italien sind, dann wollen wir es nicht unterlassen, unseren in jeder Beziehung grossartigen Freund Antonio im italienischen Pescara anzurufen. Antonio freut sich derart über unseren Anruf, dass er spontan darauf besteht, meinen Vierzigsten gemeinsam mit uns in Pescara zu feiern. Wir nehmen die überraschende Einladung natürlich sehr gerne an und düsen schon bald mit unserem Rennwagen über die italienische Autobahn in Richtung Süden. Bei strahlendem Sonnenschein geht es von Luzern aus durch den Gotthardtunnel über Mailand bis nach Modena, dem ersten Etappenziel unseres Giro d’Italia. Bei der Autobahnausfahrt kommt das auf uns zu, was der tiefschwarz bedeckte Himmel längst angekündigt hat. Auf Blitz und Donner folgt ein Regenschauer höchsten Ausmasses, die Strassen beginnen sich allmählich zu fluten und die Sicht ist gleich null. Um jeden Plan der Weiterreise beraubt finden wir uns ziemlich verloren vor den Toren Modenas wieder. Im Zeitlupentempo pilotiere ich meinen supercoolen Schlitten auf seinen superbreiten Reifen nun schon zum vierten Mal im Schneckentempo um denselben Kreisel und weiss noch immer nicht, welche Richtung ich einschlagen soll.
Doch plötzlich geschieht Unglaubliches, beinahe so etwas wie ein echtes italienisches Wunder. Wie aus dem Nichts taucht ein klitzekleines Auto auf, das uns dauerhupend immer näherkommt. Wir lassen den als weissen Fiat 500 erkennbaren Drängler vorbei und wundern uns jetzt über das heruntergelassene Fahrerfenster und den hinter dem Steuer sitzenden, uns wild zufuchtelnden, pitschnassen Fahrer. Mit der Vermutung, einen Platten oder sonst ein Problem zu haben, verlassen wir den Kreisel und fahren bei der nächsten Möglichkeit rechts ran. Den Gang eingelegt und mit dem Fuss auf dem Gas bin ich für einen allfälligen Überfall vorbereitet und beobachte nun im Rückspiegel, wie der Typ aus seinem «italienischen Rucksack» aussteigt. Dass es noch immer wie aus Eimern schüttet, hindert den guten Mann nicht daran, sich an meinem Fahrerfenster zu positionieren und sich freudig lachend mit dem Daumen nach oben als Lamborghini-Fan zu outen. Nun, wo sich der freundliche Italiener getrost als harmlos einstufen lässt, kurble ich das eh nur zu einem kleinen Spalt zu öffnende Seitenfenster hinunter und bedanke mich lächelnd bei unserem Fan für die entgegengebrachte Aufmerksamkeit. Dieser kann sich kaum davon erholen, tatsächlich vor einem echten Lamborghini Countach zu stehen, und will wissen, ober er uns irgendwie behilflich sein kann. Wir bejahen und fragen nach einem Hotel. Der etwa Mitte 30-Jährige freut sich unheimlich, uns helfen zu können, und bittet uns ihm zu folgen.
Es entsteht eine aberwitzige Kombination aus einem winzig kleinen Fiat 500, der sich dicht gefolgt von einem weissen Lamborghini-Boliden im Schneckentempo durch Modena bewegt. Die Fahrt dieses bestimmt lustig anzusehenden Konvois endet 20 Minuten später in einem Industriegebiet vor einem nicht überdachten Eingang eines modernen Business-Hotels. Unser eh schon platschnasser Freund und Helfer in der Not steigt sofort aus seinem Gefährt, gibt uns Zeichen, im trockenen Auto zu warten, und verschwindet in der Hotellobby. Kaum eine Minute später steht der Gentleman mit Regenschirm bei Birgits Tür und begleitet sie in die trockene Lobby, natürlich nicht ohne mir ein Zeichen zu geben, dass er mit mir dasselbe vorhat. Von so viel Hilfsbereitschaft überwältigt wollen wir uns bei dem liebenswerten Mann auf irgendeine Art und Weise erkenntlich zeigen. Doch davon will der stolze Italiener absolut nichts wissen, stattdessen besteht er darauf, uns nun auch noch mit dem Gepäck helfen zu dürfen. Dafür lieben wir die Italiener! Ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft sind und bleiben unübertroffen!
Die nette Dame am Empfang macht uns darauf aufmerksam, dass wegen der landesweit herrschenden Augustferien auch in Modena vieles geschlossen sei und dass wir so gesehen gerade nochmals Glück gehabt hätten, ein freies Zimmer zu bekommen. Dankbar, aber hungrig fragen wir nach dem Restaurant. Auch dieses sei wegen der Ferien leider geschlossen, entschuldigt sich die junge Frau, empfiehlt uns aber eine gute Pizzeria in der Nähe. Den inzwischen in der sicheren Hotelgarage abgestellten Lamborghini wollen wir nicht mehr anrühren und lassen uns deshalb im Taxi zum Restaurant fahren. Der äussere Eindruck des Lokals könnte enttäuschender nicht sein und auch beim Betreten des Schuppens erfahren wir eher den Charme einer Fernfahrerkneipe als den einer romantischen Pizzeria, den wir uns gewünscht haben. Es ist bereits 21 Uhr, draussen schüttet es nach wie vor in Strömen und um diese Uhrzeit noch ein Wunder zu erwarten wäre ja wohl eh reines Traumdenken. Also arrangieren wir uns und bitten die zugegeben sehr freundlichen Wirtin um eine Flasche Vino rosso und die Speisekarte. Extrem hungrig bestellen wir ohne jede Erwartung zwei Gerichte. Die Wirtin höchstpersönlich verschwindet in der Küche und eine Viertelstunde später stellt man uns eine Schüssel knackfrischen Salat auf den Tisch, der überraschenderweise besser nicht schmecken könnte. Eine weitere halbe Stunde soll es dauern, bis uns die Hauptspeise serviert wird und wir nun endlich etwas Warmes zu essen bekommen. Aussehen tut alles schon mal recht gut, riechen tut es noch besser und sogar die Teller sind heiss. Gespannt kostet Birgit ihr Leibgericht Lasagne und ich meine Lieblingsspaghetti. Und tatsächlich erfahren wir unser zweites italienisches Wunder am selben Abend. «Mamma mia! Das sind die weltbesten Frutti-di-Mare-Spaghetti, die ich in meinem ganzen Leben je gegessen habe», freue ich mich begeistert. Birgit toppt nach und behauptet dasselbe von ihrer ganz frisch zubereiteten Lasagne, die sie nun mit leuchtenden Augen und mit Hochgenuss bis auf den letzten Bissen verspeist. Ein völlig unerwartetes Vorgeburtstagsgeschenk, das den verregneten Tag nun plötzlich in einem hellen Licht erscheinen lässt.
Tags darauf erreichen wir Pescara um die Mittagszeit des 5. August 2000. Verabredet haben wir uns mit Antonio in Pescaras Zentrum bei einem zu seiner Gruppe gehörenden Hotels. Vor dem palastartigen, prunkvollen Bau angekommen erwartet uns ein beeindruckender Empfang durch die Hotelcrew. Der Concierge weist uns im Beisein des Hoteldirektors höchstpersönlich in den mittleren von insgesamt drei offensichtlich extra für uns freigehaltenen Parkplätzen ein. Kurz darauf fährt Antonio ganz cool in seinem nigelnagelneuen schwarzen Porsche Turbo vor und nimmt uns freudig in die Arme. Die Wiedersehensfreude ist riesig, so gross, dass wir uns für einige Minuten gar nicht mehr loslassen wollen. Antonio schlägt vor, dass wir nun unser Zimmer beziehen, uns kurz frisch machen, um dann gemeinsam schön essen zu gehen. Antonios Lunch- und Dinner-Einladungen sind legendär, weshalb wir seiner Bitte noch so gerne nachkommen. Doch zuerst will ich mich als typisch vorsichtiger Schweizer im gefahrenträchtigen Italien vergewissern, dass mein teures Auto über Nacht in einer gesicherten Tiefgarage vor diebischem Zugriff geschützt ist. Antonio lacht amüsiert und antwortet mit einem Augenzwinkern in Englisch, der Sprache, in der wir uns für gewöhnlich unterhalten: «Take it easy, dear Stefano, no worries!», was in etwa heissen soll: nimm’s locker und mach dir keine Sorgen. Inzwischen kenne ich Antonio nur zu gut und wage es nicht, auch nur im Geringsten an seinen Worten zu zweifeln. Vertrauensvoll lasse ich den Lamborghini einfach stehen. Nun, wo das geklärt wäre, besteht Antonio darauf, uns höchstpersönlich durch sein feudales Hotel zu führen und uns die für uns reservierte Präsidenten-Suite zu präsentieren. Wow! Es wird schliesslich 15 Uhr nachmittags, bis uns Toni, Antonios Chauffeur und Bodyguard, im Range Rover zum Lunch abholt. Antonio erwartet uns bereits sehnsüchtig in dem ausschliesslich für uns reservierten Nobelrestaurant und lässt gleich mal die Korken knallen. Für den elitären Italiener, der es vom Immobilienhändler in Australien zum angesehensten Bauunternehmer der Gegend gebracht hat, ist es ganz normal, dass ein Restaurant nur für ihn und seine Gäste geöffnet hat. Ebenso normal ist für den Milliardär die Angewohnheit, mindestens zweimal am Tag das Outfit zu wechseln und dabei unbedingt darauf zu achten, dass die Schuhe und die Uhr auch ganz sicher zur exquisiten Kleiderwahl passen. Kennengelernt haben wir den immer aufgestellten und supercoolen ehemaligen Formel-1-Stall-Besitzer vor etwa 7 Jahren im Thailand-Urlaub in Phuket.
Nirgendwo sonst auf der Welt wird das Essen so zelebriert wie hier in Italien, ganz besonders dann, wenn man mit Antonio unterwegs ist. Seit dem frühen Nachmittag werden uns ständig kleine und kleinste Portionen ausgesuchter Spezialitäten wie Prosciutto di Parma, Coppa, Salami, Mortadella, Kaviar und Austern sowie hausgemachte Nudeln mit frischen Trüffeln, Hummer, oder Frutti di Mare serviert. Das Essen köstlich zu nennen wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Freigiebig wird Jahrgangschampagner Dom Perignon ausgeschenkt, als wäre es ganz gewöhnlicher Prosecco. Inzwischen ist es acht Uhr abends und wir sind gerade mal beim Hauptgang angelangt. Serviert wird ein zartes Filet Mignon an deliziöser Trüffelsauce und ein Ende dieser Schlemmerorgie scheint noch lange nicht in Sicht. Gut gelaunt schmiedet Antonio während des Essens Pläne für das morgige grosse Geburtstagsdinner, das er zu meinen Ehren veranstalten will. Dieses solle, wie er sagt, zur absolut unvergesslichen Fete werden. Ich frage mich allerdings, wie der heutige Abend noch zu toppen sein könnte, weiss aber auch, dass Antonios Wege unergründlich sind und absolut keine Grenzen kennen. Währenddessen führt Bodyguard Toni im Auftrag seines Chefs ein wichtig klingendes Telefongespräch. Tonis enttäuschter Miene nach zu urteilen läuft das Gespräch nicht wie erwartet. «Domani è chiuso», morgen ist geschlossen, gibt er Antonio weiter. Antonio lacht, verlangt ganz gelassen nach dem Hörer und bittet uns mit einem Augenzwinkern, ihm zuzuhören. Damit wir verstehen können, was er zu sagen hat, spricht er in gut verständlichem Englisch. In etwa sind die folgenden Worte gefallen: „Guten Abend Pietro, was höre ich da? Du willst dein Lokal morgen geschlossen halten? Hör zu, neben mir sitzt mein bester Freund, der Präsident der Schweiz mit seiner Gattin. Die beiden sind meine Gäste und morgen feiern wir den Geburtstag des Präsidenten bei dir. Also entscheide dich, ob du morgen offen hast oder für immer schliessen möchtest.“ Antonio blinzelt uns erneut zu und meint mit einem siegreichen Lachen: «Tutto bene!» Birgit und ich schauen uns gegenseitig an und wissen jetzt gerade nicht, ob wir das für bare Münze nehmen sollen oder nicht. Doch Antonio lacht wieder und beruhigt uns mit den Worten: «Questa è l'Italia!», das ist Italien! Andere Länder, andere Milliardäre Also machen wir uns keine weiteren Gedanken, geniessen den wunderbaren Abend und freuen uns mit Antonio auf den morgigen, überraschungsreichen Tag.
Am späten Nachmittag des 6. August 2000 fährt Antonio in seinem brandneuen, dunkelblauen Rolls Royce Silver Seraph vor und bittet uns hinten Platz zu nehmen. Mit dem allergrössten Vergnügen machen wir es uns im feudalen, mit Conolly-Lederpolstern und dicken Lammfellteppichen ausgestatteten Fond bequem und lassen uns noch so gerne von unserem lieben Freund chauffieren. Während er seinem Bodyguard Toni im vorausfahrenden schwarzen Jeep folgt, schwärmt er von seiner guten Freundin Constanze, die uns im silbernen Mercedes hinterherfährt. «Sie ist eine weltberühmte, italienische Opernsängerin und ich habe sie speziell für deinen Geburtstag eingeladen, Stephan», gibt er voller Stolz und Freude bekannt. Wir können fühlen, dass die heutige Überraschung tief aus seinem Herzen kommt, und sind sehr gespannt, was uns erwarten wird. Eine knappe Stunde folgen wir einer immer schmäler werdenden Bergstrasse hinauf in das von unglaublicher Naturschönheit umgebene Abruzzen-Gebirge, bis der kleine Konvoi direkt vor einer winzigen, total abgelegenen Kapelle zum Stillstand kommt. Alle steigen wir aus unseren Autos und folgen Antonio in die Kapelle, wo er ein kurzes, stilles Gebet abhält. Dann geht es zurück in die Fahrzeuge und der Konvoi kommt wieder in Bewegung, bis wir nur wenige Minuten später unser Ziel erreichen. Was hier in der Einsamkeit vor uns auftaucht, lässt uns allerdings aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.
Wer kennt nicht den Film DER PATE? In etwa so möchte ich die Gegend mit ihren bestimmt über ein paar hundert Jahre alten, sehr stilvollen, aber nicht protzigen Gebäuden inmitten der Wildnis der Abruzzen beschreiben. Vor dem imposanten Hauptgebäude, das eine Mischung aus Kirche, Ritterschloss und altem Mafiapalast ist, erwartet uns die fein herausgeputzte Crew des vornehmen Etablissements. Inmitten des in Reih und Glied strammstehenden halben Dutzends der ausnahmslos schneeweiss gekleideten Köche, Kellner und sonstigen Beschäftigten sticht ein einziger schwarz gekleideter Mann hervor. Dieser schreitet nun erhobenen Hauptes auf unsere kleine Gruppe zu und begrüsst Antonio ehrfürchtig mit Handschlag, worauf Antonio den Mann herzlich umarmt, ihm auf die Schultern klopft und sich für den grossartigen Empfang bedankt. Nun wendet sich der Mann in schwarz uns zu, begrüsst uns wie wahre Staatsoberhäupter und fordert uns auf, ihm in die verheissungsvollen Gemäuer des Palastes zu folgen.
Die um 8 Meter hohen, massiven und bestimmt hunderte von Jahren alten Holztüren quietschen und knarren und verschaffen uns Eintritt in eine Welt aus einer vergangenen Epoche. Voller Ehrfurcht betreten wir den opulent und herrschaftlich ausgestatteten, einem Rittersaal ähnelnden Raum. Von der unendlich hohen, kunstvoll bemalten Decke schweben etwa zwei Dutzend prächtige Kronleuchter. Deren hunderte brennende Kerzen erhellen den mystischen Raum auf eine sehr spezielle Art und Weise. Wir sind absolut sprachlos, so etwas kennen wir im besten Fall aus Hollywoodfilmen, aber nicht vom wahren Leben. Doch hier ist alles echt, genauso wie anno dazumal, als sich die Fürsten und Könige noch feiern liessen. Antonio freut’s, und während die Hausmarke Dom Perignon serviert wird, stellt er uns seine gute Freundin, die Opernsängerin Constanze, vor. Eine waschechte, liebenswerte Italienerin, welche nicht besser zu unserer Fünfergruppe, bestehend aus Antonio, Toni und uns beiden, passen könnte. Als wir schliesslich an der etwa 20 Meter langen, nur für uns fünf prunkvoll gedeckten Tafel Platz nehmen, fühlen wir uns tatsächlich wie kleine Könige. Und als dann auch noch alle laut «Happy, happy Birthday, Stephan» singen, muss ich vor lauter Ergriffenheit direkt mal kurz gegen die Freudentränen ankämpfen. Was für ein schöner Geburtstagsabend.
Doch der Abend hat erst begonnen. Während die Champagnerkorken weiter knallen, bittet man uns zum traumhaft schön hergerichteten Buffet mit einer unvorstellbar verschwenderischen Auswahl an italienischen Wurst-, Käse- und Schinkenspezialitäten. Ganz nach unserer Wahl schneidet das offensichtlich geschulte Personal von Hand hauchdünne Scheiben, von denen wir jede einzelne geniessen. Zwischendurch wird immer mal wieder eine kleine Erfrischung in Form eines Sorbets oder Ähnliches serviert und so geht das um die eineinhalb Stunden weiter. Irgendwann begibt sich Constanze in die Mitte des riesigen Saals und beginnt in bester Opernmanier eine Arie nach der anderen zu singen. Das muss man sich mal vorstellen, eine der berühmtesten Opernsängerinnen Italiens gibt uns zu Ehren ein etwa vierzigminütiges Privatkonzert. Wir danken es der Diva durch minutenlangen Applaus. Plötzlich ertönt eine laute Fanfare und wie von Geisterhand öffnen sich zwei weitere schwere Türen, die den Blick in einen anderen, noch grösseren und noch eindrücklicheren Raum preisgeben.
Eigentlich dachten wir, dass wir uns bereits auf dem Höhepunkt des Abends befänden, doch wie so oft mit Antonio werden wir jetzt eines Besseren belehrt. Wir haben gerade mal die Vorspeise hinter uns, jetzt geht es in diesen prunkvollen, mit purem Gold verzierten königlichen Ballsaal. Das aufmerksame Personal erwartet uns bereits und bittet zu Tisch, wobei königlich dekorierte Festtafel wohl die treffendere Bezeichnung ist. Birgit flüstert mir allen Ernstes zu: «Sind wir hier bei Cinderella?» Auch mir fehlen die Worte und beide kommen wir aus dem Staunen nicht mehr hinaus. Es sei nur zu hoffen, dass sich dieses Märchen nach Mitternacht nicht in einen Traum auflöst. Doch keine Angst, alles ist real. Es folgt ein göttliches, aus unzähligen Gängen bestehendes Dinner mit einer Weinauswahl, die sonst nur Königen vorbehalten ist. Bis weit nach Mitternacht wird geschlemmt und gefeiert und als Höhepunkt des Abends geht der heitere Antonio hin, vertreibt den Kellner vom Rechaud und macht sich lustig daran, uns allen höchstpersönlich eine köstliche Crêpe Suzette am Tisch zuzubereiten. Zum Abschluss dieses unvergesslichen und unglaublich schönen Abends überreicht mir Antonio eine Flasche Rotwein meines Jahrgangs 1960 mit den Worten: «Mein lieber Freund Stephan, diese Flasche soll dich immer an den heutigen Abend erinnern.»
Übrigens, Antonio wäre nicht Antonio, hätte er nicht organisiert, dass der Lamborghini die ganze Nacht hindurch vor dem Hotel durch Sicherheitsleute bewacht und am Morgen auch gleich noch an Ort und Stelle fein säuberlich von Hand gewaschen wird. Italienisches Dolce Vita all inclusive!
Vielen Dank, lieber Freund Antonio, bis bald mal wieder in Bella Italia …
HAPPY MILLIONÄR
Mein absolutes Lieblingsauto! Lamborghini Countach 5000 S 1981
Kapitel 5
Rocky von Paris
Birgit ist in jeder Beziehung eine Schönheit, innen wie aussen. Ihre positive Lebenseinstellung, ihr ständiges Lachen, die liebevolle und verständnisvolle Art, all das hat mich zu einem rundum glücklichen Menschen gemacht. Birgit ist die Liebe meines Lebens, der mich ständig begleitende Sonnenschein und die Person an meiner Seite, die immer für gute Laune sorgt. Ganz egal wie verrückt meine Ideen auch sein mögen, Birgit ist dabei und das Glück ist mit uns. Nun, wo wir beruflich nicht mehr so stark engagiert sind, ist es an der Zeit, meiner einzigen wahren Liebe etwas zurückzugeben und ihr einen langgehegten Wunsch zu erfüllen.
Seit ich Birgit kenne, träumt sie vom eigenen Hund, am liebsten hätte sie einen Dobermann, ein Wunsch, der auf ihre Kindheit zurückgeht, genauso wie ihre Tierliebe im Allgemeinen. Denn sie wuchs mit Dobermännern aus der eigenen Zucht ihres Vaters auf und verlebte als Kind viel Zeit mit Pferden auf dem nachbarschaftlichen Reiterhof der Familie Lugge im deutschen Essen. Ihre Jugend verbrachte sie vorwiegend mit Reiten und sie nahm auch erfolgreich an nationalen Springreitturnieren teil. Noch heute schwärmt Birgit mit leuchtenden Augen von der damaligen wunderschönen Jugendzeit.
Am allerliebsten würde ich Birgit mit einem Dobermann-Welpen überraschen. Doch das Thema grosser Hund haben wir aufgrund unserer Reisefreudigkeit abgehakt und wir haben uns auf einen kleinen Hund geeinigt. Damit wir unseren Hund künftig auch mit in die Kabine des Flugzeuges mitnehmen können, darf dieser im Maximum 5 Kilogramm wiegen. Damit wären wir dann aber eher bei einem Bonsai-Hündchen als bei einem ausgewachsenen Dobermann angelangt. Doch Birgit wünscht sich nun mal einen Dobermann und diesen Wunsch will ich ihr erfüllen. Nach einigen intensiven Recherchen stosse ich auf eine Züchterin nahe Paris, die kleine kleine Pinscher, züchtet. Von Madame Chevalier erfahre ich, dass es sich bei ihren Hunden tatsächlich um echte kleine Dobermänner handelt, die auch über die exakt dieselben Charaktereigenschaften wie die grossen Tiere verfügen. Nachdem sich die Züchterin darüber vergewissert hat, dass der Hund auch ein wirklich gutes Zuhause bekommt, erklärt sie sich bereit, mir per E-Mail einige Fotos ihrer Hunde zu senden. Als ich Birgit die Bilder zeige, ist sie nicht mehr zu halten und will nun am liebsten sofort so einen süssen, kleinen Hund. Zu unserem Glück wird der nächste Wurf in Kürze erwartet, sodass wir uns mit Frau Chevalier auf einen Abholtermin für Mitte November einigen.
