Königsjäger - Joe Abercrombie - E-Book

Königsjäger E-Book

Joe Abercrombie

0,0
11,99 €

Beschreibung

Eine junge Kriegerin, ein verratener Prinz und ein blutiger Pfad der Rache

In den kalten Nordländern rund um das Splittermeer werden Krieger entweder aus Legenden geboren oder aus Verzweiflung. Das gilt erst recht für eine Kriegerin wie die junge Thorn, deren einziger Wunsch es ist, Rache für den heimtückischen Mord an ihrem Vater zu nehmen. Als ihr Weg sich mit dem von Prinz Yarvi kreuzt, wird Thorn in eine Welt der Kämpfe und Intrigen gegen den grausamen Hochkönig hineingezogen. Eine Welt, für die sie geboren zu sein scheint …

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 644

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Das Buch

Im Königreich Gettland herrscht das Gesetz des Stärkeren. Männer werden zu Kriegern gemacht, Frauen zu Dienerinnen und Schwächlinge zu Beratern, oder Sklaven. Die junge Thorn wünscht sich nichts sehnlicher, als in die Fußstapfen ihres berühmten Vaters zu treten, der einst als Wahlschild der Königin kämpfte. Als sie jedoch nach einem Unfall auf dem Kampfplatz als Mörderin verurteilt wird, bricht für Thorn eine Welt zusammen. Ihr ganzes Leben hat sie auf den Moment hingelebt, wenn sie endlich Vergeltung für den Tod ihres Vaters üben würde, doch dann wird sie ausgerechnet von dem Mann, der sie im Schwertkampf unterrichtet hat, verstoßen. Das Todesurteil ist schon gesprochen, da greift Vater Yarvi ein, der listige Berater des Königs von Gettland, und schickt Thorn auf eine Schiffsreis quer durch die Bruchsee und an die Grenzen der bekannten Welt. Eine Reise voller Entbehrungen, voller Blut und Verrat, aber auch ein Schicksal, das sie mit neuen Verbündeten zusammenführt. Und vielleicht sogar ein Schicksal, das Thorns Ehre als Schwertkämpferin wiederherstellen und ihr einen Platz in den Legenden ihres Volkes geben kann. Dafür muss sie diese Reise allerdings erst einmal überleben …

Der Autor

Joe Abercrombie arbeitet als freischaffender Fernsehredakteur und Autor. Mit seinen weltweit erfolgreichen Klingen-Romanen um den Barbaren, den Inquisitor und den Magier hat er sich auf Anhieb in die Herzen aller Fans von packender düsterer Fantasy geschrieben und schaffte es bereits mehrmals auf die Times-Bestsellerliste. Joe Abercrombie lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Bath.

Mehr über Joe Abercrombie und seine Romane auf: www.joeabercrombie.com

Joe Abercrombie

Königsjäger

Roman

Aus dem Englischen von

Kirsten Borchardt

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen. Titel der Originalausgabe:

HALF THE WORLD

Deutsche Erstausgabe 09/2015

Copyright © 2015 by Joe Abercrombie

Copyright © 2015 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Redaktion: Werner Bauer

Karte: Nicolette Caven

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München,

unter Verwendung eines Motivs

von shutterstock/michaelaubryphoto

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-15559-9V002

www.heyne.de

@HeyneFantasySF

Für Eve

»Das Vieh stirbt,

Die Freunde sterben,

Endlich stirbt man selbst.

Doch eines weiß ich,

Das immer bleibt:

Der Ruhm der großen Tat.«

aus: Hávamál, des Hohen Lied

IDIE AUSGESTOSSENEN

Die Auserwählten

Er zögerte nur einen Augenblick, aber das genügte Dorn, um ihm den Rand ihres Schildes in die Eier zu rammen.

Sie hörte Brands Stöhnen selbst über das Geschrei der anderen Jungen, die darauf hofften, dass sie verlor.

Dorns Vater hatte immer gesagt: Der Augenblick, in dem du zögerst, ist der Augenblick, in dem du stirbst, und sie hatte bislang ihr Leben im Guten und vor allem im Schlechten nach diesem Grundsatz geführt. Also verzog sie das Gesicht zu einem kämpferisch-herausfordernden Zähnefletschen – ohnehin ihr liebster Gesichtsausdruck – und forderte Brand noch härter als zuvor.

Sie rempelte ihn mit der Schulter an, und ihre Schilde krachten knirschend aneinander. Der Sand spritzte unter Brands Hacken beiseite, als er rückwärts über den Strand stolperte, das Gesicht vor Schmerz verzerrt. Er schlug nach ihr, aber sie duckte sich und wich dem Hieb aus, führte ihr Holzschwert tief und erwischte ihn an der Wade, direkt unter dem zuckenden Saum seines Kettenhemds.

Eins musste man Brand lassen: Er klappte nicht zusammen, er schrie nicht einmal auf, sondern hüpfte nur mit verzerrtem Gesicht einen Schritt zurück. Dorn lockerte ihre Schultern und wartete darauf, dass Meister Hunnan ihren Sieg ausrufen würde, aber ihr Lehrer stand so ruhig da wie die Statuen in der Gotteshalle.

Manche Waffenmeister taten so, als seien die Übungsschwerter echt, und brachen den Kampf nach einem Streich ab, der mit einer Stahlklinge tödlich gewesen wäre. Aber Hunnan sah seine Schüler gern am Boden liegen, erniedrigt, nach einer harten Lektion. Bei den Göttern, Dorn hatte auf Hunnans Kampfplatz genug harte Lektionen lernen müssen. Jetzt gab sie das Gelernte nur zu gern weiter.

Mit einem spöttischen Lächeln – ihrem zweitliebsten Gesichtsausdruck – wandte sie sich an Brand und kreischte: »Komm schon, du Feigling!«

Brand war stark wie ein Bulle und hatte jede Menge Kampfgeist, aber er humpelte und war müde, und Dorn nutzte den Umstand aus, dass der Strand zum Wasser hin leicht abfiel. Sie hielt die Augen fest auf ihren Gegner gerichtet, wich einem Schlag aus, dann noch einem, tauchte unter einem ungeschickten Schwinger hindurch und glitt an seine ungedeckte Seite. Die beste Scheide für eine Klinge ist der Rücken deines Feindes, hatte ihr Vater immer gesagt, aber die Seite tat es auch. Ihr Holzschwert krachte mit einem Aufprall, als ob ein Holzscheit gespalten würde, gegen Brands Rippen. Ihr Gegner begann hilflos zu taumeln, und Dorn grinste nur noch breiter. Es gab kein besseres Gefühl auf der Welt, ja, nichts fühlte sich so gut an, als wenn man es jemandem gerade so richtig gezeigt hatte.

Sie setzte ihre Stiefelsohle auf seinen Hintern und gab ihm einen Schubs, bis er auf allen vieren in die Welle flog, die gerade über den Strand schwappte und sein Schwert mit sich riss, bis es in den Algen hängen blieb.

Dann trat sie zu Brand hin, der mit gequältem Blick zu ihr aufsah, das nasse Haar an den Kopf geklatscht und die Zähne noch blutverschmiert von der Kopfnuss, die sie ihm zuvor verpasst hatte. Vielleicht hätte er ihr leidtun sollen, aber es war schon lange her, dass Dorn sich so etwas wie Mitgefühl hatte leisten können.

Stattdessen drückte sie ihm ihre eingekerbte Holzklinge gegen den Hals und fragte: »Und?«

»Na gut.« Er machte eine schwache Handbewegung, als ob er sie verscheuchen wollte, dabei fehlte ihm zum Sprechen fast die Luft. »Ich habe verloren.«

»Ha!«, schrie sie ihm ins Gesicht.

»Ha!«, schrie sie den enttäuschten Jungen rund um den Kampfplatz entgegen.

»Ha!«, schrie sie nun selbst zu Meister Hunnan hinüber, und triumphierend riss sie Schwert und Schild in die Höhe und schwenkte beides unter dem Himmel, der Regentropfen auf sie hinunterspuckte.

Vereinzeltes Klatschen und Raunen war die einzige Reaktion. Zwar war ihr klar, dass es selbst für wesentlich armseligere Siege schon mehr Applaus gegeben hatte, aber sie war ja nicht wegen des Beifalls hier.

Sie war hier, um zu siegen.

Manchmal wurde ein Mädchen von Mutter Krieg berührt und landete mit den Jungen auf dem Kampfplatz, wo man ihm den Umgang mit Waffen beibrachte. Unter den kleineren Kindern gab es immer einige Mädchen, aber mit jedem Jahr, das verging, wandten sie sich doch den Dingen zu, die sich mehr für weibliche Wesen schickten, und die, die es nicht taten, wurden schließlich in die richtige Richtung gestupst, gestoßen und schließlich geschlagen und getreten, bis das schändliche Kroppzeug ausgerottet war und auf dem Kampfplatz nur noch die edlen Krieger standen.

Wenn die Vansterländer über die Grenze kamen, wenn die Inselbewohner zum Plündern einfielen, wenn Diebe in der Nacht erschienen, dann hatten die Frauen von Gettland schnell eine Klinge zur Hand und kämpften gegebenenfalls bis zum Tod; viele von ihnen waren beim Kämpfen ziemlich gut. So war das immer schon gewesen! Aber wie lange war es her, dass eine Frau die Prüfungen bestanden und die Eide geschworen und sich einen Platz auf einer Heerfahrt erstritten hatte?

Es gab Geschichten. Es gab Lieder. Aber selbst die Alte Fen, der älteste Mensch in Thorlby – manche sagten, der ganzen Welt –, hatte so etwas in ihren ewig langen Lebzeiten nicht gesehen.

Bis jetzt.

Harte Arbeit. Ablehnung. Schmerzen. Aber am Ende hatte Dorn sie geschlagen. Sie schloss die Augen, spürte, wie der salzige Wind von Mutter Meer ihr schweißnasses Gesicht küsste, und dachte daran, wie stolz ihr Vater gewesen wäre.

»Ich habe bestanden«, flüsterte sie.

»Noch nicht.« Dorn hatte Meister Hunnan noch nie lächeln sehen. Aber sie hatte auch noch nie erlebt, dass er so finster dreinblickte wie jetzt. »Ich sage, welche Prüfungen du ablegen musst. Und ich entscheide, wann du bestanden hast.« Er sah zu den Jungen hinüber, die in ihrem Alter waren. Die Sechzehnjährigen, einige schon mit stolzgeschwellter Brust, weil sie ihre eigenen Prüfungen erfolgreich hinter sich gebracht hatten. »Rauk. Du kämpfst als Nächster gegen Dorn.«

Rauks Augenbrauen hoben sich, dann sah er Dorn an und zuckte die Achseln. »Warum nicht?« Er trat aus der Reihe seiner Mitschüler auf den Kampfplatz, zog die Schildriemen straff und nahm ein Übungsschwert zur Hand.

»Rauk«, sagte Hunnan, dessen knotiger Finger weiterwanderte, »und Sordaf und Edwal.«

Das triumphierende Glühen sickerte aus Dorn heraus wie die letzten Wassertropfen aus einem maroden Badezuber. Unter den Jungen wurde Gemurmel laut, als Sordaf in das Sandgeviert hineinwalzte – groß, langsam und ohne besonders große Fantasie, aber wie dafür gemacht, jemanden zu treten, der schon am Boden lag. Mit seinen dicken Fingern zurrte er die Schnallen seines Brustpanzers fest.

Edwal – schnell und schmal, der Kopf ein Gewirr brauner Locken – zögerte, bevor er ihm folgte. Dorn hatte ihn stets für einen der Besseren gehalten. »Meister Hunnan, drei von uns …«

»Wenn du einen Platz auf einer Heerfahrt des Königs willst«, erklärte Hunnan, »dann tust du, was dir gesagt wird.«

Sie wollten alle einen Platz, fast genauso sehr wie Dorn. Edwal sah grimmig nach links und rechts, aber niemand sagte etwas. Zögernd trat er neben die anderen und nahm ebenfalls ein Übungsschwert.

»Das ist aber keine gerechte Aufteilung.« Dorn war es gewohnt, tapfer aller Unbill ins Gesicht zu sehen, egal, wie schlecht die Chancen standen, aber jetzt klang ihre Stimme wie ein verzweifeltes Blöken. Wie ein Lamm, das hilflos ins Messer des Metzgers getrieben wird.

Hunnan tat das mit einem Schnauben ab. »Dieser Kampfplatz ist das Schlachtfeld, Mädchen, und auf dem Schlachtfeld geht es halt nicht gerecht zu. Betrachte das als die letzte Lektion, die du hier erhalten wirst.«

Darüber wurde vereinzelt gelacht. Vermutlich waren das die Jungen, denen sie bei anderer Gelegenheit ordentlich eins übergezogen hatte. Brand sah hinter ein paar flatternden Haarsträhnen zu ihr hinüber, eine Hand gegen den blutenden Mund gepresst. Andere sahen zu Boden. Sie wussten alle, dass es ungerecht war. Aber es war ihnen egal.

Dorn biss die Zähne zusammen, legte die Schildhand kurz auf den kleinen Beutel, der um ihren Hals hing, und drückte ihn. Sie gegen den Rest der Welt, so ging es nun schon länger, als sie sich erinnern konnte. Und eins war Dorn ganz sicher – eine Kämpferin. Sie würde ihnen einen Kampf liefern, den sie nicht so schnell vergessen würden.

Rauk machte eine ruckartige Kopfbewegung, um den anderen anzuzeigen, dass sie ausschwärmen sollten, um sie einzukreisen. Das war vielleicht sogar von Vorteil für sie. Wenn sie schnell genug zuschlug, konnte sie einen von der Herde trennen und hatte dann zumindest den Hauch einer Chance gegen die beiden anderen.

Sie sah ihnen in die Augen und versuchte zu erkennen, was sie planten. Edwal zögerte und blieb zurück. Sordaf war wachsam, den Schild erhoben. Rauk ließ das Schwert baumeln und warf sich vor den Zuschauern in Pose.

Hätte sie doch nur sein Lächeln abstellen können. Wenn sich diese strahlende Miene in Blut verwandeln würde, wäre sie schon zufrieden.

Und tatsächlich fror sein Lächeln ein, als sie ihren Kampfesschrei ausstieß. Rauk fing ihren ersten und auch noch den zweiten Schlag mit seinem Schild ab, dass die Splitter flogen, doch dann narrte sie ihn mit ihren Augen, und er hob den Schild, während sie im letzten Moment einen tiefen Schlag führte, weit ausholte und ihm einen kräftigen Hieb gegen die Hüfte verpasste. Er schrie auf und drehte sich zur Seite, sodass er ihr den Hinterkopf zuwandte. Schon hatte sie wieder das Schwert erhoben.

Im Augenwinkel bemerkte sie eine Bewegung, dann folgte ein hässliches Knirschen. Sie spürte es kaum, als sie stürzte. Aber plötzlich versetzte ihr der Sand einen ziemlich derben Knuff, und sie glotzte blöd in den Himmel.

Das ist eben das Problem, wenn man sich auf einen stürzt und die zwei anderen nicht beachtet.

Über ihr kreisten die Möwen.

Die Festung von Thorlby erhob sich schwarz vor dem hellen Himmel.

Steh besser wieder auf, hatte ihr Vater gesagt. Auf dem Rücken kannst du nichts gewinnen.

Dorn rollte sich zur Seite, benommen und ungeschickt, und der kleine Beutel rutschte aus ihrem Kragen und schwang an seiner Kordel vor ihrer Brust hin und her. Ihr Gesicht pochte wie wild.

Wasser strömte kalt über den Strand, umspülte ihre Knie, und dann sah sie, wie Sordaf heranmarschierte, hörte ein Knacken, als ob ein Stock zerbrach.

Sie versuchte sich aufzurappeln, als Rauks Stiefel in ihre Rippen krachte und sie hustend wieder zusammenklappte.

Die Welle strömte zurück und nahm das Wasser mit, aber Blut rann kitzelnd über ihre Oberlippe und hinterließ ein kleines Tropfenmuster auf dem nassen Sand.

»Sollten wir aufhören?«, hörte sie Edwal sagen.

»Habe ich aufhören gesagt?«, ertönte Hunnans Stimme, und Dorn schloss ihre Faust um den Griff ihres Schwerts und raffte sich zu einer letzten Kraftanstrengung auf.

Sie sah, dass Rauk auf sie zukam, packte sein Bein, als er zutrat, und riss es hoch bis an ihre Brust. Sie fauchte, als sie mit einem harten Ruck daran zog, und er stürzte mit fuchtelnden Armen nach hinten.

Dann stolperte sie auf Edwal zu. Es war eher ein Taumeln als ein Angriff. Mutter Meer und Vater Erde und Hunnans grimmige Miene und die Gesichter der zusehenden Jungen tanzten vor ihren Augen. Er packte sie, aber fast hatte es den Anschein, als wollte er sie eher stützen, als sie wieder niederwerfen. Sie fasste nach seiner Schulter, verdrehte sich das Handgelenk, und das Schwert wurde ihr aus der Hand gerissen, als sie an ihm vorbeirannte, auf die Knie fiel und sich wieder aufrappelte. Ihr Schild hing nur noch an einem Riemen an ihrer Seite, als sie sich umwandte, spuckend und fluchend, und erstarrte.

Sordaf stand da, ließ das Schwert schlaff herunterhängen und glotzte wie gelähmt.

Rauk lag auf dem nassen Sand, stützte sich auf den Ellenbogen auf und glotzte wie gelähmt.

Brand stand bei den anderen Jungen, alle hatten den Mund aufgerissen, und alle glotzten sie an.

Edwal öffnete den Mund, aber es kam nichts heraus, nur ein seltsames feuchtes Geräusch, wie ein Furz. Er ließ die Übungsklinge fallen und fasste sich mit der Hand ungeschickt nach der Kehle.

Der Griff von Dorns Schwert ragte dort heraus. Die hölzerne Klinge war abgebrochen, als Sordaf draufgetreten war, und nur ein langer, dünner Splitter war stehen geblieben. Dieser Splitter steckte jetzt in Edwals Kehle, und die Spitze schimmerte rot.

»Bei den Göttern«, flüsterte jemand.

Edwal ging in die Knie und sabberte blutigen Schaum auf den Sand.

Meister Hunnan packte ihn, als er auf die Seite fiel. Brand und ein paar andere scharten sich um die beiden, und sie alle brüllten und schrien, einer lauter als der andere. Dorn konnte die Worte über das Dröhnen ihres eigenen Herzens kaum verstehen.

Schwankend stand sie da, mit immer noch schmerzvoll pochendem Gesicht und gelöstem Haar, das ihr bei jedem Windhauch in die Augen geriet, und sie fragte sich, ob das alles ein Albtraum war. Es musste einer sein. Sie betete darum; fest presste sie die Augen zusammen, fester und fester.

So, wie sie es getan hatte, als man sie zu ihrem Vater geführt hatte, wie er tot und weiß und kalt unter der Kuppel der Götterhalle lag.

Aber damals war es die Wirklichkeit gewesen, und so war es auch jetzt.

Als sie die Augen mit einem Ruck wieder öffnete, knieten die Jungen immer noch um Edwal, von dem sie daher nur die Stiefel sah, die auf dem Sand lagen, schlaff zur Seite gekippt. Schwarze Spuren bahnten sich den Weg durch den Sand, dann schickte Mutter Meer eine Welle, und sie schimmerten rot und rosa, wurden weggewaschen und waren verschwunden.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte Dorn wirklich Angst.

Hunnan erhob sich und wandte sich langsam um. Er sah ja immer grimmig aus, und wenn er sie ansah, dann sowieso. Aber jetzt lag ein heller Schimmer in seinen Augen, den sie noch nie gesehen hatte.

»Dorn Bathu.« Er deutete mit einem roten Finger auf sie. »Ich bezichtige dich des Mordes.«

In den Schatten

Tue Gutes«, hatte seine Mutter zu Brand gesagt, an dem Tag, als sie starb. »Stehe im Licht.«

Damals, mit sechs Jahren, hatte er kaum begriffen, was das bedeutete, Gutes zu tun. Und jetzt, mit sechzehn, hatte er durchaus Zweifel, ob er inzwischen schlauer war. Denn schließlich stand er hier und vergeudete den Augenblick, der sein größter Triumph hätte sein sollen, indem er über genau diese Frage nachgrübelte: Was war das Gute, das er tun sollte?

Es war eine große Ehre, am Schwarzen Thron Wache zu halten. Im Angesicht der Götter und Menschen als Krieger Gettlands anerkannt zu werden. Dafür hatte er schließlich gekämpft, oder nicht? Dafür hatte er geblutet! Hatte er sich seinen Posten nicht verdient? So lange, wie Brand sich erinnern konnte, war es sein Traum gewesen, bewaffnet zwischen seinen Brüdern auf den heiligen Steinen der Götterhalle zu stehen.

Aber es fühlte sich nicht so an, als stünde er im Licht.

»Mir macht dieser Überfall auf die Inselbewohner Sorgen«, sagte Vater Yarvi und führte die Diskussion damit wieder zum Ausgangspunkt zurück, wie die Gelehrten es wohl immer taten. »Der Hochkönig hat es verboten, die Schwerter zu ziehen. Er würde uns das sehr verübeln.«

»Der Hochkönig verbietet alles«, sagte Königin Laithlin, die Hand auf dem von der Schwangerschaft schon gerundeten Bauch, »und er verübelt auch alles.«

Neben ihr lehnte sich König Uthil auf dem Schwarzen Thron zurück. »Und dabei befiehlt er dem Inselvolk und den Vansterländern und allen anderen Hundesöhnen, die nach seiner Pfeife tanzen, ihre Schwerter gegen uns zu ziehen!«

Zorn wallte unter den großen Männern und Frauen Gettlands auf, die sich vor dem Podest versammelt hatten. Noch vor einer Woche wäre Brands Stimme laut aus ihrem Chor herauszuhören gewesen.

Aber jetzt konnte er nur noch an das Geräusch denken, das Edwal gemacht hatte, als ihm das Holzschwert im Hals steckte, und daran, wie ihm der rote Sabber aus dem Mund gelaufen war, als er dieses trompetende Schweinegrunzen ausstieß. Der letzte Ton, den er je von sich gab. Und an Dorn, wie sie schwankend dastand, am Strand, wie ihr das Haar am blutverschmierten Gesicht klebte und ihr die Kinnlade herunterklappte, als Hunnan sie eine Mörderin nannte.

»Zwei meiner Schiffe wurden aufgebracht!« Der edelsteinbesetzte Schlüssel schaukelte vor der Brust einer erzürnten Kauffrau hin und her, die sich nun mit erhobener Faust dem Podest zuwandte. »Und dabei habe ich nicht nur Ladung verloren, sondern auch Tote zu beklagen!«

»Und die Vansterländer sind schon wieder über die Grenze gekommen!«, ertönte ein tiefer Ruf von der Seite der Männer, »und sie haben Ställe angezündet und gute Menschen aus Gettland versklavt!«

»Grom-gil-Gorm wurde dort gesehen!«, schrie jemand, und allein die bloße Erwähnung dieses Namens füllte die Kuppel der Götterhalle mit geraunten Flüchen. »Der Schwertbrecher persönlich!«

»Das Inselvolk muss mit Blut dafür bezahlen!«, knurrte ein alter, einäugiger Krieger. »Und dann kommen die Vansterländer und der Schwertbrecher selbst an die Reihe.«

»Natürlich müssen sie bezahlen!«, rief Yarvi der grollenden Menge zu und gebot Ruhe mit seiner verkümmerten Hand, die wie eine Krabbenschere aussah. »Aber wann und wie, das ist die Frage. Die Weisen warten auf den richtigen Augenblick, und wir sind derzeit für einen Krieg mit dem Hochkönig nicht bereit.«

»Man ist immer bereit für den Krieg.« Uthil drehte den Knauf seines Schwertes ein wenig, bis die nackte Klinge in der Düsternis aufblitzte. »Oder nie.«

Edwal war stets bereit gewesen. Einer, der fest zu dem Mann an seiner Seite hielt, wie es sich für einen Krieger Gettlands gehörte. Er hatte es doch bestimmt nicht verdient, dafür zu sterben?

Dorn war alles egal, was weiter als ihre Nasenspitze von ihr entfernt lag, und als sie Brand den Schildrand in die noch immer schmerzenden Eier gerammt hatte, war sie ihm dadurch nicht gerade sympathischer geworden. Aber sie hatte bis zum Letzten gekämpft, auch gegen eine Überzahl, so wie sich das für einen Krieger Gettlands halt gehörte. Da verdiente sie es doch wohl nicht, dass man sie eine Mörderin nannte?

Er bewegte unbehaglich die Schultern, während er schuldbewusst zu den großen Statuen der sechs Hohen Götter hinübersah, die den Schwarzen Thron überragten und über die Anwesenden richteten. Die ihn überragten und über ihn richteten. Er wand sich, als sei er es gewesen, der Edwal getötet und Dorn eine Mörderin genannt hatte. Dabei hatte er nur dabeigestanden und zugesehen.

Zugesehen und nichts getan …

»Der Hochkönig könnte die halbe Welt zum Krieg gegen uns aufrufen«, sagte Vater Yarvi gerade mit der Geduld eines Waffenmeisters, der kleinen Kindern die Grundzüge des Kämpfens erklärte. »Die Vansterländer und die Throvenländer haben ihm Gefolgschaft geschworen, die Inglinge und die Tiefländer beten zu seiner Einen Gottheit, und Großmutter Wexen schmiedet auch im Süden neue Bündnisse. Wir sind von Feinden umzingelt, und wir brauchen Freunde, um …«

»Die Antwort lautet Stahl.« König Uthil schnitt seinem Gelehrten das Wort ab, und seine Stimme war scharf wie eine Klinge. »So wird es immer sein. Ruft die Männer Gettlands zusammen. Wir werden diesen Aas pickenden Inselleuten eine Lektion erteilen, die sie nicht so schnell vergessen werden.« Auf der rechten Seite der Halle trommelten die grimmig dreinblickenden Männer zustimmend mit der Faust gegen ihre Brustpanzer, und auf der linken ließen die Frauen mit dem schimmernd eingeölten Haar ihr zustimmendes, zorniges Raunen hören.

Vater Yarvi neigte den Kopf. Es war seine Aufgabe, für ­Vater Friede zu sprechen, aber selbst fiel ihm nichts mehr zu sagen ein. Heute herrschte Mutter Krieg. »Dann also Stahl.«

Brand hätte darüber ganz begeistert sein sollen. Eine große Heerfahrt, wie in den Liedern, und er würde als Krieger mit dabei sein! Aber noch immer war er innerlich am Rand des Kampfplatzes gefangen und kratzte am Schorf dessen, was er vielleicht anders hätte machen können.

Wenn er doch nur nicht gezögert hätte. Wenn er mitleidlos zugeschlagen hätte, so wie es sich für einen Krieger geziemte, dann hätte er Dorn besiegt, und damit wäre es vorbei gewesen. Oder wenn er sich auf Edwals Seite geschlagen hätte, als Hunnan drei gegen eine antreten ließ; vielleicht hätten sie gemeinsam etwas ausrichten können. Aber er hatte nichts gesagt. Es erforderte Mut, einem Feind auf dem Schlachtfeld entgegenzutreten, aber dabei hatte man seine Freunde an der Seite. Sich allein gegen die Freunde zu wenden, das erforderte eine andere Art von Mut. Eine, die Brand nicht vorgab zu besitzen.

»Und dann müssen wir noch über Hild Bathu sprechen«, sagte Vater Yarvi, und bei dem Namen zuckte Brands Kopf in die Höhe, als wäre er ein Dieb, den man gerade mit einer Börse in der Hand erwischt hatte.

»Über wen?«, fragte der König.

»Storn Landzunges Tochter«, sagte Königin Laithlin. »Sie nennt sich Dorn.«

»Allerdings hat sie nicht nur jemanden in den Finger gestochen«, erklärte Vater Yarvi. »Sie hat auf dem Kampfplatz einen Jungen getötet und wird des Mordes bezichtigt.«

»Von wem?«, rief Uthil.

»Von mir.« Meister Hunnans goldene Mantelspange schimmerte, als er in den Streifen hellen Lichts trat, der am Fuße des Podests auf den Boden schien.

»Meister Hunnan.« Ein seltenes Lächeln erfasste den Mundwinkel des Königs. »Ich erinnere mich noch gut an unsere Waffengänge auf dem Kampfplatz.«

»Auch ich denke gern daran, mein König, obwohl es sich für mich um schmerzhafte Erinnerungen handelt.«

»Ha! Du hast gesehen, wie der Junge getötet wurde?«

»Ich prüfte meine ältesten Schüler, um zu sehen, wer einen Platz auf deiner Heerfahrt verdiente. Dorn Bathu war unter ihnen.«

»Sie beschmutzt ihr Ansehen, indem sie auf den Platz eines Kriegers schielt!«, rief eine Frau.

»Sie beschmutzt unser aller Ansehen«, ergänzte eine andere laut.

»Eine Frau hat auf dem Schlachtfeld nichts zu suchen!«, ertönte eine grobe Stimme aus der Gruppe der Männer, und auf beiden Seiten der Halle wurde eifrig genickt.

»Ist Mutter Krieg nicht selbst eine Frau?« Der König deutete zu den Hohen Göttern, die sich über ihnen erhoben. »Wir zeigen ihr nur, was wir zu bieten haben. Die Mutter der Krähen selbst wählt jene aus, die ihrer würdig sind.«

»Und Dorn Bathu hat sie nicht erwählt«, sagte Hunnan. »Das Mädchen hat ein vergiftetes Gemüt.« Nun, das stimmte wohl. »Sie hat die Prüfung, die ich ihr stellte, nicht bestanden.« Das stimmte zur Hälfte. »Sie wehrte sich gegen meinen Beschluss und tötete den Jungen Edwal.« Brand zwinkerte. Das war vielleicht nicht gerade eine Lüge, aber dennoch weit entfernt von der Wahrheit. Hunnans grauer Bart wippte, als er den Kopf schüttelte. »Und so habe ich zwei Schüler verloren.«

»Wie unaufmerksam von dir«, sagte Vater Yarvi.

Der Waffenmeister ballte die Fäuste, aber Königin Laithlin ergriff das Wort, bevor er selbst etwas entgegnen konnte. »Wie lautet die Strafe für einen solchen Mord?«

»Von Steinen zermalmt zu werden, meine Königin.« Der Gelehrte sprach ganz gelassen, als ob es um einen Käfer ging, der da zermalmt werden sollte, und nicht um einen Menschen – noch dazu einen, den Brand den größten Teil seines Lebens gekannt hatte. Zwar hatte er Dorn Bathu fast während dieser ganzen Zeit nicht besonders gemocht, aber trotzdem.

»Möchte jemand der Anwesenden etwas zur Verteidigung Dorn Bathus vorbringen?«, donnerte der König.

Das Echo seiner Stimme verhallte und wich absoluter Grabesstille. Jetzt war die Zeit der Wahrheit gekommen. Die Zeit, etwas Gutes zu tun. Im Licht zu stehen. Brand ließ den Blick durch die Götterhalle schweifen, und die Worte kitzelten seine Lippen. Er sah Rauk an seinem Platz, wie er lächelte. Auch Sordaf stand da, die schwammigen Gesichtszüge jedoch starr wie eine Maske. Beide gaben nicht den leisesten Ton von sich.

Brand auch nicht.

»Es ist eine schwere Entscheidung, den Tod eines so jungen Menschen anzuordnen.« Uthil erhob sich vom Schwarzen Thron, und unter dem Rasseln von Kettenpanzern und dem Rascheln von Röcken sanken die Anwesenden, die Königin ausgenommen, auf die Knie. »Aber wir können uns nicht der richtigen Entscheidung verschließen, nur weil sie schmerzhaft ist.«

Vater Yarvi verbeugte sich noch tiefer. »Ich werde dein Urteil nach dem Gesetz vollstrecken lassen.«

Uthil reichte Laithlin seine Hand, und gemeinsam schritten sie die Stufen des Podests hinab. Was Dorn Bathu betraf, so stand es fest: Sie sollte unter Steinen begraben werden, bis sie von ihnen erdrückt wurde und starb.

Brand starrte ungläubig vor sich auf den Boden. Ihm war übel. Er war fest davon überzeugt gewesen, dass einer von all den hier versammelten Jungen etwas sagen würde, denn schließlich waren sie alle ehrlich. Oder dass Hunnan erzählen würde, welche Rolle er selbst in dieser Sache gespielt hatte, denn schließlich war er ein sehr angesehener Waffenmeister. Und dann hätten der König oder die Königin die Wahrheit in Erfahrung gebracht, denn sie waren weise und rechtschaffen. Und überhaupt hätten die Götter doch niemals eine solche Ungerechtigkeit geschehen lassen, oder? Irgendjemand hätte doch etwas tun müssen.

Vielleicht hatten sie alle, so wie er, darauf gewartet, dass jemand anders die Dinge in Ordnung brachte.

Der König schritt steif von dannen, das blanke Schwert in den Armen wie ein Kind, und sein eisengrauer, starrer Blick schweifte weder nach rechts noch nach links. Die Königin neigte hin und wieder ganz leicht den Kopf, ein Nicken, das als Geschenk gedeutet wurde, und verfügte mit wenigen Worten, dass diesem oder jenem Höfling die Ehre zuteilwurde, sie in ihrem Kontor aufzusuchen, um wichtige Geschäfte zu tätigen. Sie kamen näher und immer näher.

Brands Herz pochte dröhnend laut in seinen Ohren, sein Mund öffnete sich. Die Königin warf ihm einen kurzen Blick zu, der ihn erstarren ließ, und in beschämtem und beschämendem Schweigen ließ er die beiden an sich vorüberschreiten.

Seine Schwester erinnerte ihn stets daran, dass es nicht an ihm sei, alles Unrecht aus der Welt zu schaffen. Aber wenn nicht er etwas tat, wer dann?

»Vater Yarvi!«, brach es aus ihm heraus, viel zu laut, und dann, als der Gelehrte sich zu ihm umwandte, fuhr er viel zu leise fort: »Ich muss mit dir sprechen.«

»Worüber denn, Brand?« Überrascht hielt er inne. Er hatte nicht erwartet, dass sein Gegenüber auch nur die geringste Ahnung haben würde, wer er war.

»Über Dorn Bathu.«

Ein langes Schweigen folgte. Der Gelehrte mochte nur wenige Jahre älter sein als Brand; er hatte so helle Haut und so helles Haar, als sei alle Farbe aus ihm herausgewaschen worden, er war so dürr, dass eine steife Brise ihn hätte umpusten können, und dann hatte er auch noch diese verkrüppelte Hand. Und dennoch, aus der Nähe betrachtet, war da etwas Kaltes in seinen Augen. Brand fühlte sich, als ob er unter diesem Blick dahinwelkte.

Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. »Sie ist keine Mörderin«, flüsterte er.

»Der König hält sie dafür.«

Bei den Göttern, seine Kehle war wie ausgedörrt, aber nun preschte Brand weiter vor, wie es sich für einen Krieger gehörte. »Der König war nicht unten am Strand. Der König hat nicht gesehen, was ich gesehen habe.«

»Und was hast du gesehen?«

»Wir haben darum gekämpft, wer einen Platz auf der Heerfahrt bekommen sollte …«

»Erzähle mir nie wieder Dinge, die ich schon weiß.«

Dieses Gespräch verlief ganz und gar nicht so glatt, wie Brand es sich erhofft hatte. Aber so ist es nun einmal mit den Hoffnungen.

»Dorn hat gegen mich gekämpft, und ich konnte sie nicht überwinden … Sie hätte einen Platz bekommen sollen. Aber Meister Hunnan ließ anschließend drei andere gegen sie antreten.«

Yarvi sah zu den Höflingen hinüber, die stetig aus der Götterhalle strömten, und trat etwas näher. »Drei auf einmal?«

»Edwal war einer von ihnen. Sie wollte ihn gar nicht umbringen …«

»Wie hat sie sich gegen diese drei geschlagen?«

Brand blinzelte überrumpelt. »Na ja … sie hat ihnen weitaus mehr Schaden zugefügt als umgekehrt.«

»Das steht außer Frage. Kürzlich erst habe ich Edwals Eltern mein Beileid ausgesprochen und ihnen versichert, dass ihnen Gerechtigkeit zuteilwerden würde. Sie zählt also sechzehn Winter?«

»Dorn?« Brand war sich nicht sicher, was das mit ihrem Urteil zu tun hatte. »Ich … glaube ja.«

»Und sie hat sich auf dem Kampfplatz die ganze Zeit über gegen die Jungen behauptet?« Er betrachtete Brand von Kopf bis Fuß. »Gegen die Männer?«

»Meistens behauptet sie sich nicht nur.«

»Sie muss sehr kampfeslustig sein. Und entschlossen. Und dickköpfig.«

»Soweit ich das beurteilen kann, ist ihr Kopf aus den dicksten Knochen, die es gibt.« Brand begriff, dass diese Bemerkungen wenig hilfreich waren, und schloss unsicher: »Aber … sie ist kein schlechter Mensch.«

»Das ist niemand, wenn man seine Mutter fragt.« Vater Yarvi stieß einen schweren Seufzer aus. »Was soll ich also deiner Meinung nach tun?«

»Mei… meiner Meinung nach?«

»Befreie ich also dieses Mädchen, das so viel Ärger macht, und mache mir damit Hunnan und die Familie des getöteten Jungen zu Feinden, oder lasse ich sie mit Steinen zermalmen, um ihre Ankläger zufriedenzustellen? Wie lautet deine Lösung?«

Brand hatte nicht erwartet, nach einer gefragt zu werden. »Ich denke mal … du solltest nach dem Gesetz urteilen?«

»Dem Gesetz?« Vater Yarvi schnaubte. »Das Gesetz folgt eher Mutter Meer als Vater Erde und ist ständig in Bewegung. Das Gesetz ist eine Theaterpuppe, Brand, die das sagt, was ich sie sagen lassen will.«

»Ich dachte nur, ich sollte jemandem die … na ja … die Wahrheit sagen?«

»Als ob die Wahrheit etwas Kostbares wäre. Unter jedem Blatt, das im Herbst fällt, finde ich eine Wahrheit, Brand, und jeder hat seine eigene. Du hast dir also weiter nichts dabei gedacht, als die Last deiner Wahrheit bei mir abzuladen, ja? Es sei dir unendlich dafür gedankt, denn schließlich habe ich allein damit, Gettland vor einem Krieg mit der gesamten Bruchsee zu bewahren, nicht annähernd genug zu tun.«

»Ich dachte … ich dachte, damit täte ich etwas Gutes.« Gutes tun, das erschien ihm ganz plötzlich nicht mehr wie ein hell leuchtender Schein, klar wie Mutter Sonne, sondern eher wie ein unsteter Glimmer im Dämmerlicht der Götterhalle.

»Gutes für wen? Für mich? Für Edwal? Für dich? Ebenso, wie jeder seine eigene Wahrheit hat, sieht auch das Gute für jeden anders aus.« Yarvi kam noch ein wenig näher und sprach jetzt noch leiser. »Meister Hunnan mag vermuten, dass du mir deine Wahrheit anvertraut hast, und was dann? Hast du die Folgen bedacht?«

Sie senkten sich jetzt auf Brand, kalt wie frisch gefallener Schnee. Er hob den Kopf und sah Rauks Augen in den Schatten der Halle blitzen, die sich allmählich leerte.

»Ein Mann, der all seine Gedanken darauf richtet, Gutes zu tun, ohne über die Folgen nachzusinnen …« Vater Yarvi hob seine verdorrte Hand und drückte Brand den einen krummen Finger gegen die Brust. »Das ist ein gefährlicher Mann.«

Damit wandte sich der Gelehrte ab, und die Spitze seines Albenstabes pochte auf die Steine, die der Lauf der Jahre glatt geschliffen hatte. Brand blieb zurück, starrte mit aufgerissenen Augen ins Dunkel und machte sich mehr Sorgen als zuvor.

Ihm war überhaupt nicht so, als stünde er im Licht.

Gerechtigkeit

Dorn setzte sich auf und sah mit starrem Blick auf ihre dreckigen Zehen, die weißlich wie Maden in der Dunkelheit schimmerten.

Sie hatte keine Ahnung, wieso man ihr die Stiefel abgenommen hatte. Weglaufen konnte sie sowieso nicht, schließlich hatte man sie mit ihrem linken Knöchel an die eine feuchte Wand gekettet und mit dem rechten Handgelenk an die andere. Sie konnte kaum ihre Zellentür erreichen, um sie aus den Angeln zu reißen, daran war schon gar nicht zu denken. Sie konnte nichts weiter tun, als hier zu sitzen und sich an dem Schorf unter ihrer gebrochenen Nase zu kratzen, bis der Zinken wieder zu bluten begann. Rumsitzen und nachdenken.

Die zwei Dinge, die sie am wenigsten mochte.

Sie holte tief und erschauernd Luft. Bei den Göttern, es stank hier unten furchtbar. Das verfaulte Stroh und der Rattendreck stanken, der nicht ausgeleerte Eimer stank, der Schimmel und das verrostete Eisen stanken, und nach zwei Nächten hier drin stank vor allem sie selbst.

Normalerweise wäre sie jetzt draußen gewesen und hätte beim Schwimmen in der Bucht gegen Mutter Meer gekämpft und beim Erklettern der Klippen gegen Vater Erde, oder sie wäre gerannt oder mit dem Boot hinausgerudert oder hätte mit dem alten Schwert ihres Vaters im Hof ihres Elternhauses den Umgang mit der Waffe geübt, auf die zernarbten Pfosten eingeschlagen und, während ihr die Holzsplitter um die Ohren flogen, so getan, als seien sie die Feinde Gettlands – Grom-gil-Gorm oder Styr von den Inseln oder sogar der Hochkönig höchstpersönlich.

Aber heute würde sie kein Schwert schwingen. Allmählich glaubte sie fast, dass sie das niemals wieder tun würde. Es schien so schrecklich ungerecht. Aber wie Hunnan so schön gesagt hatte, auf dem Schlachtfeld ging es eben nicht fair zu.

»Du hast Besuch«, sagte die Schließerin, eine massige, ungeschlachte Frau, die ein gutes Dutzend rasselnder Ketten um den Hals trug und deren Gesicht wie ein Sack voller Äxte aussah. »Aber ihr habt nicht viel Zeit.« Damit zog sie die schwere Tür mit lautem Quietschen auf.

»Hild!«

Ausnahmsweise machte Dorn ihre Mutter nicht darauf aufmerksam, dass sie nicht mehr auf diesen Namen hörte, seit sie im Alter von sechs Jahren ihren Vater mit seinem eigenen Dolch gestochen hatte; er hatte sie deswegen Dorn genannt. Es kostete sie all ihre Kraft, ihre Beine auszustrecken und aufzustehen, so elend war ihr vor Zerschlagenheit und Müdigkeit und auch vor sinnloser Scham über den Zustand, in dem sie sich befand.

Zwar war ihr der äußere Schein der Dinge meist völlig egal, aber sie wusste, dass ihre Mutter in dieser Hinsicht ganz andere Ansichten hatte.

Als Dorn schlurfend ins Licht trat, schlug sich ihre Mutter die blasse Hand vor den Mund. »Bei den Göttern, was haben sie mit dir gemacht?«

Dorn deutete auf ihr Gesicht und ließ bei der Bewegung die Ketten rasseln. »Das ist auf dem Kampfplatz passiert.«

Ihre Mutter trat nahe an die Gitterstäbe, die Augen vom Weinen leicht gerötet. »Man sagt, du hättest einen Jungen ermordet.«

»Das war kein Mord.«

»Aber du hast einen Jungen getötet, nicht wahr?«

Dorn schluckte, und ihre trockene Kehle machte dabei ein klackerndes Geräusch. »Ja, Edwal.«

»Bei den Göttern«, flüsterte ihre Mutter erneut, und ihre Lippen zitterten. »Oh, bei den Göttern, Hild, warum konntest du nicht …«

»Jemand anders sein?«, beendete Dorn den Satz für sie. Jemand, der umgänglich war, normal. Eine Tochter, die nichts Gefährlicheres schwingen wollte als eine Nähnadel, die lieber Seide aus dem Süden trug statt Kettenhemden, und deren größter Traum es war, eines Tages den Schlüssel zum Haushalt eines reichen Mannes um den Hals zu tragen.

»Ich habe das kommen sehen«, sagte ihre Mutter voll Bitterkeit. »Seit du zum ersten Mal auf den Kampfplatz hinausgetreten bist. Seit wir deinen Vater sterben sahen, habe ich genau das kommen sehen.«

Dorn fühlte ein Zucken in ihrer Wange. »Dann kannst du dich ja damit trösten, dass du recht behalten hast.«

»Meinst du, dass mir das auch nur der geringste Trost wäre? Es heißt, dass mein einziges Kind unter Steinen zermalmt werden soll!«

Dorn merkte, wie ihr kalt wurde, sehr kalt. Es kostete sie Mühe, auch nur Luft zu holen. Als ob sie bereits fühlte, wie man die Steine auf ihrem Körper aufschichtete. »Wer hat das gesagt?«

»Alle sagen das.«

»Vater Yarvi?« Der Gelehrte sprach das Recht. Der Gelehrte würde auch das Urteil verkünden.

»Ich weiß nicht. Ich glaube nicht. Noch nicht.«

Noch nicht, das war alles, worauf sich ihre Hoffnungen gründeten. Dorn fühlte sich so schwach, dass sie sich kaum an den Gitterstäben festhalten konnte. Sie war es gewohnt, jeglicher Gefahr mutig entgegenzutreten, egal, wie viel Angst sie hatte. Aber Frau Tod ist eine harte Zuchtmeisterin, in deren Angesicht den meisten der Mut schwindet. Die härteste Zuchtmeisterin von allen.

»Du gehst jetzt besser.« Die Schließerin zog Dorns Mutter leicht beiseite, während dieser die Tränen übers Gesicht liefen.

»Ich werde beten!«, rief sie noch. »Ich werde zu Vater Friede für dich beten!«

»Verflucht sei Vater Friede«, hätte Dorn am liebsten gesagt, aber dazu reichte ihr Atem nicht. Sie hatte sich von den Göttern abgewandt, seit die ihren Vater trotz all ihrer Gebete hatten sterben lassen, aber jetzt sah es so aus, als ob sie nur noch auf ein Wunder hoffen konnte.

»Tut mir leid«, sagte die Schließerin und schob die Tür mit der Schulter zu.

»Dir nicht so sehr wie mir, denk ich mal.« Dorn schloss die Augen und ließ die Stirn gegen die Gitterstäbe sinken, während sie den kleinen Beutel, der um ihren Hals hing, fest drückte. Den Beutel, in dem sich die Fingerknöchelchen ihres Vaters befanden.

Uns bleibt nicht viel Zeit, und das bisschen, das wir haben, wird mit Selbstmitleid nur vergeudet. Sie bewahrte jedes Wort, das er je gesagt hatte, in ihrem Herzen, aber wenn es je den passenden Augenblick für Selbstmitleid gegeben hatte, dann jetzt. Es erschien ihr alles so ungerecht! Nun ja, Edwal wäre es wahrscheinlich noch viel ungerechter erschienen. Wie auch immer man es mit der Schuldfrage halten mochte, sie hatte ihn getötet. Schließlich war es sein Blut, das da eingetrocknet ihren Ärmel befleckte, oder etwa nicht?

Sie hatte Edwal getötet. Und nun würde man sie töten.

Durch die Tür konnte sie leise hören, dass draußen gesprochen wurde. Die Stimme ihrer Mutter – flehend, bettelnd, weinend. Dann die eines Mannes, kalt und gleichmütig. Die Worte konnte sie nicht genau verstehen, aber nach ihrem Klang zu urteilen, waren es harte Worte. Als die Tür sich wieder öffnete, wich sie zurück ins Dunkel ihrer Zelle. Vater Yarvi trat über die Schwelle!

Er war eine seltsame Gestalt. Ein Mann auf dem Gelehrtenposten war fast so ungewöhnlich wie eine Frau auf dem Kampfplatz. Zwar war er nur ein paar Jahre älter als Dorn, aber er hatte alte Augen. Augen, die vieles gesehen hatten. Man erzählte sich seltsame Dinge über ihn. Dass er auf dem Schwarzen Thron gesessen, ihn aber aufgegeben hatte. Dass er einen schweren Racheeid abgelegt hatte. Dass er seinen Onkel Odem mit dem krummen Säbel getötet hatte, den er immer bei sich trug. Man sagte, er sei so gerissen und schlau wie Vater Mond, ein Mann, dem man besser nicht vertraute und schon gar nicht in die Quere kam. Und in seinen Händen – oder zumindest in seiner einen gesunden, die andere war ein verkrümmter Klumpen – lag nun ihr Leben.

»Dorn Bathu«, sagte er. »Man hat dich des Mordes bezichtigt.«

Sie konnte nur nicken, und ihr Atem ging schnell.

»Hast du etwas dazu zu sagen?«

Vielleicht hätte sie ihm jetzt ihre Todesverachtung entgegenschleudern sollen. Und Frau Tod ins Gesicht lachen. Man sagte, so habe es ihr Vater getan, als er vor Grom-gil-Gorm am Boden lag und sein letztes Blut aus ihm herausströmte. Aber sie wollte nur eines – weiterleben.

»Ich wollte ihn nicht umbringen«, stieß sie gurgelnd hervor. »Meister Hunnan ließ drei von ihnen gegen mich antreten. Es war kein Mord!«

»Was für Edwal natürlich einen großen Unterschied macht.«

Das stimmte wohl, das war ihr klar. Sie blinzelte gegen die Tränen an und schämte sich ihrer eigenen Feigheit, aber sie konnte nicht anders. Wie sehr wünschte sie sich nun, nie den Kampfplatz betreten und stattdessen gelernt zu haben, wie man lächelte und Geld zählte, so wie ihre Mutter es stets gewollt hatte. Aber mit Wünschen konnte man sich nichts kaufen.

»Bitte, Vater Yarvi, es muss doch einen Weg für mich geben.« Sie sah in seine ruhigen, kalten, graublauen Augen. »Ich nehme jede Strafe auf mich. Ich werde jede Buße tun. Das schwöre ich!«

Er hob eine bleiche Augenbraue. »Du solltest vorsichtig bedenken, welche Schwüre du ablegst, Dorn. Jeder Schwur legt sich wie eine Kette um dich. Ich habe geschworen, mich an den Mördern meines Vaters zu rächen, und dieser Schwur lastet noch immer schwer auf mir. Dein Schwur mag dir einst genauso schwer werden.«

»Schwerer als die Steine, mit denen man mich zermalmen will?« Sie streckte ihm die Handflächen entgegen, so weit ihr das mit den Ketten möglich war. »Ich schwöre einen Sonneneid und einen Mondeid. Ich werde jeden Dienst verrichten, den du mir zumessen willst.«

Grimmig sah der Gelehrte auf ihre dreckigen Hände, die ihn flehentlich zu erreichen suchten. Grimmig sah er in ihre Augen, aus denen die Tränen der Verzweiflung rannen. Langsam neigte er den Kopf, wie ein Kaufmann, der abzuschätzen versuchte, wie viel sie wert war. Dann endlich stieß er einen langen, bedrückten Seufzer auf. »Nun gut.«

Ein Schweigen folgte, in dem Dorn das Gesagte zu begreifen versuchte. »Dann wirst du mich nicht mit Steinen zermalmen?«

Er wedelte mit seiner verkrüppelten Hand und antwortete: »Es fällt mir schwer, die wirklich großen zu heben.«

Wieder Schweigen, lange genug, damit die Erleichterung in Argwohn umschlug. »Also … wie lautet nun mein Urteil?«

»Ich werde mir etwas einfallen lassen. Lass sie frei!«

Die Schließerin verzog den Mund, als ob es ihr körperliche Schmerzen bereitete, ein Schloss zu öffnen, aber sie tat, wie ihr geheißen worden war. Dorn rieb sich die Abschürfungen, die das Eisen an ihrem Handgelenk hinterlassen hatte, und staunte, wie leicht sich ihre Hand ohne die Fessel anfühlte. So leicht, dass sie beinahe zu träumen glaubte. Sie kniff die Augen zusammen und stöhnte dann auf, als die Wärterin ihr ihre Stiefel zuwarf und diese hart gegen ihren Bauch prallten. Also war es kein Traum.

Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als sie sich die Stiefel anzog.

»Deine Nase sieht aus, als sei sie gebrochen«, sagte Vater Yarvi.

»Ist nicht das erste Mal.« Wenn sie aus dieser Lage mit nichts Schlimmerem als einer gebrochenen Nase herauskam, dann würde sie sich glücklich schätzen.

»Lass mich einmal sehen.«

Ein Gelehrter war vor allem auch ein Heiler, und daher wich Dorn nicht zurück, als er näher trat und sanft und mit vor Konzentration gerunzelter Stirn die Knochen unter ihren Augen betastete.

»Ah«, stieß sie leise hervor.

»Entschuldige, hat das wehgetan?«

»Nur ein biss…«

Mit einem Ruck hatte er ihr einen Finger in ein Nasenloch geschoben, um ihr dann gnadenlos mit dem Daumen auf den Nasenrücken zu drücken. Dorn keuchte und sank unwillkürlich in die Knie. Ein Knacken ertönte, ein brennender Schmerz schoss ihr durchs Gesicht, und nun liefen ihr die Tränen erst recht die Wangen herunter.

»Das war’s«, sagte er und wischte sich die Hand an seinem Hemd ab.

»Bei den Göttern!«, wimmerte sie und presste sich die Hände vor das pochende Gesicht.

»Bisweilen erspart es einem später größeren Schmerz, wenn man ganz kurz einen kleinen erduldet.« Vater Yarvi ging bereits zur Tür, und daher rappelte Dorn sich schnell wieder auf und schlurfte hinter ihm her, wobei sie sich noch immer fragte, ob das alles nur ein abgekartetes Spiel war.

»Danke für deine Güte«, raunte sie, als sie an der Schließerin vorüberging.

Die Frau erwiderte ihren aufsässigen Blick. »Ich hoffe, du wirst sie nie wieder brauchen.«

»Ohne dir zu nahe treten zu wollen: Das hoffe ich auch.« Dann folgte sie Vater Yarvi durch den dunklen Flur die Treppe hinauf und blinzelte im hellen Licht.

Auch wenn er nur eine Hand hatte, seine Beine funktionierten bestens und gaben ein zügiges Tempo vor, als er über den Hof der Zitadelle schritt, während eine leichte Brise die Zweige der alten Zeder über ihnen wispern ließ.

»Ich sollte mit meiner Mutter sprechen«, begann sie, während sie ihn hastig einzuholen versuchte.

»Das habe ich schon getan. Ich sagte ihr, ich sei zu dem Schluss gekommen, dass du nicht des Mordes schuldig seist, aber du hättest einen Eid geschworen, mir zu dienen.«

»Aber … woher wusstest du, dass …«

»Es ist die Aufgabe eines Gelehrten zu wissen, was die Menschen tun werden.« Vater Yarvi schnaubte. »Und bisher bist du noch kein so tiefer Brunnen, dass man dich nicht ausloten könnte, Dorn Bathu.«

Sie verließen die Zitadelle durch das Schreiende Tor und kamen in die Stadt, stiegen vom hohen Fels hinab und zu Mutter Meer hinunter.

Sie gingen über gewundene Treppen und durch schmale Gassen, die steil zwischen dicht aneinandergedrängten Häusern verliefen, in denen dicht aneinandergedrängt die Menschen lebten.

»Ich werde nicht auf König Uthils Heerfahrt gehen, oder?« Eine dumme Frage, ohne Zweifel, aber jetzt, da Dorn aus dem Schatten von Frau Tod getreten war, herrschte wieder genug Licht, um ihre gescheiterten Träume zu betrauern.

Vater Yarvi war dazu allerdings nicht in Stimmung. »Sei dankbar, dass du nicht in eine Grube gehst.«

Sie kamen die Ambossstraße entlang, wo Dorn viele lange Stunden damit zugebracht hatte, mit begehrlichen Augen vor den Waffenschmieden zu stehen wie Bettlerkinder vor den Läden der Zuckerbäcker. Ihr Vater hatte sie auf seinen Schultern getragen, und kribbelnder Stolz hatte sie erfüllt, wenn die Schmiede darum buhlten, dass er ihre Arbeit in Augenschein nahm. Aber jetzt schien sie das schimmernde Metall in den Auslagen zu verspotten.

»Ich werde nie ein Krieger Gettlands werden.« Sie sagte das leise und bedauernd, aber Yarvi hatte scharfe Ohren.

»Solange du lebst, hast du selbst in der Hand, was einmal aus dir wird.« Der Gelehrte massierte sich sanft ein paar verblassende Narben am Hals. »Es gibt immer einen Weg, hat mir Königin Laithlin stets gesagt.«

Dorn merkte, wie allein die Nennung dieses Namens dafür sorgte, dass sie ein wenig aufrechter ging. Laithlin war zwar keine Kriegerin, aber Dorn wusste niemanden sonst, den sie auch nur annähernd so sehr bewundert hätte. »Die Goldene Königin ist eine Frau, die kein Mann zu übersehen wagt«, sagte sie.

»Das ist sie in der Tat.« Yarvi sah Dorn von der Seite an. »Wenn du lernst, deine Sturheit mit Vernunft zu stählen, dann wirst du eines Tages vielleicht auch so sein.«

Im Augenblick schien es allerdings, als sei dieser Tag noch weit entfernt. Wo auch immer sie vorüberkamen, verbeugten sich die Menschen und raunten leise »Vater Yarvi!«, bevor sie dem Gelehrten von Gettland Platz machten, aber sie hatten nur ein finsteres Kopfschütteln übrig für Dorn, die dreckig und erniedrigt hinter ihm herschlich, durch das Stadttor und mitten hinein in das bunte Treiben am Hafen. Sie mischten sich unter Seeleute und Händler aus aller Herren Länder an der Bruchsee und jenen, die von noch weiter herkamen. Dorn duckte sich unter den tropfenden Netzen der Fischer hindurch und schlug einen Bogen um die Fässer mit ihrem silbrigen, zuckenden Fang.

»Wohin gehen wir?«, fragte sie.

»Skekenheim.«

Mit einem Ruck blieb sie stehen, die Augen weit aufgerissen, und wurde prompt ums Haar von einem Mann mit einer Schubkarre umgefahren. Noch nie in ihrem ganzen Leben hatte sie sich weiter von Thorlby entfernt, als man an einem halben Tag zu Fuß gehen konnte.

»Du kannst natürlich auch hierbleiben«, sagte Yarvi über seine Schulter hinweg. »Sie haben die Steine schon zusammengetragen.«

Sie schluckte und eilte sich, wieder zu ihm aufzuschließen. »Ich komme mit.«

»Du bist so weise, wie du schön bist, Dorn Bathu.«

Das war entweder ein doppeltes Kompliment oder eine doppelte Beleidigung, und Letzteres hielt sie für wahrscheinlicher. Die alten Planken eines Anlegers knarrten unter ihren Füßen, und Salzwasser leckte an dem grün bewachsenen Pfahlwerk darunter. Neben dem Anleger schaukelte ein Schiff, klein, aber schlank, und mit weißbemalten Taubenfiguren am hohen Vorder- und Achtersteven. Nach den leuchtenden Schilden zu urteilen, die beide Seiten des Bugrands zierten, war es bemannt und bereit, in See zu stechen.

»Wir fahren gleich jetzt?«, fragte sie.

»Der Hochkönig hat mich zu sich bestellt.«

»Der Hoch…könig?« Sie sah an sich hinunter, betrachtete ihre Kleidung, die vor Kerkerschmutz starrte und mit ihrem und Edwals Blut getränkt war. »Kann ich mich wenigstens vorher umziehen?«

»Ich habe keine Zeit für deine Eitelkeiten.«

»Ich stinke.«

»Dann ziehen wir dich am besten an einem Seil hinter dem Schiff her und waschen den Gestank auf diese Weise ab.«

»Was?«

Der Gelehrte sah sie mit erhobener Augenbraue an. »Du hast gar keinen Humor, oder?«

»Wenn man Frau Tod in die Augen sieht, hat man wenig Sinn für Witze«, brummte sie.

»Gerade da muss man über die Dinge lachen können.« Ein stämmiger alter Mann löste gerade das vordere Tau, mit dem das Schiff festgemacht war, und warf es auf Deck, als sie an Bord gingen. »Aber keine Sorge. Wenn wir in Skekenheim anlegen, dann wird Mutter Meer dich gründlicher durchgewaschen haben, als dir lieb ist.« Er war ein Krieger, das erkannte Dorn an seiner Haltung und an seinem breiten, von Wetter und Krieg gegerbten Gesicht.

»Den Göttern gefiel es, mir meine starke linke Hand zu nehmen.« Yarvi hielt seine verkümmerte Klaue hoch und ­wackelte mit dem einen Finger. »Aber stattdessen haben sie mir Rulf geschickt.« Er ließ die verkrüppelte Hand auf die massige Schulter des Alten fallen. »Es war zwar nicht immer leicht, aber inzwischen bin ich mit diesem Handel ganz zufrieden.«

Rulf hob eine struppige Augenbraue. »Soll ich dir mal sagen, was ich über diesen Handel denke?«

»Nein«, sagte Yarvi und sprang an Deck. Dorn konnte dem graubärtigen Krieger nur ein Achselzucken erwidern, bevor sie ihm folgte. »Willkommen auf der Südwind.«

Sie fuhr sich mit der Zunge über die Zähne und spuckte über die Bordwand. »Ich fühle mich nicht gerade sehr willkommen.«

Etwa vierzig grimmig aussehende Ruderer saßen auf ihren Seekisten und starrten sie an, und sie konnte sich sehr gut vorstellen, was sie dachten. Was macht dieses Gör hier an Bord?

»Einige hässliche Muster wiederholen sich doch immer wieder«, murmelte sie.

Vater Yarvi nickte. »So ist das Leben. Es ist eher selten, dass man denselben Fehler nur einmal macht.«

»Darf ich etwas fragen?«

»Ich habe das Gefühl, wenn ich jetzt Nein sagte, würdest du es trotzdem tun.«

»Offenbar bin ich wirklich kein so tiefer Brunnen, dass er nicht auszuloten wäre.«

»Dann sprich.«

»Was soll ich hier?«

»Nun, diese Frage haben sich heilige Männer und kundige Frauen seit vielen Tausend Jahren gestellt und doch keine Antwort darauf gefunden.«

»Frag doch mal Brinyolf den Segensweber danach«, knurrte Rulf, der das stumpfe Ende eines Speeres dazu verwendete, um sie vom Kai abzustoßen. »Der kaut dir ein Ohr ab mit seinem Gequatsche über das Warum und Wieso.«

»Wer wäre wirklich in der Lage, den großen Plan der Götter zu durchschauen?«, raunte Yarvi und richtete den Blick grimmig auf den Horizont, als stünde die Antwort in den Wolken geschrieben. »Da könnte man ja auch fragen, wohin die Alben verschwunden sind!« Der junge und der alte Mann grinsten einander an. Ganz offensichtlich führten sie diese Unterhaltung nicht zum ersten Mal.

»Na gut«, sagte Dorn. »Ich meine, wieso hast du mich auf dieses Schiff gebracht?«

»Ah.« Yarvi wandte sich an Rulf. »Was glaubst du? Wieso habe ich, anstatt es mir leicht zu machen und sie einfach zermalmen zu lassen, wohl unser aller Leben in Gefahr gebracht, indem ich die berüchtigte Mörderin Dorn Bathu auf unser Schiff holte?«

Rulf stützte sich kurz auf seinen Speer und kratzte sich den Bart. »Ich habe keine Ahnung.«

Yarvi sah Dorn mit weit geöffneten Augen an. »Wenn ich meine Gedanken nicht einmal meiner linken Hand anvertraue, wieso sollte ich sie dann mit jemandem wie dir teilen? Womit ich sagen will: Du stinkst.«

Dorn rieb sich die Schläfen. »Ich muss mich hinsetzen.«

Rulf legte ihr väterlich eine Hand auf die Schulter. »Das verstehe ich.« Er schob sie mit einem solchen Ruck auf die nächste Seekiste, dass sie hintenüberfiel und auf dem Schoß des Mannes landete, der dahinter saß. »Das hier ist dein Riemen.«

Familie

Du kommst spät.«

Rin hatte recht. Vater Mond lachte schon breit, und seine Kinder, die Sterne, funkelten am Himmelstuch. Nur die Glut des Feuers erleuchtete die enge Hütte, als Brand sich unter der niedrigen Tür hindurch ins Innere duckte.

»Entschuldige, Schwester.« Gebückt ging er zu seiner Bank und ließ sich dort mit lautem Stöhnen fallen, befreite die schmerzenden Füße aus den Stiefeln und reckte seine Zehen der Wärme entgegen. »Aber Harper wollte noch mehr Torf stechen, und dann brauchte die alte Fenn Hilfe beim Holztragen. Na, und sie konnte es ja wohl kaum selbst hacken, und ihre Axt war völlig stumpf, die musste ich erst einmal schärfen, und als ich zurückkam, brach an Lems Wagen eine Achse, und da haben ein paar von uns mit angefasst …«

»Dein Problem ist, dass du die Probleme anderer immer gleich zu deinen machst.«

»Man hilft den Leuten doch, und wenn man dann selbst einmal Hilfe braucht, helfen sie einem dafür auch.«

»Vielleicht.« Rin nickte zu dem Topf hinüber, der auf der Glut in der Feuerstelle stand. »Da ist das Abendessen. Bei den Göttern, es ist mir nicht leichtgefallen, dir etwas übrig zu lassen.«

Er gab ihr einen leichten Klaps aufs Knie, als er sich zum Feuer beugte. »Aber Dank sei dir dafür, Schwester.« Brand hatte schrecklichen Hunger, dachte aber trotzdem daran, Vater Erde leise mit einem Gebet dafür zu danken, dass er etwas zu essen hatte. Er wusste nur zu gut, wie es sich anfühlte, wenn das nicht so war.

»Schmeckt gut«, sagte er und schlang die Mahlzeit runter.

»Gleich nachdem ich es gekocht hatte, war es noch besser.«

»Es schmeckt trotzdem gut.«

»Nein, tut es nicht.«

Er zuckte die Achseln, während er den Topf auskratzte und sich wünschte, es wäre mehr gewesen. »Jetzt, da ich die Prüfung bestanden habe, wird sich einiges ändern. Von einer Heerfahrt wie dieser kommen die Leute mit vollen Taschen zurück.«

»Die Leute, die in die Schmiede kommen, erzählen vor jeder Heerfahrt, wie voll ihre Taschen danach sein werden. Und manchmal kommen sie dann gar nicht zurück.«

Brand grinste sie an. »So schnell wirst du mich nicht los.«

»Das ist auch nicht meine Absicht. Du bist zwar ein Narr, aber doch alles, was mir an Familie geblieben ist.« Sie tastete nach etwas, das hinter ihr lag, und holte es hervor. Es war ein in Tierhäute gewickeltes Bündel, fleckig und zerrissen.

»Für mich?«, fragte er und streckte die Hand über die Wärme des erlöschenden Feuers danach aus.

»Damit du bei deinen großen Abenteuern nicht allein bist. Und damit du dich an zu Hause erinnerst. An deine Familie. Was noch davon übrig ist.«

»Du bist alles, was ich an Familie brauche.« In dem Bündel entdeckte Brand einen Dolch, dessen polierter Stahl schimmerte. Ein Kampfdolch mit einer langen, geraden Klinge, dessen Parierstange wie zwei ineinander verschlungene Schlangen gearbeitet war, während der Knauf einen Drachenkopf zeigte.

Rin reckte sich, um zu sehen, wie ihm ihr Geschenk gefiel. »Eines Tages mache ich dir ein Schwert. Einstweilen ist es das Beste, was ich hinbekomme.«

»Du hast das gemacht?«

»Beim Griff hat Gaden mir ein bisschen geholfen. Aber die Klinge ist ganz allein von mir.«

»Das ist gute Arbeit, Rin.« Je genauer er sich die Waffe ansah, desto schöner erschien sie ihm. Er erkannte die einzelnen Schuppen der Schlangenhäute, die kleinen Zähne, die ihm der Drache entgegenfletschte, und die Klinge war silberhell und hatte eine tödlich scharfe Schneide. Er traute sich gar nicht, sie zu berühren; für seine dreckigen Hände erschien ein solches Ding fast zu schön. »Bei den Göttern, das ist eine meisterliche Arbeit.«

Sie lehnte sich zurück, als sei ihr das gleichgültig und als habe sie das ohnehin schon die ganze Zeit gewusst. »Ich glaube, ich habe einen besseren Weg für die Metallverarbeitung gefunden. Wie man mehr Hitze bekommt. In einem Ofen wie ein Tonkrug, gewissermaßen. Knochen und Holzkohle, um Stahl aus dem Eisen zu formen, Sand und Glas, um die Schlacke davon zu trennen und das reine Metall zu erhalten. Aber das Wichtigste ist die Hitze … du hörst ja gar nicht zu.«

Brand zuckte entschuldigend die Achseln. »Ich kann zwar einen Hammer schwingen, aber ich habe nie begriffen, was daran so magisch sein soll. Du bist ein zehnmal besserer Schmied als ich.«

»Jene, die den Amboss schlägt, hätte mich berührt, sagt Gaden.«

»Sie ist bestimmt überglücklich, dass ich die Schmiede verlassen habe und sie stattdessen dich als Lehrling bekam.«

»Ich habe eine Gabe.«

»Die Gabe der Bescheidenheit.«

»Bescheidenheit ist etwas für Leute, die nichts haben, womit sie angeben können.«

Er wog den Dolch in seiner Hand und spürte, wie sauber er ausbalanciert war. »Meine kleine Schwester, Herrin der Schmiede. Ein schöneres Geschenk habe ich noch nie bekommen.« Nicht, dass er bisher überhaupt besonders viele erhalten hätte. »Ich wünschte, ich könnte auch dir etwas schenken.«

Sie streckte sich auf ihrer Bank aus und zog sich die fadenscheinige Decke über die Beine. »Du hast mir alles gegeben, was ich habe.«

Er verzog das Gesicht. »Das ist aber nicht allzu viel, oder?«

»Ich kann mich nicht beklagen.« Sie streckte ihre kräftige Hand, verschorft und schwielig von der Arbeit in der Schmiede, über das Feuer zu ihm hinüber, er nahm sie, und sie tauschten einen kurzen, gegenseitigen Druck.

Er räusperte sich und richtete den Blick auf den festgestampften Lehmboden. »Wirst du zurechtkommen, während ich auf dieser Heerfahrt bin?«

»Ich werde wie eine Schwimmerin sein, die gerade ihre Rüstung abgestreift hat.« Sie warf ihm einen abfälligen Blick zu, aber er durchschaute ihre Haltung. Sie war fünfzehn Jahre alt, und er war die einzige Familie, die sie hatte, und sie hatte Angst, und deswegen hatte er nun auch welche. Angst vor den Kämpfen. Angst davor, von zu Hause wegzugehen. Angst davor, sie allein zu lassen.

»Ich bin bald wieder da, Rin. Bevor du überhaupt gemerkt hast, dass ich weg war.«

»Beladen mit Schätzen natürlich.«

Er zwinkerte ihr zu. »Lieder werden von meinen Taten künden, und ich werde ein Dutzend guter Sklaven von den Inseln mitbringen.«

»Wo sollen die denn schlafen?«

»In dem großen Steinhaus, das ich dir oben direkt bei der Zitadelle kaufen werde.«

»Ich werde ein ganzes Zimmer für meine Kleider haben«, sagte sie und fuhr mit den Fingerspitzen über das grobe Flechtwerk der Wand. Sie hatten kein besonders großartiges Zuhause, aber, bei den Göttern, sie waren dankbar dafür. Es hatte Zeiten gegeben, da hatten sie gar kein Dach über dem Kopf gehabt.

Brand legte sich nun auch hin und zog die Knie leicht an, weil seine Beine schon seit einiger Zeit über die Bank hinaus­ragten, dann rollte er seine eigene, müffelnde, abgewetzte Decke aus.

»Rin«, hörte er sich plötzlich sagen, »vielleicht habe ich etwas Dummes getan.« Er konnte einfach keine Geheimnisse für sich behalten. Ihr gegenüber schon gar nicht.

»Was denn diesmal?«

Er pulte an einem der Löcher in seiner Decke. »Die Wahrheit gesagt.«

»Worüber?«

»Über Dorn Bathu.«

Rin schlug sich die Hände vors Gesicht. »Was hast du nur immer mit ihr?«

»Wie meinst du das? Ich kann sie nicht mal leiden.«

»Niemand kann sie leiden. Sie ist ein Splitter im Arsch der Menschheit. Aber irgendwie kannst du nicht aufhören, auf ihr rumzuhacken.«

»Die Götter sorgen irgendwie immer wieder dafür, dass sich unsere Wege kreuzen.«

»Hast du schon mal versucht, in eine andere Richtung zu gehen? Sie hat Edwal umgebracht. Sie hat ihn getötet. Er ist tot, Brand.«