Kinderlachen - Folge 031 - Marion Alexi - E-Book

Kinderlachen - Folge 031 E-Book

Marion Alexi

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Beschreibung

Früher, als seine Frau noch lebte, da war Felix Wandrey ein vorbildlicher Ehemann und Vater. Barbara und die gemeinsame Tochter Sonja waren die einzigen Frauen in seinem Leben.

Doch nun ist Barbara tot - und Felix, der kürzlich entdeckte Stern am Pianistenhimmel, ist das neue Objekt der Begierde auf dem Heiratsmarkt. Und er, der früher am glücklichsten war, wenn er ungestört komponieren konnte, passt sich mit überraschender Leichtigkeit dem neuen Lebensrhythmus an. Schnell wird aus dem zurückhaltenden Künstler ein waschechter Partylöwe.

Sonja ist besorgt. Sie erkennt ihren Papa kaum wieder. Wie soll das nur enden? Sonja fasst einen Entschluss: Sie muss ihn retten - vor der schönen Sissi, vor der reichen Jennifer und wie sie alle heißen. Gemeinsam mit ihrem Komplizen Teddy Theo heckt die Neunjährige einen Plan aus ...

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Papa, ich und die Traumfrauen

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / Monkey Business Images

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-4455-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Papa, ich und die Traumfrauen

Wie die kleine Sonja ihren Vater zur Treue »erzieht«

Von Marion Alexi

Früher, als seine Frau noch lebte, da war Felix Wandrey ein vorbildlicher Ehemann und Vater. Barbara und die gemeinsame Tochter Sonja waren die einzigen Frauen in seinem Leben.

Doch nun ist Barbara tot – und Felix, der kürzlich entdeckte Stern am Pianistenhimmel, ist das neue Objekt der Begierde auf dem Heiratsmarkt. Und er, der früher am glücklichsten war, wenn er ungestört komponieren konnte, passt sich mit überraschender Leichtigkeit dem neuen Lebensrhythmus an. Schnell wird aus dem zurückhaltenden Künstler ein waschechter Partylöwe.

Sonja ist besorgt. Sie erkennt ihren Papa kaum wieder. Wie soll das nur enden? Sonja fasst einen Entschluss: Sie muss ihn retten – vor der schönen Sissi, vor der reichen Jennifer und wie sie alle heißen. Gemeinsam mit ihrem Komplizen Teddy Theo heckt die Neunjährige einen Plan aus …

Felix Wandrey massierte ein letztes Mal seine schlanken, sehnigen Hände. Dann ließ er sie einen längeren Augenblick über die glänzendschwarzen Ebenholz- und schimmernden Elfenbeintasten des eleganten Konzertflügels schweben. Der Konzentration zuliebe, aber auch um der Wirkung willen.

Dazu hatte ihm Barbara geraten, seine über alles geliebte Ehefrau, seine angebetete Muse und verständnisvolle Freundin.

Sie war die Mutter seiner Tochter Sonja. Die Neunjährige saß in der ersten Reihe des Konzertsaals und ließ ihn, wie Felix wusste, nicht aus ihren himmelblauen Augen.

Der Platz neben Sonja war leer. Der bequeme Sessel war für Barbara reserviert, die es leider nicht geschafft hatte, sich pünktlich von ihrer Firma loszueisen. Aber sie hatte ihm fest versprochen, sobald wie nur irgend möglich zu erscheinen. Und ihm dann beizustehen, egal, was auch immer kommen mochte.

Barbara fehlte ihm gerade entsetzlich. Ihre Nähe schenkte ihm zuverlässig das Selbstvertrauen, das ihm fehlte. Und wenn sie lächelte, was sie ihm zuliebe eigentlich unablässig tat, dann fühlte er sich längst nicht mehr so erdenschwer und verloren.

Aber es musste jetzt ohne sie gehen. Felix fokussierte seine Gedanken auf Schuberts frühe A-Dur-Sonate aus dem Jahre 1819. Sein erster Beitrag zu diesem Konzertabend. Barbara hatte das Programm mit ihm zusammengestellt und gemeint, dass diese Sonate das Publikum gewiss richtig auf die folgenden Stücke einstimmen würde.

Die Sonate, von Schubert im selben Jahr wie das viel berühmtere Forellenquintett komponiert, gehörte, so Barbara, zu seinen strahlendsten und ungetrübtesten Werken. Für sie zeigte das kurze Musikstück die Lichteffekte und lachenden Farben eines Frühlingstages auf. Der Frühling war Barbaras liebste Jahreszeit.

Felix schlug die ersten Takte an. Alles lief wunderbar. Er fasste allmählich Vertrauen in das eigene Können, das laut Barbara nicht unbeträchtlich war.

Dieser Abend sollte die Wende in seinem Pianistenleben darstellen. Seine erste große Chance, die er unbedingt nutzen musste. Wie Barbara ihm noch vorhin am Telefon eindringlich klargemacht hatte.

Sie hatte ihn beschworen, beim Klavierspiel an sie zu denken. Und sich einzubilden, er säße daheim am Flügel und spiele nur für sie. Wenn ihm das gelänge, hätte er alle Kritiker in der Tasche.

»Prima, Papi!«, rief Sonja.

Und ihre dünne Kinderstimme übertönte seltsamerweise alle anderen. Oder kam es ihm nur so vor, weil sie ihm vertraut war?

Felix nahm die Hände von den Tasten und schöpfte tief Luft. Hatte er in den letzten Minuten vergessen, Atem zu holen? Ihm war es, als erwache er aus einem tiefen Schlaf.

Und was hatte ihn geweckt? Der Beifallsturm der Zuhörer, der schnell zum Orkan wurde. Die Leute klatschten Beifall, ja, wirklich, sie waren ganz aus dem Häuschen vor Begeisterung.

»Bravo!«

»Toll, Papi, supertoll, wirklich!«

Sonjas himmelblaue Augen strahlten und blitzten eindrucksvoller als der pompöse Kronleuchter mit seinen unzähligen, feingeschliffenen Kristallprismen, einem Feengebilde aus rieselnden Regenbogentränen.

An sich war nicht vorgesehen, dass jetzt schon applaudiert wurde. Dazu war die große Pause da. Felix hätte sich fast die Augen gerieben, weil er so verblüfft war über die Reaktion der Leute.

Und er hatte sich den ganzen Tag lang vor ihnen fast zu Tode gefürchtet. Jetzt lächelte er den Menschen dort unten zu, er verspürte ein großes Glück, das ihn vollkommen ausfüllte.

Er entdeckte das Mondgesicht eines bekannten Musikkritikers ganz rechts in der zweiten Reihe. Der Mann wirkte wohlwollend!

Felix konnte es nicht glauben. Seit Jahren hatte er den Agenten die Büros eingerannt und war doch immer nur auf gelangweilte Ablehnung gestoßen. Nein, man war an ihm, dem Unbekannten, nicht interessiert, man wollte ihn nicht mal etwas vorspielen lassen.

Dabei lebte ein Künstler von der Anerkennung, vom Beifall der Mitmenschen. Felix hatte die Welt nicht mehr verstanden und sich nach und nach auf seine stille Insel zurückgezogen.

Ohne Barbara wäre die Verbindung zur Welt ganz abgerissen.

Wie schade, dass sie seinen Triumph nicht miterleben konnte. Ach, wie er ihren Job verwünschte, der sich immer dann zwischen sie stellte, wenn er sie am dringendsten brauchte!

»Papi, Papi!«

Sonja wandte ihm ihr vor Freude strahlendes Gesichtchen zu.

Er tauchte in dieses Lächeln ein, das seiner Seele Flügel verlieh. Ganz leicht war ihm jetzt zumute, er wusste, die einhellige Zustimmung des Publikums würde ihn durch das gesamte Konzert tragen. Und dann würde Barbara an seiner Seite sein und ihm helfen, den Erfolg zu verkraften.

Im Künstlerzimmer wurde heftig gestikuliert. Man warf ihm besorgte, ja, irritierte Blicke zu. Offenbar wägte man ab. Was?

Der Veranstalter eilte mit langem Gesicht über die Bühne.

»Herr Wandrey«, zischelte Dr. Gerhard Nolte.

Felix ahnte, dass mit dem Veranstalter Unheil gekommen war. Alles deutete darauf hin, vor allem sein Herzklopfen.

»Sie müssen sofort mitkommen, Herr Wandrey …«

»Ich?« Felix meinte, seinen Ohren nicht trauen zu dürfen. War das ein Scherz? Wenn dem so war, dann dürfte es ein ziemlich geschmackloser sein. »Ich habe gerade erst angefangen, Herr Dr. Nolte«, erklärte er unwirsch, jedoch hauptsächlich verunsichert.

Im Künstlerzimmer herrschte ungewohnte Aufregung. Ein Teil davon übertrug sich trotz der Entfernung auf Felix.

»Folgen Sie mir, Herr Wandrey«, forderte Dr. Nolte eindringlich.

»Aber das Publikum … Wie stellen Sie sich das vor?«

»Ich bringe das den Leuten schon bei. Schließlich handelt es sich um einen Notfall.«

Felix erhob sich. Ein bisschen sah es aus wie bei einer Marionette, so hölzern und ungelenk.

»Man hat uns soeben benachrichtigt. Ihre Frau hatte einen Unfall, Herr Wandrey. Einen sehr schweren Unfall. Man bangt um ihr Leben. Sie müssen sofort zu ihr fahren, ins Marien-Krankenhaus, auf der Stelle …«

***

Zwei junge Schwesternhelferinnen tuschelten miteinander.

»Du, der sieht aber schick aus!«

»Findet bei uns heute Abend ein Konzert statt, von dem ich nichts weiß? So ein Benefiz-Event? Also, wir erfahren aber auch immer zuletzt …«

Ein attraktiver junger Mann im Smoking erregte natürlich Aufsehen in einem Krankenhaus, wo eher Bademäntel zum gewohnten Bild gehörten.

Viele neugierige Blicke folgten der hochgewachsenen schlanken Gestalt im Smoking. Erst als Felix in die Notaufnahme einbog, beruhigte sich das allgemeine Getuschel. Aha, ein Notfall, deshalb der Smoking.

»Wo finde ich meine Frau?«, sprach Felix die erstbeste Schwester an, die ihm entgegenkam. »Es ist wichtig, Schwester.«

»Es ist immer wichtig.«

Sie war die Gelassenheit in Person, was ihn zusätzlich nervös machte.

»Es geht um Barbara Wandrey. Man hat vorhin in der Musikhalle angerufen … Sie ist hier, zweifellos, weil sie einen Unfall hatte. Und ich muss zu ihr, denn es hieß, es ginge um Leben oder … Sie wissen schon.«

Sie warf ihm einen Blick zu. Einen ganz seltsamen Blick, ein Gemisch aus Mitleid und Neugier.

»Sie mussten Ihr Konzert abbrechen? Das tut mir leid.«

»Meine Frau … Ich möchte sie sehen.«

»Ich hole den Chef.«

Sein Herz hämmerte rasend.

»Wozu denn? Ich brauche ihn nicht.«

»Oh doch. Eine Minute nur. Er will Sie sprechen. Verstehen Sie doch, Herr Wandrey, das ist hier so üblich bei … Nun ja.«

Sie entschwand, wie’s schien, entfernte sie sich eiligst. Vorher hatte sie sich Zeit gelassen. Ein schlechtes Omen?

Felix war vollkommen durcheinander. Er nahm den Herrn am Ende des Flurs gar nicht recht wahr. Ein Mann in seinem Alter, aber dunkelhaarig und wesentlich kräftiger. Und er warf ihm eindeutig neugierige Blicke zu.

Ob der was von mir will?, fragte sich Felix irritiert. Kenne ich ihn womöglich? Also, Barbara hätte das sofort gewusst, ihr Personengedächtnis war hervorragend. Sie war ihm auch in dieser Hinsicht eine riesige Stütze, seine wunderbare Barbara.

Dann, als Felix seine Hände in die Hosentaschen schieben wollte und diese an der gewohnten Stelle vermisste, wurde ihm klar, weshalb der fremde Herr am anderen Ende des Flurs ihn taxierte.

Ach ja, der Smoking, dachte Felix, dem der ungewohnt enge Kragen zu schaffen machte. Wo bleibt denn nur der Chefarzt?! Der lässt sich aber Zeit.

Ein älterer Herr mit Stirnglatze kam mit wehendem Arztkittel auf ihn zu.

»Herr Wandrey? Felix Wandrey?«

Felix nickte. Die Kehle war ihm wie zugeschnürt.

»Sie müssen jetzt sehr stark sein, Herr Wandrey.«

Stark muss ich sein?, fragte sich Felix verwirrt. Wieso?

Professor Dr. Widukind legte ihm seine Rechte auf die Schulter und löste mit dieser an sich harmlosen Geste in Felix eine Menge verworrener Gefühle aus.

»Wir haben alles in unserer Macht Stehende für Ihre Frau getan, aber … aber sie ist zu spät zu uns gebracht worden, es war nichts mehr zu machen … Zumal ihr Herz nicht das beste war. Nur der Himmel hätte ihr helfen können …«

Felix starrte den Mediziner fassungslos an.

»Ein Trost bleibt Ihnen: Ihre Frau hat nicht mehr leiden müssen … Es ging ja alles so furchtbar schnell.«

Die Worte rauschten an Felix vorbei wie ein reißender Strom, der sein Denken und Fühlen gnadenlos ertränkte und ihn in einem mächtigen Strudel nach unten zog, auf den Grund seines Seins.

Von den wortgewaltigen Erklärungen blieb ihm einzig die grausame Erkenntnis, dass Barbara nicht mehr lebte. Sie hatte es nicht geschafft, weil ihr die Kraft abhanden gekommen war nach dem Unfall, mit dem sie nicht rechnete, der sie völlig überraschte.

»Welcher Unfall?«, erkundigte sich Felix, der sich fühlte wie einer nach einem stundenlangen Unterwasseraufenthalt.

Der Professor sah ihn forschend an.

»Ach, Sie wissen noch nichts von dem Unfall?«

»Ich komme direkt aus der Musikhalle.«

»Richtig, Sie sind von uns verständigt worden … Tja!«, meinte der Professor mit seiner berufsmäßigen Trauermiene. »Sehr schlimme Sache, dieser Unfall. Ihre Frau ist direkt vor den Bus gerannt, wie die Zeugen ausgesagt haben.«

»Meine Frau?«

Udo Widukind zog die buschigen dunklen Brauen in die Stirn.

»Ich schlage vor, dass Schwester Elke Ihnen einen Kaffee bringt, Herr Wandrey.«

Felix schüttelte unwillig den Kopf.

»Ich möchte meine Frau sehen, Herr Doktor … Professor, meine ich.«

»Das ist nicht so wichtig«, meinte der stattliche ältere Herr, während seine hoheitsvolle Miene ihn Lügen strafte. »Jetzt geht’s ja um etwas ganz anderes, nicht wahr?«

»Um meine Frau. Warum darf ich nicht zu ihr?«

»Ich wollte Sie schonend auf das, was geschehen ist, vorbereiten, Herr Wandrey. Sind Sie sicher, dass es Ihnen gut geht?«

»Mein Gott, was erwarten Sie von mir, Herr … Professor!«, schrie Felix plötzlich unbeherrscht auf. »Meine Frau hatte anscheinend einen schweren Unfall. Soll ich etwa fröhlich sein?« Er packte den Chefarzt beim weißgestärkten Kittelärmel. »Ich will sie sehen, sofort. Sie ist meine Frau, egal, was geschehen ist.«

»Also gut. Kommen Sie, ich bringe Sie zu ihr.«

Barbara Wandrey war direkt aus dem OP gerollt und in einen schmalen Raum auf einer benachbarten Station gebracht worden.

Felix konnte sich später nur noch mit Mühe an die betont in hellen freundlichen Farben gehaltene Einrichtung erinnern. Er hatte nur Blicke für das schmale Krankenhausbett.

Sämtliche Spuren ärztlicher Behandlung und Versorgung waren entfernt worden. Barbara lag auf dem Rücken, die Arme seitlich ausgestreckt. Man hatte ihr die Augen geschlossen.

»Ich lasse Sie jetzt mit Ihrer Frau allein«, flüsterte der Professor und schloss behutsam die Tür hinter sich.

Felix wagte kaum zu atmen. Und er ging unwillkürlich auf Zehenspitzen an das Bett heran. Durfte er Barbara berühren?

Aber das da, die schlanke Frau unter dem Leinentuch, war das noch seine Barbara? So wachsbleich war sie nie gewesen. Und ihr dunkelblondes Haar war so wirr, das hätte ihr nicht gefallen. Sie hatte stets auf sich gehalten, seine schöne Barbara.

Barbara lag regungslos da und fühlte sich entsetzlich kalt an. Es traf ihn wie ein Schlag, als er sich klarmachte, dass alles vorbei war. Ihr Leben und seins.

Denn Barbara würde aus ihrem grauenvollen Schlaf nicht mehr erwachen. Sie würde die Sonne nicht mehr sehen können, auch den Regen nicht, den sie so geliebt hatte. Nie mehr würde sie mit bloßen Füßen über Regenpfützen springen und sich dabei lächelnd nach ihm umdrehen.

Einfach aus und vorbei!