Notärztin Andrea Bergen 1534 - Kathi Sommerfeld - E-Book

Notärztin Andrea Bergen 1534 E-Book

Kathi Sommerfeld

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Als die engagierte Neurologin Carina Rieß mit ihrem Sohn in eine neue Stadt zieht, hofft sie auf einen Neuanfang. Doch die Arbeit am Elisabeth-Krankenhaus fordert sie rund um die Uhr, und zu Hause beginnt ihr Teenagersohn Leo plötzlich, Probleme in der Schule zu machen. Der Grund? Sein neuer Chemielehrer Max Kirchhoff - ein strenger, aber faszinierender Mann. Als Carina ihn auf dem Elternabend begegnet, ahnt sie noch nicht, dass sie bald nicht nur um das Vertrauen ihres Sohnes kämpfen wird - sondern auch um das Leben des attraktiven Lehrers. Denn hinter Max' harter Schale verbirgt sich nicht nur ein gebrochenes Herz, sondern auch ein medizinisches Rätsel, das Carina nicht ignorieren kann. Aber wird er sich von ihr helfen lassen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Das Rätsel seiner Krankheit

Vorschau

Impressum

Das Rätsel seiner Krankheit

Das Schulfest hätte ein schöner Tag werden sollen – doch dann gab es einen Notfall. Max Kirchhoff, der Chemielehrer meiner Tochter Franzi, brach plötzlich mitten in einer Vorführung zusammen. Ich war sofort zur Stelle – doch jemand war schneller: Dr. Carina Rieß, meine Kollegin aus der Neurologie und die Mutter von Franzis Klassenkamerad Leo. Sie kniete bereits neben dem Lehrer, prüfte seinen Puls und sprach beruhigend auf ihn ein. Ich habe sie noch nie so besorgt erlebt. Dass sie als Ärztin hilft, stand außer Frage. Doch in ihrem Blick lag mehr als nur berufliche Fürsorge.

Schon seit Wochen hatte sie seine Symptome beobachtet – das Zittern, die Erschöpfung, die Momente der Verwirrung – und ahnte, dass etwas mit Max Kirchhoff nicht stimmte. Es war ihr nun sehr wichtig, ihn persönlich ins Krankenhaus zu begleiten. Und ich frage mich: Kämpft sie nur als Ärztin um ihn – oder als Frau, die ihm längst nähersteht, als sie es sich eingestehen will?

»So ein Glück.« Die Notärztin Dr. Andrea Bergen seufzte erleichtert auf und ließ ihren Blick über den Krankenhauspark gleiten. Auf der Wiese waren Narzissen und Krokusse zu sehen, die ihre Köpfe durch den Rasen steckten. Die Blütenpracht in Gelb und Lila kündigte wie jedes Jahr den Frühling an, aber für eine Patientin würde dieser Frühling etwas ganz Besonderes sein. »Wie geht es Frau Brandt mit diesen Neuigkeiten?«, fragte Andrea und wandte sich zu ihrer Kollegin Dr. Lore Keller um, die neben ihr auf der Bank saß und ebenfalls die Hände um einen wärmenden Kaffeebecher geschlungen hatte.

Die Internistin hatte ihr gerade mitgeteilt, dass der letzte Bestrahlungstermin für die Patientin bevorstand.

»Sie weiß natürlich, dass der Krebs jederzeit zurückkehren kann«, bemerkte Lore mit abwesendem Blick. »Andererseits kann niemand von uns wissen, was die Zukunft bereithält. Ich denke, ihr Optimismus und Lebensmut sind die besten Voraussetzungen dafür, dass Frau Brandt noch lange gesund bleibt. Vor allem jetzt, wo sie so große Pläne hat.«

Andrea nickte. »Hast du etwas dagegen, wenn ich kurz nach ihr sehe? Sie war eine großartige Lehrerin für Franzi und wollte den Kindern noch so viel mit auf den Weg geben. Ich würde mich gern persönlich von ihr verabschieden.«

Lore schmunzelte in sich hinein. »Natürlich habe ich nichts dagegen. Wer weiß, wie es um Frau Brandt stünde, wenn du sie damals nicht so zügig an mich überwiesen hättest. Außerdem kenne ich dich gut: Dir geht jedes einzelne Patientenschicksal nahe.«

»Wie so oft hast du recht. Wir sehen uns später.«

Andrea trank ihren Kaffee aus, strich ihrer langjährigen Freundin sanft über die Schulter und machte sich auf den Weg zum Bestrahlungszimmer im ersten Stock, nachdem sie den Frühlingsduft noch einmal tief eingeatmet hatte.

Vor dem Bestrahlungszimmer traf sie auf Dr. Robert Biehler, den behandelnden Radiologen von Frau Brandt. Über Lautsprecher und Monitor hatte er Sichtkontakt mit der Patientin und konnte mit ihr reden, ohne sich selbst ins Zimmer zu begeben.

»Das haben Sie wunderbar gemacht, Frau Brandt«, sprach er ins Mikrofon. »Herzlichen Glückwunsch zum Abschluss Ihrer Therapie. Ich schalte jetzt die Geräte ab und komme rein.«

Durch das Sichtfenster bemerkte Andrea, wie sich auf den Lippen der älteren Frau ein Lächeln abzeichnete. Sie lag auf der Liege in der Mitte des Zimmers, sodass der sogenannte Linearbeschleuniger, der zur Strahlentherapie benötigt wurde, um sie herumfahren konnte. Mit einem Piepton schaltete sich das Gerät ab, und die Patientin setzte sich auf.

Jetzt wandte sich der Radiologe auch zu Andrea Bergen um. »Frau Kollegin! Wieso wusste ich, dass ich Sie heute hier antreffen würde?«

Die Notärztin zuckte mit den Schultern. »Vielleicht hat sich inzwischen herumgesprochen, dass ich gerne nach meinen ehemaligen Patientinnen und Patienten sehe, auch wenn meine Arbeit längst getan ist und ich sie in fachkundige Hände übergeben konnte.«

»Apropos Hände ...« Sein Blick fiel auf den Kaffeebecher, den Andrea noch immer in der Hand hielt, obwohl sie ihn eigentlich in den Mülleimer auf dem Flur werfen wollte. »Sicher muss ich Ihnen nicht sagen, dass diese Brühe das reinste Gift für Ihren Körper ist?«

»Nein, das müssen Sie nicht, Herr Kollege. Aber man sagt auch: Die Dosis macht das Gift. Und manchmal braucht auch die Seele ein wenig Medizin.« Sie zwinkerte ihm zu.

Dr. Biehler war schon immer ein regelrechter Gesundheitsapostel gewesen, und Andrea konnte es ihm nicht verdenken, auch wenn sie persönlich seiner asketischen Lebensweise nicht allzu viel abgewinnen konnte.

Kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln auf den Lippen, öffnete er ihr die Tür zum Bestrahlungszimmer. »Gehen Sie doch schon mal rein. Was ich mit Frau Brandt zu besprechen habe, kann auch noch fünf Minuten warten. Frau Brandt, hier ist noch jemand, der Sie gern sehen würde.«

»Frau Dr. Bergen! Was für eine schöne Überraschung. Wie geht es Franzi?«, frage die Patientin.

»Sie erkundigen sich nach Franzi, dabei wollte ich gerade fragen, wie es Ihnen geht«, erwiderte Andrea.

Frau Brandt machte eine wegwerfende Handbewegung. »Ach, Sie wissen ja: Unkraut vergeht nicht. Ich denke jeden Tag an meine ehemaligen Schützlinge. Es kommt mir vor, als hätte ich gestern noch an der Tafel gestanden und ihnen etwas über anorganische Verbindungen erzählt, dabei ist das schon Monate her.«

Andrea blieb vor der Patientin stehen. »Meine Tochter hat erzählt, dass Sie in der Zwischenzeit gut vertreten wurden. Und jetzt, nach den Osterferien, bekommt die Klasse endlich einen neuen Chemielehrer. Ich glaube, morgen ist schon seine erste Stunde in Franzis Klasse. Ich bin sehr gespannt, was sie mir dann erzählt.«

»Wie die Zeit rennt. Ich bin guter Dinge, dass er seine Arbeit ordentlich machen wird. Tatsächlich konnte ich Herrn Kirchhoff schon kurz kennenlernen. Ich war letzte Woche in der Schule und habe ihm im Labor alles gezeigt, das wollte ich mir nicht nehmen lassen. Und es half mir auch, mich noch einmal von allem zu verabschieden – schließlich habe ich mich an diesem Gymnasium in den letzten zwanzig Jahren wie zu Hause gefühlt. Und in drei Wochen ...«

»... geht es auf große Reise?«, ergänzte Andrea.

»Wie ich sehe, funktioniert der Buschfunk.«

»Ich habe mich kurz mit Dr. Keller unterhalten«, gab Andrea zu.

Die Augen der Patientin leuchteten. »Sie wissen ja nicht, wie lange ich schon nach Japan reisen wollte: Einmal den Mount Fuji mit eigenen Augen sehen und die Kirschblüte bewundern. Tempel besichtigen und Tokio erleben! Die Krebserkrankung hat mir klargemacht, dass man manche Träume nicht für immer aufschieben kann.«

Andrea wurde warm ums Herz. Sie hatte schon oft erlebt, dass ihre Patienten bedauerten, sich ihre Wünsche nicht rechtzeitig erfüllt zu haben. »Passen Sie bitte gut auf sich auf, ja? Und wenn Sie möchten, schreiben Sie doch mal eine Karte für unsere Pinnwand in der Teeküche.«

»Das mache ich ganz bestimmt.« Frau Brandt strahlte jetzt über das ganze Gesicht. »Und Sie passen darauf auf, dass Franzi weiterhin in der Schule so fleißig ist!«

***

Als die Tür hinter Carina Rieß ins Schloss fiel, fiel auch eine unsichtbare Last von ihren Schultern.

Alles, was sie in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebt hatte – eine Patientin mit Migräne, ein älterer Herr mit unerklärlichen Lähmungserscheinungen und zwei Schlaganfälle – war jetzt nicht mehr wichtig. Sie war zu Hause – bei ihrem Sohn Leo.

Es war viertel nach sieben, und wenn er nicht bald aufstehen würde, käme er zu spät zur Schule. Nicht nur als Ärztin hatte sie lange Schichten, sondern auch als Mutter. Trotzdem war sie froh über die neue Stelle am Elisabeth-Krankenhaus, wo sie öfter Nachtdienste absolvieren konnte, und so zumindest tagsüber ein wenig mehr Zeit für ihren Teenager hatte.

Nur an den Tagen, an denen Leo Zeit mit seinem Vater verbrachte, konnte sie ein wenig abschalten. Und trotzdem wanderten ihre Gedanken dann oft zu der Frage, wie es Leo wohl ging.

Die junge Neurologin ließ ihre Schlüssel in die Schale auf dem Flurschrank fallen, hängte ihre Jacke an die Garderobe, schlüpfte aus den Schuhen und machte sich direkt auf den Weg zum Kinderzimmer ihres Sohnes. Sie klopfte erst zaghaft an und dann, als keine Antwort kam, kräftiger.

»Leo?«, rief sie. »Aufstehen, mein kleines Murmeltier.«

»Du sollst mich nicht so nennen, Mama!«, ertönte es genervt aus dem Zimmer.

»Ich weiß«, erwiderte sie und verkniff sich ein Grinsen. »Und ich werde damit aufhören, sobald du mit dem Weckerklingeln selbstständig aufstehst. Kann ich reinkommen?«

»Von mir aus. Bekomme ich noch einen Kakao, bevor ich losmuss?«

Carina drückte die Tür auf. Im Zimmer war es so stickig, dass sie gleich ein Fenster öffnete. Draußen herrschte bestes Frühlingswetter, die Sonne schien, und dafür, dass es nicht einmal Mitte April war, herrschten sehr milde Temperaturen.

Leo streckte sich und gähnte ausgiebig, machte aber immer noch keine Anstalten, sein Bett zu verlassen.

Carina drückte ihm einen Kuss auf den blonden Lockenschopf. Sie bemühte sich um einen strengen Blick, auch wenn sie wusste, dass das bei ihrem dreizehnjährigen Sohn längst nicht mehr so viel Wirkung zeigte wie früher.

»Was hast du in der ersten Stunde?«, wollte sie wissen. »Keine Freistunde, oder?«

»Chemie«, antwortete er wortkarg. »Macht nichts, wenn ich da ein bisschen zu spät komme.«

»Ach nein?«

»Du weißt, dass ich in der letzten Arbeit eine Eins hatte.«

»Sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, hat noch niemandem gutgetan«, hielt sie dagegen. »Und bekommt ihr nicht bald einen neuen Lehrer?« Nachdenklich rieb sie sich die Stirn. »Wie hieß er noch gleich?«

»Herr Kirchhoff. Und ja, er wollte sich heute vorstellen.«

»Na dann, raus aus den Federn!« Carina zog ihrem Sohn spielerisch die Decke weg. »Was glaubst du, welchen Eindruck es macht, wenn du in der ersten Stunde gleich zu spät bist?« Hektisch warf sie einen Blick auf ihre Armbanduhr. »Dir bleiben noch drei Minuten zum Anziehen, Haare kämmen und Zähneputzen. Danach gibt es den Kakao.« Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer.

In der Küche machte sie sich daran, das Pausenbrot für Leo vorzubereiten. Wenn sie so darüber nachdachte, war er längst alt genug, das selbst zu tun. Aber andererseits waren es die kleinen Dinge, die ihr das Gefühl gaben, trotz der langen Arbeitszeiten für ihren Sohn da sein zu können.

Als Leo aus dem Bad kam, streckte sie ihm die Brotdose und eine Tasse mit dem versprochenen Kakao entgegen.

»Heute gibt es Käsebrötchen, Apfel und Gurke. Mehr hat der Kühlschrank nicht hergegeben, ich muss später noch einkaufen gehen. Aber ich kann dir nachher noch was kochen, schreib mir einfach, was du zum Abendbrot ...« Carina verstummte. »Ach nein, Papa wollte dich ja nachher zum Klettern abholen. Bestimmt geht ihr danach noch etwas essen.«

Mit mürrischem Blick probierte Leo den Kakao. Er war schon immer ein Morgenmuffel gewesen, aber heute wirkte er besonders niedergeschlagen. »Papa hat mir eine Nachricht geschrieben und abgesagt. Er hat irgendeinen Geschäftstermin vergessen, aus der Kletterhalle wird heute nichts.«

Carina hatte plötzlich einen schweren Stein im Magen. Auch noch das! Pascal, ihr Ex-Mann, war leider nicht der zuverlässigste Mensch, und es brach ihr jedes Mal das Herz, wenn ein Ausflug mit seinem Vater, auf den Leo sich schon gefreut hatte, im letzten Moment platzte.

Sie wusste, dass ihr Sohn mehr Verlässlichkeit in seinem Leben brauchte. Aber was das anging, war sie machtlos.

»Und wenn ich mit dir hingehe?«, schlug sie vor.

»Danke, Mama, aber du kannst doch gar nicht klettern. Ich glaube, das wäre für uns beide ein bisschen ... peinlich. Sorry.«

»Ist schon gut. Ehrlich gesagt bin ich sowieso ziemlich geschafft nach meinem Vierundzwanzig-Stunden-Dienst. Dann koche ich eben nachher dein Lieblingsessen, Spaghetti Carbonara! Das haben wir schon viel zu lange nicht mehr gemacht. Jetzt schnapp dir die Brotdose, und dann raus mit dir, sonst verpasst du noch den Bus.« Carina umarmte ihren Sohn kurz und sah zu, wie er Schuhe und Jacke anzog.

Als er schließlich gegangen war, spürte sie ihre Erschöpfung umso deutlicher. Im Hauswirtschaftsraum wartete ein riesiger Wäscheberg auf sie, sie musste für das versprochene Lieblingsessen einkaufen und außerdem dringend mal wieder staubsaugen.

Aber zuallererst brauchte sie eine ordentliche Portion Schlaf. Und dann, wenn sie erholt und ihr Nervenkostüm nicht mehr dünn wie Papier wäre, würde sie Pascal anrufen. So konnte das nicht weitergehen.

***

»Ich freue mich, euch alle kennenzulernen. Vielleicht seid ihr ein bisschen nervös, genau wie ich. Deshalb möchte ich mich zuerst vorstellen. Mein Name ist Max Kirchhoff, und ich habe bis vor Kurzem in München gelebt. Dort hat es mir zwar gut gefallen, aber ich komme ursprünglich von hier und wollte in meine Heimat zurückkehren, um an eurer Schule zu unterrichten. Ich war genau wie ihr Schüler dieser Schule. Und bevor ihr fragt: Ich kenne auch ein paar der älteren Lehrerinnen und Lehrer aus dieser Zeit. Nur bin ich jetzt nicht mehr Max, der Schüler, sondern der Kollege, Herr Kirchhoff.«

Ein leises Kichern ging durch die Bankreihen, und Max spürte, wie seine Aufregung ein wenig nachließ.

»Damit wir viel zusammen lernen und vor allem auch Spaß haben können, gibt es ein paar Regeln. Ihr wisst sicher schon von Frau Brandt, dass Regeln im Chemieunterricht wichtig sind. Hier kann schnell etwas schiefgehen, und ich möchte nicht, dass jemand verletzt wird. Jeder macht mal Quatsch, aber wenn das zu häufig vorkommt, kann es sein, dass ich auch einmal eine Strafarbeit aufgebe. Ich hoffe auf euer Verständnis.« Max sah sich im Klassenraum um. Die Mundwinkel einiger Schüler sanken nach unten, aber niemand machte Anstalten, zu protestieren. »Gut, kommen wir jetzt zu den schöneren Themen: Bald steht euer Frühlingsfest an, und ich würde dort gerne ein paar Experimente vorführen. Habt ihr schon mit Frau Brandt experimentiert?«

Ein Mädchen mit halblangen braunen Haaren meldete sich.

»Ja, bitte? Sagst du mir auch gleich deinen Namen?«

»Franzi – Franziska Bergen. Mit Frau Brandt haben wir noch nicht experimentiert, aber dafür mit dem Periodensystem angefangen.«

»Danke schön, Franzi. Wenn wir zusammen experimentieren, ist Sicherheit besonders wichtig. Darum soll es heute gehen.« Max drehte sich zur Tafel um und schrieb Sicheres Arbeiten im Labor an. »Nehmt doch bitte alle eure Hefte raus, damit ihr mitschreiben könnt.«

Es raschelte, während die Kinder in ihren Ranzen kramten, doch als Max sich wieder umdrehte, bemerkte er einen Jungen in der zweiten Reihe, ein paar Plätze von Franzi entfernt, der weder Stift noch Papier vor sich liegen hatte. Stattdessen tuschelte er mit einem Mädchen, das neben ihm saß.

»Verrätst du mir auch deinen Namen?«, fragte der Lehrer.

»Meinen Sie mich?«

»Ganz genau.«

»Leo.«

»Und wo ist dein Heft, Leo? Soll dir jemand ein Blatt Papier ausleihen?«

»Nein, danke. Ich kann mir alles, was Sie sagen werden, merken. Und das meiste weiß ich wahrscheinlich sowieso schon.«

Unwillkürlich zog Max Kirchhoff die Augenbrauen hoch. Er hatte befürchtet, dass auch ein paar freche Schülerinnen und Schüler in seiner neuen Klasse sein würden. Aber er wollte sich nicht am ersten Tag unbeliebt machen, indem er die Kinder allzu streng ermahnte.

»Leo, wenn du dich in der Chemie schon so gut auskennst, dann hilf mir doch beim Tafelbild. Was ist die wichtigste Regel beim Experimentieren im Labor?«

»Die wichtigste Regel lautet, keine dummen Fragen zu stellen«, erwiderte Leo, ohne eine Miene zu verziehen.

Perplex öffnete Max den Mund und setzte an, etwas zu erwidern, da bemerkte er, wie das Mädchen neben Leo kicherte. Wenn er dem Schüler jetzt zu viel Aufmerksamkeit schenkte, erreichte dieser nur, was er ohnehin bezwecken wollte. Max beschloss, gelassen zu bleiben.

»Das Thema Fragen behandeln wir später. Die allerwichtigste Regel im Labor ist, dass wir dort immer Schutzkleidung tragen. In der Regel also einen Kittel, eine Schutzbrille und Handschuhe. Schließlich arbeiten wir mit Chemikalien, die ätzend, brennbar, giftig, explosiv oder gesundheitsschädlich sein können. Was davon auf eine Chemikalie zutrifft, erkennen wir an Gefahrensymbolen, den sogenannten Piktogrammen auf den Behältern. Eine Übersicht dieser Symbole habe ich euch ausgedruckt. Leo, komm doch bitte nach vorne und verteil die Blätter an deine Mitschülerinnen und Mitschüler.«