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Im Laufe seines Lebens hatte der Autor die Gelegenheit die ver- schiedensten Fahrzeuge für seine mobile Fortbewegung zu nutzen. Dabei ergab sich so manche Geschichte bzw. Anekdote, heiter bis besinnlich, informativ und komisch, die den Lesern sicherlich so manches Schmunzeln entlocken werden - erzählt aus dem wirklichen Leben. Dazu reich bebildert mit Schwarzweiß- und Farbfotos auch fürs Auge. Der Autor erzählt in lockerem, heiterem Stil seine Erlebnisse von seiner Zeit im Kinderwagen bis zum modernen Klein-SUV im Jahre 2016. Das Buch ist reichlich bebildert mit Schwarzweiß- und Farbfotos.
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Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2019
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In diesem Buch wurden weitgehend die neuen Rechtschreibregeln benutzt. Wo jedoch früher geltende Regelungen den Sinn deutlicher machten, bzw. präzisere Formulierungen erlaubten, hat sich der Autor die Freiheit genommen auf die alte Rechtschreibregelung zurückzugreifen.
So schrieb es schon Wilhelm Busch 1877 in seiner Knopp-Trilogie und wir machen heute nichts anderes. Doch folgen wir nicht Julchen im Sauseschritt, sondern nehmen gemütlich am Beifahrersitz platz und lassen uns von Harald mitnehmen auf eine Reise quer durch seine mobile Lebensgeschichte. Also einsteigen bitte, die Fahrt geht los!
Doch wie kommt es eigentlich, dass man(n) auf die Idee kommt ein Buch über seine persönlichen bereiften Erlebnisse, angefangen von den ersten holprigen Metern im Korbkinderwagen mit losem Hinterrad (1948), bis hin zum schmerzhaften Muskelbündelriss in der Wade, durch zu stürmisches Anschieben des MINI Coopers "Speedy" (2016), zu schreiben?
Nun da muss ich zugeben, da bin ich nicht ganz unschuldig - und wer ich jetzt bin? Also ich bin die Herausgeberin der freien und kostenlosen Schrauberzeitschrift "The-Daily-Rust" und bin auf meiner ständigen Suchen nach ambitionierten schraubenden Schreibern, denen ich eine gute Geschichte für unsere Onlineausgabe abgewinnen kann, 2012 zufällig dahinter gekommen, dass in unserem langjährigen Freund Harald ein sehr begabter Autor schlummert!
Obwohl ich das Wort "Geschichtenerzähler" bevorzuge, denn die Bezeichnung Autor bzw. Verfasser eines sprachlichen Werkes, spiegelt für mich einfach nicht die Leidenschaft wieder, die es benötigt um einen Leser zu fassen, ihn in seine Erzählung hineinzuziehen und richtig miterleben zu lassen, was man selbst empfunden hat – genau das alles besitzt Harald!
Und nach ein wenig weiblicher Motivation, so gut man via E-Mail eben mit den Wimpern klimpern kann, hatte ich auch schon den ersten Teil von Haralds Kurzgeschichte in meinem Postfach, die wie erwartet, hohen Zuspruch von meinen anderen Lesern erhielt.
Doch bevor ich hier noch in eine wahre Laudatio ausbreche, lest doch lieber selbst! Nehmt dieses Buch zur Hand, macht es Euch bequem und genießt seine mobilen Kurzgeschichten, wie sie sich nur das Leben selbst ausdenken konnte!
Euere
Doris Supper
Web: www.the-daily-rust.com
Vor ein paar Jahren noch hätte ich nicht gedacht, dass ich über dieses Thema ein Buch schreiben würde, ich hätte es mir schlichtweg nicht zugetraut.
Ich begann eines Tages damit die handschriftlichen Niederschriften meiner Mutter zu ihrer Lebensgeschichte zu digitalisieren. Ich überarbeitete die Texte, prüfte die Terminologie und recherchierte manche Zusammenhänge. Dabei merkte ich, dass mir dies alles viel Spaß bereitete. Besonders interessant war es am Ende für mich, das Ganze mit Bildern zu versehen, um daraus ein wirkliches Zeitdokument entstehen zu lassen.
Im September 2014 konnte ich endlich das Buch »Weißer Sperling — Schwarzer Mann« veröffentlichen. Meine Mutter durfte es noch erleben und Ihre Augen glänzten, als ich Ihr das erste Exemplar übergab. Leider verstarb sie am 27. Juni 2015.
Eines Tages schrieb mir Doris Supper, damals noch, Doris Zanotti, eine E-Mail und bat mich, für ihre Schrauberzeitschrift »The Daily Rust« ein paar Kurzgeschichten, zum Thema Auto zu schreiben. Sie meinte, ich hätte doch aufgrund der vielen verschiedenen Autos, die ich in der Vergangenheit fuhr, sicherlich auch das eine oder andere nette damit erlebt.
Nun, durch das positive Erlebnis des Schreibens beim ersten Buch sagte ich ihr zu und es wurden Kurzgeschichten für neun Ausgaben des »The Daily Rust« und Doris meinte irgendwann: »Warum schreibst Du eigentlich nicht auch ein Buch darüber?«
Da machte es bei mir irgendwie »klick« und ich entschloss mich die Geschichten zu überarbeiten und zu ergänzen und als Buch zu verwirklichen. Bei der Titelsuche landete ich von »65 Jahre mobil«, was heute ja nicht mehr zutrifft, beim jetzigen Titel »Mobile Zeitreise« der, meines Erachtens das Thema besser trifft. Er deckt nun immerhin achtundsechzig Jahre meines Lebens ab.
Es verstand sich von selbst, dass ich für den Anfang meines neuen Buches auf die weiteren handschriftlichen Aufzeichnungen, welche mir meine Mutter hinterlassen hatte, zurückgreifen würde. Vor allem aber war für dieses Buch die Erzählung meiner Mutter über meine erste Fahrt in einem Kinderwagen interessant, da ich diese eben nur aus diesen Niederschriften meiner Mutter kenne. Die erwähnten Aufzeichnungen sollen später einmal mein erstes, bereits veröffentlichtes Buch, ergänzen.
Sicherlich wird, mancher Leser und manche Leserin, bei einigen Anekdoten sich denken, wie kann man nur so etwas über sich schreiben oder darüber sinnieren was für ein Verkehrsrowdy ich war usw. Doch ich bin der Meinung, man sollte seine Jugendsünden durchaus in Erinnerung behalten. So kann man auch die heutige Jugend vielleicht etwas besser verstehen. – Und – man muss auch über sich selbst lachen können und den Mut haben seine Fehler von damals einzugestehen. Denn so entstand ein ehrliches informatives Zeitdokument, das hoffentlich den Lesern ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert.
Viel Spaß beim Lesen dieses Buches.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die mich bei der Erstellung des Buches unterstützt haben. Sei es durch ihre Motivation, ihr zur Verfügung stellen von Bildern, ihrer Erlaubnis ihren Namen oder auch ihre eigenen Erlebnisse zu erwähnen, das Lektorieren des Textes, usw.
Ganz besonders möchte ich mich auch bei meiner Frau Christa bedanken, welche mit Geduld, aber auch mit ermutigenden Worten mich, so gut sie konnte, »auf Kurs« brachte.
Vorwort
Ein paar Gedanken von mir zum Buch
Kapitel 1 – Mobil während der Kindheit
Kapitel 2 – Mobilität während meiner Jugendzeit
Kapitel 3 – Mein erstes eigenes Auto
Kapitel 4 – Meine Autos während der Bundeswehrzeit
Kapitel 5 – Die SIMCA-Zeit
Kapitel 6 – Return to VW
Kapitel 7 – OPEL und FIAT
Kapitel 8 – BMW in allen Farben und Formen
Kapitel 9 – Die ROVER-Zeit
Kapitel 10 – Verliebt in einen Mini Classic
Kapitel 11 – Noch einmal fremd gegangen
Kapitel 12 – Zurück zu den Wurzeln
Impressionen zur Mobilität
Bildnachweis
Ein weiteres Buch des Autors
Die eigene Mobilität auf vier Rädern lernte ich unbewusst 1948, einen Monat nach meiner Geburt, auf dem Weg zu meiner Taufe, in einem »Leih-Kinderwagen« aus Korbgeflecht kennen. Meine Mutter erzählte dazu: »Nach schwierigem Hin und Her konnte ich mir einen Kinderwagen für acht Tage ausborgen. Der Kinderwagen hatte leider einen gravierenden Fehler: Das rechte Hinterrad war lose und drohte immer nach wenigen Schritten von der Achse zu fallen, um eigene Wege zu rollen. Also musste ich ständig mit dem rechten Fuß die Fahrt ins Gleichgewicht bringen. Nur wer so etwas selbst schon einmal mehrere Kilometer weit mitgemacht hat, kann mir nachfühlen, dass sich irgendwann, der Tränenfluss einfand. Zum Gottesdienst kamen wir nun auch noch zu spät. Doch hatten wir Glück im Unglück, denn der Pastor hatte an diesem Tage ein wenig zusätzliche Zeit und hat auf uns gewartet.« So konnte meine Taufe doch noch an diesem Tage, dem 11. April 1948 stattfinden.
Abb. 1 So ähnlich sah mein »Leih-«Kinderwagen aus. Hier der Wagen eines Cousins.
Vielleicht hätte man dieses »Zeichen« richtig deuten und die Taufe doch noch länger verschieben sollen, denn drei Tage später kam, mein Großvater, der Vater meiner Mutter, aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück.
Man kann sagen: Als Vater zog er in den Krieg und als Großvater kam er wieder zurück.
Abb. 2 Mein Vater mit der Quickly in Rothenburg o.d.T.
Bei mir ging es erst einmal mit zwei aber auch mit drei Rädern weiter.
Kurios z. B. war da schon die Fortbewegung mit dem NSU-Quickly-Moped, mit welchem meine Eltern 1952 sogar bis Rothenburg o.d. Tauber und Dinkelsbühl gefahren sind.
Aber auch mit dem Motorrad handhabte man vieles anders als heute. Bei Familien funktionierte das so: vorne der Papa, hinten die Mama und dazwischen, oder manchmal auch auf dem Tank, das Kind bzw. die Kinder, damals alles ganz legal. Komfortabler war da schon die Fortbewegung auf drei Rädern, im Motorrad mit Beiwagen. Auf diese Weise bewegten sich damals viele von uns durch die Landschaft.
Ende der 1940er bzw. in den frühen 1950er Jahren hatte nicht jeder ein Auto. Die meisten Menschen in Deutschland fuhren, soweit sie mobil sein mussten, bzw. konnten, bei jedem Wind und Wetter auf zwei oder drei Rädern, mit dem Bus oder der Bahn.
Die »Karrosserie« für Motorradfahrer war damals in der Regel ein langer schwerer lederartiger Mantel, meist aus einem mit Gummi beschichtetem Textilgewebe. Der Mantel war dunkelgrau mit Kragen, welchen man hoch aufschlagen konnte. Dazu gab es dann noch lange, Drei-Finger-Motorradhandschuhe, Stiefel, Lederhaube und Motorradbrille. So ausgerüstet sollte man vor den Unbilden jeglichen Wetters geschützt sein. Vermutlich kamen diese Utensilien z.T. sogar noch aus Wehrmachtsbeständen.
Abb. 3 Mein Vater in der damals typischen Bekleidung: Schwerer Mantel, Stiefel, Lederhaube und Motorradbrille
Meinem Vater hat diese Kleidung, vor allem der hochgeschlagene Kragen des schweren Mantels, wohl einmal das Leben gerettet. Er fuhr nämlich einmal auf dem Nachhauseweg bei schlechtem Wetter über einen Feldweg und übersah, dass ein Bauer wegen des Heimtriebs seiner Kühe den Weidedraht einfach über den Feldweg spannte, auf welchem mein Vater angefahren kam. Der Bauer hatte offensichtlich vergessen den Draht mit einem Fähnchen oder Stofffetzen zu kennzeichnen. Vielleicht wollte er ihn aber auch gleich für den nächsten Morgen so lassen, damit er die Herde, ohne den Draht vorher nochmals umzustecken, wieder auf die Weide treiben konnte. Frei nach dem Motto: »Gestern um die Zeit kam auch keiner da lang gefahren«. Nun, den quer gespannten Draht bekam mein Vater genau an den Hals, der Gott sei Dank durch den hochgeschlagen Kragen geschützt war. Auch die relativ geringe Geschwindigkeit und der glitschige Boden aufgrund des schlechten Wetters taten ihr übriges um eine Katastrophe zu vermeiden.
Ein Motorrad mit Beiwagen war für damalige Verhältnisse schon ein Luxus und und es war ein tolles Fahrgefühl in solch einem Beiwagen zu sitzen. Es gab für diese Beiwagen sogar Regenschutzplanen mit Plexiglasfenster nach vorne und zur Seite! In einem Beiwagen mussten sich dann auch schon mal bis zu vier Kinder reinzwängen.
Um mit einem Motorrad ohne Beiwagen, richtig in die Kurve gehen zu können, musste sich, wie auch heutigen Motorradfahrern bekannt, der »Hintermann« bzw. »-frau« mit dem Fahrer gleichermaßen in die Kurve legen.
Als ich eines Tages mal bei meinem Onkel Christian, hinten auf dem Motorrad saß und er mit mir die Wolfratshauser Serpentinen hinauf donnerte, bekam ich in der Kurve Angst und hatte das Gefühl »jetzt fallen wir gleich um«. Um dies zu verhindern bin ich instinktiv gegen die Schräglage meines Onkels gegangen.
Wooauh, da bekam ich aber von vorne was zu hören, ich dachte, der frisst mich jetzt gleich oder lässt mich zu Fuß gehen! Das war mir eine Lehre und von da an klappte das ganz gut, mit dem in die Kurven legen.
Abb. 4 VW-Schwimmwagen, wie er nach dem 2. Weltkrieg fuhr
Das erste Auto mit, dem ich bewusst in Berührung kam, war ein VW-Schwimmwagen (Typ 166) aus dem Zweiten Weltkrieg. Denn unser Nachbar Herr Ebermann brachte so ein Ding nämlich ab und zu von seiner Arbeit mit. Das war so um 1952/1953 herum, wir Kinder waren also vier bis fünf Jahre alt und durften dann auch mal mitfahren.
Am Heck des Fahrzeuges war eine Schiffsschraube angebracht, die wenn man ins Wasser fuhr, einfach nach hinten unten geklappt wurde, so dass das Getriebe der Schiffsschraube an einer Antriebswelle anflanschte und fertig war das »Motorboot«. Das Mitfahren mit dem Schwimmwagen war schon ein Riesenspaß, leider konnten wir damit keine »Wasserfahrt« machen, das wäre dann noch, das absolute Highlight für uns gewesen.
Ein interessanter verkehrstechnischer Aspekt, aus der damaligen Zeit war und heute nur noch wenigen bekannt: zwischen dem 23. Januar 1953 und dem 31. August 1957 gab es in der Bundesrepublik keine Geschwindigkeitsvorschriften für Pkws, Motorräder und Lkws. Jeder durfte im Prinzip so schnell fahren, wie er konnte, auch innerorts!
Einzig die Formulierung in der Straßenverkehrsordnung »Dass ein Fahrzeugführer die Fahrgeschwindigkeit so einzurichten habe, dass er jederzeit in der Lage ist, seinen Verpflichtungen im Verkehr Genüge zu leisten, und dass er das Fahrzeug nötigenfalls rechtzeitig anhalten kann«, sorgte dafür, dass man sich etwas zurückhielt.
Abb. 5 Opel Kapitän der frühen 1950er Jahre
Diese »Freiheit der Geschwindigkeit in Ortschaften« konnte ich sogar selbst einmal miterleben als wir 1954 eine Cousine meines Großvaters, Brigitte Rönnebeck, in Ulm besuchten.
Ihr Mann Horst arbeitete, soweit ich mich erinnern kann, bei den Amerikanern als Fahrer und fuhr damals einen Opel Kapitän 1951. Eines Tages nahm er seine Tochter Marion und mich mit auf eine Tour durch Ulm und wir rasten z.T. mit mindestens 80 km/h durch die Stadt, ohne dass dies die Polizei oder sonst jemanden interessierte.
Der Verkehr in den Städten von damals glich allerdings dem in einem Dorf heute.
Hin und wieder durften wir mit einem alten Dodge-Kleinlaster mitzufahren. Die Feuerwehr Geretsried hatte 1951 von den Amis einen solchen Dodge, im Prinzip ein Kontrahent des VW-Schwimmwagens aus dem Zweiten Weltkrieg, erworben. 1952 wurde dieser dunkelrot lackierte Dodge unserem Ortsteil, Geretsried-Stein, als Feuerwehrfahrzeug zur Verfügung gestellt.
Abb. 6
Abb. 7 Der Dodge der Geretsrieder freiwilligen Feuerwehr in den 1950er Jahren. Fotos: Freiwillige Feuerwehr Stadt Geretsried
Wenn wir Kindern dann einfach mal so mitfahren durften, war das jedes mal eine Schau und wir hatten riesigen Spaß, vor allem wenn wir im Sommer ohne Plane, offen fuhren und dabei auf den Holzsitzbänken der Ladefläche saßen. Es befanden sich zwei Sitzbänke rechts und links auf der Ladefläche, so dass wir dann quer zur Fahrtrichtung saßen. Wir konnten uns theoretisch frei bewegen, denn zum Anschnallen gab es nichts. Allerdings drängte Herr Ebermann, der auch hier als Fahrer fungierte, immer darauf, dass wir sitzen blieben und uns festhielten. Bei »hohem Tempo« und den holperigen Straßen hätte es uns nämlich von der Ladefläche schmeißen können.
Herr Ebermann, der auch beruflich im Fernverkehr Lastkraftwagen fuhr, kam hin und wieder mit einem alten Büssing-Langschnauzer angefahren. Da durften wir dann auch schon mal mitfahren.
Man muss dazu wissen, dass früher der Güterverkehr streng reglementiert war, und zwar in:
den Nahverkehr im Umkreis von 50 km, vom angemeldeten Standort des Lkws aus,
den Bezirksfernverkehr der den Bereich von 50 bis 150 km von seinem Standort aus abdeckte,
den Fernverkehr im nationalen Güterverkehr, also innerhalb Deutschlands,
den Fernverkehr für den internationalen Güterverkehr, also grenzüberschreitend und zu guter Letzt
den Kabotageverkehr, also das Erbringen von Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein ausländisches Verkehrsunternehmen (bzw. das Recht, dies zu tun).
Im Güterfernverkehr musste damals immer, neben dem Fahrer, ein zweiter Mann mitfahren, zum einen für einen Fahrerwechsel, zum anderen zur Einweisung beim Zurückstoßen.
Abb. 8 Hinweistafel für Güterfernverkehr am Lkw
Die Fahrzeuge mussten deshalb, i.d.R. auf der Fahrer- und Beifahrertüre, die genaue Firmenbezeichnung mit Adresse und dem behördlich genehmigten Standort gekennzeichnet sein. Zudem gab es eine Blechtafel, die aussagte, um welche Art von Güterverkehr es sich bei dem entsprechenden Lkw handelte, seine Güterverkehrsnummer und den Standort. Diese Tafeln waren mit einem farbigen diagonalen Strich versehen, je nach Güterverkehrsart eine andere Farbe.
So hatte z. B. der Fernverkehr einen roten und der Bezirksgüterverkehr einen blauen Strich. Auf diese Weise konnte jeder Polizist sofort sehen, ob der Lkw sich im genehmigten Bereich aufhielt oder nicht. Tja so streng waren da die Bräuche.
Abb. 9 ADLER Cabrio
Der Vater meines Schulfreundes Helmut, Herr Langhals, fuhr damals ein Adler-Cabrio, ebenfalls aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Fahrzeug war zweifarbig lackiert in Mittel- und Lindgrün. Das Stoffdach war ebenfalls in Mittelgrün gehalten und wurde außen von verchromten Spangen gehalten, die mich seltsamerweise immer wieder irgendwie faszinierten.
Meine eigenen Eltern wollten es schon »moderner« und kauften sich einen Lloyd 400, damals im Volksmund »Leukoplastbomber« genannt.
Sofort wurden wir in der Verwandtschaft immer wieder mit dem Spruch begrüßt:
»Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd«.
Abb. 10 Mit unserem Lloyd 400 bei Neckarsulm, wo wir die Nacht über gezeltet hatten. Davor: meine Mutter und ich
Während beim 300er Lloyd die Karosserie noch komplett aus Sperrholz und mit Kunststofffolie überzogen war, bestanden beim späteren 400er Lloyd die Seitenteile schon aus Blech. Nur noch die Motorhaube, das Dach und die Heckabdeckung waren noch aus dem besagten Sperrholz mit Plastikfolie, vornehm als »Kunstleder« bezeichnet! Farbe Beige-Grau.
Der »Kofferraum« war nur über die Rücksitzbank erreichbar, denn eine Heckklappe gab es bei den Lloyd-Limousinen der 300er und 400er-Serie noch nicht.
Eine von außen zu öffnende Kofferraumklappe kam erst ab dem Modell »Alexander«. Einen solchen hatte sich später Herr Ebermann in weiß/pastellgelb zugelegt.
Für uns Kinder war es damals wichtig, bis zu welcher maximale Geschwindigkeit ein Tacho anzeigte, denn dass war für uns, wie wir dachten, die Geschwindigkeit, die so ein Auto dann wohl auch fahren konnte. Witzigerweise stimmte das damals bei den meisten Autos einigermaßen überein. Denn Tachos waren damals immer für das jeweilige Auto verbaut worden. Erst später wurden, im Zuge der Rationalisierung Tachos für eine ganze Modellfamilie mit unterschiedlicher Motorisierung eingebaut. Da gab es dann schon mal den Tacho, der bis 200 anzeigte, obwohl das Fahrzeug aufgrund seiner Motorisierung vielleicht höchstens die 140er Marke erreichen konnte.
Abb. 11 Vater in Kniggerbockerhose und ich in Lederhose in »Bella Italia«
Mit dem 400er Lloyd wagten wir uns 1955 auf die »Große Reise« nach »Bella Italia«. Damals das Reiseziel der Deutschen schlechthin, egal ob man VW, Lloyd, Opel, Mercedes, Isetta, Motorrad mit und ohne Beiwagen oder schon einen BMW 501 fuhr.
Wir kamen über den Brennerpass, und zwar die alte Brennerstraße, denn die Autobahn gab es damals noch nicht, nach Trento (Trient).
Abb. 12 Ziel erreicht: Venedig!
Wir fuhren am Gardasee entlang nach Verona und Venedig. Es war einfach toll und ich sah zum ersten Mal in meinem Leben das Meer. Übernachtet wurde immer im Zelt, denn Hotels, das war etwas für die »Neureichen«, wie meine Eltern damals sagten.
Auf der Rückreise gab es ein, für Zweitakter durchaus übliches Problem, nämlich, dass der Auspuff »zumachte«, wie man so schön sagte. Dadurch schaffte es das Fahrzeug nicht mehr den Großglockner hinauf.
Abb. 13 Großglocknerstraße. Pause vor der Schiebeaktion. Bis zur Kurve, hinten rechts, haben wir es vergeblich versucht.
Meine Mutter und ich stiegen aus und versuchten über eine relativ weite Strecke das Fahrzeug immer wieder anzuschieben, in der Hoffnung, dass der Motor durch diese Hilfe wieder auf Touren kam. Aber den Berg hochzuschieben, das war sogar bei dem relativ leichten Lloyd ein hoffnungsloses Unterfangen und es gelang uns nicht einmal ein kurzes Stück.
Also wieder zurück! Abwärts gings praktisch von alleine bis nach Heilig Blut, so hieß die Ortschaft am Fuße des Großglockners. Dort gab es damals noch keine Autowerkstatt, sondern nur einen Schmied. Der schnitt den Auspuff auf, reinigte ihn und schweißte ihn wieder zu. Das Ganze ging schnell und wir konnten nach relativ kurzer Zeit, quasi nach einem Kaffee mit Kuchen in der örtlichen Wirtschaft, wieder weiterfahren. Nun konnten wir unsere Reise nach Hause problemlos fortsetzen.
Eines Abends besuchten wir in Geretsried-Gartenberg, im Gasthaus Korb, eine Veranstaltung, dabei gab es anschließend eine kuriose Begebenheit. Wir gingen auf den Parkplatz zum Auto und mein Vater sperrte das Auto mit seinem Schlüssel auf und setzte sich auf den Fahrersitz. Er wollte gerade die Beifahrertüre von innen entriegeln, als er sagte: »Komisch irgendwas ist hier auf einmal anders«. In diesem Moment kam schon ein anderer Herr und rief lauthals »Was machen Sie in meinem Auto?«. Mein Vater stieg verdutzt aus und sagte: »Ich dachte, das ist meiner, den hab ich ja schließlich mit meinem Autoschlüssel aufgesperrt«. Er demonstrierte das auch vor dem Herrn, der, wie sich herausstellte, uns sogar bekannt war, denn es war Herr Ruscher, der Vater eines meiner Mitschüler. Daraufhin gingen wir zu dem Lloyd, der direkt einen Parkplatz weiter stand und nach Sichtung der Nummernschilder sich tatsächlich als der unsere erwies. Vater und Herr Ruscher probierten es nun an unserem Lloyd mit dem Schlüssel von Herrn Ruscher aufzusperren. Dies gelang ebenfalls problemlos!
Da standen also zwei gleiche Lloyd 400, in der gleichen Farbe, deren Halter in der gleichen Ortschaft, unweit voneinander wohnten, die sich kannten, zur selben Zeit nebeneinander, und jeder konnte jeweils das Fahrzeuge des Anderen mit seinem eigenen Schlüssel aufsperren. Das war auch in der Schule eine Story wert, welche für große Erheiterung unter den Mitschülern sorgte.
Mein Vater fuhr einmal mit mir im Winter, auf einer kleinen Verbindungsstraße zwischen zwei Orten auf einer frisch geräumten Piste. In einer Kurve sackte auf einmal der Lloyd nach der Seite ab und wir befanden uns mit der rechten Seite ca. einen halben Meter tiefer als die Straße, obwohl wir diese doch gar nicht verlassen hatten. Uns war nichts weiter passiert und des Rätsels Lösung war einfach: Das Räumfahrzeug war, wie damals auf dem Land üblich, ein Traktor mit einem angehängten Dreiecksschneepflug. Diese nachgezogenen Schneepflüge hatten die fatale Eigenschaft nicht immer stabil hinter den Traktoren zu bleiben. In Kurven schwenkten sie schon mal über die Fahrbahn hinaus und gaukelten so eine Straße vor, wo gar keine mehr war. Vor allem wenn die Schnee-Markierungen, meist zwei bis zweieinhalb Meter hohe, ca. drei bis vier cm dicke Holzstecken, nicht richtig gesetzt wurden. Genau einem solchen Umstand verdankten wir es dann, dass wir im Graben landeten. Ein kurz darauf entgegenkommendes Auto mit zwei Männern als Insassen hielt sofort an und gemeinsam gelang es uns den relativ leichten Lloyd wieder auf die Straße zu hieven.
Mein Vater las damals gerne Cowboyromane, die er regelrecht »verschlang«. Dadurch war Sonntag nachmittags, oft Kino angesagt, denn neben seinen Romanen sah er sich auch gerne Cowboyfilme an, damals noch in schwarz-weiß. Wenn es »Fuzzy-Filme« gab, durfte auch ich hin und wieder mit ins Kino, denn die »Fuzzy-Filme« waren schon ab sechs Jahren freigegeben und schon damals Kult. Beeindruckend war vor dem Film immer die »Fox tönende Wochenschau«, sinngemäß das, was heute die Tagesschau ist, jedoch wurden die für eine Woche zusammengefassten Geschehnisse mit ziemlich reißerischer Stimme des Sprechers dargeboten, der war wahrscheinlich schon Nachrichtensprecher vor dem Kriegsende.
Als wir eines Sonntagabends, aus einem dieser Filme kamen, staunten wir nicht schlecht, denn unser 400er Lloyd saß am Rande des Parkplatzes auf einem Sandhaufen, alle vier Räder in der Luft. Viele der aus dem Kino kommenden Menschen fanden das ziemlich lustig und lachten lauthals. Mein Vater allerdings fand das gar nicht lustig und wurde ziemlich wütend. Es erbarmten sich dann jedoch zwei Männer und halfen ihm den Lloyd vom Sandhaufen zu schieben.
In den großen Ferien war ich oft bei meinen Großeltern mütterlicherseits in Dietramszell-Gastwies. Sie wohnten direkt neben dem damaligen Sägewerk Schilcher. Als mich mein Vater wieder einmal in den Ferien dorthin brachte, wollte er noch schnell etwas in Holzkirchen erledigen und fuhr alleine los. Als er zurückkam, kam er ziemlich niedergeschlagen wieder in Dietramszell an und beichtete, dass er zwischen Holzkirchen und Dietramszell im »Teufelsgraben« mit dem Lloyd einen Unfall hatte.
Die Strecke von fünf Kilometer, nach Dietramszell, ging er übrigens zu Fuß.
Abb. 14 Hier sieht man den Verlauf der Straße durch den Teufelsgraben bei Holzkirchen/Obb. Der Pfeil zeigt auf die Unfallstelle.
Als kurios stellte sich dann aber der Unfallhergang heraus: Von Holzkirchen aus geht es bergab in den sogenannten »Teufelsgraben«, der damals noch nicht ausgebaut und noch sehr kurvig war. In der Talsohle gibt es eine kleine Brücke über einen Bach. Die Brücke kommt direkt nach einer Kurve und läuft in einer starken Linkskurve aus. Die Brücke hatte zu der Zeit noch Begrenzungssteine aus Granit.
Mein Vater wollte, schon damals (!), Sprit sparen und ließ das Auto einfach mit ausgeschaltetem Motor, bei einem heutigen Fahrzeug ginge das wegen der Lenkradsperre und anderer Elektronikfeatures gar nicht mehr, die Straße hinunter zum Teufelsgraben rollen.
Vielleicht dachte er, »wenn schon ›Leukoplastbomber‹, dann kann ich das Ding auch fahren wie eine ›Seifenkiste‹«.
