Ihre gestohlene Braut - Vanessa Vale - E-Book

Ihre gestohlene Braut E-Book

Vale Vanessa

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Beschreibung

Die Tochter eines Kupferkönigs aus Butte zu sein, wird Mary Millard nicht glücklich machen können, vor allem nicht, als sie von den Plänen ihres Vaters erfährt, sie mit einem grausamen Mann zu verheiraten. Verzweifelt trifft Mary mit einem Mann, den sie im Zug kennenlernt, eine Vereinbarung: er soll vorgeben, ihr Zukünftiger zu sein, sodass sie das Unvermeidbare hinauszögern kann. Sie weiß allerdings nicht, dass nicht nur ein Mann sie retten wird, sondern zwei.

Parker und Sully wissen in der Sekunde, in der sie die hübsche Passagierin im Zug nach Butte kennenlernen, dass sie ihre Braut werden wird. Sie erwarten, dass sie sie anständig umwerben und mit ihrer ungewöhnlichen Sitte, zwei Männer für eine Ehefrau, vertraut machen müssen. Stattdessen wendet sie sich mit einem verrückten Plan an sie, um sich selbst vor einem Mann zu schützen, von dem sie wissen, dass er alles ist, außer freundlich. Aber ein Verlobter wird sie nicht vor einer schlechten Ehe beschützen können. Nur ein Ehemann kann das tun.

Als Mary ihre Bridgewater Männer heiratet, entdeckt sie, dass sie jetzt zwar zwei große Cowboys hat, die sie vor ihrer Vergangenheit beschützen, sie aber möglicherweise die Macht hat, die zwei ebenso zu retten.

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Ihre gestohlene Braut

Bridgewater Ménage-Serie - Buch 7

Vanessa Vale

Copyright © 2015 von Vanessa Vale

Dies ist ein Werk der Fiktion. Namen, Charaktere, Orte und Ereignisse sind Produkte der Fantasie der Autorin und werden fiktiv verwendet. Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebendig oder tot, Geschäften, Firmen, Ereignissen oder Orten sind absolut zufällig.

Alle Rechte vorbehalten.

Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder auf elektronische oder mechanische Art reproduziert werden, einschließlich Informationsspeichern und Datenabfragesystemen, ohne die schriftliche Erlaubnis der Autorin, bis auf den Gebrauch kurzer Zitate für eine Buchbesprechung.

Umschlaggestaltung: Bridger Media

Umschlaggrafik: Period Images; fotolia.com- Jag_cz

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

So geht’s weiter in „Ihre dreiste Braut“:

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ÜBER DIE AUTORIN

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Prolog

MARY

„Auf deine Hände und Knie, Liebling.“

Der Mann stand so nackt wie am Tage seiner Geburt neben dem Bett und streichelte seinen sehr harten Schwanz. Eine klare Flüssigkeit quoll aus der Spitze und das schelmische Grinsen in seinem Gesicht verriet, dass er sich gut amüsierte. Er war attraktiv, schlank, muskulös und sein Kiefer wurde von einem ordentlich gestutzten Bart verdunkelt.

Die Frau lächelte ihn kokett an und tat, was ihr befohlen worden war. Sie trug nur ein blutrotes Korsett, die oberen Korsettstangen waren geöffnet und ihre vollen Brüste quollen aus dem Kleidungsstück.

Ich stand im Nebenzimmer und blickte durch ein kleines Loch. Meine Hände drückten gegen die Wand, während ich sie beobachtete. Cloe, eine der vielen Huren aus dem ‘Briar Rose‘, stand neben mir, unsere Schultern stießen aneinander, während sie das Ganze durch ihr eigenes geheimes Guckloch beobachtete.

Die Hure, die sich jetzt auf ihren Händen und Knien befand, streckte ihren Po raus, wackelte damit und lud den Mann so ein, ihre Pussy zu betrachten. Auch wenn keiner von ihnen schüchtern und eine von ihnen eine Professionelle war, hegten sie einen Umgang miteinander, der darauf hinwies, dass sie schon zuvor auf diese Weise zusammen gewesen waren.

Im Verlauf der vergangenen Monate hatte ich mit Chloe oft bei solchen Szenarien zugesehen und konnte solche Dinge mittlerweile erkennen. Ja, ich kannte die vulgäreren Bezeichnungen für das Glied eines Mannes, für die geheimen Stellen einer Frau und noch mehr. Schwanz, Pussy, Arsch, Wichse. Diese Wörter waren für mich nicht länger geschmacklos oder verdorben. Ich hatte das Bordell zuerst aus einem ganz unschuldigen Grund besucht. Als Mitglied der Frauenhilfe hatte ich gebrauchte Kleidung vorbeigebracht. Dabei hatte ich Chloe kennengelernt und wir hatten uns angefreundet. Zugegebenermaßen war ich auch neugierig gewesen, was in einem Bordell vor sich ging. Was zwischen einem Mann und einer Frau vor sich ging.

Ich keuchte, als der Mann die Hure auf den Hintern schlug, woraufhin ein leuchtend pinker Handabdruck auf ihrem hellen Fleisch erblühte.

„Siehst du, Nora gefällt es“, flüsterte Chloe.

Die Hure wusste zweifellos von den Gucklöchern, aber der Mann, der für Sex mit der drallen Nora bezahlt hatte, wusste es wahrscheinlich nicht. Die Löcher waren aus Sicherheitsgründen angebracht worden – Männer waren unberechenbar und manchmal grausam – aber ich fand sie auch sehr nützlich zum Beobachten. Miss Rose, die Bordellbesitzerin, schien nichts gegen meine vernünftigen unschuldigen Aktivitäten zu haben, solange ich mich versteckt hielt.

„Sie lässt sich gerne den Hintern versohlen?“, flüsterte ich zurück. Ich konnte an ihrem überraschten Blick, dann den glasigen Augen sehen, dass es ihr gefiel. Mir gefiel es auch, aber ich wagte es nicht, das Chloe zu erzählen oder überhaupt irgendjemandem. Die Vorstellung, dass die Hand eines Mannes auf meinen nackten Po klatschte, ließ mich zwischen meinen Schenkeln feucht werden und meine Pussy zusammenziehen genauso, wie es Nora tat.

Ihre Pussy war rosa und geschwollen und feucht von Erregung. Meine war das zweifellos ebenfalls und ich schaute nur zu. Ich wollte, dass ein Mann das mit mir machte. Nicht der Mann, der bei Nora war, sondern irgendein Mann. Mein Mann, wer auch immer das sein mochte. Ich wollte ihm über meine Schulter hinweg kokett zu zwinkern, sein antwortendes, verschmitztes Grinsen sehen. Ich biss auf meine Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken, als er ihr wieder auf den Hintern schlug und das laute Klatschen seiner Handfläche auf ihrem Po von den Wänden hallte.

Ich hatte Huren gesehen, die den Männern etwas vortäuschten, die ihr Vergnügen im Austausch für Geld vorspielten. Aber bei diesem Mann musste Nora nichts vortäuschen. Anstatt seinen Schwanz in sie zu stecken – sie zu ficken, wie Chloe es nannte – kniete er hinter ihr auf dem Bett und legte seinen Mund…dorthin.

„Oh, Gott“, flüsterte ich. Chloe hielt ihr Kichern mit den Fingern zurück. Ich schaute zu meiner Freundin, die wilde, rote Haare und rosa Wangen hatte und ich wusste, dass meine Augen weit aufgerissen waren. Das war etwas Neues für mich.

„Ihm gefällt es, eine Pussy zu lecken“, wisperte sie.

Ich wandte mein Auge wieder dem Guckloch zu, als ich Noras Lustschreie hörte. Er leckte ihre Weiblichkeit, saugte und knabberte daran. Oh meine Güte. Sein Bart begann von ihrer Erregung zu glänzen.

„Das ist es, Schatz, komm für mich“, sagte der Mann. „Komm auf meinen Fingern und dann werde ich dich ficken.“

„Ja!“, schrie Nora. Der Mann wischte mit seiner freien Hand über seinen Mund und ließ seine Finger in Nora rein und raus gleiten, während sie sich auf ihnen wand.

Es fiel mir schwer, nicht unruhig zu zappeln, während ich beobachtete, wie der Mann Nora ein solches Vergnügen bereitete. Er war so begierig, sie zu ihrem Höhepunkt zu bringen, dass er seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellte. Ich wollte das. Ich wollte einen Mann, der mich an erste Stelle stellte.

Der Mann schlug sie wieder. Der Schwanz des Mannes war vergrößert und tropfte. Er benötigte eindeutig seine eigene Erlösung. „Jetzt, Schatz. Gib es mir jetzt.“

Nora tat genau das und schrie ihr Vergnügen hinaus. Ihr Gesichtsausdruck war unglaublich. Wilde Hemmungslosigkeit. Sie dachte an nichts anderes, als die Glückseligkeit, die der Mann ihrem Körper entlockt hatte. Das lüsterne Grinsen des Mannes zeugte von seiner Macht über ihren Körper.

Gott, ich wollte das. Ich sehnte mich danach. Ich brauchte es. Aber ich war keine Hure im ‘Briar Rose‘. Ich war eine Kupfererbin und ich sollte nicht einmal etwas über Ficken wissen. Ich sollte nicht einmal das Wort kennen. Aber ich kannte es. Machte mich das zu einer liederlichen Frau? Wahrscheinlich, aber mein Leben war so eintönig, so streng und langweilig, dass die Besuche bei Chloe und die Entdeckung einer völlig neuen Welt die einzigen Dinge waren, die mir Vergnügen bereiteten. Hoffnung.

Hoffnung, dass es dort draußen einen Mann gab, der mich so wollen würde, wie dieser Mann Nora wollte. Ich wollte wild sein, nicht erstickt werden. Ich wollte jeden meiner geheimen Wünsche mit jemandem teilen dürfen, der sich um sie kümmern und sie nicht unter dem Druck der höflichen Gesellschaft zerstören würde.

Ich wollte mehr, als ich jemals von meinem zukünftigen Ehemann erhalten würde. Wenn mein Vater seinen Willen durchsetzte, würde das Mr. Benson sein und er würde mir niemals meinen Hintern versohlen oder meine Pussy lecken oder mich auch nur von hinten nehmen, wie es der Mann mit Nora machte. Stattdessen würde ich auf meinem Rücken im Bett liegen, es würde dunkel sein und Mr. Benson würde mein Nachthemd hochheben und in mich eindringen, um mich mit seinem Samen zu füllen. Es würde seltsam und unangenehm sein, klebrig und eine Sauerei. Ich würde kein Vergnügen erleben. Ich würde…nichts erleben.

Als der Mann und Nora ihren Höhepunkt erreicht hatten, was beide sehr lautstark kundgetan hatten, wandten Chloe und ich uns von der Wand ab. Eine andere Hure, Betty, streckte ihren Kopf in das leere Zimmer, in dem wir spioniert hatten. „Mary, dein Mann ist hier“, flüsterte sie.

„Mr. Benson?“ Mein Herz setzte bei der Vorstellung, dass er mich hier gesehen haben könnte, einen Schlag aus. Höchstunwahrscheinlich, aber dennoch furchteinflößend. „Er ist hier?“

Bei der Vorstellung, meinem Zukünftigen beim Ficken mit einer anderen Frau zuzusehen, wurde mir schlecht.

Betty nickte, aber sie wirkte nicht begeistert. „Ja und er nimmt eine Peitsche mit zu Tess.“

Chloe und ich blickten einander an und eilten Betty hinterher. Panik durchflutete mich bei dem Gedanken, was ich wohl durch ein anderes Guckloch sehen würde. Denn in dem Moment wurde mir bewusst, dass ich, wenn ich Mr. Benson heiratete, niemals das Vergnügen, das Nora empfunden hatte, verspüren würde.

1

MARY

Das überraschende Zischen des Dampfes brachte mich zum Stolpern, als ich aus dem Zug trat.

„Vorsicht, Miss Millard“, sagte Mr. Corbin und ergriff sanft meinen Ellbogen, bis ich mich wieder auf festem Grund befand. Sogar in der Hitze konnte ich die Wärme seiner Berührung durch meinen Ärmel spüren.

Der Bahnsteig in Butte war belebt, da viele Leute nach einer langen Reise aus dem Osten ausstiegen. Butte war eine der reichsten Städte der Erde und zukünftige Bergarbeiter waren begierig, ihre eigene Kupferader zu finden und reich zu werden.

Ich war nicht ganz so begierig, hier zu sein, da ich nur aus Billings, nicht aus Minneapolis oder sogar Chicago hierhergekommen war und mein gesamtes Leben in Butte verbracht hatte. Ich war sehr vertraut mit der Stadt und hegte keine Hoffnungen wie die anderen. Natürlich musste ich nicht für mein Geld arbeiten. Nicht weil ich eine Frau war, sondern weil mein Vater mehr Geld als Gott hatte. Seine Worte, nicht meine.

Also war die Reise durch das Montana Territorium nur kurz gewesen und ich war nicht bereit, zu meinem Vater und seinen Plänen zurückzukehren. Auch wenn es nicht im Geringsten aufregend gewesen war, einen Monat mit meiner Großmutter zu verbringen, so hatte es zumindest das, was ich für unvermeidbar hielt, hinausgezögert. Ich wollte geradewegs umdrehen und mich wieder in das Zugabteil setzen, beobachten, wie ich an Butte vorbeirollte und in unbekannte Gebiete weiterfahren.

Mr. Corbins Hand hielt mich für einige Sekunden länger fest, als es vielleicht nötig gewesen wäre. Ich drehte mich, um zu dem Mann hoch zu sehen – einem der zwei Männer – der während der Reise freundlich und aufmerksam mir gegenüber gewesen war. Wir hatten uns stundenlang gut miteinander unterhalten und sie – er und sein Freund, Mr. Sullivan – hatten mich zum Mittagessen im Speisewagen begleitet, damit ich nicht allein sitzen musste. Es war keine Bürde, Zeit mit den zwei gutaussehenden Männern zu verbringen.

Mit seinen blonden Haaren und offenem Lächeln verdrehte Mr. Corbin zweifellos viele Frauenköpfe, wo auch immer er hinging. Meinen hatte er definitiv verdreht. Genauso wie sein Freund Mr. Sullivan. Ich hatte viele Stunden damit zugebracht, still mit mir selbst zu diskutieren, zu wem der beiden ich mich mehr hingezogen fühlte. Zog ich einen blonden oder dunkelhaarigen Mann vor? Entspannt oder ernst? Alle beide hatten sich wie perfekte Gentlemen verhalten. Leider.

Selbst jetzt, als Mr. Corbins Hand auf dem Bahngleis auf meinem Ellbogen lag, wahrte er einen sittsamen Abstand zwischen uns und verhielt sich sehr fürsorglich. Niemand würde seine Ritterlichkeit in Frage stellen. Ritterlichkeit war gut und alles, aber ich sehnte mich nach den…intimeren Aufmerksamkeiten, die ein Mann seiner Frau schenkte. Ich wollte diese Verbindung, das Band, das ich zwischen meinen Freundinnen und ihren Ehemännern sah. Die geheimen Blicke, die sie austauschten, eine sanfte Berührung, sogar Händchenhalten. Außerdem wollte ich mit wilder Hemmungslosigkeit genommen werden. Gefickt werden, wie es meine Freundin Chloe nannte.

Aber diese Männer betrachteten mich als Dame und würden mich solch lüsternen Aktivitäten nicht aussetzen. Verflixt!

Leider war Mr. Corbins Hand auf meinem Ellbogen eine der einzigen Berührungen, die ich jemals von einem Mann erhalten hatte. Ich wollte mehr von ihm, stellte mir vor, wie sich seine Haut, ohne die Barriere meines Kleides, an meiner anfühlen würde.

„Dankeschön“, murmelte ich und wünschte mir zugleich, er würde mit seiner Hand über meinen Rücken streicheln, die Nadeln aus meinen Haaren lösen und die Schnüre meines Korsetts aufbinden. Als Jungfrau würde – oder sollte – ich nicht wissen, was ein Mann tun konnte, wenn das Korsett erst einmal entfernt wurde, aber ich wusste es. Nicht im praktischen Sinne, aber ich hatte genug von dem, was zwischen einem Mann und einer Frau vor sich ging, gesehen, um es auch haben zu wollen. Chloe hatte mein Interesse an allem, das mit Männern zu tun hatte, geweckt und anscheinend war ich jetzt vollständig verdorben. Meine Gedanken waren vielleicht befleckt, aber ich besaß immer noch meine Tugend.

Wenn mein Vater von meinen Besuchen zum ‘Briar Rose‘ und von Chloe, sowie von dem, was sie mir gezeigt hatte, wüsste, würde er mich nie wieder aus dem Haus lassen. Ich würde wahrscheinlich in das Kloster am Stadtrand geschickt werden zu den Damen der Unbefleckten Empfängnis, bis er einen Nutzen aus mir ziehen konnte.

Ich hatte ebenfalls herausgefunden, dass meine behütete Existenz mit verdrehten und vorurteilsbehafteten Ansichten über Mädchen wie Chloe einherging. Die Damen der Frauenhilfe hatten behauptet, dass Huren arm wären, obwohl diese auf ihrem Rücken ziemlich gut verdienten und die gebrauchte Kleidung, die ich vorbeigebracht hatte, gar nicht brauchten. Ich hatte auch herausgefunden, dass die Männer, die mir mein Vater als mögliche Ehemänner vorgestellt hatte, keine richtigen Gentlemen waren. Ich hatte überraschenderweise mehrere von ihnen durch die kleinen Gucklöcher des Etablissements beobachtet. Was ich gesehen hatte, würde die Damen der Frauenhilfe in Ohnmacht fallen lassen. Alles, was es bei mir bewirkte, war, dass ich regelmäßig feucht zwischen meinen Schenkeln war und mich nach der Aufmerksamkeit eines Mannes sehnte.

Aufgrund meiner Spioniererei hatte ich den wahren Reginald Benson gesehen, den Mann, der mit meinem Vater den Bahnsteig in meine Richtung entlanglief und er war kein Mann, von dem ich umworben werden wollte. Jetzt da ich wusste, was er mit Tess getan hatte, wollte ich nicht einmal auf demselben Bahnsteig stehen wie er. Ich erschauderte bei der Erinnerung an die Schreie der Hure, als sie ausgepeitscht worden war. Glücklicherweise war ihr, wie mir Chloe erzählt hatte, Big Sam zu Rettung gekommen und sie würde sich wieder erholen. Mr. Benson war vom ‘Briar Rose‘ verbannt worden, aber das bedeutete nicht, dass er seine Handlungsweisen ändern würde. Er würde einfach jemand anderen finden, dem er Schmerzen zufügen konnte. Und wenn ich mit ihm verheiratet wäre…

Und dennoch stand mein Vater dem Mann wohlgesinnt gegenüber, da sie gemeinsam auf mich zu liefen. Mein Vater wusste entweder nichts von den grausamen Neigungen dieses Mannes oder es war ihm egal.

„Oh Gott“, murmelte ich. Mein Vater wollte eine Verbindung zwischen mir und Mr. Benson. Sie würden mich aus keinem anderen Grund selbst – und gemeinsam – vom Bahnhof abholen. Galle kroch mir die Kehle hoch, als mir dämmerte, dass ich das Bindeglied zwischen den zwei größten Minen der Stadt werden sollte, von denen jede einem der beiden gehörte.

Ich würde nicht ins Kloster gehen. Ich würde mit Mr. Benson verheiratet werden und das bald.

Ich konnte das nicht zulassen. Ich könnte einen Peitschenhieb nicht überleben oder irgendetwas der anderen schrecklichen Dinge, die Mr. Benson tun würde. Es würde keine Hilfe, keine Rettung für mich geben. Keinen Big Sam. Als Ehefrau konnte ich geschlagen – oder noch schlimmeres – werden, ohne dass man es ihm vorwerfen würde. Ich wäre sein Eigentum. Ich wimmerte bei dieser Vorstellung und packte Mr. Corbins Arm.

Ja, es war eine ungestüme, dennoch verzweifelte Geste. Aber sie würden mich in einer Minute gefunden und weggebracht haben.

Ich sah panisch zu dem Mann hoch. „Ich…ich brauche Ihre Hilfe.“

Mr. Corbins Augen wurden schmal, als er auf meinen Griff um seinen Arm blickte, bevor er unsere Umgebung nach versteckten Gefahren absuchte. Er zog mich hinter sich, schirmte mich ab.

„Was ist los, Liebes?“, fragte er und seine hellen Augen blickten endlich in meine. Ich schluckte, da er einfach viel zu gut aussah und ziemlich besorgt. Mir entging weder sein Wunsch, mich zu beschützen, noch der viel zu vertraute Kosename.

„Mein Vater ist mit einem Mann hier, dem ich meine…Aufmerksamkeit nicht schenken möchte.“

Er blickte den Bahnsteig entlang. Obwohl viel Trubel herrschte, wusste ich, dass er das Duo, das nach mir suchte, entdeckt hatte. Ich war ausnahmsweise einmal froh, dass Butte so ein geschäftiger Ort war.

„Hat einer die Größe eines bauchigen Ofens, der andere nach hinten geglättete Haare und einen Schnurrbart?“, fragte er.

Ich nickte und hielt mein Gesicht von ihnen abgewandt, während ich bei der Beschreibung von Mr. Benson erschauderte. Mr. Corbin drehte uns so, dass mich sein Körper vor den Blicken der sich nähernden Männer verbarg, wodurch er mir ein paar Minuten Galgenfrist verschaffte. Er war so groß, dass ich hinter seinen breiten Schultern und Brust gut versteckt war. Ich reichte kaum bis zu seinen Schultern. Ich fühlte mich beschützt und seltsam sicher.

„Ja. Es gibt so viel zu erzählen und keine Zeit, aber mein Vater wird mich mit ihm verheiraten, demjenigen mit dem Bart.“

„Sie wollen das nicht.“ Seine Stimme war leise und tief, klar und ruhig, anders als meine eigene. Meine Handflächen waren feucht und mein Herz schlug wie wild in meiner Brust.

Ich erschauderte bei der Vorstellung, Mr. Bensons Frau zu werden. „Ich könnte…könnte seine Berührung nicht ertragen.“

Mr. Corbin wurde irgendwie größer, wachsamer. „Wenn er etwas Unanständiges getan hat, werde ich ihn töten.“

Seine harten, scharfen Worte verzogen meinen Mund zu einem schmalen Lächeln, aber ich machte mir Sorgen, dass er es ernst meinte. Allerdings fürchtete ich mich nicht, weil er angeboten hatte, jemanden für mich zu ermorden. Stattdessen empfand ich es als beschützend und beruhigend.

Mit einem kurzen Blick an Mr. Corbins Schulter vorbei sah ich, dass sie näherkamen. „Gebt vor, mein Zukünftiger zu sein“, bat ich hastig. Die Idee war grotesk, aber das Erste, das mir in den Sinn kam. Es könnte funktionieren. Mr. Corbin hatte das richtige Alter, er war nicht verheiratet – zumindest hatte er während unserer Zugfahrt keine Ehefrau erwähnt – und er hatte einen angemessenen Rang in der Gesellschaft, um es vor meinem Vater und Mr. Benson glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Jetzt lächelte er. „Wenn mir jemand einen Antrag macht, sollte er wenigstens auf ein Knie gehen.“

Ich schürzte meine Lippen, da mir in einer Zeit wie dieser nicht der Sinn nach seinem Humor stand. „Mein Vater verheiratet mich mit dem Mann, um seinen Minenbesitz zu vergrößern. Ich werde die dritte Frau des Mannes sein. Die erste starb bei der Geburt ihres Kindes und die zweite verschwand auf mysteriöse Art und Weise.“

Jegliche Belustigung verschwand von Mr. Corbins Gesicht.

„Ihre Hilfe wird das, was die beiden als unvermeidlich betrachten, hinauszögern und mir Zeit zur Flucht geben.“

„Flucht?“, fragte er mit kalter Stimme.

„Ich habe es hinausgezögert, indem ich einen Monat bei meiner Großmutter in Billings verbracht habe, aber die Männer sind beide ungeduldig. Ansonsten würden sie nicht wegen mir zum Bahnhof kommen. Es entspricht nicht ihrem Charakter, sich um irgendjemanden, außer ihnen selbst, zu kümmern.“

„Sie haben so große Angst vor ihm?“, wollte er wissen. Seine Augen wanderten über mein Gesicht, als ob er nach dem Wahrheitsgehalt meiner Worte suchen würde.

Ich sah zu den Hemdknöpfen des Mannes, damit ich ihm nicht in die Augen blicken musste, während ich entgegnete: „Angst vor ihm?“ Ich nickte. „Absolut. Ich habe ihn auch mit Huren beobachtet und ich weiß, dass wir nicht…gut zusammenpassen. Wonach es ihm verlangt und wonach ich mich sehne, geht in entgegengesetzte Richtungen.“

Es gab keine Zeit, um Mr. Bensons Grausamkeit noch weiter auszuführen.

Mr. Corbins helle Augenbraue schoss in die Höhe. „Ich würde sehr gerne hören, wonach Sie sich sehnen, aber zu einer anderen Zeit.“ Er sah hinter sich. „Wenn Ihr Vater so erpicht darauf ist, Sie mit diesem Mann zu verheiraten, wird ihn ein Verlobter nicht davon abbringen. Mir ist Ihr Name bekannt und Ihr Vater ist ein mächtiger Mann in dieser Gegend.“

Meine Schultern sackten zusammen und mir traten Tränen in die Augen. Er würde mir nicht helfen. Niemand würde sich gegen Mr. Gregory Millard stellen. Sobald mich mein Vater fand, war ich zu einer Ehe mit einem schrecklichen Mann verdammt. Allein die Vorstellung eines nackten Mr. Bensons auf mir, der mich berührte, mich fickte, mir wehtat, ließ mich erschaudern.

„Was ist das Problem?“ Mr. Sullivan stieg aus dem Zug und stellte sich neben uns. Er war Mr. Corbins Reisegefährte und hatte sich uns bei den Gesprächen und dem Mittagessen angeschlossen. Seine Stimme war tief und ruhig, seine Schultern breit und muskulös. Er war eine Spur größer als Mr. Corbin und viel einschüchternder.

Seite an Seite schützten mich ihre großen Körper vor der Sonne und hoffentlich auch vor meinem Vater.