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Hoffentlich bekomme ich die Wohnung!, denkt Klarina und wartet vor dem Haus, das in der Anzeige beschrieben ist. Auf ihr Klingeln tut sich zunächst nichts. Dann bricht unvermittelt ein ohrenbetäubender Lärm los. Zwei - oder drei, vielleicht auch vier - Kinder brüllen durcheinander. Die Tür wird aufgerissen - und ein einziges Mädchen steht da und schaut wütend zu Karina auf.
"Wennste das Kindermädchen bist, kannste gleich wieder verschwinden!", stößt die Kleine hervor. Der jungen Frau bleibt keine Gelegenheit, den Irrtum aufzuklären, sie kann auch nicht fragen, ob wirklich nur dieses eine Kind so viel Lärm veranstaltet hat. Denn im gleichen Moment wird ein unverschämt gut aussehender Mann sichtbar.
"Ah, das Kindermädchen!", ruft er erleichtert. "Los, fangen Sie sofort an, meine Tochter zu zähmen!"
Und auf einmal mag Klarina überhaupt nicht mehr sagen, dass sie eigentlich eine Wohnung sucht ...
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Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Einmal Fanny und nie wieder
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock / iko
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-3784-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Einmal Fanny und nie wieder
Hilfe – wer kann den süßen Wirbelwind zähmen?
Von Marion Alexi
Hoffentlich bekomme ich die Wohnung!, denkt Klarina und wartet vor dem Haus, das in der Anzeige beschrieben ist. Auf ihr Klingeln tut sich zunächst nichts. Dann bricht unvermittelt ein ohrenbetäubender Lärm los. Zwei – oder drei, vielleicht auch vier – Kinder brüllen durcheinander. Die Tür wird aufgerissen – und ein einziges Mädchen steht da und schaut wütend zu Karina auf.
»Wennste das Kindermädchen bist, kannste gleich wieder verschwinden!«, stößt die Kleine hervor.
Der jungen Frau bleibt keine Gelegenheit, den Irrtum aufzuklären, sie kann auch nicht fragen, ob wirklich nur dieses eine Kind so viel Lärm veranstaltet hat. Denn im gleichen Moment wird ein unverschämt gut aussehender Mann sichtbar.
»Ah, das Kindermädchen!«, ruft er erleichtert. »Los, fangen Sie sofort an, meine Tochter zu zähmen!«
Und auf einmal mag Klarina überhaupt nicht mehr sagen, dass sie eigentlich eine Wohnung sucht …
Klarina Ruland war es allmählich leid, nach der Wohnung zu suchen, die ihr der Makler mit so blumigen Worten angepriesen hatte. Eine tolle Wohnung sollte es angeblich sein, so eine mit allen Schikanen und Komfort, kurzum, eine Wohnung, von der man in dieser betrüblich wohnungsarmen Zeit nur träumen konnte. Das Dumme war nur, dass Klarina diese Traumwohnung nicht finden konnte.
Der Makler hatte sie für Punkt elf Uhr bestellt. In der Wohnung hatte man sich für die Besichtigung treffen wollen. Er rechnete fest mit ihrem Kommen, und das zu Recht, denn niemand, der bei klarem Verstand war, ließ sich eine solche Wohnung entgehen.
Klarina hatte zwar so getan, als wolle sie sich die Wohnung erst einmal ansehen, bevor sie sich festlegte, doch schon beim Telefongespräch hatte für sie festgestanden, dass sie keine Wahl hatte. Sie musste die Wohnung nehmen, egal ob das, was ihr der Makler angepriesen hatte, auch den Tatsachen entsprach. Ihre Lage war recht angespannt, denn wenn sie nicht bald ein Dach über dem Kopf fand, so würde sie ihren neuen Job nicht antreten können. Und hierbei handelte es sich zweifellos um einen echten Traumjob, von dem alle künftigen Werbegrafikerinnen schon auf der Kunstschule mit Sicherheit träumten.
Die größte und beste Werbeagentur der Stadt wollte Klarina eine Chance geben. Man war an ihr interessiert, weil sie, wie sich der Personalchef überraschend wohlmeinend ausdrückte, die in dieser hart umkämpften Branche geradezu lebensnotwendige Spontaneität mitbrachte, zudem über bemerkenswert viel Kreativität verfügte und offenbar zuverlässig, pflicht- und verantwortungsbewusst arbeitete.
Klarina war umgehend in Ehrfurcht versunken. Erstens war sie so viel Lob nicht gewöhnt, und zweitens hatte sie eher mit einer harschen Abfuhr gerechnet, da sie doch nur eine von vielen war, die den Job haben wollte.
Der anspruchsvolle Personalchef jedoch war von ihren Bewerbungsunterlagen sehr angetan gewesen und hatte eine Einstellung zum nächstmöglichen Termin befürwortet.
Ein Sechser im Lotto hätte Klarina nicht glücklicher machen können. Sie wusste endlich, wie sich ein Glückspilz fühlen musste, und war davon überzeugt, dass dieser Job ihre Karriere entscheidend beeinflussen würde. Allein der Name jener Werbeagentur würde ihr manche Tür öffnen, die bislang verschlossen war.
»Jetzt fehlt mir nur noch die Traumwohnung zum Traumjob«, sagte Klarina laut und eilte zur nächsten Wohnungstür, um mit verzweifeltem Blick auf das Namensschild zu starren. »Dr. Bernd von Wölfing«, las sie mit halblauter Stimme und schüttelte den Kopf. Diese Wohnung konnte es also auch nicht sein.
Wenn sie sich richtig entsann, und allmählich hatte sie ihre Zweifel, ob sie sich nicht die falsche Anschrift eingeprägt hatte, dann lautete der Name, den ihr der Makler am Telefon genannt hatte, ganz anders.
Nach einem hastigen Blick auf ihre Armbanduhr entschloss sich Klarina, doch auf den Klingelknopf zu drücken. Vielleicht konnte dieser Dr. Bernd von Wölfing ihr weiterhelfen, er kannte bestimmt die Mitbewohner des Hauses.
Zunächst blieb alles still, dann brach unvermittelt ein ohrenbetäubender Lärm los. Ein Hund schlug an und kläffte wie wild. Und zwei Kinder brüllten durcheinander.
Oho, Frau von Wölfing, dachte Klarina mit hochgezogenen Brauen, wir scheinen unsere Kinderschar aber schlecht erzogen zu haben. Das Geschrei erinnert doch sehr an das Kreischen auf einem Affenfelsen im Zoo …
Die Wohnungstür wurde aufgerissen, gerade als Klarina sich die Fingerspitzen befeuchtete und damit glättend über die Haare fuhr. In bester Absicht natürlich, denn wenn sie schon an fremden Wohnungstüren zu unpassender Zeit läutete, wollte Klarina wenigstens einen ordentlichen Eindruck machen.
»Guten Morgen, Frau von … Oh!«
Vor ihr stand nicht die Dame des Hauses, die tüchtige Hausfrau und fürsorgliche Mutter der Kinder, sondern ein Mann. Und nicht nur irgendein Mann, sondern einer von der Sorte, die man ansonsten nur auf der Kinoleinwand erblicken konnte. Was sein Aussehen betraf, so hatte er Filmstarqualitäten.
Er bedachte die junge Dame, die vor ihm stand, mit einem kühlen Blick.
Klarina bekam diesen Blick zunächst nicht mit, denn sie hatte alle Hände voll zu tun, um sich ihre Überraschung nicht anmerken zu lassen.
Er war ein Mann mit dem gewissen Etwas, das war Klarina sofort klar, obwohl sie auf diesem Gebiet über eher magere Kenntnisse verfügte. Schließlich war sie wohlbehütet aufgewachsen und hatte gewisse Erfahrungen gar nicht machen dürfen. Aber sie war oft ins Kino gegangen und schwärmte heimlich für Helden mit romantischen Qualitäten. Daher erkannte sie mit einem Blick, dass der gut aussehende Mann, der ihr die Wohnungstür geöffnet hatte, keinesfalls durchschnittlich war, sondern ungewöhnlich und interessant. Ihre Neugier war geweckt.
Sie blickte zu ihm auf, denn er war gut einen Kopf größer als sie. Er hatte die schönsten grünen Augen, die sie je bei einem Mann gesehen hatte.
Bevor sich Klarina äußern konnte, tauchten rechts und links von ihm zwei kleine Kinder auf. Ein Mädchen und ein Junge, die die Besucherin ihrerseits neugierig musterten.
»Hallo«, murmelte Klarina.
»Die ist aber klein«, stellte das Mädchen missbilligend fest.
»Und so dünn«, meinte der kleine Junge, der Klarina taxierend anschaute. »Sie schafft das nie, Papa.«
Klarina war verblüfft. Mit dieser Begrüßung hatte sie wahrlich nicht gerechnet. Schließlich war sie in dieses Haus gekommen, um sich eine leer stehende Traumwohnung anzusehen. An einer Misswahl hatte sie nicht teilnehmen wollen.
Die beiden Kinder hatten einen wunden Punkt bei Klarina berührt, natürlich unbewusst, wie sich die junge Frau hastig sagte. Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass sie sich gekränkt fühlte.
Ihr Problem war, dass sie sich nicht akzeptieren konnte, wie sie war. Sie fühlte sich außerstande, das zu tun, was anderen Leuten überhaupt keine Schwierigkeiten bereitete.
Jawohl, dachte Klarina schuldbewusst, ich bin zu klein und viel zu dünn. Und besonders tüchtig sehe ich auch nicht aus.
Der hochgewachsene stattliche Vater der Kinder schien ihre Meinung zu teilen, denn er wirkte nicht sehr verbindlich.
Klarina war davon überzeugt, dass er umgehend seinen Charme aktiviert hätte, wenn vor ihm eine attraktive junge Dame gestanden hätte.
»Ich bin Bernd von Wölfing«, sagte der Mann, der jetzt lächelte, dass es Klarina sofort den Atem verschlug. »Und ich bin froh, dass Sie doch noch den Weg zu uns gefunden haben.«
»Doch noch? Wieso?«, stammelte Klarina überrascht.
Er sah sie streng an. »Wir warten seit einer geschlagenen Stunde auf Sie, gute Frau.«
Klarina war so perplex, dass sie ihn mit großen Augen und geöffneten Lippen anstarrte. Wovon redete er?
»Sie ist komisch, Papa«, sagte das kleine Mädchen, das sie prüfend anschaute. »Schick sie lieber wieder weg.«
»Das können wir uns nicht erlauben, Fanny«, antwortete Dr. von Wölfing, ohne das Mädchen dabei anzuschauen. »Du weißt genau, dass Großmama ihren Termin nicht verschieben kann.«
»Großmama ist krank und wird operiert«, erklärte der kleine Junge wichtigtuerisch.
»Operiert«, verbesserte das kleine Mädchen den Bruder.
»Sie stirbt vielleicht«, setzte er hinzu.
»Unsinn, Benni, an einer Gallenoperation stirbt man nicht so leicht«, unterbrach der Vater gereizt seine beiden Kinder. »Großmama kommt sicher bald zurück und ist dann wieder gesund und munter.«
Klarina fand es nun endlich an der Zeit, das Missverständnis aufzuklären. Sie hatte ihre Verblüffung größtenteils überwunden und die Sprache wiedergefunden.
»Ich möchte …«
»Kommen Sie herein, alles Weitere klären wir bei einer Tasse Kaffee.« Dr. von Wölfen trat einen Schritt beiseite. »Ich habe leider furchtbar wenig Zeit …«
»Papa hat nie Zeit«, erklärte das kleine Mädchen.
Dr. von Wölfing seufzte und streckte Klarina die Rechte entgegen. »Guten Tag. Das war sicher kein guter Start, doch vielleicht klappt alles andere dann umso besser.«
»Ich fürchte …« Obwohl Klarina es eigentlich nicht wollte, ergriff sie seine ausgestreckte Hand und schüttelte sie.
»Sie bleibt also, juhu!«, jauchzte der Kleine Benni von Wölfing.
Seine Schwester Fanny wirkte wesentlich zurückhaltender. Nach wie vor schien sie nicht sehr überzeugt von Klarinas Qualitäten zu sein.
Klarina wollte die Wohnung der Familie auf keinen Fall betreten, bevor sie nicht geklärt hatte, dass hier eine Verwechslung vorlag. Anders waren die Ungereimtheiten nicht zu erklären.
»Ich bin nicht die, die Sie erwartet haben, Herr Dr. von Wölfing«, erklärte sie. »Es tut mir leid, aber ich muss …«
»Jaja, das ist mir schon klar, man wollte uns eine ältere Frau schicken«, unterbrach er sie. »Aber die Dame in der Agentur, mit der ich heute früh telefoniert habe, hat mich bereits schonend darauf vorbereitet, dass ich mit einer anderen, jüngeren Frau rechnen müsste.«
»Ich komme von keiner Agentur«, sagte Klarina.
»Ich weiß nicht, Papa«, murmelte das kleine Mädchen und sah Klarina von der Seite durchdringend an.
»Egal, wir können uns jetzt keine langen Diskussionen leisten, geschweige denn gewisse Ansprüche. Meine Kinder brauchen dringend eine Aufsicht. Sie haben ja vorhin erlebt, was bei uns los ist. Seien Sie also willkommen in der Familie Wölfing, Frau …«
»Klarina Ruland«, sagte Klarina automatisch. »Aber ich …«
Ehe sie sich’s versah, betrat sie die Wohnung und stolperte sogleich über einen vergessenen Stoffelefanten.
***
»So eine Blamage«, murmelte Klarina, die mit gemischten Gefühlen zusah, wie Dr. Bernd von Wölfing ihr ein breites Heftpflaster auf den Unterarm klebte.
»Ach was«, sagte er aufmunternd, wenn auch mit tief gefurchter Stirn. »Hinfallen kann jeder.«
»Nur liegen bleiben ist eine Schande«, ergänzte Fanny altklug.
Das Telefon im Nebenzimmer läutete schon wieder. Dr. von Wölfing entschuldigte sich flüchtig bei Klarina und eilte nach nebenan. Nachdrücklich schloss er die Tür hinter sich.
»Mein Vater hat viel zu tun«, sagte Fanny wichtigtuerisch. »Er ist der Chef in der Firma. Ihm müssen alle anderen gehorchen.«
»Das gefällt dir wohl sehr, hm?« Klarina lächelte.
»Klar«, erwiderte Fanny selbstbewusst. »Ich bin wie er, das sagen die meisten Leute. Findest du nicht auch, dass ich ihm ähnlich sehe? Sieh dir mal meine Nase an. Und meinen Mund!«
Die achtjährige Tochter des Hauses war ein aufgewecktes Persönchen mit leuchtenden Augen und einem vorlauten Mundwerk. Sie wirkte keck und wesentlich älter, als sie war.
Es dürfte wenig Sinn haben, sich mit ihr anzulegen, überlegte Klarina bei sich, denn die Kleine verfügt garantiert über einen gut sortierten Fundus an Tricks. Und da sie einen fabelhaften Draht zu ihrem Vater zu haben scheint, dürfte es auch zwecklos sein, sich bei ihm über sie zu beschweren. Die beiden halten ja zusammen wie Pech und Schwefel. Sie sind ein Herz und eine Seele …
»Klarina«, sagte Fanny, »das ist ein komischer Name.«
»Hm.« Klarina nickte. Sie ahnte, worauf das hinauslaufen würde. »Aber Fanny ist auch nicht gerade alltäglich, oder?«
»Ich hab ’ne Freundin, deren Schwester hat ’ne Klarinette«, erwiderte Fanny und sah Klarina herausfordernd an.
Klarina war klar, dass sie eine Reihe von Tests über sich ergehen lassen musste, bevor sie vor Fannys kritischen Augen bestehen würde. Dies war vermutlich ein milder Anfangstest.
»Spielst du auch ein Instrument?«, erkundigte sich Klarina interessiert bei dem kleinen Mädchen.
»Sie spielt Fußball«, warf Benni ein.
Der Sechsjährige hockte unter dem Küchentisch und spielte dort einträchtig mit dem Familienhund, dessen Rasse nicht eindeutig festzustellen war.
Doch der schwarzohrige Maxe mit den weißen Socken schien ein netter Hund zu sein, der Kinder mochte und nichts dagegen hatte, in einer chaotischen Wohnung zu leben.
»Und manchmal spielt sie auch verrückt«, setzte Benni hinzu und brachte sich vor der Schuhspitze seiner Schwester flink in Sicherheit. »Ich finde deinen Namen hübsch, Klarina.«
Die junge Frau beugte sich nach vorn, sodass sie unter den Tisch sehen konnte. Sie hob einen Zipfel des zerknitterten Tischtuchs hoch und lächelte dem Jungen zu.
»Danke schön«, sagte sie freundlich.
Fanny machte dem kleinen liebenswürdigen Intermezzo ein rasches Ende.
»Darauf musst du dir nichts einbilden, Klarina«, meinte sie schulterzuckend. »Benni sülzt immer so herum, um sich einzuschleimen. Manchmal küsst er die Neuen sogar.«
Das Verhältnis zwischen Fanny und ihrem jüngeren Bruder schien gestört zu sein. Entweder ließ das kleine Mädchen den Jungen links liegen, oder es gab ihm zu verstehen, dass er nichts zu melden hatte.
»Das war aber keine nette Bemerkung«, sagte Klarina ernst.
»Die Wahrheit ist nie nett«, konterte Fanny mit hochgezogenen Brauen. »Wirst du nun bei uns bleiben?«
»Ich habe mich noch nicht entschieden.«
»Ach, bitte, bleib bei uns, Klarina!«, rief Benni. »Du gefällst mir viel besser als Frau Truding.«
»Das war die, die vor dir hier war«, meinte Fanny.
»Und warum ist sie nicht mehr hier?«, wollte Klarina wissen.
»Fanny hat sie vergrault«, erklärte Benni mutig. »Sie vergrault alle. Deshalb kommen ja andauernd neue.«
»Der spinnt ja«, entgegnete Fanny und tippte sich an die Stirn. »Außerdem lügt er wie ein Weltmeister.«
»Gar nicht wahr!«, wehrte sich Benni mit bebender Stimme.
»Wenn du nicht sofort deine Klappe hältst, dann kannst du ein blaues Wunder erleben!«, konterte Fanny.
Klarina erstarrte bei dieser handfesten Drohung.
Sieh mal einer an, das kleine Fräulein mit dem Aussehen eines Engelchens benimmt sich erstaunlich selbstherrlich, geradezu tyrannisch, dachte sie.
Benni war verstummt. Fannys Miene signalisierte Genugtuung.
»Bekommt ihr wirklich andauernd neue Kindermädchen?«, wollte Klarina wissen, die gern in den Streit eingegriffen hätte, nach kurzer Abwägung aber darauf verzichtete.
»Ja«, wisperte Benni unter dem Tisch. »Andauernd.«
»Die hauen alle wieder ab, weil sie keine Lust mehr haben«, fügte das Mädchen hinzu.
»Keine Lust – wozu, Fanny?«
»Zu arbeiten natürlich«, erklärte das Mädchen. »Und dir traue ich das auch nicht zu, Klarina.«
Die Angesprochene musste unwillkürlich auflachen.
»Lachst du mich aus?«, fragte Fanny argwöhnisch.
