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Leandro hat das Downsyndrom – und eine besondere Gabe: Er spricht mit Farben statt mit Worten. Mit jedem Bild zeigt er, was in ihm lebt: Fantasie, Gefühl und Stärke. Dieses Buch erzählt von seiner einzigartigen Sicht auf die Welt – still, leuchtend und voller Ausdruckskraft. Ein poetisches Plädoyer für Vielfalt, Kreativität und Inklusion.
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Seitenzahl: 71
Veröffentlichungsjahr: 2025
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„Leandro, der mit Farben spricht“
Ein Buch für Kinder, die mit den Augen sehen, was andere nicht hören
Von
Paula Levendig
Vorwort
Leandro lebt in einem kleinen Dorf in Spanien, umgeben von einer großen und liebevollen Familie mit Mama und Papa, drei Geschwistern, Tanten, Onkeln, Cousinen und Cousins. Inmitten dieser lebendigen Gemeinschaft wächst Leandro heran ein junger Mann mit Downsyndrom, der in diesem Jahr 20 Jahre alt wird.
Ich lernte Leandro vor drei Jahren kennen. Schon bei unserer ersten Begegnung spürte ich, wie besonders er ist. Er hat eine feinfühlige Art, ist aufmerksam, klug und auf seine ganz eigene Weise voller Ausdruck. Leandro spricht nicht mit Worten, aber seine Augen erzählen Geschichten. Sein Lächeln, seine Gestik, sein ganzes Wesen sind voller Poesie.
Er liebt Musik, besonders wenn sie rhythmisch ist und zum Träumen einlädt. Wenn die Töne erklingen, beginnt Leandro zu leuchten. Und er liebt das Malen. Es ist seine Sprache, seine Art, sich auszudrücken. Seine Eltern erzählten mir, dass er oft stundenlang mit Farben arbeitet mit Pinseln, Fingern, Schwämmen. Sie unterstützen ihn liebevoll, schenken ihm Materialien, damit er seiner Fantasie freien Lauf lassen kann.
Eines Tages war Leandro ungewöhnlich still und traurig. Seine Eltern erzählten mir, dass er sich manchmal in seiner eigenen Welt verliert einer Welt, die nicht immer mit der unseren übereinstimmt. Um ihn aufzumuntern, zeigte ich ihm einige Bilder aus meinen Fantasy-Büchern. In diesem Moment veränderte sich etwas. Leandro begann zu strahlen ein tiefes, ehrliches Strahlen, das aus dem Innersten kam.
Da reifte in mir der Entschluss, ein Buch für ihn zu schreiben. Ein Buch, das seine Sicht auf die Welt würdigt. Eine Geschichte, die in seine Fantasie eintaucht in seine eigene, magische Realität.
Denn Leandro lebt in einer Welt, die wir Erwachsene oft verlernt haben zu sehen: eine Welt voller Glanz, voller Farben, voller Wunder. Für ihn hat jedes Licht einen Klang, jeder Stern einen Namen. Er erkennt in Formen und Bewegungen Geschichten ohne Worte.
Dieses Buch ist mein Versuch, Leandros innere Welt sichtbar zu machen. Es ist kein klassisches Märchen. Es ist ein Fenster. Eine Brücke. Ein stiller Dialog.
Tauche ein in Leandros Fantasiewelt und du wirst entdecken, dass dort etwas sehr Kostbares wohnt: ein leuchtendes Herz, das mit Bildern spricht.
?? Ein Kind wie Leandro – Leben mit Downsyndrom ??
Leandro ist ein Kind mit Downsyndrom doch vor allem ist er Leandro: ein einzigartiger junger Mensch voller Licht, Sensibilität und unerschütterlicher Lebensfreude. Wer ihm begegnet, spürt schnell seine besondere Ausstrahlung. Er spricht nicht mit Worten, aber seine Augen, seine Gesten und sein Lächeln erzählen mehr als viele Sätze.
Kinder mit Downsyndrom haben eine besondere Sicht auf die Welt. Sie nehmen Emotionen oft viel intensiver wahr, reagieren feinfühlig und mit offenem Herzen. Viele von ihnen sind kreativ, musikalisch, künstlerisch begabt so wie Leandro, der in Farben denkt, in Bildern lebt und mit seinen Zeichnungen seine Seele ausdrückt.
Für die Eltern bedeutet es, einen neuen Weg zu gehen. Einen Weg, der nicht geplant war, aber voller Wunder steckt. Es braucht Geduld, Liebe und die Bereitschaft, das Leben neu zu betrachten durch die Augen ihres Kindes. Leandro lehrt seine Familie täglich, wie wertvoll die kleinen Dinge sind. Wie schön es ist, einfach zu sein. Nicht perfekt, sondern echt.
Diese Geschichte ist auch ein Dank an ihn. Und an all die Kinder, die anders sind und gerade deshalb so viel zu geben haben.
Vielen Dank, lieber Leandro, dass ich deine Geschichte schreiben und in deine Welt eintauchen durfte. Ich hatte so viel Freude am Schreiben und oft ein Lächeln im Gesicht. Ich bin sicher, den Leserinnen und Lesern wird es beim Lesen genauso ergehen.
?? Einleitung
Leandro spricht nicht mit Worten.
Doch wenn er seine Farben nimmt, beginnt seine Welt zu leuchten.
Rot wie Feuer.
Blau wie das tiefe Meer.
Grün wie der Atem der Bäume.
In seinen Bildern leben Drachen, Meereswesen und geheimnisvolle Schatten.
Seine Gedanken sind still aber voller Wunder.
Dieses Buch ist für ihn.
Für Leandro.
Und für alle Kinder, die die Welt auf ihre eigene Weise sehen.
Hier erzählt Leandro nicht mit Sprache,
sondern mit Farben, Mut und Fantasie.
?? Leandros Farbenwelt
Leandro sitzt am Fenster. Draußen glitzert die Sonne durch die Bäume, und die Vögel singen wie ein kleines Orchester nur für ihn. In seiner Hand hält er einen Pinsel. Vor ihm liegt ein frisches Blatt Papier, das noch leer ist, aber nicht für lange.
Leandro lächelt. In seinem Kopf beginnt es zu leuchten. Er sieht Farben, die andere nicht sehen. Wesen, die durch den Himmel fliegen. Leuchtende Spuren, als hätten Sterne auf der Erde getanzt. Seine Hand bewegt sich ganz von selbst. Blau, Gold, Lila seine Fantasie tanzt über das Papier. Jeder Strich erzählt eine Geschichte.
Er hört keine Worte. Doch in seinem Inneren klingt eine Melodie. Es ist die Musik seiner Welt. Sanft, warm, voller Licht. Wenn Leandro malt, ist er ganz bei sich. Glücklich. Frei.
Seine Mama sagt oft:
„Wenn Leandro malt, spricht sein Herz.“
Und sein Papa lacht dann und antwortet:
„Er zeigt uns, wie man träumt ganz ohne Worte.“
An diesem Tag malt Leandro einen leuchtenden Vogel mit Flügeln aus Feuer und Licht. Es ist sein Freund aus der Fantasie. Vielleicht ein Phönix. Oder ein Sternenvogel. Für Leandro ist es einfach: Freude auf Papier.
Er sieht das fertige Bild an, legt den Kopf leicht zur Seite und lächelt noch breiter.
Es ist genauso geworden, wie er es sich vorgestellt hat.
Denn in seiner Welt ist alles möglich.
Leandro sitzt an seinem Tisch.
Vor ihm liegt ein weißes Blatt.
Ganz still.
Ganz leer.
Noch.
Er greift nach seinen Farben.
Nicht irgendeine zuerst
sondern die, die heute zu ihm spricht.
?? Rot – wie das Herz eines Drachen.
?? Blau – wie das tiefe Rauschen des Meeres.
?? Grün – wie das Licht, das durch die Blätter tanzt.
?? Gelb – wie ein warmes Lächeln.
Leandro sagt kein Wort.
Aber seine Farben wissen längst, was er denkt.
Er beginnt zu malen.
Und mit jedem Pinselstrich entsteht eine neue Welt.
Seine Welt.
?? Leandro und seine Farben
Leandro malt gerne.
Wenn er seine Farben sieht, wird es ruhig in ihm.
Er denkt nicht er spürt.
Rot wie Feuer.
Blau wie ein Geheimnis.
Grün wie ein Traum.
Er braucht keine Worte.
Sein Bild spricht für ihn.
Leandro malt gerne Bilder.
Er lässt seiner Fantasie freien Lauf.
In seinen Farben leben Wesen,
die man nicht jeden Tag sieht:
Drachen, Schatten, Feuer.
Und manchmal sogar Stille.
?? Die Flamme im Himmel
Leandro sieht zwei Wesen aus dem Feuer steigen.
Ein roter Drache.
Ein schwarzes Ungeheuer.
Sie kreisen umeinander.
Kämpfen sie?
Oder tanzen sie?
Die Luft zittert.
Der Himmel brennt.
Aber Leonardo hat keine Angst.
Er beobachtet.
Ganz genau.
Er spürt jede Bewegung,
als würde das Feuer auch in seinem Bauch lodern.
Er nimmt ein Blatt.
Greift zu seinen Farben.
Rot zuerst.
Dann Schwarz.
Ein Strich. Ein Bogen. Ein Flügel.
Ein Herz.
Leandro malt nicht den Kampf,
sondern die Kraft in der Stille dazwischen.
Sein Bild spricht für ihn.
Leandro malt gerne Bilder.
Er lässt seiner Fantasie freien Lauf.
?? Die Kunst der Kreuze – Leandro erschafft seine Welt
Wenn Leandro zeichnet, beginnt alles mit einem kleinen Kreuz. Sorgfältig und ruhig setzt er Markierungen auf das Papier, als wären es Wegweiser in eine andere Welt. Dieses System hat er ganz für sich entwickelt. Jeder Strich, jedes Kreuz bedeutet Orientierung, Klarheit, Sicherheit.
Leandro weiß genau, was er will. Aus den ersten Linien entsteht Stück für Stück ein Bild voller Farbe, Bewegung und Gefühl. Seine Zeichnungen erzählen Geschichten von Helden, vom Meer, von Licht. Und von ihm selbst.
Diese Methode zeigt, wie strukturiert Leandro denkt und wie kreativ er ist. Seine Bilder sind nicht zufällig. Sie sind bewusst komponiert. Mit Herz. Mit System. Und mit viel Fantasie.
Zitat: „Aus einem Kreuz entsteht eine Welt Leandro zeigt uns, dass Kunst nicht perfekt sein muss, sondern echt. Struktur und Herz gehen bei ihm Hand in Hand.“
?? Das Wesen aus dem Wasser
Die Wellen schlagen hoch.
Der Himmel ist grau.
Das Wasser tost.
Plötzlich ein Leuchten.
Ein gelbes Auge.
Dann noch eins.
Dann Zähne.
Und ein Schatten,
so groß wie ein Haus,
taucht aus der Tiefe auf.
Leandro schaut.
Still.
Bewegt sich nicht.
Er fühlt das Wasser in seinem Bauch.
Ein kalter Wirbel.
Ein Flattern.
Er nimmt sein Blatt.
Seine Hand ist ruhig.
Seine Farben sprechen für ihn.
Dunkelblau.
Grau.
Ein Streifen Licht vorsichtig.
Er malt das Wesen
aber nicht seine Zähne.
Er malt das Auge
und das, was dahinter ist.
Die Einsamkeit.
?? Der Sturm in mir
Draußen zieht ein Sturm auf.
Der Wind pfeift.
Die Bäume beugen sich.
