Mozarts Geist - Ignaz Ferdinand Cajetan Arnold - E-Book

Mozarts Geist E-Book

Ignaz Ferdinand Cajetan Arnold

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Beschreibung

Das Buch: Eine Biografie des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Inhalt: Vorrede. I. Kurze Biografie Mozarts. II. Ueber Künstlertalent oder Genie. Auf die vorhergehende Biographie angewendet. III. Darstellung seiner Art zu setzen im Allgemeinen. IV. Karakteristik seiner Melodien. V. Akkompagnement. Singparthien. Oekonomie der Instrumente. Aesthetische Entwickelung der Schönheiten seiner einzelnen Werke. Dramatische Werke. Die Zauberflöte. Don Giovanni Idomeneo Re di Creta Le nozze di Figaro La Clemenza die Tito. Die Entführung aus dem Serail. Cosi fan tutte. La bella finta giardiniera. Mithridate. Lucio Sulla. La finta semplice. Der Schauspieldirektor. Die Kirchenkomposizionen. Serenaten, einzelne Szenen und Gelegenheitssingstücke mit voller Orchesterbegleitung. Deutsche Lieder am Klavier zu singen. Die Klavierkomposizionen. Konzerte für verschiedne Instrumente. Simfonien. Quintetten, Quartetten, Trios und Duetten. Harmonien. Tänze

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Seitenzahl: 249

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Mozarts Geist

Ignaz Ferdinand Cajetan Arnold

Inhalt:

Vorrede.

I. Kurze Biografie Mozarts.

II. Ueber Künstlertalent oder Genie. Auf die vorhergehende Biographie angewendet.

III. Darstellung seiner Art zu setzen im Allgemeinen.

IV. Karakteristik seiner Melodien.

V. Akkompagnement.

Singparthien.

Oekonomie der Instrumente.

Aesthetische Entwickelung der Schönheiten seiner einzelnen Werke.

Dramatische Werke.

Die Zauberflöte.

Don Giovanni

Idomeneo Re di Creta

Le nozze di Figaro

La Clemenza die Tito.

Die Entführung aus dem Serail.

Cosi fan tutte.

La bella finta giardiniera.

Mithridate.

Lucio Sulla.

La finta semplice.

Der Schauspieldirektor.

Die Kirchenkomposizionen.

Serenaten, einzelne Szenen und Gelegenheitssingstücke mit voller Orchesterbegleitung.

Deutsche Lieder am Klavier zu singen.

Die Klavierkomposizionen.

Konzerte für verschiedne Instrumente.

Simfonien.

Quintetten, Quartetten, Trios und Duetten.

Harmonien.

Tänze

Mozarts Geist, Ignaz F. Arnold

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Frontcover: © Freesurf - Fotolia.com

Ignaz Ferdinand Arnold – Lexikalische Biografie

Deutscher Advokat, deutscher Schriftsteller und Organist, geboren am 4. April 1774 in Erfurt, verstorben am 13. Oktober 1812 ebenda. Er verfasste, zumeist anonym, eine lange Reihe von Trivialromanen aus den Genres Geisterroman, Schauerroman und Räuberroman, oft mit laszivem Inhalt. Er war ebenso als Übersetzer tätig. Er ist in der Galerie der berühmtesten Tonkünstler des 18. und 19. Jahrhunderts verzeichnet. Arnold war als Organist an der Ursulinenkirche und der Severikirche tätig. Er verfasste auch musikhistorische Werke.

Wichtige Werke

Der Mann mit dem rothen Ermel (1798-1799, 2 Teile)Das Bildniß mit den Blutflecken (1800)Mirakuloso (1802)Die Nachtwandlerin oder die schrecklichen Bundesgenossen der Finsterniß. Aus den Memoires des Grafen F**** gegenwärtigen Staatsgefangenen zu S****n (1802)Euridane, die Tochter der Hölle. Eine Pfaffen- und Geistergeschichte (1803)Der schwarze Jonas, Kapuziner, Räuber und Mordbrenner (1805)Zaubereien und Wunder nebst Geisterbeschwörungen und ihrer Erscheinung (1805)Erfurt in seinem höchsten Glanze während der Monate September und Oktober 1808 (1808)Bohemann, Haupt der asiatischen Brüder (1811, 2 Teile)

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Im Gesamten ist der Text zu finden unter http://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Ferdinand_Arnold.

Mozarts Geist

Seine kurze Biographie und ästhetische Darstellung seiner Werke

Ein Bildungsbuch für junge Tonkünstler

Wolfgang v. Göthen

Dem Lieblinge der Musen, dem Vater des reinsten Kunstgeschmacks, dem würdigsten Sänger und

August Eberhardt Müller,

Der Tonkunst würdigstem Jünger, dem unermüdeten Forscher in ihrem weitumfassenden Gebiete, dem ausgebildeten Kenner ihrer Schönheiten

mit dem Gefühl innigster Hochachtung gewidmet.

Vorrede.

Welchem Freunde der Musen blieb Mozarts Name unbekannt? Welchem Gefühlvollen tönten seine Harmonien nicht den Himmel ins Herz? Und wem kann der Schöpfer dieser geläuterten Seeligkeiten gleichgültig seyn?

Anspruchlos übergebe ich diese skizzirte Geschichte des Mannes, der das Wunder seiner Zeiten war, und der Gegenstand der Verehrung aller Zeiten seyn wird. Möge man meine Absicht nicht mißdeuten!

Ich habe mich bemüht, die Geschichte dieses interessanten Mannes aus dem Gesichtspunkte darzustellen, in so fern sie Aufschlüsse über sein Künstlertalent giebt, und die ästhetischen Kennzeichen des wahren Genies auf sie angewendet.

In der Entwickelung der Schönheiten seiner Komposizionen, so wie in der allgemeinen Darstellung seiner Manier, will ich angehenden Komponisten nur einen Fingerzeig geben, wie sie seine Werke studiren sollen.

Jeder talentvolle Künstler wird bei wiederholtem Studium jedesmal neue Schönheiten entdecken, und sein heißes Gefühl wird ihn überzeugen, daß Mozarts unerschöpflicher Reichthum keiner Auseinandersetzung in Worten bedarf, da das geistvolle Anschauen allein vermögend ist, Grazien zu enthüllen, an deren Ausdruck die Sprache verarmt.

Doch, wenn ich auch mit meinem schwachen Fingerzeig nur am Eingange jenes unendlichen Edens stehen blieb, so gewährt es mir schon lohnenden Genuß, jungen Künstlern den Weg gezeigt zu haben, auf dem namenloses Vergnügen neuer Entdeckungen ihrer wartet. Und Kunstliebhabern gebe ich auch keine ganz nutzlose Lektüre.

Neudietendorf im August 1802.

I. Kurze Biografie Mozarts.

Wolfgang Amadeus (Gottlieb) Mozart, ist 1756 den 27sten Januar zu Salzburg geboren.

Er hatte noch eine ältere Schwester, Namens Maria Anna. Sein Vater, Leopold Mozart, war der Sohn eines Buchbinders zu Augsburg, studirte zu Salzburg und kam 1743 als Hofmusikus in die fürstliche Kapelle. Sein Künstlertalent, verbunden mit seinem edeln Karakter, verschaften ihm 1762 die Stelle eines zweiten Kapellmeisters. Verheirathet mit Anna Bertlinn, galten die beiden wegen ihrer vortheilhaften Körperbildung, für das schönste Ehepaar in Salzburg. Sie zeugten sieben Kinder, von denen aber nur zwei am Leben blieben; Maria Anna und unser Wolfgang.

Leopold Mozart, wenn ihn der Hofdienst nicht zu Verrichtungen seines Amtes rief, beschäftigte sich mit Komposition und Unterricht auf der Violine. Seine Geschicklichkeit auf diesem Instrumente beweist seine allgemein bekannte Violinschule, die er 1766 herausgab, und welche 1770 eine neue Auflage erlebte.

An beiden Kindern, und vorzüglich am Sohne nahm er viel Talent zur Musik wahr. Von dieser Zeit an gab er alle Arbeiten und Lektionen auf, und widmete jeden Augenblick, den er nicht im Dienste des Hofes zubringen muste, der Entwickelung und Ausbildung ihres Talents.

Dieser vortreflichen Leitung verdankt Mozarts Genius den hohen Grad der Kultur, zu dem er sich aufschwang. Die ersten Eindrücke, die sein Ohr auffaßte, waren Harmonien und Gesang; Musik die ersten Begriffe, die sich in seine Seele ergossen. So mußte der schlummernde Götterfunke früh erwachen. Ueberall kamen die gründlichen Kenntnisse des Vaters dem aufkeimenden Talente entgegen. So wuchs er auf, der Musen und Grazien liebliches Kind, so reifte er der Vollkommenheit schnell entgegen!

Er war drei Jahr alt, als seine siebenjährige Schwester den ersten Unterricht auf dem Klaviere bekam. Hier äußerte sich sein Genie zuerst. Stundenlang konnte er sich ungeheißen am Klavier mit Zusammenstimmung der Terzen beschäftigen, die er dann, wenn er sie gefunden hatte, wiederholt anschlug, und dabei die lebhafteste Freude äußerte. Der Vater brachte ihm leichte Stückchen bei, und fand, daß sein dreijähriger Schüler alle Erwartung übertraf, indem er gewöhnlich in einer halben Stunde eine Menuet, oder ein Liedchen lernte und mit dem angemessensten Ausdrucke vortrug.

Mit dem lebhaftesten Temperamente vereinigt sich in dem jungen Mozart ein weiches inniges Zartgefühl. Seinen kindischen Spielen ergab er sich mit einer Innigkeit, die ihn alles übrige vergessen ließ. Liebe für alle Personen, die um ihn waren, oder sich mit ihm abgaben, war sein vorwaltender Hang. Jeden, der mit ihm umgieng, fragte er: ob er ihn lieb habe? und konnte Thränen vergießen, wenn man es scherzweise verneinte. Allen Dingen und Personen, woran sein Geist einiges Interesse fand, ergab er sich mit der ganzen warmen und lebhaften Innigkeit, der ein so zart organisirter Mensch fähig ist. Auch am Manne äußerte sich dieser Hauptzug seines Karakters deutlich, und nur zu oft zu seinem größten Nachtheile.

Mit dem sechsten Jahre komponirte er kleine Stückchen auf dem Klaviere, nach dem Gehör, die sein Vater in Noten setzen muste. Von diesem Zeitpunkte an erhielt sein Tonsinn die Oberherrschaft, die ihm jede andere Spielerei gleichgültig machte, welche sonst Kinder entzückt.

Seine schnellen Fortschritte in der Musik setzten selbst den Vater, der doch beständig um ihn war, ihn stündlich beobachtete, in Erstaunen; es waren nicht die Fortschritte eines gewöhnlichen schnellfassenden Lehrlings: es waren Riesenschritte eines Genies, dessen Größe selbst sein Vater und Erzieher nicht ahnen konnte, da seine Entwickelung und Aeußerung jedesmal, auch den größten Erwartungen, vorschritt. Ohne Bedenken konnte jetzt der Vater auch das Ausland zum Zeugen der außerordentlichen Talente seines Sohnes aufrufen. Im Jahre 1762 unternahm er, mit ihm und seiner Schwester, die erste Reise nach München, wo er ein Klavierkonzert vor dem Kurfürsten spielte und mit seiner Schwester die größte Bewunderung erndete.

Im Herbste desselben Jahres, auf der zweiten Reise, wurde das kleine Virtuosenpaar dem Kaiserlichen Hofe zu Wien vorgestellt; auch hier waren die beiden der Gegenstand des allgemeinen Erstaunens. Der verewigte Kaiser Franz I. unterhielt sich viel mit ihm, und nannte ihn nur scherzend den kleinen Hexenmeister. Unter andern hatte dieser Kaiser zu ihm gesagt: es sey keine so außerordentliche Kunst zu spielen, wenn man auf die Tasten sehen könne; aber mit verdeckter Klaviatur – das wäre etwas! – Mozart, darüber keinen Augenblick verlegen, lies die Tasten bedecken, und spielte wie vorher. Auch dieses ist noch nichts für Mozarts Geist, fuhr der Kaiser fort, aber mit einem einzigen Finger spielen, möchte eher etwas heißen. Auch bei dieser Zumuthung blieb er sich gleich und spielte, zur größten Verwunderung, mehrere Stücke auf diese Art.

Damals schon äußerte er einen Karakterzug, der ihm in der Folge geblieben ist: Verachtung alles Lobes der Großen und Vornehmen, und einen entschiedenen Widerwillen, vor ihnen zu spielen, wenn sie nicht Kenner waren. Er spielte dann gewöhnlich nichts als Tanzmelodien und unbedeutende Tändeleien. Aber in Gegenwart der Kenner war er ganz versammelt, voll Feuer und pierischen Tranks. Dieser eigenthümliche Karakterzug verließ ihn auch bis an sein Ende nicht, und war die Ursache vieler Unannehmlichkeiten.

Als er sich zum Klavier setzte und Kaiser Franz neben ihm stand, fragte Mozart: "Ist Herr Wagenseil nicht hier? der versteht es." Wagenseil kam und der kleine Virtuose sagte: "Ich spiele ein Konzert von Ihnen, Sie müssen mir umwenden."

Die außerordentliche Fertigkeit, die er auf dem Klaviere besaß, und die tiefe Einsicht in die Kunst, in einem Alter, wo Kinder sonst gewöhnlich noch keinen Kunsttrieb äußern, war erstaunend, überschritt alle Vorstellung. Was man ihn lehren wollte, davon schien sein Geist dunkle Ahnungen gehabt zu haben, die zur völligen Deutlichkeit nur einer Erinnerung bedurften.

Bis jetzt hatte Mozart kein andres Instrument, als das Klavier, behandelt; aber ehe es sein Vater merkte, konnte er auch geigen, ohne Anweisung von jemand erhalten zu haben. Aus Wien hatte er eine kleine Geige mitgebracht, die ihm dort geschenkt worden war. Kurz nach der Rückkehr der Familie nach Salzburg, kam Wenzl, ein geschickter Geiger und Anfänger der Komposition, zum Vater Mozart, und bat sich dessen Erinnerungen über sechs Trios aus, die er während der Abwesenheit der Mozartschen Familie gesetzt hatte.

Schachtner, ein Hoftrompeter in Salzburg, den der kleine Mozart besonders liebte, war eben gegenwärtig. Der Vater – so erzählt dieser glaubwürdige Augenzeuge – spielte auf der Bratsche den Baß, Wenzl die erste Violine, und ich sollte die Zweite spielen. Der kleine Mozart bat, daß doch er die Zweite spielen dürfe. Der Vater verwieß ihm seine kindische Bitte, weil er noch keine ordentliche Anweisung auf der Violine gehabt hätte, und daher ohnmöglich etwas gutes herausbringen könnte. Der Kleine erwiederte, daß, um die zweite Violine zu spielen, man es ja wohl nicht erst erlernt zu haben brauche. Halb unwillig hieß ihn der Vater davon gehen, und ihn nicht weiter stören. Der Kleine fieng an bitterlich zu weinen, und lief mit seiner kleinen Geige davon. Ich bat, man möchte ihn doch mit mir spielen lassen; endlich willigte der Vater ein, und sagte zu ihm: Nun so geige nur mit Herrn Schachtner, jedoch so stille, daß man dich nicht höre, sonst mußt du gleich fort. Wir spielten, und der kleine Mozart geigte mit mir; doch bald merkte ich, daß ich da ganz überflüssig sey. Ich legte meine Geige weg und sah den Vater an, dem bei dieser Szene die Thränen gerührter Vaterzärtlichkeit über die Wangen rollten. So spielte Wolfgang alle sechs Trios durch. Nach deren Endigung wurde er durch unsern Beifall so kühn, daß er behauptete, auch die erste Violine spielen zu können. Wir machten zum Scherz einen Versuch, und mußten herzlich lachen, als er auch diese, wiewohl mit lauter unrechten und regellosen Applikaturen, doch aber so spielte, daß er nie völlig stecken blieb.1

Mit welcher bewundernswürdigen Genauigkeit sein Ohr auch den feinsten Unterschied der Töne maß, wie unglaublich sicher sein Gedächtniß Töne behielt, mag ein gleichzeitiger Vorfall belegen. Schachtner, der erwähnte Freund des mozartschen Hauses, und der Liebling des kleinen Wolfgangs, besaß eine Violine, die dieser ihres sanften Tones wegen vorzüglich liebte, und die Buttergeige nannte. Er spielte eines Tages darauf. In einigen Tagen kam Schachtner wieder und traf Wolfgang auf seiner eignen kleinen Geige fantasirend an.

"Was macht Ihre Buttergeige?" fragte Wolfgang, und fuhr in seiner Fantasie fort. Nach einer kleinen Pause, in der er sich auf etwas zu besinnen schien, sagte er weiter: "Wenn Sie aber nur Ihre Geige immer in gleicher Stimmung ließen; sie war das letzte Mal, als ich auf ihr spielte, um einen Viertelston tiefer, als meine da." Man lächelte über diese dreiste Behauptung, in einer Sache, wo das geübteste Kennerohr kaum einen Unterschied zu bemerken im Stande ist. Aber der Vater, schon öfter durch ähnliche Aeußerungen des großen Tonsinns seines Sohnes überrascht, hielt es der Mühe werth, die Angabe zu prüfen. Die Geige wurde gebracht, und zum allgemeinen Erstaunen traf die Angabe mathematisch richtig ein.

Nächst diesen Fertigkeiten und dem außerordentlichen Kunstsinn besaß der kleine Mozart einen Fleiß, der für seinen zarten Körperbau vielleicht zu groß war. Man mußte ihn vom Klavier wegrufen, oft mit Ernst wegjagen, sollte ihn nicht die aufgehende Sonne dabei überraschen.

Diese Vergessenheit seiner selbst, wenn er sich mit Musik beschäftigte, blieb ihm bis an sein Ende eigen. Täglich saß er am Fortepiano, spielte, übte, fantasirte. Ein sicheres Kennzeichen des Genies, welches seinen Gegenstand immer mit ganzer Seele allmächtig umfaßt.

Nicht desto weniger begriff er auch andre Wissenschaften leicht, und der mit dem Ton- und Farbensinn so innig verwande Zahlensinn machte ihn in der Folge zu einem der geübtesten Rechenmeister. Während er Arithmetik studirte, bemalte er Tische und Fußboden mit Ziffern, sprach von nichts, als arithmetischen Aufgaben und widmete sich dieser Wissenschaft mit demselben allumfassenden Eifer, wie der Tonkunst.

Gegen seine Eltern war er gehorsam, nachgiebig, sanft, daß man sich nie sinnlichen Strafen bedienen mußte. Nicht einmal Eßwaare oder sonstige Näschereien nahm und verzehrte er ohne Erlaubniß der Eltern.

Mit der Verbreitung seines Talentes verbreitete sich auch sein Ruhm. Fremde wollten das Wunderkind hören, und oft muste sich Mozart ganze Tage vor Fremden hören lassen. Er lies sich immer willig finden. Freundlich und wohlmeinend war er gegen seine Gespielen. In seinen kindischen Unterhaltungen sogar, zeigte sich der Geist der Musik, von der immer etwas dabei seyn mußte.

1763, im siebenten Jahre, machte der Vater die erste bedeutende Reise mit seinen Kindern durch Deutschland. Auf ihr verbreitete sich der Ruhm des jungen Meisters allgemein. Vorzüglich zeigte er seine Fertigkeit im Klavierspielen. Vor dem Kurfürsten in München spielte er ein Violinkonzert, wozu er zwischen den Kadenzen aus dem Kopfe präludirte; dann zu Augsburg, Mannheim, Mainz, Frankfurt, Koblenz, Kölln, Achen und Brüssel.

Von der giengen sie nach Frankreich, (im November) wo sich die Familie ein und zwanzig Wochen aufhielt. Zu Versailles ließ sich der kleine achtjährige Mozart in der königlichen Kapelle vor dem Könige und dem ganzen Hofe auf der Orgel hören. Damals schätzte man sein Orgelspiel noch höher als sein Klavierspiel.

In Paris gaben sie zwei Akademien fürs Publikum, worauf der Vater mit seinen Kindern in Kupfer gestochen erschien und überhaupt viel Bewunderung und Lobeserhebungen genoß. Hier gab Wolfgang seine ersten Komposizionen, in Kupfer gestochen, heraus. Es sind Sonaten fürs Klavier, welche er theils der zweiten Tochter des Königs, Madame Viktoire, theils der Gräfin Tessa dedizirte.

Von hier wendete sich die Familie nach England – den 10ten April 1764 – wo sie sich noch in demselben Monate vor dem Könige hören ließen. Im folgenden ließ sich Mozart auf der Orgel des Königs hören. Dann gaben sie ein großes Konzert zu ihrem Besten; ein andres zum Nutzen des Hospitals der Wöchnerinnen. In beiden waren alle Simphonien von der Komposizion des Sohnes. Noch einmal ließen sie sich vor dem Könige und dem vornehmsten Adel hören.

Die allgemeine Bewunderung beseelte ihn immer mit neuem Muthe zu größerer Ausbildung. Er sang auch Arien mit vielem Ausdrucke. Ein liebes Schauspiel, das kleine Virtuosenpaar auf zwei Klavieren konzertiren, oder im Gesange wetteifern zu hören! Wolfgangs Fertigkeit war schon so groß, daß sie die schwersten Sachen beim ersten Anblick bezwang. Man legte ihm in Paris und London Stücke von Händel und Bach vor, die er mit erstaunender Fertigkeit vom Blatte spielte.

Beim Königein England spielte er auf der Stelle eine vortrefliche Melodie zu vorgelegten Baßnoten.

Hier schrieb er sechs Klaviersonaten, welche er in London stechen ließ und der Königin widmete.

1765 im Sommer bereisten sie Flandern, Brabant und Holland. Hier warfen die Kinderpocken beide junge Virtuosen aufs Krankenlager. Auch diese Krankheit war unvermögend, den immer aufwärtsstrebenden Genius zu unterdrücken. Da er das Bette nicht verlassen konnte, mußte man ihm ein Bret über die Decke einrichten, auf dem er schreiben konnte, und selbst dann, als die mit Pocken bedeckten Finger der Feder den Dienst aufkündigten, ließ er sich kaum vom Schreiben und Spielen abhalten. Er schrieb hier sechs Klaviersonaten, die er bei seiner Genesung stechen ließ, und der Prinzessin von Nassau Weilburg widmete. Zum Installazionsfeste des Prinzen von Oranien – im Anfange des Jahrs 1766 – setzte er einige Simphonien, Arien und Variazionen.

Die Familie wendete sich wieder nach Paris, als Mozart noch einige Male bei dem Erbstatthalter gespielt hatte, reiste sodann über Lyon und die Schweiz nach Schwaben, wo sie einige Zeit in Donaueschingen beim Fürsten von Fürstenberg zubrachten.

1766, mit Ausgange des Jahres, kamen sie nach dreijähriger Abwesenheit nach Salzburg zurück.

Während einer Ruhe von beinahe einem Jahre, studirte Mozart unter Anleitung seines Vaters die höhere Komposizion. Emanuel Bach, Hasse und Händel waren seine Klassiker, ihre Werke sein unablässiges Studium. Auch italienische Meister aus den frühern Zeiten, welche an Gründlichkeit die gegenwärtigen weit übertreffen, studirte er unablässig.

1768 spielte Mozart vor dem Kaiser Joseph II. in Wien. Er war damals zwölf Jahre alt; der Kaiser übertrug ihm die Komposizion einer opera buffa. Sie hieß La finta semplice, erhielt den Beifall des Kapellmeister Hasse und des Dichter Metastasio's, kam aber nicht aufs Theater.

Während seines Aufenthalts zu Wien war letzterer, der ihn sehr liebte, der Kapellmeister Hasse und der Fürst Kauniz seine beständigen Gesellschafter. Oft gab man ihm hier die erste beste italienische Arie, zu welcher er auf der Stelle in Gegenwart aller die Musik mit voller Instrumentalbegleitung schuf.

Zur Einweihung der Waisenhauskirche setzte der zwölfjährige Komponist eine Messe, und dirigirte ihre Aufführung in Gegenwart des ganzen Kaiserlichen Hofes.

1769. Dieses Jahr wurde in, Salzburg dem Studium der italienischen Sprache und der Fortsetzung des tiefern Eindringens in die Tiefen der Komposizion, gewidmet. In demselben wurde er zum Konzertmeister am Salzburger Hofe ernannt.

Von den Ufern der Donau bis zur Themse und Seine hatte sich sein Ruhm verbreitet. Die Tiber sollte nun sein Lob verkündigen, das Diplom seines Verdienstes besiegeln. Er wollte die Blüthe der Harmonie – die Melodie – auf ihrem mütterlichen Boden beobachten, und die vielen großen Männer, die Welschland damals aufzuweisen hatte, kennen lernen und sich von ihnen unterrichten lassen.

1769 im December verließ er Salzburg abermals. Inspruck war sein erster Aufenthalt; mit vieler Leichtigkeit spielte er hier in einer Akademie beim Grafen Künigl ein Konzert prima vista. Von da gieng die Reise nach Milano.

Verehrte und bewunderte Frankreich und England sein großes Genie, so nahm ihn Italien mit feurigem Enthusiasmus auf, erhob ihn zur Unsterblichkeit! Das Mutterland der Musik drückte ihren Sohn ans warme Herz. Selbst der sonst unbezwingbare Nationalstolz und das Vourtheil der Ultramontaner machte, besiegt, dem verdienten Ruhme des zwölfjährigen Genius Plaz, der dem Olymp entsand schien, Anthusa's Mauern mit Amphions Leier zu beleben!

Man übertrug ihm nach einigen öffentlichen Proben die Komposizion der opera seria für den künftigten Karneval 1771 – opera Mithridate. –

Von hier nahm er seinen Weg nach Bologna. – im März 1770 – Eine Stadt, die sich damals der größten Tonkünstler und besten Konservatorien rühmen konnte.

Hier ward der berühmte Kontrapunktist und Musikschriftsteller Italiens, der Kapellmeister Abbate Martini, hingerissen durch die außerordentlichen Talente des Knaben, sein größter Bewunderer und eifrigster Herold. Sein Erstaunen erreichte den höchsten Grad, als Mozart über jedes von ihm hingeschriebene Fugenthema die gehörige Eintheilung und Anordnung nach der ganzen Strenge des Kontrapunktes angab und die Fuge augenblicklich auf dem Klavier ausführte.

In Florenz fand man alles, was der Ruf von seinen Talenten verbreitet hatte, zu gering, als Mozart bei dem Markese Ligneville – einem gleich großen Kontrapunktisten – jedes angegebene Thema auf der Stelle vortreflich ausführte, jede vorgelegte Fuge mit einer Leichtigkeit und Pünktlichkeit vom Blatte wegspielte, als hätte er selbst sie komponirt.

Die Bekanntschaft, die er hier mit einem jungen Engländer, Thomas Linley, einem Knaben von vierzehn Jahren machte, giebt ein liebliches Bild des Erkennens und Wiederfindens verwander Geister. Dieser war der Schüler des berühmten Violinspielers Nardini, schon selbst Virtuose seines Instruments. Die beiden Knaben wurden bald innige vertraute Freunde; ihre Freundschaft aber war nicht Knabenanhänglichkeit, war Zärtlichkeit zweier tieffühlenden, übereinstimmenden Seelen; sie achteten sich als Künstler, und benahmen sich wie Männer. Bitter war ihnen der Tag der Trennung. Noch vor der Abreise brachte Linley Mozarten ein Gedicht, das er von der Dichterin Corilla auf ihn hatte verfertigen lassen, schied unter vielen Umarmungen und Thränen von ihm, und begleitete seinen Wagen unter beständigen Aeußerungen der zärtlichsten Betrübniß bis vors Thor.

Mozarts Weg führte nun nach Rom. Mit der Charwoche kam er mit seinem Vater dortan, und hatte Gelegenheit, die vielen Meisterstücke der erhabensten Kirchenmusik, die in dieser Zeit aufgeführt werden, zu hören. Den ersten Rang darunter verdient ohnstreitig Allegri's berühmtes Miserere, welches am Mitwoch und Freitag dieser Woche, in der sixtinischen Kapelle, blos von Vokalstimmen aufgeführt wird und das Meisterstück des erhabenen, feierlichen Kirchengesanges, die höchste Tendenz der Kunst seyn soll; so zwar, daß es dem päpstlichen Musikern bei Strafe der Exkomunikation verboten ward, Kopien davon zu machen.

Dies brachte Mozarten auf die Idee, bei Anhörung desselben recht aufmerksam zu seyn, und es dann zu Hause aus dem Gedächtnisse aufzuschreiben. Es gelang ihm über alle Erwartung. Am Freytage nahm er den Aufsatz zur Wiederholung desselben mit, um das Mangelhafte zu ergänzen.

Der Ruf hiervon verbreitete sich in Rom, und erregte allgemeines Aufsehen und Erstaunen, vorzüglich, da er es in einer Akademie sang, wobei der Kastrat Kristofor zugegen war, der es in der Kapelle mitgesungen hatte und durch sein Erstaunen Mozarts Triumph erhöhte. Man darf nur bedenken, was es für Anstrengung kostet, eine einfache Melodie zu behalten, um über diese Thatsache in zweifelndes Erstaunen zu versinken; dieses lange, kritische Choralstück, voller Imitationen und Reperkussionen, ewig wechselnd im Einsetzen und Verbinden der Stimmen untereinander, welche Kenntniß des reinen Satzes, des Kontrapunkts, welch umfassendes Gedächtniß, welch ein Ohr, welchen allempfänglichen Tonsinn erforderte dieser in seiner Art einzige musikalische Diebstahl!

Auch das lustige Neapel versagte Mozarten den gebührenden Beifall nicht. Riß Mozart als Mann mit dem allmächtigen Zauber seines Genius jedes empfängliche Herz hin, wie mußte der als Knabe schon vollendete Künstler auf die warmsinnigen Italiener wirken! Man hielt ihn für einen Zauberer, und behauptete, seine Macht bestehe in der Talismanie eines Ringes, den er am Finger trug. Wie erstaunte man erst, als er, auf Verlangen, den Ring von sich legte, und dennoch eben so zauberisch spielte!

Bei seiner Rückkehr von Neapel nach Rom, aufmerksam gemacht durch den Ruf, der ihm, als seltenen Künstler voranging, wollte ihn der heilige Vater, Pius der sechste, sehen. Dieser große Beförderer der Wissenschaften und nachmalige Märtyrer des französischen Fanatismus ließ sich den jungen Kapellmeister vorstellen und ertheilte ihm das Kreuz und Breve als Eque militiae auratae (Ritter vom goldnen Sporn.) –

In Bologna, wo er sich auf seiner Rückkehr von Rom nach Milano, kurze Zeit aufhielte, ward er einstimmig als Mitglied und Maestro der filarmonischen Akademie aufgenommen. Zur Prüfung bekam er eine vierstimmige Fuge im Kirchenstil zu bearbeiten. Man schloß ihn in ein Zimmer. In einer halben Stunde war er mit seiner Arbeit fertig und erhielt das Diplom.

Allenthalben wurden ihm Opern: Akkorde für den Karneval angetragen; da er aber bereits für Milano versagt war, mußte er sie alle ausschlagen. Sein Mithridate kam noch vor Ende 1770 den 6. Dezemb. aufs Theater, erhielt allgemeinen Beifall, ward zwanzigmal nach einander aufgeführt und verschafte ihm sogleich den schriftlichen Akkord auf die Opera seria für den Karneval 1773. Lucio Sulla erhielt noch größern Beifall als Mithridate, und wurde ununterbrochen sechs und zwanzigmal aufgeführt.

1771 auf seiner Rückreise aus Italien, besuchte er Venedig und Verona, wo man ihm das Diplom als Mitglied der filarmonischen Gesellschaft überreichte.

Nach einem sechszechnmonatlichen genußreichen ehrenvollen Aufenthalte in Italien, mit einem ungeheuern Schatze neuer Kenntnisse und Ideen, geläutertem Geschmacke, begleitet mit der Bewunderung einer Nation, die von der Natur zur Nichterin der Tonkunst berufen scheint, kam er nach Salzburg zurück, wo er einen Brief vom Grafen Firmian aus Milano fand, worin ihm dieser im Namen der Kaiserin, Maria Theresia, die Komposizion einer großen theatralischen Serenate zur Vermählung des Erzherzogs Ferdinand, auftrug. Hasse, der älteste Kapellmeister, schrieb die Oper und Mozart, der jüngste unter ihnen, die Serenate. (Ascanio in Alba) Absichtlich schien die Monarchin dieses so geordnet zu haben. Während der Feierlichkeit ward mit Oper und Serenate immer abgewechselt.

1772 zur Wahl des neuen Erzbischoffs verfertigte er zu Salzburg die Serenate, Lo sogno di Scipione.

1773 und 1774 gaben ihm einige Reisen nach Wien und München Gelegenheit zu mehrern Meisterwerken. Hieher gehört die komische Oper La finta giardiniera, und mehrere Messen für die Münchner Kapelle.

1775 componirte er die Serenate il Ropastore zu Salzburz. Sie hat außerordentlichen Beifall erworben, und ihren Werth auch unter den nachfolgenden Werken erhalten, da Mozart in ihr schon jenen hohen Geist ahnen läßt, der seine spätern Kunstwerke belebte. Sie scheint der Uebergang aus seiner Schülerperiode in die seiner Vollendung, welche mit seinem zwanzigsten Lebensjahre beginnt.

In diese Meisterperiode gehören alle seine klassischen Werke, die ihm die Krone der Unsterblichkeit errangen.

Gegründet war sein Ruhm als Tonsetzer und Virtuos auf dem Klaviere.

1777 machte er seine letzte Reise nach Paris. Am angemessensten wäre wohl diese große Stadt für seine Talente gewesen; allein sein gerader Sinn war nicht für die Schlangenwindungen, die auf diesem Tummelplatze menschlicher Thorheiten auch Künste und Wissenschaften umstricken. Die französische Musik gefiel ihm nicht, und das traurige Andenken an seine Mutter, die er dort begraben ließ, verleideten ihm den Aufenthalt in dieser Stadt gänzlich. Mit dem Schlusse des Jahres 1778 war er schon wieder in Salzburg.

1781 componirte er: Idomeneo Re di Creta, oder: Ilia ed Idamante, opera seria für den Fasching zu München.

Den Aufenthalt in dieser Stadt zählte Mozart unter die schönsten Tage seines Lebens, die ihm der Umgang mit so vielen verdienstvollen Männern bereitet hatte.

Von hier rief ihn ein Auftrag des Bischoffs in Salzburg, nach Wien. Von dieser Zeit an – seinem 25. Lebensjahre – lebte er in dieser Kaiserstadt, die durch den entschiedenen Hang des Publikums zur Musik, als durch die Menge vortreflicher Tonkünstler, die sie in ihren Mauern versammelt, gleich berühmt ist, und für Mozarts Geist außerordentlich wichtig seyn mußte.

Gewiß kann man behaupten, daß Mozarts Manier sich hier zu dem Grade der Gefälligkeit ausbildete, der sie nachmals ihren Zugang zu allen Herzen verdankte. Alle seine frühern Werke haben eine gewisse Steifheit, einen Mangel an Politur und Vertreibung der Farben, der sie im Vergleich gegen die neuern ungenießbar macht. Seine Schreibart hatte alle mögliche Anlagen zum düstern verworrenen Kontrapunktisten und hätten ihn Wiens tändelnde, gefällige Musen nicht zeitig mit ihren Rosengewinden umflochten, er wäre ganz in die Manier Emanuel Bachs gerathen. Seine Messen, zumal die kleinern aus D und B dur, und besonders sein Requiem, zeigen dieses auffallend. Auch im Idomeneo zeigen sich hin und wieder deutliche Spuren. Doch in der Folge mehr hierüber.

Von Wien aus verbreiteten sich seine Komposizionen zunächst nach Böhmen, von da nach Baiern und späterhin ins niedere Deutschland, und gaben dem Geschmacke in der Musik einen großen neuen Schwung, eine originelle Wendung, die aber seine bisherigen Nachahmer sehr verzerren und verderben. Auch hiervon bei näherer Auseinandersetzung seiner Manier deutlicher.

In Wien fand sein Spiel auf dem Pianoforte am schnellsten Bewunderer und Liebhaber. Wenn schon diese Stadt eine Menge großer Meister auf diesem Lieblingsinstrumente zählte, so kam doch keiner von ihnen unserm Mozart gleich. Eine bewundernswürdige Geschwindigkeit, die, vorzüglich in Rücksicht auf die linke Hand, einzig genannt zu werden verdient, Feinheit und Präzision, der schönste, redendste Ausdruck und ein Hauch der Empfindung, mit dem nur ein Mozart seine Töne beleben konnte, waren die hervortretendsten Karakterzüge seines Spiels, welche, gepaart mit seiner Gedankenfülle, mit der Weiche der Komposizion jeden Hörer bezaubern und Mozart zu dem größten Klavierspieler seiner Zeit erheben mußten.

Seine Klavierkomposizionen aller Art, Sonaten, Variazionen, Konzerte, wurden bald allgemein bekannt und beliebt. Jedes neue Werk überraschte durch seine Neuheit des Stiels und der Gedanken. Man staunte über die Höhe, zu der sich die Musik durch seine Werke so schnell emporschwang.

Mozart fand in Wien einen Tonkünstler, dessen Genie dem seinigen am ähnlichsten war, den Ritter Gluck, den unvergeßlichen Schöpfer des Ifigenie, Alzeste etc. Der Umgang mit ihm und das unablässige Studium seiner erhabenen Werke gab Mozarten viel Nahrung und hatte Einfluß auf seine Opernkomposizionen. Dieses Studium der Gluckischen Werk verräth sich dem Kenner vorzüglich in der Clemenza di Tito. – Man vergleiche die Chöre der Ifigenie auf Tauris mit dem Finalchore "o Nacht voll" und im Idomeneo das Schlußchor des zweiten Finals D mol sechsviertel Takt: Corriam fuggiamo etc. In Arien – worin Mozart einen ganz neuen Weg einschlug – war Gluck sein Muster nicht und konnte es nicht seyn. Aber die Chöre athmen ganz den Geist dieses großen Mannes. Auch wurde Mozart bald der innigste Verehrer des großen Vater Haydns, der schon damals der Stolz der Tonkunst war, und nun, nach Mozarts Uebergang der einzige Liebling – der Komponist der deutschen Nazion ist. – Mozart nannte ihn oft seinen Lehrer und gab ihm viele seiner Werke vor der Publikazion zur Durchsicht. Man erzählt, daß er die erste Ouverture zu seinem Don Giovanni zurückgenommen und umgearbeitet habe, weil Haydn einiges daran auszusetzen gefunden.

Nicht lange nachdem Mozart seinen Aufenthalt in Wien aufgeschlagen, faßte der unvergeßliche Kaiser Joseph II. die glückliche Idee, den Geschmack an italienischen Opern, durch kräftige Unterstützung deutscher Singspiele zu verdrängen, und den Nazionalgeschmack zu heben. Er versammelte die besten Sänger und Sängerinnen und ließ von Mozart eine Oper setzen. Für diese Virtuosen schuf Mozart die liebevolle Musik zu Brezners Entführung aus dem Serail 1782. Er war damals Bräutigam mit Konstanze Weber, einer Sängerin.

Sie erregte allgemeines Aussehen und allgemeinen – Neid der giftigen Italiener, die wohl einsahen, daß ein solcher Kopf für ihr welsches Geklingel bald gefährlich werden dürfe. Der Kaiser, so sehr er von der neuen, tiefeindringenden Musik entzückt war, sagte doch zum Verfasser, höchst wahrscheinlich gestimmt durch andere: "Zu schön für unsre Ohren, und gewaltig viel Noten, lieber Mozart!" "Gerade so viel, Ew. Majestät, als nöthig ist" war des Künstlers freimüthige Antwort, der es zu deutlich merkte, daß es nicht eignes, sondern nachgebetetes Urtheil war.