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Aletta hat nur ein Motiv, als sie die Stelle als Sekretärin in der vornehmen Villa der Familie Schäffler antritt: Sie will Rache nehmen! Alexander Schäffler soll dafür büßen, dass er ihr den geliebten Mann und das Kind genommen hat, weil er bei Nebel zu schnell mit seinem Wagen raste.
Doch mit einer hat Aletta nicht gerechnet: der sechsjährigen Billie. Das neugierige Mädchen scheint ihr bis auf den Grund der Seele blicken zu können - und genau das bringt Alettas Plan völlig durcheinander. Wenn nur Billie nicht ständig an ihrer Seite kleben und sie beobachten würde!
Als dann wirklich ein Mordanschlag in der Villa geschieht, führen die Spuren zu Aletta. Alle Bewohner halten sie für schuldig. Alle, bis auf Billie ...
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Kleine Detektivin Billie
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock / Maria Symchych
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-4686-2
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Kleine Detektivin Billie
Wenn ein Kind ein Verbrechen aufklären will
Von Marion Alexi
Aletta hat nur ein Motiv, als sie die Stelle als Sekretärin in der vornehmen Villa der Familie Schäffler antritt: Sie will Rache nehmen! Alexander Schäffler soll dafür büßen, dass er ihr den geliebten Mann und das Kind genommen hat, weil er bei Nebel zu schnell mit seinem Wagen raste.
Doch mit einer hat Aletta nicht gerechnet: der sechsjährigen Billie. Das neugierige Mädchen scheint ihr bis auf den Grund der Seele blicken zu können – und genau das bringt Alettas Plan völlig durcheinander. Wenn nur Billie nicht ständig an ihrer Seite kleben und sie beobachten würde!
Als dann wirklich ein Mordanschlag in der Villa geschieht, führen die Spuren zu Aletta. Alle Bewohner halten sie für schuldig. Alle, bis auf Billie …
In der Küche schepperte es. Dann fiel etwas auf den gefliesten Boden. Das Krachen hallte durchs ganze Haus.
Anschließend setzte eine atemlose Stille ein. Es war, als ob das schlaftrunkene Haus angestrengt lauschte, um herauszufinden, wer da in aller Herrgottsfrühe in der Küche rumorte.
Im ersten Stockwerk erwachte Aletta sehr viel früher als sonst und hatte Mühe, sich in der ihr noch immer fremd vorkommenden Umgebung zu orientieren.
Ihr erster Blick fiel auf den Wecker. Sie rieb sich die Augen. Was hatte sie eigentlich geweckt? Ach ja, da war so ein fürchterliches Krachen in Haus gewesen. Sie fuhr hoch.
»Was ist denn los, Aletta?«, murmelte Frank schläfrig, mit zerwühlten Haaren und Augen, die sich nur mühsam öffneten.
»Da war so ein komisches Geräusch, Frank. Ich seh mal nach.«
Sie fühlte, wie er ihr Handgelenk umschloss. Er lachte leise.
»Das ist Sina, Engelchen. Sie macht Frühstück für uns.«
Aletta ließ sich erleichtert in ihre Kissen zurückfallen.
»Wenn das so ist, haben wir noch irre Zeit!«
»Genau. Magst du zu mir rüberkommen?«
Sie nickte und rutschte auf seine Hälfte des breiten Bettes, kuschelte sich wohlig in seine Umarmung.
Schön, dachte Aletta und fühlte sich in gehobener Stimmung. Und man sah ihr das Glück an – sie leuchtete förmlich vor Freude. Neben ihr atmete Frank leise und rhythmisch, während Sina in der Küche mit dem Geschirr klirrte.
Aletta drehte sich vorsichtig herum, um das schlafende Gesicht ihres Lebensgefährten zu betrachten.
»Ist was?«, nuschelte er schlaftrunken. »Warum weckst du mich?«
»Hab ich gar nicht.«
»Dann waren es deine Schwingungen.«
»Ich seh dich nur an. Du siehst so süß aus, wenn du schläfst und dabei deine Nase kraust.«
»Ich krause meine Nase nicht im Schlaf.«
»Doch!« Sie lachte. Frank brachte sie immer zum Lachen.
»Sieh dir was anderes an, ich habe zu tun, Engelchen.«
»Du hast zu tun? Was denn?«, fragte sie überrascht.
»Ich war eben dabei, das Dach in Ordnung zu bringen.«
»Da hast du ja furchtbar geschuftet.«
»Und fast wäre ich runtergefallen, stell dir vor!«
»Grässlich.« Sie schmiegte sich an ihn und küsste ihn auf die Nasenspitze. »Haben wir’s nicht gemütlich, wir beide?«
»Mmmh.« Er zog sie noch enger an sich.
»So müsste es immer sein. Nicht?«
»Mmmh«, machte er mit geschlossenen Augen.
Er fuhr mit stolzer Miene mit der linken Hand über ihren Bauch.
»Wieso wirst du eigentlich nicht dicker?«
Aletta lächelte zärtlich. »Weil ich erst im dritten Monat bin, Frank.«
»Schade, dass Babys so lange brauchen.«
»So ungeduldig bist du?«
»Ich kann’s kaum noch abwarten, ehrlich.«
Frank Pilgram mochte Kinder gern. Der kleinen Sina war er ein liebevoller fürsorglicher Vater, einer von der geduldigen Sorte, von der es leider, leider so wenig gut erhaltene Exemplare gibt.
Als Beatrix, seine erste Frau, ihm bei der Scheidung das Sorgerecht für Sina überließ, war er so selig gewesen, dass er anschließend im Treppenhaus des altehrwürdigen Gerichtsgebäudes einen Handstand mit Überschlag machte.
Aletta hatte Beatrix noch nicht kennengelernt, doch nach allem, was Frank ihr von seiner ersten Frau erzählte, musste diese eine merkwürdig kalte Frau sein.
Für Aletta Rodegang war es unverständlich, wie man sich vom eigenen Kind trennen konnte! Sie würde das unter keinen Umständen tun!
Es war bei ihr Liebe auf den ersten Blick gewesen, damals, als sie Frank ganz zufällig bei einer langweiligen Party begegnete. Und ziemlich bald hatte sie diesen wunderbaren Mann, in den sie sich stürmisch verliebte, zum Vater ihres ersten Kindes bestimmt!
Aletta musste lachen, als sie daran dachte, dass Frank lange Zeit ahnungslos gewesen war, was die ihm zugedachte Rolle betraf.
Raffinierte Aktionen gehörten ansonsten nicht in ihr Programm. Sie war im Gegenteil immer stolz darauf gewesen, bisher ohne Tricks und doppelte Böden ausgekommen zu sein. Aber in diesem Fall hatte sie eine Ausnahme gemacht, denn sie war entschlossen gewesen, sich ihr Glück nicht mehr entwischen zu lassen.
»Habe ich geschnarcht?«
»N-nein, nicht sehr jedenfalls.«
»Worüber hast du dann gelacht?«
Aletta fand Frank insgesamt fabelhaft. Aber sie wusste auch um seine Empfindlichkeiten und deren Ursachen.
Wenn ein sensibler Typ wie Frank jahrelang von seiner sicherlich krankhaft eifersüchtigen Frau gequält worden war und sich damit abgefunden hatte, von ihr aus purem boshaften Vergnügen niedergemacht zu werden, dann wurde er zwangsläufig zu einem Lebewesen mit angegriffenem Innenleben.
Zum Glück hatte Frank Aletta gefunden. Denn sie war im Gegensatz zu Beatrix eine weichherzige und großzügige Frau, die viel Verständnis für die angerauten abgeschabten Stellen in seiner Seele aufbrachte und Balsam in Form von Liebe darauf strich.
»Ich habe über uns nachgedacht«, erwiderte sie sanft. »So glücklich wie jetzt war ich noch nie.«
Er, der nicht mehr vertragen konnte, ausgelacht zu werden, war beschwichtigt.
»Keine Ahnung, warum wir uns nicht schon früher über den Weg gelaufen sind!«
»Unsere Schutzengel müssen gepennt haben.«
Er schmunzelte. »Du gehörst doch selbst zu dieser Truppe.«
»Wie lieb du bist.«
»Ich hätte dir alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt.«
Er hätte es bestimmt getan, denn auf ihn war Verlass. Als sie ihm das mit einem Lächeln bestätigte, setzte er aufseufzend hinzu: »Stattdessen habe ich Jahre meines Lebens damit verplempert, für Beatrix die Sterne vom Himmel zu holen …«
Aletta wusste, dass er damit den hohen Lebensstandard meinte, auf den seine erste Frau so großen Wert gelegt hatte.
»… und wenn sie die Sterne im Haus hatte«, schloss er bitter, »dann waren sie ihr nichts mehr wert. Sie war ewig unzufrieden.«
Sie erzählte ernst: »Ich hatte auch nichts als Pech. Mein Leben war eine einzige endlose Pechsträhne. Erst seit ich dich kenne, hat sich das geändert. Ach, Frank, du bist … mein Glücksstern.«
Als sie auflachte, blieb er ernst.
»Ist es nicht kitschig, wenn ich ›mein Glücksstern‹ sage?«
»Überhaupt nicht«, widersprach er. »Es hört sich süß an.«
Sie lächelte verlegen. »Du machst hübsche Komplimente.«
»Das war keins. Ach, Aletta, weißt du denn nicht, wie glücklich du mich machst? Meine Ehe war nie besonders toll … Eigentlich hätten Beatrix und ich nie heiraten sollen. Wir sind viel zu verschieden. Aber da war Sina unterwegs, ich konnte sie doch nicht im Stich lassen. Wie oft ich das bereut habe …«
»Wir machen einen ganz dicken Strich unter unsere grauen Vergangenheiten und fangen bei null an. Wollen wir?«
»Ja, Engelchen, wir müssen an unsere Feste glauben, wenn wir sie feiern wollen! Du, ich freue mich wie verrückt auf die schöne lange Zeit, die vor uns liegt. Mit dir ist alles so leicht und unkompliziert. Du lachst so gern und … Pssst, sie kommt.«
Die Treppenstufen draußen knarrten. Tassen klirrten leise. Und ein köstlicher Kaffeeduft zog durch die nur angelehnte Tür.
Er streckte sich aus und tat so, als schliefe er fest.
Aletta war auch keine Spielverderberin. Sie schloss die Augen und kuschelte sich in die Daunendecke.
»Guten Morgen, ihr Schlafmützen!«, rief die fünfjährige Sina munter und schleppte das Frühstückstablett ins Schlafzimmer.
Frank rieb sich die Augen. »Wer ist denn da?«
»Sina!« Das kleine Mädchen strahlte begeistert. »Ich habe für euch Frühstück gemacht! Kuckt mal, ist alles da!«
***
»Ich kann nicht mehr!«, stöhnte Frank. »Wenn ich noch ein Croissant esse, platze ich garantiert.«
Sina lachte vor Vergnügen. »Glaub ich nicht, Papi!«
Aletta trank ihren Kaffee aus. Der war ein bisschen stark geworden, aber Sina zuliebe, die es immer gut mit ihr meinte, tat sie so, als wäre er perfekt.
»Und was machen wir heute?«, wollte das kleine Mädchen wissen. »Ich hab nämlich eine super Idee!«
Sie hockten zu dritt auf dem breiten Bett und plauderten gemütlich nach dem ausgedehnten Frühstück.
»Du hast ja nur super Ideen!«, meinte Frank. »Also?«
»Ich weiß was, was ihr nicht wisst!«, verkündete Sina geheimnisvoll.
Aletta sagte schnell: »Vor der Haustür steht ein Pony.«
Sina kicherte vergnügt. Ihre knallblauen Augen strahlten in dem rosig-rundlichen Gesicht. Wer die Kleine jetzt sah, brachte sie bestimmt nicht mit dem schüchternen blassen, weil restlos überforderten, Dingelchen in Verbindung, das Aletta damals – ganz erschrocken – kennengelernt hatte.
Schon vor der Scheidung hatte sich Sina sehr verändert. Sie hatte nicht mehr mit den Kindern aus der Nachbarschaft spielen wollen und war am liebsten allein in ihrem Zimmer geblieben.
Frank hatte sich große Sorgen um seine Tochter gemacht und heimlich an seinen väterlichen Talenten gezweifelt. Als Aletta es dann scheinbar mühelos schaffte, Sina aus ihrem selbstgewählten Schneckenhaus zu holen, war er ihr unendlich dankbar.
Aletta und Sina hatten sich gesucht und gefunden. Zwei, die sich auf Anhieb mochten und inzwischen ein Herz und eine Seele waren. Noch wusste Sina nicht, dass sie in etwa einem halben Jahr ein Geschwisterchen bekommen würde. Mit ihren fünf Jahren war Sina zwar schon sehr verständig, doch Aletta wollte all die Neuigkeiten, die auf Sina derzeit einstürmten, fein dosieren.
Als nächstes Ereignis stand die Hochzeit ins Haus. Während es Aletta egal war, in welchem Rahmen man feierte, wollte Frank am liebsten die ganze Welt wissen lassen, wie glücklich sie waren.
Aletta würde zwar kein weißes Brautkleid tragen, doch ein weißes Kostüm mit einem süßen Schleierhütchen. Beides war schon gekauft und hing in Alettas Schrank. Manchmal stand sie andächtig davor und strich behutsam über den feinen weichen Stoff.
Lieber Gott, sorg dafür, dass alles gut geht, wünschte sie sich bei solchen Gelegenheiten inständig. Denn sie wusste aus eigener Erfahrung, dass das Glück eine launenhafte Dame war …
»Tja«, überlegte Frank laut, »was könnte denn eine super Idee sein … Ach, ich hab’s!«
Aletta und Sina sahen ihn gespannt an.
»Du willst der Tante Ina im Kindergarten vorschlagen, dass sie mal wieder ein schönes Sommerfest veranstaltet.«
»Das ist wirklich eine super Idee«, meinte Aletta.
»Ihr kriegt’s nie raus, weil ihr immer in die verkehrte Richtung seht, wenn wir vorbeifahren.«
Frank und Aletta wechselten einen ratlosen Blick.
»Der kleine Zirkus ist wieder da!«, verkündete Sina, die vergnügt im Schneidersitz zwischen ihrem Vater und Aletta saß und jetzt beide erwartungsvoll anschaute, dabei ihr Köpfchen mal nach links und mal nach rechts drehte.
»Das freut mich, aber an diesem Wochenende bist du bereits verplant, mein Spätzle!« Frank machte Anstalten, aus dem Bett zu steigen, was Sina überhaupt nicht gefiel.
Sie machte eine Schnute und hielt ihn am Ärmel der Schlafanzugjacke fest.
»Nicht weggehen, Papi!«, befahl sie nach Art kleiner Töchter. »Wir haben noch sooo viel Zeit!«
»Leider nicht. Ich hab der Mama fest versprochen, dich um zwölf Uhr bei ihr abzuliefern.«
Sina helles Gesicht verdüsterte sich, und sie verschränkte die Arme vor der Brust.
»Ich will aber nicht!«
Aletta zog das kleine Mädchen schweigend an sich.
»Spätzle, du weißt genau, dass es diese Abmachung gibt.« Er erinnerte Sina freundlich, aber bestimmt an die Auflagen des Vormundschaftsgerichts. Danach sollte Sina zwei Wochenenden im Monat bei ihrer Mutter verbringen. Und Beatrix legte großen Wert auf die Einhaltung der Abmachung. Ihr gefiel es, Frank in Atem zu halten.
»Ich mag nicht!«, beharrte Sina. »Da gefällt’s mir nicht.«
Aletta wechselte einen bestürzten Blick mit Frank. Seit einigen Wochen weigerte sich Sina immer strikter, zu ihrer Mutter zu fahren. Lag das an dem neuen Freund ihrer Mutter, den sie ablehnte? Beatrix hatte sich wütend alle diesbezüglichen Fragen Franks verbeten und gemeint, es ginge ihn gar nichts an, mit wem sie befreundet sei. Er habe schließlich auch eine neue Beziehung.
»Das ist etwas ganz anderes«, hatte Frank argumentiert. »Aletta und ich werden demnächst heiraten.«
»Wenn Sina herumzickt, ist es allein dein Problem …«
Klar, hatte er trocken gedacht. Immer ich. Das ist praktisch und erspart dir Gewissensbisse …
»Du hast sie zur kleinen Prinzessin gemacht, mein Lieber!«
»Das ist sie ja auch. Ein Jammer, dass du’s noch immer nicht gemerkt hast, Beatrix.«
»Aber deine Neue hat’s mitgekriegt, wie? Die soll ja überhaupt ein Traumwesen sein. Sina schwärmt regelrecht von der …«
Frank hatte es aufgegeben, sich mit seiner Frau zu streiten. Es führte zu nichts, denn Beatrix wurde schnell unfair. Und dann musste es Sina an ihren Wochenenden ausbaden.
Vielleicht sollte ich mit Beatrix reden und sie bitten, bis auf Weiteres auf die beiden Wochenenden zu verzichten. Sina fühlt sich offensichtlich hin und her gerissen zwischen den Eltern.
»Hopphopp, meine Kleine, ab mit dir unter die Dusche!«
Sina klammerte sich an Aletta. »Ich will bei dir bleiben.«
Sanft redete die junge Frau auf sie ein: »Schau, der Papi und ich, wir haben gar keine Zeit für dich. Wir wollen das Wohnzimmer ausräumen und neu tapezieren. Und am Sonntag kümmern wir uns um den Garten, der schaut schon grausig aus!«
»Ich kann euch helfen!«
»Sicher kannst du das. Aber deine Mama erwartet dich. Sie ist bestimmt traurig, wenn du nicht kommst.«
»Bestimmt nicht, Aletta. Sie schimpft doch nur mit mir.«
