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Wer hat es selbst noch nicht erfahren, dass er sich fremd und unerkannt, im eigenen Land, in der Familie und auch bei Freunden wiederfand. Dass er sich wie vom anderen Stern als Störenfried auf Erden sah, als ein Komet, ein Fabelwesen, ein Irrer, ja ein Alien gar. So ging es mir auf meinem Wege rund um die Erde, na ja, fast ... Auf jeden Fall bis an die Küste Europas -. und das ist schon was. Denn nicht nur so, zu Fuß, per Auto, per Flugzeug oder mit dem Zug, wollte ich um die Erde reisen, oh nein, das war mir nicht genug. Als Tramper und mit mir der Wagen samt dem Altar das war mein Ziel. Obwohl ein jeder gütig sagte: du spinnst, und du erwartest viel zu viel. Glaubst du denn wirklich, dass die Menschen erkennen, was du damit willst, und dir ein jeder, der dich sieht, so ohne Weiteres auch hilft? Du hast, bedenke es fürwahr, im Schlepp ein Monster von Altar.
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Siegfried Ahlborn
Per Anhalter mit einem Altar
Eine wahre Geschichte
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Wie ein Alien im eigenen Land
Die Entstehung der Bilder
Das Vorhangbild
Das erste Bild des Altars: St. Michael
Das zweite Bild des Altars: Die Heilige Familie 1
Die Heilige Familie 2
Das dritte Bild des Altars: Pfingsten
In der Barmherzigkeitskapelle in Elsen/Paderborn
In der St. Heinrichskirche in Paderborn
Der Entschluss
Der Moment der Entscheidung
Die Fahrt beginnt
Per Anhalter vom 23. 07 - 28. 08. 2011
Impressum neobooks
Wer hat es selbst noch nicht erfahren, dass er sich fremd und unerkannt, im eigenen Land, in der Familie und auch bei Freunden wiederfand. Dass er sich wie vom anderen Stern als Störenfried auf Erden sah, als ein Komet, ein Fabelwesen, ein Irrer, ja ein Alien gar.
So ging es mir auf meinem Wege rund um die Erde, na ja, fast ... Auf jeden Fall bis an die Küste Europas -. und das ist schon was.
Denn nicht nur so, zu Fuß, per Auto, per Flugzeug oder mit dem Zug, wollte ich um die Erde reisen, oh nein, das war mir nicht genug. Als Tramper und mit mir der Wagen samt dem Altar das war mein Ziel. Obwohl ein jeder gütig sagte: du spinnst, und du erwartest viel zu viel. Glaubst du denn wirklich, dass die Menschen erkennen, was du damit willst, und dir ein jeder, der dich sieht, so ohne Weiteres auch hilft?Du hast, bedenke es fürwahr, im Schlepp ein Monster von Altar.
Das wusst ich selber nur zu gut, und mit dem Wissen sank der Mut, die Bilder von St. Michael, von Weihnacht Ostern und so fort, mit mir zu führ‘n von Ort zu Ort. Doch für mich sprach ich immerzu, wer soll es machen, wenn nicht du?
Es sind fürwahr nur wenig Tage, wo unserer Welt die Friedensfrage so einheitlich im Munde lebt. Wo uns in trauter kleiner Runde mit der Familie und dem Hunde die Liebe in die Seele geht.
Das sind die hohen Festeszeiten, wie Weihnacht Ostern und so fort, wo wir die Herzen vorbereiten für das erhabne Gotteswort.
Doch reicht das aus? - so ein - zwei Tage, dass da die Waffen stille stehn, um gleich hernach mit gleicher Wucht in der Zerstörung fortzugehn? Das reicht nicht, nein, das ist auch nicht das Ziel der Tage für den Frieden. Das Ziel ist doch, dass sich die Menschen, das ganze Jahr wie Weihnacht lieben.
So denkend konnte ich mir sagen, dass es durchaus berechtigt ist: das ganze Jahr und alle Tage soll‘n diese Bilder an das Licht. Doch ist es gleich, ob wir die Feste der Christenheit im Bilde sehn. Es können auch die anderen Völker mit ihrer Kunst haussieren gehn. Gleich wie, die Kunst ist allemal, viel höher als ein Glaubenssaal.
So wollte ich - von Hand zu Hand, mit dem Altar durch Stadt und Land.
Doch ach, ihr werdet es schon ahnen, dass solch ein Plan nicht einfach ist. Da muss man Stück für Stück begraben, was man sich insgeheim verspricht. Und manchmal nicht bloß insgeheim, nein öffentlich hat man geprahlt, dass sich die Welt zu Füßen legt, dem, der solch hohe Bilder malt.
Denn sind die Bilder noch so schön, die meisten woll‘n sie gar nicht sehn. Sie schauen nur verwirrt von fern, und wissen gleich: vom anderen Stern.
So mag selbst mancher meiner Freunde, so gutmütig er sich auch gab, sich insgeheim gewundert haben, was für ein Blödsinn in mir lag.
Nun gut, ich will trotzdem erzählen, was auf der Fahrt geschehen ist, denn abgesehn von dunklen Stunden, gab es auch Stunden voller Licht. Ich will erzählen, wie die Menschen mir halfen oder achtlos waren. Mal musste ich den Wagen schieben, mal durfte ich ein Stücklein fahren. Doch immer schlich die Angst sich ein, es könnte schon das Ende sein. Nun gut, ich will es frank und frei, erzählen, dass es offen sei.
Wie ist nun der Altar entstanden? Woraus erwuchs mir die Idee? Sie kam aus meinem täglich Suchen nach Menschenglück und Menschenweh. Ich suchte nach dem Sinn des Lebens und fand, dass dieser sich erklärt, wenn ich das finde, was verborgen und unsichtbar zum Mensch gehört.
Und das sind nicht die Moleküle, nicht DNS, nicht Hax und Hix. Es ist der feine Geisteskörper, der jedem Menschen eigen ist. – Den er nur nicht als solchen sieht, weil ihn der Sinnenschein betrügt.
Ich fand, dass hinter jedem Menschen ein Geisteskern sich selber nennt, und dass sich dieses „Ichbewusstsein“ noch immer nicht in Wahrheit kennt. So sucht ich mich im „Ich“ zu greifen, im Geiste, der sich selber nennt, denn ausgeschlossen schien es mir, dass sich der Stoff als „Ich“ erkennt.
Wer nennt sich da, wer kennt sich da, so fragte ich mich immerfort. Und plötzlich war das Wissen da, um jenen ganz geheimen Ort. Der Ort ist stets geheim geblieben, weil wir nicht ahnen, wo er liegt, da uns die Suche nach dem Jenseits, nur allzu oft das Falsche gibt.
Der Ort ist so geheim geblieben, weil wir ihn täglich sehn und spüren, und doch durch unsere Ängstlichkeiten ihn fliehen, wenn wir ihn berühr‘n.
Ein Schmetterling, der im Kokon des Erdenkörpers sich verfängt und vor sich selber fliehen möchte, weil er sich nur als Schale kennt. Doch hat die Schale ihn geboren, das Außen ist dem Innen gleich, nur streben beide gleichen Hälften nach einem anderen Himmelreich. Das eine neigt sich zu der Schwere, das andere zur Leichtigkeit. Doch sind sie beide, meine Ehre, entstanden aus der Einigkeit.
Das ist der Ort, von dem es heißt: der Geist wird zum Stoff und Stoff wird Geist. So gibt es keinen Stoff auf Erden, der nicht aus Geistigem besteht, und keinen Stoff, der sich nicht selbst vom Physischen zum Geiste hebt.
Und diese beiden gleichen Welten, die durch und füreinander stehn, die konnte ich im Erdenleben von unserem Heiland wirksam sehn. Und darum habe ich gemalt, wie uns sein Licht durchs Kreuz erstrahlt.
Neun Monate hab ich gebraucht, bis alle Bilder vor mir lagen. Neun Monate lang musste ich den Terpentingeruch ertragen. Denn in den kleinen Räumlichkeiten, in denen man mich malend fand, war es so eng, dass der Altar in einem Kreise um mich stand.
So konnte ich die einzelnen Bilder, niemals in ihrer Ganzheit sehn, und auch das Fenster war verbaut, die Luft schien ewig still zu stehn.
Egal, ich hab es ausgehalten, was sollte ich auch anderes tun, den festen Vorsatz zu gestalten, bildschöpferisch im Geist zu ruh‘n.
Nun, ich begann den Weg der Bilder mit dem, was jeder Mensch heut fühlt, ob nun bewusst, ob unbewusst, was in den Menschen schmerzt und wühlt. Das ist der Riss, der Weltzerstörer, der Abgrund, über dem wir stehn, das Chaos, das uns mit sich zieht, in dem wir langsam untergehn.
Der Riss, der zwischen Wissenschaft und Religion sich selbst erhält, weil uns die eine Welt zu sehen von Grund auf immer schwerer fällt.
Und dort hinein, in das Getriebe und stehend über jenem Riss - malt ich mich selbst … - bei aller Liebe, sagte man mir: Das tut man nicht.
Ich hab‘s getan. Ich wollt es so, wen hätte ich auch malen sollen? Gar einen Fremden, einen Freund? Wer hätte schon dort stehen wollen? Ich fühlte ihn, den Riss der Welten, ich wusste, was man tuen muss, um über ihm sich zu erhalten in Hoffnung, Liebe und Verdruss.
Ja, dieser Riss, er spaltet das, was kosmisch eine Einheit ist, in Geist und Stoff, in Nacht und Licht, in Leichtigkeit und in Gewicht.
Wir trennen heute Stoff und Sohn in Wissenschaft und Religion.
Wir lesen morgens in der Zeitung vom Urknall als Entstehungsort und hören später in der Kirche: Im Urbeginne war das Word. Was stimmt da nun, wem glauben wir? Dem Weg aus Gott, dem aus dem Tier?
Wir nehmen beides gleichermaßen, weil wir uns nicht entscheiden können. Soll stimmen, was da stimmen will, wir werden blindlings weiter rennen. Wohin? Genau das war die Frage, die mich bewegte und ich sah, dass da, wo sich die Frage regte, ein Riss, ein tiefer Abgrund war.
Da stand auf seiner einen Seite das Bild der toten Wissenschaft, die uns verführt im schönen Kleide bis hin zum kalten Rassenhass. Und auf der anderen Seite stand das Bild der Gottgemeinsamkeit, doch war das hohe Götterwissen in unserer Zeit Vergangenheit.
Ein Riss, ein Abgrund, wie gesagt, der mir auch selbst im Herzen lag.
So malte ich mich ganz alleine. Zur rechten Hand die Wewelsburg, die mir mit ihrer dunklen Seite die Wissenschaft des Bösen trug. Zur linken Hand die Externsteine, mit ihrer Gottvergangenheit. Sie neigten sich auf ihrer Seite der längst vergangenen Heiligkeit.
