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Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). Old Branco ritt die Herdenwache nach Mitternacht, und er hörte das ferne Grollen zuerst. Er glitt aus dem Sattel und presste das Ohr auf den Boden. Wenn er noch Zweifel gehabt hatte, streifte er sie ab: Was da auf der Prärie herangesaust kam, war schlimmer als ein Gewitter mit Donner und Blitz. Es war eine Herde in Stampede. Und sie kam schnurstracks auf den Crazy Creek zu, an dem Buck Cadogans sechshundert Zuchtrinder lagerten. Nach einem Tausend-Meilen-Trail und nur dreißig Meilen vor dem Ziel. Old Branco federte aus dem Sattel, riss den Bronco herum und preschte im Caracho den Hang hinab. »Hei, Männer!«, schrie der Oldtimer. »Kriecht aus den Federn! Verdruss ist im Anmarsch!« Von der Kuppe des Hügels aus reichte Buck Cadogans Blick weit in die Ebene hinunter. Weit genug, um die heranstampfenden Leiber zu erkennen. Rocky Drago hielt drei Schritte neben Buck und blinzelte in die Ebene hinab. Die Herde war noch eine halbe Meile entfernt, und ihre Stoßrichtung war jetzt deutlich zu erkennen. Wenn nicht ein Wunder geschah, musste sie wie ein Rammbock in die Lücke zwischen den Hügeln stoßen, sich durch die Lücke hindurchwälzen und über das Camp und die ruhende Herde hereinbrechen wie ein Tornado. »Jemand will uns eine Freude machen, Buck«, knurrte Rocky. »Well – wir werden diesem Jemand eine noch größere Freude bereiten. Kommst du mit, oder willst du hier Wurzeln schlagen?«
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Seitenzahl: 160
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Old Branco ritt die Herdenwache nach Mitternacht, und er hörte das ferne Grollen zuerst. Er glitt aus dem Sattel und presste das Ohr auf den Boden. Wenn er noch Zweifel gehabt hatte, streifte er sie ab: Was da auf der Prärie herangesaust kam, war schlimmer als ein Gewitter mit Donner und Blitz. Es war eine Herde in Stampede. Und sie kam schnurstracks auf den Crazy Creek zu, an dem Buck Cadogans sechshundert Zuchtrinder lagerten. Nach einem Tausend-Meilen-Trail und nur dreißig Meilen vor dem Ziel.
Old Branco federte aus dem Sattel, riss den Bronco herum und preschte im Caracho den Hang hinab.
»Hei, Männer!«, schrie der Oldtimer. »Kriecht aus den Federn! Verdruss ist im Anmarsch!«
Von der Kuppe des Hügels aus reichte Buck Cadogans Blick weit in die Ebene hinunter. Weit genug, um die heranstampfenden Leiber zu erkennen. Eine Herde von mindestens dreihundert Tieren
Rocky Drago hielt drei Schritte neben Buck und blinzelte in die Ebene hinab. Die Herde war noch eine halbe Meile entfernt, und ihre Stoßrichtung war jetzt deutlich zu erkennen. Wenn nicht ein Wunder geschah, musste sie wie ein Rammbock in die Lücke zwischen den Hügeln stoßen, sich durch die Lücke hindurchwälzen und über das Camp und die ruhende Herde hereinbrechen wie ein Tornado.
»Jemand will uns eine Freude machen, Buck«, knurrte Rocky. »Well – wir werden diesem Jemand eine noch größere Freude bereiten. Kommst du mit, oder willst du hier Wurzeln schlagen?«
Buck Cadogan nickte wie eine aufgezogene Puppe.
Rocky trabte an. Erst als Buck zu ihm aufschloss, reichte er ihm drei längliche Pakete hinüber. »Was nicht von selbst geht, muss man mit Gewalt hinbiegen. Hast du Zündhölzer?«
Wenn Cadogan überrascht war, zeigte er es nicht. Er knuffte Rocky in die Seite: »Mann, wenn ich dich nicht hätte! Wir bleiben zusammen und versuchen, sie nach Norden zu drehen – weg vom Creek.« Plötzlich beugte er sich jäh im Sattel vor und schrie: »Hei – da reitet einer an der Tete! Begreifst du nun, was los ist?«
Noch eine Viertelmeile. Buck und Rocky erreichten den Fuß der Hügelkette und hielten. Sie sahen ganz deutlich, wie ein Reiter sich klein im Sattel machte und allmählich nach rechts ausbrechen wollte, um von der Spitze der Herde wegzukommen. Der Augenblick war günstig …
Rocky riss ein Streichholz an und hielt es an die Zündschnur, die aus jedem der länglichen Päckchen herausragte. Eine bläuliche Flamme zuckte auf, fraß sich eilig weiter. Rocky holte aus und schleuderte die Dynamitstange mit gewaltigem Schwung der Spitze der Herde entgegen.
Zwei grelle orangenfarbene Blitze stiegen unmittelbar hintereinander vor ihnen aus dem Boden.
Ein Ruck ging durch die wogende Brandung der Tierleiber – und weil der Reiter an der Spitze schon bis an die Flanke nach Norden ausgewichen war, gab er damit die neue Richtung an, wenn es auch gewiss nicht in seiner Absicht gelegen hatte.
»Wer sagt’s denn!«, grinste Rocky. »Denen haben wir alle Giftzähne gezogen!«
Buck Cadogan schob die Dynamitstange – die letzte – achtlos in die Satteltasche. »Reite zum Camp zurück, Rocky«, sagte er in jähem Entschluss. »Setzt die Herde in Marsch – sofort! Haltet euch südlich des Creek, und trailt nach Westen, bis ich zu euch stoße. Und sperrt die Augen auf!«
Er wartete die Antwort nicht ab und galoppierte los. Mitten in die träge Staubwolke hinein.
*
Trotz des chaotischen Durcheinanders bei der Stampede schien der Herde nicht viel passiert zu sein. Erst nach einer halben Meile fand er ein lahmes Tier, das kläglich brüllte. Er ritt so nahe heran, dass er das Brandzeichen entziffern konnte: den scharfgezackten Blitz Mel Stackpoles.
Genau das hatte Buck erwartet. Mel Stackpole war der Weidekönig im Hot Dog County, ihm gehörten mehr als fünfzigtausend Acres guten Landes und schätzungsweise fünftausend Rinder. Zwanzig harte Boys ritten in seiner Mannschaft, und im County geschah nichts ohne Stackpoles Willen.
Wie die Dinge lagen, sah es ganz nach einem gut vorbereiteten Viehdiebstahl aus. Nur eins passte nicht dazu: die Richtung, in die die Herde marschiert war. Nur ein Narr trieb eine gestohlene Herde nach Osten, in die Wüste hinein.
Es ließ Buck Cadogan keine Ruhe. Er musste mehr darüber erfahren. Die Hufe seines Rapphengstes mahlten durch ein sandiges Tal und einen mit Buschgras bewachsenen Hügel hinauf. Er hatte die Kuppe noch nicht erreicht, als er die schwarze Rauchwolke sah. Sie wurde von roten Flammen überzuckt und stieg beinahe kerzengerade in die klare Nachtluft.
Nur einen Augenblick hielt Buck auf dem Hügel, ehe er langsamer als vorher an den Flammenkreis heranritt. Es war eine Weidehütte, und sie war schon bis auf winzige Reste verkohlt. Zwei drei Bäume standen am Rande des Korrals über einem Ziehbrunnen. Etwa zehn Mustangs stampften ängstlich und verbissen zwischen den Stangen. Zwei tote Männer lagen direkt vor der brennenden Hütte, gerade noch außerhalb der knatternden Flammen. Ein dritter hatte das Korraltor just noch erreicht, ehe er im Bleihagel zusammengebrochen war.
Plötzlich erklang eine Stimme, die keinen Spaß verstand: »Lang zum Himmel, oder du bist tot!«
Buck richtete sich langsam auf, hob die Hände in Schulterhöhe und drehte sich zu den Bäumen. Hinter dem Brunnenrand starrte ihm ein Gewehrlauf entgegen. »Okay, Boy!«, sagte Buck ruhig. »Dein Trumpf sticht. Gehörst du etwa zu den Halsabschneidern, die diese Jungens auf dem Gewissen haben?«
»Shut up!«, fauchte der Mann mit dem Gewehr. »Mich kannst du nicht dumm machen. Ich habe die Burschen genau gesehen, die uns fertiggemacht haben. Sie trugen schwarzes Leder – genau wie du!«
Buck lehnte sich gegen den Korralpfosten. Die Situation gefiel ihm nicht, aber noch gab es keinen Grund zur Verzweiflung. »Hör zu, Compadre!«, dehnte er. »Ich bin aus Texas. Ich baue eine Ranch auf. Ich habe eine Herde gekauft und über tausend Meilen von Cheyenne nach hier getrieben. Wir haben unser Camp drüben am Crazy Creek bezogen …«
»Erzähl das einem, der die Hose mit der Kneifzange anzieht! Was ich gesehen habe, habe ich gesehen. Unser Boss hat dir und deinen krummen Pinschern von Anfang an nicht getraut. Dein Geld hat wohl nicht für eine große Herde gelangt, he? Dachtest, du könntest dir hier billig noch ein paar Häute dazuholen!«
Bucks Stimme verschärfte sich etwas. »Mich hat noch nie ein Mann einen Viehdieb genannt, Boy! Nimm dein bisschen Grips zusammen. Die gestohlene Herde wäre genau in mein Lager gejagt. Wenn du deine Ohren gewaschen hast, musst du die Explosion gehört haben, mit denen wir die Stampede gestoppt haben. Warum, zum Teufel, bin ich wohl hierhergekommen? Ich will wissen, wer hinter der Schweinerei steckt!«
In diese Stille fiel das ferne Trommeln von Hufen. Von vielen Hufen, die in rasendem Galopp näherkamen.
»Hei!«, schrie der Cowboy. »Die Spuren suchen wir selbst. Hörst du die Pferde? Das ist mein Boss. Erzähl ihm deine Story! Wetten, dass er dir das Fliegen beibringt? Wir suchen den stärksten Ast und das beste Lasso für dich aus!«
»Wir werden sehen«, sagte Buck. »Gebrauche inzwischen mal deinen Verstand, Cowboy!«
*
Acht Reiter preschten in breiter Kolonne am Korral vorbei und hielten im Halbkreis vor Buck Cadogan. Der Mann an der Spitze mochte fünfzig Jahre alt sein. Seine Augen loderten Buck an. Die Männer hinter ihm bildeten eine schweigende Mauer.
Der Cowboy kam hinter dem Brunnen hervorgehüpft und schwang triumphierend sein Gewehr. Er war nass wie eine Katze und trompetete: »Ich habe ihn fest, Boss! Das ist einer von den Outlaws!«
Buck Cadogan hatte längst die Hände heruntergenommen, er zog den Tabaksbeutel und Blättchen aus der Jackentasche und drehte eine Zigarette. Sein Blick glitt kühl über die steinernen Gesichter der Männer hinweg. Er sagte: »Ich schätze, Ihr Mann hat ein bisschen zu viel Fantasie, Mr. Stackpole. Ich frage mich die ganze Zeit schon, wo er gesteckt hat, als die Banditen das Weidecamp überfallen haben.«
Mel Stackpole beugte sich leicht im Sattel vor. »Ich kenne Sie, Mann! Sind Sie nicht dieser Texaner Cadogan? XC-Brand, stimmt’s?«
»Genau.«
»Und wie kommen Sie hierher?«
Ehe Buck antworten konnte, haspelte der Cowboy seine Story herunter: »Das war nämlich so, Boss. Ich hatte just meine Herdenwache hinter mir, als die Gangster kamen. Ich habe die Boys geweckt und mich unter den Baum in Deckung gelegt, aber da war nichts zu machen. Die haben uns beharkt, dass die Fetzen flogen. Nur eins weiß ich genau: Die Banditen waren alle in schwarzem Leder – genauso wie dieser verdammte Texaner. Die Herde war natürlich zum Teufel. Ich glaube, die haben bloß ’ne halbe Stunde gebraucht, bis sie die Rinder zusammengetrieben haben. Plötzlich brannte die Hütte – just, als ich die Nase über den Brunnenrand gesteckt habe …«
Die raue Stimme eines anderen Mannes fiel ein: »…und da hast du dich vorsichtshalber wieder in den Brunnen fallen lassen, was?« Es war die Stimme des Vormannes Cory Bellew, den Buck Cadogan flüchtig kannte.
Einige Männer lachten, George protestierte: »Macht ihr’s doch besser, ihr Satteltramps! Jedenfalls bin ich endlich rausgekommen und habe die Lage gepeilt. Und dann kam dieser Gauner über den Hügel und tat so, als wenn er hier zu Hause wäre.«
Mel Stackpoles Stimme klang eine Spur ungeduldiger: »Erkennst du in Cadogan einen der Banditen, George? Ja oder nein?«
»Natürlich! Ich möchte schwören, dass er dabei gewesen ist.«
»Cadogan, Sie haben die Anklage gehört. Was sagen Sie dazu?«
Buck sog an der Zigarette und zog die Schultern hoch. »Nachts sind alle Katzen grau. Wie Sie wissen, Mr. Stackpole, bin ich mit meinen Boys erst seit einem Vierteljahr im County. Ich kenne kaum einen Menschen. Seit langen Wochen bin ich mit meiner Mannschaft unterwegs und habe heute Abend die Grenze des Countys zum ersten Male wieder erreicht. Eine Herde von 600 Rindern lagert wenige Meilen von hier am Crazy Creek. Meine Herde, Mr. Stackpole, von meinem Geld bezahlt. Die Viehdiebe haben Ihre Tiere genau auf mein Camp zugetrieben. Nur deshalb bin ich hier. Wenn Sie sich die Mühe machen wollen, die Spur Ihrer Herde zu verfolgen, werden Sie den Platz finden, an dem wir die Stampede gestoppt haben.«
Der grauhaarige Rancher starrte Buck aus zusammengekniffenen Augen an.
»Ich lebe schon viele Jahre in diesem Land, Cadogan. Solange ich die Blitz-Ranch leite, hat es nur einmal Schwierigkeiten gegeben. Auch mit Viehdieben. Das ist zehn Jahre her. Der Viehdieb war einer meiner Nachbarn. Er ist tot. Ich selbst habe ihn an einem starken Ast aufgehängt.«
Buck Cadogan hatte davon gehört. »Ich hoffe«, dehnte er, »es war wirklich ein Viehdieb. Was hat die Story mit mir zu tun?«
Stackpole zeigte alle Zähne. »Das werden wir sehr schnell herausfinden. Seit zehn Jahren herrscht Ruhe in unserem County. Kaum sind Sie im Land, geht es wieder los. Was schließen Sie daraus?«
»Jedenfalls nicht dasselbe wie Sie, Mr. Stackpole.«
Stackpole lachte grollend. »Cory, nimm dem Burschen den Gurt ab und fessele ihn. Wenn er nicht sehr schnell bessere Beweise für seine Unschuld bringen kann, hängt er!«
Buck Cadogan regte sich noch immer nicht. Plötzlich sah er am Rande des Flammenkreises eine schwache Bewegung. Er konnte sich irren, aber es sah so aus, als bewegte sich dort ein Mann im trägen Rauch. Wer?
Cory Bellew kam breitbeinig heran. Buck schaute ihn fest an und sagte tonlos: »Führen Sie jeden Befehl aus, Cory? Ohne zu prüfen, ob er berechtigt ist?«
Eine dunkle Welle überflutete das harte Gesicht des Vormanns. »Warte die Zeit ab, Mann aus Texas. Und versuch keinen Trick, sonst …«
Buck nahm die Zigarette aus dem Mund und blinzelte zum Feuer hinüber. Jetzt erkannte er die riesige Gestalt dort ganz deutlich: Rocky Drago! Der gute alte Rocky, der Feuerfresser. Und schon grollte sein Bass über die verdutzten Reiter hinweg: »Haltet eure Pfoten still, Freunde! Wenn ich euch Feuer unterm Hintern anzünden soll, braucht ihr es nur zu sagen. Ich habe eine prima Schrotbüchse hier. Wetten, dass von eurem großmäuligen Boss nicht viel übrig bleibt, wenn ich abdrücke?«
Buck schnippte seine Zigarette in Cory Bellews Gesicht und zog den Colt. Der gute George war der Erste, der seine Flinte wegwarf, als hätte er sich daran verbrannt. Die anderen Boys hoben zögernd die Hände. Nur Mel Stackpole nicht. Sein Gesicht zuckte in unbeherrschter Wut. »Das beweist alles, Cadogan! Sie verdammter Narr, glauben Sie, dass Sie damit durchkommen? In diesem Land sind Sie erledigt!«
Buck ging schnell an dem schlotternden George vorbei zum Flankenreiter der Mannschaft. Er sah die lodernde Wut auf Stackpoles Gesicht und wusste, dass er sich einen unversöhnlichen Feind erworben hatte. Und ausgerechnet hier hatte er Frieden finden wollen … Er hob sich in den Sattel und trabte zu Rocky Drago, der zum Abschied noch mal seinen Bass dröhnen ließ: »Reißt eure Augen in Zukunft besser auf, ehe ihr einen ehrlichen Mann verdächtigt!«
Rocky schwang sich hinter Buck auf das Pferd, sie galoppierten an. Zwei Sekunden später waren sie im deckenden Rauchschleier verschwunden und jagten den Hügel hinauf. In einer Bodenfalte stand Rockys Wallach, er sprang hinüber in den Sattel und wandte sich zurück. Ein grimmiges Knurren stieg aus seiner Kehle: »Die Dummen werden nicht weniger! Da kommen sie.«
Buck Cadogan hatte nichts anderes erwartet.
*
Sie kamen in breiter Kolonne den Hang herauf. Einige Male blickte Buck zurück und richtete das Tempo des Rittes so ein, dass die Verfolger aufrücken konnten. Sie lagen etwa dreihundert Yards hinter ihnen, als sie den letzten Hang angingen, hinter dem ihr Lager gewesen war. Ein paar verstreute Rinder stoben davon – Überbleibsel der auseinandergesprengten Herde.
Plötzlich zügelte Buck Cadogan den Mustang, zog die letzte Dynamitstange aus der Satteltasche, riss ein Streichholz an und entzündete die Schnur.
»Hei!«, schrie Rocky Drago entzückt. »Damit kann ich auch dienen!« Und er tat dasselbe.
Buck schleuderte das Geschoss mit mächtigem Wurf der anstürmenden Horde entgegen. Er stellte sich in den Bügeln auf und schrie: »Stop! Bis hierher und nicht weiter!«
Stackpoles Mannschaft wirbelte durcheinander, die Mustangs brachen in Panik nach links und rechts aus, und Mel Stackpole flog im hohen Bogen aus dem Sattel und landete im dürren Gras.
Rocky Dragos Bombe flog noch ein bisschen weiter und explodierte ein gutes Stück rechts von der ersten. Das machte die Panik vollständig. Die Boys waren nicht mehr imstande, ihre Gäule zu halten. Binnen weniger Sekunden zerstob die Mannschaft in alle Richtungen.
Buck trabte gemächlich hinüber zu dem grauhaarigen Rancher, der sich ächzend auf Hände und Knie erhob und aus heißen Augen zu ihm aufschaute.
»Ich hoffe, Sie haben sich nicht ernstlich wehgetan, Sir«, sagte Buck höflich.
Stackpole stand auf und stemmte die Fäuste in die Hüften. Er fauchte wie ein Puma. »Verschwinden Sie! Verlassen Sie das County, oder ich lasse Sie in Fetzen schießen!«
Rocky Drago sprang aus dem Sattel und baute sich vor Stackpole auf. »Mit Ihrem Hirn wäre nicht mal ein Spatz zufrieden, Mann! Wer hat denn Ihre Herde gerettet, he! Wir, old man! Wer wollte denn die Spuren der Diebe untersuchen und Ihren Boys vielleicht noch helfen? Der Mann dort, der Buck Cadogan heißt. Haben Sie den Namen schon mal gehört? Nein? Dann fragen Sie mal in Texas nach! Lassen Sie sich mal erzählen, wer dieser Buck Cadogan ist! «
»Fang sein Pferd, Rocky«, sagte Buck sanft. »Ich wette, Mr. Stackpole kommt sehr schnell zur Einsicht.«
Der alte Rancher schwieg verbissen, während Rocky Drago versuchte, den durchgegangenen Mustang zu erwischen. Er war längst über alle Berge. Nach ein paar Minuten kehrte Rocky ergebnislos zurück.
»Es gibt zwei Möglichkeiten«, sagte Buck. »Entweder kommen Sie mit uns, Mr. Stackpole, oder Sie warten hier auf Ihre Männer.«
Einen Augenblick zögerte der Rancher. Dann knurrte er: »Okay. Ich komme mit. Glauben Sie ja nicht, dass ich Angst vor Ihnen habe!«
»Gewiss nicht, Sir!«
Rocky saß wieder hinter Buck auf und stellte Stackpole sein Pferd zur Verfügung. Sie brauchten eine halbe Stunde, bis sie ihre ziehende Herde erreichten und Stackpole vorführten. Rocky sattelte ein Pferd aus der Remuda und gab es dem Rancher, damit er nach Hause reiten konnte. Es schien so, als wäre Stackpole von ihrer Unschuld überzeugt, wenn er auch nichts von seinen Gedanken verriet. Dass sie je Freunde werden konnten, bezweifelte Buck Cadogan.
Er drückte so aufs Tempo, dass sie die Herde schon am Morgen in einen Canyon der Cascades treiben konnten – auf die eigene Weide. Nach tausend Meilen trabten sie auf den Ranchhof, vor das nagelneue Haupthaus. Es war geschafft.
*
Der Mann, der in der Tür erschien und auf die Veranda hinaustrat, war noch größer und breiter als Rocky Drago. Trotz seiner 250 Pfund Lebendgewicht bewegte er sich erstaunlich locker und leichtfüßig. Er war Koch und Mädchen für alles, hieß Hugh O’Brien, wurde aber nur Big Red genannt.
Er pflanzte sich auf der obersten Treppenstufe auf und trompetete: »Hei, ihr faulen Knochen! Schneller konntet ihr euch wohl nicht bewegen, he? Alles okay? Hast du dir noch kein Loch in die Gurgel gesoffen, Rocky?«
»Du verdammter Bauchbetrüger!«, schrie Rocky. »Ich reiße dir den Skalp ab! Ist das Essen fertig! Aber sag bloß nicht, dass du uns Bohnen mit Speck vorsetzen willst!«
Buck glitt aus dem Sattel und ging breitbeinig die Treppe hinauf. Big Red ließ seine Faust auf Bucks Schulter fallen und röhrte: »Dein Anblick tut meinen Augen gut! Aber das sage ich dir, wenn du mir wieder so ’nen Floh ins Ohr setzt, ohne mir vorher ein Wort davon zu verraten, ist es aus mit der Liebe!«
»Was für einen Floh?«
»Tu bloß nicht wie die Unschuld vom Lande! Seit drei Tagen ist sie da.«
»Wer?«
Big Red beugte sich weiter vor und raunte in Bucks Ohr: »Keine Sorge, ich halte dir die Boys vom Hals. Geh nur rein und beäuge sie. Lecker, sage ich dir!«
»Zum Teufel!«, fauchte Buck. »Schenk mir endlich reinen Wein ein!«
Aber Big Red hüpfte schon grinsend die Treppe hinab und überließ Buck seinem Schicksal. Der begriff die Welt nicht mehr und marschierte kopfschüttelnd in die Halle mit dem riesigen Kamin aus Bruchsteinen. Auf der Schwelle blieb er wie angenagelt stehen.
Neben dem Kamin stand ein Girl. Sie mochte zwanzig Jahre alt sein, vielleicht auch jünger. Blondes Haar fiel in Locken bis zur Schulter hinab, blaue Augen schauten kühl zu Buck herüber, sie trug ein helles langfallendes Kleid und sah wie ein vom Himmel gefallener Engel aus.
»Hallo Madam!«, dehnte Buck. »Mein Name ist Cadogan. Was verschafft mir die Ehre?«
Das Girl blieb stehen und neigte nur ein wenig den Kopf. »Ich heiße Diana Robinson. Sie haben vor wenigen Wochen eine Anzeige im San Francisco Herald aufgegeben. Eine Heiratsannonce. Deshalb bin ich hier.«
Buck trat langsam vor, warf den Hut an den Wandhaken und schnallte den Gurt ab. »Darf ich die Anzeige sehen, Madam?«
Er tat, als spüre er ihre forschenden Blicke nicht. Sie zog ein zusammengefaltetes Stück Zeitungspapier aus ihrer Handtasche – er überflog die wenigen Zeilen: »In einem Land ohne Frauen sucht Rancher eine Lebensgefährtin. Welche Frau ist an Pferden und Rindern interessiert? Zuschriften an Buck Cadogan, XC-Ranch im Hot Dog County, über Post-Office in Sunset.«
Buck ließ die säuberlich ausgeschnittene Annonce sinken und schaute Diana Robinson sehr gerade an. Wer auch immer sich diesen Spaß erlaubt hatte, war weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinausgegangen.
»Wann haben Sie es gelesen?«, fragte er.
Diana senkte den Blick. »Wir wollen die Karten offen auf den Tisch legen, Mr. Cadogan. Sie wissen nichts von mir, ich weiß nichts von Ihnen. Ein guter Bekannter aus früherer Zeit hat die Annonce entdeckt und mir zugeschickt.«
»Wer?«
»Sie kennen ihn nicht. Es ist unwichtig. Aus mehreren Gründen bin ich bereit, die Ehe mit Ihnen einzugehen – unter der Voraussetzung, dass wir einen fairen Vertrag schließen können.«
