Ich darf leben - Horst Pfeil - E-Book

Ich darf leben E-Book

Horst Pfeil

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Beschreibung

Der Titel des Buches "Ich darf leben" beruht auf einer selbst durchlebten, schweren Zeit. Der Autor erzählt darin von seiner gemeinsamen Zeit mit einer Krebserkrankung, wie er sie erlebt hat und wie er damit umgegangen ist. Er gibt vieles von sich preis, um damit anderen in einer ähnlich schwierigen Situation helfen zu können, den Glauben an sich und das Leben nicht zu verlieren.

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Seitenzahl: 60

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Wie ich mit der Krankheit Krebs umging.

Liebe Leser,

für einen Autoren-Wettbewerb des Verlages BoD zur Leipziger Buchmesse 2018 schrieb ich die Kurzgeschichte Das lustige Krankenhaus. Daraus entstand dieses Buch. Es erzählt davon, wie ich mit dem Blasenkrebs mit der Malignität III umgegangen bin. Dieser hatte sich 1992 in der Organwand meiner Blase eingenistet, ohne mich vorher zu fragen. Der Begriff Malignität wird am häufigsten verwendet, um das Wachstum und Differenzierung von Tumoren zu beschreiben. Der Name Malignität ist die Eigenschaft einer Erkrankung, die einen Organismus innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zerstört. Unbehandelt führt diese Krankheit zum Tod.

Bisher hat sich in Brüssel noch keine Institution gewagt, das Eindringen der menschenverachtenden Krankheit Krebs per Gesetz zu verbieten. Wer jedoch das Buch Eine Welt ohne Krebs von Edward Griffin gelesen hat, der versteht warum auch in Zukunft nichts geschehen wird! Über fünfundzwanzig Jahre habe ich in der Öffentlichkeit über meine damalige Krebskrankheit geschwiegen. Heute schreibe ich darüber. Vielleicht kann ich mit meiner Erzählung den Menschen, die ebenfalls von dieser schrecklichen Krankheit befallen sind, ein wenig helfen. Für mich war es wichtig geworden, sich nicht aufzugeben.

Es fiel mir nicht leicht, nach mehr als Zweijahrzehnten ein Buch über die eigene Krebskrankheit zu schreiben. Es vergingen Tage, um mit meiner Frau und guten Freunden über mein Vorhaben zu sprechen. Oft tauchte die Frage auf, willst du dir das wirklich antun? Meine innere Stimme sagte mir „ja, mache es.“ Es gibt viele Autoren, die zu diesem Thema bereits geschrieben haben. Mein Schreibstil mit ein paar humorvollen Umschreibungen, wird Sie, den Lesenden, zum Schmunzeln bringen. Die erlebten Jahre nach dem Ausbruch meiner Krebskrankheit haben mein Leben verändert. Es gab Dinge, die ich vorher für wichtig erachtete. Als ich aber erfahren durfte „Du hast Krebs“, entstand eine andere Gewichtung. Bewusst wird von mir das Wort ich will wieder und nicht ich möchte wieder gesund werden, benutzt. Meine Kurzgeschichte vom Autoren Wettbewerb zeigt schon am Anfang des Buches: ich will wieder gesund werden.

Ihr oder Euer Horst Pfeil

Buchholz, im Juli 2018

Inhaltsverzeichnis

Vor und nach der OP

Ich darf nach Hause

„Schwarzes Licht“

Zurück im Krankenhaus

Wieder im Berufsleben

Der Kampf zum Überleben

Mein Nachfolger

Adios Krankheit

Tschüss Akkubranche 1993

Wie das Alte so das Neue!

Ich war physisch am Ende

Für die Presse der Kinderfeind

Zurück in Hamburg

Meine Bewährungsjahre

Ab in die Rente!

Ein entscheidender Rückblick

Ein Abschied nach 44 Jahren

Mein Weg ins Ehrenamt

Nachwort

Vor und nach der OP

Die ersten Tage im Januar 1993 führten zwei sich nicht kennende männliche Wesen zusammen. Der eine Gymnasiallehrer und der zweite Techniker in der Elektrotechnik. In einer Privatklink in Bad Schwartau wartete auf sie der OP-Tag. Der Lehrer über 60 Jahre alt und Verdacht auf Prostatakrebs. Der 57 jährige Techniker Verdacht auf Blasenkrebs. Anstatt Frühstück am Morgen, lagen auf ihren Nachttischen die weißen Strümpfe. Man könnte sie auch auf Grund ihrer Länge „männliche Reizwäsche“ nennen. Desweiteren das lange, leicht gestärkte und sehr sorgfältig gefaltete OP-Hemd mit Band am oberen Rand.

Diese beiden Maskulinen waren nach ihrer Geburt zum ersten Mal wieder im Krankenhaus. Sorgfältig legten sie ihre metallischen Dinge in eine Schale, zogen die Reizwäsche über ihre wohlgeformten Männerbeine. Beim Kittel gab es etwas Schwierigkeiten mit dem Band am oberen Rand. Beide saßen nun voller Erwartung auf ihrem fahrbaren Bett. Die Zimmertür ging auf, Schwester Tamara kam herein. Sie sah auf die Wartenden. Ihr Gesicht verwandelte sich in leicht rötliche Farbe, fing an zu prusten, hielt dabei die Hände vor ihr hübsches Gesicht, ging zu Tür und rief um Hilfe. Oberschwester Margitta und vier weitere Schwestern betraten nun den Raum und schüttelten sich vor Lachen. Saßen doch ihre Patienten, die Beine nach unten gestreckt, die Kittel vorn und offen und nicht hinten zugemacht. Bei einer aufrechten Körperhaltung und leicht geöffneten Kittelspalt, konnten die sonst gut geschützten Schamstellen das Licht der Welt erblicken.

Margitta befahl jeweils zwei Schwestern, den beiden Maskulinen beim Ausziehen und richtig Anziehen der Kittel zu helfen. Von dieser Stunde an waren die Zwei auf der Station B für ihre Späße bekannt. Der Techniker mit den weißen Reizstrümpfen ist heute 81 Jahre alt. Er schrieb bisher vier Bücher über sein facettenreiches Leben, sein Name ist Horst Pfeil.

Am Vorabend der OP wurde mit dem operierenden Arzt ein ausführliches Gespräch über den Eingriff geführt. Ich hatte mich für eine spinale Anästhesie entschieden. Eine Rückenmark-Narkose setzt für den ausführenden Arzt eine große Erfahrung voraus.

Für mich, der gern Musik hört, war es angenehm, bei vollem Bewusstsein zu sein, Beethovens Neunte zu hören und ab unterhalb der Gürtellinie nichts zu spüren. Der bekannte Sportreporter Herbert Zimmermann sprach immer in seinen Sportreportagen von oberhalb oder unterhalb der Gürtellinie. Daraus wurde der Spruch abgeleitet: Alles, was ober- oder unterhalb der Gürtellinie selten gebraucht wird, verkümmert.

Am Nachmittag lagen wir beide, mein Bettnachbar und ich, artig in unseren Betten. Wir waren mit verschieden Schläuchen versehen. Bevor die Abend- und Nachtschwestern sich um uns kümmerten, besuchte uns Dr. N., um sich nach unserem Befinden zu erkundigen.

Der nächste Morgen begann bereits um 6 Uhr. Mit dem Schlauch und Beutel aufstehen und sich auf dem Flur bewegen. Danach die männlichen Reizstrümpfe wechseln, was nicht einfach war, da Schlauch und Beutel leichte Behinderungen verursachten. Aber unsere Schwestern waren uns wohlgesonnen. Gegen 7 Uhr konnten wir unser Frühstück vor der Tür an einem Servicewagen selbst zusammenstellen, um danach die Tageszeitung Lübecker Nachrichten zu lesen.

Nach vier Tagen wurde ich vom Katheder befreit, es ging aufwärts. Der tägliche Ablauf hatte sich eingestellt, man könnte es den sozialistischen Gang nennen. Da wir zwei lustige Typen waren, kam bei uns keine Langeweile auf. Alle Schwestern und Ärzte taten das, was den Patienten half, wieder gesund zu werden. Aber wurden wir es wirklich? Auf die Diagnose-Ergebnisse mussten wir eine Woche warten. Standen uns beiden Zimmergenossen noch unruhige Tage bevor? Noch wussten wir nicht: haben wir Krebs oder nicht? Auf jedem Fall machten wir am Sonnabendnachmitttag einen genehmigten Spaziergang zum Haus meines Zimmerfreundes. Dieser hatte uns telefonisch bei seiner Gattin zum Kaffeenachmittag angemeldet. Obwohl wir jeden Tag ohne Schlauch den Flur und die Cafeteria aufsuchten, wurden die ersten Schritte auf der Straße sehr gewöhnungsbedürftig. Wir zwei Zimmergenossen durften einen sehr gemütlichen Nachmittag erleben.

Am Sonntagabend kam Dr. N. zur Visite. Er war mit meinem Zustand sehr zufrieden, und ich durfte am Montag das Krankenhaus verlassen.

Ich darf nach Hause

Einer meiner zwei Söhne brachte mich am Montagvormittag wieder nach Hause in mein geliebtes Hamburg. Meine in der OP entfernten Gewebeproben warteten im Labor in der Lübecker Universitätsklinik noch auf ihre Untersuchung. Am Freitagvormittag rief mich Dr. Renner, ein Kollege von Dr. N. an: „Lieber Herr Pfeil, Sie haben hochgradig Blasenkrebs.“ Das war für mich ein Schlag ins Gesicht. Meine Frau war glücklicherweise zum Einkaufen. Für mich hieß es, am Montag zurück nach Bad Schwartau ins Krankenhaus.

An diesem Wochenende führten mich meine Gedanken, ob ich es wollte oder nicht, noch einmal in mein bisheriges Leben zurück. Mit 57 Jahren hatte ich es bis zum Geschäftsführer gebracht. Das Familienleben stimmte, meine Frau war aus ihrem Berufsleben ausgeschieden. Einer der zwei Söhne hatte eine Familie gegründet. Wir haben zwei Enkelkinder.