Heeresbericht (2. Teil, 7. Kap.) - Edlef Köppen - E-Book

Heeresbericht (2. Teil, 7. Kap.) E-Book

Edlef Köppen

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Beschreibung

Der Student Adolf Reisiger kommt als Kriegsfreiwilliger 1914 zu einem Feldartillerieregiment, kämpft an der Westfront und wird dort verwundet. Im Laufe der Jahre zweifelt er immer stärker am Sinn des Krieges ... - 1930 erschienener Roman, in dem Köppen eigene Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg literarisiert. Das E-Book enthält folgenden Auszug: Zweiter Teil, Siebentes Kapitel.

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Seitenzahl: 35

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Edlef Köppen

Heeresbericht (2. Teil, 7. Kap.)

- mit Leitfaden zur Interpretation -

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Edlef Köppen: Heeresbericht (Zweiter Teil, Siebentes Kapitel)

Leitfaden zur Analyse von Prosatexten

Impressum neobooks

Edlef Köppen: Heeresbericht (Zweiter Teil, Siebentes Kapitel)

1

21. August

Westlicher Kriegsschauplatz

. . . Zwischen Oise und Aisne hat gestern der seit einigen Tagen erwartete, am 18. und 19. August durch starke Angriffe eingeleitete, erneute Durchbruchsversuch des Feindes begonnen. Nach stärkster Feuersteigerung griffen weiße und schwarze Franzosen am frühen Morgen in tiefer Gliederung, unterstützt durch zahlreiche Panzerwagen auf 25 Kilometer breiter Front an. Sie drangen stellenweise in unsere vorderen Linien ein.

2

Eine besondere Bedeutung kommt bei der Sturmabwehr der Bekämpfung der feindlichen Panzerkraftwagen als eines neuen, bislang wenig bekannten Kampfmittels zu. Das auf Mulden, Wegen und auf den feindlichen Stellungen liegende Vernichtungs- und Sperrfeuer wird wahrscheinlich durch die Masse des Feuers vielfach die Panzerkraftwagen zum Halten bringen, so daß nur einzelne an und in unsere Linien gelangen werden. – Gegen diese wird die Bekämpfung durch Geschütze (Infanteriegeschütze oder Feldkanonen), die mit direktem Schuß aufnahe Entfernungen feuern, durchgeführt. Sie werden dazu mit einem Sondergeschoß ausgerüstet. Wichtig ist, daß diese Geschütze nicht vorzeitig ins Feuer treten, damit sie nicht erkannt werden und im Bedarfsfalle noch erhalten sind. – Nur ein derartig straff organisiertes Beschießen von Panzerkraftwagen wird Erfolg haben. Eine allgemeine Bestimmung, daß alle Batterien, die Panzerkraftwagen erkennen, das Feuer dagegen aufzunehmen haben, führt zu Verwirrung und Mißerfolg.(Gefechtsvorschrift für die Artillerie. Berlin 1917, Ziffer 299. Nur für den Dienstgebrauch)

3

Die furchtbare Waffe

Vor ihren Aisne-Karten,  Das Kampfspiel zu erwarten,  Saß Königin France.  Und um sie die Großen der Krone  Englands. »Was wären wir ohne  Unsre gewaltigen Tanks!«

Und wie sie winkt mit dem Finger,  Anrücken putzige Dinger,  Stahlriesen voll Sturms und Drangs.  Eben die Tanks.  »Die werden«, lacht sie mit Schnalzen,  »Deutschland niederwalzen,  Denn überall ist so ein Tank  Mittenmang.  Der Hindenburg gäbe, ich wette,  Viel drum, wenn er sie hätte!  Er neidet uns den Gedanken  Des Tanken.«

Und zu Ritter Hindenburg spottenderweis  Wendet sich Fräulein Mariann:  »Herr Ritter, glaubt Ihr wirklich daran,  Daß Geist die Maschinenkraft aufheben kann,  Ei, so hebt mir die Tanks da auf!«

Und bums! bums! dröhnt seine Kanonenlauf,  Zerschmettert gleich ohne Menkenke  Sechsundzwanzig Tänke.

»Nun hat er die Tanks, unsre Tanks, gekricht,  Nun wird er mit ihnen siegen!«  Doch Hindenburg leistet lächelnd Verzicht:  »Mir g’nügt das Schwert, das für Deutschland ficht,  Den Tank, Dame, begehr’ ich nicht!«

Und läßt ihn im Grabendreck liegen.

(Caliban, Der Tag, 28. 4. 1918)

4

22. August

. . . Zwischen Somme und Oise verlief der Tag ruhig. Südwestlich von Noyon haben wir uns in der Nacht vom 20. zum 21. kampflos vom Gegner etwas abgesetzt . . . . . . Zwischen Blerancourt und der Aisne setzte der Feind seine Angriffe tagsüber fort. Nur bei Blerancourt konnte er Boden gewinnen.

5

Die Tankabwehrgeschütze von Reisiger und Schmidt standen nahe an Blerancourt.

Zum Kommando gehörten außer den beiden Offizieren:Feldunterarzt Winkel, zwei Unteroffiziere, zehn Kanoniere und drei Telephonisten.

Die beiden Geschütze waren in einer ruhigen Nacht ohne Verluste in Stellung gegangen. Sie wurden auf freiem Feld postiert. Ein Dach aus Drahtgeflecht mit aufgeschüttetem Laub schützte vor Fliegersicht.

Einschießen der Geschütze war ausdrücklich verboten. Es sollte ausschließlich Überraschungswirkung gegen Panzerwagen in direktem Beschuß erzielt werden.

Offiziere und Mannschaften lagen in einer geräumigen Kalksteinhöhle in Bereitschaft. Sie teilten das Quartier mit der Reserve eines Infanteriebataillons. Der Führer dieser Reserve, Major Sänger, übernahm als Abschnittkommandeur auch den Befehl über die Geschütze.

Die Höhle war ein Quartier, wie man es seit vielen Wochen nicht mehr gehabt hatte. Sie bestand aus einem großen Raum, der die Ausmaße einer Bahnhofshalle von übergewöhnlichen Dimensionen hatte (er war von der Infanterie belegt), und aus einem kleineren Gewölbe, nicht größer als fünf Zimmer einer bürgerlichen Wohnung. Hier lag das Tankabwehrkommando.

Beide Räume waren durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden. Man hatte es tagelang nicht nötig, ins Freie zu gehen. Man war der Fliegersicht unter Garantie entzogen. Man konnte im Gang sogar kochen.

Die Höhle für die Artilleristen muß schon vor ihrem Einzug bewohnt gewesen sein: man fand einen Tisch, ein paar Kisten, und an der einen Wand übereinandergebaute Gestelle mit Stroh: Betten, wie man sie auch seit langem nicht mehr kannte.