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Die beiden Kurzgeschichten beinhalten eine Auseinandersetzung mit den Themen Macht und Liebe, immer mit einem Augenzwinkern und dennoch teilweise durchaus ernst gemeint. Es wird aufgezeigt, was passieren könnte. Manchmal entwickelt sich eine unaufhaltsame Eigendynamik, die alles mit sich reißt, so daß kein Stein mehr auf dem anderen bleibt.
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Seitenzahl: 71
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Anno Dazumal
Noch was zum Lesen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
und
Auf den Schwingen der Liebe
Impressum neobooks
Die Sonne schien. „Schein oder nicht Schein?“ hatte der Mond sie gefragt, als er vorbeigekommen war, um für die universelle Kollekte zu sammeln. „Du bist so heiß wie ein Vulkan - und heut verbrenn’ ich mich daran“, hatte er ihr zugeflüstert, doch die Sonne wußte, daß weder der Mond noch der Mann im Mond geeignete Lebensabschnittsgefährten waren. Auf einem Stern sah man den kleinen Prinzen, wie er sich an seiner Rose verging, doch es sollte noch Jahrhunderte dauern, bis auch die Vergewaltigung von Pflanzen strafbar sein würde. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf die Erde und wenn man so runterschaute, dann sah das Ganze wie ein Sandkasten aus, in dem lauter kleine Kinder spielten. Iran war der böse Bube, denn er wollte dasselbe Spielzeug haben wie der stärkste Junge, der Amerika hieß. Den Irak und Afghanistan hatte Amerika erst ordentlich verprügelt und jetzt päppelte er sie wieder auf. Frankreich drohte Iran mit dem Zeigefinger und später mit dem Mittelfinger, Deutschland, England, Italien und Spanien versuchten, zwischen den Streithähnen zu vermitteln und der Russe und der Chinese machten derweil ihre Geschäfte mit dem bösen Buben. Ach ja und da war natürlich noch Israel, den Iran überhaupt nicht leiden konnte und deswegen umbringen wollte. Amerika aber beschützte Israel und so ging das Kinderspiel im Sandkasten weiter. Israel hatte Syrien und seinen Brüdern einst ein paar Eimerchen mit Sand weggenommen und nicht mehr zurückgegeben. Früher hatte Israel keine Heimat gehabt und war in Deutschland und später in ganz Europa, nachdem Deutschland den halben Sandkasten besetzt hatte, verfolgt worden, doch dann hatte Israel seine eigene Sandburg gebaut und dazu die Araber aus dem Sandkasten vertrieben. Afrika zum Beispiel hätte auch einen Platz im Sandkasten verdient gehabt, stand aber draußen und durfte nicht mitspielen. Es war ein merkwürdiges Sandkastenspiel, das man da beobachten konnte, immer wieder machten sich die Jungs gegenseitig die Sandburgen kaputt und prügelten sich wegen Nichtigkeiten. Der starke Amerika ließ ständig seine Muskeln spielen und mischte sich überall ein. Bei allen Sandburgen wollte er mitreden und seine Fähnlein steckte er überall hinein, selbst in den größten Scheißehaufen. Rußland und China sahen das mit Argwohn und Mißfallen, doch einige Araber hatten zwei Sandtürme von Amerika kaputtgemacht und seitdem hatte Amerika Narrenfreiheit und niemand durfte etwas dagegen sagen. So sah die Erde aus von oben betrachtet. Wir tauchen ein in diese Welt des Jahres 2006 und versuchen uns an einem Stück satirischer Gegenwartsliteratur, in der Hoffnung, die Menschen damit zu betäuben und blind zu machen, so daß die Jungs im Sandkasten ungestört weiterspielen können. Denn stell’ Dir vor, was los wäre, wenn sich die alle einfach vertragen würden! Das wäre doch nicht auszuhalten, dann würde es ja am Ende gar Frieden geben und daran kann wirklich niemand dein Interesse haben, denn ohne staatlichen und staatenlosen Terrorismus wäre es doch viel zu langweilig auf der Erde und das darf doch wirklich nicht sein. Tauchen wir ein in die wunderbare Welt.
„Was willst Du von mir?“ schrie Günther die Frau an, die ihn seit ein paar Minuten verfolgte. „Ich will meine Tasche zurück, die Du mir gestohlen hast“, entgegnete sie. Da blieb er stehen, schaute sie mit feindseligen Blicken an und überlegte. Er wußte, daß er die Tasche als Ganzes nicht behalten konnte, aber er wollte auch nicht mit leeren Händen nach Hause kommen, nachdem er sich so große Mühe gegeben hatte. Die Autos fuhren auf der Straße an ihnen vorbei, die ersten Passanten blieben interessiert stehen und der frische Wind wirbelte jede Menge Blätter auf. Deutschland im Herbst. Günther öffnete die Handtasche und fand darin einen Brief, den er herauszog. „Das ist ein Brief von meiner Mutter. Gib den sofort her!“ verlangte sie, doch er betrachtete ihn genauer und meinte dann: „Das ist ein Brief von Deinem Geliebten. Du betrügst Deinen Ehemann und belügst mich. So etwas finde ich total widerwärtig.“ Daraufhin spuckte er vor ihr aus. „Na und? Das geht Dich gar nichts an! Du bist ein gemeiner Dieb und gehörst in den Knast!“ wetterte sie und als sie die umstehenden Leute bemerkte, fügte sie hinzu: „Und Ihr: Glotzt nicht so blöd und verschwindet!“ Günther erkannte die Möglichkeit, vom primitiven Taschendieb zu einer rmoralischen Instanz zu werden und verkündete: „Um den moralischen Verfall in diesem Land dokumentieren zu können, muß man zu unorthodoxen Mitteln und Methoden greifen. Vor nicht allzu langer Zeit hätte man eine Ehebrecherin wie Dich gesteinigt. Du kannst froh darüber sein, daß ich Dir Deine verruchte Tasche weggenommen habe, denn so wirst Du nicht länger in Versuchung geführt und kannst ein moralischeres Leben beginnen.“ Die ersten Leute klatschten und die Frau wurde langsam unsicher. „Ich, äh, also, ich glaube, in was für einem Land leben wir eigentlich? Dieser Mann hat mir meine Tasche gestohlen und jetzt spielt er sich hier als mein Richter auf!“ empörte sie sich. Da kam ein Geistlicher heran, legte seine Hand auf ihre Schulter und redete beruhigend auf sie ein: „Junge Frau, wir alle machen mal einen Fehler, aber es steht ja wohl außer Frage, daß Ehebruch ein weitaus schlimmeres Delikt als Diebstahl ist. Außerdem war dieser Diebstahl notwendig, um Dich auf den rechten Pfad der Tugend zurückzuführen. Du solltest Dich bei diesem Mann dafür bedanken, daß er Dir dabei geholfen hat.“ Auch für die Worte des Priesters gab es Applaus. Günther nutzte die Gunst der Stunde, um die Sympathien, die ihm galten, sogleich zu verfestigen. Er verkündete: „Das heute ist ein historischer Tag für uns alle. Ich habe meine Berufung gefunden und werde dafür sorgen, daß in diesem unserem Land Werte und Moral wieder eine entscheidende Rolle spielen. Sekundärtugenden wie Sitte, Anstand, Höflichkeit, Disziplin, Treue, Pflichterfüllung und Ehrlichkeit müssen wieder Priorität haben. Mein Name ist Günther und ich werde für eine geistig-moralische Wende in diesem Land sorgen.“ Ein alter Mann stieß seine Frau an und krächzte: „Das haben wir doch alles schon mal gehört. Wann war das gleich wieder gewesen?“ „1933“, vermutete sie. „Gut möglich. Nein, Moment mal, ich glaube es war etwas später, ja genau und zwar 1982.“ „Richtig. Jetzt fällt’s mir auch wieder ein. Da war doch dieser große dicke Mann, der auch sowas versprochen hat.“ Knapp 25 Jahre später war es wieder soweit. Günther hatte endlich eine Aufgabe für sich gefunden und er machte sich mit Feuereifer daran, seine Visionen umzusetzen. Erst half er einer jungen Frau über die Straße, danach kaufte er einem Kind ein Eis.
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