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Im 15. Jahrhundert erlebte Spandau tiefgreifende Veränderungen, die sowohl die urbane Struktur als auch das soziale und kulturelle Leben prägten. Unter der Herrschaft der Hohenzollern kam es zu Konsolidierung und Herausforderungen wie Feldzügen, Steuern und Seuchen. Spandau entwickelte sich zu einem wichtigen Handels- und Handwerkszentrum und erlebte dank der Markgrafen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die sozialen Spannungen, besonders bezüglich Fischereirechte und der jüdischen Gemeinde (da einige Markgrafen/Kurfürsten eine antisemitische Gesinnung hatten), prägten das Leben der Bürger. Die Kirche, insbesondere die Nikolai-Kirche, war ein zentraler gesellschaftlicher und spiritueller Ort. Wirtschaftlich trugen Regelungen zur Besteuerung und die Unterstützung lokaler Handwerksbetriebe zur Stabilität der Stadt bei. Dieses Buch nimmt die Leser mit auf eine Reise durch die facettenreiche Geschichte Spandaus im 15. Jahrhundert und zeigt den Einfallsreichtum seiner Bewohner, die trotz Widrigkeiten an eine bessere Zukunft glaubten.
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Gewidmet:
Meiner Frau Heidi
Einleitung
Kap. 1 – 1400-1409
Kap. 2 – 1410-1415 Machtwechsel
Kap. 3 – 1415-1425
Kap. 4 – Vincentius Zabels –1425-30
Kap. 5 – Gespräch über die Hussitenzeit
Kap. 6 – Ab 1434
Kap. 7 – 1438-1441
Kap. 8 – Gespräch: Aufstieg der Mark
Kap. 9 – Gespräch der Bürgermeister in spe
Kap.10 – 1442-1444 – Chronist. Erinnerungen
Kap.11 – 1445-47
Kap.12 – 1848-50 – Das Schiedsgericht
Kap.13 – 1551-66 – Herausforderungen
Kap.14 – 1467-71
Kap.15 – 1472-87
Kap.16 – 1488-1496
Kap.17 – 1496-1500
Nachwort
Bürgermeister Spandows im 15. Jahrhundert
Vorwort
Das 15. Jahrhundert war für die Stadt Spandau eine Ära tiefgreifender Veränderungen und Entwicklungen, die nicht nur die urbane Struktur, sondern auch das soziale und kulturelle Gefüge der Bevölkerung prägten. Dieses Buch widmet sich den facettenreichen Aspekten des Lebens in Spandau während dieses Jahrhunderts und bietet einen Einblick in die Herausforderungen und Errungenschaften, die die Stadt und ihre Bürger prägten.
Im 15. Jahrhundert befand sich Spandau in einem dynamischen Umfeld, das von politischen Umwälzungen und sozialen Spannungen geprägt war. Die Herrschaft der Hohenzollern begann, und mit ihr ein Prozess der Konsolidierung und Stabilisierung, aber auch der Feldzüge und Nöte durch Steuern und Seuchen.
Die Stadt war nicht nur ein strategischer Ort, sondern auch ein wichtiges Zentrum für Handel und Handwerk. Durch den Einfluss der Markgrafen erlebte Spandau eine Phase des Aufschwungs, die die Grundlage für zukünftige Entwicklungen legte.
Die sozialen Strukturen in Spandau waren komplex und oft durch Konflikte zwischen verschiedenen Interessengruppen geprägt. Die Auseinandersetzungen um Fischereirechte und die Rechte der jüdischen Gemeinde verdeutlichen die Herausforderungen, mit denen die Stadt konfrontiert war. Diese Konflikte hatten nicht nur politische, sondern auch soziale Dimensionen, die das tägliche Leben der Bürger maßgeblich beeinflussten.
Die Kirche spielte im 15. Jahrhundert eine zentrale Rolle im Leben der Spandauer Bürger. Sie war nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Stiftungen für Kirchen und Klöster trugen zur Stärkung des Glaubens und zur Förderung der Gemeinschaft bei. Die Nikolaikirche, als bedeutendes Bauwerk, war ein Symbol für die spirituelle und kulturelle Identität der Stadt.
Wirtschaftlich gesehen durchlebte Spandau im 15. Jahrhundert eine Phase des Wachstums. Die städtischen Behörden erließen Regelungen zur Besteuerung und Zolleinnahmen, die zur finanziellen Stabilität der Stadt beitrugen. Die Unterstützung lokaler Handwerksbetriebe und die Stärkung der Zünfte waren entscheidend für das Wohlstandsniveau der Bürger. Diese Entwicklungen schufen ein florierendes Umfeld, in dem Bildung und Handwerk gedeihen konnten.
Dieses Buch möchte die Leser auf eine Reise durch die Zeit mitnehmen und die facettenreiche Geschichte Spandaus im 15. Jahrhundert lebendig werden lassen. Es ist ein Zeugnis der Stärke und des Einfallsreichtums seiner Bewohner, die trotz Widrigkeiten stets den Glauben an eine bessere Zukunft bewahrten.
Johannes Simang
Einleitung
Im 15. Jahrhundert befand sich die Mark Brandenburg in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Diese Zeit war geprägt von politischen Umbrüchen, wirtschaftlichem Wachstum und der Entstehung städtischer Zentren. Die Städte in der Mark Brandenburg entwickelten sich zu wichtigen Knotenpunkten für Handel, Handwerk und Kultur. Es werden mehrere bedeutende Städte der Region, darunter Berlin, Cölln, Frankfurt (Oder) und Spandow, analysiert, um ein umfassendes Bild der städtischen Entwicklung in der Mark Brandenburg im 15. Jahrhundert zu zeichnen.
Berlin und Cölln
Berlin, die heutige Hauptstadt Deutschlands, war im 15. Jahrhundert eine aufstrebende Stadt. 1225-1232 erhielt sie das Stadtrecht, was die Grundlage für ihre Entwicklung zu einem wichtigen Handels- und Kulturzentrum legte. Die geografische Lage an der Spree und in der Nähe bedeutender Handelsrouten trug dazu bei, dass Berlin zu einem Knotenpunkt für Waren und Dienstleistungen wurde. Im Laufe des Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung, und die Stadt wurde zunehmend von Handwerkern und Kaufleuten geprägt.
Cölln
Cölln, die Nachbarstadt Berlins, war ebenfalls von Bedeutung – 1237 erstmals erwähnt und 1238 wohl mit Stadtrecht ausgestattet - und wuchs eng mit Berlin zusammen. Obwohl Cölln im 15. Jahrhundert kleiner war, profitierte es von der Nähe zu seinem größeren Nachbarn. Die beiden Städte arbeiteten wirtschaftlich zusammen, was die Entwicklung ihrer Märkte förderte. Cölln erhielt 1300 das Stadtrecht, aber erst im 15. Jahrhundert erlebte die Stadt ein signifikantes Wachstum, insbesondere durch den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Handwerksprodukten. Hier spielte die Hanse eine Rolle, die Osteuropa-Belieferungen über Cölln abwickelten.
Frankfurt (Oder)
Frankfurt (Oder) war im 15. Jahrhundert eine der bedeutendsten Städte der Mark Brandenburg. Die Stadt lag strategisch an der Oder und war ein wichtiger Handelsplatz, insbesondere für Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte. Frankfurt war Teil der Hanse, einem mächtigen Handelsbund, was den Austausch von Waren und Ideen förderte. Die Stadt hatte ein florierendes kulturelles Leben, das von Universitäten und Handelsmessen geprägt war. Im Jahr 1506 wurde die Universität Frankfurt gegründet, die zur Bildung und Wissenschaft in der Region beitrug.
Spandow
Spandow spielte im 15. Jahrhundert eine entscheidende Rolle als militärischer und administrativer Mittelpunkt. Die Stadt war bekannt für ihre Festung, die einen strategischen Zugang zu Berlin sicherte. Diese Festung war nicht nur ein Verteidigungsbau, sondern auch ein Symbol der Macht der Markgrafen von Brandenburg. Spandau war vor allem von Handwerkern und Soldaten bewohnt, die für die Versorgung der Festung und der umliegenden Gebiete verantwortlich waren. Die Stadt entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum für die Verwaltung und Kontrolle der Region, was ihre politische Bedeutung unterstrich.
Wirtschaftliche Strukturen und Handel
Die Wirtschaft in den Städten der Mark Brandenburg im 15. Jahrhundert war stark von Landwirtschaft, Handwerk und Handel geprägt. Die Stadtbewohner lebten größtenteils von der Landwirtschaft, während Handwerker in Zünften organisiert waren und ihre Produkte lokal und regional vermarkteten.
Märkte und Handelsverbindungen
Die städtischen Märkte waren lebendige Zentren des Handels und ermöglichten den Kaufleuten, ihre Waren zu verkaufen. Die Schaffung von Marktrechten förderte das wirtschaftliche Wachstum und führte zu einer verstärkten Ansiedlung von Handwerkern und Kaufleuten. Die Verbindung zu anderen Handelszentren, wie Lübeck und Danzig, war entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung der Städte in der Mark Brandenburg.
Politische Herausforderungen
Im 15. Jahrhundert war die Mark Brandenburg oft von politischen Konflikten geprägt. Die Rivalitäten zwischen verschiedenen Adelsfamilien und die ständigen Auseinandersetzungen mit benachbarten Regionen führten zu einem instabilen politischen Klima. Städte wie Spandau mussten sich häufig gegen Übergriffe verteidigen und arbeiteten daran, ihre eigenen Interessen zu wahren.
Die Rolle der Markgrafen
Die Markgrafen von Brandenburg hatten einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Städte. Sie förderten die Stärkung der städtischen Strukturen, um ihre eigene Machtbasis zu erweitern. Häufig suchten sie die Loyalität der Stadtbewohner und erließen Gesetze, die den Städten mehr Autonomie gewährten, um sich gegen äußere Bedrohungen zu wappnen.
Man kann sagen, dass die Städte in der Mark Brandenburg im 15. Jahrhundert eine dynamische und sich entwickelnde Rolle in der regionalen Geschichte spielten. Berlin, Cölln, Frankfurt (Oder) und Spandow sind Beispiele für die vielfältigen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Strukturen, die in dieser Zeit entstanden. Die Wechselwirkungen zwischen den Städten, dem Adel und den Handelsnetzwerken prägten das Bild der Mark Brandenburg und legten den Grundstein für die weitere Entwicklung der Region in den folgenden Jahrhunderten. Die Herausforderungen und Chancen des 15. Jahrhunderts führten zu einer bemerkenswerten Transformation, die die Städte der Mark Brandenburg nachhaltig beeinflusste und deren Bedeutung in der deutschen Geschichte festigte.
Kap.1 - 1400
Hans Velkener, ein Mann des Handwerks wurde von Kurfürst Jobst aus dem Hause Luxemburg zu den Ratsmannen befohlen.
Ratsmann Hans Velkener und Jobst von Mähren
Im Jahre 1400, in der pulsierenden Stadt Brünn, wo die Gassen mit dem Klang des Handels und dem Geruch von frischem Brot erfüllt sind, saß Hans Velkener, ein angesehener Ratsmann, in seiner bescheidenen Stube. Vor ihm lag ein zerfleddertes Manuskript, das er seit Wochen zu schreiben versuchte. Es handelte von einem Mann, dessen Macht und Intrigen die Geschichte des Landes geprägt hatten – Jobst von Mähren.
Hans lehnte sich zurück und begann, die ersten Zeilen zu schreiben. „Jobst, der Markgraf von Mähren, geboren aus der ehrwürdigen Linie der Luxemburger, war ein Mann von unermüdlichem Ehrgeiz. Sein Vater, Johann Heinrich, hatte ihm die Markgrafschaft hinterlassen, doch schon früh musste er seine Herrschaft mit seinem Bruder Prokop teilen. Das Land war zerrissen zwischen Machtgier und Familienstreit.“
Hier erinnerte sich Hans an die Geschichten, die ihm sein Vater über Jobst erzählt hatte – Geschichten von politischen Machenschaften und unbarmherzigen Entscheidungen. Jobst war ein Meister der Allianzen und wusste, wie er seine Feinde überlisten konnte.
„Wie ein Schachmeister spielte Jobst mit seinen Mitmenschen“, schrieb Hans. „Er war geschickt im Knüpfen von Bündnissen, vor allem mit seinem Vetter Sigismund, der nach der ungarischen Krone strebte. Jobst lieh ihm Geld und erhielt dafür die Mark Brandenburg als Pfand. Doch die politischen Winde drehten sich oft, und Jobsts Loyalitäten waren ebenso flüchtig wie der Nebel über den Hügeln Mährens.“
Hans erinnerte sich an die Zeit, als Jobst Wenzel von Luxemburg gefangen genommen hatte. „Es war im Jahre 1394, als Jobst, unterstützt von böhmischen Adligen, Wenzel gefangen nahm und sich zum Verwalter des Königreichs ernannte. Doch Macht ist ein gefährliches Spiel, und bald wurde Jobst selbst zum Ziel von Intrigen.“
Hans spürte den Puls der Geschichte in seinen Händen, als er die Ereignisse um Jobsts Inhaftierung und späteren Rückkehr in die Macht skizzierte.
„Wenzel, durch den Eingriff seines Bruders Johann von Görlitz befreit, hielt Jobst in Haft, doch nur für kurze Zeit. Der Machtkampf zwischen den beiden Männern war nicht nur ein Streit um Titel, sondern auch ein Wettlauf um die Herzen der Menschen.“
„Jobst verstand es, die Gunst der Leute zu gewinnen, indem er sich als Beschützer der böhmischen Adelsfamilien inszenierte. Er wusste, dass der Schlüssel zu seiner Herrschaft im Herzen der Bevölkerung lag, und so verkündete er seine Loyalität gegenüber Wenzel, nur um seine eigenen Ambitionen zu verfolgen.“
Hans legte den Federkiel beiseite, seine Gedanken wirbelten wie die Blätter im Wind. „Jobst von Mähren war ein Mann, der das Spiel der Macht meisterhaft beherrschte, doch am Ende war er nur ein weiteres Stück auf dem Schachbrett der Geschichte.“
Hans Velkener schloss sein Manuskript und blickte aus dem Fenster. Die Stadt war lebendig, und die Geschichten von Macht und Intrigen lebten weiter. Jobst von Mähren, ein Mann von großer Ambition und unberechenbarem Schicksal, würde niemals vergessen werden. Seine Taten und Entscheidungen hatten das Gesicht Mährens und darüber hinaus geprägt. In den Herzen der Menschen würde die Erinnerung an ihn als warnendes Beispiel für all jene bleiben, die nach Macht streben.
Auch Spandow würde ihn in guter Erinnerung behalten, zum Beginn des Jahrhunderts machte er den Spandowern ein besonderes Geschenk, Markgraf Jobst befreit 1400 die Stadt Spandow von den Arbeitsdiensten am Walpurgis-Tag und am St. Martins-Tag für ein Jahr. Velkener las die Urkunde:
„Wir, Jobst von Gottes Gnaden Markgraf zu Brandenburg des Heiligen Römischen Reiches Erzkämmerer, Markgraf und Herr zu Mähren, bekennen und tun kund öffentlich mit diesem Brief allen denen, die ihn sehen oder hören, lesen, dass wir haben angesehen die großen und merklichen Schäden, die unsere Stadt zu Spandow, unsere lieben Getreuen, von des Krieges wegen empfangen hat, und haben wir ihnen mit wohlbedachtem Mute und von rechtem unseren Willen, die Befreiung gegeben auf den nächsten St. Walpurgistage und auf den nächsten St. Martinstage, ein ganzes Jahr sollen ledig und los sein und die niemand geben, sondern die in ihrem Nutzen und Frommen verwenden. Mit Urkunde dieses Briefes versiegelt mit unserm anhängenden Insiegel. Gegeben zu Dresden, nach Christi Geburt vierzehnhundert Jahr, des nächsten Freitages nach St. Margarethen Tage.“
Am nächsten Tag nahm Velkener wieder seinen Bericht. Die Feder glitt über das Pergament, während Hans Velkener die Ereignisse der letzten Jahre notierte. Die Stadt Brünn, wo Jobst um die Königswürde rang, war nicht das einzige Zentrum der Macht; auch die umliegenden Dörfer und Städte erlebten Umwälzungen, die das Leben der Menschen beeinflussten. Besonders die Geschehnisse in Spandow und den umliegenden Gebieten zogen seine Aufmerksamkeit auf sich.
1401 - Die Unruhen in Spandow
„Im Jahre 1401“, begann Hans, „nahmen die Spannungen in Spandow zu. Markgraf Jobst hatte die Fähre nach Heiligensee in einem Streit zwischen dem von Bredow und dem Heilig-Geist-Hospital angeordnet. Die Fähre, die für den Transport von Waren und Menschen unerlässlich war, sollte dem Hospital zurückgegeben werden. Dies war ein bedeutender Schritt, denn die Fähre war nicht nur ein einfaches Transportmittel, sondern auch ein Symbol für die Kontrolle über den Handel und das Leben in der Region.“
Die Entscheidung hatte Auswirkungen auf viele, die auf die Fähre angewiesen waren. Die Fischer und Händler, die an den Ufern der Spree lebten, spürten die Veränderungen sofort.
1402 - Der Vorfall in Thyrow
„Ein weiteres Ereignis, das die Gemüter erhitzte“, fuhr Hans fort, „ereignete sich im Jahr 1402, als Dietrich von Quitzow im Dorf Thyrow festgenommen wurde. Die Spandower hatten genug von den ständigen Übergriffen und der Willkür der Adligen. Sie ergriffen die Initiative und hielten ihn gefangen.“
Hans stellte sich vor, wie die Dorfbewohner in einer aufgebrachten Versammlung zusammenkamen, um ihre Stimmen zu erheben. Sie waren entschlossen, für ihre Rechte zu kämpfen und sich nicht länger unterdrücken zu lassen.
Gedanken über Dietrich von Quitzow
Der Abend senkte sich über Berlin, als Ratsmann Velkener in seinem bescheidenen Arbeitszimmer am Tisch saß, umgeben von den Dokumenten und Berichten, die das Leben in der Stadt prägten. Das Licht einer flackernden Kerze tauchte den Raum in ein gedämpftes Licht, während sein Geist in die dunkle Vergangenheit der Mark Brandenburg wanderte. Dietrich von Quitzow, der berüchtigte Raubritter, dessen Taten noch immer in den Köpfen der Menschen lebendig waren, ließ ihn nicht los.
Velkener schloss die Augen und erinnerte sich an die Berichte über die Zeit des Chaos nach dem Tod Kaiser Karl IV. Die Region war in Aufruhr, die Herrschaft war zerfallen, und die Ritter wie Quitzow hatten das Machtvakuum genutzt. „Was für ein Mann muss er gewesen sein“, dachte Velkener, „der in solch einer Zeit aufstand und mit seinen Raubzügen die Menschen in Angst und Schrecken versetzte?“
Die Geschichten über Dietrich von Quitzow waren gespickt mit Grauen und Schrecken. Er kannte sie seit seinen Kindertagen. „Er war kein gewöhnlicher Ritter“, murmelte Velkener. „Er war ein Symbol für das, was geschieht, wenn der Rechtsstaat versagt.“ Er erinnerte sich an die Belagerung von Milow, die gescheiterten Übergriffe und die Bestrafung durch den Erzbischof von Magdeburg. „Doch selbst das hielt ihn nicht auf“, dachte Velkener. „Er folgte dem Ruf des Blutes und des Raubes.“
Dietrich, der grausame Krieger, der sich mit seinem Bruder Johann zusammentat, um seine Macht auszubauen. Velkener konnte ihn sich lebhaft vorstellen: „Ein Mann, der seine Verbündeten nach Belieben wechselte, der eine Stadt eroberte, nur um seine Raubzüge ungehindert fortzusetzen.“ Die Eroberung von Strausberg, die Plünderungen in Köpenick – all das war in Velkeners Gedächtnis fest verankert.
„War er ein Befreier oder ein Ungeheuer?“, fragte sich Velkener. Die Berliner hatten ihn als Befreier gefeiert, als er die Pommern vertrieb. Doch wie sehr hatten sie die blutigen Übergriffe und die Schrecken, die er über die Bevölkerung brachte, ignoriert? „Die Menschen neigen dazu, sich hinter dem Ideal des Befreiers zu verstecken“, dachte Velkener. „Sie vergessen die Leichname und den Rauch der brennenden Dörfer.“
Als Velkener an die Wende in Dietrichs Schicksal dachte, als Friedrich I. von Brandenburg sich gegen ihn wandte, überkam ihn ein Gefühl der Melancholie. „Wie der mächtige Raubritter fiel, als das Blatt sich wandte!“, murmelte Velkener. „Die eigene Arroganz kann einen Mann zu Fall bringen.“ Die Flucht nach Friesack, das Versteck bei seiner Schwester und die letzten Tage des Raubritters füllten Velkeners Geist mit einer Mischung aus Mitleid und Abscheu.
Die
