Notärztin Andrea Bergen 1486 - Kathi Sommerfeld - E-Book

Notärztin Andrea Bergen 1486 E-Book

Kathi Sommerfeld

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Beschreibung

Ein Anruf genügt und die erfolgreiche Pilotin Elisa fällt buchstäblich aus allen Wolken: Ihr Vater ist zusammengebrochen und liegt auf der Intensivstation. Die schreckliche Diagnose lautet Pulmonale Hypertonie. Sofort kehrt Elisa in ihre Heimatstadt zurück, um für ihre Eltern da zu sein.
Jetzt kann nur noch eine äußerst riskante Transplantation von Herz und Lunge das Leben ihres Vaters retten. Aber wird er die Wartezeit überleben? Schließlich nimmt die Bereitschaft zur Organspende in den letzten Jahren immer weiter ab!
Es ist fast ein Wunder: Schneller als gedacht erreicht die erlösende Nachricht die Familie: Es wurde ein passender Spender gefunden. Dr. Hesse bereitet alles für die Operation vor, aber noch im Saal kommt es zu einem Notfall ...

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Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Dreizehneinhalb Stunden im OP

Vorschau

Impressum

Dreizehneinhalb Stunden im OP

Das Elisabeth-Krankenhaus ist jetzt auch Transplantationszentrum! Großartig, wie mein neuer Kollege Richard Hesse sich nach Kräften dafür eingesetzt hat.

Unser erster Fall ist gleich ein besonders schwieriger: eine Herz-Lungen-Transplantation! Richard Hesse will bei dem großen Eingriff selbst als Anästhesist dabei sein. Doch er scheint befangen. Denn die Tochter des Patienten, Elisa, hat es Richard sichtlich angetan. Ich erkenne doch einen verliebten Mann! Ob die junge Pilotin seine Gefühle erwidert?

Ich treffe ihn vor dem großen Eingriff, er steht unter Hochdruck, seine Stirn ist schweißbedeckt. Was ist bloß mit ihm los? Ich rate ihm dringend, einen anderen Anästhesisten an die Sache gehen zu lassen. Doch davon will er nichts hören. Als hätte ich die Katastrophe kommen sehen: Richard Hesse bricht mit einer Panikattacke im OP zusammen. Um Himmels willen! Ich eile zur Hilfe und bete in Gedanken, dass der komplizierte Eingriff gutgeht. Es steht doch mehr als ein Menschenleben auf dem Spiel ...

Stumm saß Dr. Andrea Bergen am Bett der Patientin und betrachtete deren Gesicht, das so friedlich wirkte, als würde sie nur schlafen. Aber die Notärztin wusste, dass das nicht stimmte: Manuela Pfeiffer war hirntot. Ihr Blutkreislauf wurde lediglich durch Maschinen und Medikamente aufrechterhalten.

Und obwohl Andrea fast täglich als Notärztin im Einsatz war, hatte sie dieser besondere Fall seit der Einlieferung der Patientin nicht mehr losgelassen. Denn unter Manuelas T-Shirt wölbte sich ein Babybauch.

Seit drei Tagen war die Schwangere tot. Es ging alles so schnell: Nach einem vermeintlich harmlosen grippalen Infekt hatte ihr Ehemann die 112 gewählt, weil seine Frau plötzlich über starke Kopfschmerzen klagte. Der steife Nacken hatte den Verdacht auf eine Hirnhautentzündung, zum Beispiel mit Pneumokokken, nahegelegt.

Zusammen mit Rettungsassistent Ewald Miehlke hatte die Notärztin die wimmernde Patientin so schnell wie möglich ins Krankenhaus gebracht, aber es war bereits zu spät gewesen: Das Antibiotikum hatte nicht angeschlagen, die Patientin wurde bewusst-los und erwachte nicht wieder aus dem Koma.

Jetzt unternahmen die Ärzte und Pfleger der Intensivstation alles, um wenigstens Manuelas ungeborenes Kind zu retten.

Andrea Bergen wusste von einer Handvoll ähnlicher Fälle in Europa – manchmal war das riskante Vorhaben geglückt, manchmal nicht. Aber weil die Plazenta die Entwicklungen des Fötus eigenständig hormonell steuerte, konnte er sich weiterentwickeln, solange die Mutter an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen war.

»Halt nur noch ein paar Tage durch, kleiner Schatz«, sagte sie, »dann hast du es geschafft, und wir können dich auf der Welt willkommen heißen. Das Leben ist so schön, das willst du nicht verpassen.«

Andrea stieß einen wehmütigen Seufzer aus und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

Da ging die Tür auf, und Schritte ertönten hinter ihr. Sie drehte sich um.

»Hallo, Herr Pfeiffer.«

Andrea stand auf, damit er sich ans Bett zu seiner Frau setzen konnte. Aber er blieb stehen und drehte ihr den Kopf zu.

»Sie ist so stark«, schluchzte er. »Viel stärker als ich.«

Andrea schüttelte den Kopf und legte ihm behutsam eine Hand auf die Schulter.

»Sie ist sehr tapfer, aber das sind Sie auch.«

Von Anfang an hatte sie bewundert, mit wie viel Fassung dieser Mann, der bald Witwer sein würde, die Situation meisterte.

»Ich muss doch stark sein, für sie.«

Andrea wusste, dass er damit nicht seine Frau, sondern die gemeinsame ungeborene Tochter meinte.

»Sie werden ein wunderbarer Vater sein.« Sie zog die Hand zurück und wandte sich zum Gehen. Doch dann drehte sie sich noch einmal um. »Wenn Sie etwas brauchen, ganz egal, was, melden Sie sich bitte. Es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen, und wir finden sicher eine Lösung.«

Sie reichte ihm eines ihrer Visitenkärtchen aus der Kitteltasche.

Herr Pfeiffer nahm es entgegen und nickte mit wässrigen Augen, dann setzte er sich zu seiner Frau.

Seit einigen Jahren arbeitete Andrea schon als Notärztin am Elisabeth-Krankenhaus, und sie hatte in dieser Zeit viele tragische Patientenschicksale hautnah miterlebt. Doch die dramatische Geschichte von Herrn Pfeiffer und seiner Frau würde sie nie vergessen können, das wusste sie schon jetzt.

Sie hoffte nur, dass es dank der modernen Medizin wenigstens für das jüngste Mitglied der Familie Pfeiffer ein gutes Ende nehmen würde.

***

Elisa hob ihr Cocktailglas und prostete ihrer besten Freundin zu.

»Du bist unglaublich, weißt du das?«

»Ja, das weiß ich.« Tanja zwinkerte ihr zu. »Hast du vielleicht gedacht, ich lasse dich an deinem Geburtstag allein feiern? Man wird nur einmal fünfunddreißig!«

»Ganz allein wäre ich ja nicht gewesen«, widersprach Elisa.

Sie hatten gerade mit der Crew im Platillos, einem gemütlichen Restaurant in Barcelona, gegessen, aber inzwischen waren die anderen ins Hotel zurückgekehrt. Morgen Mittag ging bereits ihr Flug zurück nach Deutschland. Und sie selbst würde den Airbus A330 steuern.

»Das ist nicht dasselbe, das sind schließlich deine Kollegen. Trotzdem hoffe ich, dass ich in Zukunft nicht jedes Mal um die halbe Welt jetten muss, um meine beste Freundin zu sehen.«

Tanja zog sie nur auf, das wusste Elisa. Genau genommen war es wohl eher ein Zufall gewesen, dass der Familienurlaub ihrer Freundin sich mit Elisas Dienstplan auf so erfreuliche Weise überschnitten hatte.

»Wie gefällt es denn Max und den Kindern?«

»Gut. Vielleicht sogar ein bisschen zu gut – die Kleinen wecken mich jeden Morgen um sechs, weil sie zum Strand wollen.« Tanja spießte noch eine Olive von der Tapas-Platte auf. »Umso schöner, dass ich mal einen Abend freihabe.« Sie legte den Kopf schief und lächelte versonnen.

Elisa war froh, dass ihr Leben nur von ihrem Dienstplan bestimmt wurde. Der ließ zwar manchmal auch nicht besonders viel Schlaf zu, war aber wenigstens vorhersehbar.

Für Kinder hätte sie gar keine Zeit. Abgesehen davon, dass es seit der Trennung von ihrem Ex-Freund vor drei Jahren nur ein paar Urlaubsbekanntschaften in ihrem Leben gegeben hatte, aber keinen Mann für etwas Festes.

Und das war auch gut so, redete sich Elisa ein, denn welcher Mann wollte schon eine Pilotin zur Frau? Und damit eine Partnerin, die jeden zweiten Tag in einem anderen Land war und nicht einmal sicher sagen konnte, ob sie an seinem Geburtstag oder an Weihnachten zu Hause sein würde? Da war sie lieber unabhängig.

Das Klingeln ihres Handys riss sie aus den Gedanken.

»Oh, wahrscheinlich noch ein Gratulant.« Sie nickte Tanja entschuldigend zu und zog das Smartphone aus der Handtasche. Auf dem Display leuchtete der Name ihrer Schwester Anne auf.

Komisch, dachte Elisa. Anne hatte doch am Morgen schon angerufen, um ihre Glückwünsche zu übermitteln. Zusammen mit Elisas Eltern, denn als Nesthäkchen wohnte die zehn Jahre jüngere Anne noch zu Hause.

Ein ungutes Gefühl beschlich Elisa, und plötzlich hatte sie einen schweren Stein im Magen. Sie nahm den Anruf entgegen und meldete sich zögerlich.

»Hallo, Anne, was gibt's denn?«

»Papa ist im Krankenhaus.«

Dieser Satz reichte aus, um Elisa den Boden unter den Füßen wegzureißen. Sie war so erschrocken, dass sie im ersten Moment kein Wort herausbrachte, und fühlte sich wie betäubt. Am liebsten wollte sie diesen falschen Film anhalten und zurückspulen, damit der Abend doch noch eine andere Wendung nahm.

»Was?«, brachte sie schließlich hervor. »Was soll das heißen, Anne? Was ist mit ihm?«

»Er ist umgekippt, nachdem er den ganzen Tag deinen alten Bauernschrank aufgearbeitet hat – als Geburtstagsgeschenk. Jetzt liegt er auf der Intensivstation, und die Ärzte können noch nichts sagen. Du solltest schnellstens nach Hause kommen!«

Elisa spürte Tanjas fragenden Blick auf sich, wahrscheinlich war ihr die Fassungslosigkeit deutlich anzusehen. Sie schüttelte langsam den Kopf. Auch ohne den vorwurfsvollen Unterton in den Worten ihrer Schwester hätte sie sich schuldig gefühlt.

Bernd, ihr Vater, hatte schon lange vorgehabt, dem Schrank neues Leben einzu-hauchen, um ihn Elisa zu schenken, wenn sie denn mal sesshaft würde, wie er es nannte.

Sie hing zwar an dem Möbelstück, das einst ihrer Großmutter gehört hatte, aber für Bernd war es wohl so etwas wie ein Symbol für Familie und Zusammenhalt. Dafür, dass Elisa irgendwann nach Hause kommen würde. Wann auch immer das wäre.

»Wie ernst steht es um ihn?«, fragte sie atemlos.

Anne schnaubte. »Ich habe doch gesagt, die Ärzte wissen noch nichts. Wann bist du da?«

Elisa überlegte einen Augenblick lang. »Ich glaube, heute Nacht gibt es keinen Flug mehr nach Frankfurt. Planmäßig landen wir morgen um vierzehn Uhr – ich komme, so schnell ich kann.«

»Das ist nicht schnell genug«, erwiderte Anne scharf. »Du bist doch Pilotin, wieso musste du darauf warten, dass ...« In diesem Moment hörte Elisa auch die Stimme ihrer Mutter im Hintergrund. Sie klang, als hätte sie viel geweint.

»Anne? Anne, gib mir das Telefon!«

Kurz darauf war tatsächlich ihre Mutter am Apparat.

»Es tut mir leid, Elisa, dass wir deinen Geburtstag ruinieren.« Sie schniefte.

»Mama, nicht! Wenn es Papa schlecht geht, möchte ich das natürlich wissen. Was ist passiert?«

Ihre Mutter seufzte tief. »Bernd hat schon länger Probleme. Er ist so kurzatmig, bekommt schlecht Luft – und heute hat er sich übernommen.«

»Schon länger?«, fragte Elisa irritiert zurück. Ihr Vater war ein Baum von einem Mann und früher hatte ihn nichts so leicht außer Gefecht setzen können. »Wieso habt ihr mir nie etwas erzählt?« Weil du nie da warst, flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf, die nur ihr schlechtes Gewissen sein konnte.

»Wir wollten nicht, dass du dir Sorgen machst und wir ... wir hätten nicht gedacht, dass es so schlecht um ihn steht.« Ihre Mutter schluchzte hörbar auf. »Ich mache mir solche Vorwürfe.«

»Es tut mir so leid, Mama. Ich komme, so schnell ich kann, ja? Ich sehe gleich nach, ob ich heute Nacht noch irgendwie nach Deutschland fliegen kann. Wenn nicht nach Frankfurt, dann an einen anderen Flughafen und von dort nehme ich den Zug oder ein Taxi ...«

»Nein«, unterbrach ihre Mutter. »Du fliegst doch morgen sowieso nach Hause. Und im Moment können wir gar nichts tun, die Ärzte im Elisabeth-Krankenhaus kümmern sich um Bernd. Außerdem ist dein Geburtstag, ich ... ich wollte dich eigentlich gar nicht anrufen. Bitte nimm Anne ihre schroffe Art nicht übel, ja? Sie ist gerade auch sehr durcheinander.«

Es zerriss Elisa beinahe das Herz, wie mitgenommen ihre Mutter klang.

»Schon gut, Mama. Ich sage Bescheid, sobald ich etwas Neues weiß, und ich komme so schnell wie möglich.« Sie verabschiedete sich und legte auf.

»Ein Notfall zu Hause?« Tanja musterte sie besorgt.

Elisa nickte und erzählte Tanja, was ihre Mutter und ihre Schwester ihr berichtet hatten. Dabei zitterte ihre Stimme, und sie musste die Tränen zurückhalten, was sie selbst überraschte. Normalerweise war sie doch immer so besonnen und pragmatisch. Und vielleicht hatte das alles ja eine harmlose Ursache.

Das Elisabeth-Krankenhaus genoss einen ausgezeichneten Ruf, sicher kümmerte sich das Expertenteam dort gut um ihren Vater.

In Zukunft würde er dann vielleicht endlich einsehen, dass er keine zwanzig mehr war, sondern nächstes Jahr schon sein siebtes Lebensjahrzehnt begann, und dann würde alles wieder gut werden. An diese Hoffnung klammerte sich Elisa zumindest, als ihre Freundin sie umarmte und tröstend an sich drückte.

Sie war glücklich gewesen in ihrem aufregenden, selbstbestimmten Leben – und ja, vielleicht auch ein bisschen zu egoistisch.

Aber sie hatte geglaubt, dass ihre Eltern, die ihre Ausbildung nach Kräften unterstützt hatten und immer so stolz auf ihre Tochter gewesen waren, es im Grunde nicht anders wollten. Egal, wie oft ihr Vater scherzhaft von einer Wohnung in ihrer Heimat oder von Enkeln sprach.

Offenbar konnten manche Probleme einen einholen, egal, wie viele tausende Kilometer man von zu Hause entfernt war.

***

Pizza, Pasta, Risotto. Immer das Gleiche. Richard studierte gedankenverloren die Speisekarte des italienischen Restaurants, das nur wenige Straßen vom Elisabeth-Krankenhaus entfernt lag. Er klappte die Karte zu und gab beim Kellner die Bestellung auf.

»Bringen Sie mir einfach die Empfehlung des Tages. Vielen Dank.«

Er hatte ohnehin jedes Gericht auf der Karte schon probiert, weil in diesem Restaurant, aufgrund seiner Nähe zur Klinik, häufig Betriebsfeiern oder kleine Zusammenkünfte des Kollegiums abgehalten wurden.

Praktischerweise war er direkt nach seiner Schicht hergekommen – beinahe hätte er sogar vergessen, seinen Kittel abzulegen. Ein Lächeln schlich sich bei dieser Vorstellung auf Richards Lippen.

Beiläufig hob er den Kopf, um seiner Begleitung zuzunicken und ihr so zu vergewissern, dass er sich nicht über sie lustig machte.

»Schön, dass wir es trotz der vollen Dienstpläne geschafft haben, mal zusammen essen zu gehen.«

Dr. Maja Hochstadt, seine Kollegin aus der Inneren Medizin, erwiderte sein Lächeln und errötete sichtlich.

Im Gegensatz zu ihm hatte sie sich für ihre Verabredung mit viel Mühe zurechtgemacht: Ihre blonden Haare waren hochgesteckt, und sie trug ein enganliegendes schwarzes Kleid. Im Kittel aufzukreuzen, wäre ihr bestimmt nicht in den Sinn gekommen.

»Das stimmt«, sagte sie. »Und dann auch noch in meinem Lieblingsrestaurant. Ich liebe die italienische Küche. Und du?«

»Ich esse gern asiatisch.«

»Das ist mir viel zu scharf.«

»Na ja, ich habe ein Semester in Bangkok studiert und mich währenddessen wohl daran gewöhnt.«

»Das ist ja interessant! Eine Freundin von mir war neulich in Bangkok im Urlaub. Sie fand es allerdings schrecklich schwül und laut.«

Richard öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn aber gleich darauf wieder. Sicher wusste Maja selbst, dass man von der thailändischen Metropole als Urlauber kaum einen authentischen Eindruck bekam.

»Und du, verreist du gern? Was ist denn dein liebstes Urlaubsziel?«

»Ich mache am liebsten Urlaub auf Balkonien«, scherzte sie. »Oder im Allgäu bei meiner Familie. Jedenfalls bleibe ich meist in Deutschland.« Sie senkte die Stimme ein wenig. »Ich habe ein bisschen Flugangst. Und auf dem Schiff oder bei langen Autofahrten wird mir übel.«

»Das tut mir leid.«

»Muss es nicht.« Maja wirkte tatsächlich nicht sonderlich betrübt.

Er hingegen fand die Vorstellung, niemals zu verreisen, schrecklich.

Für einen Moment schweiften Richards Gedanken zu seiner Studentenzeit und den ersten Jahren seiner Karriere zurück. Er war in den Semesterferien viel herumgekommen, ebenso während seiner Ausbildung: Neben der Zeit in Bangkok hatte er für eine Organisation gearbeitet, die medizinische Nothilfe im Kongo und im Mittelmeerraum leistete.

Die Beschäftigung mit dem Thema Transplantationsmedizin hatte ihn schließlich ans Elisabeth-Krankenhaus geführt, das gerade im Begriff war, zum Transplantationszentrum ausgebaut zu werden.

Und obwohl er seinen Job liebte – seit einem halben Jahr arbeitete er dort als Anästhesist –, sehnte er sich manchmal nach mehr. Nach neuen Herausforderungen, nach einem Abenteuer.

Während die meisten seiner Kollegen spätestens in ihren Dreißigern daran dachten, zu heiraten und eine Familie zu gründen, hatte er jedenfalls selbst mit fast vierzig noch nicht das Bedürfnis, seine Freiheit aufzugeben.