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Opas Buch ist, dem Grunde nach, ein Abenteuerroman, der vom realen Leben geschrieben wurde. Eine in sich selbst unglaubliche, autographische Geschichte. Parallel dazu ist dieses vorliegende Buch ein historisches Geschichtsbuch, welches dem interessierten Leser, unweigerlich, die europäische Vergangenheit, bis hin zur Völkerschacht am 16. bis 19. Oktober 1813 bei Leipzig; der Sieg über Napoleon Bonaparte; näher bringt. Auch rückt es den Stand der Soldaten in sein, entsprechendes, gutes, Licht. Sebastian Kühnert schreibt in beeindruckender Form. Immer bodenständig, die Aufgaben im Auge, nie verliert er den Kopf und niemals scheut er das Risiko und die Strapazen. Und darüber hinaus beleuchtet er die damaligen, aktuellen Zusammenhänge, im Großen wie im Kleinen.
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Seitenzahl: 249
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Vorwort
Prolog
Mobilmachung 1914
Auf Artilleriepatrouille
Feuertaufe bei der Feldartillerie 25.08.1914
Erstes gezieltes Artilleriefeuer erlebte ich in - Der Schlacht bei Longwy und Longuyon
Blutiger Zwischenfall beim Vormarsch an der Maas
Sturmangriff mit Regimentsmusik
Verhängnisvolle Lagebeurteilung
Was war nun wirklich geschehen
Sorge, hatte die Führung auch wegen der – Lage im Osten
Polenfeldzug im Winter 1914/15
Weihnachtstag 1914
Mein Bruder Heinrich Kühnert
Bei der Gebirgsartillerie
Dolomitenfront 1915, auf dem “Saas Bianc“
Zum Thema “Edelweiß” eine –nette kleine Geschichte
Am dritten Tag besuche uns der Batteriechef, - Hauptmann Weinberger
Das deutsche Alpenkorp wurde aus -– der Dolomitenfront herausgelöst
Feldzug in Serbien und Mazedonien -– (28.10.1915 – 23.03.1916)
Unsere “Odyssee”, war hingegen -– noch lange Nicht zu Ende
Am 21.03.1916 kam der Abmarsch -– befehl zur Verladung in Krivolac
Verdun
Karpathenkämpfe 1916/17
Septemberschlacht in den Karpathen
Gebirklerrundbrief von Kamerad Karl Schrem
Schießlehrgänge im Gebirge von 4. Mai bis -– 16. Juni 1917 in Sonthofen im Allgäu, und -– in dem Vorort Rembertow in Warschau
Bei der Artillerie-Gebirgs-Schule in Sonthofen
Die Geba. als Begleitartillerie an der Westfront
Die Schlacht bei Armentieres und an der Lys
Angriffstag war der 9. April 1918
Am 10. April 1918 wurde, nach Nieder ---kämpfung mehrerer Widerstandsnester, --die Lys, an dem Ort Sally, erreicht
Die Erstürmung der Höhen des Chemin des Dames – und der Durchbruch in Richtung Paris
Geba. Kommandeur Seeger
Angriffsschlacht an der Marne -– und vom Wunder an der Marne
Die Feuerwalze war den unseren davon gelaufen
Anmerkungen vom Herausgeber
Begriffserklärungen
Weitere geschichtliche und künstlerische Hinweise
Am Ende seines Lebens hat Sebastian Kühnert, diesen Lebensabschnitt, autobiographisch, selbst auf einer mechanischen Schreibmaschine, niedergeschrieben. Seine Tochter hat das Original, vervielfältigen und binden lassen.
Sein Enkel hat dieses Lebensabschnittswerk redigiert. Das Original war aufgrund zu langer Sätze und ohne Begriffserklärungen nur sehr schwer lesbar. Er hat beim redigieren, sehr darauf geachtet, so nah wie möglich, am Wortlaut vom Original zu bleiben. Es mussten fast alle Sätze mit Satzzeichen verkürzt werden, da der Großvater sehr verdichtet informiert hat. Dem Inhalt ist sehr eindeutig zu entnehmen, dass Sebastian Kühnert diese außergewöhnliche Lebensgeschichte der Nachwelt übermitteln möchte. Nun, nach fast genau 100 Jahren, im Oktober/November 2018, nur ein paar Tage vorher, als auf den Tag genau, erscheint nun die erste öffentliche Ausgabe.
(Weitere Anmerkungen und Hinweise zu dieser „Autobiographie“ finden Sie am Ende des Buchs ab „Anmerkungen vom Herausgeber).
„Es würde zu weit führen, die weltpolitische Lage, welche endlich, und schließlich, zum ersten Weltkrieg führte, hier schildern zu wollen. Das mag man in den Geschichtsbüchern nachlesen.
Ausgelöst wurde der erste Weltkrieg durch die Ermordung des österreichischen Thronfolgers, Erzherzog Ferdinand und seiner Frau. Dieser Terroranschlag, aus einer Gruppe, einer serbischen Offiziersverschwörung heraus, wurde, während eines Besuchs des Ehepaars, in Sarajevo verübt.“
Von Wikipedia:
Gavrilo Princip während der Haft in Theresienstadt. (Gavrilo Princip (Aussprache:
* 25. Juli 1894 in Obljaj, Vilâyet Bosnien; † 28. April 1918 in Theresienstadt, Österreich-Ungarn, heute Tschechien), war ein bonisch/serbischer nationalistischer Attentäter, der am 28. Juni 1914 in Sarajevo den Mordanschlag auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie verübte. Dadurch wurde die Julikrise ausgelöst, welche zum Ersten Weltkrieg führte. Princip war Mitglied Mlada Bosna (Junges Bosnien), eines revolutionären, nationalistischen Geheimbundes, Schülern und Studenten, der in dem, von Österreich-Ungarn 1908 annektierten, Bosnien-Herzegowina aktiv war.
Hauptartikel aus Wikipedia: Attentat von Sarajevo
Als Princip im März 1914 erfuhr, dass Franz Ferdinand im Anschluss an die Sommermanöver, welche die K. u. K. (Königlich und Kaiserliche) Armee in Bosnien durchzuführen plante, Sarajevo besuchen werde, entschloss er sich zum Attentat. Terroristische Anschläge, auf hochgestellte Persönlichkeiten, waren in dieser Epoche nicht selten: So waren der russische Zar Alexander II. (1866), Franz Ferdinands Tante, Elisabeth von Österreich-Ungarn (1898), und der amerikanische Präsident William McKinley (1901) Attentaten zum Opfer gefallen. (siehe auch Liste bekannter Attentate). Princip überredete seine Freunde Čabrinović und Grabež mitzutun; bei seinen Vernehmungen und im Prozess beharrte er darauf, dass der Anschlag allein seine Idee gewesen sei. Warum er den Erzherzog als Opfer auswählte, ist umstritten. Gunnar Hering nimmt an, sie hätten Franz Ferdinand als Verfechter eines harten Kurses angesehen, wohingegen sie nach Christopher Clark befürchteten, er würde als Kaiser Strukturreformen im Sinne des Trialismus durchführen, welche ihre Pläne durchkreuzen würden: Ein Zusammenschluss von Kroatien, Bosnien und Dalmatien zu einem eigenständigen, dritten Reichsteil der K. u. K. Monarchie hätte dem Projekt einer Vereinigung aller Serben in einem eigenen Staat das Wasser abgegraben. Es gibt auch die These, Princip habe irrtümlich angenommen, die Manöver dienten einem Überfall Österreich-Ungarns auf Serbien, den er verhindern wollte.
Opa: „Da Serbien auf das Ultimatum Österreichs, welches die Bestrafung der Täter, und die Auflösung der Verschwörung forderte, nicht reagierte, erklärte der Staat Österreich-Ungarn, dem serbischen Staat den Krieg!“
Serbien hatte zu dieser Zeit ein Bündnis mit Russland, welches beide Staaten, im Falle eines Krieges, zur gegenseitigen Hilfe verpflichtete. Russland wiederum war mit Frankreich, in der gleichen Weise, verbündet.
Diesen Bündnissen gegenüber befand sich der „Dreibund“; bestehend aus Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien. Die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien löste sofort die Mobilmachung der russischen Streitkräfte aus. Somit war Deutschland gezwungen, aufgrund der Dreibund-Verpflichtung, Österreich-Ungarn beizustehen!
Es wurde zunächst der „Zustand drohender Kriegsgefahr“ bekannt gemacht. Dies bedeutete, dass sich alle Wehrpflichtigen, für eine Mobilmachung bereithalten mussten. Als dann Frankreich, in Erfüllung seines Bündnisses, mit Russland mobil machte, wurde auch in Deutschland die Mobilmachung befohlen.
Für mich bedeutet dies das sofortige Einrücken zur 1. Abteilung des Feldartillerieregiments Nr. 13, welches in Ulm stationiert war. Die 2. Abteilung befand sich in meinem Heimatbezirk, in Stuttgart - Bad Cannstatt.
Ich hatte 1912/1913 meinen Wehrdienst als „Einjähriger” bei der 3. Batterie des Regiments in Ulm absolviert. Außerdem hatte ich zusätzlich im Frühjahr 1914, eine achtwöchigen Übung, bei der 2. Abteilung, in Bad Cannstatt gemacht. Dadurch war ich Vizewachtmeister der Reserve geworden.
Diese Übung mußte ich deshalb ableisten, da ich ins Ausland wollte, und die Genehmigung hierfür, nur nach Ableistung einer Reserveübung, erhalten konnte! Ich hatte mich schon nach einer Stellung in England umgetan. Auch war ich bereits von der Firma Röchling, für deren Niederlassung in Glasgow (Schottland), zum 1. Oktober 1914, engagiert worden. Zuvor sollte ich noch zwei Monate (August/September) in London verbringen, um dort meine Sprachkenntnisse zu vervollkommnen.
Daraus wurde nun nichts. Vielmehr musste ich, am 2. August 1914, bei der 3. Batterie meines Regiments, in Ulm einrücken. Mit mir meldeten sich noch 6 weitere „Vice„s“, welche ebenfalls in der 3. Batterie gedient hatten. Unser Batteriechef, Hauptmann Wollaib begrüßte uns auf „gut Schwäbisch“ mit den Worten: „Mäune Oijährige müasset älle mit mir mit komma.“
Er ließ seine gut ausgebildeten, und aktiven Unteroffiziere, in den Garnisonen als Ausbilder, für die zahlreichen Kriegsfreiwilligen und Rekruten, zurück, und besetzte alle Unteroffiziersposten mit uns sieben Vizewachtmeistern. So viel Vizewachtmeister-Stellen gab es natürlich, in einer Batterie, nicht. Wir mussten daher mit den Stellen als Geschützführer, bzw. ich, als Beobachtungswagenführer, vorlieb nehmen. Jedenfalls, wir wollten alle, unbedingt, gleich mit ins Feld!
Schon nach wenigen Tagen, in denen unsere Batterie feldmarschmäßig ausgerüstet worden war, wurden wir nach Diedenhofen (Lothringen), in Eisenbahnzüge verladen, wo die 27ste (Ulmer) Division aufmarschierte. Es dauerte wiederum nur wenige Tage, dann marschierte die 27ste Division, welche zur Kronprinzenarmee gehörte, durch Luxemburg, in Richtung französische Grenze.
Nun wurde es ernst. Man konnte zwar damals noch bei Tag marschieren, denn Luftaufklärung gab es so gut wie keine. Die Fliegerei steckte noch in den Anfängen. Beim württembergischen Armeekorps, zu dem unsere Division gehörte, gab es nur ein bis zwei Rumpler-Tauben. Wenn es damals schon Fliegerabwehrgeschütze (Flak) gegeben hätte, wären die großen Vögel bald erledigt gewesen.
Auch auf französischer Seite gab es nur wenige Flugzeuge. Die Feindaufklärung besorgten damals die Kavalleriedivisionen, welche den Armeen voraus, ins Feindesland einrückten, um zu erkunden, wo die gegnerischen Truppen aufmarschierten. Es war die letzte, große Zeit der Kavallerie.
Mit der sehr rasch fortschreitenden Entwicklung des Flugzeugbaus, und der Motorisierung überhaupt, verschwanden die Reitpferde immer mehr von der Bildfläche. Die Kavalleristen wurden, übergangsweise, als Infanterie eingesetzt.
Bei der Artillerie und bei den Trossen, welche während des ganzen Krieges, meist noch pferdebespannt waren, gab es dabei(damals) auch noch Berittene.
Ich selbst hatte bei der Mobilmachung ein Bauernpferd erhalten, das noch nie einen Reiter getragen hatte. Auf den Märschen durch Lothringen und Luxemburg
konnte ich es im Schritt, und schließlich auch im Trab ganz ordentlich vorantreiben. Dagegen weigerte es sich, zu galoppieren. Wie es dann schließlich doch zum Galopp zu bewegen war, schildert das nächste Kapitel.
Auf einem Vormarsch, zu unserer Zeit, und so lange man noch keine Feindberührung hatte, war es üblich, entweder den Patrouillen der Heereskavallerie (Kavalleriedivisionen), oder der Kavalleriespitze, sprich der Vorhut, auch eine Artillerie-Patrouille mitzugeben.
Diese Artillerie-Patrouille hatte die Aufgabe, schon einmal Möglichkeiten zu erkunden, wo Artillerie in Stellung zu bringen wäre, wenn es zur Feindberührung kam. Solche Patrouillen hatte ich zu Anfang des Krieges öfter zu reiten, denn als Führer des Beobachtungswagens, sollte ich auch gleichzeitig, günstige Beobachtungsstellen erkunden.
Unsere Brigade hatte, in der Nähe des Dorfes Allondrelle, dicht an der französischen Grenze, biwakiert. Da bekam ich frühmorgens den Befehl, Beobachtungsstellen und Batteriestellungen auf der Anhöhe, über welche die Landesgrenze verlief, zu erkunden.
Ich ritt mit einigen Berittenen an den Vorposten der Infanterie vorbei und kam in ein Waldstück, in welchem ein schmaler Weg, in Richtung, auf das Dorf Barancy führte. Der Weg endete, noch innerhalb des Waldes, bei einem Zollhaus. Ich ließ absitzen und ging alleine, die Pistole entsichert, in das Haus, dessen Erdgeschoß leer war. Eine Treppe führte in den 1. Stock, welche ich hinaufstieg. Auch dort traf ich niemand an und ging nun zum Fenster, von welchem ich den Höhenrücken, zwischen Wald, und den Dorf Barancy, einsehen konnte.
Zu meiner Überraschung sah ich, unsere eigene Infanterie, die in Schützenlinie, gegen den Höhenrücken, und den Waldrand, an welchem das Zollhaus stand, vorrückten. Als ich vom Fenster aus hinunter blickte, sah ich, etwa 80 m bis 100 m, rechts von mir Franzosen, in blauen Uniformröcken und roten Hosen. Außerdem Zuaven in hellblauen Uniformen. Alle eingegraben, auf dem Höhenrücken liegend. Bis jetzt war kein Schuss gefallen!
Vermutlich wollten die Franzosen die deutsche Schützenlinie noch näher herankommen lassen, um dann das Feuer zu eröffnen. Ich ging vom Zollhaus herunter, ließ aufsitzen und ritt mit meiner Patrouille, so schnell als möglich, auf die eigene Infanterie zu, um sie zu warnen. Ich hätte auch den Waldweg, auf dem wir gekommen waren, zurückreiten können, und wäre dann weder von den Franzosen, noch von den eigenen Infanteristen gesehen worden. Dann wäre aber die eigene Infanterie, nichtsahnend, auf die Lauerstellung der Franzosen vorgegangen, und hätte, aus nächster Nähe, Feuer bekommen.
Ich entschloss mich, also, direkt, durch die eigene Infanterie, den Hang hinunter zu reiten. Die Franzosen waren zunächst so verblüfft, von ihrer Seite her Berittene, auf die Deutschen zureiten zu sehen, dass sie erst nach einigen Sekunden, als sie erkannt hatten, dass wir Feldgraue waren, das Feuer eröffneten. Durch das nun, einsetzende, beiderseitige Geknalle wurde mein Bauerngaul so erschreckt, dass er auf einmal galoppieren konnte.
Wir kamen ohne Verluste durch unsere eigenen Linien zurück. Nur war bei meinem Pferd ein Zügel durchschossen, so dass ich auf mein Pferd keine Einwirkung mehr hatte. Der Bauerngaul galoppierte aber brav mit den anderen Pferden, zusammen, den Hang vollends hinunter.
Ich meldete dem Infanteriebataillonskommandeur, dass die Höhe stark besetzt sei. Dieser setzte sofort Verstärkungen ein, und ließ die Höhe stürmen. Es gab beiderseits Verluste. Bei den Franzosen noch mehr als bei uns. Als die Höhe und das Dorf Barancy genommen waren, setzte ich meine Patrouille fort. In der französischen Stellung sah ich zahlreiche Tote und Verwundete liegen.
Ein Bild ist mir noch besonders in Erinnerung: „Am Ortseingang von Barancy lag, mitten auf der Dorfstraße, eine junge, tote Frau, mit aufgelöstem Haar. Sie hatte offenbar noch Schutz in einem Haus suchen wollen und war, von einer verirrten Kugel, tödlich getroffen worden.“
Das Gefecht bei Barancy war die erste größere Kampfhandlung, welche ich in diesem Krieg erlebte.
In den Grenzgefechten, im August 1914, hatte ich auf Erkundungsritten, und als AVKO (Artillerieverbindungskommando), des Öfteren feindliches Infanterie-, und auch Schrapnell-Feuer, zu spüren bekommen. Jedoch tun Geschosse, welche einem um die Ohren fliegen, eine selbst nichts. Wenn man diese mit dem Ohr wahrnimmt, sind sie längst vorbeigeflogen.
Die gegnerische Artillerie hatte auch des Öfteren auf Orte, und auf Waldstücke, in denen sie deutsche Truppenansammlungen vermutete, Feuerüberfälle gemacht, welche jedoch meist danebengingen. Es handelte sich hierbei um „Planschießen“, d.h., nach der Karte, ohne Beobachtung, zu feuern.
Der Feind war bereits am Weichen. Er deckte aber seinen Rückzug durch mehrere Batterien, Feldartillerie, welche bei Petit Xivry, in Lauerstellung gegangen waren. Die erste Abteilung unseres Regiments, zu welcher die 3. Batterie gehörte, erhielt Befehl, aus der Marschkolonne heraus, in Stellung zu gehen, und zurückgehende, feindliche Infanterie, unter Feuer zu nehmen.
Wie wir es im Frieden auf dem Lerchenfeld bei Ulm, und auf dem Bad Cannstatter Wasen oft geübt hatten, ging unsere Batterie (ein Beobachtungswagen und sechs Geschütze) im vollen Galopp in offene Stellung, und wurde im Auffahren, von der feindlichen Artillerie, erfasst.
Die französischen Batterien standen in halbverdeckter Stellung, so dass unsere Richtkanoniere, die feindlichen Geschütze, am Mündungsfeuer, erkennen und direkt anvisieren konnten. Wir eröffneten sofort das Feuer. Wir hatten aber zunächst nur die Munition, welche aus den Protzen ausgeladen werden konnte, zur Verfügung.
Unsere Munitionsstaffel hatte nicht mehr, in unsere Stellung, einfahren können, da die Batterie bereits unter Granatfeuer lag. Sie fuhr in einen, am linken Flügel der Batterie befindlichen, Hohlweg ein. Nun musste die Munition, im feindlichen Feuer, aus den Munitionswagen der Staffel geholt und, zu den Geschützen, gebracht werden.
Ich hatte das Scherenfernrohr am Beobachtungswagen angebracht, so dass der Batteriechef, von da aus beobachten, und das Feuer leiten konnte. Hauptmann Wollaib ließ mich nicht gern von seiner Seite, denn im Notfall, falls er ausgefallen wäre, hätte ich für ihn einspringen müssen. Da wir die aus den Protzen ausgeladene Munition schon beinahe verschossen hatten, kam es jetzt aber in erster Linie darauf an, weitere Munition herbeizuschaffen. Er willigte daher ein, dass ich die Verteilung der Munition auf die Geschütze organisierte und auch selbst Munitionskörbe mit heranschleppte.
Das feindliche Feuer lag von Anfang an „gut“. Die Granaten krepierten teils vor, teils hinter den Geschützen, und lagen auch teilweise, mitten in unserer Batterie.
Von der Munitionsstaffel zu den Geschützen waren, zwischen 100 m und 200 m, über freies Feld, zurückzulegen. Unter den Männern, welche die Munitionskörbe heranzuschleppen hatten, gab es daher leider auch einige Ausfälle. Das Artillerieduell dauerte immer noch an, und wir waren schon in Sorge, ob uns die Munition reichen würde.
Da erschien, hoch zu Ross, mein späterer Gebirgsartilleriekamerad, und Freund, Roser aus Urach. Er brachte, von der leichten Munitionskolonne, zwei Munitionswagen voll Granaten; ließ diese im feindlichen Feuer ausladen, zu den Geschützen bringen, und kehrte ohne Verluste, im Galopp, zu seiner Munitionskolonne zurück.
Die erste und zweite Batterie der Abteilung, sowie eine Batterie leichte Feldhaubitzen, des Ulmer Artillerieregiments Nr. 49, griffen ebenfalls in das Artillerieduell ein. Schließlich wurden die feindlichen Batterien zum Schweigen gebracht. Der Feind hatte schwere Verluste. Er ließ die Geschütze und Munitionswagen, welche teilweise Volltreffer aufwiesen, stehen und flüchtete.
Die zurückweichenden Infanteriekolonnen der Franzosen, welche wir auch unter Feuer nehmen sollten, waren natürlich längst verschwunden. Unsere Abteilung hatte auch ziemliche hohe Verluste. Ich weiß die Zahlen nicht mehr genau. Es waren aber mindestens 10 Tote! Darunter der Batteriechef, der 2. Batterie, Hauptmann Schnitzler. Etwa 30 Unteroffiziere und Mannschaften wurden, zum Teil schwer verwundet.
Da der Vormarsch an diesem Nachmittag nicht fortgesetzt wurde, konnten wir bei Petit Xivry biwakieren, und dort auch, unsere Toten bestatten.
Beim Weitermarsch, am nächsten Morgen, kamen wir an den feindlichen Stellungen vorbei und sahen die, zum Teil beschädigten, Geschütze samt Munitionswagen, stehen. Diese waren, noch mit bis zu einem Drittel, voll mit Munition. Wir erfuhren auch, weshalb das Feuer der gegnerischen Batterien von Anfang an so gut gelegen hatte.
Das Gelände zwischen Grand Failly und Petit Xivry war im Frieden ein französischer Artillerieübungsschießplatz. Ähnlich wie Münsingen auf der Schwäbischen Alb. Man kannte also dort alle Entfernungen. Dieses Artillerieduell bei Petit Xivry war die Bewährungsprobe der 1. Abteilung des Feldartillerieregiments Nr. 13, und zugleich die Feuertaufe der Artillerie.
Der Raum bis zur Maas wurde von der Aufklärung als „feindfrei“ gemeldet.
Die 27ste Division stand marschbereit, mit Vorhut und Gros, auf der Straße: „an der Spitze des Trosses, ein Zug Husaren, von der Heereskavallerie. Dabei meine Artilleriepatrouille. Dahinter eine Kompagnie Ulmer Pioniere. Dann am Anfang des Gros der Divisionskommandeur mit seinem Stab“.
Die Marschkolonne hatte sich gerade in Bewegung gesetzt, als plötzlich, aus einem Waldstück, etwa 500 m rechts der Straße, Franzosen heraustraten, die weiße Tücher zeigten. Mutmaßlich Versprengte, die sich ergeben wollten.
Der Husarenleutnant ritt mit einigen Begleitern, auch die Parlamentärflagge zeigend, auf die Franzosen zu. Als er ganz nahe bei ihnen war, eröffneten diese, heimtückisch, das Feuer. Der Leutnant, und die meisten seiner Reiter, fielen vor den Augen des Divisionskommandeurs Graf von Pfeil. Dieser war äußerst empört über eine solche Hinterhältigkeit und gab den Pionieren, sofort, den Befehl anzugreifen. Er rief dem Kompaniechef zu: „Es wird kein Pardon gegeben!“ Auch das, am Anfang des Gros marschierende Bataillon, Grenadiere, wurde unmittelbar, sofort, eingesetzt, um den Wald zu durchkämmen. Zum Glück für die Franzosen hatte der Bataillons-Kommandeur den Zuruf des Divisions-Kommandeurs nicht gehört. Sonst wäre es ihnen schlecht ergangen. Es stellte sich heraus, dass es sich um die Besatzung der Festung Montmedy handelte, die noch über die Maas zu entkommen, und zu fliehen, versuchte.
Über 3000 Franzosen samt ihrem General ergaben sich. Am Waldrand, welchen die Pioniere, auf Geheiß von Divisions-Kommandeurs Graf von Pfeil, gestürmt hatten, sah es böse aus.
Im großen Herbstmanöver 1913, also am Schluss meiner Wehrpflicht-Dienstzeit, war ich, wie auch schon beim Brigademanöver, zum Brigadestab (General Bernhardt, Adjutant Hauptmann Hoene) kommandiert. Dieses Kommando galt zwar als besonders auszeichnend, war aber nicht sehr beliebt, da es meist bei der Rückkehr, zur Batterie, mit einem Anpfiff durch den Batteriechef endete.
Beim Brigadestab bewegte man sich fast nur im Galopp. Von einem Truppenteil zum andern, und das hat die Pferde natürlich ziemlich mitgenommen. Meine Aufgabe bestand darin, die Befehle (sogenannte „Sattelbefehle“), welche der General gab, mitzustenographieren und abends, wenn alles schon zur Ruhe übergegangen war, in Maschinenschrift zu übertragen. Oft waren dazu auch noch Lageskizzen anzufertigen. Es war also ein verdammt anstrengendes Kommando!
Nach der Rückkehr zur Batterie, wenige Tage vor der Entlassung im Jahr 1913, veranstaltete der Batteriechef einen Pferdeappell. Ich machte mich schon darauf gefasst, den mir prophezeiten Anpfiff zu bekommen. Es war aber das Gegenteil der Fall. Der Zustand meines Pferdes wurde als gut bezeichnet und außerdem bekam ich noch ein Lob: „Der General sei mit mir sehr zufrieden gewesen.“
Kurz vor Beendigung des besagten Herbstmanövers 1913 hatte, bei einer Übung, die „Blaue“ Partei, eine von „Rot“ besetzte Höhe, zu stürmen. Ein Bataillon des Ulmer Grenadierregiments Nr. 123 war zu diesem Sturmangriff ausersehen worden. Als besonderes „Highlight”, hatte sich der Regimentskommandeur ausgedacht, die Regimentsmusik, hinter den stürmenden Grenadieren, spielen zu lassen, um dem Angriff besonderen Schwung zu geben.
Ich war zufällig Zeuge, dieses „Schluss-Effekts“ des Herbstmanövers, da der gesamte Brigadstab, einschließlich meiner Wenigkeit, bereits, zu der auf diesem Hügel stattfindende Manöverkritik, heran geritten war. Der Sturmangriff der Ulmer Grenadiere war ein prächtiges Schauspiel! Aber ich fragte mich im Stillen, wie das wohl im Ernstfall aussehen würde? Und diesen Ernstfall habe ich erlebt.
Die 27ste Division hatte, mit einigen Teilen, die Maas, bei Dun, überschritten und einen verhältnismäßig engen Brückenkopf gebildet. Damit der Vormarsch in Richtung Verdun weitergehen konnte, musste unbedingt eine, von den Franzosen besetzte, bewaldete Höhe genommen werden. Ausgerechnet die Ulmer Grenadiere wurden zu diesem Sturmangriff ausersehen.
Der gleiche Regimentskommandeur, seinen Namen weiß ich nicht mehr, ließ, wie auch im Manöver, die Regimentsmusik hinter den Stürmenden antreten und mit „Preußens Gloria“ ging es den Hang hinauf. Ich war wieder einmal „AVKO“ (Artillerieverbindungskommando) und hatte mich beim Kommandeur, des stürmenden Bataillons, aufzuhalten.
Wir befanden uns etwa in der Mitte, zwischen den Stürmenden und dem Musikkorps. Dieses spielte den Marsch anfangs schneidig. Bald war die Marschmelodie nicht mehr deutlich zu erkennen. Es fielen allmählich immer mehr Instrumente aus. Trotzdem wurde die Höhe rasch genommen, und zwar mit nur geringen Ausfällen unter den Stürmenden. Dagegen hatte das Musikkorps erhebliche Verluste, großenteils Verwundete, aber auch einige Tote. Die französische Infanterie hatte offenbar das Visier zu hoch eingestellt. Infolgedessen schlugen die Geschosse, nach den Regeln der Ballistik, teils beim Bataillonsstab, hauptsächlich aber beim Musikkorps ein. Es war mutmaßend das einzige Mal in diesem Krieg, dass die Ulmer Grenadiere mit „Preußens Gloria“ stürmten.
Im weiteren Verlauf des Vormarsches in Frankreich, hatte das württembergische Armeekorps, dem Feind dicht auf den Fersen bleibend, den Argonnen Wald fast durchstoßen. In einem Nachtangriff, welchen ich wieder, als AVKO (Artillerieverbindungskommando), bei den Ulmer Grenadieren mitmachte, und bei dem als Erkennungszeichen die makabre Parole, „Sieg oder Tod“, ausgegeben worden war, wurde das letzte Waldstück, bei geringen, eigenen Verlusten, vom Feind gesäubert.
Artillerieunterstützung war bei diesem Nachtangriff nicht möglich gewesen, da man ja bei Nacht nicht beobachten konnte. Unbeobachtetes Planschießen hätte die eigene Infanterie gefährdet! Für die Fortsetzung des Angriffs, außerhalb des Waldes, wünschte der Infanteriekommandeur jedoch Artillerieunterstützung. Über die von meinen Telefonisten gebaute Telefonleitung, verständigte ich meinen Batteriechef, dass er doch mit dem Infanteriekommandeur, dessen beabsichtigten Angriff, besprechen möchte.
Inzwischen erkundete ich am Waldrand eine Beobachtungsstelle, von welcher aus man, die auf der von den Franzosen noch besetzte Höhe, mit dem Fernglas, ausfindig machen konnte.
Die feindliche Artillerie machte immer wieder Feuerüberfälle auf das von uns in der Nacht eroberte Waldstück. Als ich Hauptmann Wollaib zu dem erkundeten Beobachtungspunkt führte, gerieten wir auch in solch„ einen Feuerüberfall. Glücklicherweise gab es nur ein paar Kratzer von dem Dorngestrüpp, als wir in einer Mulde Deckung suchten.
Während der Batteriechef zur Batterie zurückkehrte, ließ ich meine Telefonleitung bis zu der Beobachtungs-Stelle verlängern. Dann richtete ich die Batterie, nach dem Nordnadelverfahren, aus, in dem ich die Daten telefonisch durchgab. Zum Schießen kam die Batterie aber nicht mehr. Infanteriepatrouillen meldeten, dass der Feind; vermutlich war es nur noch die Nachhut, die Stellung geräumt hätte. Die Batterie machte nun sofort Stellungswechsel, in eine vor dem Wald liegende Stellung. Ich richtete, für diese, eine geeignete Beobachtungsstelle ein.
In dieser Nacht kam der Befehl, dass die 27ste Division herausgezogen würde, und wir uns sofort Marsch bereit machen sollten. Das kam uns nun sehr merkwürdig vor! Auch das eine Nachhut gebildet wurde, zu der nun auch wir, die 3. Batterie, gehörte? Das sah nach Rückzug aus. In einem 24 stündigen, geordneten Marsch, meist bei strömendem Regen, legte die 27ste Division den Weg zurück, den sie vorher, durch die Argonnen hindurch, erkämpft hatte.
Da sich nicht allein das XIII württembergische Armeekorps auf dem Rückmarsch befand, sondern auch die links und rechts benachbarten Korps, rätselten wir daran herum, was sich wohl ereignet haben mochte. Da nicht einmal das Regiment, geschweige denn die Batteriechefs genau über die Lage orientiert waren, nahm man an, dass es sich um eine strategisch bedingte Verschiebung handle. Vielleicht sogar um einen raffinierten Schachzug?
Wir wunderten uns auch darüber, dass uns der Gegner nicht folgte, und wir als Nachhut, somit nichts zu tun bekamen. Auch der Franzose dürfte sich gewundert haben, dass die Deutschen nicht weiter angriffen, nachdem sich die gesamte französische Front auf dem Rückzug befunden hatte. Erst am dritten Tag gingen die französischen Truppen, zögernd, wieder vorwärts und kamen mit unserer Nachhut in Berührung. In einigen kleineren Gefechten, und auch mit Gegenangriffen, wurde der Feind so lange hingehalten, bis sich auch die Lazarette, mit ihren Verwundeten, abgesetzt hatten. Dann ging man zum Stellungskrieg über. Meine 3. Batterie bezog Stellung, am linken Flügel unserer ersten Abteilung des Regiments, südlich von Binarville.
Zwischen Frankreich und England war im Jahre 1904, angeblich wegen kolonialer Fragen, ein Bündnis, die sogenannte „Entente Cordiale“ geschlossen worden, welcher auch noch Russland im Jahre 1907 beitrat.(The trible Entente) Nachdem Russland sich vom Russisch-Japanischen Krieg (1904 - 1905) erholt hatte.
Immer mehr wurde klar, dass die Franzosen dieses Bündnis geschaffen hatten, um bei einer passenden Gelegenheit, an Deutschland, für die Niederlage von 1870/71, Revanche zu nehmen. Als Gegengewicht wurde, damals zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien, der Dreibund gebildet. Hierbei waren die Italiener jedoch unsichere Partner, da sie Gebietsansprüche an Österreich-Ungarn stellten. Italien beanspruchte in Südtirol, zumindest, den Italienisch sprechenden Teil, Trentino.
Der deutsche Generalstab mußte sich auf diese Lage einstellen. Eventuell eines Tages einen Zwei- oder sogar Dreifrontenkrieg führen zu müssen. Der Nachfolger(des großen Strategen von 1870/71 Generalfeldmarschall von Moltke) und neue Chef des Generalstabs des Heeres, Graf von Schlieffen, ein ebenso genialer Stratege, hatte sich auf diese Lage einzustellen, und Pläne für einen Ernstfall vorzubereiten.
Er starb, bevor dieser Ernstfall eintrat. Sein Nachfolger, der Neffe des großen Moltke, übernahm diese Pläne, konnte aber die wichtigste Forderung von Graf vom Schlieffen: „Macht mir den rechten Flügel stark“, aus folgenden Gründen nicht, im notwendigen Umfang, erfüllen: „Die vom großen Generalstab 1912 geforderte Heeresverstärkung, durch 3 neue Armeekorps, war vom deutschen Reichstag nicht bewilligt worden, obwohl Kräfte dazu vorhanden gewesen wären (längst nicht alle Wehrpflichtigen und Wehrfähigen waren zum Wehrdienst herangezogen, sondern zurückgestellt worden).“
Dagegen hatten die Franzosen, kurz vorher, die dreijährige Dienstzeit eingeführt, um so mehr gute, ausgebildete Kräfte verfügbar zu haben. Sie konnten diese Soldaten, alle an der Front gegen Deutschland einsetzen. Die Italiener, die eigentlich dazu verpflichtet gewesen wären, Kräfte an der Grenze, zwischen Italien und Südfrankreich, bereit zustellen, verhielten sich neutral. Die Deutschen mussten von vornherein einen Zweifrontenkrieg führen, welcher sofort, bei Kriegsbeginn, die Bereitstellung einer Armee im Osten erforderte.
Aus den 24 Armeekorps, die bei Kriegsausbruch mit den vorhandenen Waffen und den verfügbaren, ausgebildeten Kräften, aufgestellt werden konnten, sind 8 Armeen gebildet worden: die 1. bis 7. für den Angriff im Westen, die 8. für den hinhaltenden Widerstand im Osten.
Zur raschen Niederwerfung Frankreichs war nach dem Schlieffen-Plan eine starke Reserve, hinter dem, in besonderem Maße beanspruchten rechten Flügel, des Westheeresvorgesehen. Diese Reserve war aber, da die 1912 geforderte Heeresverstärkung vom Reichstag abgelehnt worden war, nicht vorhanden.
Trotz alledem, waren die gegen Frankreich und Belgien eingesetzten Armeen, mit großem Schwung, allerdings teilweise unter nicht unbeträchtlichen Verlusten, bis an die Marne vorgedrungen; und damit nur ein bis zwei Tagemärsche von Paris entfernt.
Die 1. und 2. Armee, die am rechten Flügel eingesetzt waren, mussten zuerst Belgien, in schnellem Vordringen, erobern, bevor sie die französische Front angreifen konnten. Die großen Strapazen, und auch beträchtliche Verluste, hatten diesen beiden Armeekorps ziemlich zugesetzt. Nachdem die kritischen Situationen, in den ersten Septembertagen, bereits schon überwunden waren, erteilte die Oberste Heeresleitung, in Verkennung der Lage, den Befehl zum Rückzug.
Die Oberste Heeresleitung saß weit hinten (in Koblenz), und die Nachrichtenverbindungen, zu den kämpfenden Armeen, waren zu Kriegsanfang noch sehr unzuverlässig. Es gab nur wenige Funkstationen. Auch die Fernsprechverbindungen konnten nicht schnell genug nachgebaut werden. Die Fliegeraufklärung steckte noch in den Kinderschuhen, so dass der Chef des Generalstabs unzureichend, und oft erst verspätet, über die Lage informiert war.
Die Russen waren mit starken Kräften (Armee Rennekampff) in Ostpreußen eingefallen. Die 8. Deutsche Armee, welche die Ostgrenze, von Memel bis Kattowitz, hinhaltend, verteidigen sollte, konnte trotz zähen Widerstands, nicht verhindern, dass die Russen, ein gutes Stück, Ostpreußen eroberten. Dann kam der russische Angriff, in einer, für die Deutschen, günstige Verteidigungsstellung, zum Stehen. Es mußte aber damit gerechnet werden, dass die russischen Massen, nach einer Ruhepause, erneut mit starken Kräften, angreifen würden. Die Zuführung von Reserven, war für die Deutschen, von daher, dringend, erforderlich.
Zudem mußte man auch noch den Österreich-Ungarischen Bundesgenossen, welche in Galizien weit zurückgehen mussten, zu Hilfe kommen.
Es blieb bei dem Entschluss, an der Westfront auf eine günstige Verteidigungslinie zurückzugehen und Kräfte für den Osten freizumachen. In der gleichen Zeit, zu welcher im Westen die Rücknahme der 1. bis 5. Armee bereits im Anlaufen war, war im Osten die siegreiche Schlacht bei Tannenberg geschlagen worden.
Die 8. Armee war zur selben Zeit im Begriff, in der Verfolgung, der durch schwere Verluste an Menschen und Material, erheblich geschwächten, russischen „Armee Rennekampff”, die Entscheidung zu suchen.
Da durch den Rückzug, der Österreich-Ungarischen Truppen, vor der „Narew-Armee“, nun auch Oberschlesien, bedroht war, mussten der Ostfront weitere Kräfte zugeführt werden; indem man die Westfront, die zum Stellungskrieg überging, verdünnte.
Es konnten nun drei neue Armeekorpse aufgestellt werden. Die 27ste Division, die im Westen verblieb, mußte von jedem Bataillon, drei Kompanien, und das ganze Feldartillerieregiment Nr. 13, abgeben. Unser Regiment kam zur 25sten (hessischen) Reservedivision, die zusammen mit der 26sten (württembergische) Division jetzt das XIII Armeekorps bildete.
Ich habe diesen Abschnitt etwas ausführlicher gehalten, weil die jetzige Generation, kaum etwas, von den damaligen, strategischen Zusammenhängen, wissen kann.
Nach zwei Monaten Stellungskrieg südlich Binarville, am Nordwestrand des Argonnen-Waldes, erhielt ich, nebenbei bemerkt, das E.K. II‚ für das ich als erster Unteroffizier der Batterie, für verschiedene Einsätze, während des Vormarsches (u.a. für Petit Xivry), von Hauptmann Wollaib, vorgeschlagen worden war. Unser Regiment wurde im Eisenbahntransport, quer durch Deutschland, nach Polen gefahren und in der Gegend von Wlozlawec, an der Weichsel, ausgeladen.
Im Verband der 25sten Reservedivision, unterstützte das Regiment, die Angriffe der Infanterie, in verschiedenen Gefechten, u. a. beim Durchbruch bei Wszeliwy und bei Antosin, mit großem Erfolg. Die artilleristische Gegenwirkung war gering. Die Russen hatten ja einen großen Teil ihrer Artillerie, bei den vorhergegangenen Kämpfen (Tannenberg usw.), verloren.
Doch blieb unser Regiment von Verlusten nicht verschont, denn in dem flachen Gelände, erreichten die Weitschüsse, der russischen Infanterie, auch die Batteriestellungen, und sogar dahinter, bereitgestellte Reserven.
