Opas Buch 2 - Sebastian Kühnert - E-Book

Opas Buch 2 E-Book

Sebastian Kühnert

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Beschreibung

Gerade durch die Erzählkunst von Sebastian Kühnert, kommt man staunend, wie im Flug, durch diese Erlebnisse hindurch. Man macht sich tatsächlich die Mühe und lernt die militärischen Fachbegriffe, um Sebastian verstehen zu können. Und am Ende steht man da und fragt sich, wie konnte es nur sein, dass solch gute Menschen sich nicht von diesem Regime der Nationalsozialisten abwenden konnten. Dies im Einzelnen zu beantworten, dazu bin ich leider nicht in der Lage. Dies bleibt offen stehen. So wie es offen steht, was müsste man heutzutage im Jahr 2018 tun, um sich, den Umständen entsprechend, notwendiger Weise, richtig zu verhalten? Dazu wissen wir vermutlich in den aktuellen Lebenssituationen meist zu wenig. Es geht ja immer auch um das Überleben, von mir, von meinen Kindern. Von unseren Ansichten.

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Seitenzahl: 116

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Von Sebastian Kühnert

geboren am 14.01.1892

gestorben am 09.06.1981

Beerdigt in Bad Cannstatt, auf demselben Friedhof wie Herr Gottlieb Daimler.

Inhalt

Vorwort

Prolog

Der Westwall

Gebirgsartillerie - Ersatzabteilung Garmisch

Des Öfteren hatten wir Besuch von – Höheren Vorgesetzten aus München

Am 22. Juni 1940 kapitulierte – Das gesamte Französische Heer

Beim Gebirgsartillerie-Regiment 118 (6. Geb. Div.)

Unternehmen Seelöwe

Auch Waffen gingen verloren

Regimentstagesbefehl der – Geb.-Art. 118 vom 27.8.1940

Division Rommel

Hier im Gebirge wurde der – Griechenlandfeldzug geprobt

Vorbereitung für den Kampf im Gebirge

Marsch durch Bulgarien zur Griechischen Grenze

Batterie Chef Berri

Griechenland Feldzug

Schlusswort

Anmerkumgen

Begriffserklärungen

Buchempfehlungen

Vorwort

Zunächst möchte ich vorausschicken, daß diese Geschichten, von meinem Großvater, welche einem diese Zeiten des ersten und zweiten Weltkrieges, aus der Mitte des Militärs heraus, in unvergleichlicher Weiseerkennbar machen, vor dem Hintergrundder Bilder, der Filme, und vor allem der Propaganda aus dieser Zeit, als zu schön gefärbt erscheinen.

Jedoch ist es gerade diese Gefälligkeit, der persönlichen Geschichte von Sebastian Kühnert, welche mich angetrieben hat, dieses Schriftstück, mit viel Engagement, zur Veröffentlichung zu bringen.

Speziell, gegen Ende der Arbeiten an dem zweiten Buch, ist mir aber beiden Recherchen, Dank Internet, durch die Filme aufgefallen, daß diese Zeit, nicht so verklärt, beschrieben werden darf. Ich glaube mit meinem jetzigen Wissensstand würde ich diese beiden Geschichten nicht mehr veröffentlichen wollen.

Es steckt mir zu viel Verantwortung, in den Geschehnissen und nicht Gesagtem. Jedoch hab ich das erste Buch bereits veröffentlicht, und möchte diese erlebte, schlussendlich authentische Geschichte, dieses Zeitzeuniss, von Sebastian Kühnert, doch, soweit möglich, zur

Verfügung stellen. Parallele Pflichtlektüren, wie z.B. über die „weiße Rose“ sind jedoch unerlässlich!

Gerade durch, die Erzählkunst von Sebastian Kühnert, kommt man staunend, wie im Flug, durch diese Erlebnisse hindurch. Man macht sich tatsächlich die Mühe, und lernt die militärischen Fachbegriffe, um Sebastian verstehen zu können. Und am Ende steht man da und fragt sich, wie konnte es nur sein, dass solch „gute“ Menschen, sich nicht von diesem Regime abwenden konnten. Dies im Einzelnen zu beantworten, dazu bin ich leider nicht in der Lage. Dies bleibt offen stehen. So wie es offen steht, was müsste man heutzutage im Jahr 2018 tun, um sich, den Umständen entsprechend, notwendiger Weise, richtig zu verhalten? Dazu wissen wir vermutlich in den aktuellen Lebenssituationen meist zu wenig. Es geht ja immer auch um das Überleben, von mir, von meinen Kindern. Von unseren Ansichten.

Die Bücher von Sebastian Kühnert sind spannende Erlebnisaufsätze. Sie beantworten viele Fragen aus dem Paralleluniversum des Militärs. Aber siewerfen auch Fragen auf und dabei erhalten diese Geschichten, in besonderer Weise, mit, den notwendigen Blick, auf diese vergangenen, schrecklichen Zeiten.

Prolog: (von Sebastian Kühnert)

Ich kann es mir ersparen, auf die Ereignisse zwischen den beiden Kriegen einzugehen und darzulegen, wie es zu dem fast 6 Jahre andauernden, in seinen Auswirkungen, die ganze Welt verändernden, weiteren Weltkrieg gekommen ist. Es gibt darüber ein Dokumentarwerk, dessen Lektüre ich Jedem empfehlen möchte, der diese Zeit nicht, oder noch nicht voll bewusst erlebt hat.

Das von Gerhart Binder verfasste Buch trägt den Titel „Epoche der Entscheidungen“. Es ist im Seewald-Verlag erschienen und wird auch an den Schulen im Geschichtsunterricht verwendet. Sein Inhalt konzentriert sich auf das, was man wissen sollte, um das geschichtliche Geschehen, seit der Jahrhundertwende bis in die Zeit nach 1945, beurteilen zu können.

Was mich bewogen hat, wieder unter die Soldaten zu gehen, möchte ich doch kurz erklären: Nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten begann bald die sogenannte „Gleichschaltung“, der Verbände. Gleichviel ob wirtschaftlicher, sportlicher oder sonstiger Art, mußten sich die Vereine den neuen Gesetzen des Nationalsozialismus anpassen, andernfalls wurden sie aufgelöst.

Die Kameradschaftsvereine ehemaliger Weltkriegsteilnehmer wurden in den Reichskriegerbund eingegliedert, und eben dieser wurde zur SA-Reserve erklärt.

Nach der Verkündigung der Wehrfreiheit, und Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, wurden die ehemaligen Kriegsteilnehmer wieder bei den Wehrbezirks-Kommandos registriert, und aufgefordert, an Reserve-Übungen der Wehrmacht teilzunehmen.

Es wurden sogenannte ROG (Reserve Offiziers-Gemeinschaften) gebildet, welche regelmäßig an Vorträgen und Planspielen teilnehmen mußten; gelegentlich auch im Gelände.

Ein kleiner Kreis, ehemaliger Artillerie-Offiziere, welchem ich angehörte, konnte beim Artillerie Regiment Nr. 25 in Ludwigsburg, einmal in der Woche abends; und gelegentlich auch an Geländeritten, teilnehmen. Wir trafen uns auch regelmäßig, um unsere artilleristischen Kenntnisse aufzufrischen, denn wir waren entschlossen uns wieder, für die angestammte Waffe, zur Verfügung, zu stellen. Wenn wir doch zum Wehrdienst herangezogen wurden, wollten wir diesen auch, in einer Stellung, ausüben, welche unserem Alter, und unserer Kriegserfahrung, entsprechen sollte.

Durch diese Verpflichtung zu regelmäßigen Reserve-Übungen waren wir, und das gab für mich den Ausschlag!, für diesen Entschluss, davon entbunden, an irgendwelchen Veranstaltungen der NSDAP (Schulungsabende usw.) teilzunehmen.

Die Gebirgsartillerie der neuen Wehrmacht befand sich erst im Aufbau. In der 2. Abteilung Artillerie-Regiment München, die in Landsberg an der Lech stationiert war, machte ich, im Herbst 1935, die vorgeschriebene Auswahlübung. Hier waren der Kommandeur und die Batteriechefs Gebirgsartilleristen, die auch am Weltkrieg 1914 - 1918 als junge Offiziere teilgenommen hatten.

Die 2. Abt. des Art. Regt. München war der Stammtruppenteil, aus welchem das Geb. Art. Regt., der künftigen 1. Gebirgsdivision hervorgehen sollte. Nach der vierwöchigen Auswahlübung wurde mir die Gebirgsdiensttauglichkeit und die Qualifikation zum Batterieführer einer Gebirgs-Batterie bescheinigt.

In den Jahren 1936 - 39 mußte ich nun eine Reihe von Pflichtübungen ableisten: „zuerst einen Lehrgang an der Artillerieschule in Jüterbog, bei welcher mir die Eignung zum Abteilungsführer zuerkannt wurde. Dannfolgten eineWinterübung im Watzmanngebiet, mit anschließender Beförderung zumHauptmann der Reserve. Ferner-Hochgebirgsübungen in den Oberammergauer Bergen und im Wettersteingebirge. Dazwischen war im März 1938 - mit plötzlicher telefonischer Einberufung - der „Einsatz Österreich“.

Ich mußte die Führung der 6. Batterie des G.A.R. 79 (Gebirgs Artillerie Regiment 79) übernehmen, weil deren Chef sich auf einem Kommando in Schweden befand. Ich traf gerade noch rechtzeitig in Mittenwald ein, wo sich die „Gruppe Schörner“ mit dem Geb.Jäg. Regt. 98 (Gebirgs Jäger Regiment 98) und der 2. Abteilung G.A.R. 79 (Major Wittmann) versammelt hatte.

Auf dem Marsch nach Innsbruck, und in Innsbruck selbst, und später in den Städten des oberen Inntals, Imst und Landeck, wurden wir mit einer Begeisterung begrüßt, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Damit dieser „Blumenkrieg“ als Pflichtübung angerechnet werden konnte, machte ich nach der Rückkehr nach Mittenwald noch ein Batteriegefechtsschießen auf dem Gebirgsschießplatz Lutten See mit, welches ich anzulegen und zu leiten hatte. Nun glaubte ich mein „Soll“ an Übungen erfüllt zu haben. Das war jedoch ein Irrtum.

Im Juni 1939 wurde ich zu der schon erwähnten Übung im Wettersteingebirge geholt, die dreiWochen dauerte. Ich solltenicht allein eine Batterie, sondern auch die ganze Abteilung im Einsatz führen und außerdem körperlich „fit“ bleiben.

Was mir nach dem „Einsatz Österreich“ von meinem Kommandeur und späteren Freund, Major Wittmann, bereits angedeutet worden war, wurden nun, nach dieser letzten Übung, durch den Regimentskommandeur Oberst Wintergerst bestätigt: „Für den Ernstfall lautete meine Mobilmachungsbestimmung „Kommandeur der Ersatzabteilung des G.A.R. 79 in Garmisch-Partenkirchen!“.

Die Lage war in jenen Tagen ziemlich ernst. Man spürte das auch bei der Truppe. Zwar waren die bisherigen Aktionen Hitlers, welche eine Korrektur des Versailler-Vertrages, vom Juni 1919, zum Ziel hatten, ohne Blutvergießen, und mit schließlicher Sanktion durch die GroßmächteEngland und Frankreich, geglückt.

Ebenso die Besetzung des Sudetenlands. Dann aber drohte Kriegsgefahr wegen der „Lösung der Tschecho-Slowakischen Frage“. Trotz Warnung der Generalität vor einem weltweiten Krieg! Da sie nicht gehört wurde, hat der Generalstabschefs des Heeres, General der Artillerie Beck, sich zum Rücktritt entschieden.Es gelang dem NSDAP Regimesomit auch die Annexion der Rest-Tschechei, ohne daß die Großmächte intervenierten.

Bei vielen im Volk war das Ansehen Hitlers gestiegen, solange durch seine Aktionen, deutschsprachige Gebiete zurückgewonnen wurden, die 1919, durch das Versailler Diktat, unter Fremdherrschaft gekommen waren.

Jetzt aber, als mit der „Rest-Tschechei“, eine slawische Bevölkerung eingegliedert worden war, und bereits Vorbereitungen für eine Aktion gegen Polen festzustellen waren, warnten die Vernünftigen im Lande davor, den Bogen zu überspannen. Eine Fortsetzung solcher Annexionen mußte Krieg bedeuten, denn England hatte nun mit Polen einen Beistandspakt geschlossen, der es zum Eingreifen verpflichtete, für den Fall, dass Polen angegriffen würde.

Hitler, dessen Überheblichkeiten durch die bisherigen „Erfolge“ mehr und mehr gestiegen waren, ließ sich weder durch die Generäle, noch durch die Vorstellungen ausländischer Diplomaten von seinen Absichten abbringen. Die Vorbereitungen liefen weiter. Z.B. mußten ab Anfang August 1939 die Tankstellen entlang den Autobahnen gut bevorratet bleiben, um die Treibstoffversorgung, aufmarschierender Truppen, sicherzustellen.

Sie gaben nur ganz geringe Mengen an Zivilfahrzeuge ab. Größere Mengen mußte man außerhalb der Autobahn tanken. Hersteller von Konserven und Dauerwurstwaren, von denen wir gelegentlich für den Privathaushalt etwas bezogen, lehnten Lieferung „mangels Vorrat“ ab. In Wirklichkeit waren die Bestände jedoch für die Wehrmacht reserviert.

Der Westwall:

Auf einer Geschäftsreise ins Saargebiet, auf der mich unser 15jähriger Sohn, Maximilian, begleitete; (er sollte mal ein Hütten- und Walzwerk besichtigen dürfen), spürten wir besonders die Zuspitzung der Lage. An den Panzersperren und Bunkern des „Westwalls“ wurde fieberhaft gearbeitet, denn dieser wurde ja als Rückendeckung für den Polenfeldzug gebraucht. An der Französischen Grenze, zu der wir am Abend gefahren waren, herrschte eine unheimliche Stille. Man sah keinen Menschen. Als wir nachts nach Saarbrücken zurückkehrten, wunderten wir uns, wie lebhaft es nochauf den Straßen der Stadt zuging.

Durch ein Extrablatt war bekannt geworden, dass am 23.8.1939 ein gegenseitiger Nichtangriffspakt zwischen Sowjetrussland und dem Deutschen Reich geschlossen wurde.

Allgemein glaubte man nun, die Gefahr eines Krieges sei nun gebannt, denn die schlecht gerüsteten Westmächte würden unter diesen Umständen einen Krieg wohl kaum riskieren. Dies war aber ein Trugschluß. Hitler glaubte, England und Frankreich noch einmal vor vollendete Tatsachen stellen zu können, wie bei der Besetzung der Tschechoslowakei. Er ließ die aktiven Divisionen des Heeres, durch Reservisten auf Kriegsstärkeaufgefüllt, an den Grenzen bereitstellen. Um seinen Polen-Plan zu verwirklichen.

Infolge seiner Geheimverträge mit Stalin, mit welchen die Interessenssphären zwischen Russland und Deutschland geregelt wurden, brauchte er von dieser Seite aus nichtszu befürchten. Der vom deutschen Generalstab, auf Befehl Hitlers, schon vor Monaten, erstellte „Plan Weiss“ (Polenfeldzug) rollte nun ab.

Mitten in der Nacht, nach unserer Rückkehr aus dem Saargebiet, wurde ich geweckt. Der Postbote brachte mir zwei Telegramme. Das eine betraf mich selbst, das zweite meinen Wagen. Ich wurde, auf Grund meiner Mobilmachungsbestimmung, bereits zum folgenden Tag, nach Garmisch, einberufen. Mein stahlblaues Mercedes-Kabriolett, das schon den Einmarsch ins Sudetenland mitgemacht hatte, mußte sofort, an eine Stelle der Wehrmacht, inFeuerbach, übergeben werden. Es war schon gleich, nachdem „Einsatz Österreich“, als „felddienstgeeignet“ gemustert worden. Von seinem Schicksal habe ich nie mehr etwas gehört. Meine Fahrt, am 26.8.1939,nach Garmisch, war die letzte, welche ich mit dem schönen Wagen machte. Der Fahrer mußte ihn noch am Nachmittag des gleichen Tages, in Feuerbach, abliefern.

Gleich nach meiner Ankunft meldete ich mich beim Regimentskommandeur des aktiven (das an der Front und im Kampf aktiv eingesetzte Regiment) G.A.R. 79, Oberst Wintergerst, der mich ja von den Übungen her gut kannte. Das Regiment sollte schon am übernächsten Tag verladen werden.Deshalb war es ihm recht, daß er mich gleich in meine künftigen Aufgaben einweisen konnte.

Da das aktive Regiment, welches mitReservisten auf-Kriegsstärke gebracht wurde,die ihre Dienstzeit in der neuen Wehrmacht bereits hinter sich hatten, und nur einige, ältere Ausbilder-Unteroffiziere zurücklassen würden, mußte der Abt. Stab und die drei Batterien der Ersatzabteilung, in der Hauptsache, aus Reservisten und Rekruten gebildet werden. Darunter werde die Mehrzahl aus Tirol, Steiermark und Kärnten kommen. Der Rest aus Bayern und anderen deutschen Gebirgsgegenden. „Hauptaufgabe sei also die Ausbildung eines guten Ersatzes für die kämpfende (aktive) Truppe, und von Kräften für Neuaufstellungen.“

Wintergerst, der auch Standortältester der Garnison Garmisch war, übergab mir diese Aufgabe, als dem künftigen, Rangältesten Offizier. Der Hauptmann, der das Geb. Jäger-Ersatzbataillon 98 führte, hatte ein jüngeres Rangdienstalter.

Gegenüber dem Garmischer Ortsgruppenleiter wurde mir Vorsicht empfohlen, er sei kein guter Charakter. Er handle nicht nach dem damals gebrauchten Slogan „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“, sondern genau umgekehrt.

Nun, diesen „Umschwung“ des Verhaltens, hatte ich schon 1938 beim Einsatz in Österreich feststellen müssen, als in Innsbruck, gleich hinter der Wehrmacht, die „Goldfasanen“ (so nannte man die Funktionäre der NSDAP damals, wegen ihren Uniformen) auftauchten, um die Läden, auf Grund des niedrigen Wechselkurses, auszukaufen.

In Angelegenheiten der Wehrmacht würde ich mir vom Ortsgruppenleiter jedoch nicht hineinreden lassen, das stand für mich fest. Ich habe ihn nur einmal gesehen, als er sich bei mir vorstellte. Schon nach 8 oder 10 Tagen wurde er dann abberufen und in das besetzte Polen beordert, wie es hieß „strafversetzt“, da er sich in Garmisch einiges hatte zuschulden kommen lassen. Ob es für ihn eine Strafe war, bezweifle ich allerdings, denn in der Etappe in Polen konnte er vermutlich schalten und walten, wie's ihm beliebte. Sein Nachfolger war der Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, ein vernünftiger Mann, mit dem ich nie Schwierigkeiten hatte.

Gebirgsartillerie - Ersatzabteilung Garmisch

Solange die Geb. Art. Kaserne in Garmisch noch vom aktiven Regiment belegt war, befand sich mein Quartier, in einem von der Wehrmacht beschlagnahmten Hotel, in Partenkirchen.

Am 28. August wurde der Regimentsstab und die 2. Abt. GAR 79 in Garmisch verladen. Zur Verabschiedung war ich am Bahnhof. Am 1. September 1939 begann der Angriff auf Polen!

Jetzt konnte ich, mit meinem inzwischen, eingetroffenen und zusammengestellten Stab, die etwas außerhalb von Garmisch gelegene Kaserne, als Gebirgsartillerie beziehen.

Die Mobilmachung der Reserven lief nun auf vollen Touren. In Garmisch wurde die Stabsbatterie (Abteilungsstab) und die 1. Batterie aufgestellt. Die 2. Batterie in Traunstein und die 3. Batterie in Sonthofen im Allgäu. In den drei Garnisonen trafen nun Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes ein. Etwas später dann auch die Rekruten (Ungediente).

Dann kamen die Pferde (Tragtiere, Reit- und Zugpferde) und allerlei Gerät, für mich! Außerdem ein ziemlich, klappriger, offener PKW. Diesen brauchte ich nur für die paar Wochen, während denen zwei von meiner Batterien noch in den auswärtigen Garnisonen standen.

Das aktive Regiment hatte uns seine Skoda-Gebirgs-Geschütze dagelassen. Es war noch rechtzeitig mit dem neuen Gebirgs-Geschütz 36 ausgerüstet worden.

Die Aufstellung der Ersatzabteilung vollzog sich in wenigen Tagen, mit der, beim deutschen Heer, gewohnten Präzision.