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Jerry Cotton 3255 E-Book

Jerry Cotton

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Beschreibung

Showdown in der kalten Hölle

Es war Winter, als Enrico Savazza, der Sohn eines berühmt-berüchtigten Mafiabosses, in Lake Placid festgenommen wurde. Die Cops hielten ihn im örtlichen Police Department fest, wo er hart rangenommen wurde, weil er die Schwester eines Kollegen belästigt und ihren Freund zusammengeschlagen hatte. Da Enrico bereits vom New Yorker FBI wegen verschiedener Verbrechen gesucht wurde, schickte Mr. High meinen Partner Phil und mich nach Lake Placid, um ihn abzuholen. Was wir nicht ahnten: Parallel sandte Enricos Vater ein Dutzend Männer aus, die seinen Sohn befreien sollten ...

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Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Cover

Impressum

Showdown in der kalten Hölle

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelfoto: (Film) »Wind River«(2017)/ddp-images

Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-8854-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Showdown in der kalten Hölle

Janice Saltzman schaute gedankenversunken aus dem Fenster des kleinen Hotelrestaurants in Lake Placid, als plötzlich ein dunkler Schatten neben ihr auftauchte.

»Hallo, schöne Frau. So allein?«, fragte jemand charmant.

Sie drehte ihren Kopf und sah einen gut gekleideten, dunkelhaarigen jungen Mann. Er lächelte. Doch obwohl er sich bemühte, freundlich zu wirken, schien etwas mit ihm nicht zu stimmen.

»Sorry, ich bin nicht interessiert«, erwiderte sie gelangweilt und wollte gerade ihren Blick abwenden, als er sie an der Schulter berührte.

»Ich bin Enrico. Wir könnten nach oben gehen und uns ein wenig amüsieren«, versuchte er es weiter.

Das war ihr zu viel. »Für wen halten Sie sich?«

Sein Lächeln bekam eine grausame Note. »Sie kennen mich nicht. Wenn Sie es täten, würden Sie sich nicht so unfreundlich zeigen. Ganz im Gegenteil, Sie würden die Chance nutzen, mich besser kennenzulernen.«

In dem Moment tauchte ein Mann hinter ihm auf, packte ihn und warf ihn zu Boden.

»Was fällt Ihnen ein, meine Freundin zu belästigen!«, rief der andere aufgeregt.

»Ist schon okay, Tommy«, versuchte die Frau, ihn zu beruhigen, und stand auf. »Lass ihn in Ruhe! Das ist sicher nur ein Missverständnis. Wir wollten ohnehin gerade gehen.«

Die einzigen anderen Gäste, zwei ältere Damen, zogen sich mit ängstlichen Gesichtern zur Damentoilette zurück. Ein Kellner war nicht zu sehen.

Der junge Mann erhob sich und zeigte wieder sein fieses Lächeln. Diesmal wandte er sich an den Mann.

»Missverständnis? Mag sein. Ich würde sie trotzdem gern auf mein Zimmer mitnehmen. Ich stehe eben auf Blondinen, besonders auf solche mit einer aufreizenden Figur wie ihre. Aber keine Angst, danach bekommst du sie in einem Stück zurück. Ich will nur meinen Spaß, kein Ehegelübde.«

Tommy Brice, der Freund von Janice Saltzman, reagierte genau so, wie Enrico es erwartet hatte. Er machte zwei schnelle Schritte nach vorne und versuchte, Enrico mit der Faust zu treffen. Doch der war diesmal vorbereitet und wich geschickt aus. Anschließend verpasste er dem Angreifer einen Schlag auf die Seite, worauf der in die Knie ging.

Aber noch war Tommy Brice nicht bereit aufzugeben. Er rappelte sich hoch, holte tief Luft und ging in Kampfstellung. Janice Saltzman sah sich auf der Suche nach Hilfe um, doch nach wie vor war niemand zu sehen.

Natürlich hatten sie dieses Restaurant gewählt, weil dort um diese Zeit nie viel los war, zumindest nicht vor der Hauptsaison. Doch jetzt wünschte sie, sie wären in ihre übliche Kneipe an der Ecke gegangen, wo sie immer auf Freunde und Bekannte trafen. Dann hätte Tommy dem Fremden, von dem eine unheimliche Bedrohlichkeit ausging, nicht allein gegenübergestanden.

Und sie kannte Tommy gut genug, um zu wissen, dass er in einer solchen Situation nicht einfach aufgeben würde.

»Hast du noch immer nicht genug, Jungchen?«, fragte Enrico mit einem hämischen Grinsen. »Vielleicht sollte ich dir eine Lektion erteilen …«

»Nein, bitte, lassen Sie ihn in Ruhe!«, mischte sich Janice ein und trat zwischen die beiden, in einem letzten Versuch zu verhindern, dass sie sich weiter prügelten.

»Aus dem Weg, das ist Männersache«, sagte Enrico, machte einen Schritt nach vorne und stieß sie grob zur Seite.

Tommy Brice kochte vor Wut. Was fiel dem Fremden ein, eine Frau – noch dazu seine Freundin! – so zu behandeln?

Er startete einen weiteren Angriff. Auch diesmal ging sein Schlag ins Leere, ebenso der zweite. Dann trat ihm Enrico zwischen die Beine, genau in die Weichteile, und als er sich vor Schmerz krümmte, trat er erneut zu.

Brice ging zu Boden. Enrico fuhr fort, ihn zu treten, hörte nicht auf, obwohl der junge Mann vor Schmerzen aufschrie.

»Das wird dir eine Lehre sein! Mit einem Savazza legt sich niemand ungestraft an!«, schrie Enrico und trat weiter zu.

Die Kellnerin, die gerade mit zwei Stücken Kuchen den Raum betrat, warf einen Blick auf die Szene und zog sich zurück, um die Polizei zu alarmieren.

Als Janice sich aufgerappelt hatte und ihrem Freund zur Hilfe kommen wollte, packte Enrico sie.

»Und?«, zischte er. »Wie sieht es jetzt mit uns beiden aus?«

Sie wollte sich losreißen, schaffte es aber nicht. Seine kräftigen Hände hielten ihre Arme wie Stahlklammern fest.

»Was zum Teufel ist denn hier los?«, fragte der Mann von Mitte dreißig, der mit einem Mal auftauchte. »Was hast du wieder angestellt?«

»Ich wollte nur ein wenig Spaß haben! Diese Dorftrottel sind so verdammt prüde.«

»Lass die Frau los, wir fahren. Sofort!«, befahl der Mann.

»Mensch, Mario, du kannst einem auch jeden Spaß verderben«, erwiderte Enrico Savazza.

Er warf Janice erneut zu Boden, schaute sie an und seufzte.

»Du weißt nicht, was dir entgeht«, behauptete er. »Ich hätte dir Dinge zeigen können, die sich dein Schwächling von Freund nicht mal in seinen kühnsten Träumen vorstellen könnte. Aber wahrscheinlich bis du es einfach nicht wert, dass ich dir auch nur eine Minute meiner Zeit schenke.«

»Los, wir müssen hier weg!«, sagte Mario bittend und fordernd zugleich.

Enrico machte einen Schritt nach vorne, drehte sich noch einmal zu Tommy Brice um und versetzte ihm einen letzten Tritt in die Eingeweide.

»Damit du mich nicht vergisst!«, knurrte er.

Draußen angekommen, liefen die beiden zu ihrem Auto.

»Unauffällig! Dein Vater hat uns gebeten, unauffällig zu sein. Eine Schlägerei anzufangen, ist sicher nicht das, was er damit gemeint hat!«, sagte Mario, als er sich ans Lenkrad des Mercedes setzte. »Davon abgesehen sollst du mich nicht Mario nennen. Wir haben uns nicht umsonst falsche Identitäten zugelegt!«

»Ist nicht meine Schuld, der Typ hat angefangen«, erwiderte Enrico. »So etwas darf ich als Savazza nicht durchgehen lassen. Mein Vater hat auch gesagt, dass Respekt wichtig ist. Ich höre auf das, was mein Vater sagt. Immerhin ist er der Boss.«

Ohne dass Enrico Savazza es sehen konnte, verdrehte Mario die Augen. Er hätte gerne etwas erwidert, wusste aber, dass es nur in einer weiteren Diskussion münden würde.

Dazu hatten sie jetzt keine Zeit. Falls jemand im Hotel die Cops benachrichtigt hatte, mussten sie weg sein, bevor man nach ihnen suchte. Lake Placid, wo sie sich gerade erst drei Tage aufhielten, war nur ein kleiner Ort, aber Cops gab es in den Staaten überall.

Enrico Savazza und er, Mario Belcanto, waren bereits seit mehreren Wochen im Norden der Staaten unterwegs und fuhren von einem kleinen Ort zum nächsten. Bisher hatte Enrico es sogar geschafft, sein Temperament unter Kontrolle zu halten und nicht auffällig zu werden. Wahrscheinlich waren es seine Hormone gewesen, die ihn dazu gebracht hatten, die Blondine anzusprechen.

Daran hätte Mario denken müssen. Es war schon mehr als eine Woche her, dass er ihm eine Frau besorgt hatte.

Enrico war ein verwöhnter junger Mann von zweiundzwanzig Jahren. Sein Vater Santino Savazza war einer der einflussreichsten Mafiabosse von New York. Und er verwöhnte seinen Sohn, gab ihm alles, was er wollte. Neben teuren Autos, einem Penthouse an der Fifth Avenue und einem Haus in den Hamptons gehörten auch Frauen dazu. Wenn sich gerade keine fand, die es auf sein Geld abgesehen hatte und deshalb mit ihm zusammen sein wollte, wurde gern auf den Escortservice zurückgegriffen, der Teil der Unternehmungen des Vaters war. Da die Mutter bereits vor Jahren verstorben war, gab es niemanden, der ihn diesbezüglich maßregelte.

So hatte Enrico Savazza bisher ein ausschweifendes Leben in Luxus führen und seine gewalttätige Ader ohne Konsequenzen ausleben können. All das hatte sich schlagartig geändert, als er einen Mann getötet hatte und dabei beobachtet worden war. Seitdem saßen ihm die Cops und das FBI im Nacken. Santino Savazza hatte seinen Sohn in Mario Belcantos vertrauensvolle Hände gegeben, und die beiden hatten New York verlassen.

»Bis sich der Staub gelegt hat«, hatte der Mafiaboss gesagt.

Das war nun schon einige Wochen her. Zunächst war alles gutgegangen. Mit der Zeit aber war es für Mario Belcanto immer schwieriger geworden, seinen Schützling unter Kontrolle zu halten.

»Wir haben gleich die Stadtgrenze erreicht«, sagte Belcanto, schaute in den Rückspiegel und seufzte. »Keine Verfolger. Ein Glück.«

Enrico Savazza nickte. »Siehst du, ist doch alles gutgegangen. Uns kann nichts passieren, wir sind ein unschlagbares Team.«

In dem Moment heulten hinter ihnen Sirenen auf, und sie sahen die blinkenden Lichter eines Streifenwagens.

»Verdammt!«, fluchte Mario Belcanto und trat aufs Gaspedal. »Die Cops sind noch relativ weit entfernt. Mal sehen, ob wir sie abhängen können.«

»Wir dürfen nicht zulassen, dass sie uns schnappen!«, stieß Enrico Savazza aus und rutschte auf seinem Sitz hin und her.

»Ich gebe mir Mühe, das zu verhindern!«, erwiderte Belcanto. »Unser Wagen ist schneller als ihrer. Allerdings kommt es darauf an, ob die Straße frei ist.«

Zunächst gelang es den beiden, den Abstand zum folgenden Streifenwagen zu vergrößern. Sie fuhren in Richtung Norden, auf die kanadische Grenze zu. Bisher hatten sie es nicht für nötig erachtet, das Land zu verlassen. Diese Option hatten sie sich für den Notfall aufgehoben. Der schien jetzt eingetreten zu sein.

»Wir schaffen es, sie abzuhängen«, jubelte Savazza, als der Streifenwagen immer weiter zurückfiel.

Plötzlich schoss von einer Seitenstraße ein weiterer Polizeiwagen heran und hängte sich direkt hinter sie.

»Verdammte Cops!«, fluchte Belcanto.

Er scherte aus, fuhr auf die Gegenfahrbahn und überholte einen Truck, der ihnen den Weg versperrte. Während des Überholmanövers kamen ihnen mehrere Autos entgegen. Ein roter Toyota war nur noch wenige hundert Yards entfernt und näherte sich schnell.

»Los, überhol den blöden Truck!«, rief Savazza, während sich seine Hände an den Sitz klammerten.

Belcanto blieb ruhig. Er war ein guter Fahrer und konnte genau abschätzen, wie viel Zeit ihnen bis zur Kollision noch blieb. Routiniert schaltete er einen Gang höher und gab Vollgas. Der Wagen machte einen Satz nach vorne und hatte den Truck zwei Sekunden später hinter sich gelassen. Sofort wechselte er zurück auf die rechte Spur. Der Toyota und die anderen Fahrzeuge sausten an ihnen vorbei.

»Das war knapp«, bemerkte Savazza und drehte sich um. »Ich glaube, wir haben die Cops abgehängt. Die werden ein solches Überholmanöver nicht wagen.«

»Schön wär’s«, bemerkte Belcanto trocken und schaute auf den Tacho.

Sie fuhren mit mehr als hundert Meilen pro Stunde. Während er noch ausrechnete, wie lange sie mit der Geschwindigkeit bis zur Grenze brauchen würden, erblickte er wieder die blinkenden Lichter der Streifenwagen im Rückspiegel.

»Sieht nicht aus, als würden sie aufgeben«, sagte er.

»Wenn sie uns einholen, knallen wir sie ab!«, stieß Savazza zornig aus. »Du wirst mich beschützen.«

Es war nicht das erste Mal, dass Belcanto es bereute, von seinem Boss damit beauftragt worden zu sein, auf dessen verzogenen Sohn aufzupassen. Er hatte einen bissigen Kommentar auf den Lippen, unterließ es aber, ihn zu artikulieren. Mit Enrico Savazza konnte man nicht diskutieren. Zumindest nicht konstruktiv. Selbst wenn man die besseren Argumente hatte, zog man am Ende immer den Kürzeren. Im schlimmsten Fall schwärzte er einen bei seinem Vater an. Und das konnte mitunter tödlich enden.

Trotz der hohen Geschwindigkeit kamen die Streifenwagen immer näher.

»Schneller!«, forderte Savazza.

»Die Straße ist teilweise feucht«, erwiderte Belcanto. »Wenn wir Pech haben, sind einige Abschnitte gefroren.«

»Du bist ein guter Fahrer, und das ist ein Hunderttausend-Dollar-Wagen. Wenn hier einer Probleme haben wird, dann die Cops mit ihren billigen Schrottkarren«, konterte Savazza. »Vielleicht sollte ich meinen Vater anrufen.«

»Auf keinen Fall!«, wandte Belcanto ein. »Dann weiß das FBI sofort, wo wir sind.«

»Ist ja gut. Ich hätte natürlich das verschlüsselte Handy benutzt«, wiegelte Savazza ab.

»Das ist nur für Notfälle.«

»Ist das nicht ein Notfall?«

»Schon, aber selbst wenn du ihn erreichst, wird es einige Zeit dauern, bis er uns helfen kann. Und genau die haben wir gerade nicht. Ich muss mich konzentrieren und … verdammt!«

Als sie um die nächste Kurve gefahren waren, tauchte vor ihnen eine Reihe von Fahrzeugen auf. Es wirkte, als würden sie stehen. Tatsächlich fuhren sie einfach viel langsamer als der Mercedes.

Belcanto trat auf die Bremse, und der Wagen wurde ruckartig langsamer. Nur der perfekt abgestimmten elektronischen Steuerung war es zu verdanken, dass sie nicht ins Schleudern gerieten, sondern einfach langsamer wurden.

Trotzdem reichte es nicht. Sie waren noch immer zu schnell und kurz davor, den Pick-up vor ihnen zu rammen. Belcanto reagierte und scherte aus, auf die Gegenfahrbahn. Dabei hätte er den Pick-up um ein Haar gestreift.

Er überlegte gerade, die Wagenkolonne vor ihnen zu überholen, als ein Truck auf der Gegenfahrbahn in Sicht kam.

»Los, überholen!«, forderte Savazza.

»Das packen wir nicht!«, erwiderte Belcanto und bremste weiter ab, bis sie von dem Pick-up überholt wurden und hinter ihm einscherten.

Savazza drehte sich um und schaute nach hinten.

»Die Cops haben aufgeholt«, stellte er fest. »Sie kleben an uns wie ein Haufen Schmeißfliegen. Wir sollten anhalten und sie alle abknallen.«

»Wie viele sind es?«, wollte Belcanto wissen.

»Zwei … nein, drei Streifenwagen. Wenn in jedem nur ein Cop sitzt, sind es insgesamt drei. Mit denen können wir fertigwerden.«

»Wahrscheinlich werden bald mehr kommen. Besser, wir versuchen die Grenze zu erreichen. Nach Kanada können sie uns nicht verfolgen. Und mit etwas Glück reagieren ihre Kollegen drüben so langsam, dass wir uns aus dem Staub machen können.«

Belcanto konzentrierte sich wieder auf die Straße, als der Pick-up vor ihnen plötzlich abbremste. Nur knapp konnte er einen Aufprall verhindern.

»Was ist da los?«, wollte Savazza wissen. »Die Typen haben ihren Führerschein wohl im Lotto gewonnen.«

Um herauszufinden, warum die Fahrzeuge vor ihnen bremsten, scherte Belcanto kurz auf die Gegenfahrbahn aus. Da sah er, dass einer der Wagen ins Schleudern geraten war. Den anderen passierte das Gleiche. Und bevor er wusste, wie ihm geschah, fing auch der Mercedes an zu rutschen.

»Glatteis!«, stieß er aus und versuchte den Wagen wieder unter Kontrolle zu bringen.

Vergeblich! Keine der Aktionen von Belcanto zeigte Wirkung. Der Mercedes fing an, sich zu drehen, und rutschte einfach von der Fahrbahn, wo er gegen einen Baum prallte. Die Airbags dämpften den Aufprall ab, dennoch verloren die beiden Insassen für einen kurzen Augenblick das Bewusstsein.

Als sie wieder zu sich kamen, schauten sie in die Mündungen von Pistolen.

»Keine falsche Bewegung!«, knurrte einer der Officers zornig. »Nehmen Sie langsam Ihre Hände hoch, sodass ich sie sehen kann, und steigen Sie aus dem Wagen!«

Belcanto war noch etwas benommen. Sein Schädel brummte. Den Gedanken, zu seiner Waffe zu greifen, ignorierte er. Er war zwar schnell, aber nicht so schnell. Ganz abgesehen davon, dass er gerade erst wieder zur Besinnung gekommen war.

Vorsichtig stieg er aus dem Wagen. Ehe er sich versah, hatte ihm jemand die Pistole aus dem Gürtelholster gezogen. Bei der weiteren Untersuchung wurden auch die beiden versteckten Messer gefunden. Mit Handschellen wurde er zu einem der Streifenwagen geführt.

Savazza verhielt sich nicht so zahm. Nachdem man ihn entwaffnet hatte, versuchte einer der Officers, ihm Handschellen anzulegen, und erhielt einen Faustschlag ins Gesicht. Sein Kollege packte Savazza und schleuderte ihn vor den Mercedes. Sein Kopf prallte vor das Seitenfenster, und er fing an zu bluten.

Grimmig lächelnd, leckte der Mafioso seine blutende Lippe und fixierte den Officer mit einem Blick.

»Das wirst du mir büßen, verdammter Cop!«, knurrte er drohend. »Ich werde dir das zehnfach heimzahlen!«

»Was ist dein Problem, du Freak?«, fragte der Cop und legte ihm Handschellen an.

»Du weißt nicht, wer ich bin!«, stieß Savazza drohend aus.

»Er heißt Tony Vega«, behauptete Belcanto.

Zuerst wurde Mario Belcanto in seine Zelle geführt. Dann brachten die beiden Officers, die sie verhaftet hatten, Enrico Savazza zur nächsten Zelle. Einer von ihnen öffnete die Tür, der andere versetzte Savazza einen Stoß, sodass sein Kopf gegen den Türrahmen schlug.

»Verflucht!«, schrie er auf und rammte dem Cop seinen Kopf gegen die Brust.

Der fiel nach hinten und knallte gegen die Wand. Sein Kollege war sofort zur Stelle und trat Savazza in die Kniekehle, woraufhin der zu Boden ging. Dann versetzte er dem Gefangenen einen Schlag mit dem Stock.

»Das ist für meine Schwester!«, sagte der Cop zornig und schlug noch einmal zu. »Und ihren Freund, du schmierige Ratte. Hoffentlich schickt dich der Richter für ein paar Jahre ins Zuchthaus, damit du Manieren lernst! Hier in Lake Placid fackeln wir mit Typen wie dir nicht lange.«

Savazza keuchte, dann schaute er auf, dem jungen Officer direkt ins Gesicht.

»Um dich werde ich mich persönlich kümmern, wenn ich hier raus bin!«, kündigte er an.

»Kann es gar nicht abwarten«, erwiderte der Officer und verriegelte die Zellentür.

»… und dann wollte Jerry der Lady behilflich sein und hätte sich fast eine Ohrfeige eingefangen«, erzählte Phil Helen, die interessiert zuhörte. »Zum Glück hat er schnell genug reagiert, sodass sie ihn verfehlte. Natürlich war sie danach weit weniger kooperativ.«

»Ich glaube, du übertreibst ein wenig, was das Temperament der Zeugin betrifft«, stellte ich klar. »Davon abgesehen war sie nicht wegen mir aufgebracht, sondern wegen des Unfalls. Nach so einem Schock kann man schon mal unüberlegt reagieren.«

Phil zuckte mit den Schultern. »Du wirst doch wohl ein wenig erzählerische Freiheit tolerieren, oder?«