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Absurd anmutende Erzählungen, die aufzeigen, wie skurril es im Leben manchmal laufen kann. Immer wieder neue Merkwürdigkeiten treten auf und führen zu grotesken Situationen, die zeigen, was alles möglich ist. Es gibt im Leben halt einfach Momente, in denen man vergißt, wer man eigentlich ist, was für ein Mist!
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Seitenzahl: 73
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Anno Dazumal
Legendära
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Als ich eine Romanfigur war
Der Anti
Langweilig - Der Roman über den Roman herzog
Impressum neobooks
Wieder einmal saß ich im Wartesaal und verbrachte meine Zeit damit, die anderen Leute zu beobachten. Klar, irgendwie war auch ich nur einer von Vielen, aber ich fühlte mich den Anderen nicht sonderlich verbunden, denn ich hielt sie allesamt für Versager, Loser, Schmarotzer, Parasiten und Langweiler. Ich dagegen war die Ausnahme; das Einzige, was ich und der Pöbel um mich herum gemeinsam hatten war, daß wir allesamt Staatsknete erhielten, also Hartz IV-Empfänger waren. Doch die Politiker und Beamten wurden schließlich auch vom Staat bezahlt, von daher gehörten wir zu einer durchaus illustren Gesellschaft. Aber identifizieren konnte ich mich mit dem Pöbel und Gesocks, das da mit mir die Zeit totschlug, nun wirklich nicht, denn unter denen gab es Alkoholiker, anderweitig Drogenabhängige, Faultiere, Leistungsverweigerer, die dennoch Leistungsempfänger waren, Dilettanten, Dummsülzer, Quatschköpfe, Vollspackos, Unfähige, Gestörte, Kranke, Behinderte, Mütter, Stinker, Arschlöcher, Gescheiterte, Asoziale und Vieles mehr, ich aber war die einzige Blume im Misthaufen und je stärker der stank, desto schöner blühte ich. Außerdem war ich ein Sensibelchen, weshalb mich meine Fallmanagerin mit Samthandschuhen anfassen mußte, obwohl sie mich eigentlich überhaupt nicht berühren durfte, da ich sonst sogleich auf die Barrikaden gegangen wäre und überhaupt nichts mehr gemacht hätte. "Herr Direktor, ich bitte Sie, gehen Sie dort wenigstens mal hin, Sie können es ja danach immer noch hinschmeißen, was Sie ohnehin tun werden, so wie ich Sie kenne, aber versuchen sollten Sie es wenigstens", fand sie, ich aber schüttelte erregt meinen hochroten Kopf und widersprach: "Was soll ich in einem Sonnenstudio? Ich bin Albino und das wissen Sie auch!" rief ich und deutete auf meine käsig weiße Haut. Da sie Angst davor hatte, daß ich mich entkleiden würde, um ihr meine Ganzkörperweiße aufs Auge zu drücken, gab sie nach, obwohl sie noch eine Bemerkung dazu absondern mußte: "Sie sollen dort ja arbeiten und sich nicht bräunen oder Ihre Bräune zur Schau stellen." "Die schmeißen mich dort doch sofort raus, sobald sie mich sehen. Außerdem passe ich dort schon allein von meinem Intelligenzquotienten her betrachtet nicht hin", behauptete ich. Sie starrte mich eine Weile lang fassungslos an, doch plötzlich schien ihr ein Licht aufzugehen, auf einmal strahlte sie mich an und sprach: "Herr Direktor, ich habe das perfekte Jobangebot für Sie." Mir wurde mulmig zumute. Zum ersten Mal seit wir uns kannten, hatte es sie nicht gestört, meinen Namen auszusprechen, normalerweise haßte sie es und mich dafür, daß ich tatsächlich Herr Direktor hieß, aber was konnte ich dafür? Schließlich gab es ja auch Leute, die Arbeiter hießen, die Alte konnte heilfroh darüber sein, daß ich nicht Herr König oder Herr Kaiser hieß oder sogar Herr Gott. Wie auch immer, sie schien eine Idee zu haben, die mir garantiert nicht gefallen würde. Unruhig rutschte ich auf meinem Stuhl hin und her, Gefahr war im Verzug. Sie lächelte immer noch und das bedeutete nichts Gutes, denn sie mochte mich nicht und hatte ihre Gesichtsmuskeln normalerweise immer auf Halbmast, sobald sie mich sah, was auch daran lag, daß ich einfach schöner war als sie und viele Frauen hatten ein Problem damit, wenn ein Mann besser aussah als sie selbst, denn sie fühlten sich dann noch minderwertiger und blöder als ohnehin. "Sie haben großes Glück, Herr Direktor, denn gerade ist ein Job im Kulturbereich frei geworden." Ich horchte auf. Das klang ja durchaus vielversprechend, normalerweise bekam man von der Agentur eher so sinnlose Jobangebote, daß man sich eigentlich erst gar nicht die Mühe machen brauchte, sich beim jeweiligen Arbeitgeber, oder Ausbeuter, überhaupt vorzustellen. "Es ist eine Stelle bei einem Autor", fügte sie hinzu. In meinem Kopf begannen die wildesten Spekulationen. Als Putzmann würde ich dort hoffentlich nicht benötigt werden und von einem schwulen Schriftsteller dabei hart von hinten rangenommen werden. Einen Lektor würde der Mann vermutlich auch nicht brauchen, eine männliche Muse höchstwahrscheinlich ebenfalls nicht, von daher rätselte ich innerlich weiter, während sich meine Fallmanagerin bereits mit den Worten "Na dann viel Erfolg! Und versauen Sie es nicht wieder!" von mir verabschiedet hatte. "Sie sind doch die Sau hier", entgegnete ich noch und deutete auf ihren vermüllten Schreibtisch. Sie zeigte mir zum Abschied einen ihrer beiden Mittelfinger, ich hielt ihr zu guter Letzt noch meinen nackten Hintern entgegen und sie hätte sich am liebsten in den ihrigen gebissen, denn meiner war viel knackiger und runder; kein Wunder, schließlich saß sie den ganzen Tag nur auf ihrem herum, wohingegen ich mich täglich sportlich betätigte. Tja, genau deswegen hob ich mich ja von den ganzen übrigen Hartzies ab. Ich wußte meine Freiheit sowie meine Freizeit zu schätzen und nutzte jene, um mich fit zu halten und in Form zu bleiben, während viele meiner Leistungsempfängergenossen genau das Gegenteil veranstalteten. Wieder einmal war ich einem richtigen Job erfolgreich von der Schippe gesprungen und auf das Vorstellungsgespräch bei jenem Autor freute ich mich sogar ein wenig, denn das bedeutete Abwechslung und vielleicht lernte ich dabei sogar einen interessanten Menschen kennen. Fröhlich pfeifend marschierte ich durch die Straßen der Stadt und schaute in die leeren Augen der Arbeitenden. Die armen Schweine hatten es nicht besser verdient, aber vielleicht konnten sie auch einfach nur nicht anders, jene bedauernswerten Wesen.
