Komm auf mein Schloss, Geliebte - Joanna Neil - E-Book

Komm auf mein Schloss, Geliebte E-Book

Joanna Neil

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Beschreibung

Ross Buchanan ist nicht nur Arzt - er ist auch ein schottischer Adliger mit einem Schloss. Kein Wunder, dass alle Frauen mit ihm flirten. Nur eine nicht: Dr. Isabel McKinnon. Doch gerade sie kann Ross sich wunderbar als Schlossherrin vorstellen. Und als seine Braut …

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Komm auf mein Schloss, Geliebte erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2009 by Joanna Neil Originaltitel: „Posh Doc, Society Wedding“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA PRÄSENTIERT ÄRZTE ZUM VERLIEBENBand 71 - 2014 by HARLEQUIN ENTERPRISES GmbH, Hamburg Übersetzung: Lydia Roeder

Umschlagsmotive: GettyImages_AlexVolot

Veröffentlicht im ePub Format in 05/2020 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733717063

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Die Türglocke bimmelte leise, und ein verlockender Duft von frisch gebackenem Brot stieg Izzy in die Nase, als sie Marys kleinen Dorfladen betrat. Jetzt erst merkte sie, wie hungrig sie war, denn bei der Arbeit in der Notaufnahme war heute so viel los gewesen, dass sie kaum zum Essen gekommen war.

„Hallo, Izzy.“ Die Ladeninhaberin Mary, eine herzliche Frau mittleren Alters, lächelte freundlich. „Du siehst müde aus. Hattest du Stress bei der Arbeit?“

Izzy seufzte. „Das kann man wohl sagen. Es gab einen schweren Unfall auf der Landstraße mit mehreren Verletzten, die wir versorgen mussten. Sie wurden alle ins Krankenhaus nach Inverness gebracht.“

„Ich hab’s im Radio gehört. Es ist wirklich ein Segen für unsere Region, dass es jetzt eine Notaufnahme gleich neben dem Gesundheitszentrum gibt. Dadurch kann vielen Unfallopfern sehr viel schneller geholfen werden.“

„Das stimmt, für die Menschen hier in den Highlands ist das ein Riesenvorteil. Manchen bleibt sogar ein Klinikaufenthalt erspart, seit es unsere Einheit gibt. Und mein Job gefällt mir. Als Notärztin bin ich dort nicht nur in der Notaufnahme tätig, sondern auch im Rettungsdienst, das macht die Arbeit immer spannend.“

Izzy ließ den Blick über die Auslagen an der Theke gleiten. Eigentlich war sie nur hergekommen, um ein paar Geschirrhandtücher zu kaufen, doch die würzigen Fleischpasteten und das ofenfrische Brot dufteten so gut, dass sie unbedingt davon probieren wollte.

„Ich wusste, dass du nach deiner Ausbildung zurückkehren würdest, du gehörst einfach hierher“, bemerkte Mary mit einem warmherzigen Lächeln. „Schon als kleines Mädchen hast du die Highlands geliebt und warst immer draußen in der Natur.“ Mit ernst gefurchter Stirn fügte sie hinzu: „Im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten. Es wäre nicht schlecht, wenn sich unser Gutsherr wenigstens hin und wieder blicken lassen würde, anstatt alles seinem Verwalter zu überlassen. Jake Ferguson wächst die Arbeit schon seit Langem über den Kopf, das soll sogar noch schlimmer werden. Ich habe gehört, dass er bald zu seiner Tochter in den Süden ziehen will.“

„Hm, das wäre aber gar nicht gut“, erwiderte Izzy nachdenklich.“ Sie hatte sich auch schon darüber geärgert, dass Jake dringend nötige Reparaturen an ihrem Cottage, in dem sie mit ihrer besten Freundin Laura zur Miete wohnte, noch nicht vorgenommen hatte. Wahrscheinlich war er völlig überlastet. Und Izzy war in ihrem Job so eingespannt, dass sie keine Zeit hatte, ihm ständig hinterherzulaufen.

„Wie auch immer – was hättest du denn gerne?“, fragte Mary freundlich. „Ich habe gerade frisch gebackenes Brot aus dem Ofen geholt, das magst du doch.“

„Oh ja, das nehme ich. Und dann noch ein paar von diesen kleinen Fleischpastetchen, die duften herrlich.“ So herrlich, dass Izzy jetzt richtig Appetit bekam. „Ehrlich gesagt hab ich so einen Hunger, dass ich auf der Stelle eins verdrücken könnte.“

Mary lachte. „Nur zu, tu dir keinen Zwang an!“ Sie nahm eine Pastete vom Tablett und reichte sie Izzy in einer Serviette.

„Vielen Dank, du bist ein Schatz.“ Izzy biss ein Stück ab und schloss genussvoll die Augen. „Mmm … köstlich. Gibst du mir auch bitte eine Tüte mit Pfefferminzbonbons für Dad und dann noch die Lieblingszeitschrift meiner Mutter?“

„Wird gemacht“, erwiderte Mary fröhlich. „Die neuen Kalender, die ich letzte Woche bestellt habe, sind auch schon eingetroffen, die mit dem schönen Ledereinband. Willst du sie mal sehen?“

„Gerne.“ Izzy ging zu dem Regal, wo die Kalender lagen. „Du hast recht, die sind wirklich sehr schön. Ich nehme gleich einen mit, bevor sie alle vergriffen sind.“ Sie seufzte. „Wenn bloß das alte Jahr schon rum wäre. Die letzten Monate waren für meine Familie sehr belastend, und wir hoffen alle, dass das neue besser wird.“

„Das wünsche ich euch von Herzen“, meinte Mary mitfühlend. „Auch bei mir läuft das Geschäft momentan nicht besonders gut, aber damit bin ich nicht allein. Die meisten hier im Dorf haben schwer zu kämpfen.“

Izzy nickte und aß ihre Pastete auf. „Den Bauern geht’s zurzeit nicht gerade gut.“ Sie nahm eines der Geschirrtücher aus dem Regal und faltete es auseinander. Es zeigte als Motiv die schroffen, mit Heidekraut bedeckten Berge, die einen der vielen Seen der Highlands umsäumten. „Die Ernte soll dieses Jahr ziemlich schlecht gewesen sein, sodass viele gezwungen waren, andere Jobs anzunehmen, um über die Runden zu kommen.“

„Genau so ist es“, stimmte Mary zu. „Aber eure Familie hat es besonders schwer getroffen durch Alices schrecklichen Unfall. Vor allem für deine Mutter muss das schlimm gewesen sein.“

„Ja, sehr schlimm, und sie leidet immer noch darunter, denn Alice ist ja noch im Krankenhaus. Weißt du, Alice ist für mich wie eine Schwester, sie ist nach dem Tod ihrer Eltern ja quasi bei uns aufgewachsen.“

Alice lag nach ihrem schweren Autounfall seit Monaten in der Klinik. Ebenso wie ihre Mutter litt auch Izzy darunter, was ihre Cousine alles durchmachen musste. Darüber hinaus machte ihr zu schaffen, dass dieses Unglück mit viel Bitterkeit und gegenseitigen Schuldzuweisungen verbunden war. Ihr Vater hatte Alice bis heute nicht verziehen, dass sie die Familie vor sechs Jahren wegen eines Mannes verlassen hatte, der sein Erzfeind war.

Izzy verdrängte die trüben Gedanken und blickte aus dem Fenster auf die schöne Landschaft – ein Anblick, der sie stets beruhigte. In der Ferne waren die Hügel und Berge der West Highlands zu sehen, und wenn sie die Augen zusammenkniff, konnte sie sogar die Bucht mit dem kleinen Hafen erkennen, an dem sie als Teenager sehr viel Zeit verbracht hatte.

Das Geräusch eines herannahenden Wagens riss sie aus ihren Gedanken. Gleich darauf hielt ein großer silberfarbener Range Rover vor dem Laden.

Mary trat zu Izzy ans Fenster. „Dieses Auto kenne ich nicht. Wer ist das?“

Sie beobachtete, wie ein großer, sportlich aussehender Mann ausstieg und um den Wagen herumging. Dann öffnete er die Hintertür und sagte etwas zu den beiden Kindern auf dem Rücksitz. Izzys Herz schlug schneller, denn sie kannte diesen Mann sehr gut. Gespannt beobachtete sie, wie er ein kleines Mädchen mit langem dunkelblondem Haar heraushob und Sekunden später ein kleiner Junge aus dem Wagen sprang.

Izzy atmete tief ein. Was hatte Mary gerade über den Gutsherren gesagt, der sich nie hier blicken ließ?

„Wenn man vom Teufel spricht …“, kommentierte Mary prompt. „Sind das nicht Alices Kinder? Ich dachte, die wären bei ihrer Schwester im Lake District.“ Mary zog die Brauen zusammen. „Wie lange ist er nicht mehr hier gewesen? Fünf Jahre oder sogar sechs?“

„So ungefähr. Es muss mindestens sechs Jahre her sein, seit sein Vater starb.“

„Und der werte Herr Sohn hatte es die ganze Zeit nicht nötig, nach dem Rechten zu sehen. Die Pacht erhöhen konnte er allerdings, und in diesem Jahr ist hier so viel Holz geschlagen worden wie nie zuvor. Kein Wunder, dass alles den Bach runtergeht, wenn der Gutsherr ständig abwesend ist. Sein Schloss soll auch in ziemlich schlechtem Zustand sein, habe ich gehört.“

Izzy hatte sich immer noch nicht von dem Schrecken erholt, Ross Buchanan wiederzusehen, deshalb lächelte sie nur gezwungen. „Du redest ja schon wie mein Vater.“

Mary lachte. „Stimmt, normalerweise schimpfe ich nicht über andere Leute, aber in diesem Fall ist es schon gerechtfertigt. Wenigstens ist dein Vater besser dran als die meisten anderen, weil er kein Land von Ross gepachtet hat. Eine kluge Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat.“

„Ach, ich glaube, das hat eher was mit seiner Entschlossenheit zu tun, den Buchanans niemals etwas schuldig zu sein“, erklärte Izzy. „Er hat eben seinen Stolz, und danach handelt er.“

Ross und die Kinder kamen nun direkt auf den Laden zu. Izzy verspürte ein elektrisierendes Kribbeln im Bauch. Wie würde es sein, Ross Buchanan gleich nach all den Jahren gegenüberzustehen?

Die Tür flog auf, und der kleine Junge stürmte in den Laden. „Kann ich ’ne Dose Cola haben? Und ein Eis mit Schokoraspeln?“

Er lief zu den Regalen mit den Snacks, während seine kleine Schwester ihm langsam folgte und sich dabei bedächtig umsah. Sie war etwa fünf Jahre alt und damit etwas jünger als ihr Bruder und hatte das gleiche dunkelblonde Haar und strahlend grüne Augen wie ihre Mutter. Nun griff sie behutsam nach einer Tüte Kartoffelchips, die ihr jedoch sofort von ihrem Bruder aus der Hand gerissen wurde.

„Ich hab sie zuerst gesehen, die gehört mir!“, rief er entschlossen. „Das sind die mit Barbecue-Geschmack, und davon gibt’s nur eine Tüte.“

„Aber ich hab sie aus dem Regal genommen, also ist es meine!“, protestierte das kleine Mädchen. „Gib sie wieder her!“

„Schluss damit, sofort!“, ertönte plötzlich eine tiefe Männerstimme und setzte dem Streit kurzerhand ein Ende. „Entweder teilt ihr gerecht, oder keiner von euch beiden kriegt die Tüte. Ihr seid hier in Marys Laden und habt euch zu benehmen, wie es sich gehört.“ Ross Buchanan streckte fordernd die Hand aus. Der kleine Junge warf seiner Schwester einen giftigen Blick zu, bevor er seinem Onkel die Tüte gab.

„Hallo, Mary.“ Ross schenkte der Ladeninhaberin ein warmes Lächeln. „Tut mir leid, dass die beiden so unmöglich sind, aber das liegt nur daran, dass sie stundenlang im Auto saßen. Jetzt muss die ganze Energie wohl raus.“

Mary lächelte verständnisvoll. „Das ist schon in Ordnung, Ross. Sie können gerne in den Garten gehen und dort ein bisschen toben, bis du fertig bist. Wir haben zwei Schaukeln und eine Wippe. Das Café ist zwar geschlossen, weil die Touristensaison zu Ende ist, aber die Kinder können sich zum Essen auf die Bänke setzen, wenn sie wollen.“

„Danke, Mary, das ist nett von dir.“ Ross’ Lächeln vertiefte sich. „Schön, dich wiederzusehen, du schaust gut aus.“

„Danke gleichfalls“, erwiderte Mary leicht verlegen und wurde sogar etwas rot, weil sie sich geschmeichelt fühlte. „Wir haben gerade von dir gesprochen und uns gefragt, wie lange du schon nicht mehr hier warst. Bist du wegen Alice zu Besuch gekommen?“

„Wir?“ Ross blickte sich verwundert um, denn er hatte Izzy noch gar nicht bemerkt. Sie beugte sich gerade zu den Kindern hinunter, um sie zu begrüßen.

„Molly, Cameron – wie schön, euch zu sehen“, sagte sie und umarmte die beiden liebevoll.

„Tante Izzy!“ Molly schlang die Arme um Izzys Nacken und drückte sie fest. „Weißt du noch, wie du auf meiner Geburtstagsfeier mit Mummy so leckere Kekse gebacken hast? Und später sind wir dann zum See gegangen und haben ein Picknick gemacht.“

„Natürlich weiß ich das noch“, bestätigte Izzy lächelnd. „Wir hatten so viel Spaß an diesem Tag.“

„Mum ist noch im Krankenhaus“, sagte Cameron ernst. Er hatte dunkles Haar wie sein Vater und schöne graue Augen. „Sie kann immer noch nicht richtig laufen. Wir gehen sie morgen besuchen. Als sie noch in unserem Krankenhaus war, haben wir sie oft besucht, aber jetzt ist sie in Inverness, das ist so weit weg.“

„Ja, dort lernt sie wieder richtig laufen und viele andere Dinge, die sie jetzt noch nicht kann, hat Onkel Ross gesagt“, erklärte Molly mit ebenso ernster Miene wie ihr Bruder.

„Da hat euer Onkel sicher recht, sie wird das alles bald wieder können“, versicherte Izzy sanft.

Mary drückte jedem der beiden ein Rosinenbrötchen in die Hand und Cameron die Tüte Chips. „Die müsst ihr euch aber teilen“, sagte sie und führte die Kinder zur Hintertür, die hinaus zum Garten führte. „Ich bringe euch auch gleich etwas zu trinken. Wenn euer Onkel es erlaubt, dürft ihr später auch noch ein Eis haben.“

Jubelnd folgten die Kinder Mary in den Garten, sodass Izzy plötzlich ganz allein mit Ross im Laden stand. Ihr Herz pochte aufgeregt, denn schon vor Jahren hatte sie sich unsterblich in Ross Buchanan verliebt. Er war groß, hatte dichtes, dunkles Haar und intensiv blaue Augen. Nicht nur war er umwerfend attraktiv, sondern er strahlte auch so viel Souveränität und Selbstbewusstsein aus, dass er jeder Frau den Atem rauben musste. Izzy sah ihm in die Augen und fühlte sich sofort in seinen Bann gezogen, ganz genau wie früher.

„Wir … wir hatten keine Ahnung … dass du hier bist“, sagte sie nervös. „Wir dachten, du … hättest dich entschlossen, gar nicht mehr zurückzukommen.“

„Soso, das dachtet ihr. Und jetzt bin ich plötzlich wieder da, wie die Katze im Taubenschlag.“ Das Funkeln in seinen Augen verriet Izzy, dass er den Überraschungseffekt genoss, den sein unerwartetes Auftauchen auslöste. „Ich weiß, dass es hier Leute gibt, denen es lieber wäre, mich nicht mehr zu Gesicht zu bekommen, aber die muss ich leider enttäuschen. Dein Vater wird wahrscheinlich gleich sein Messer wetzen, wenn er erfährt, dass ich wieder hier bin. Das Kriegsbeil zwischen den Buchanans und McKinnons ist in seinen Augen noch immer nicht begraben, stimmt’s?“

„Und du gehst immer noch keinem Streit aus dem Weg, hab ich recht?“, konterte Izzy. „Darum gab es zwischen dir und deinem Vater auch dauernd Diskussionen. Zwei Sturköpfe geraten eben ständig aneinander, und genauso ist es zwischen dir und meinem Vater. Keiner von euch beiden hat wohl je daran gedacht, zur Abwechslung mal einen anderen Kurs einzuschlagen, oder? Man könnte dabei ja sein Gesicht verlieren.“

Ross zog die Brauen hoch. „Warum sollte ausgerechnet ich derjenige sein, der seinen Kurs ändert? Ich habe mir nichts vorzuwerfen, außerdem bin ich der Einzige, der den Namen Buchanan noch weiterführt. Das mag deiner Meinung nach vielleicht nicht wichtig sein, aber für mich bedeutet es, dass ich eine große Verantwortung trage.“

„Ach, wirklich? Wenn du dich so verantwortlich fühlst, warum überlässt du es dann Jake, sich um dein Gut und alles andere zu kümmern? Glaubst du wirklich, hier interessiert sich jemand dafür, wie du heißt? Wichtig für die Menschen ist nur, dass es ihnen gut geht, nicht der Name ihres Gutsherrn.“

Ross lächelte amüsiert. „Du hast dich wirklich nicht verändert, Izzy. Sagst mir immer klipp und klar die Meinung, das hat mir schon früher gut an dir gefallen.“ Sanft umfasste er ihr Kinn und sah ihr in die Augen. „Schön, dich wiederzusehen, Isabel McKinnon.“

Die Berührung und seine raue Stimme ließen sie heiß erschauern. Sie hatte es befürchtet: Nichts hatte sich geändert, schon seine Nähe reichte aus, um sie völlig durcheinanderzubringen.

„Das hat mit Meinung sagen nichts zu tun“, erwiderte sie schroff, um ihre Gefühle zu verbergen. „Du wirst dich wundern, wie viele Beschwerden bei Jake eingegangen sind. Oder bleibst du nicht so lange, um dich damit zu beschäftigen?“

„Im Moment beschäftige ich mich lieber erst mit dir“, sagte er. Ehe Izzy bewusst wurde, was er tat, drückte er sanft seine Lippen auf ihren Mund.

Sie wich erschrocken zurück, kämpfte um Fassung. Ihr Körper stand buchstäblich in Flammen, und das von einem einzigen Kuss!

Ross schmunzelte vergnügt. „Jetzt schau mich nicht so an, ich wollte dich nur ein bisschen necken, damit du bessere Laune kriegst.“

Nun ärgerte sich Izzy erst recht, denn im Gegensatz zu ihr schien er die Situation überhaupt nicht ernst zu nehmen. „Sag mal, hast du mit deiner Zeit nichts Besseres anzufangen? Sieh lieber nach den Kindern, oder hast du die etwa schon vergessen?“

„Wie sollte ich die Kinder je vergessen?“ Ross ließ den Blick so eindringlich über Izzys Körper gleiten, dass ihr noch heißer wurde. „Du bist noch genauso hübsch wie früher, Izzy. Vielleicht sogar noch einen Tick schöner mit deinen tollen Kurven.“

Sie funkelte ihn böse an. Doch er lachte nur und hob beschwichtigend die Hände. „Schon gut, schon gut, ich habe doch nur Spaß gemacht. Ich hielt Mollys Blicke für vernichtend, wenn ihr was nicht passt, aber deine sind ja regelrecht wie Pfeilgeschosse.“

Er lachte immer noch, als er in den Garten ging, und Izzy sah ihm wütend nach. Wie hatte er es nur geschafft, sie innerhalb kürzester Zeit vollends zu verwirren? Und was noch schlimmer war – wie sollte sie ihrem Vater beibringen, dass Ross Buchanan zurückgekommen war?

„Möchtest du Kaffee? Für eine Tasse reicht es noch.“ Lorna hob die Kanne, um für Izzy nachzuschenken.

„Oh ja, gerne. Der Kaffee wärmt wenigstens von innen, wenn es hier drinnen schon so kalt ist.“ Izzy rieb sich fröstelnd die Arme. „Wir müssen zusehen, dass wir die Heizung so schnell wie möglich repariert bekommen, oder uns zumindest einen mobilen Heizkörper zulegen.“ Sie überlegte kurz. „Hast du Lust auf Schinken-Käse-Toasts? Wenn wir den Herd einschalten, wird es auch ein bisschen wärmer.“

„Gute Idee“, stimmte Lorna zu. „Am besten machen wir gleich ein paar mehr und nehmen sie mit zur Arbeit, denn wenn es wieder rund geht, schaffen wir’s nicht in die Kantine.“

„Wir könnten auch Kekse und ein paar Müsliriegel mit einpacken, dann kommen wir den ganzen Tag damit aus. Ich fand es toll, als Greg neulich Sandwiches und Gebäck mitgebracht hat, das hat mich echt über den Tag gerettet.“

„Mich auch.“ Lorna nahm das Blech aus dem Ofen und verteilte Toastscheiben darauf. „Ross wird sicher eine Weile brauchen, bis er sich einen Überblick über alles verschafft hat, was erledigt werden muss. Das heißt, wenn er sich überhaupt damit befasst. Vielleicht ist er nur gekommen, um die Kinder herzubringen, und fährt wieder weg, sobald Alice aus dem Krankenhaus entlassen wird.“

Lorna war gertenschlank und hatte strahlend blaue Augen und kurzes blondes Haar, das immer aussah wie vom Wind zerzaust. „Vielleicht bleibt er aber ihretwegen länger hier“, überlegte sie weiter. „Er soll ja schon immer eine Schwäche für Alice gehabt haben und sogar mit ihr zusammen gewesen sein, bevor sie sich in Robert verliebt hat.“

„Ich weiß.“ Izzy seufzte. „Mein Vater hat sich damals fürchterlich darüber aufgeregt. Er konnte es nicht ertragen, dass meine Cousine sich mit einem Buchanan einließ.“

Flink belegte Lorna die Toastscheiben mit Schinken und Käse und schob das Blech in den Ofen. „Es gibt schon ziemlich viel Gerede über Ross, seit er wieder hier ist. Die Leute fragen sich, wie es jetzt mit ihren Höfen weitergeht und ob sie ihren Lebensstandard halten können. Und natürlich ist der Streit zwischen euren Familien, der wohl nie zu Ende geht, ein großes Thema.“

„Keine unberechtigte Sorge. Die meisten Bauern haben Hof und Land vom alten Buchanan gepachtet und befürchten wohl, dass Ross die Pacht erhöhen könnte. Ich habe keine Ahnung, was er vorhat, kann mir aber vorstellen, dass er sich erst mal um sein eigenes Landgut kümmern wird, bevor er alles andere in Angriff nimmt.“

„Ach, du weißt ja, wie die Leute denken“, erwiderte Lorna. „Sie sind überzeugt davon, dass die Buchanans sich vor über hundert Jahren unrechtmäßig ihr Land angeeignet haben. Wahrscheinlich erwarten sie nun von Ross, dass er ihnen wenigstens eine Entschädigung dafür zahlt.“

„Ich glaube kaum, dass ihn das beeindruckt. Die Buchanans haben schon immer einen Weg gefunden, um sich juristisch durchzuwursteln und jedes Mal als Sieger aus einer Sache rauszukommen.“

„Stimmt, und das mit dem Siegen trifft wohl auch auf Frauen zu“, bemerkte Lorna trocken. „Ich hab gehört, der Streit zwischen euren Familien hätte damit angefangen, dass Ross’ Urgroßvater mit der Großtante deines Vaters angebändelt hat und sie von ihm schwanger wurde.“

„Ja, das stimmt. Und als sie dann auch noch bei der Geburt des Kindes starb, löste das einen regelrechten Krieg zwischen unseren Familien aus. Mein Vater wuchs in dieser Fehde auf und hegte schon immer einen tiefen Groll gegen die Buchanans. Als er dann von Alices Beziehung zu Robert erfuhr, dachte er, die Geschichte würde sich nun wiederholen.“

„Und wie ging es weiter, nachdem Alice mit Robert durchgebrannt war?“

„Mein Vater war außer sich vor Wut. Dass Alice zuerst mit Ross zusammen war, der ja der vernünftigere und bodenständigere der beiden Brüder war, konnte er noch halbwegs tolerieren, aber als sie dann mit dem rebellischen und ungestümen Robert weglief, ist er förmlich durchgedreht.“