Ihre Bridgewater Bräut: Bridgewater Menage Serie Bücherset - Bände 4 - 6 - Vanessa Vale - E-Book

Ihre Bridgewater Bräut: Bridgewater Menage Serie Bücherset - Bände 4 - 6 E-Book

Vale Vanessa

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Beschreibung

Die ersten drei Bücher der USA Today Bestseller „Bridgewater Ménage Serie“. Dieses Buch umfasst die Bücher Ihre gefesselte Braut, Ihre Weihnachts Braut und Ihre zurückhaltende Braut. Falls Sie diese drei Bücher bereits besitzen, kaufen Sie dieses Buch nicht. Es enthält KEINE neuen Inhalte.

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Ihre Bridgewater Bräut

Bridgewater Menage Serie Bücherset - Bände 4 - 6

Vanessa Vale

Copyright © 2019 von Vanessa Vale

Dies ist ein Werk der Fiktion. Namen, Charaktere, Orte und Ereignisse sind Produkte der Fantasie der Autorin und werden fiktiv verwendet. Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebendig oder tot, Geschäften, Firmen, Ereignissen oder Orten sind absolut zufällig.

Alle Rechte vorbehalten.

Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder auf elektronische oder mechanische Art reproduziert werden, einschließlich Informationsspeichern und Datenabfragesystemen, ohne die schriftliche Erlaubnis der Autorin, bis auf den Gebrauch kurzer Zitate für eine Buchbesprechung.

Umschlaggestaltung: Bridger Media

Umschlaggrafik: Period Images; fotolia.com- Outdoorsman

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Inhalt

Ihre gefesselte Braut

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Ihre Weihnachts Braut

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Ihre zurückhaltende Braut

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

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ÜBER DIE AUTORIN

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Ihre gefesselte Braut

Bridgewater Ménage-Serie - Buch 4

1

REBECCA

Die Reise war lang gewesen. Würde ich einen Brief an einen geliebten Verwandten aufsetzen, würde ich genau das schreiben. Man beschwerte sich nie oder berichtete von den Unannehmlichkeiten, vor allem nicht, wenn das Schreiben erst Monate später ankommen würde. Aufgrund des Unglücks und der sicheren Verspätung würde ein Brief wahrscheinlich noch vor mir im Montana Territorium ankommen. Seit Chicago war ich allein geritten, ohne Begleitperson. Es wäre am besten gewesen, wenn ich eine gehabt hätte, aber es gab niemanden, den ich kannte, der sich in die Wildnis und unbesiedelte Indianergebiete wagen wollte. Ich wollte dort ebenfalls nicht hinreisen, aber diese Entscheidung stand mir nicht zu. Und so ritt ich auf einem geliehenen Pferd zu der Ranch, um nicht von meinem Ehemann, sondern einem Rancharbeiter begrüßt zu werden. Er hatte mir den Weg zu dem größten der Häuser beschrieben, die sich auf der fast baumlosen Landschaft verteilten.

Als ich dieses Mal mein Pferd langsamer werden ließ, wurde ich nicht nur von einem Mann, sondern von vielen begrüßt. Ich hatte keine Ahnung, welcher zu mir gehörte oder – was akkurater wäre – zu wem ich gehörte. Mehrere hatten dunkle Haare, manche blonde, andere waren rothaarig, aber alle waren groß, gut bemuskelt und ausgesprochen gutaussehend. Das waren keine Männer, wie sie sich normalerweise in den Kreisen meines Vaters der Londoner Elite aufhielten. Sie blickten einem direkt in die Augen, hatten eine selbstsichere Haltung und sahen aus, als ob sie das Leben lebten, anstatt es nur vom Seitenrand aus zu beobachten. Diese Männer machten ihre Hände schmutzig, statt jemanden zu bezahlen, die Drecksarbeit für sie zu erledigen. Das machte sie in meinen Augen furchterregend und ziemlich einschüchternd, da mir nicht beigebracht worden war, wie man mit einer solchen Dominanz umgeht. Einer dieser Männer war mein Ehemann? Mein Blick wanderte vom einen zum nächsten, aber keiner trat nach vorne, als würde er mich erwarten. Vielleicht war ich doch schneller als ein Brief gereist.

Ein Mann kam die Treppe der Veranda hinab und näherte sich mir. „Guten Nachmittag.“

„Guten Nachmittag“, erwiderte ich mit einem leichten Neigen meines Kopfes.

Vier Frauen mit neugierigem, aber gewinnendem Lächeln gesellten sich zu den Männern auf der Veranda.

„Willkommen auf Bridgewater. Ich bin Kane“, begrüßte mich der Mann.

Ich nickte ein weiteres Mal und umklammerte die Zügel fest, was hoffentlich das einzige äußere Anzeichen meiner Nervosität war. Das war der Moment, auf den ich drei Monate lang gewartet hatte und ich war schrecklich nervös. Ich konnte nicht zurück nach England geschickt werden, da ich rechtlich an einen der Männer aus dieser Gruppe gebunden war. Er würde mich doch sicherlich nicht abweisen und in Schande nach Hause schicken? Konnte er? Ich sollte hier leben in einem Land, das so anders war als mein Heimatland und in diesem Moment konnte ich mich nicht entscheiden, welches Schicksal schlimmer war.

„Mr. Kane, ich bin Rebecca Montgomery. Ich bin hier, um Mr. McPherson zu treffen.“

Auf meine Äußerung hin traten zwei Männer nach vorne. Beide waren blond und hatten ein ähnliches Erscheinungsbild, da sie offenkundig verwandt waren, obwohl einer etwas größer, etwas breiter, etwas einschüchternder war und mein Herz höherschlagen ließ. Das war vielleicht der Fall, weil er mich so anstarrte, dass ich den Eindruck gewann, er könnte bis in meine Seele blicken. Sein Blick war so intensiv, dass ich mich fühlte, als würde sein Interesse allein mir gelten. Wenn ein Gewehr feuern würde, bezweifelte ich, dass er auch nur blinzeln würde.

„Welchen McPherson suchst du, Mädel?“, wollte der kürzere der zwei Männer wissen. Seine Stimme war tief und klar und klang belustigt. Seine Frage veranlasste mich dazu, meinen Blick von dem anderen abzuwenden.

Ich schluckte, da anscheinend einer dieser zwei mein Ehemann war.

„Mr. Dashiell McPherson.“

„Was willst du von ihm?“, fragte der Muskulöse. Der Klang seines starken schottischen Akzents verursachte mir Gänsehaut auf den Armen, obwohl mir nicht einmal kalt war.

Ich blickte in seine hellen Augen, ignorierte alle anderen und leckte über meine Lippen, während ich mein Kinn leicht anhob. „Er ist mein Ehemann.“

Die Augenbrauen beider Männer schossen bei meinen Worten in die Höhe, offenkundig überrascht über meine Aussage.

„Und wie habt ihr geheiratet?“, fragte Mr. Kane neben mir. Er war ebenfalls neugierig, genauso wie die Frauen, die miteinander flüsterten. Bis auf einen oder zwei überraschte Blicke waren die Männer zurückhaltender in ihren Emotionen. War zuvor eine Frau hierhergekommen und hatte behauptet, sie wäre eine Braut?

„Mein Bruder, Cecil Montgomery, hat sich darum gekümmert.“

„Ah ja, Montgomery. Ein sehr guter Offizier“, entgegnete der kürzere Mr. McPherson und trat zurück. „Auch wenn du ziemlich reizend bist, habe ich bereits eine Ehefrau.“ Eine liebreizende Frau mit dunklen Haaren kam die Treppe herunter, um sich neben ihn zu stellen. Sie war eindeutig seine Frau und machte das deutlich. Er schlang einen Arm um ihre Taille und küsste sie auf die Stirn, aber zwinkerte mir zu.

„Damit bleibe ich übrig, Mädel.“ Ich drehte mich, um den Mann, der mein Herz so schnell schlagen ließ, anzuschauen. „Ich bin Dashiell McPherson.“ Der verheiratete McPherson war zwar ziemlich attraktiv, aber der, der jetzt vor mir stand, beschleunigte meinen Atem, brachte meine Handflächen in meinen Handschuhen zum Schwitzen und ließ Schmetterlinge in meinem Bauch herumfliegen. Seine Haare waren dunkelblond, an den Seiten kurz geschnitten und oben länger, sodass sie über seine Stirn fielen. Seine stechenden eisblauen Augen hielten meine und ich fühlte mich wie eine Fliege im Spinnennetz. „Vielleicht könntest du das Ganze erklären, denn ich würde mich bestimmt an eine Hochzeitsnacht mit dir erinnern.“

DASH

Ich hatte nicht erwartet während des Mittagessens ein verheirateter Mann zu werden. Diese Frau war kein schmächtiges Mädel. Sie saß so aufrecht, als hätte sie an Stelle einer Wirbelsäule einen Zaunpfahl. Ihr Kleid war dunkelgrün, was sich gut von ihrem dunklen Haar abhob und mit ihrer hellen Haut und den üppigen Kurven war sie sehr attraktiv. Nee, sie war wunderschön. Es waren allerdings ihre Augen, die unter dem breiten Rand ihres Hutes hervorblitzten, die die Worte sagten, die sie nicht aussprach. Sie hatte Angst, aber ihr resolut nach oben geneigtes Kinn täuschte darüber hinweg und zeugte von ihrem Mut hierher zu reiten und einen Bräutigam für sich zu beanspruchen. Ihr Akzent war der einer wohlerzogenen englischen Frau von hoher Geburt.

Ihre einzige äußere Reaktion auf meinen groben Kommentar war das leichte Verengen ihrer Augen.

„Wo ist dein Bruder?“ Wir mochten den Mann alle, sodass wir ihm geschrieben und ihn eingeladen hatten, hier in Bridgewater zu uns zu stoßen. Er hatte bei den hinterlistigen und tödlichen Aktionen unseres befehlshabenden Offiziers nicht mitgemacht und war in der Lage gewesen, nach England zurückzukehren und sein Leben weiterzuführen, ohne seines Ranges oder Rufes beraubt zu werden. Wir hatten gehofft, dass er sich uns anschließen würde und anscheinend verfolgte er genau diesen Plan. Wir hatten allerdings nicht gewusst, dass er eine Schwester mitbringen würde.

Ihr Kinn neigte sich sogar noch höher. „Er ist tot.“ Ihre Worte waren deutlich und enthielten keine Spur von Trauer.

Montgomery war tot? Sie war viel jünger als ihr Bruder, vielleicht um fünfzehn Jahre oder sogar noch mehr und war während unserer Zeit in Mohamir nie erwähnt worden. Sie wäre damals noch ein Kind gewesen. Vielleicht stammte sie aus einer zweiten Ehe eines seiner Elternteile und war sicher im Kinderzimmer versteckt gewesen? „Ah Mädel, du bist den ganzen Weg allein gekommen?“

Allein die Vorstellung machte mich nervös.

„Nicht die gesamte Reise“, sie schüttelte ihren Kopf, „er starb in Chicago.“

„Wie?“

„Er fiel von seinem Pferd. Zuerst war es gar nichts“, erklärte sie, „er hat es lachend abgetan, da er niemand war, der sich von einem Pferd verletzen ließ. Einen Tag später bekam er Fieber und fühlte sich unwohl. Die Anzeichen für einen inneren Schaden waren offensichtlich und er wusste von seinem bevorstehenden Ableben.“

Sie blickte hinab auf ihre in Handschuhen steckenden Hände, die die Zügel umklammerten und hob dann ihren Blick, um meinem zu begegnen.

„Wir standen uns nicht nahe, aber er verspürte den Drang mich zu beschützen, da er mich aus England mitgenommen hatte. Als er wusste, dass er sterben würde, wollte er mich nicht allein ohne irgendeine Art Sicherheit zurücklassen. Deshalb hat er mich in der kurzen Zeit, die ihm noch verblieb, mit Ihnen verheiratet. Eine Trauung per Stellvertreter.“

„Und du hast zugestimmt?“

„Meine…meine Wahl war begrenzt“, antwortete sie.

Begrenzt oder nicht vorhanden?

„Hattest du eine Begleitperson für den restlichen Weg deiner Reise?“

Sie sah mich an, als hätte ich gefragt, ob die Sonne im Westen unterginge. „Natürlich hatte ich eine Begleitperson. Mrs. Tisdale – eine Frau aus Chicago – hat mich den größten Teil der Reise begleitet, bis wir die Postkutsche in der Stadt verließen. Sie hätte sich mir auch für den letzten Teil der Reise zur Bridgewater Ranch angeschlossen, aber sie wollte nicht in einer solch kahlen Umgebung bleiben und bestieg bereits heute in der Morgendämmerung die Kutsche in Richtung Osten.“

Wenn ich mir die weite Ausdehnung des Landes, das zu Bridgewater gehörte und so weit reichte, wie das Auge schauen konnte, betrachtete, konnte ich sehen, dass die Gründe der Frau stichhaltig waren. Es war kahl. Es war einer der Gründe, warum die Stelle von meinen Regimentsfreunden, die das Land als Erste besiedelt hatten, ausgewählt worden war – die Abgeschiedenheit. Das war gut für unsere Gruppe, die versteckt bleiben wollte, aber nicht jeder war dafür gemacht hier zu leben. „Ihr war erzählt worden, dass für fast eine Woche keine weitere Kutsche fahren würde und sie hegte keinerlei Absicht, diese zu verpassen.“

Ich konnte verstehen, dass eine Frau förmlich einer Kutsche hinterherrannte, die sie von hier fortbrachte. Stadtleute hielten es nicht lange im Montana Territorium aus. Was Miss Montgomery – nein, anscheinend war sie jetzt Mrs. McPherson – betraf, so würde nur die Zeit zeigen, ob sie in der Lage wäre, in einem solch fremden Land zu leben. Ihre Stimme hatte den präzisen Akzent einer wohlerzogenen englischen Dame. Die Art, wie sie mit gleichmäßiger und schon fast unterwürfiger Stimme sprach, bestätigte die Vermutung. Das Gesellschaftsleben in London unterschied sich so sehr von dem in Montana wie Kreide und Käse.

„Du wolltest nicht mit ihr zurückkehren?“

Sie rümpfte die Nase. „Ich bin nicht so schreckhaft wie Mrs. Tisdale.“

Schreckhaft, ja, aber auch sehr mutig.

Nachdem sie in die Falten ihres Rocks gegriffen hatte, zog sie ein gefaltetes Stück Papier heraus und streckte es mir entgegen. „Hier.“

Ich trat näher und nahm es aus ihrer kleinen Hand. Sie war so sittsam und formell, dass sie sorgsam darauf achtete, dass ihre Finger die meinen nicht berührten, obwohl sie in Glacéhandschuhen steckten.

Ich entfaltete das Papier und las. Es war tatsächlich eine Heiratsurkunde und sie sah offiziell aus. Ein kleineres gefaltetes Stück Papier lag der Urkunde bei.

Es war nicht meine Absicht wegen eines Sturzes vom Pferd zu sterben! Da ich mich in einem fremden Land befinde und Rebecca allein zurücklasse, fiel mir keine andere Art ein, sie zu beschützen, als dass sie sich euch anschließt. Die Rückkehr nach England ist keine Option und ich bin überzeugt, dass du sie gut und ehrenhaft behandeln wirst. Auch wenn ich mich danach sehne, das weite Montana Territorium, von dem du geschrieben hast, zu sehen, schenkt mir das Wissen, dass du sie mit deinem Leben beschützen wirst, Frieden in meinen letzten Momenten. Meine Schwester, eigensinnig und behütet, braucht eine Ehe, die auf den mohamirschen Traditionen und den Werten, die auf Bridgewater gelebt werden, begründet ist. Ich vertraue darauf, dass du dich darum kümmern wirst.

Dein Freund,

C. Montgomery

Ich war verheiratet.

Als ich den Brief wieder faltete, warf ich einen Blick zu ihr. Ihr Gesichtsausdruck war kontrolliert und sehr reserviert und sehr englisch. Ich ging davon aus, dass sie nach dem langen Ritt von der Stadt hierher steif wäre. Ich dachte auch, dass sie wegen der vielen neuen Gesichter nervös wäre, aber sie zeigte keine ihrer Emotionen. Es war eine ausgesprochen britische Eigenschaft, vor allem von Frauen, die ihrem Ehemann als Zierde dienen sollten und nicht mehr. Wenn ich sie nach ihrem Wohlbefinden fragen würde, würde sie höchstwahrscheinlich nur einen kurzen Kommentar abgeben, der die Aufmerksamkeit von ihr lenkte. Es war ein Hinweis auf die Erziehung, die sie genossen hatte und absolut nicht die Art Frau, die ich mir als Braut ausgesucht hätte.

Sie würde lernen müssen, dass es hier weder erforderlich noch erwünscht war, Emotionen zu verbergen. „Wenn du nicht vorhast, zu fliehen, jetzt da du mich gesehen hast, lass mich dir vom Pferd helfen.“

Da sie im Damensitz ritt, nahm sie meine Hand nur lang genug, um ihr Bein über den Sattelknauf zu ziehen, während ich nach vorne trat und ihre Taille umfasste, um sie auf ihre Füße zu stellen. Sie war weich unter meinen Händen, ihre Taille war wegen eines sehr enggeschnürten Korsetts schmal, aber ich konnte ihre breiten Hüften unter meinen Fingern spüren. Sie war zwar nicht schwer, aber auch kein Leichtgewicht. Tatsächlich war sie eine perfekte Handvoll für einen Mann meiner Größe – und Connors.

Ich war sehr groß, größer als der Durchschnitt und als sie stand, reichte sie nur bis zu meinem Kinn. Sie legte den Kopf in den Nacken, um unter dem Rand ihres Hutes zu mir hochzusehen. Ich spürte, wie sie versuchte, sich meinem Griff zu entziehen, aber ich hielt sie einen Moment länger als nötig fest. In dieser Zeit fragte ich mich, wie sie sich ohne die einschränkenden Streben des Korsetts anfühlen würde – ob sie so wunderbar kurvig und üppig sein würde, wie ich es mir vorstellte.

Kane führte ihr Pferd zu den anderen an einen der Anbindebalken. Wir waren für das Mittagessen aus verschiedenen Bereichen der Ranch zusammengekommen und würden uns nach dem Essen wieder verteilen.

„Da ist ein Fehler auf dem Papier“, sagte ich.

Ihre Augen weiteten sich und sie leckte ihre Lippen. „Nein, es gibt keinen Fehler.“ Ihre Stimme klang ein wenig unsicherer als zuvor.

Ich hielt meine Hand hoch. „Ich bezweifle nicht die Gültigkeit des Dokuments oder die Absichten deines Bruders, die er mir in seinem Brief schildert. Ich werde beides in Ehren halten. Ich werde dich in Ehren halten.“

Auch wenn ihre Schultern nicht nach vorne sackten, so konnte ich doch ihre Erleichterung spüren. Keine Erleichterung darüber, dass wir verheiratet bleiben würden, aber vielleicht darüber, dass sie nicht abgewiesen wurde. Tausende von Meilen waren ein zu langer Reiseweg, um verschmäht zu werden.

„Der Fehler liegt darin, dass nur mein Name als Bräutigam eingetragen ist. Connor“, rief ich.

Während ich meine Augen auf Rebecca gerichtet hielt, hörte ich Schritte auf der Holztreppe, dann auf dem festgetrampelten Boden. Rebeccas Augen huschten von mir zu Connor, der jetzt neben mir stand.

„Darf ich dir die frühere Miss Rebecca Montgomery, unsere Braut, vorstellen?“

„Unsere…unsere?“ Sie runzelte die Stirn, was das erste Anzeichen für Emotionen war, das sie zeigte. „Ich verstehe nicht.“

„Du bist nicht nur mit mir verheiratet.“ Ich zeigte mit dem Kopf in Connors Richtung. „Du bist auch mit Connor verheiratet.“

Ihr Mund klappte auf, sodass ich eine gerade Linie weißer Zähne sehen konnte, während sie zwischen uns zweien hin und her sah. Als Conner zustimmend nickte, sah ich, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich und sie fiel ohnmächtig direkt in meine Arme.

2

REBECCA

„Sie kommt wieder zu sich.“ Ich hörte die Worte, aber entschloss mich, sie zu ignorieren. Ich lag auf einem bequemen Bett und wollte nicht aufwachen. Die Betten in den Gästehäusern und Hotels waren klumpig oder hart gewesen, aber dieses Bett war weich und bequem.

„Glaubst du, sie hat oft Ohnmachtsanfälle?“

Es waren Männerstimmen, die ich hörte. Männer? Ohnmacht? Ich wurde nie ohnmächtig. Dachten sie ich wäre ein Schwächling? Wer auch immer sie waren, man musste ihnen erzählen, dass das nicht stimmte. Ich wurde nie krank und nie ohnmächtig, ich täuschte nicht einmal eine falsche Ohnmacht vor, um Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, wie es ein paar der faden Mädchen, die ich aus der Schule kannte, machten.

Als sich meine Augen flatternd öffneten, erkannte ich sofort, dass ich mich nicht auf einem Bett befand. Ich war nicht in England oder in irgendeinem abgelegenen Gästehaus und ich war höchstwahrscheinlich ohnmächtig geworden.

Über mir ragten zwei Männer auf, die mich aufmerksam beobachteten. Sie knieten auf dem Boden vor mir, da ich auf einem Sofa lag, aber wegen ihrer enormen Größe sah ich trotzdem zu ihnen hoch. Ich stemmte mich in eine sitzende Position und der Raum drehte sich kurz.

„Nein, mach langsam. Du willst doch nicht nochmal ohnmächtig werden“, sagte der Blonde. Es war Dashiell McPherson und er war mein Ehemann. Er war ziemlich attraktiv.

Ich hatte mir seit Chicago Sorgen über die Entscheidung meines Bruders, mich mit ihm zu verheiraten, gemacht. Hatte er mich an einen Mann gebunden, den ich unattraktiv fand? Hatte er mich an jemanden gekettet, der grausam war oder ein Spieler oder Säufer? Über letzteres konnte ich keine Aussage treffen, aber er war definitiv attraktiv. Wie seine Haare, waren auch seine Augen hell. Kleine Fältchen bildeten sich dort, als ob er nicht nur mit seinem Mund, sondern auch mit seinen Augen lächelte. Ein kantiges Gesicht verbarg diesen Hauch Sanftheit. Sein Kiefer war vierschrötig, seine Nase lang, seine Lippen voll. Ich ertappte mich dabei, wie ich auf seinen Mund starrte und erkannte, wie schamlos das war. Ich zog meine Schultern zurück, als ich spürte, wie meine Wangen erröteten.

„Ich werde nicht ohnmächtig“, erwiderte ich und faltete meine Hände im Schoß.

Sein Mundwinkel bog sich zu einem Lächeln nach oben. „Nein. Natürlich tust du das nicht.“

„Wir haben dich ziemlich schockiert. Es ist kein Wunder, dass du ohnmächtig geworden bist. Wenn ich selbst vor zwei attraktiven Mädels stehen würde, mit denen ich verheiratet wäre, würde ich sicherlich auch sofort in Ohnmacht fallen.“ Wo der eine hell war, war Connor dunkel. Dunkle Haare, dunkle Augen, gebräunte Haut. Alles an ihm war größer – wenn das überhaupt möglich war – und auch wenn er mehr Raum einnahm, wirkte er entspannter, lockerer als sein Freund. Seine scherzhafte Antwort bestätigte diese Beobachtung.

Offensichtlich versuchte Connor – ich kannte nicht einmal seinen Nachnamen – die Situation aufzulockern, allerdings war das unmöglich zu bewerkstelligen. Sie bestanden darauf, dass ich mit ihnen beiden verheiratet war. Das war eine völlig verrückte Vorstellung! „Ich habe Sie sicherlich falsch verstanden. Ich kann nicht mit zwei Männern verheiratet sein.“

„Du bist mit mir verheiratet“, Mr. McPherson deutete auf seine Brust, „aber hier auf Bridgewater befolgen wir die strengen und ehrenhaften mohamirschen Eheregeln, denen zufolge eine Frau durch eine Verbindung mit mehr als einem Mann beschützt wird.“

„Mohamir? Beziehen Sie sich auf das Land in der Nähe von Persien?“

Beide Männer nickten. „Ja. Wir waren dort mit deinem Bruder und unserem Regiment stationiert“, antwortete Connor. „Sicherlich hat dir Montgomery auf eurer Reise von unserer gemeinsamen Zeit erzählt.“

Das hatte er, aber ich bekam keine Zeit zum Antworten, da eine Frau vom Türrahmen her sprach.

„Oh gut, du bist wach. Connor gib ihr ein bisschen Raum. Du bist zu groß, um dich halb über sie zu beugen, selbst wenn du auf dem Boden kniest.“

Er wirkte bekümmert und ein bisschen enttäuscht, aber erhob sich und trat, wie verlangt, zur Seite. Ich musste meinen Kopf in den Nacken legen, um zu seinen Schultern schauen zu können.

„Ich bin Emma und das ist die kleine Ellie. Sie zahnt im Moment, also hast du sie in einer glücklichen Phase erwischt, ansonsten ist sie knatschig und weinerlich.“ Sie setzte sich, wodurch sie Mr. McPherson zwang, aufzustehen und ebenfalls wegzutreten, wenn er nicht von ihren wirbelnden Röcken erwischt werden wollte. „Ich bin an die Männer und ihre Akzente gewöhnt, aber es ist wundervoll eine Frau zu hören, die einen solch lieblichen Akzent spricht. Deiner klingt mehr wie Kanes als Ians. Daher nehme ich an, dass du Engländerin bist.“

Ihre Tochter, die vielleicht sieben oder acht Monate alt war, saß auf ihrem Schoß und kaute zufrieden an einer großen Brotrinde, wobei Sabber über ihr Kinn lief und auf ihr winziges Kleid tropfte.

„Ja“, antwortete ich. „Ich komme aus London, aber ging auf eine Schule in Shropshire.“ Ellie lenkte mich ab. Selbst eine so reservierte Frau wie ich konnte nicht anders, als beim Anblick eines Babys weich zu werden. Sie hatte die dunklen Haare ihrer Mutter und hellblaue Augen.

„Ich bin mit Kane verheiratet– “, begann Emma.

„Und mit mir.“ Ein sehr muskulöser Mann betrat das Zimmer, seine Augen lagen allein auf dem Baby. Er hob sie in seine Arme und rieb seine Nase kurz an ihrer Wange. „Ich bin Ian und du bist hier sehr willkommen. Wir wollten gerade unser Mittagessen einnehmen, als du angekommen bist und ich bin mir sicher, dass du Hunger hast.“ Er richtete seinen warmen Blick auf seine Frau. „Komm Mädel, erlauben wir ihren Männern, sich um sie zu kümmern.“

Ian streckte seine Hand aus und Emma ergriff sie. Er führte sie aus dem Zimmer, während er das glückliche Baby im Arm hielt, aber Emma warf mir einen letzten Blick zu und lächelte.

Ich war nicht daran gewöhnt, dass sich Leute um mich Sorgen machten. Das Internat, auf das ich gegangen war, war kein liebevoller oder fürsorglicher Ort gewesen. Cecil war mir gegenüber freundlich und beschützend gewesen. Allerdings hatte ich mit meinem Bruder nur weniger als einen Monat in London verbracht, bevor wir unsere Schiffsreise in England angetreten hatten. Jetzt war er tot und hatte mich vollkommen allein in der Welt zurückgelassen.

Bei diesem traurigen Gedanken blickte ich hinab auf meinen Schoß. Hatte er mich allein zurückgelassen? Ich hatte jetzt zwei Ehemänner. Einer der Männer veränderte seine Position, wodurch er mich aus meinen Gedanken riss und ich bemerkte, dass meine Hände entblößt waren.

„Wo sind meine Handschuhe?“, fragte ich und blickte auf meine nach oben gerichteten Handflächen. Erst da bemerkte ich, dass auch der hohe Kragen meines Kleides nicht ganz so einengend war, wie er es sein sollte. Einige Knöpfe waren geöffnet worden. „Mein Kleid!“ Ich griff mit der Hand zu meinem Hals, um den mit Spitze eingefassten Kragen zuzuhalten.

„Du musstest atmen Mädel und du brauchst keine Handschuhe. Das Herbstwetter ist zwar kühl, aber nicht so kalt, um Handschuhe in einem Haus erforderlich zu machen“, entgegnete Mr. McPherson.

Ich schaute zu der Armlehne des Sofas, wo meine Handschuhe lagen. Ich entspannte mich ein klein wenig bei dem Wissen, dass sie nicht vorhatten, sie mir wegzunehmen.

„Du bist hier in Sicherheit, Mädel.“

„Ich kenne Sie nicht, auch wenn Sie mein Ehemann sind und ich weiß nicht, ob Ihre Worte der Wahrheit entsprechen.“

Mr. McPherson erhob sich bei meinen Worten langsam und richtete sich zu seiner vollen Größe auf, um Schulter an Schulter mit Connor zu stehen. „Ja, das stimmt, du kennst mich nicht oder Connor oder irgendjemand anderen auf Bridgewater. Wir sind eine ehrenhafte Gruppe. Connor und ich werden dir immer die Wahrheit erzählen, immer tun, was in deinem besten Interesse liegt, egal ob es dir gefällt oder nicht. Wir sind ehrenhafte Männer und du wirst das nie wieder in Frage stellen.“

Ich spürte, wie meine Wangen in Reaktion auf diese Zurechtweisung erröteten. Cecil war auch ehrenhaft gewesen und ich hätte wissen sollen, dass seine Kameraden aus der Armee eine ähnliche Gesinnung hatten. Ich konnte zur Antwort nur leicht mit dem Kopf nicken, da ich ihn gewiss beleidigt hatte.

„Komm, das Mittagessen wird kalt.“ Mr. McPherson hielt mir seine Hand hin. Die Düfte gebackenen Brotes und gewürzten Fleisches füllten die Luft und ich war tatsächlich hungrig. Schnell schloss ich die Knöpfe an meiner Kehle, bevor ich die angebotene Hand ergriff. Sein Griff war sanft, seine Haut warm, während er mich in das Esszimmer führte, wobei er mich im Blick behielt.

Es gab drei freie Plätze. Offensichtlich hatten die anderen zusätzlich für mich eingedeckt. Es war erstaunlich, wie sie mich einfach – und ohne eine Spur überrascht zu sein – in ihre Mitte integrierten. Tauchten hier öfters Frauen auf, die verkündeten, dass sie mit einem der Männer verheiratet waren? Wenn dies England wäre, würde ich als eine Art Hure betrachtet werden, weil ich im Geheimen geheiratet hatte. Denn übereilte Ehen konnten nur eine Sache bedeuten. Schändliche Taten. Ich wäre ausgeschlossen worden, anstatt ohne Fragen einbezogen zu werden.

Während Teller und Schüsseln herumgereicht wurden, stellte mir Connor die anderen am Tisch vor.

„Also, dann werde ich dir reihum alle am Tisch vorstellen. Rechts neben mir sitzen Andrew, Robert und ihre Frau Ann.“ Sie begrüßten mich, aber als ein Baby, das zwischen ihnen saß, einen Löffel auf den Boden fallen ließ, verrutschte ihr Aufmerksamkeitsfokus. „In dem Hochstuhl sitzt Christopher. Er ist fast ein Jahr alt.“

Die kleine blonde Frau war mit diesen beiden Männern verheiratet? Ein Teller mit Hühnchen erreichte Connor und er bot mir die Serviergabel an, was mich aus meinen Gedanken riss.

Ich bediente mich, während er fortfuhr: „Neben Robert sitzen Cross, Simon, Olivia und Rhys.“

Die Frau, Olivia, die mir direkt gegenübersaß, lächelte mir beruhigend zu. „Ich bin die Neueste in dieser ungewöhnlichen Familie, also kann ich mir sehr gut vorstellen, wie du dich gerade fühlst. Ich kam nur von Helena hierher nach Bridgewater, was lange nicht so weit weg ist wie England. Ich erfuhr sehr spät eines Nachts, dass ich drei Männer heiraten sollte.“ Ich warf einen Blick auf die Männer an ihrer Seite, die sie alle bewundernd und besitzergreifend ansahen. Es war offensichtlich, dass sie der Vereinbarung nicht abgeneigt war. Tatsächlich wirkten alle vier Frauen am Tisch glücklich und zufrieden.

„Simon ist mein Bruder, falls du das noch nicht erraten hast“, fügte Mr. McPherson hinzu.

Connor fuhr mit der Vorstellungsrunde fort: „Neben Rhys sitzen Mason, Laurel und Brody, gefolgt von Kane, Ian und Emma, die du bereits kennengelernt hast.“

„Auch wenn das hier Kane und Ians Haus ist, so nehmen wir trotzdem unsere Mahlzeiten hier ein und wechseln uns mit dem Kochen und Spülen ab“, erklärte Mr. McPherson.

Die Teller waren mittlerweile alle beladen und das Gespräch versiegte, während jeder aß. Ich hatte in der Stadt gehört, dass Bridgewater eine gut geführte Ranch war und an der Größe der Männer war zu erkennen, dass sie nicht nur faul herumsaßen. Ich schwieg während der restlichen Mahlzeit, da ich mit meiner einzigen Frage bezüglich seiner Ehre, Mr. McPherson verärgert hatte und ich mich noch immer schämte. Ich wollte nicht, dass die gesamte Gruppe innerhalb der ersten Stunde nach meiner Ankunft wütend auf mich war.

Als das Dessertgeschirr abgeräumt worden war, entschuldigte Mr. McPherson uns. „Ich bin froh, dass das Aufräumen heute anderen obliegt, denn ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir uns mit unserer Braut vertraut machen.“

Connor nickte zustimmend und ich schluckte meine Angst hinunter und folgte ihnen nach draußen. Ich war noch nie zuvor mit einem Mann, der nicht mit mir verwandt war, allein gewesen. Wenn ich es so recht bedachte, war ich sogar nur mit Cecil allein gewesen und das war auf unserer Reise von England gewesen.

Während ich zu meinem Pferd lief, löste Connor die Zügel von dem Balken und führte das Tier zu mir. Mr. McPherson umfasste meine Taille und hob mich mühelos hoch in den Sattel. Ich war keine kleine Frau, aber er tat, als würde ich nichts wiegen. Seine großen Hände erlaubten sich keine Freiheiten, aber ich spürte die Berührung tief in mir und das war einschüchternd…und seltsam. Ich sollte bei der Berührung eines Mannes nichts empfinden. Es war mir eingebläut worden, entweder mit einer Gerte oder einem Lineal, dass frivoles Verlangen oder sexuelle Gedanken auf eine unanständige Frau hinwiesen, die von ihrem Ehemann gemieden werden würde. Ich wollte nicht ausgegrenzt werden, denn wohin würde ich gehen?

Ich warf Mr. McPherson einen verstohlenen Blick zu. Er ritt auf dem Pferd, als wäre er dazu geboren worden. Die dicken Muskeln seiner Schenkel dehnten seine Hose, sodass sie sich straff darüber spannte. Seine Hände waren groß, seine Finger stumpf. Sein Gesicht lag im Schatten der weiten Hutkrempe und dennoch konnte ich seinen kantigen Kiefer gut sehen. Würde die Haut dort auch bald mit einem Bartschatten überzogen sein wie Connors? Ich blickte als nächstes zu Connor – meinem anderen Ehemann – und konnte mühelos die dunklen Anfänge eines Bartes auf seinen gebräunten Wangen erkennen.

Connor machte sein Pferd bereit und stieg in den Sattel. Ich hatte keine andere Wahl, als mein Pferd anzutreiben und ihnen zu folgen. Sie nahmen mich in ihre Mitte, genauso wie sie es am Esstisch getan hatten. Ich war umzingelt und…beschützt. Es war eine eigenartige Empfindung, sich so zu fühlen, da ich mein gesamtes Leben allein gewesen war.

Eine ganze Anzahl Häuser war in der Prärie verteilt und in unterschiedlichen Entfernungen von einander und den zentralen Gebäuden der Ranch – der Scheune, Ställen und anderen kleinen Gebäuden – gebaut worden. Wir ritten zu einem dieser Häuser.

Es war nicht so groß wie das Heim von Ian, Kane und Emma, aber nichtsdestotrotz war es beeindruckend. Ich hatte mir Grassodenhäuser und Tipis vorgestellt, wie sie in den Groschenromanen, die in London verkauft wurden, beschrieben wurden. Dieses große Heim hatte ein Stockwerk, weiße Wände und Dachschindeln, links und rechts von der Eingangstür, die sich in der Mitte befand, waren symmetrisch Fenster angebracht. Die Dekorationen und Details waren vergleichbar mit den schickeren Häusern in weniger ländlichen Gebieten.

Connor stieg von seinem Pferd und stellte sich neben meines. „Ich habe nicht gefragt. Du hast bestimmt einen Koffer dabei?“

Er hielt seine Hände hoch und mir blieb keine andere Wahl, als ihm zu erlauben, mich auf den Boden zu heben. Sein Griff fühlte sich anders an als der von Mr. McPherson. Seine Hände waren größer, die rauen Schwielen blieben an dem glatten Stoff meines Kleides hängen und dennoch lag eine Ehrfurcht in seiner Berührung, die überraschend war.

„Das habe ich. Als der Besitzer des Gästehauses hörte, dass ich hierhergehen würde, bot er an, ihn für mich aufzubewahren, bis ich ihn abholen könnte.“

Beide Männer nickten zustimmend. Mr. McPherson öffnete die Eingangstür und Connor führte mich mit seiner warmen Hand in meinem Kreuz dorthin. Als wir die Tür erreichten hob mich Mr. McPherson in seine Arme und ich schrie überrascht auf, während ich mit einer Hand meinen Hut festhielt, obwohl er mit Nadeln sicher befestigt war. „Was…was machst du denn?“, fragte ich.

„Meine Braut über die Türschwelle tragen“, antwortete er. Ich sah hoch in sein Gesicht und er lächelte mich an, anscheinend zufrieden mit dieser Aktion. Ich beobachte, wie seine hellen Augen die meinen hielten und dann nach unten zu meinem Mund wanderten. Mein Herz raste und ich atmete schwer, als ob ich ihn durch die Tür getragen hätte.

3

REBECCA

Bevor ich seine Aktion in Frage stellen konnte, senkte er seinen Kopf und küsste mich. Ich sog schockiert die Luft ein. Ich war noch nie zuvor geküsst worden und seine Lippen waren warm und weich an meinen. Sein Körper bestand an den Stellen, wo er an meinen drückte, aus festen Muskeln, war steinhart und so warm wie die Sünde. Ich hatte kaum Zeit seine Berührung richtig wahrzunehmen, bevor er seinen Kopf wieder hob. „Mr. McPherson – “

„Dash“, flüsterte er, seine Augen waren jetzt dunkler und nur auf meine Lippen fokussiert. „Ich bin dein Ehemann und du kannst mich Dash nennen.“

Er senkte wieder seinen Kopf und dieses Mal war der Kuss nicht so sanft. Tatsächlich war er fordernd. Sein Mund drückte gegen meinen, dann öffnete er sich, während seine Zunge über meine Unterlippe leckte. Ich keuchte bei der Hitze seiner Berührung auf und er nutzte den Moment, um seine Zunge in meinen Mund zu tauchen. Er schmeckte nach dem Apfelkuchen vom Mittagessen und nach etwas Dunklem und Gefährlichem. Ich reagierte, aber ich war mir nicht sicher, was ich tun sollte, da ich nicht wusste, wie man küsste.

„Jetzt bin ich dran.“ Ich hörte die Worte durch einen Schleier, der so dick war wie der Nebel in London.

Ich hatte völlig vergessen, dass Connor hinter uns stand, weshalb ich erschrak und meinen Mund zurückzog. Mr. McPh – Dashs Hände spannten sich unter mir an. Connor hatte den Kuss beobachtet und wie sich meine Augen geschlossen hatten und dass ich Dash nicht weggestoßen hatte. Guter Gott.

„Bitte, stell mich auf die Füße“, sagte ich, aber entweder hörte er mich nicht oder wollte nicht tun, worum ich ihn bat, denn ich wurde von Dash an Connor weitergereicht. „Ich…ich bin doch kein Paket, das man einfach so herumreichen kann!“

Connors Griff war genauso sicher, aber wie ich es bereits zuvor bemerkt hatte, fühlte er sich anders an. Seine Brust war breiter und sein Duft…er roch anders. Wohingegen Dash dunkel und würzig roch, roch Connor mehr nach der offenen Prärie und Leder. Es war eine eigentümliche Kombination, aber passte zu ihm.

Was mir nicht passte, war, dass ich in seinen Armen gehalten wurde. „Das ist nicht richtig“, beharrte ich, während ich vergeblich gegen seine Brust drückte. Eine dunkle Augenbraue hob sich, während er zu mir sah.

„Oh? Du meinst, ich habe zu lange damit gewartet, dich zu küssen? Das ist das Einzige, an das ich beim Mittagessen gedacht habe. Wusstest du, dass du nach Vanille riechst?“

Er grinste, dann zog er mich hoch und in einen Kuss, der völlig anders war als Dashs. Connors Mund war fester, beharrlicher und er beließ seine Lippen nicht auf einer Stelle, sondern knabberte – ja, knabberte! – von einem Mundwinkel zum anderen.

„Ich kann dich nicht küssen. Wir…wir sind nicht verheiratet!“, widersprach ich schnell. Ich spürte seinen warmen Atem auf meiner Wange, meinem Kiefer. Überall.

Connor hob seinen Kopf und musterte mich verwirrt. „Ja. Das sind wir. Eine Frau, die mit Dash verheiratet ist, ist auch mit mir verheiratet.“

Ich schüttelte meinen Kopf. „Nein.“ Ich drückte gegen seine Brust und versuchte, nach unten zu gelangen, aber er hielt mich sicher unter meinen Knien und an meinem Rücken. Ich würde nirgendwo hingehen, außer er ließ es zu. „Die Heiratsurkunde sagt deutlich nur Dashiell McPherson. Ich kann dich nicht küssen, wenn ich mit ihm verheiratet bin.“

„Bittest du um meine Erlaubnis, Liebling, um Connor zu küssen?“, fragte Dash über Connors Schulter.

Ich schüttelte wieder meinen Kopf. „Ich kann nicht einfach andere Männer küssen.“

„Wir werden nicht nur küssen“, versprach Conner mit tiefer Stimme. Ich sah etwas in seinen Augen, etwas wie Hitze und…Verlangen.

Mein Mund klappte bei seinen Worten auf. „Siehst du? Er denkt, ich bin ein…ein leichtes Mädchen.“

„Leichtes Mädchen? Bist du jemals zuvor geküsst worden?“

Ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden und das schien für Dash als Antwort zu genügen.

„Das dachte ich mir. Connor weiß, dass du meine Frau bist“, erwiderte Dash. „Genauso wie du seine Frau bist. So wird es hier auf Bridgewater gehandhabt. Du musst dir keine Sorgen darüber machen, dass dich irgendjemand verurteilen wird. Das ist genau das, was sich dein Bruder für dich gewünscht hat.“

„Bitte, stell mich auf die Füße“, flehte ich und sah Connor direkt in die Augen. Wie konnte Cecil sich das für mich gewünscht haben? Ich war verletzt, verstört von dem Wissen, dass er auf solche Weise von mir dachte. Hatte er mich vor einer Zweckehe, die mein Vater geplant hatte, gerettet, um mich zwei Männern zu geben? Wie er nachts bei den Gedanken an seinen Streich gelacht haben musste. Er hatte es dem Mann heimgezahlt, indem er mich benutzt hatte.

Connor musste meine Enttäuschung herausgehört haben, denn er ging zu einem Stuhl, der neben der Tür stand und setzte sich. Anstatt mich jedoch loszulassen, umfasste er meine Taille und stellte mich zwischen seine Beine.

„Empfindest du meine Berührung als unerträglich?“, fragte Connor. Obwohl er so ein großer Mann war, hörte ich eine Spur Unsicherheit in seinen Worten. Wenn sie für lange Zeit, vielleicht sogar jahrelang, geplant hatten, sich eine Braut zu teilen, dann würde meine Abweisung ihre Dynamik verändern. Hatte Cecil sie genauso wie mich benutzt?

„Nein“, antwortete ich. Seine Berührung war nicht unerträglich. Tatsächlich war sie ziemlich schön. Aber ich sollte die Berührung von zwei Männern nicht schön finden. „Das ist es nicht. Cecil, er…ich wurde getäuscht.“ Ich erinnerte mich noch gerade rechtzeitig an meine Manieren und daran, keine Emotionen zu zeigen oder schlecht über die Toten zu sprechen. Egal, wie wichtig es war, sich nicht zu beschweren, ich musste meine Meinung äußern. „Ich werde nicht so tief sinken, dass ich Dashs Frau und deine Mätresse bin.“

Beide Männer schwiegen und ich drehte meinen Kopf, um zu Dash aufzusehen, dann zurück, um direkt in Connors Augen zu blicken. Er nickte. „Ich verstehe.“

Ich seufzte erleichtert.

„Das tust du?“, fragte ich.

„Ja, und dem kann leicht abgeholfen werden“, antwortete Connor. Ich erwartete, dass er mich von seinem Schoß heben und mich an Dash, meinen Ehemann, weiterreichen würde, aber das tat er nicht.

Ich runzelte meine Stirn. „Kann es das?“

„Ja.“ Er schob mich ein Stück zurück und stand auf. „Wir gehen in die Stadt.“

„Jetzt gleich?“, wollte ich wissen.

Ich sah, wie die zwei Männer einen Blick austauschten. Sie hatten die Art Freundschaft, die so eng war, dass sie zur Kommunikation keiner Worte bedurfte.

„Ja“, wiederholte Connor.

„Warum? Ich war erst heute Morgen dort.“

„Wir werden heiraten.“ Er ruckte an meiner Hand und zog mich aus der Tür.

CONNOR

Zwei Stunden später standen wir vor den Türen der Kirche in der Stadt. Ich hatte den Ritt schweigend zugebracht und unsere neue Ehefrau beobachtet. Ehefrau! Es war entweder Irrsinn, dass sie beim Mittagessen aufgetaucht war oder Glück. Sie war das liebreizendste – und prüdeste – Mädel, das ich jemals gesehen habe. Sicher Ann und Emma und die anderen waren hübsch, aber sie gehörten nicht mir. Es machte einen Unterschied, wenn die Frau vor dir – von ihren seidig schwarzen Haaren auf dem Kopf bis zu dem hochnäsig nach oben geneigten Kinn bis hin zu der perfekten Breite ihrer Hüften – dir gehörte. Ja, ich würde darauf wetten, dass ihre Wirbelsäule auch ohne das enge Korsett, das sie trug, steif und gerade wäre, aber es würde mir und auch ihr ein Vergnügen sein, die Steifheit aus ihr rauszuvögeln.

Rebecca war weniger als erfreut über mein Vorhaben, sie zu heiraten, aber ihre Erziehung hielt sie offensichtlich davon ab, sich zu beschweren. Sie hatte den Ritt damit zugebracht, mit ihren Zähnen auf ihrer vollen Unterlippe zu knabbern. Sie hatte den Begriff leichtes Mädchen verwendet. Sie war das völlige Gegenteil eines leichten Mädchens. Es gab keine lebende Frau, die es so dringend wie sie nötig hatte, geküsst und berührt und gefickt zu werden. Einige schweißtreibende, intensive Orgasmen würden ihr sehr guttun. Unglücklicherweise war sie der Meinung, dass selbst einen Kuss von uns beiden zu mögen, sie zu einer unmoralischen Frau machte. Ihr Bruder hatte sie eindeutig nicht auf uns beide vorbereitet und jetzt mussten wir das geradebiegen. Es begann damit, dass wir vor einem Mann Gottes ‘Ich will‘ sagen würden.

„Ich bin mit Dash verheiratet“, protestierte sie. „Ich kann nicht einen anderen heiraten. Der Pfarrer wird es sicherlich wissen.“

„Als du in dem Gästehaus gewohnt hast, hast du da irgendjemandem von deiner Stellvertreterehe erzählt?“, fragte ich. Ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung von ihrer Antwort.

„Nein.“

„Weil du dir Sorgen gemacht hast, dass ich dich abweisen würde?“ Dashs Worte sorgten dafür, dass sie zu ihm sah und ich konnte eine Spur Schmerz in ihren Augen erkennen. Nachdem sie um die halbe Welt gereist, ihr Bruder vor ihren Augen gestorben und sie mit einem Fremden verheiratet worden war, konnten wir ihr keine Vorwürfe für diese Gedanken machen. Wenn sie abgewiesen worden wäre, hätte sie sich umdrehen und die Stadt verlassen könne, ohne dass irgendjemand es wusste. Allerdings bin ich mir sicher, dass sie nicht wusste, was sie in diesem Fall getan hätte. Wir wiesen sie jedoch nicht ab. Verdammt nein. Wir gaben ihr mehr Ehemänner als sie wollte und das war ein Problem, das sie sich nicht einmal in ihren wildesten Träumen ausgemalt hatte.

„Jeder in der Stadt wird dann von deiner Ehe mit mir wissen“, sagte ich. „Wir“, ich deutete zwischen uns dreien hin und her, „werden wissen, dass du legal mit Dash und mir verheiratet bist.“

Da runzelte sie die Stirn. „Warum…warum tust du das? Selbst wenn ich mit Dash verheiratet bin, gehöre ich dir sowieso als Mätresse, die du nach Belieben benutzen kannst.“ Ihr Kinn hob sich ein Stück. Ah, ich liebte diese Spur von Trotz in ihr, auch wenn ich sie wegen ihrer Worte gerne übers Knie legen würde.

Ich wandte mich ihr zu und umfasste sanft das nach oben gereckte Kinn, sodass sie gezwungen war, mich anzusehen. „Weil ich dich nicht als meine Mätresse möchte. Dies ist das zweite Mal, dass du unsere Ehre in Frage gestellt hast. Wenn ich mich mit einem Mädel vergnügen wollte, würde ich in ein Bordell gehen. Ich will mich aber nicht mit irgendeinem Mädel vergnügen, ich will meine Ehefrau ficken und das bist du. Für mich ist deine Stellvertreterehe mit Dash genug, um dich zu der Meinen zu machen, aber wenn du vor einem Pfarrer und Gott stehen musst, um zu wissen, dass du auch zu mir gehörst, um mir zu erlauben, dich so zu berühren, wie ich es mir wünsche, dann werden wir das tun.“

Sie versuchte, ihren Kopf wegzudrehen, aber ich ließ es nicht zu. Ich wollte nicht, dass sie ihre Emotionen verbarg, dass sie verbarg, was ich so mühelos in ihren Augen lesen konnte.

„Der Pfarrer wird es sicherlich wissen“, flüsterte sie.

Dash nahm seinen Hut ab, blickte nach links und rechts, als ob uns jemand in der Nähe hören könnte und schüttelte seinen Kopf. „Ich werde es nicht erzählen.“ Er hob eine Augenbraue. „Hast du vor, ihm zu erzählen, dass du bereits mit einem anderen verheiratet bist?“

Sie öffnete ihren Mund, um zu antworten, aber schloss ihn. Wir hatten sie erwischt. Weder Dash noch ich würden dem Pfarrer die Wahrheit über unsere Ehe erzählen. Er mochte zwar eine Ahnung haben, wie die Ehen auf Bridgewater gehandhabt wurden, aber er sprach nie darüber. Wenn Rebecca dem Pfarrer von unserer Einstellung gegenüber der Ehe erzählen würde, dann würde sie sich an unseren ungewöhnlichen Sitten mitschuldig machen. Sie hatte keine Wahl, außer es für sich zu behalten.

Wir könnten zur Ranch zurückkehren und eine Familie sein, Dash, Rebecca und ich, aber ihre festen Moralvorstellungen erforderten, dass die Verbindung im Eheregister, oder wie auch immer das im Territorium genannt wurde, eingetragen wurde. Wenn sie vor einem Pfarrer stehen musste, damit ich sie genauso wie Dash berühren, ficken und zu der Meinen machen durfte, dann würden wir das eben tun.

„Nein. Ich werde es nicht verraten“, erwiderte sie. „Du bist gewillt mich zu heiraten – du weißt nichts über mich – obwohl ich mit Dash verheiratet bin? Das ist ein ziemlich großer Schritt, nur weil du mich küssen willst.“

Ich grinste. „Ich will dich küssen und mehr. Dash und ich haben darauf gewartet, dass unsere Braut auftaucht, obwohl wir nicht erwartet hatten, dass es während dem Mittagessen passiert. Aber wir hatten seit unserer Zeit in Mohamir geplant, eine Braut zu teilen. Ich habe nicht vor, wegzulaufen. Wenn Montgomery dich mit Dash verheiratet hat, dann wusste er, dass er dich damit auch mit mir verheiratet. Er wusste von unseren Sitten, aber konnte nicht unsere beiden Namen auf die Heiratsurkunde setzen lassen. Dies ist, was er wollte.“

Rebacke blickte von mir zu Dash und wieder zurück, dann spitzte sie ihre Lippen.

„Was ist los, Mädel?“, erkundigte ich mich. „Du musst dich bei uns nicht beherrschen. Sag, was du denkst.“

„Er wollte mich beschämen?“

„Beschämen? Dein Bruder hat dich geehrt.“

„Ehre?“ Ihre Wangen verfärbten sich, als sie einen Teil ihrer Frustration zeigte. Das wurde aber verdammt nochmal Zeit. „Das Wort taucht ständig auf. Ich dachte, er würde mich vor einer arrangierten Ehe mit einem Mann, der dreimal so alt war wie ich, retten, aber stattdessen hat er beschlossen, mich zu demütigen. Er hat mich benutzt, um es meinem Vater heimzuzahlen.“

Ich spürte ihre Enttäuschung. Sie war eindeutig verwirrt, verloren und höchstwahrscheinlich überwältigt.

„Dich demütigen? Du hast unsere Sitten nicht verstanden, Mädel“, erwiderte Dash. „Dein Bruder wusste, dass unsere Sitten das Beste für dich sind. Er hat dich nicht beschämt, er hat dich beschützt.“

„Wie?“ Sie wandte sich ab, lief ein paar Schritte und wirbelte herum. „Ich…ich verstehe es nicht.“

„In diesen Teilen der Erde kann man schnell zur Witwe werden“, begann ich. „Viele Dinge können einem Mann passieren, wie du es beim Unfall deines Bruders erlebt hast. Witwen werden zum Opfer von unwürdigen Verehrern und haben oft keine andere Wahl, als wieder zu heiraten und das nicht aus Liebe oder sogar aus Güte. Wenn eine Frau mehr als einen Ehemann hat, muss sie sich nie Sorgen darum machen, allein in der Welt zurückzubleiben. Die Kinder, die in der Beziehung gezeugt werden, werden beschützt. Du musst weder Hunger noch Einsamkeit fürchten. Du bist in Sicherheit, wirst wertgeschätzt, vergöttert, beschützt und vor allem geehrt.“

Sie schien nicht ins Wanken zu geraten, also fuhr ich fort: „Ich mache das für dich, Liebling. Wenn du es brauchst, dass ich die Schwüre vor Gott spreche, damit du weißt, dass ich dir gehöre, dann werde ich das tun.“

Ich reichte ihr meinen Arm und geleitete sie zu der Tür der kleinen Kirche. Ich hielt an und blickte ihr ins Gesicht. „Wisse dies, Liebling, wenn ich dich zu der Meinen mache, wirst du alles von mir bekommen, alles, was ich habe, alles, was ich bin und das schließt Küsse…und mehr ein.“

4

REBECCA

Der Ritt zurück zur Ranch war ganz anders als der Ritt in die Stadt. Wir hatten mein Pferd zu dem Mietstall zurückgebracht und ich saß seitlich auf Connors Schoß. Wenn sich Klatsch und Tratsch im Montana Territorium ähnlich verbreiteten wie in London, würde jeder in der Stadt noch vor Einbruch der Dunkelheit wissen, dass Connor und ich verheiratet waren. Daher würde es eigenartig wirken, wenn ich auf dem Schoß des Zeugen anstatt des Bräutigams säße.