Meine beste Freundin Hannah - Marion L. Becker - E-Book

Meine beste Freundin Hannah E-Book

Marion L. Becker

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Beschreibung

Als Gundel mit ihrer Großmutter alte Fotos ansieht, werden lang verdrängte Erinnerungen aus der Zeit des Nationalsozialismus geweckt. Eine Geschichte über Freundschaft und Verlust, inklusive Leseprobe von "Der schwarze Olifant". Lesen Sie auch "Der Sommer mit Elli" von Marion L. Becker.

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Seitenzahl: 24

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Marion L. Becker

Meine beste Freundin Hannah

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Meine beste Freundin Hannah

Leseprobe "Der schwarze Olifant"

Impressum neobooks

Meine beste Freundin Hannah

Meine Enkelin Gundel kommt zu Besuch. Ich freue mich sehr, sie findet nur noch selten Zeit für mich. Wie immer hat sie sich böhmische Hausmannskost zum Essen gewünscht. Sie ist groß geworden. Ach was, erwachsen ist sie geworden. Und doch ist sie immer noch Kind. Das gefällt mir an ihr. Seit sie ein kleines Ding mit Zöpfen war, besteht sie darauf, mit mir nach dem Nachmittagskaffee das alte Fotoalbum durchzublättern, und obwohl sie jedes Bild in- und auswendig kennt, stellt sie immer wieder neue Fragen. Vielleicht studiert sie deshalb Geschichte. Heute bleiben wir lange an meinem Einschulungsbild hängen. Sie lacht über die kurzgeschorenen Bubenköpfe und die Haarschlaufen der Mädchen – Propeller nennt Gundel die. Ganz vorne auf dem Bild sitzt ein Junge im Schneidersitz, der Metzger-Karli, der hält eine Schiefertafel auf dem Schoß, auf der steht: Jahrgang 1933.

Wie immer fragt Gundel auch heute: „Welche bist du?“

Und wie immer antworte ich: „Rate mal.“

Natürlich findet sie mich sofort. Meine Zöpfe sind zu Schnecken gesteckt und die Augen zusammengekniffen. Der grelle Blitz des Fotografen hatte mich überrascht und erschreckt. Doch heute deutet Gundel auf das Mädchen, das halb verdeckt neben mir steht und fragt: „Und wer ist das?“

Ich schaue lange auf das Bild und spüre, wie die Erinnerungen kommen, auch wenn ich es nicht zulassen möchte. Aber so ist das mit Erinnerungen. Ich zögere. „Ich weiß ihren Namen nicht mehr, sie war nur zu Besuch im Dorf.“

Gundel fährt leicht mit dem Zeigefinger über das vergilbte Foto, streichelt über die langen, dunklen Zöpfe und den weißen Propeller.

„Ach deshalb sieht sie so viel feiner gekleidet aus, als der Rest von euch.“

Ich antworte nicht und für heute bin ich froh, als das Fotoalbum wieder weggeräumt ist.

Am Abend sitzen wir noch bei einem Glas Wein auf der Terrasse. Es ist trotz der späten Stunde warm, die Grillen zirpen und vom nahen Wald rufen manchmal die Nachtvögel herüber. Plötzlich fragt mich Gundel: „Du Oma, sag mal, gab es eigentlich bei euch im Dorf Juden?“

Eine kalte Faust presst mir das Herz zusammen, ich spüre, wie eine Blutwelle in mein Gesicht schießt. Ich schweige, weiß die Antwort und kann sie doch nicht aussprechen. „Nein, bei uns im Dorf gab es keine Juden.“

***

Es war immer aufregend, wenn der alte Meyer auf den Hof kam. Schon am Morgen kramte und räumte dann mein Vater im Stall herum. Er striegelte die Tiere, die er verkaufen wollte, wusch ihnen Augen und Euter sauber. Waren Kälbchen dabei, durfte ich sie schön machen. Ich war meist ein wenig traurig, wenn ein Kälbchen vom Hof kam und gab mir besondere Mühe, es herauszuputzen.