Plötzlich Fee - Herbstnacht - Julie Kagawa - E-Book

Plötzlich Fee - Herbstnacht E-Book

Julie Kagawa

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Beschreibung

Wenn Liebe zu Magie wird

Am Vorabend ihres siebzehnten Geburtstags findet sich Meghan als Wanderin zwischen den Welten wieder: Sie und Ash, der Winterprinz, wurden wegen ihrer verbotenen Liebe aus Nimmernie verbannt. Nun sind sie auf der Flucht. Denn die Eisernen Feen, denen Meghan im letzten großen Kampf empfindlichen Schaden zufügte, sinnen auf Rache und machen auch vor der Welt der Sterblichen nicht halt. Für Meghan gibt es keinen sicheren Ort mehr.

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Seitenzahl: 624

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Julie Kagawa

Plötzlich Fee

HERBSTNACHT

Julie Kagawa

Plötzlich Fee

HERBSTNACHT

Roman

Aus dem Amerikanischen von

Charlotte Lungstraß

Impressum

Die Originalausgabe erscheint unter dem Titel The Iron Queen

bei Harlequin Teen, Ontario.

Copyright © 2011 by Julie Kagawa

Copyright © 2012 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Redaktion: Luitgard Distel

Satz: Christine Roithner Verlagsservice, Breitenaich

ISBN: 978-3-641-07053-3

www.heyne-fliegt.de

Widmung

Für Erica und Gail, Ashs größte Fans.

Und Nick, von jeher meine Inspiration.

Erster Teil

Der lange Weg nach Hause

Vor elf Jahren, an meinem sechsten Geburtstag, verschwand mein Vater.

Vor einem Jahr, an eben jenem Tag, wurde mir auch mein Bruder genommen. Doch diesmal ging ich ins Feenreich, um ihn zurückzuholen.

Es ist seltsam, wie eine Reise einen verändern und was man dabei alles lernen kann. Ich lernte, dass der Mann, den ich für meinen Vater gehalten hatte, gar nicht mein Vater war. Dass mein biologischer Vater nicht einmal ein Mensch war. Dass ich die Halbbluttochter eines legendären Feenkönigs war und dass sein Blut in meinen Adern floss. Ich lernte, dass ich Macht hatte, eine Macht, die mir Angst macht, auch heute noch. Eine Macht, die selbst die Feen fürchten – etwas, was sie vernichten kann. Und ich bin nicht sicher, ob ich sie kontrollieren kann.

Ich lernte, dass die Liebe die Grenzen von Spezies und Zeit zu überwinden imstande ist, dass sie wundervoll und perfekt sein kann und es wert ist, um sie zu kämpfen. Aber auch, dass sie manchmal zerbrechlich ist, dass sie einem das Herz zerreißen kann und dass sie unter Umständen große Opfer fordert. Dass du manchmal allein gegen die ganze Welt kämpfst und es keine einfachen Antworten gibt. Dass man wissen muss, wann man jemanden festhalten sollte … und wann es besser ist, loszulassen. Und selbst wenn diese Liebe zu dir zurückkommt, kann es passieren, dass du in einem anderen, der die ganze Zeit schon da war, etwas ganz Neues entdeckst.

Ich dachte, es wäre vorbei. Ich dachte, meine Zeit bei den Feen, all die unmöglichen Entscheidungen, die ich fällen musste, und die Opfer für all jene, die ich liebte, lägen hinter mir. Doch es braute sich ein Sturm zusammen, der all diese Entscheidungen auf die Probe stellen sollte wie noch nie zuvor. Und diesmal würde es kein Zurück geben.

Mein Name ist Meghan Chase.

In weniger als vierundzwanzig Stunden werde ich siebzehn.

Déjà-vu, was? Schon schockierend, wie die Zeit an einem vorbeirast, als würde man stillstehen. Ich kann nicht glauben, dass seit diesem Tag schon ein Jahr vergangen ist. Seit dem Tag, als ich ins Feenreich ging. Dem Tag, der mein Leben für immer verändert hat.

Technisch gesehen werde ich eigentlich gar nicht siebzehn. Dazu war ich zu lange im Nimmernie. Solange man im Feenreich ist, altert man nicht oder zumindest so langsam, dass es nicht weiter erwähnenswert ist. Deshalb bin ich, obwohl in der wirklichen Welt ein ganzes Jahr vergangen ist, wahrscheinlich nur ein paar Tage älter als damals, als ich ins Feenreich ging.

Doch in Wirklichkeit habe ich mich so sehr verändert, dass ich mich selbst kaum wiedererkenne.

Unter mir klapperten die Hufe des Kelpiefohlens auf dem Betonboden; ein regelmäßiger Rhythmus, der zu meinem Herzschlag passte. Auf diesem verlassenen Stück Highway mitten in Louisiana, das von Tupelobäumen und moosbedeckten Zypressen gesäumt war, fuhren nur wenige Autos, doch die rasten vorbei, ohne langsamer zu werden, und wirbelten dabei tote Blätter auf. Denn sie konnten das zerzauste schwarze Pferd, dessen rote Augen leuchteten wie glühende Kohlen und das ohne Zaumzeug und Sattel an der Straße entlangtrabte, nicht sehen. Genauso wenig wie die Gestalten auf seinem Rücken: das Mädchen mit den hellen Haaren und den umwerfenden dunkelhaarigen Prinzen hinter ihr, der die Arme um ihre Hüfte geschlungen hatte. Sterbliche waren blind gegenüber der Welt der Feen, einer Welt, der ich inzwischen angehörte – ganz egal, ob ich darum gebeten hatte oder nicht.

»Wovor hast du Angst?«, murmelte mir eine tiefe Stimme ins Ohr und jagte mir einen Schauer über den Rücken. Selbst in den schwülwarmen Sümpfen von Louisiana strahlte der Winterprinz Kälte aus, und sein Atem strich erfrischend kühl über meine Haut.

Ich warf ihm über meine Schulter einen Blick zu. »Was meinst du?«

Ash, der Prinz des Dunklen Hofes, sah mich an. Seine silbernen Augen funkelten in der Dämmerung. Offiziell war er kein Prinz mehr. Königin Mab hatte ihn aus dem Nimmernie verbannt, nachdem er sich geweigert hatte, seiner Liebe zu der halb menschlichen Tochter des Sommerkönigs Oberon abzuschwören. Oberon, mein Vater. Sommer und Winter waren dazu bestimmt, Feinde zu sein. Wir sollten uns nicht verbünden, sollten nicht gemeinsam gefährliche Abenteuer bestehen und vor allen Dingen sollten wir uns nicht ineinander verlieben.

Doch das hatten wir getan und jetzt war Ash hier, bei mir. Wir waren Exilanten und die Steige – die Pfade, die ins Feenreich führten – waren uns für immer verschlossen, aber das war mir egal. Ich hatte nicht vor, jemals zurückzugehen.

»Du bist nervös.« Ashs Hand glitt über mein Haar und strich mir die Strähnen aus dem Nacken, was mich erneut erschauern ließ. »Ich kann es spüren. Dich umgibt so eine unruhig flackernde Aura, und das macht mich ein bisschen verrückt, so nah bei dir. Was ist los?«

Ich hätte es wissen müssen. Es war einfach unmöglich, meine Gefühle vor Ash, oder genau genommen vor irgendeinem Feenwesen, zu verbergen. Ihre Magie, der sogenannte Schein, zog seine Energie aus den menschlichen Träumen und Emotionen. Deshalb konnte Ash spüren, was ich empfand, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen.

»Tut mir leid«, sagte ich zu ihm. »Schätze, ich bin etwas nervös.«

»Warum?«

»Warum? Ich war fast ein Jahr weg. Mom wird an die Decke gehen, wenn sie mich sieht.« Mein Magen verkrampfte sich, wenn ich an dieses Wiedersehen dachte: die Tränen, die wütende Erleichterung, die unausweichlichen Fragen. »Sie haben nichts von mir gehört, während ich im Feenreich war.« Seufzend starrte ich die Straße hinunter, wo der Asphalt sich in der Dunkelheit verlor. »Was soll ich ihnen sagen? Wo soll ich mit meinen Erklärungen anfangen?«

Das Kelpiefohlen schnaubte und legte die Ohren an, als ein Laster unangenehm dicht an uns vorbeiraste. Ich war nicht ganz sicher, aber er sah aus wie Lukes schäbiger alter Ford, der nun die Straße hinunterrumpelte und hinter einer Kurve verschwand. Falls das wirklich mein Stiefvater gewesen war, hatte er uns definitiv nicht gesehen. Für ihn war es ja schon schwierig gewesen, sich an meinen Namen zu erinnern, als wir noch im selben Haus wohnten.

»Sag ihnen die Wahrheit«, schlug Ash vor und riss mich aus meinen Gedanken. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er mir antworten würde. »Erzähl alles, vom Anfang bis zum Ende. Entweder akzeptieren sie es oder nicht, aber du kannst nicht verbergen, was du bist, vor allem nicht vor deiner Familie. Am besten bringst du es schnell hinter dich – was auch immer dann passiert, wir werden schon damit klarkommen.«

Seine Offenheit überraschte mich. An diesen neuen Ash musste ich mich erst noch gewöhnen, dieses Feenwesen, das mit mir sprach und mich anlächelte, statt sich hinter einer eisigen Mauer der Gleichgültigkeit zu verbergen. Seit wir aus dem Nimmernie verbannt worden waren, war er offener, weniger grüblerisch und nicht mehr so angespannt, so als wäre ihm eine tonnenschwere Last von den Schultern genommen worden. Sicher, gemessen am normalen Standard war er immer noch still und ernst, aber ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, den Ash zu Gesicht zu bekommen, von dem ich schon immer gewusst hatte, dass es ihn gab.

»Aber was, wenn sie nicht damit klarkommen?«, murmelte ich und sprach damit das aus, was mir schon den ganzen Morgen über Sorgen bereitete. »Was, wenn sie sehen, was ich bin, und durchdrehen? Was, wenn sie mich … nicht mehr wollen?«

Meine Stimme wurde am Ende immer leiser, denn ich wusste, dass ich wie eine schmollende Fünfjährige klang. Aber Ash hielt mich einfach fest und zog mich noch enger an sich.

»Dann bist du eine Waise, so wie ich«, sagte er. »Und wir werden einen Weg finden, wie wir zurechtkommen.« Seine Lippen strichen über mein Ohr, was meinen Magen in hellen Aufruhr versetzte. »Gemeinsam.«

Mein Atem stockte. Ich drehte den Kopf, um ihn zu küssen, und streckte einen Arm nach hinten, um mit der Hand durch seine seidigen schwarzen Haare zu streichen.

Das Kelpiefohlen schnaubte und buckelte leicht, nicht stark genug, um mich abzuwerfen, aber doch so heftig, dass ich ein paar Zentimeter in die Luft geschleudert wurde. Ich packte panisch seine Mähne, während Ash wieder meinen Bauch umschlang und so verhinderte, dass ich runterfiel. Mit klopfendem Herzen starrte ich finster auf die Ohren des Kelpiefohlens und unterdrückte den Drang, ihm in die Rippen zu treten, was es nur als Entschuldigung genommen hätte, um mich endgültig abzuwerfen. Es hob den Kopf und warf uns mit seinen rot glühenden Augen einen bösen Blick zu – auf dem Pferdegesicht war deutliche Abscheu zu erkennen.

Ich rümpfte die Nase darüber. »Oh, Verzeihung, bereiten wir dir Unbehagen?«, fragte ich sarkastisch, woraufhin das kleine Pferd schnaubte. »Also schön, wir werden uns zusammenreißen.«

Ash kicherte, versuchte aber nicht mehr, mich nach hinten zu ziehen. Seufzend sah ich über den wippenden Kopf des Kelpiefohlens hinweg auf die Straße, auf der Suche nach vertrauten Fixpunkten. Mein Herz machte einen Sprung, als ich neben der Straße einen verrosteten Van zwischen den Bäumen entdeckte, der so alt und verfallen war, dass sogar ein Baum aus seinem Dach hervorwuchs. Der stand da schon, solange ich denken konnte, und ich hatte ihn jeden Tag vom Schulbus aus gesehen. Sein Anblick hatte mir immer gesagt, dass ich bald zu Hause sein würde.

Es schien schon so lange her zu sein – quasi eine Ewigkeit –, dass ich mit meinem Freund Robbie im Bus gesessen hatte und mir um nichts anderes Gedanken machen musste als Noten, Hausaufgaben und meinen Führerschein. So vieles hatte sich verändert. Es würde sich seltsam anfühlen, wieder in die Schule zu gehen und zu meinem alten, banalen Leben zurückzukehren, als wäre nichts passiert. »Ich werde wahrscheinlich eine Klasse wiederholen müssen«, seufzte ich und spürte dabei Ashs verwirrten Blick im Nacken. Klar, als unsterbliches Feenwesen musste er sich keine Gedanken machen über Dinge wie Schule, Führerschein und …

Plötzlich schien die Realität mit einem Schlag über mich hereinzubrechen. Meine Zeit im Nimmernie war wie ein Traum, verschwommen und unwirklich, aber jetzt waren wir wieder in der richtigen Welt. Wo ich mir durchaus Gedanken um Dinge wie Hausaufgaben, Noten und Collegebewerbungen machen musste. Eigentlich hatte ich mir im Sommer einen Ferienjob suchen und auf ein eigenes Auto sparen wollen. Nach der Highschool wollte ich auf eine technische Universität gehen, entweder nach Baton Rouge oder nach New Orleans. Konnte ich das jetzt noch machen? Nach allem, was passiert war? Und wie würde ein verstoßener Dunkler Feenprinz in dieses Bild passen?

»Was ist los?« Ashs Atem streifte wieder mein Ohr und ließ mich erschauern.

Ich holte tief Luft. »Wie soll das funktionieren, Ash?« Ich drehte mich halb zu ihm um. »Wo werden wir in einem oder zwei Jahren sein? Ich kann nicht ewig hierbleiben – früher oder später werde ich mit meinem Leben weitermachen müssen. Schule, Arbeit, irgendwann College …« Ich verstummte und starrte auf meine Hände. »Irgendwann werde ich damit fortfahren müssen, aber ich will das alles nicht ohne dich tun.«

»Darüber habe ich bereits nachgedacht«, erwiderte Ash. Erstaunt sah ich zu ihm auf, und er überraschte mich mit einem flüchtigen Lächeln. »Du hast noch dein gesamtes Leben vor dir. Da ist es nur logisch, dass du Pläne für die Zukunft machst. Und wenn ich das richtig verstanden habe, hat Goodfellow ungefähr sechzehn Jahre lang vorgegeben, er wäre ein Sterblicher. Es gibt keinen Grund, warum ich das nicht auch tun sollte.«

Verwirrt blinzelte ich ihn an. »Echt?«

Er berührte sanft meine Wange und sah mich mit einem durchdringenden Blick an. »Vielleicht wirst du mir ein paar Dinge über die Welt der Sterblichen beibringen müssen, aber ich bin bereit, alles zu lernen, solange das bedeutet, dass ich bei dir sein kann.« Er lächelte wieder, und diesmal war es ein etwas schiefes Grinsen. »Ich bin sicher, dass ich mich dem ›Menschsein‹ anpassen kann, wenn es sein muss. Wenn du willst, dass ich zur Schule gehe, kann ich das tun. Wenn du in eine große Stadt ziehen willst, um deine Träume zu verwirklichen, werde ich dir folgen. Und wenn du eines Tages eine Hochzeit ganz in Weiß haben willst, um das mit uns in den Augen der Menschen offiziell zu machen, bin ich auch dazu bereit.« Er lehnte sich so weit vor, dass ich mein Spiegelbild in seinen silbrigen Augen erkennen konnte. »Ich fürchte, du hast mich jetzt am Hals, komme, was wolle.«

Ich bekam nur schwer Luft und wusste nicht, was ich sagen sollte. Am liebsten hätte ich ihm gedankt, aber für eine Fee hatten solche Worte eine andere Bedeutung. Dann wollte ich mich nach hinten lehnen und ihn küssen, aber das Kelpiefohlen würde mich wahrscheinlich in den Graben werfen, wenn ich das versuchte. »Ash …«, setzte ich schließlich an, kam aber um den Rest einer Erwiderung herum, weil das Kelpiefohlen in diesem Moment abrupt stehen blieb. Wir waren am Ende einer langen, mit Kies bestreuten Auffahrt angelangt, die sich über einen kleinen Hügel zog. An einem Pfosten neben der Auffahrt hing gefährlich schief ein wohlbekannter grüner Briefkasten, der im Laufe der Zeit ziemlich ausgebleicht war, doch ich konnte selbst in der Dunkelheit problemlos lesen, was darauf stand.

Chase 14202

Mein Puls setzte kurz aus. Ich war zu Hause.

Ich rutschte vom Rücken des Kelpiefohlens und stolperte, als ich auf dem Boden aufkam. Meine Beine fühlten sich nach der langen Zeit auf dem Pferderücken seltsam wackelig an. Ash stieg mühelos ab und raunte dem Kelpiefohlen etwas zu, woraufhin es schnaubend den Kopf hochriss und in die Dunkelheit davongaloppierte. Innerhalb von Sekunden war es verschwunden.

Ich spähte die lange Kiesauffahrt hinauf und spürte, wie mein Herzschlag sich beschleunigte. Direkt hinter diesem Hügel warteten mein Zuhause und meine Familie: das alte grüne Farmhaus, dessen Farbe sich schon vom Holz löste; hinten raus – hinter dem matschigen Hof – die Schweineställe; Lukes Laster und Moms Kombi direkt vor dem Haus in der Einfahrt.

Ash tauchte neben mir auf, völlig lautlos auf dem Kies. »Bist du bereit?«

Nein, war ich nicht. Stattdessen spähte ich in die Richtung, in der das Kelpiefohlen verschwunden war. »Was ist mit unserem Reittier passiert?«, fragte ich, um mich von dem abzulenken, was ich eigentlich tun musste. »Was hast du zu ihm gesagt?«

»Ich habe ihm gesagt, dass die Gefälligkeit eingelöst ist und wir damit quitt sind.« Aus irgendeinem Grund schien ihn das zu amüsieren. Mit einem leisen Lächeln sah er dem Pferd hinterher. »Es hat den Anschein, als könne ich ihnen nicht mehr einfach Befehle erteilen, so wie früher. Von nun an werde ich mich darauf verlegen müssen, Gefälligkeiten einzufordern.«

»Ist das schlimm?«

Sein Lächeln verwandelte sich in ein breites Grinsen. »Es gibt eine Menge Leute, die mir noch etwas schuldig sind.« Als ich immer noch zögerte, deutete er mit dem Kopf auf die Auffahrt. »Geh. Deine Familie wartet auf dich.«

»Und was ist mit dir?«

»Es ist wahrscheinlich besser, wenn du erst mal allein gehst.« Leises Bedauern blitzte in seinen Augen auf und er schenkte mir ein gequältes Lächeln. »Ich glaube nicht, dass dein Bruder sonderlich glücklich wäre, mich wiederzusehen.«

»Aber …«

»Ich werde in der Nähe sein.« Er strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. »Versprochen.«

Seufzend wandte ich mich wieder der Auffahrt zu. »Also gut«, murmelte ich und rüstete mich für das Unausweichliche. »Wird schon schiefgehen.«

Ich machte drei Schritte, spürte den Kies unter meinen Füßen und sah noch einmal zurück. Die leere Straße schien mich zu verspotten und der Wind ließ einige welke Blätter über die Stelle tanzen, an der Ash gerade noch gestanden hatte. Typisch Fee. Ich schüttelte den Kopf und setzte meine einsame Wanderung über die Auffahrt fort.

Es dauerte nicht lange, bis ich die Kuppe des Hügels erreicht hatte und es dort in all seiner rustikalen Pracht vor mir sah: das Haus, in dem ich zehn Jahre gelebt hatte. Die Fenster waren erleuchtet und ich konnte erkennen, dass sich meine Familie gerade in der Küche aufhielt. Moms schlanke Gestalt stand über die Spüle gebeugt, während Luke in einem verwaschenen Overall gerade schmutzige Teller auf die Arbeitsfläche stellte. Und wenn ich ganz genau hinsah, konnte ich Ethans lockigen Scheitel erkennen, der knapp über den Küchentisch hinausragte.

Mir stiegen Tränen in die Augen. Nach einem Jahr, in dem ich gegen Feen gekämpft hatte, herausgefunden hatte, wer ich wirklich war, und den Tod öfter ausgetrickst hatte, als mir lieb war, war ich endlich wieder zu Hause.

»Ist das nicht allerliebst?«, zischte eine Stimme.

Ich sah mich hektisch um.

»Hier oben, Prinzessin.«

Ich schaute hoch und bemerkte ein feines, schimmerndes Netz, einen Moment bevor es mich traf und ich stürzte. Fluchend schlug ich um mich und zerrte an den Maschen, um das zarte Hindernis zu zerreißen. Ein schneidender Schmerz ließ mich aufkeuchen. Blut lief mir über die Finger und mit zusammengekniffenen Augen starrte ich auf die Fäden. Das Netz bestand aus einem feinen, biegsamen Draht, und durch meine Bemühungen hatte er mir in die Finger geschnitten.

Raues Gelächter lenkte mich von dem Netz ab, und ich verrenkte mir fast den Hals bei der Suche nach meinen Angreifern. Auf der einsamen Hochspannungsleitung, die sich zum Dach des Hauses zog, hockten drei aufgeblähte Kreaturen mit dürren Beinen, die im Mondlicht glänzten. Mein Herz geriet aus dem Rhythmus, als die drei völlig synchron von der Leitung sprangen und mit leisem Klicken auf dem Kies landeten. Sie richteten sich auf und krochen auf mich zu.

Ich schreckte zurück und verhedderte mich dabei noch mehr in dem Drahtnetz. Jetzt, wo ich sie deutlich sehen konnte, erinnerten sie mich an riesige Spinnen, nur dass sie irgendwie noch schrecklicher waren. Ihre dürren Beine bestanden aus großen, glänzenden Nadeln, deren Spitzen über den Boden huschten. Ihre Oberkörper sahen eher aus wie ausgemergelte dürre Frauen mit bleicher Haut und hervorquellenden schwarzen Augen. Ihre Arme bestanden aus Draht, und während sie weiter auf mich zukamen und ihre Beine sich klickend über den Kies bewegten, entrollten sie lange, nadelartige Finger wie Klauen.

»Da ist sie«, zischte eine von ihnen grinsend, während sie mich umzingelten. »Genau, wie der König es gesagt hat.«

»Zu leicht«, fauchte eine andere und starrte mich mit einem schwarzen Glupschauge an. »Ich bin ziemlich enttäuscht. Ich dachte, sie wäre ein guter Fang, aber in Wahrheit zappelt da nur ein magerer kleiner Käfer in unserem Netz. Wovor hat der König nur solche Angst?«

»Der König«, wiederholte ich, woraufhin die drei mich erstaunt anblinzelten. Sie waren wohl überrascht, dass ich mit ihnen sprach, statt mich ängstlich zusammenzukauern. »Ihr meint den falschen König, oder? Er ist also immer noch hinter mir her.«

Die Spinnenschrullen fletschten die Zähne und zischten.

»Wage es nicht, ihn derart zu schmähen, Kind!«, kreischte eine, packte das Netz und zog mich zu sich. »Er ist nicht der falsche König! Er ist der Eiserne König, der wahre Monarch der Eisernen Feen!«

»Nicht nach dem, was ich gehört habe«, widersprach ich und erwiderte den stechenden Blick der schwarzen Augen. »Ich bin dem Eisernen König begegnet, dem wahren Eisernen König Machina. Oder habt ihr ihn bereits vergessen?«

»Natürlich nicht«, zischte die Schwester der ersten Schrulle. »Wir werden Machina niemals vergessen. Er wollte dich zu seiner Königin machen, zur Königin aller Eisernen Feen, und du hast es ihm gedankt, indem du ihn umgebracht hast.«

»Er hat meinen Bruder entführt und plante, das Nimmernie zu zerstören!«, fauchte ich zurück. »Aber darum geht es jetzt nicht. Der König, dem ihr dient und der den Thron bestiegen hat, ist ein Hochstapler. Er ist nicht der wahre Erbe. Ihr unterstützt den falschen König.«

»Lüge!«, kreischten die Schrullen, umstellten mich und packten mich mit ihren scharfen Nadelkrallen, so dass ich blutete. »Wer hat das gesagt? Wer wagt es, den Namen unseres neuen Königs zu beschmutzen?«

»Eisenpferd«, erklärte ich und wand mich, als eine mich an den Haaren packte und meinen Kopf hin und her schüttelte. »Eisenpferd hat das gesagt, Machinas Leutnant höchstpersönlich.«

»Der Verräter! Er und die Rebellen werden vernichtet werden, gleich nachdem der König sich um dich gekümmert hat!«

Die Spinnenschrullen kreischten jetzt in den höchsten Tönen, schrien Flüche und Drohungen und zerrten durch das Drahtnetz mit ihren Krallen an mir. Die eine packte meine Haare fester und zog mich an ihnen in die Höhe. Ich schnappte nach Luft und Tränen schossen mir in die Augen, während die Fee mich weiter anzischte.

Ein Blitz aus kaltem blauem Licht flammte zwischen uns auf. Die Eiserne Fee kreischte und … zerfiel in Tausende winziger Splitter, die um mich herum zu Boden regneten. Sie funkelten in der Dunkelheit. Unzählige Nadeln reflektierten das Mondlicht, als die Spinnenschrulle so von dieser Welt abtrat, wie es ihrer Art entsprach. Die beiden anderen wichen heulend zurück, als jemand das Netz von mir wegzog und zwischen sie und mich trat.

»Geht es dir gut?«, knurrte Ash, während ich schwankend auf die Füße kam, wobei er die Schrullen nicht aus den Augen ließ. Meine Kopfhaut brannte, meine Finger bluteten immer noch und Dutzende winziger Kratzer von den Klauen der Schrullen bedeckten meine Arme, aber ich war nicht ernsthaft verletzt.

»Ich bin okay«, versicherte ich ihm, während ich langsam wütend wurde.

Ich spürte, wie der Schein in mir aufstieg wie ein Wirbelsturm, ein Strudel aus Emotion und Energie. Bei meiner ersten Begegnung mit Mab hatte die Winterkönigin meine Magie mit einem Siegel belegt, weil sie meine Macht fürchtete, doch dieses Siegel war gebrochen und ich konnte das Pulsieren des Scheins wieder spüren. Er war überall um mich herum, wild und ungezügelt, die Magie von Oberon und den Sommerfeen.

»Du hast unsere Schwester getötet!«, kreischten die Schrullen und zerrten wild an ihren Haaren. »Wir werden dich in Stücke reißen!« Zischend und mit erhobenen Klauen krochen sie auf uns zu.

Ich spürte den Schein, der wie eine Welle von Ash ausging, kälter als die Feenmagie des Sommers, und der Winterprinz riss den Arm nach vorn. Blaues Licht blitzte auf und eine der Schrullen stürzte in eine Wolke aus Eisdolchen, deren Spitzen sie wie Granatsplitter zerfetzten. Heulend löste sie sich auf und verwandelte sich in Tausende verstreute Teilchen, die im Gras funkelten. Ash zog sein Schwert und griff die Letzte an.

Die verbliebene Spinnenschrulle brüllte ihre Wut heraus und hob die Arme. Zehn schimmernde Drähte schienen aus ihren nadelspitzen Fingern zu wachsen. Sie schleuderte sie nach Ash, der sich schnell duckte, und die Drähte zerfetzten ein Bäumchen in der Nähe. Während Ash sie tänzelnd umkreiste, kniete ich mich hin, grub meine Finger in die Erde und rief meinen Schein. Ich spürte das Pulsieren von Leben tief in der Erde und schickte meine Bitte in den Boden, flehte um Hilfe, um die eisernen Monster an der Oberfläche zu besiegen.

Die Spinnenschrulle war so auf den Versuch konzentriert, Ash in Streifen zu schneiden, dass es sie vollkommen überraschte, als plötzlich der Boden unter ihren Füßen aufbrach. Gräser, Flechten, Ranken und Wurzeln schlangen sich um ihre dürren Beine und krochen über ihren Oberkörper. Sie kreischte, schlug mit ihren tödlichen Drähten um sich und zerfetzte die Vegetation wie ein wütender Rasentrimmer, doch ich schickte immer mehr Schein in den Boden, und die Pflanzen reagierten darauf, indem sie wie im Schnelldurchlauf wuchsen.

Panisch versuchte die Spinnenschrulle zu fliehen und riss an den Pflanzen, die sich um ihre Beine gewickelt hatten und sie zu Boden zerrten. Dann flog über ihr ein dunkler Schatten durch die Luft, als Ash sich mit gerade nach unten gerichteter Klinge auf sie fallen ließ. Das Schwert traf den aufgeblähten Körper der Fee und nagelte sie für eine Sekunde am Boden fest, bevor sie sich bebend in einen Haufen Nadeln auflöste, die sich anschließend über den Boden verteilten.

Mit einem erleichterten Seufzer erhob ich mich, doch plötzlich schien die Erde unter mir wegzukippen. Die Bäume fingen an sich zu drehen, meine Arme und Beine wurden taub, und dann merkte ich nur noch, wie der Boden auf mich zukam.

Als ich aufwachte, lag ich auf dem Rücken und fühlte mich so atemlos und erschöpft, als wäre ich gerade einen Marathon gelaufen. Ash sah auf mich herab und in seinen Silberaugen spiegelte sich Sorge.

»Geht es dir gut, Meghan? Was ist passiert?«

Der Schwindel ließ langsam nach. Ich holte ein paarmal tief Luft, um sicherzugehen, dass mein Magen da blieb, wo er hingehörte, dann setzte ich mich auf und sah Ash an. »Ich … habe keine Ahnung. Ich habe meinen Schein benutzt und dann … bin ich einfach umgekippt.« Verdammt, die Welt drehte sich immer noch. Ich lehnte mich gegen Ash, der mich so vorsichtig festhielt, als hätte er Angst, ich könnte zerbrechen. »Ist das normal?«, murmelte ich mit dem Gesicht an seiner Brust.

»Nicht dass ich wüsste.« Er klang beunruhigt und besorgt, versuchte aber offenbar, es sich nicht anmerken zu lassen. »Vielleicht ist das eine Art Nebenwirkung, wenn die Magie so lange versiegelt war.«

Tja, noch etwas, wofür ich mich bei Mab bedanken konnte. Ash stand auf und zog mich vorsichtig mit hoch. Meine Arme brannten und meine Finger waren klebrig, wo ich sie mir an dem Drahtnetz aufgeschnitten hatte. Ash riss ein paar Streifen von seinem Hemd ab und wickelte sie schweigend um meine Hände. Er arbeitete schnell, doch seine Berührungen waren sanft.

»Sie haben auf mich gewartet«, murmelte ich und musterte die unzähligen Nadeln, die auf dem Hof verstreut lagen und im Mondlicht funkelten. Noch mehr Probleme, die die Feen meiner Familie machten. Mom und Luke würden wahrscheinlich ausflippen, und ich konnte nur hoffen, dass Ethan nicht aus Versehen auf eine der Nadeln trat, bevor sie sich in Luft auflösten. »Sie wissen, wo ich wohne«, fuhr ich fort. Die Splitter im Gras schienen mir zuzuzwinkern. »Der falsche König wusste, dass ich nach Hause kommen würde, und hat sie hierhergeschickt …« Mein Blick wanderte zum Haus und zu meiner Familie, die sich hinter den Scheiben bewegte, ohne zu ahnen, was für ein Chaos hier draußen herrschte.

Ich fror und mir war schlecht. »Ich kann nicht nach Hause«, flüsterte ich und spürte Ashs Blick auf mir. »Noch nicht. Ich kann diesen Wahnsinn nicht bei meiner Familie einschleppen.« Ich starrte das Haus noch einen Moment an, dann schloss ich die Augen. »Der falsche König wird nicht aufgeben. Er wird mir immer wieder jemanden auf den Hals hetzen und meine Familie wird zwischen die Fronten geraten. Ich kann das nicht zulassen. Ich … ich muss verschwinden. Sofort.«

»Wo willst du denn hin?« Ashs ruhige Stimme drang durch meine Verzweiflung. »Wir können nicht ins Feenreich zurück und die Eisernen Feen sind in der Welt der Sterblichen überall.«

»Ich weiß es nicht.« Ich schlug die Hände vors Gesicht. Ich wusste nur, dass ich nicht bei meiner Familie sein, nicht nach Hause gehen und ein normales Leben führen konnte. Erst wenn der falsche König aufhörte, nach mir zu suchen, oder überraschend umkippte und starb.

Oder ich umkippte und starb. »Das spielt doch jetzt keine Rolle, oder?«, stöhnte ich zwischen den Fingern hindurch. »Egal, wohin ich gehe, sie werden mir ja sowieso folgen.«

Starke Finger schlossen sich um meine Handgelenke und zogen sanft meine Hände von meinem Gesicht. Zitternd sah ich in seine strahlenden Silberaugen.

»Ich werde weiter für dich kämpfen«, erklärte Ash mit leiser, fester Stimme. »Tu, was du tun musst. Ich werde da sein, ganz egal, wie du dich entscheidest. Ob es ein Jahr dauert oder tausend – ich werde dafür sorgen, dass du in Sicherheit bist.«

Mein Herz klopfte wie wild. Ash ließ meine Handgelenke los, strich mit den Händen über meine Arme und zog mich an sich. Ich versank in seiner Umarmung und vergrub mein Gesicht an seiner Brust, benutzte ihn als Schild gegen die Enttäuschung und die Trauer, gegen das Wissen, dass meine Wanderjahre noch nicht vorbei waren. Mein Entschluss stand mir ganz klar vor Augen: Wenn ich wollte, dass diese endlose Flucht und die ewigen Kämpfe ein Ende fanden, würde ich mich mit dem Eisernen König auseinandersetzen müssen. Wieder einmal.

Ich schaute auf und sah zu der Stelle, wo die letzte Eiserne Fee gefallen war, auf die funkelnden Metallsplitter im Gras. Der Gedanke, dass solche Monster sich in mein Zimmer schleichen oder ihre mörderischen Blicke auf Ethan oder meine Mom richten könnten, ließ mich zittern vor Wut. Also gut, dachte ich und krallte meine Fäuste in Ashs Hemd. Der falsche König will Krieg? Den kann er haben.

Ich war noch nicht so weit. Erst musste ich stärker werden. Ich musste lernen, meine Magie zu kontrollieren, sowohl die Sommermagie als auch den Eisernen Schein, falls es überhaupt möglich war, beides zu beherrschen. Und dazu brauchte ich Zeit. Ich brauchte einen Platz, an den mir die Eisernen Feen nicht folgen konnten. Und ich kannte nur einen einzigen sicheren Ort, an dem die Diener des falschen Königs mich niemals finden würden.

Ash musste gespürt haben, dass ich einen Entschluss gefasst hatte. »Wohin werden wir gehen?«, murmelte er mit den Lippen in meinen Haaren.

Ich holte tief Luft und lehnte mich zurück, um ihm ins Gesicht sehen zu können. »Zu Leanansidhe.«

Überraschung und ein Hauch von Beunruhigung huschten über sein Gesicht. »Die Königin der Exilanten? Bist du sicher, dass sie uns helfen wird?«

Nein, war ich nicht. Die Königin der Exilanten – wie sie unter anderem genannt wurde – war launisch, unberechenbar und offen gesagt ziemlich Furcht einflößend. Aber sie hatte mir schon einmal geholfen und ihr Heim im Zwischenraum, also dem Schleier, der die Welt der Sterblichen vom Feenreich trennte, war der einzige annähernd sichere Hafen für uns.

Außerdem hatte ich mit Leanansidhe noch eine Rechnung offen und einige Fragen, die sie mir beantworten sollte.

Ash beobachtete mich immer noch besorgt.

»Ich weiß es nicht«, antwortete ich ihm wahrheitsgemäß. »Aber mir fällt sonst niemand ein, der uns helfen könnte, und sie hasst die Eisernen Feen abgrundtief. Außerdem ist sie nun einmal die Königin der Exilanten. Und zu denen gehören wir schließlich auch, oder?«

»Wem sagst du das.« Ash verschränkte die Arme und lehnte sich gegen einen Baum. »Ich hatte bisher noch nicht das Vergnügen, sie kennenzulernen. Doch ich habe einiges über sie gehört. Und das war ziemlich Furcht einflößend.« Auf seiner Stirn erschien eine winzige Falte, dann seufzte er. »Das Ganze wird wahnsinnig gefährlich werden, oder?«

»Wahrscheinlich schon.«

Ein klägliches Lächeln umspielte seine Lippen. »Wohin zuerst?«

Mein Magen zog sich zusammen, doch ich war fest entschlossen. Ich schaute zurück auf mein Heim und meine Familie, die so verdammt nah waren, und schluckte schwer. Noch nicht, aber bald, versprach ich ihnen in Gedanken. Bald werden wir uns wiedersehen können.

»Nach New Orleans«, sagte ich dann und drehte mich zu Ash um, der geduldig gewartet hatte, ohne mich einen Moment aus den Augen zu lassen. »Zum Historischen Voodoomuseum. Dort gibt es etwas, das ich mir zurückholen muss.«

Von Kleinoden und Friedhofswärtern

Jeder Stadtführer in New Orleans, der etwas auf sich hält, wird einem sagen, dass man nachts besser nicht allein durch die Straßen zieht. Mitten im French Quarter, das sich fest im Griff der Straßenlaternen und Touristen befand, war es relativ sicher, aber außerhalb dieses Bereichs verbargen sich in den dunklen Gassen Schlägertypen, Gangs und andere Jäger der Nacht.

Wegen der menschlichen Jäger machte ich mir keine Sorgen. Sie konnten uns nicht sehen, bis auf den einen weißhaarigen Obdachlosen, der sich gegen eine Mauer drückte und immer wieder flüsterte: »nicht hier, nicht hier«, als wir an ihm vorbeikamen. Aber die Dunkelheit barg auch noch andere Dinge. Zum Beispiel eine Púca mit Ziegenkopf, die uns aus einer Gasse auf der anderen Straßenseite mit einem irren Grinsen beobachtete, und die Dunkerwichtelgang, die uns durch mehrere Viertel verfolgte, bis ihnen schließlich langweilig wurde und sie sich auf die Suche nach einer leichteren Beute machten. New Orleans war eine Stadt voller Feen. Mystisches, Fantastisches und uralte Traditionen verbanden sich hier zu einer perfekten Mischung und zogen die verbannten Feen scharenweise an.

Ash ging neben mir her – ein schweigsamer, wachsamer Schatten –, eine Hand immer fast beiläufig am Schwertgriff. Alles an ihm, von seinem Blick und der Kälte, wenn er vorbeiging, bis zu dem ruhigen, aber tödlichen Ausdruck auf seinem Gesicht, war eine Warnung: Das hier war niemand, mit dem man sich anlegen sollte. Obwohl er verbannt und nicht länger ein Prinz des Dunklen Hofes war, war er immer noch ein beeindruckender Krieger, immer noch der Sohn von Königin Mab, und nur wenige wagten es, ihn zu reizen.

Zumindest sagte ich mir das immer wieder, während wir nach und nach tiefer in die finsteren Seitengassen des French Quarter vordrangen und uns langsam unserem Ziel näherten. Doch dann erschien am Ende einer engen Gasse plötzlich die Dunkerwichtelgang, von der ich gedacht hatte, sie hätte aufgegeben, und versperrte uns den Weg. Sie waren klein und kräftig, bösartige Zwerge mit blutroten Mützen, und ihre Augen und ihre schartigen Zähne funkelten in der Dunkelheit.

Ash blieb stehen. Mit einer fließenden Bewegung schob er mich hinter sich und zog sein Schwert, das die Gasse in flackerndes blaues Licht tauchte. Ich ballte die Fäuste und sog Schein aus der Luft, wobei ich Angst, Besorgnis und einen Hauch von Gewaltbereitschaft wahrnahm.Während ich den Schein zu mir zog, wurde mir übel und schwindelig und ich musste darum kämpfen, auf den Füßen zu bleiben.

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