Private Dancer - Susan Andersen - E-Book

Private Dancer E-Book

Susan Andersen

3,8
6,99 €

oder
Beschreibung

Die attraktive Treena McCall, Tänzerin in einem Nachtclub, hält Liebe für eine Illusion - schön, aber unwirklich. Bis ihr Jackson Gallagher begegnet. Doch trotz erotischer Nächte ahnt sie nicht, wonach der kühl kalkulierende Profispieler in Las Vegas sucht ... An Liebe auf den ersten Blick glaubt die warmherzige Treena McCall überhaupt nicht. Ihr Job als Tänzerin in einem Nachtclub in Las Vegas hat ihr jede Illusion geraubt. Was sie in ihrer kurzen Ehe mit dem wesentlich älteren Big Jim findet, ist genug: Fürsorge, ein bisschen Wohlstand, menschliche Nähe. Und wenn sie sich etwas wünschen dürfte, dann wäre das ein eigenes Tanzstudio und bestimmt nicht eine Affäre! Doch als Big Jim stirbt, begegnet sie dem attraktiven Jackson Gallagher, und er lehrt sie: Es gibt sie doch, die Liebe auf den ersten Blick, und jede Menge Leidenschaft dazu! Ihr Glück scheint unendlich - bis sie zufällig Jacksons falsches Spiel aufdeckt ...

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EPUB

Seitenzahl: 462

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Die Handlung und Figuren dieses Romans sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen

sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.

Susan Andersen

Private Dancer

Roman

Aus dem Amerikanischen von

Rainer Nolden

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der Cora Verlag GmbH & Co. KG,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

Skintight

Copyright © 2005 by Susan Andersen

erschienen bei: Mira Books, Toronto

Published by arrangement with

HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V/S.àr.l.

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Umschlaggestaltung: pecher und soiron, Köln

Redaktion: Stefanie Kruschandl

Titelabbildung: Getty Images, München

Autorenfoto: © by Harlequin Enterprise S.A., Schweiz

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN (eBook, PDF) 978-3-86278-265-9 ISBN (eBook, EPUB) 978-3-86278-264-2

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

www.mira-taschenbuch.de

PROLOG

Jackson Gallagher McCall stellte seinen Drink auf den kleinen Beistelltisch vor ihm, als eine Gruppe Showgirls in ausgelassener Partystimmung die Bar des Kasinos betrat. Was für eine Gelegenheit! Bittet, und ihr werdet empfangen ...

Das musste sein Glückstag sein – mit dem Ziel direkt vor Augen. Sein Blick ruhte auf ihrer üppigen rotblonden Lockenpracht, die ihr tief über die Schultern in den Rücken fiel und bei jedem Schritt wippte. Sie inmitten der Tänzerinnen von „La Stravaganza“ – so hieß die Bühnenshow des Hotels – wiederzuerkennen, war gar nicht so einfach gewesen. Denn alle Mädchen hatten eine tolle Figur, waren fast gleich groß und identisch geschminkt und trugen das gleiche Kostüm. Auch ihre Perücken unterschieden sich kaum voneinander, ebenso wenig der Haarschmuck, wenn man davon absah, dass einige von ihnen sich mit ein paar Federn mehr schmückten als ihre Nachbarin.

Er zweifelte jedoch keinen Moment daran, dass es sich um die Frauen handelte, die eben noch über die Bühne gewirbelt waren. Statt der dick aufgetragenen Theaterschminke hatten sie jetzt zwar ihr übliches Make-up aufgelegt, aber einige von ihnen trugen noch die knappen Kostüme aus dem letzten Akt.

Sie jedoch nicht. Kritisch musterte er sie von Kopf bis Fuß und kam zu dem erfreulichen Schluss, dass es bei diesem Körper keine Überwindung für ihn bedeutete, sie zu umgarnen und zu verführen. Ihre Füße steckten in hochhackigen Riemchensandaletten, und sie trug eine pfirsichfarbene Hüfthose mit passendem Top, das am Rücken lediglich von ein paar spaghettidünnen Bändchen zusammengehalten wurde. Ihr Lachen klang leicht heiser, der linke Mundwinkel war eine Nuance nach oben gezogen, sodass ein spöttisch wissendes Lächeln auf ihren Lippen lag. Ihrem kessen Blick zufolge hatte sie bereits mehr Tricks wieder vergessen, als andere Frauen jemals kennen würden.

Um die verführerische Mundpartie entdeckte er den gleichen Ausdruck, der ihm auch auf dem Foto aufgefallen war. Ein Ausdruck, der zu sagen schien: „Ich sorge für die heißeste Nacht deines Lebens, mein Süßer.“ Ohne Frage hatte sein alter Herr ihm das Bild nur geschickt, um sich mit der Frau zu brüsten, die er – wie auch immer – dazu überredet hatte, ihn zu heiraten.

Einer Frau, die Big Jim McCalls Witwe wurde, noch bevor die Tinte auf der Heiratsurkunde getrocknet war.

1. KAPITEL

„Happy Birthday, Schätzchen!“ Vielstimmig schallten die Glückwünsche durch den Raum. Eine der Gratulantinnen fügte hinzu: „Der wievielte ist es denn nun wirklich – der zweiunddreißigste?“

Amüsiert betrachtete Treena McCall ihre Kolleginnen an den kleinen Tischen, die sie zusammengeschoben hatten, damit auch jede einen Platz bekam.

„Der dreißigste“, korrigierte sie sanft, obwohl es tatsächlich der fünfunddreißigste war. Doch die Zahl wollte sie lieber so schnell wie möglich vergessen, was angesichts einer Muskelzerrung in der linken Wade, die sie sich bei einem einfachen High Kick im Finale zugezogen hatte, nicht ganz einfach war.

Die Freundinnen johlten spöttisch. „Aber sicher“, meinte eine von ihnen mit liebevollem Sarkasmus. Juney ging noch ein bisschen weiter: „Und wie viele dreißigste Geburtstage hast du schon gefeiert?“, fragte sie mit zuckersüßer Stimme.

„Also, wenn ihr jetzt anfangt, kleinlich zu werden ...“ Treenas Lächeln wurde breiter. „Um die Wahrheit zu sagen: Ich habe die Einer gestrichen und zähle jetzt nach dem Alphabet. Danach müsste ich jetzt dreißig und E sein. Aber ich sag dir was, Juney – wenn du darauf verzichtest, das Thema weiter zu vertiefen, werde ich es bei deinem nächsten Geburtstag auch nicht zur Sprache bringen.“

„Abgemacht.“

Am anderen Ende des Tisches beugte sich Julie-Ann Spencer nach vorn. „Auf jeden Fall wirst du in Zukunft wohl nicht mehr in der ,Crazy Horse’-Show im ,La Femme’ mitmachen, nehme ich an.“

Augenblicklich wurde es still in der Runde, denn alle wussten, dass Julie-Anns Bemerkung, wie mitfühlend sie auch geklungen haben mochte, ganz und gar nicht freundlich gemeint war.

„Miststück“, murmelte Carly neben Treena. Dann fuhr sie mit lauter Stimme fort: „Sitzt, abgesehen von dir, Julie-Ann, sonst noch jemand unter fünfundzwanzig am Tisch?“ Fröhliche Pfiffe und Buhrufe waren die Antwort. Carly warf der jungen Frau einen verärgerten Blick zu. „Dann dürfte wohl keine außer dir vorwitzigem Jungspund für das ,Crazy Horse’ in Frage kommen.“

„Das ist ein herber Verlust für ,La Femme“‘, meinte Eve.

„Die Dummköpfe wissen nicht, was ihnen entgeht“, pflichtete Michelle ihr bei.

Falls Julie-Ann beabsichtigt hatte, Treena die Stimmung zu verderben, durfte sie zufrieden sein. Denn nicht nur, dass Treena niemals im „Crazy Horse“ auftreten würde – sie konnte schon von Glück sagen, wenn sie in zwei Wochen das obligatorische jährliche Vortanzen erfolgreich hinter sich brachte, um ihren Job zu behalten. Wie befürchtet, musste sie die elf Monate, die sie wegen Big Jim mit der Show ausgesetzt hatte, jetzt teuer bezahlen. Nach der Hochzeit hatte sich sein Gesundheitszustand so rapide verschlechtert, dass sie nur hin und wieder Tanzstunden nehmen konnte. Natürlich reichte dieses unregelmäßige Training bei Weitem nicht aus, um in Form zu bleiben und den Anforderungen an ein Showgirl in Las Vegas gerecht zu werden. Innerhalb eines knappen Jahrs war sie vom Dance Captain auf die Position eines Chorusgirls gerutscht. Fünfunddreißig mochte für die meisten Frauen die beste Zeit ihres Lebens sein, aber eine Tänzerin hatte in diesem Alter ihren Zenit längst überschritten. Von nun an würde es beruflich nur noch bergab gehen, und das waren ziemlich düstere Aussichten.

Bevor sie zur Show zurückgekehrt war, hatte sie kaum einen Gedanken an ihr Alter verschwendet. Bis dahin hatte das Ende ihrer Karriere in weiter Ferne gelegen, und sie hatte die Tatsache, dass sie es schneller erreichen würde als ein Hochgeschwindigkeitszug sein Ziel, immer einigermaßen erfolgreich verdrängt. Erst heute Morgen war sie sich ihres Alters schmerzlich bewusst geworden. Und war der Zug erst einmal in den Bahnhof gerollt, blieb ihr nichts anderes übrig als auszusteigen. Dabei war sie ihrem Traum, eines Tages ein eigenes Tanzstudio zu eröffnen, noch keinen Schritt näher gekommen.

Doch diesen deprimierenden Gedanken ausgerechnet jetzt nachzuhängen, brachte gar nichts. Im Gegenteil, sie erhöhten nur den Druck, der schon den ganzen Tag auf ihr lastete: dass sie irgendetwas Verrücktes tun musste, um die Melancholie zu vertreiben.

Hinter ihr fluchte ein Mann leise. Im nächsten Moment ertönte der Schreckensschrei einer Frau. Als sie sich umdrehen und nachsehen wollte, was passiert war, spürte sie etwas Eiskaltes auf ihrer nackten Schulter und am Rücken. Erschrocken sprang sie auf.

„Mein Gott, Treena, entschuldige bitte“, sagte Clarissa, die Kellnerin. Entzückende, in Netzstrümpfe gehüllte Knie präsentierend, beugte sie sich bereits gen Boden, um das leere Glas zurück auf das Tablett zu stellen.

„Es ist meine Schuld“, gestand eine sanfte tiefe Stimme. Gleichzeitig fasste eine gebräunte langfingrige Hand Clarissa am Ellbogen und half ihr hoch. „Ich muss mich entschuldigen. Ich hätte beim Aufstehen besser aufpassen müssen.“

Sobald Clarissa wieder stand, wandte sich der Mann an Treena. Hochgewachsen, mit breiten Schultern und zerzaustem braunen Haar, das an einigen Stellen von der Sonne gebleicht war, sah er sie lächelnd an. Sein schwarzes Designer-Jackett hatte bestimmt einen ganzen Wochenlohn gekostet. All das nahm Treena wahr, während er ein Taschentuch aus seiner Brusttasche zog und behutsam ihre Schulter abtrocknete.

„Entschuldigen Sie bitte“, wiederholte er, dabei achtete er sorgfältig darauf, sie nur mit dem Leinenstoff zu berühren, als er die Schulterpartie unter ihren Haaren abtupfte. Mit der anderen Hand löste er einen Eiswürfel aus ihren Locken. „Zum Glück hatte sie nur leere Gläser auf dem Tablett, als ich mit ihr zusammengestoßen bin. Drehen Sie sich um. Jetzt ist der Rücken dran.“

Sein Tonfall war so bestimmend, dass sie seiner Aufforderung automatisch folgte. Als sie sich umdrehte, sah sie in die Gesichter ihrer Freundinnen, die sie mit weit aufgerissenen Augen oder hochgezogenen Brauen fasziniert beobachteten, während er ihren Rücken abtrocknete. Erst in diesem Moment wurde ihr schlagartig bewusst, wie gefügig sie sich verhielt.

Normalerweise war sie alles andere als unterwürfig. Hätte er es auch nur einmal gewagt, sie ungefragt oder aufdringlich zu berühren, dann hätte sie ihn ohne zu zögern an Ort und Stelle und vor den Augen aller zur Schnecke gemacht. Schließlich hatte sie Übung darin, Männer abzuwimmeln, die sie nach der Show regelmäßig mit dummen Sprüchen anmachten. Nur weil die Tänzerinnen in der letzten Show des Abends topless auftraten, glaubten viele Männer, mit ihnen ein leichtes Spiel zu haben. Aber die Finger dieses Mannes berührten sie nicht eine Sekunde lang. Auf ihrer Haut spürte sie seine Wärme nur durch den Stoff des Taschentuchs, das immer feuchter wurde.

„So.“ Wie ein tiefes Schnurren klang seine Stimme an ihrem Ohr, und er ließ die Hand sinken. Dann trat er einen Schritt zurück. „Leider ist es nicht perfekt, aber mehr kann ich unter den gegebenen Umständen nicht tun.“

Als sie sich ihm zuwandte, war sein Gesicht näher, als sie erwartet hatte. Schnell trat sie einen Schritt zurück und stieß dabei gegen ihren Stuhl, der prompt umkippte. Beim Versuch, ihn festzuhalten, fegte sie ihre Handtasche zu Boden. „Um Himmels ...“

Als sie sich gleichzeitig nach der kleinen Ledertasche bückten, berührten sich ihre Finger. Er ließ sie sofort los, fixierte sie jedoch mit seinen lebhaften blauen Augen. So leise, dass nur sie es hören konnte, murmelte er: „Diese Frau, die jung genug ist, um im ,Crazy Irgendwas’ aufzutreten ... Glauben Sie mir, mit fünfundzwanzig sieht sie nicht einmal halb so gut aus wie Sie mit dreißig und E.“

Dass er sie belauscht hatte, hätte sie eigentlich ärgern müssen, doch stattdessen lachte sie – tief und unbeschwert. Dabei musterte sie den Mann, der vor ihr hockte. An der Stelle, wo seine verwaschene Jeans über den Knien spannte, war sie fast weiß. Das T-Shirt unter dem federleichten Designer-Jackett passte ausgezeichnet zum Himmelblau seiner Augen. In dieser Sekunde spürte sie eine Verzauberung, die sie lange nicht erlebt hatte: die unverfälschte sexuelle Anziehungskraft zwischen einem Mann und einer Frau. Ihre Lippen schenkten ihm eines dieser typischen einseitigen Lächeln, und sie stand auf. „Vielen Dank. Das ist wohl das schönste Geburtstagsgeschenk, das ich heute bekommen habe.“

Auch er stand auf und schaute sie an. „Hören Sie“, sagte er zögernd. „Sie würden wohl nicht...“ Kopfschüttelnd unterbrach er sich und fuhr sich mit der Hand durch das zerzauste Haar. „Ach, vergessen Sie’s. Natürlich würden Sie nicht.“

„Was?“

„Nichts. Das wäre zu aufdringlich.“

Treenas Herz schlug wie verrückt, und es kostete sie ihre ganze Willenskraft, ihn nicht zu fragen, was er denn hatte fragen wollen.

Doch dann zog er die Hand zurück und streckte sein markantes Kinn vor. „Ach, was soll’s! Hätten Sie Lust, morgen mit mir zu frühstücken? Ich habe gehört, dass das Hotel ein ausgezeichnetes Restaurant haben soll.“

Hatte sie nicht schon den ganzen Tag das Gefühl gehabt, irgendetwas Verrücktes tun zu müssen? Jetzt war der Moment gekommen, ihm nachzugeben. Mach schon, wisperte ihr ein kleiner Kobold ins Ohr. Nimm die Einladung an. Genieße dein Leben. Warum auch nicht? Es war ihr verflixter fünfunddreißigster Geburtstag. Etwas Positives musste an diesem Tag doch dran sein.

Genau, pflichtete ihr das kleine Teufelchen bei. Ein bisschen Spaß wird dir guttun.

Doch sie war kein junger impulsiver Teenager mehr. Außerdem hatte sie erst vor vier Monaten ihren Mann beerdigt. Obwohl sie am liebsten Ja gesagt hätte, kämpfte sie gegen die Versuchung. Resigniert öffnete sie schließlich den Mund, in der festen Absicht, seine Einladung höflich, aber bestimmt abzulehnen.

Aber Julie-Ann kam ihr zuvor. „Vielleicht sollten Sie sie lieber zum Brunch einladen, junger Mann – oder noch besser zum Mittagessen. Unsere Treena hat inzwischen ein Alter erreicht, wo man ein wenig mehr Schönheitsschlaf braucht.“

Anschließend legte sie den Kopf in den Nacken und präsentierte ihm ihren faltenlosen jugendlichen Hals. Als wäre das nicht genug, prustete sie noch laut los, als hätte sie gerade einen urkomischen Witz erzählt.

Was zum Teufel ging bloß in diesem Mädchen vor? Vor einiger Zeit hatte Julie-Ann Treenas Job als Dance Captain übernommen. Konnte sie sich damit nicht zufriedengeben? Stattdessen schien Treenas bloße Gegenwart die junge Frau zu provozieren. Ach, zur Hölle mit ihr! Um sich nicht über Gebühr zu ärgern, wandte Treena sich wieder ihrem Gegenüber zu. „Wie heißen Sie?“

„Gallagher. Jax Gallagher.“

Allein der Klang seiner Stimme brachte die Nervenenden in ihrer Haut zum Kribbeln. „Nun, Gallagher, Jax Gallagher, ich würde gern mit Ihnen frühstücken.“

Diese Antwort zauberte ein strahlendes Lächeln auf sein Gesicht, bei dem sich kleine Fältchen um seine unglaublich blauen Augen bildeten. „Wirklich?“

„Wirklich! Aber Julie-Ann hat Recht – ich bin nicht mehr die junge Frau, die ich gestern noch war, und wir betagten Damen brauchen nun mal unsere Ruhe. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir uns um zehn treffen?“

„Zehn ist wunderbar.“ Zum Abschied reichte er ihr die Hand.

Erstaunt über das Gefühl, das die Berührung seiner langen, etwas rauen Fingerspitzen in ihr auslöste, überlegte sie einen Moment, ob sie eine vernünftige Entscheidung getroffen hatte. Energisch verbannte sie diese Sorge jedoch sofort wieder und sagte nur: „Ich heiße übrigens Treena McCall.“

„Schön, Sie kennenzulernen, Treena.“ Zögernd ließ er ihre Hand los. „Soll ich Ihnen einen Wagen schicken?“

„Das ist nicht nötig. Wir treffen uns im Restaurant.“

„Wie Sie möchten. Also dann bis morgen.“

„Ja“, erwiderte sie, während er einen Schritt zurücktrat. „Bis morgen.“

Während er an der offenen Cocktailbar vorbeiging, kurz mit Clarissa sprach und ihr dabei einige Geldscheine auf das Tablett legte, beobachtete Treena ihn. Ein paar Sekunden lang drangen das Scheppern der Dollarmünzen in den Geldschächten, das Gebimmel der Spielautomaten und das Rattern und Piepen der einarmigen Banditen in ihr Bewusstsein. Normalerweise nahm sie diese Geräusche gar nicht mehr wahr, weil sie sich so an sie gewöhnt hatte. Erst als Jax von der Menschenmenge des Kasinos verschluckt wurde, drehte sie sich zu ihren Freundinnen um. Einen Moment sah sie sie nur ausdruckslos an, dann öffnete sie ihren Mund zu einem stummen Freudenschrei.

Juney, Eve und Michelle dagegen jauchzten laut, während Jerrilyn, Sue und Jo mit den Fingern auf dem Tisch trommelten und „Hey! Hey! Hey! Hey!“ riefen, als hätte Treena gerade den Jackpot geknackt. Und ihre beste Freundin Carly lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück, einen Arm lässig über die Lehne gelegt, und warf ihr ein verschmitztes Grinsen zu. „Das hast du ja prima hingekriegt, Schätzchen. Das nenne ich ein tolles Geburtstagsgeschenk.“

Dass Julie-Ann schmollte, hätte für Treena eigentlich eine Genugtuung sein müssen. Denn seit sie nach Big Jims Tod in die Truppe zurückgekehrt war, ließ die ehrgeizige junge Frau keine Gelegenheit aus, um Treena zu verletzen. Doch genau in diesem Moment ließ die euphorische Wirkung des Adrenalins nach. Immerhin schaffte sie es noch, sich wieder zu setzen und selbstbewusst in die Runde zu lächeln, als habe sie tatsächlich ein tolles Geburtstagsgeschenk bekommen.

Doch im Stillen fragte sie sich, worauf um alles in der Welt sie sich da bloß eingelassen hatte.

Am nächsten Morgen saß Jax auf der Polsterbank an einem weiß gedeckten Tisch im Hotelrestaurant. Gedankenverloren spielte er mit einem rosafarbenen Päckchen Süßstoff und rutschte auf seinem Sitz hin und her, ohne die Tür aus den Augen zu lassen. Zufrieden, wie er die Sache am vorigen Abend eingefädelt hatte, überlegte er, ob Treena wohl tatsächlich kommen würde.

Die arme Kellnerin zum Stolpern zu bringen, war wirkungsvoller gewesen, als er gehofft hatte. Eigentlich spannte er nicht gern wildfremde Leute ein, um seine Ziele zu erreichen, aber in diesem Fall war es nötig gewesen. Während der letzten Tage hatte er Treena ausgiebig beobachtet und schnell herausgefunden, dass es zwecklos wäre, sie einfach anzusprechen. Was reizte sie nur daran, die Witwe zu spielen, die nicht mehr mit Männern ausging und nur noch für ihre Arbeit lebte? Er war überzeugt, dass ihr Verhalten nur Show war. Als versierter Glücksspieler war er oft auf der Suche nach der richtigen Chance. Dieses Mal hatte er seinem Glück ein wenig auf die Sprünge helfen müssen und beruhigte sein Gewissen, indem er die Kellnerin mit einem großzügigen Trinkgeld für den Ärger und die peinliche Situation entschädigte. Besonders für die Peinlichkeit. In seiner Jugend hatte er solche Momente oft genug erlebt – viel häufiger, als für ein Kind gut war. Und auch wenn eine Demütigung einen nicht umbrachte, weckte sie doch den verzweifelten Wunsch, sich in das nächstbeste Mauseloch zu verkriechen.

Über seine verkorkste Kindheit wollte er jetzt lieber nicht nachdenken. Stattdessen dachte er an die wenigen Minuten, in denen er Treena McCall kennengelernt hatte. Unvermittelt hörte er auf, mit dem Päckchen Süßstoff in seinen Fingern zu spielen, während er den Augenblick noch einmal Revue passieren ließ.

Seine Reaktion auf sie hatte ihn überrascht. Denn er hatte nicht damit gerechnet, sich dermaßen zu ihr hingezogen zu fühlen. Beim Leuchten ihrer goldbraunen Augen und ihrem volltönenden wunderbaren Lachen war etwas Unerwartetes passiert. Das hatte nichts mit dem Anflug von Erregung zu tun, den ihr Duft und die flüchtige Berührung ihrer rotblonden Locken ausgelöst hatten, sondern sehr viel mehr mit der Frage, wie um alles in der Welt er diesen Moment des Vertrautseins interpretieren sollte, den ihr herzliches Lachen bei ihm ausgelöst hatte?

In diesem Moment betrat die Frau, über die er gerade so intensiv nachdachte, das Restaurant. Schnell warf er das Päckchen Süßstoff zurück in die silberne Schale auf dem Tisch und straffte die Schultern. Lässig legte er einen Arm über die Rückenlehne der Bank, setzte ein freundliches Gesicht auf und beobachtete Treena, die die Kellnerin begrüßte und ihr dann zu seinem Tisch folgte.

Treena bemerkte seinen Blick und warf ihm dieses unwiderstehliche, etwas schiefe Lächeln zu. Auch Jax lächelte, während sein Herz wie rasend schlug.

Heute trug sie eine elegante beige Baumwollhose und ein locker fallendes, olivgrünes Top aus einem weichen Stoff, der die Kurven darunter auf unauffällige, dadurch aber umso reizvollere Weise betonte.

Ganz offensichtlich fühlte er sich von dieser Frau angezogen – natürlich nur sexuell. Und selbst wenn nicht – was bedeutete das schon? Treena McCall war ein Mittel zum Zweck. Sie hatte etwas, das ihm gehörte. Etwas, das er dringend brauchte, um am Leben zu bleiben.

Und das wollte er unbedingt.

Also würde er alles tun, um es zu bekommen.

2. KAPITEL

Beinahe hätte Treena die Verabredung nicht eingehalten. Schließlich war sie nur gekommen, weil sie sich immer und immer wieder eingeredet hatte, dass es unhöflich wäre, jemanden zu versetzen, der so nett gewesen war. Sogar als sie der Kellnerin durch das Restaurant folgte, dachte sie noch daran umzukehren.

Dann entdeckte sie Jax auf der Bank, der sie nicht aus den Augen ließ. Sofort schmolzen ihre Bedenken wie Schnee in der Sonne.

Schwer zu sagen, was es mit diesem Mann auf sich hatte, aber irgendetwas fesselte sie an ihm. Sicher nicht sein Aussehen, denn er entsprach nicht dem üblichen männlichen Schönheitsideal. Obwohl er nicht hässlich war, gehörte er keinesfalls zu den Typen, bei deren bloßem Anblick einer Frau der Atem stockte. Dafür war seine Nase ein wenig zu groß, sein Kinn ein wenig zu lang. Jede Einzelheit für sich genommen ließ vielleicht zu wünschen übrig. Und dennoch ergaben sie ein attraktives Gesamtbild. Außerdem hatte er einen durchtrainierten Körper, was sie als Tänzerin schätzte, und im Blick seiner hellwachen blauen Augen lag etwas derart Faszinierendes, dass sie es bis zum anderen Ende des Raumes spürte.

Er erhob sich, als sie den Tisch erreichte. Dass sie fast einen Kopf kleiner war als er, erschreckte sie ein wenig. Seine Statur war ausgesprochen Respekt einflößend, sodass sie sich fast zierlich vorkam. Ein seltenes Gefühl. Da für die meisten Tanzgruppen in Las Vegas eine Mindestgröße von einem Meter fünfundsiebzig vorgeschrieben war, hatte sie sich bisher noch nie klein gefühlt.

Gestern Abend hatte sie hochhackige Schuhe getragen, heute trug sie flache Slipper. Während sie ihn verstohlen musterte, kam sie zu dem Ergebnis, dass er gut und gern ein Meter neunzig groß und knapp hundert Kilo schwer sein musste.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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