Mozart und Haydn - Versuch einer Parallele - Ignaz Ferdinand Cajetan Arnold - E-Book

Mozart und Haydn - Versuch einer Parallele E-Book

Ignaz Ferdinand Cajetan Arnold

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Beschreibung

Der literarische Versuch, das Leben und Schaffen der beiden berühmten Komponisten Mozart und Haydn aufzuarbeiten und zu vergleichen.

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Seitenzahl: 96

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn

Versuch einer Parallele

Ignaz Ferdinand Cajetan Arnold

Inhalt:

Joseph Haydn.

Karakterzüge aus seinem Leben.

Einzelne biografische Züge aus seinem Leben.

Haydns Doktorpromozion.

An Joseph Haydn.

W. A. Mozart und Joseph Haydn, Ignaz F. Arnold

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Frontcover: © Freesurf - Fotolia.com

Ignaz Ferdinand Arnold – Lexikalische Biografie

Deutscher Advokat, deutscher Schriftsteller und Organist, geboren am 4. April 1774 in Erfurt, verstorben am 13. Oktober 1812 ebenda. Er verfasste, zumeist anonym, eine lange Reihe von Trivialromanen aus den Genres Geisterroman, Schauerroman und Räuberroman, oft mit laszivem Inhalt. Er war ebenso als Übersetzer tätig. Er ist in der Galerie der berühmtesten Tonkünstler des 18. und 19. Jahrhunderts verzeichnet. Arnold war als Organist an der Ursulinenkirche und der Severikirche tätig. Er verfasste auch musikhistorische Werke.

Wichtige Werke

Der Mann mit dem rothen Ermel (1798-1799, 2 Teile)Das Bildniß mit den Blutflecken (1800)Mirakuloso (1802)Die Nachtwandlerin oder die schrecklichen Bundesgenossen der Finsterniß. Aus den Memoires des Grafen F**** gegenwärtigen Staatsgefangenen zu S****n (1802)Euridane, die Tochter der Hölle. Eine Pfaffen- und Geistergeschichte (1803)Der schwarze Jonas, Kapuziner, Räuber und Mordbrenner (1805)Zaubereien und Wunder nebst Geisterbeschwörungen und ihrer Erscheinung (1805)Erfurt in seinem höchsten Glanze während der Monate September und Oktober 1808 (1808)Bohemann, Haupt der asiatischen Brüder (1811, 2 Teile)

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Im Gesamten ist der Text zu finden unter http://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Ferdinand_Arnold.

Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn

Mozart ist unstreitig das größte musikalische Genie seines und aller Zeitalter. Mit Recht wird also diese Gallerie der Tonkünstler des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts mit ihm eröffnet.

Schon mehrere Biografien haben der Welt seinen Lebenslauf – mehr oder minder vollständig bekannt gemacht. So findet sich eine sehr kurze in Schlichtegrolls Nekrolog, im Museum deutscher Tonkünstler vom Prof. C.A. Siebigke im 2ten Bd. (Breslau B. Schall. 1801.) Dann die vollständige Biografie vom Prof. Nimtschek in Prag. Dann die vortrefflichen Züge, Bemerkungen, Anekdoten in den Bänden der allgemeinen musikalischen Zeitung – diesem vortrefflichen Repertorium der Litteratur der Tonkunst. Ich selbst hatte das Glük über den großen Tonkünstler ein Werk zu schreiben, das von der musikalischen Welt und dem gebildeten Publikum mit Beifall und liebender Nachsicht aufgenommen, und in der allgemeinen musikalischen Zeitung einer äußerst humanen und nachsichtsvollen Kritik gewürdigt wurde, wofür ich diesem allgemein als kompetent anerkannten musikalischen Forum meinen innigsten Dank abstatte, und worüber ich auch von der Wittwe Mozarts und dem verehrungswürdigen Aug. Eberhardt Müller einige schmeichelhafte Zuschriften erhielt. – Es ist Mozarts Geist. Seine kurze Biografie und ästhetische Darstellung seiner Werke. Ein Bildungsbuch für junge Tonkünstler; mit Mozarts Bildniß.

Nach diesem was bereits von Mozart von Andern und mir selbst gesagt worden, und worauf ich die Leser dieses Buches verweisen muß, bleibt mir im Verhältniß zu der Beschränkheit dieses Raumes wenig zu sagen übrig; wenn schon sich in den Werken des Künstlers eine Menge des reichhaltigsten Stoffes zu ästhetischen und artistischen Bemerkungen findet, Bände zu füllen. Ich werde mich demnach auf biografische Züge beschränken, die nach Erscheinung jener Werke zerstreut in der musikalischen Zeitung theils von der Wittwe, theils von der Schwester Mozarts, theils vom Herrn Rochliz dem Publikum mitgetheilt wurden.

Wolfgang Amadeus (Gottlieb) Mozart ist 1756. den 27sten Januar zu Salzburg geboren.

Er hatte noch eine ältere Schwester Namens Maria Anna. Sein Vater, Leopold Mozart, war der Sohn eines Buchbinders zu Augsburg, studirte zu Salzburg und kam 1743. als Hofmusikus in die fürstliche Kapelle. Sein Künstlertalent, verbunden mit seinem edeln Karakter, verschaften ihm 1762. die Stelle eines zweiten Kapellmeisters. Verheirathet mit Anna Bertlin, galten die beiden wegen ihrer vortheilhaften Körperbildung, für das schönste Ehepaar in Salzburg. Sie zeugten sieben Kinder, von denen aber nur zwei am Leben blieben; Maria Anna und unser Wolfgang.

Leopold Mozart, wenn ihn der Hofdienst nicht zu Verrichtungen seines Amtes rief, beschäftigte sich mit Komposizion und Unterricht auf der Violine. Seine Geschiklichkeit auf diesem Instrumente beweist seine allgemeinbekannte Violinschule, die er 1766. herausgab, und welche 1770. eine neue Auflage erlebte.

An beiden Kindern, und vorzüglich am Sohne nahm er viel Talent zur Musik wahr.

Seit dieser Entdekkung gab er alle Arbeiten und Lekzionen auf, und widmete jeden Augenblik, den er nicht im Dienste des Hofes zubringen mußte, der Entwikkelung und Ausbildung ihres Talents.

Dieser vortrefflichen Leitung verdankt Mozarts Genius den hohen Grad der Kultur, zu dem er sich aufschwang. Die ersten Eindrükke, die sein Ohr auffaßte, waren Harmonien und Gesang; Musik die ersten Begriffe, die sich in seine Seele ergessen. Ueberall kamen die gründlichen Kenntnisse des Vaters dem aufkeimenden Talente des Sohnes entgegen. So mußte früh der schlummernde Götterfunke erwachen. So wuchs er auf, der Musen und Grazien liebliches Kind, so reiste er der Vollkommenheit schnell entgegen.

Er war drei Jahr alt, als seine siebenjährige Schwester den ersten Unterricht auf dem Klavier bekam.

Hier äußerte sich sein Genie zuerst.

Stundenlang konne er sich ungeheißen am Klavier mit Zusammenstimmung der Terzen beschäftigen, die er dann, wenn er sie gefunden Hatte, wiederholt anschlug, und dabei die lebhafteste Freude äußerte. Der Vater brachte ihm leichte Stükken bei, und fand, daß sein dreijähriger Schüler alle Erwartung übertraf, indem er gewöhnlich in einer halben Stunde eine Menuet, oder ein Liedchen lernte, und mit dem angemessensten Ausdruk vortrug.

Mit dem lebhaftesten Temperamente vereinigte sich in dem jungen Mozart ein weiches inniges Zartgefühl. Seinen kindischen Spielen ergab er sich mit einer Innigkeit, die ihn alles übrige vergessen ließ. Liebe für alle Personen, war sein vorwaltender Hang. Jeden, der mit ihm umgieng, fragte er, ob er ihn lieb habe? auch nur scherzweise verneinte.

Allen Dingen und Personen, woran sein Geist einiges Interesse fand, ergab er sich mit der ganzen warmen und lebhaften Innigkeit, der ein so zart organisirter Mensch fähig ist.

Auch am Manne äußerte sich dieser Hauptzug seines Karakters deutlich, und nur zu oft zu seinem größten Nachtheil.

Mit dem sechsten Jahre komponirte er kleine Stükchen auf dem Klaviere, nach dem Gehör, die sein Vater in Noten sezzen mußte.

Von diesem Zeitpunkte an erhielt sein Tonsinn die Oberherrschaft, die ihm jede andere Spielerei gleichgültig machte, welche Kinder sonst entzükt. Nicht wie Schlichtegroll und andere – die keine Kenntniß vom abstrakten Studium der Musik haben – ihm nachschreiben: Mozart sey außer seinen musikalischen Beschäftigungen ein bloßes stehengebliebenes Kind gewesen. Ich muß gegen diese Absurdité Mozart um so mehr vertheidigen, je schwerer es einer gewissen Gattung von Gelehrten eingehen will, weil das Gegentheil ihrem Stolze schmeichelt, daß Musik eine Kunst sey, die tiefes Abstrahiren erfordere, und daher den Tonkünstlern gar zu gern den niedrigsten Plaz, oder wo möglich gar keinen unter den Künstlern anweisen möchten. Diese Herren, die sich in ihren Erholungsstunden eine Oper vorsingen lassen, ein Konzert besuchen, stehen in dem täuschenden Wahne, die Musik sey so leicht geschaffen, als vernommen, und haben, von den mechanischen Schwierigkeiten, die der Künstler überwinden muß, ehe er es nur zur Mittelmäßigkeit – geschweige zur Vollendung bringt, sehr sterile, von der mathematischen Tiefe der produktiven Tonkunst – der Komposizion – wahrhaftig gar keine Begriffe. Wer die Lehren der Klangverhältnisse, des doppelten Kontrapunkts überhaupt die heiligen – göttlichen Offenbarungen der Harmonien des Generalbasses, diese unerschöpflichen, studirt hat, wer je der himmlischen Weihe der Harmonie gewürdigt ward, kann mit Recht auf so manche sogenannte solide (id est Brod) Wissenschaft herabblikken, wie vom Gipfel des Chimboraço auf die Maulwurfshügel der Lüneburger Haide.

Musik ist eine sehr abstrakte Wissenschaft – Algebra des fühlenden Gemüths – eine wahre Mathematik des Geistes, eine mathematische Wissenschaft auch im strengsten Wortsinne, die das ganze Gemüth mit hohem Ernst erfüllt. – So wenig ein abstrahirender spekulativer Filosof, ein Mathematiker, schon vermöge der Wissenschaft, der er sich weiht, und in deren Karakter sich sein ganz Gemüth kleidet, in seinem übrigen Benehmen kindisch scheinen kann, eben so wenig kann es der produktive Tonkünstler; am allerwenigsten einer wie Mozart. Daß er seine schwere Kunst mit Leichtigkeit zu behandeln wußte, lag in der glüklichen genialen Präpotenz seines genialen Gemüths, in der Jovialité seiner Kunst. Die Musik ist eine belebende Kunst, und wen sie belebt, muß wohl nothwendiger Weise lebendig werden. Postillen und Aktenstaub stikt und erwürgt, daher die erwürgten und erhängten Urtheile über eine Kunst, die ihnen ganz fremd ist. Aber freilich hört sich eine Mozartsche und Hayd'nsche Simfonie, ein herzlich naives Liedchen vom ehrwürdigen Vater Hiller leichter an, dringt geschmeidiger ins Ohr und Herz, als eine Sentenz: cum expensis oder achtwöchentlichem Arrest – und folglich ist die Musik eine weit leichtere Kunst, als die sogenannten soliden Wissenschaften, denn Ketten und Geldsäkke sind ja offenbar schwerer als Töne, Töne sind Luft, die Musik ist eine luftige Kunst, Luft ist nichts solides atqui ergo ist die Musik keine solide Kunst. Man schwizt nicht beim Anhören einer schönen Musik – und folglich ist sie keine schwere Kunst. Sieht man doch auf allen Jahrmärkten Kinder mit der Drehorgel und der Tambourine musiziren, und so konnte ja wohl auch Mozart, wenn er eben kein Requiem, oder Don Juan zu komponiren hatte, zur Abwechslung ein Bischen den Kräusel treiben, oder auf dem Stekkenpferde reiten? – –

Mozarts überreiche Fantasie war schon in den Kinderjahren, wo sie in gemeinen Menschen noch schlummert, so wach, so lebhaft, vollendete das, was sie einmal ergriffen hatte, schon so, daß man sich nichts Sonderbareres, und, in gewissem Betracht, Rührenderes denken kann, als die schwärmerischen Schöpfungen derselben, welche, da der kleine Mensch noch so gar wenig von der wirklichen Welt wußte, himmelweit von dieser entfernt waren. Um nur Eins anzuführen: Da die Reisen, welche wir (er und ich – erzählt seine Schwester, – Reichsfreyin, Frau von Berchtold zu Sonneburg, welcher wir diese und die drei folgenden Züge in der All. M. Zeitung (2ten Jahrg. 22. Januar 1800. No. 17. S. 300.) verdanken) machten, ihn in unterschiedne Länder führten, so sann er sich, während, daß wir von einem Orte in den andern fuhren, für sich selbst ein Königreich aus, welches er das Königreich Rükken nannte. – Warum gerade so, weiß ich nicht mehr. Dieses Reich und dessen Einwohner wurden nun mit alle dem ausgestattet, was sie zu guten und fröhlichen – Kindern machen konnte. Er war der König von diesem Reiche: und diese Idee haftete so in ihm, wurde von ihm so weit verfolgt, daß unser Bedienter, der ein wenig zeichnen konnte, eine Karte davon machen mußte, wozu er ihm die Namen der Städte, Märkte und Dörfer diktirte.

Zu seinen Eltern hatte er eine so zärtliche Liebe, besonders zu seinem Vater, daß er eine Melodie komponirte, die er täglich vor Schlafengehen, wozu ihn sein Vater auf einen Sessel stellen mußte, vorsang. Der Vater mußte allezeit die Sekonde dazu singen, und wenn dann diese Feierlichkeit vorbei war, welche keinen Tag durfte unterlassen werden, so küßte er den Vater mit innigster Zärtlichkeit, und legte sich dann mit vieler Zufriedenheit und Ruhe zu Bette. Diesen Spaß trieb er bis in sein zehntes Jahr.

In London, wo unser Vater bis zum Tode krank lag, durften wir kein Klavier berühren. Um sich also zu beschäftigen, komponirte Mozart seine erste Simfonie mit allen Instrumenten – vornemlich mit Trompeten und Pauken. Ich mußte sie, neben ihm sizzend, abschreiben. Indem er komponirte und ich abschrieb, sagte er zu mir: Erinnere mich, daß ich dem Waldhorn was Rechts zu thun gebe!