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Ein packender Kriminalroman mit Gegenwartsbezug. Das Corona-Virus fegt seit März 2020 über unseren Planeten wie ein Orkan. Auch die Legalisierung von Cannabis wird immer wieder kontrovers diskutiert. Diese beiden Themenkomplexe bilden die Grundlage für die Handlung, die im Raum Köln/Bonn spielt. Eine scheinbar motivlose Mordserie rund um ein rechtsrheinisches Krankenhaus beschäftigt die Kölner Kriminalpolizei. Die Bonner Kollegen ermitteln in einer Mordserie, in der der Täter das Motiv unmittelbar offenbart. Besteht zwischen den Verbrechen ein Zusammenhang? Peter Wolff, verheirateter Diplom-Kaufmann aus Köln, bedient sich der politischen Tagesaktualität für seine fesselnde Geschichte. Er hat bislang vier erzählende Sachbücher sowie einen autofiktionalen Kriminalroman geschrieben, an einem weiteren arbeitet er zurzeit.
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Seitenzahl: 335
Veröffentlichungsjahr: 2022
Peter Wolff
Rheinkilometer 684
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
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Impressum neobooks
Innerhalb kurzer Zeit werden in Köln zwei Ärzte und ein Patient eines Krankenhauses ermordet. Es gibt weder Verdächtige noch ein Motiv. In Bonn sterben ein Lebensmittelkontrolleur und zwei Unternehmer aus der Fleischindustrie eines gewaltsamen Todes. Hier bekennt sich der Täter zu seinem Movens, aber die Recherchen verlaufen im Sande.
Erst spät erkennen die Ermittler, dass die Mordserien in beiden Rheinmetropolen miteinander in Zusammenhang stehen. Sie kooperieren fortan und nähern sich so einer Aufklärung der Verbrechen.
PETER WOLFF, studierter Betriebswirt, war früher als Gruppenleiter im Controlling, Geschäftsführer einer Entsorgergemeinschaft und als Leiter der Seminarplanung in der Erwachsenenbildung tätig. Heute widmet er sich dem Schreiben von erzählenden Sachbüchern und Belletristik.
Rheinkilometer 684
von Peter Wolff
© / Copyright 2022 Peter Wolff
Umschlaggestaltung, Illustration: Peter Wolff
ISBN Paperback: 979-8425627537
ASIN: B09WPT8CBR
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung oder Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Der Rhein – ein stolzer, 1232,7 Kilometer langer Strom, der 376 km in der Schweiz, 695,5 km in Deutschland und 161,2 km in den Niederlanden verläuft.Er entspringt im schweizerischen Graubünden, durchfließt den Bodensee, das westliche Deutschland an der Grenze zu Frankreich sowie die Niederlande und mündet schließlich bei Rotterdam in die Nordsee.
Der Fluss ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Er ver-bindet europäische Metropolen wie Köln, Basel und Amsterdam und ist auch deshalb von enormer wirtschaftlicher Bedeutung.
Der Rhein ist der zehntlängste Fluss Europas und der siebtlängste, der direkt ins Meer mündet. Unter den Flüssen des deutschen Sprachraums ist er der zweitlängste nach der Donau und vor der Elbe (01).
Zahlreiche Sagen und Mythen ranken sich um den Rhein. Die bekann-teste ist wohl die der Jungfrau Loreley, die in längst vergangener Zeit in einer Höhle am Rhein wohnt, und mit ihrem lieblichen Gesang viele vor-beifahrende Fischer so betört, dass diese nicht mehr auf den Kurs ihres Schiffes achten, so dass ihr Boot an den Felsen zerschellt.
Oder die Legende vom `Fliegenden Holländer`, jenem Segelschiff des holländischen Kapitäns, welches sich trotz eines schwer wütenden Stur-mes Richtung Indien aufmacht, nie zurückkehrt, stattdessen aber als Gei-sterschiff am Kap der Guten Hoffnung sein Unwesen treibt (02).
Doch die Fluten des Rheins stehen nicht nur für mystische Geschichten. Sie bergen auch dunkle Geheimnisse und sind Ort düsterer Machen-schaften.
So werden Jahr für Jahr zahlreiche Leichen aus dem Fluss geborgen. Und dabei handelt es sich keinesfalls ausschließlich um Opfer von Bade-unfällen...
„Willkommen in Köln! Nachdem wir eben die alte Bastei und den Dom passiert haben, werden wir in wenigen Minuten an der Drehbrücke in Deutz anlegen. Wir wünschen Ihnen einen schönen Aufenthalt in Köln und freuen uns schon darauf, sie in drei Tagen wieder an Bord begrüßen zu dürfen“.
Joris de Vrij, Kapitän des Passagierschiffs `Sterretje`, verabschiedet sich vorübergehend von den Reisenden, die in Amsterdam das Schiff betreten haben und nach dreitägigem Aufenthalt in der Domstadt über Straßburg nach Basel weiterreisen werden. Selten hat der erfahrene Schiffsführer eine derart illustre Gesellschaft an Bord gehabt. Unter den Passagieren, die an diesem herrlichen Julitag in Köln-Deutz das Schiff verlassen, sind viele bunt und schrill kostümierte Gäste, die bereits an Deck das Feiern begon-nen haben und nun Richtung Kölner Altstadt strömen.
In Köln herrscht Ausnahmezustand. Seit Anfang der 90er Jahre hat der Karneval, liebstes Kind der Domstadt, ernsthafte Konkurrenz bekommen. Am ersten Juli-Wochenende ist Köln seit 1991 jährlicher Schauplatz des `ColognePride`, eines dreitägigen Straßenfestes mit buntem Programm, mit dem auf die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgen-dern aufmerksam gemacht werden soll. Höhepunkt ist die große Demon-strationsparade in der Kölner Innenstadt, im Rahmen derer die meist nur leicht bekleideten und aufwendig gestylten Protagonisten, ähnlich eines Karnevalsumzugs, feiernd und tanzend durch die Kölner Innenstadt ziehen. Die Cologne-Pride-Parade gilt hinsichtlich der vom Veranstalter angegebenen Besucherzahlen als größte Veranstaltung ihrer Art in Deutschland und als drittgrößte in Europa (03).
Henk Kuiper und Maarten de Vlugt kennen sich schon von Kindes-beinen auf. Aufgewachsen in Schilderswijk, einem als sozialem Brenn-punkt bekannten Stadtteil Den Haags, kommen sie schon früh mit Krimi-nalität in Berührung und drehen bereits in jungen Jahren das ein' oder andere krumme Ding zusammen. Später dann wird aus Henk ein `profes-sioneller` Krimineller, der seinen Lebensunterhalt mit im Auftrag began-genen Verbrechen bestreitet, Maarten hält sich mit Gelegenheitsjobs und als Kleinkrimineller über Wasser. Immer dann, wenn Henk Unterstützung für ein lukratives `großes Ding` braucht, engagiert er Maarten, der meist großzügig bezahlt wird.
Die beiden Holländer fühlen sich ein wenig unwohl und befangen in der kunterbunten Gesellschaft, die die Kölner Altstadt bevölkert. Sie sind weder `vom anderen Ufer`, noch wegen des dreitägigen Spektakels in die Metropole am Rhein gekommen. Sie haben einen Auftrag, für den sie fürstlich entlohnt werden und der CSD, der Christopher Street-Day, benannt nach einer Straße im New Yorker Stadtviertel Greenwich Village, die in den 1970er Jahren das Zentrum der Schwulenbewegung war, ist die
perfekte Tarnung für ihr Vorhaben.
Martin Hindelang und Kurt Brümmer sind auf ihrem Rückweg von Oberhausen nach Köln bereits kurz hinter Düsseldorf. Die beiden Polizeibeamten haben am Morgen einen Gefangenentransport von der Justizvollzugsanstalt Ossendorf zur JVA Oberhausen begleitet.
„Gut, dass wir den los sind“, Martin.
Kurt Brümmer macht aus seiner Missachtung gegenüber dem 35-jähri-gen Mann, der wegen Kinderpornographie, mehrfacher Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung vor zehn Monaten in Köln aufgegriffen und inhaftiert wurde, keinen Hehl. Abweichend vom Vollstreckungsplan wurde der verurteilte Straftäter in die Nähe seiner Heimat verlegt, weil seine Familie kein Geld für Auto oder Zug hat, um ihn besuchen zu kom-men.
„Ja, vor dem Typen kann man echt nur Abscheu haben“, da hast Du Recht.
„Fahren wir zuerst was essen oder direkt ins Büro?“
„Ich denke, wir...guck' mal, Kurt, der Laster da rechts.“
„Was ist mit dem?“
„Der hat ja einen Riesenriss in der Seitenscheibe.“
„Stimmt.“
„Hast Du Lust?“…
„Lust? Es ist doch unsere Pflicht, in Fällen wie diesen…“
„Ja, ja...“
Kurt Brümmer schaltet die Rundumleuchte auf dem Streifenwagen an, die Sirene ertönt, Martin Hindelang hält die Kelle aus dem Fenster und bedeutet dem Fahrer des Lkw, auf den Standstreifen zu fahren.
„Guten Tag der Herr.“
„Guten Tag. Habe ich etwas falsch gemacht?“
„Nein. Bitte Ihre Papiere.“
Der, wie der starke Akzent vermuten lässt, offenbar osteuropäische Fahrzeugführer reicht Martin Hindelang die Fahrzeugpapiere und seinen Führerschein.
„Wir kontrollieren das. Einen Moment bitte.“
„Hören Sie. Ich bin spät dran. Die Ladung muss noch heute Nachmittag in Würzburg sein“.
„Es geht schnell, Herr Vajda, keine Sorge.“
Schon zwei Minuten später kommt Martin Hindelang zurück.
„Mit den Papieren ist alles ok. Herr Vajda, warum wir Sie angehalten haben…“
„Bin ich zu schnell gefahren?“
„Nein, Aber schauen Sie mal, dieser große Riss hier in der Scheibe.“
„Ich weiß, ist eben passiert, wird sofort repariert, wenn ich bei der Firma in Emmerich bin.“
„Das sollten Sie auch schleunigst reparieren lassen. Sie wissen, wie gefährlich sowas sein kann.“
„Ich weiß.“
„Was haben Sie geladen?“
„Ware für eine Fleisch- und Wurstwarenfabrik.“
„Dürfen wir einmal kurz hinten reingucken?“
„Wenn's sein muss.“
Die beiden Polzisten begeben sich hinter den Laster und öffnen die Tür des Ladebereiches.
„Herr Vajda, mir scheint es deutlich zu warm im Bereich der Ladefläche ihres Lkw. Kurt, haben wir noch das Fleischthermometer vom Böttner-Fall hinten im Auto?“
„Ich glaube ja“, schon ist Kurt Brümmer unterwegs und kommt umgehend mit dem Thermometer zurück.
„Das kann nicht sein. Wir haben ein ganz modernes Kühlsystem“.
„Das wohl nicht richtig funktioniert“, Martin Hindelang zeigt Pavel Vajda das Thermometer, welches auf knapp acht Grad steht.
„Sie wissen, dass für Fleischtransporte minus fünfzehn Grad vorge-schrieben sind“.
„Ja, ich verstehe auch nicht...“
„Und schauen Sie hier: Teilweise ist die Verpackung so beschädigt, dass das Fleisch Kontakt zur Ladefläche hat.“
„Entschuldigung, das ist mir nicht aufgefallen.“
„Herr Vajda, Sie fahren jetzt zum nächsten Rastplatz. Wir werden Kollegen dort hinbestellen, die die Ladung sicherstellen. Sie können Ihre Fahrt dann ohne Ladung fortsetzen.“
*
Seit mehr als drei Monaten liegt Heinz Schlömer im Krankenhaus Köln-Porz. Der 62-jährige Rechtsanwalt leidet an einem Glioblastom, einem besonders bösartigen und aggressiven Gehirntumor. Als nach der opera-tiven Tumorentfernung ein Rezidiv auftritt, der Krebs also `wieder-kommt`, wird er zunächst einer Strahlen- und dann einer Chemotherapie unterzogen. Beide Behandlungsmethoden bleiben erfolglos. Heinz Schlö-mer gilt als austherapiert. Da man aus Sicht der Leitlinie 2977-II-76-Gliome nichts mehr für ihn tun kann, das Krankenhaus zudem unter akutem Bet-tenmangel leidet, wird seine Entlassung vorbereitet.
Prof. Dr. Gerrit Dahmen, Chefarzt der Klinik für Neurologie, macht sich auf den Weg ins Krankenzimmer, um das Abschlussgespräch mit sei-nem Patienten zu führen. Wie er diese Seite seines Berufes hasst.
Einem todgeweihten Menschen mitteilen zu müssen, dass man nichts mehr für ihn tun kann – es gibt schönere Dinge im Leben. Erst vor drei Tagen hat Prof. Dahmen seinen Job im Krankenhaus auf der „Schäl Sick“, der rechten Rheinseite Kölns, angetreten. Zuvor war er Leiter einer großen neurologischen Rehabilitationsklinik in Aachen. Nach knappen vier Jahren in der alten Kaiserstadt hat er gespürt, dass es an der Zeit für eine neue Herausforderung ist. Rehabilitationskliniken sind zwar in vielerlei Hinsicht mit der Krankenhauslandschaft verknüpft, aber die Arbeit dort ist halt doch nicht mit der im Krankenhaus vergleichbar. Gerrit Dahmen möchte fortan wieder mehr an der Basis tätig sein, nicht nur zur Wiedereingliederung von Patienten beitragen, sondern wenn möglich früher helfen, bestenfalls heilen. Auch deswegen fällt ihm der Gang ins Krankenzimmer des Kölner Rechtsanwaltes mehr als schwer.
„Guten Morgen, Herr Schlömer. Wie geht es Ihnen heute?“
„Guten Morgen, Herr Doktor Dahmen. Wie soll es mir schon gehen – ich hatte natürlich gehofft, dass die Chemo besser anschlägt und bin dementsprechend enttäuscht.“
„Das verstehe ich vollkommen. Wir alle haben gehofft, dass Ihnen die Infusionen helfen. Und körperlich? Sie sind sicher noch etwas geschwächt von der letzten Chemotherapie?“
„Ja, Herr Doktor, ich fühle mich noch nicht besonders. Mir wird immer noch mehrmals am Tag schlecht, dazu Pudding in den Beinen und diese Kreislaufprobleme.“
„Das ist leider völlig normal nach einer Behandlung mit Zytostatika.“
„Ich weiß, Herr Doktor.“
„Herr Schlömer, der Punkt ist: wir haben leider akuten Bettenmangel und deshalb können wir sie, da unsere Behandlungsmöglichkeiten hier er-schöpft sind, nicht länger bei uns behalten.“
„Das verstehe ich.“
„Wir werden Sie jetzt noch zwei oder drei Tage aufpäppeln und dann holt Sie Ihre Frau ab und bringt Sie nach Hause.“
„Nach Hause zum Sterben, meinen Sie.“
„Herr Schlömer…“
„Ist schon gut, Herr Doktor. Ich weiß, dass Sie mir helfen würden, wenn Sie denn könnten.“
„So ist es, Herr Schlömer, glauben Sie mir.“
„Ich bin ein zäher Knochen. Ich schaffe es bis nach Hause.“
„Vielen Dank für Ihr Verständnis, Herr Schlömer.“
„Nichts zu danken.“
„Ich schaue morgen früh wieder nach Ihnen.“
Manfred Palm ist froh, als der Flug der Eurowings aus Banjul nach gut dreizehn Stunden Flugzeit und zwei Zwischenlandungen in Brüssel und Berlin endlich auf dem Rollfeld des Flughafens Köln/Bonn aufsetzt.
Die Luft im Flugzeug und die kleinen Luftlöcher, die die Maschine mehrmals kurz absacken ließen, haben die Magenprobleme des Immo-bilienmaklers aus Köln-Rodenkirchen nur noch verstärkt. Bereits die letzten Urlaubstage hat Manfred Palm sich unwohl gefühlt. Vielleicht hat er am reichhaltigen Buffet des All-Inklusive-5-Sterne-Hotels `Somanda` irgendetwas schlechtes gegessen. Vielleicht hat er sich während der beein-druckenden Safari zum Fathala Reserve, Senegal, etwas eingefangen.
Zweieinhalb Wochen hat Manfred Palm mit seiner Ehefrau Ursula am schmalen Küstenstreifen des Atlantiks im kleinen, vom Senegal um-schlossenen Land Gambia in Westafrika verbracht. Die Reise haben sich die Palms anlässlich ihres zwanzigsten Hochzeitstages quasi selbst geschenkt. Lange schon haben die Eheleute nicht mehr die Zeit gefunden, gemeinsam für mehr als zwei oder drei Tage zu verreisen. Die Geschäfte des Vermittlers für Wohnobjekte der gehobeneren Art laufen sehr gut, seine Frau unterstützt ihn in sämtlichen Büro- und diversen administrativen Tätigkeiten.
Mit ziemlich wackligen Beinen verlässt Manfred Palm den Flughafen Köln/Bonn. Zu den Magenproblemen und dem Gefühl der Schwäche, das er seit ein paar Tagen verspürt, hat sich noch ein leichter Druck im rechten Oberbauch gesellt. Zum Glück ist heute Freitag. So hat er noch das Wo-chenende Zeit, um sich auszukurieren. Das Wetter in Köln lässt nichts zu wünschen übrig. Es ist Mitte April, der Frühling macht sich schon deutlich bemerkbar. Ein wenig Gartenarbeit in der Sonne, Sauna, vielleicht am Sonntag eine Runde Joggen gehen. Und schon ist Manfred Palm wieder fit für den Arbeitsalltag, der ihn ab Montag erwartet. Denn nach dem wun-derschönen Urlaub an der `lächelnden Küste Afrikas`, wie das Land auf-grund seiner Form, die von oben betrachtet an ein Lächeln erinnert, und wegen der unschlagbaren Herzlichkeit seiner Einwohner gerne genannt wird, heißt es jetzt wieder, sich dem Ernst des Lebens zu stellen.
Dr. Hajo Hochthermen, im Hauptberuf Privatarzt mit kleiner Praxis in Medebach im Hochsauerlandkreis hat sich deutschlandweit als wissen-schaftlicher und medizinischer Befürworter des Einsatzes von Cannabis als Arzneimittel einen Namen gemacht.
Hanf gehört zu den ältesten und vielfältigsten Kulturpflanzen der Menschheit. Er wurde in fast allen europäischen und asiatischen Ländern angebaut und stellte eine wichtige, zum Teil die wichtigste Rohstoffquelle
für die Herstellung von Seilen, Segeltuch, Bekleidungstextilien, Papier und Ölprodukten dar. Hanf war über sechs Jahrtausende nicht nur ein ökono-misch wichtiger Lieferant für Fasern und ein Nahrungsmittel, sondern wurde auch immer wieder zu medizinischen Zwecken eingesetzt (05).
Hajo Hochthermen ist hinsichtlich vieler Indikationen überzeugt vom Potenzial der Hanfpflanze. Als ersten Erfolg seiner Bemühungen sieht er die Tatsache an, dass medizinisches Cannabis seit dem 1.März 2017 in Deutschland erstmals verschreibungspflichtig ist. Zwischen den Jahren 2007 und 2016 erhielten Patienten mit mehr als fünfzig verschiedenen Erkrankungen und Symptomen auf Antrag eine Ausnahmeerlaubnis vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für eine ärztlich begleitete Selbsttherapie mit Medizinal-Cannabis. Als etablierte Indikationen für cannabisbasierte Medikamente gelten chronische Schmerzen, Spastik bei Multipler Sklerose, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, aber auch die Symptome psychiatrischer Erkrankungen und Schlafstörungen (06).
Doch Hajo Hochthermen will mehr. Der Cannabis-Aktivist hält auch einen erfolgreichen Einsatz der Cannabinoide THC (Delta-9-Tetrahydro-cannabinol) und CBD (Cannabidiol) in der Krebstherapie für durchaus möglich. Laborstudien und Untersuchungen an Tieren deuten bisweilen auf ein Potenzial der Cannabinoide gegen die zweithäufigste Todesur-sache in Deutschland, jährlich sterben bis weit über 200.000 Menschen in unseren Landesgrenzen an Krebs, hin (07). Dazu kommt: Cannabis kann lediglich einen temporären leichten Rauschzustand als akute psychische Nebenwirkung verursachen, darüber hinaus jedoch sind bislang keine wesentlichen Begleiterscheinungen bekannt (08).
Der Arzt aus Westfalen setzt sich unermüdlich für die weitere Erfor-schung der Hanfpflanze ein, insbesondere umfangreiche Studien am Men-schen will er endlich auf den Weg bringen. Doch dafür braucht es Ergeb-nisse. Braucht es erste konkrete Hinweise dafür, dass die Wirkstoffe der Cannabispflanze auch gegen Tumorerkrankungen etwas ausrichten kön-nen.
Hajo Hochthermen hat sich entschlossen, neue Wege zu gehen. Seit einer TV-Dokumentation, die den möglichen Einsatz von Cannabis in der Krebstherapie zum Thema hatte, und in der auch er explizit als `deutscher Cannabis-Papst` erwähnt wurde, häufen sich die Terminanfragen in seiner kleinen Praxis. Er wird seiner Kundschaft künftig empfehlen, begleitend zur schulmedizinische Therapie Cannabis anzuwenden und die Ergebnisse protokollieren. Doch für valide Aussagen zur Verwendung von Cannabis in der Krebstherapie reicht dies nicht aus.
Hajo Hochthermen schreibt diverse Forschungsinstitute, Stiftungen, Landesregierungen und gemeinnützige Verbände an und ist sehr glück-lich, dass sich ein gemeinnütziger Patientenverband, unterstützt von der
nordrheinwestfälischen Landesregierung, bereiterklärt, eine erste kleine Studie im Krankenhaus Köln-Porz zu finanzieren. Der engagierte Arzt ist zuver-sichtlich, dass die von ihm initiierte Studie der Wegbereiter für den breiten Einsatz der Hanfpflanze in der Krebstherapie sein kann.
Der Deutzer Hafen ist ein rechtsrheinischer Kölner Hafenmit gewerb-licher Nutzung und Güterumschlag im Kölner Stadtteil Deutz an Rhein-kilometer 687 gelegen.Es handelt sich um einen innerstädtischen Indu-striehafen mit einem Güterumschlag von rund 300.000 Tonnen jährlich. Das Hafenbecken ist durchschnittlich 82 Meter breit und 1.098 Meter lang. Insgesamt sind 118.400 m² gewerbliche Fläche mit Hafenbezug vorhanden, von denen heute nur noch knapp 60% der Gewerbeflächen hafenaffin genutzt werden.Das Bild des Hafens beherrschen eine große Mühle, in der Weizen und Roggen vermahlen werden, ein Recycling-Betrieb und Schrotthandel, ein Unternehmen des Verkehrswegebaus, ein Stahlhandel, ein Asphaltmischwerk und ein Hersteller von Werkzeugmaschinen. Frü-her waren mehrere Holzfirmen im Deutzer Hafen angesiedelt, diese gaben jedoch nach und nach ihren Standort dort auf (09).
Einen dieser Standorte hat Richard Dybalski übernommen und einen Fleischgroßhandel im Deutzer Hafen etabliert. Es hat einige Zeit gedauert, bis sich die Mieso GmbH im Pulk der nordrhein-westfälischen Fleisch-großhändler ihren Platz verschaffen konnte.
Das deutsche Fleischerhandwerk steht unter Druck, vor allem kleine und umsatzschwache Unternehmen können sich infolge verschärften Wettbewerbs und aufgrund der Nachfolgeproblematik, immer mehr alt eingesessene Fleischer bleiben ohne Nachfolger aus der eigenen Familie, nicht am Markt halten. Der stetig wachsenden Zahl der jährlichen Betriebs-schließungen stehen immer weniger Neugründungen gegenüber. Die Anzahl der Betriebe im Fleischerhandwerk ist in Deutschland seit vielen Jahren stark rückläufig, immer mehr Fleischer scheitern an den Discount-Preisen der Supermarktketten. Infolge des Preiskampfes sind unter den selbstständigen Fleischereibetrieben deutliche Konzentrationstendenzen unübersehbar. Mittlerweile gibt es mehr als acht Unternehmen im Fleischerhandwerk mit bundesweit mehr als 50 Filialen, darunter sind sogar drei Unternehmen mit mehr als 100 Filialen (10). Überleben kann ein Unternehmen mittelfristig nur noch, wenn es über einige Großkunden ver-
fügt, die regelmäßig eine beträchtliche Menge Fleisch ordern.
Richard Dybalski, der sein Fleisch hauptsächlich aus Südamerika bezieht, zählt ein großes Fast-Food-Unternehmen, eine türkische Döner-Franchisekette und verschiedene Produzenten von fleischhaltigen Tiefkühlprodukten zu seinen Kunden. Außerdem ist der gebürtige Pole einer der größten Händler in Deutschland für polnische Wurstwaren, für
Kabanos, Kaszanka, Mysliwska und Kiel-basa Zywiecka. Die Geschäfte laufen gut, weil zunehmend auch deutsche Staatsbürger Gefallen an den Spezialitäten, vornehmlich aus Schlesien, finden.
Gedankenverloren sitzt Rita Röttgen am Rhein und schaut in den roten Abendhimmel. Unmittelbar muss sie an ihren Thailand-Urlaub denken. Wie hat sie mit Jost die Stunden am Meer, besonders jene, in denen die Sonne im Pazifischen Ozean versank und die tagsüber herrschende drük-kende Schwüle einem lauwarmen Lüftchen wich, genossen. Acht Monate liegt der Trip nach Siam nunmehr zurück. Eine kurze Zeitspanne nur und doch ist vieles so anders im Leben der Ärztin, die seit zwei Jahren als Internistin am Krankenhaus Köln-Porz beschäftigt ist. Kurz nach der Rückkehr aus Asien ist ihre Mutter schwer erkrankt, mittlerweile ist sie ein Pflegefall. Von einer Tante hat sie Details über familiäre Tragödien aus ihrer Kindheit erfahren, die sie sehr berühren. Auch der Job verlangt ihr einiges ab, ist doch wie in vielen Kliniken in Köln-Porz das Personal knapp, es muss viel improvisiert werden, um einen reibungslosen Ablauf und eine bestmögliche Betreuung der Patienten sicherzustellen. Zudem hat sie noch die Leitung einer kleinen Studie übernommen, die Professor Dahmen an der Klinik für Neurologie im Haus durchführt.
Und Jost? Der ist jetzt auch schon drei Monate lang Vergangenheit. Es passte einfach nicht mehr. Im Urlaub noch hat sie sich mit dem smarten Bänker blendend verstanden, doch dem Alltag hielt ihre Liebe nicht mehr stand. Deutlich hat die junge Ärztin die zunehmende Entfremdung zwischen beiden gespürt. Jedoch wollte sie eine lange Zeit die finale Entscheidung zur Trennung nicht treffen.
Das Leben ist sehr intensiv für Rita Röttgen in diesen Tagen. Nach der Trennung von ihrem Lebenspartner hat sie die zusätzliche Zeit, die das ungewohnte Single-Dasein ihr beschert, sinnvoll genutzt. Sie hat eine Fort-bildung in komplementärmedizinischen Naturheilverfahren begonnen – ein Thema, welches sie schon lange fasziniert.
In der naturheilkundlichen Zusatzausbildung wird auch die Bachblü-tentherapie ausgiebig diskutiert. Rita Rötggen hat durchaus Gefallen gefunden an dem Gedanken, dass das in den 1930er Jahren vom britischen Arzt Edward Bach (1886-1936) begründete alternativmedizinische Verfahren das Potenzial hat, eine seelische Gleichgewichtsstörung zu regulieren. Bach ordnete den menschlichen Gemütszuständen Blüten und Pflanzen-teile zu, aus denen entsprechende Blütenessenzen hergestellt wurden, um eine geistig-seelische Harmonisierung zu erreichen (11). Ein faszinierender Gedanke, findet Rita Röttgen. Und so beschließt sie, ihrem abhandengekommen psychischen Gleichgewicht mit einer ausgewogenen
Bachblüten-Therapie entgegenzuwirken. Einen Versuch ist es allemal wert.
Proben aus der beschlagnahmten Ladung aus Pavel Vajdas Lkw wer-den unmittelbar zum Umwelt- und Verbraucherschutzamt Lebensmittel-überwachung und Veterinärdienste in Köln gebracht. An Stücken von Muskel, Niere, Leber, Milz und einem Lymphknoten soll festgestellt wer-den, ob das Fleisch durch die überhöhte Temperatur Schaden genommen hat.
Für die Ladung, die von der Großschlachterei Bönisch GmbH in Emme-rich zur Freddo GmbH nach Würzburg geliefert werden sollte, wird ein breites Spektrum an mikrobiologischen, chemisch-physikalischen und sen-sorischen Untersuchungen durchgeführt, um die Verkehrsfähigkeit des Fleisches zu beurteilen. Insbesondere wird das Fleisch auf Listerien hin untersuchen, denn die Anzahl der erfassten Listeriosefälle in Deutschland nimmt seit Jahren stetig zu. Jährlich kommen um die 1200 Neuinfizie-rungen hinzu. Die Listeriose wird durch das Bakterium Listeria monocyto-genes verursacht. Eine Infektion tritt fast immer durch den Verzehr von mit Listerien verunreinigter Lebensmittel ein. Listerien sind in erster Linie in tierischen Produkten zu finden. Die manifeste Listeriose äußert sich mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Muskelschmerzen sowie unter Umständen auch mit Erbrechen und Durchfall. Es kann zur Sepsis kommen. Eine weitere wesentliche Manifestation ist die eitrige Meningitis (12).
Im Fleisch der Bönisch GmbH werden keine Listerien gefunden, dafür aber ein rätselhaftes, weil bis dato unbekanntes Virus. Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln informiert umgehend das Paul Holz-Institut (PHI), die deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten. Hier wird man den gefundenen Erreger gründlich untersuchen und analysie-ren.
Im `Hotelchen`, dem kleinen Hotel in der Weidengasse, machen sich Henk Kuiper und Maarten de Vlugt parat für den Ausflug ins CSD-Ge-tümmel.
„Komm', Maarten, hier, erstmal ein Bier.“
„Danke Henk, das kann ich jetzt gut gebrauchen.
„Ich auch.“
“Henk?“
„Ja?“
„Hast Du keine Bedenken wegen der Pässe?“
„Du meinst, warum ich nicht mit gefälschten Pässen arbeite?“
„Ja, genau. Ich meine…wohl alle unsere `Kollegen` würden nicht ihre Originalausweise bei ihren Aufträgen mitführen.“
„Maarten, ich bin mir sicher, die kommen uns nicht auf die Schliche.
Aber wenn doch...und wir haben uns mit falschen Pässen hier angemeldet, dann wissen die Bullen doch direkt, dass wir Dreck am Stecken haben.“
„Ja, aber...“
„Und außerdem: Das ist reine Psychologie. Richtige Pässe machen nicht verdächtig, sondern bewirken genau das Gegenteil: Jeder denkt doch 'wer so ein Ding durchzieht, macht sicher nicht den Fehler, die eigenen Pässe zu benutzen'. Das macht uns eher unverdächtig, als dass es uns reinreißt.“
„Dein Wort in Gottes Ohren.“
„Mein Credo: Immer unter dem richtigen Namen, aber nirgendwo eine Spur hinterlassen. Und das Wichtigste: Ein Alibi, das so fest und unzer-störbar ist wie eine Felsmauer. Und daran arbeiten wir jetzt.“
„Was?!“
„Wir machen uns jetzt schick für unsere schwulen Freunde und begeben uns in den Trubel,“
„Oh Nein, Henk. Muss das wirklich sein?“
„Keine Widerworte, mein Freund.“
Henk Kuiper geht zum Kleiderschrank, in dem die große Tragetasche steht, in der er das CSD-Outfit für Maarten und sich verstaut hat.
„Das ist nicht Dein Ernst, Henk“ echauffiert sich Maarten de Vlugt, als ihm sein Mitstreiter einen äußerst knapp gehaltenen Minirock und ein glitzerndes Top, dazu grellgelbe Stöckelschuhe überreicht.
„Wir gehen als Sambatänzerinnen. So' Alegria!“
„Ist das nicht ein wenig übertrieben? Hätte es das Schiffs-Outfit, Regen-bogen-T-Shirt und enge Lederhose, nicht auch getan?“
„Wir haben das besprochen, Maarten. Man muss sich an uns erinnern. Damit wir für den Fall der Fälle ein Alibi haben. Und dazu gehört erst einmal ein auffälliges Kostüm. Mach' Dich fertig.“ Widerwillig zwängt sich Maarten de Vlugt wie sein Komplize in die mehr als enge Samba-Verklei-dung.
„So, Junge, raus geht’s. Und denk' dran: Du musst heute besonders nett zu mir sein. Auch mal ein Küsschen ab und an darf's sein.“ Während es Maarten de Vlugt viel Überwindung kostet, den homosexuellen Schein zu wahren, nimmt Henk Kuiper die Sache eher mit Humor.
„Und ein kräftiges 'Aloha' zwischendurch darf auch nicht fehlen.“
„Dir scheint das richtig Spaß zu machen. Manchmal denke ich, Henk, Du bist tatsächlich vom anderen Ufer.“
„Meinst Du wirklich?“, entgegnet Henk schelmisch und grinst Maarten
gespielt-verführerisch an.
„Komm', schnell raus hier. Mir wird das in dem engen Hotelzim-mer zu gefährlich mit Dir...“
Als die beiden als Sambatänzerinnen getarnten Auftragsverbrecher die gewundene Holztreppe des kleinen Hotels hinuntersteigen, klingelt Henk
Kuipers iPhone.
„Auch das noch. Ich komme in den Dingern kaum die Treppe runter – wie soll ich jetzt telefonieren?“, flucht er, während er langsam seinem Komplizen treppabwärts folgt.
„Zusatzauftrag? Bitte melden Sie sich gleich nochmal, es passt gerade nicht wirklich.“
Henk übergibt dem Hotelportier den Zimmerschlüssel. Mehr stolpernd als gehend bewegen sich die Männer Richtung Heumarkt und machen direkt im ersten Lokal einen Zwischenstopp. Sie haben vor, sich in mög-lichst vielen Lokalen sehen zu lassen, so dass man sich vielerorts an sie erinnern kann. Henk Kuiper und Maarten de Vlugt haben gerade das „Wölkchen“, eine stadtbekannte Bar für Homosexuelle, erreicht, wo sie sich unters Volk mischen wollen, als Henk Kuipers iPhone erneut klein-gelt.
„Hallo?“
„Hallo Henk, ich bin‘s. Ich habe noch einen weiteren Auftrag für Sie...es gibt da jemanden, der uns gefährlich werden könnte.“
„Okay...“
„Es müsste schnell passieren.“
„Wird gemacht, Chef.“
„Im Laufe des Abends schicke ich Dir alle Informationen, die Du haben musst.“
„Was wollte `El Jefe` denn, Henk?“, fragt Maarten.
„Wir sollen noch irgendwen erledigen. Egal, gibt mehr Geld. Und jetzt lass' uns rein gehen. Unsere Freunde warten schon auf uns. Aloha!“
Manfred Palm schleppt sich am Montag nach seiner Rückkehr aus Gambia mehr schlecht als recht zur Arbeit. Sein sich selbst auferlegtes Wellness-Programm vom Wochenende hat nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Noch immer fühlt sich der Immobilienmakler schlapp und antriebslos. Auch sein sonst so gesegneter Appetit hat nachgelassen. Am Wochenende hat seine Frau Ursula spontan Freunde zum Grillen ein-geladen. Während Manfred Palm sonst bereits beim Geruch des Grillgutes sprichwörtlich das Wasser im Munde zusammenläuft, hat er sich dieses Mal beinahe vor den Köstlichkeiten vom Grillrost geekelt. Lammkoteletts, Cevapcici, Putenbrust – all' die Sachen, die er sonst mit Wonne und in rauen Mengen verspeist, hat er dieses Mal links liegen gelassen und sich eher am Kraut- und am Bulgur-Salat zu schaffen gemacht.
„Müssen wir uns Sorgen um Dich machen?“, neckt ihn der weibliche Part des befreundeten Pärchens.
„Nein, nein. Alles bestens“, antwortet der Gastgeber gequält.
„Na, dann ist ja alles gut.“
Auch am Wochenanfang ist Manfred Palms Appetit noch nicht zurück-gekehrt. Trotzdem verspürt er ein eigenartiges Völlegefühl, sein Bauch wirkt aufgebläht, obwohl er lediglich ein halbes Brötchen zum Frühstück hatte. Egal, was er sich da eingefangen hat – es ist hartnäckig, es ist zäh, denkt er. Und ist nach wie vor davon überzeugt, dass das lästige Zipper-lein sich schon bald von dannen machen wird.
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Heinz Schlömer hat auch nach seiner mit vom Prädikat `unheilbar` begleiteten Entlassung aus dem Krankenhaus nicht den Mut verloren. Nichts wird er unversucht lassen, um der todbringenden Krankheit doch noch Einhalt zu gebieten. Professor Dahmen hat ihm von einer alterna-tiven Krebstherapie berichtet, die in letzter Zeit zunehmend als vielver-sprechend apostrophiert wurde. Er geht diesem Hinweis nach – was er in Erfahrung bringt, klingt durchaus vielversprechend.
Zwar sind Cannabinoide noch weit davon entfernt, als Medikament zugelassen zu werden, aber überall, wo Regeln sind, sind auch Ausnah-men: Im Rahmen eines sogenannten individuellen Heilversuchs ist die Anwendung eines nicht zugelassenen Medikaments im Einzelfall möglich. Der Arzt kann im Rahmen der Therapiefreiheit mit Zustimmung des Patienten allein und aus eigener Initiative über die Therapie entscheiden, wenn, wie im Falle von Heinz Schlömer, bereits sämtliche anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind (13). So wird der Kölner Rechtsanwalt fortan täglich mit einem hoch dosierten Cannabis-Präparat behandelt. Dies ist auch deswegen möglich, weil keine nennenswerten Nebenwirkungen des Wirkstoffs bekannt sind. Nach einiger Zeit zeigt die Therapie mit dem Naturwirkstoff tatsächlich Wirkung. Mehrmals täglich nimmt Heinz Schlömer das Präparat ein und fühlt sich mit der Zeit deutlich besser. Sein Appetit ist zurückgekehrt und er kann bereits wieder kleine Spaziergänge unternehmen.
Vor einigen Tagen hat er ein PET/CT machen und das erste Mal seit Beginn der Alternativtherapie eine Blutprobe abnehmen lassen und wartet gespannt auf das Ergebnis. Als der Advokat gerade zum Brötchenholen beim Bäcker ist, läutet das Telefon.
„Ich...das ist ja wundervoll“, Marlies Schlömer stockt die Stimme, als sie die Nachricht der Hausärztin ihres Mannes vernimmt. Der Tumormar-ker ist gesunken, was bedeutet, dass das Wachstum des Krebses zunächst einmal gestoppt scheint. Die PET/CT-Untersuchung bestätigt dies, das maligne Gewebe ist sogar ein wenig geschrumpft. Nachdem sie den Hörer aufgelegt hat, beginnt Marlies Schlömer völlig aufgelöst zu weinen. Sie be-merkt kaum, dass ihr Mann das Haus betritt.
„Schatz, was ist ….hat Frau Dr. Jäckel angerufen?“, Heinz Schlömer befürchtet das Schlimmste angesichts der Tränen seiner Frau.
„Ja, hat sie. Es wirkt“, Marlies bringt kaum ein Wort heraus.
„Was?!“
„Dein Blutwert – nicht gestiegen. Das erste Mal! Und kleiner ist er auch geworden.“
„Der Tumor ist geschrumpft?“, Heinz Schlömer schüttelt den Kopf.
„Ja.“
„Ich kann das kaum glauben. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Aber wir haben es tatsächlich geschafft“, dem Rechtsanwalt laufen die Tränen über die Wangen.
„Heinz...Du warst immer so ein großer Kämpfer. All' die Jahre. Du hast Dir das sowas von verdient.“
„Das ist zu schön, um wahr zu sein.“
Gerda Schlömer weint, beugt sich herunter und drückt ihren Mann ganz fest.
„Wir, Gerda. Wir haben uns das verdient. Wir wissen beide: Ohne Dich säße ich heute nicht mit Dir am Frühstückstisch, sondern läge bereits lange unter der Erde.“
„Sag' sowas nicht, Heinz.“
„Es ist aber doch so. Es ist, als bekäme ich, bekämen wir, mein Engel, ein zweites Leben geschenkt.“
„Und das werden wir genießen, Heinz. Schluss mit dem ewigen Stress in der Kanzlei! Schluss mit den Animositäten in der Familie! Das Leben ist viel zu schön und vor allem viel zu kurz, um sich mit dem ganzen nega-tiven Kram zu beschäftigen.“
„Ist es nicht traurig, dass man erst schwer krank werden muss, um das zu begreifen, Gerda?“
„In der Tat, Heinz. Aber das liegt wohl in der Natur der Menschheit begründet. Man erkennt oft erst, was man hat, wenn es nicht mehr da ist, oder aber, wenn man Gefahr läuft, es zu verlieren. Und dann...“
„Und dann?“
„...muss man umgehend gegensteuern, sonst ist es zu spät.“
„Meine wundervolle Frau – nach über dreißig Ehejahren erkenne ich, dass neben ihren vielen Talenten auch eine Philosophin in ihr verborgen ist. Ich reiße das Ruder herum, Gerda. Sofort! Ab heute wird das Leben gefeiert!“
Nach den Ergebnissen der Proben aus Pavel Vajdas Ladung schickt das Landesgesundheitszentrum Nordrhein-Westfalen mehrere Lebensmit-telkontrolleure nach Emmerich, um der Großschlachterei Bönisch auf den Zahn zu fühlen. Die Fleischhauerei aus der zum Kreis Kleve gehörigen Hansestadt ist gleichzeitig Fleischproduzent und -händler, sie betreibt zum
einen eine eigene Schlachterei und importiert zum anderen Lebendtiere
aus Brasilien, um der großen Nachfrage nach Schwein und Rind gerecht werden zu können. Die Bönisch GmbH beliefert verschiedene Großhändler und fleischverarbeitende Betriebe.
Die europäischen Länder transportieren jährlich um die zwei Milliar-den lebende Tiere innerhalb der EU. Die wichtigsten Handelspartner Deutschlands sind die Niederlande, Dänemark, Polen und Österreich. Deutschland hat zudem etwa 20 Abkommen zu Lebendtiertransporten mit Drittländern geschlossen. Darunter Algerien, Ägypten, Mexiko, Brasilien und die Vereinigte Arabische Emirate. Die Tiere werden teilweise tausende Kilometer weit transportiert.
Beim Import der Lebendtiere aus Übersee stehen wirtschaftliche Inte-ressen im Vordergrund. Es ist nämlich billiger, lebendige Tiere zu trans-portieren, als „tote Ware“. Denn diese muss gekühlt werden, und das ko-stet mehr Geld. Außerdem können Zoll-Bestimmungen eine Rolle spielen. Wer Rinder in Länder der Europäischen Union (EU) transportiert, muss dafür keinen Zoll zahlen. Wenn er dagegen Fleisch einführen würde, dann müsste er an der Grenze in die Tasche greifen.
Bevor sie geschlachtet werden, müssen die Tiere aus Massentierhaltung meist lange Transporte - manchmal sind es mehrere Tausend Kilometer - in extrem engen Käfigen über sich ergehen lassen. Schlachttieren, die über weite Strecken transportiert werden, werden Medikamente wie Antibio-tika verabreicht, da die nicht artgerechte Haltung und der anstrengende Transport, den viele Tiere nicht überleben, zu Krankheiten und Seuchen führen kann. Viele der Tiere sind gestresst, da sie vor ihrer Schlachtung oft noch sehr große Qualen erleiden müssen. Daher enthält Fleisch aus Massenproduktion häufig Stresshormone und Rückstände von Medikamenten (14).
Als Gammelfleisch wird umgangssprachlich durch längeres Liegen un-genießbar gewordenes, verdorbenes Fleisch deklariert, in dem oft Bakte-rien, Parasiten und auch Viren entstehen (15).
Die Inspektoren werden in Emmerich schnell fündig. In den Lager-räumen der Bönisch GmbH wird Fleisch sichergestellt, dass bereits knapp vier Jahre alt ist. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass das Unternehmen heimlich kranke Kühe geschlachtet und diese als gesund deklariert hat. Des Weiteren kam Fleisch zum Einsatz, das infolge seiner Belastung mitmedikamentösen Rückständen ungeeignet für den menschlichen Verzehr ist. Nicht zuletzt wird in dem aus Brasilien importierten Fleisch ein rätselhafter, bislang nicht bekannter Virus entdeckt. Konfrontiert mit den Ergebnissen der Untersuchungen der Lebensmittelkontrolleure handelt das Landegesundheitszentrum Nordrhein-Westfalen sofort: die Bönisch GmbH, Deutschlands drittgrößtes fleischverarbeitendes Unternehmen mit knapp 1400 Mitarbeitern, wird, vorerst vorübergehend, geschlossen.
Zudem wird Firmeninhaber Gerd Bönisch wegen Betruges zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt und mit einer empfindlichen Geldstrafe von 30.000€ belegt.
Nach den alarmierenden Ergebnissen der Untersuchungen des Fleischs vom Großhändler Bönisch werden auch dessen Kunden von Lebensmittel-kontrolleuren aufgesucht. So auch die Freddo GmbH, ein Fleischwaren-produzent in Würzburg, der von der Bönisch GmbH geliefertes Fleisch zu Wurst oder fleischhaltigen Tiefkühlprodukten weiterverarbeitet. Auch in diesen Erzeugnissen lässt sich das unbekannte Virus nachweisen. Dem Unternehmen wird untersagt, weiterhin Produkte, in denen Fleisch von der Großschlachterei Bönisch aus Emmerich verarbeitet wurde, in Verkehr zu bringen. Außerdem erhält die Firma drastische finanzielle Strafen für ihre Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz. Der Betrieb wird zudem unter Sonderbeobachtung gestellt.
Bereits früh am Morgen wird Hajo Hochthermen aus dem Schlaf geris-sen.
„Herr Dr. Hochthermen?“
„Ja?“
„Entschuldigen Sie die frühe Störung.“
„Ach, Frau Röttgen. Sie sind es. Ich habe Sie gar nicht an der Stimme erkannt. Was kann ich für Sie tun?“
„Herr Dr. Hochthermen, dieses Mal verhält es sich anders herum. Ich glaube, ICH kann etwas für SIE tun“.
„Na, da bin ich aber mal gespannt. Schießen Sie los.“
„Wir hatten hier in der Klinik einen Glioblastom-Patienten. Rechtsan-walt Schlömer aus Köln. Nach seiner Entlassung hat er eine Canna-bistherapie begonnen. Sie werden es nicht glauben: die Behandlung hat an-geschlagen! Ich habe es gerade erfahren. Sie sind natürlich der erste, dem ich davon berichte.“
Stille am anderen Ende der Leitung.
„Herr Dr. Hochthermen?“
„Ja, ich bin noch dran. Es ist nur...“
„Was?“
„Glioblastom… Dass die Cannabinoide selbst bei einer der schwersten Krebserkrankungen Wirkung zeigen…“
„Es ist fantastisch, ja.“
„Wie lange habe ich darauf gewartet. Das hat es gebraucht, um die Cannabis-Therapie endlich voranzubringen. Der Patient wird aller Welt als Beispiel gelten, ja, er wird kundtun, was Cannabinoide erreichen können. Und wenn wir erst einmal mehr Fälle von Remissionen oder gar einem Stillstand der Erkrankung sehen, kann sich auch das BfArm nicht länger
unserem Anliegen verschließen.“
„Nein, Herr Doktor. Ich bin mir sicher, dann werden Cannabis-Medika-mente auch in der Krebstherapie ihren festen Platz finden.“
„Ich würde gern mit dem Mann sprechen. Könnten Sie mir seine Kon-taktdaten geben?“
„Ich werde Herrn Prof. Dahmen fragen, ob das für ihn ok ist. Zum Glück ist der Professor sehr offen für neuartige Therapien und nicht wie viele andere Ärzte nur auf die Leitlinien der Schulmedizin fixiert. Sonst hätten wir diesen wunderbaren Fall gar nicht. Ein ganz bekannter Mann hier aus Köln ist das. Wäre gut, wenn der mit dem Therapieerfolg an die Öffentlichkeit ginge.“
„Genau darum werde ich ihn bitten.“
„Tun Sie das, Herr Doktor Hochthermen. So, ich muss los zur Apothe-ke. Bachblüten bestellen. Sobald der Professor zustimmt, maile ich Ihnen die Angaben.“
„Danke sehr. Bachblüten?“
„Ja – soll helfen. Ich hatte viel um die Ohren in letzter Zeit. Beruflich wie privat.“
Arztbesuche – nicht wirklich eine Leidenschaft des männlichen Ge-schlechts. So sind es letztendlich in der Mehrzahl der Fälle die Frauen, die ihre Männer mit sanftem Druck in die Sprechstunde schicken.
Ähnlich verhält es sich auch bei Manfred Palm. Dessen Zustand hat sich auch vier Wochen nach der Rückkehr aus Gambia nicht gebessert. Ursula Palm beobachtet eine leichte Gelbfärbung von Haut und Augen, ihr Gatte berichtet von Muskel- und Gelenkschmerzen und hat bisweilen Nasenbluten. Außerdem klagt er zunehmend über extreme Müdigkeit.
Seine Frau macht Nägel mit Köpfen und vereinbart einen Termin beim Hausarzt, den Manfred Palm nur widerwillig wahrnimmt. Eine Urinprobe und eine Blutuntersuchung sollen Aufschluss über die Ursachen der Be-schwerden des Maklers geben. Wenige Tage später wird Manfred Palm erneut in die Praxis gebeten.
„Guten Tag Herr Palm, setzen Sie sich bitte.“
„Guten Tag Herr Doktor. Und: Haben Sie etwas gefunden? Ich fühle mich immer noch völlig neben der Spur und schwach.“
„Nun, es gibt gewisse Auffälligkeiten, die mir Sorge machen. Der Urin ist auffällig dunkel, zudem sind die Werte der Leberenzyme Glutamat-Pyruvat-Transaminase, Glutamat-Oxalacetat-Transaminase und Gamma-Glutamyl-Transferase, die zur Diagnose einer Leberschädigung herange-zogen werden können (16), deutlich erhöht.
„Und was bedeutet das?“
„Gluckgluck.“
„Was?!“
„Haben wir es vielleicht in letzter Zeit ein wenig mit Freund Alkohol übertrieben, Herr Palm?“
„Das würde ich so nicht sagen. Sicher, ich trinke ab und an ein Schlück-chen. Wer tut das nicht...“
„Wenn's bei dem Schlückchen bleibt...nehmen sie regelmäßig starke Tabletten zu sich?“
„Nein! Nur, wenn es wirklich gar nicht anders geht und äußerst selten. Ich überlege dreimal, bevor ich etwas schlucke.“
„Herr Palm. Ihre Leberwerte bereiten Anlass zur Sorge und deuten auf eine beginnende Lebererkrankung hin. Dazu passt auch, dass ihr Urin auffällig verfärbt ist.“
„Das kann ich mir nicht erklären, Herr Doktor.“
„Kein übermäßiger Alkohol? Keine Tabletten?“, versucht es der Arzt nochmal.
„Nein. Wirklich nicht. Vielleicht das fettige Essen im Urlaub. Und da habe ich natürlich auch mal ein Gläschen mehr getrunken.“
„Aber das ist über einen Monat her. Dann müssten sich die Werte schon längst wieder stabilisiert haben.“
„Dann weiß ich es auch nicht.“
„Mit der Leber, das ist eine gefährliche Sache. Sie leidet still, verursacht kaum Symptome.“
„Und wie geht es jetzt weiter?“
„Ich werde einen Infektionserregernachweis in Auftrag geben.“
„Was ist denn das?“
„Schlechte Leberwerte und verfärbter Urin können auch durch Keime oder Viren verursacht werden. Ich möchte Sie hinsichtlich dieser mögli-chen Ursachen testen.“
„Und wie machen Sie das genau?“
„Keime lassen sich oft bereits in Abstrichen von Wunden, Stuhlproben, Urin oder Nervenwasser nachweisen. Erste Hinweise ergibt oft schon die Betrachtung unter einem Mikroskop im mikrobiologischen Labor. Viren sind dafür zu klein. Virusinfektionen stellen Ärzte meistens durch be-stimmte Antikörper im Blut fest.Das sind Abwehrstoffe, die der Körper gegen Bestandteile von Krankheitserregernm sogenannte Antigene, bildet. Ein gesundes Immun-system bildet nämlich spezifische Antikörper, wenn es mit bestimmten Bestandteilen von Erregern in Kontakt kommt“ (17).
„Ich verstehe zwar nicht genau, was Sie meinen, Herr Doktor, aber ich hoffe, dass Sie irgendetwas finden, damit ich ein Medikament bekommen kann und die Sache endlich ein Ende hat.“
„Das hoffe ich auch, Herr Palm. Sobald die Untersuchungsergebnisse vorliegen, melde ich mich bei Ihnen.“
Die Terminanfragen bei Hajo Hochthermen lassen nicht nach. Schon längst hat er die Zahl der Patienten, die er täglich empfängt, deutlich er-höht und muss trotzdem noch vielen eine Absage erteilen.
Severin Marx hat dem Arzt aus Westfalen einen sehr persönlichen Brief geschrieben, indem er vom Schicksal seiner unheilbar an metastasiertem Brustkrebs erkrankten und bereits bettlägerigen Mutter berichtet. Als ein Patient seinen Termin bei Hajo Hochthermen kurzfristig absagen muss, bietet dieser Severin Marx an, spontan in der Praxis vorbeizukommen. Dankend nimmt der junge Mann an.
„Vielen Dank, Herr Doktor Hochthermen, dass ich so kurzfristig kom-men durfte.“
„Sehr gerne. Sie haben mir von ihrer Mutter geschrieben. Wie geht es ihr heute?“
„Schlecht, Herr Doktor. Sehr schlecht.“
„Das tut mir leid.“
„Herr Dr. Hochthermen: Ich hoffe, Sie können meiner Mutter helfen. Man hört in letzter Zeit doch immer wieder, dass Cannabis bei Krebs hilft.“
„Nun, es verhält sich in der Tat so, dass einige Patienten von der Ein-nahme der Cannabinoide profitieren. Vornehmlich dadurch, dass die krebsbedingten Schmerzen nachlassen, der Appetit zurückkehrt und die Patienten so wieder zu Kräften kommen und mehr Lebendqualität verspü-ren.“
„Das ist ja großartig.“
„
