Verlag: Books on Demand Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Saisonarbeit - Hans Will

Als Saisonarbeit bezeichnet man Arbeit zu einer bestimmten Zeit des Jahres. Wie zum Beispiel in der Landwirtschaft zur Spargelzeit und zur Weinlese, wo in befristeten Zeiträumen Erntehelfer gesucht werden. Auch auf Kreuzfahrtschiffen sind Saisonarbeiter/innen gefragt. Für Manfred Stöhr bedeutete Saisonarbeit sieben Monate Brötchenverkauf auf einem Wohnmobilstellplatz in Mainfranken. Ein Buch über Camper und ihren kleinen Geschichten. Dazu zwei Mordfälle und Sexarbeiterinnen, die den Absprung schaffen.

Meinungen über das E-Book Saisonarbeit - Hans Will

E-Book-Leseprobe Saisonarbeit - Hans Will

1.Auflage 2018

Die Personen und die Handlung des Buchs sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Umschlaggestaltung und Fotos: Hans Will

Vielen herzlichen Dank an Claudia Spiegel für die Durchsicht.

Vom Autor bereits erschienen:

Mainfrankentrilogie:

„Späte Zeit des Glücks“

„Ein Leben lang“

„Saisonarbeit“

„Wanda beobachtet“

„Back- und Lachgeschichten“

Zur Person: Hans Will war bis 2007 selbstständiger Bäckermeister und Konditor. Durch eine schwere Krankheit musste er den Beruf wechseln und wurde innerhalb kurzer Zeit ein erfolgreicher Fotograf mit etlichen Auszeichnungen und gelungenen Ausstellungen. Saisonarbeit ist das Fünfte Buch des ambitionierten Autors.

Für alle Camper und diejenigen, die es noch werden wollen.

"Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen." (Mark Twain)

Als Saisonarbeit bezeichnet man Arbeit zu einer bestimmten Zeit des Jahres. Wie zum Beispiel in der Landwirtschaft zur Spargelzeit und zur Weinlese, wo in befristeten Zeiträumen Erntehelfer gesucht werden. Die stammen meist aus Osteuropa wie Polen, Rumänien oder Bulgarien. Ausschreibungen auf einschlägigen Internetseiten sehen dann zum Beispiel so aus: „Wir suchen ganzjährig Saisonarbeitskräfte. Die Arbeitszeit beträgt durchschnittlich 6 Stunden, wobei Mehrarbeit von bis zu 2 Stunden/Tag möglich ist. Nach Möglichkeit wird an 7 Tagen in der Woche gearbeitet. Die Bezahlung erfolgt in Euro. Der Stundenlohn Brutto beträgt 8,50 Euro. Die Unterkunft befindet sich in einer Wohnung bzw. einem Haus. Vorhanden sind Schlafraum, Aufenthaltsraum, Waschmöglichkeit und Kochmöglichkeit. Bettwäsche wird gestellt. Für die Unterkunft werden am Tag 5,80 € berechnet. Verpflegung wird nicht gestellt.“ Es gibt spezielle Internetseiten, die in Deutsch, Rumänisch, Polnisch und Bulgarisch darüber informieren, wo gerade in der Landwirtschaft Saisonkräfte gesucht werden. Saisonarbeit ist auch im Tourismus weit verbreitet. Köche und Servicekräfte sind im Winter in Österreich und der Schweiz sehr gesucht. Auch auf Kreuzfahrtschiffen sind Saisonarbeiter/innen gefragt. Für Manfred Stöhr bedeutete Saisonarbeit sieben Monate Brötchenverkauf auf einem Wohnmobilstellplatz in Mainfranken. Ein Buch über Camper und ihren kleinen Geschichten. Dazu zwei Mordfälle und Sexarbeiterinnen, die den Absprung schaffen.

Prolog

Der Wind blies ihm über die Ohren und durch die Haare und im Licht der Straßenleuchten wirbelte ein bisschen Schnee. Er spürte ihn mit geschlossenen Augenlidern. Die Blätter des letzten Herbstes tanzten auf dem verlassenen Radweg. Bald wird er hier wieder seine Brötchen verkaufen können. Am Main schaute er den Schiffen nach. Es war die Zeit, in der er sich mit langen Spaziergängen die Kondition für den Sommer holte. Mit dem Schiffsfernglas, das er von seinem Großvater geerbt hatte, suchte er nach den wenigen verbliebenen Vögeln. Ein paar Krähen und Elstern hatte er gesehen. Über die Brücke durch die Stadt ging er zum Alten Friedhof. Tannenreisig legte sich schützend auf das Grab, in dem seine Eltern liegen. Hier liegen sie alle: der Großvater, der Urgroßvater, der Ururgroßvater und auch ihre Gemahlinnen. Die drei Brüder vom Großvater, die im Ersten Weltkrieg ums Leben kamen, fanden ebenfalls in dem großen Familiengrab ihren Platz. Hinter ihren Todestagen war jeweils das Eiserne Kreuz in den Grabstein graviert. Sein alter MP3 Player spielte Suzanne von Leonard Cohen. Melancholie pur. Zu Hause kochte er sich dann einen grünen Tee, der ihn wieder etwas aufwärmte.

Saisonarbeit

Manfred, von seinen Freunden Manne genannt, bog über die hintere kleine Zufahrt auf den Wohnmobilstellplatz ein. Sie ist für Wohnmobile nicht geeignet, weil große Findlinge so hingelegt wurden, dass diese nicht vorbeifahren können. Von weitem sah er German, wie immer mit einem Paket Feuchttüchern bewaffnet, wie er über den noch schlafenden Platz hechelte.

Manne war dabei, den kleinen Laden im Info Container in der Mitte des Womoplatzes unter der Nordbrücke liegend, wie jeden Tag im Sommerhalbjahr, einzuräumen. Im Digital Radio lief Grönemeyers Stück vom Himmel und der erste Kunde trat ein. Zwei Mohn und zwei Mehrkorn, bitteschön, danke. Sie kamen ins Gespräch, wegen eines Aufmachers auf dem Titel der Zeitung mit den vier Buchstaben. Es ging um Politiker, die sich nix mehr zu sagen trauen; um Lobbyisten, die über alles bestimmen. Der Mann redete sich in Rage über Asylanten, unfähige Politiker und noch mehr und das alles um kurz nach sieben Uhr. Manne suchte seine Brille. Dann mussten Schröder und Fischer herhalten und das alles für die abschließende Erkenntnis, dass das Geld auf der Straße liegt und wir, dabei meinte er wohl sich und Manne wahrscheinlich zu blöd seien, es aufzuheben.

Der nächste Kunde, der einkaufte, kam aus Kleve vom Niederrhein, die abgewetzte beige Hose, die er trug, hatte ihm wohl früher einmal wesentlich besser gepasst, sie hing an ihm wie ein nasser Sack. Aus dem aufgeknöpften Karo- Hemd schaute ein Goldkettchen mit einem kleinen Kreuz hervor. Manne musste an die Kreuzverordnung der bayerischen Staatsregierung denken und fragte sich, ob er im Container auch ein Kreuz aufhängen sollte.

„Bitte von den Zahnrädern dort hinten zwei Stück und fünf Brötchen bitte separat gepackt.“ „Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben dürfte: das sind keine Zahnräder, das sind Eierringe, das Traditionsgebäck aus Kitzingen!“ „Aja, sehen aber trotzdem gut aus, bitte noch die Zeitung!“ Er nahm die mit den vier Buchstaben, mit der Mainpostille könne er hier nichts anfangen. „Steht aber mehr drin und hat auch einen fantastischen überregionalen Teil!“ „Kann sein, aber die Bilder sind schöner!“ Manfred war jetzt klar, was für Bilder er meinte.

Die Kaisersemmeln musste er noch in die Verkaufskörbe schlichten, ein paar Exemplare des Kitzingen Krimi „Späte Zeit des Glücks“ auf die Theke drapieren, Ansichtskartenständer aus der Abstellkammer, Zahlteller hinrichten. Er hatte sich eine Checkliste erstellt und an vier von sieben Vorbereitungspunkten konnte er jetzt einen Haken machen. Dann kam auch schon der nächste Kunde. Eine Kölsche Frohnatur, das hörte Manne gleich. „Haben sie Röggelchen für einen halve Hahn?“ „Für was?“ „Halve Hahn, wissen sie nicht was das ist!?“ „Würde mal sagen: ein halbes Hähnchen, oder wie wir in Franken sagen: Göger mit Roggenbrötchen!“ „Ha, hat mit Hähnchen nichts zu tun, Röggelchen sind zwei aneinander gebackene Roggenbrötchen, die aussehen wie die Brüste einer Frau und die werden durchgeschnitten und dann kommt ein mittelalter Gouda drauf, der gerne etwas dicker sein darf!“ „Okay, wieder was gelernt, ich habe hier Roggenbrötchen, die sollten doch auch gehen, auch wenn sie nicht so aussehen wie die Brüste einer Frau.“ „Pack mal vier ein!“

Im Radio kommt die Meldung, dass der Bahnverkehr zwischen Neustadt/Aisch und Kitzingen gesperrt ist. Dann lief die Little River Band Help mit Is On it's Way. Maximilian Eichel, einer der Kontrolleure, ist auch inzwischen auf dem Platz gelandet. „Moin, Manne.“ „Hörnle?“ „Danke!“ Auf dem Main tuckert der alte Diesel der „Luzia“, einem Schiff, das Sand und anderes Schüttmaterial transportiert.

Das Geschäft lief gut und so gegen viertel neun kam Gottfried Meister mit seinem weinroten Caddy angeblasen. „Machst du mir bitte einen Kaffee, scheiße was mit Carl abgelaufen ist! Ansgar hat gemeint, dass er nicht mehr leben wollte.“ „Bitteschön, der Kaffee. Milch, Zucker kannst du dir selber reinmachen. Da wird jetzt viel erzählt. Ich glaube, es war schon so, dass er eine tödliche Lungenembolie hatte. Es war, glaube ich, schon seine Dritte. Zwei überlebt und bei der Dritten dann empty. Ich weiß nicht, ob du die Geschichte kennst, wo in meinem Kaffee eine Wespe war, die mich dann von innen in den Hals stach, weil ich nicht merkte, dass sie in den Kaffee gefallen war. Jedenfalls rettete Carl mir, dank seines beherzten Eingreifens das Leben. Ja, so war das. Ich pack jetzt zam, heute geht da nicht mehr viel!“ „Pass mal auf Manne, ich nehme noch einen Silvaner Bocksbeutel hier mit, was macht es zusammen?“ „7,10!“ Er gab Manne einen 20 Euro Schein. Das lässige „Passt scho!“ konnte er nicht mehr hören. Manne freute sich trotzdem, fragte sich aber, woher der Typ so viel Kohle hatte, dass der so damit rumschmeißt. „Übrigens, bis vor zwei Jahren habe ich auch noch in dem Laden gearbeitet, kann mich noch gut an meine Touren nach Sommerhausen und Nordheim erinnern. Fahre jetzt zu Ansgar, der hat in Ungarn wieder einen schönen 2002er gefunden, will aber nicht auf die Auktion in der Kunsthalle damit warten, die ist ja erst in zwei Monaten und außerdem weiß man im Moment nicht so genau, wann er hier in Kitzingen ist und wann in Thailand bei seiner Thao.“

Mit lautem Getöse fahren die Stadtgärtner mit ihrem umgebauten Transporter auf dem Platz ein. Die morgendliche Ruhe war dahin. „Zwei Eierringe und eine Schnecke!“ verlangte der Große, während der Kleine sich einen Plunder mit Pudding und Kirschen in die Tüte stecken ließ.

Ein Schweizer kommt in den Container und verlangt drei Gipfeli, er komme aus der Gegend von Luzern in den Bergen und will, wie viele seiner Landsleute zum Nordkap fahren. „Salü, auf der Rückfahrt sehen wir uns wieder!“ „Wenn wir noch leben!“ sagte Manne.

Für die Auslage sortierte er die Plunderteilchen wie Quarktaschen, Dänisch Plunder Pudding-Kirsch, Schnecken mit Nussfüllung, Schokocroissant und Apfeltaschen in das vordere Regal. Der letzte Haken ist gemacht. Ein Mann im flotten Schritt unterwegs, stolpert über die Schwelle, „zwei Schnitt und zwei Mehrkorn bitte!“, krachst er im Fallen. Nach kurzem Schütteln erzählt er von seinem Kroatienurlaub. Er möchte heute noch die Strecke nach Melle bei Osnabrück schaffen. Wenn man dem Fan Shirt Glauben schenken darf, ist er Anhänger des Drittligisten VFL Osnabrück. Ein anderer Gast des Wohnmobilstellplatzes erklärt Manne, dass Burghausen nicht in Niederbayern liegt, wie zuvor von ihm angenommen. Außerdem vergeht ihm die gute Laune, wenn er an die Scheiß- Politiker denkt. Er erkundigt sich, ob heute beim Markttag auch ein Hamburger Fischhändler dabei ist, er habe sowas gelesen. „Keine Ahnung, ich gehe nicht in den Markt zum Einkaufen, keine Parkplätze und scharfe Politessinnen!“ „Ja, i braucherts a neda, aber mei Frau wills halt wissen und auch hingehen auf ein Fischbrötchen!“ Dann fing er wieder von seinem Burghausen an. „Wissens: Burghausen hat 18000 Einwohner und 17000 Pendler, da wissen sie schon, was da abgeht. Wir haben die schlechteste Verkehrsanbindung in Bayern überhaupt und sind der zweitgrößte Industriestandort im Freistaat. Nur ein Bahnanschluss und der ist nicht elektrifiziert.“ Carl drückte die Reset- Taste. „Na dann, einen schönen Tag noch, aber nicht, dass ihre Frau den Main mit der Nordsee verwechselt, wegen der Fischbrötchen mein ich!“

Die Frau, die gestern das Buch mit dem späten Glück gekauft hat, sagt zu Manne, dass ihr Mann es in einem Rutsch durchgelesen hatte und sehr spannend fand. „Ja, ich muss es dann halt auch mal lesen, wenn alle sagen, dass es so gut sei, was brauch mer denn?“ „Zwei Mehrkornstangen und eine Kaisersemmel bitte!“ „Bitteschön, heute ist ja vorne im Park die lange Nacht im Paradies, das können sie sich anschauen, wenn sie Lust haben.“ „Was ist das denn genau, kommen da Adam und Eva aus dem Jenseits?“ lachte die Frau. „Augenblick!“ Manne las aus einem der Prospekte vor: “Die Besucher können durch den Park des ehemaligen Gartenschaugeländes wandeln, die durchgängig gespielten Aufführungen der Produktion „Im Garten meiner Kindheit“ von der Berliner Künstler-Compagnie „Theater Anu“ ansehen und verschiedene Lichtinstallationen genießen.“ „Wow, das lasse ich mir nicht entgehen!“

Ein Mann mit einem Rennrad auf dem Shirt bestellt ein Körner, ein Dinkel und ein Roggen und beklagt sich, dass er viel zu wenig Zeit zum Rennradfahren hat. Er sieht irgendwie aus wie ein kurz vor der Pension stehender Klinikchef.

„Hummel, Hummel, vier Körner bitte, ich bin ja Würzburg- Liebhaber, komme aber aus Hamburg. Wie kommt man denn zu der Kirche von Balthasar-Neumann? Ich wollte ja in Würzburg mein Wohnmobil abstellen, aber der Platz ist ja viel zu laut und auch nicht wirklich schön. Wir haben uns entschlossen mit der Bahn nach Würzburg zu fahren.“ „Die Kreuzkapelle von Balthasar-Neumann, die sie suchen, ist gleich da vorne. Einfach den Radweg entlang laufen bis zur Mainbrücke und dann sehen sie die Kirche schon. Sie wissen ja, dass der Grundriss der Kirche früher den 50- Markschein verschönerte und noch einen Tipp für Würzburg: Gehen sie mal in die Fisch Bar „Krebs“ direkt am Main, hinter dem alten Kranen gelegen. Ganz toll dort, Essen, Ambiente und Leute. Oder zur Landesgartenschau am Hubland.“ „Danke für die Tipps!“ „Ja, passt scho und viel Spaß wünsche ich.“

„Quatre chocolat croissant, s'il vous plaît! “„You come from?” “Belge!” „War ja fast klar!“ dachte sich Manne, nachdem die Frau auch die restlichen Schokocriossants gekauft hatte.

Eine Urlaubsrückkehrerin aus Unna füllt ihren Verpflegungsvorrat für die Heimfahrt auf. Dann schwärmt ein Mann in kurzen Jeans und Musketier- Kinnbärtchen von der Seiseralm, Südtirol und dem Gardasee. „Es geht gleich weiter“ sagt er, „nach Hannover.“ „Bon Voyage!“ Und dann waren noch die beiden jungen Männer, die zu der Jahrgangs Präsentation mit Hofausschank zu einem Winzerhof und Weingut nach Iphofen wollten. Sie mochten den Womoplatz dort an den Feuerwehrgaragen nicht. Eine Frau fragt, wo sie den Euro wiederbekommt, der beim Billet Automat nicht mehr rausgekommen ist. Manne kotzte es an, immer wegen dem Scheißparkscheinautomaten fünf Minuten zu erklären, wie das jetzt funktioniert. „Entweder sie warten, bis der Kontrolleur oder die Kontrolleurin kommt, oder sie gehen durch das Gartenschaugelände zur Alten Mainbrücke. Rechts nach dem Brückenbogen geht eine Holztreppe nach oben. Sie laufen über die Brücke und am Ende der Brücke links ist dann die TouristInfo untergebracht. Ich glaube, ab 9 Uhr ist dort geöffnet. Da können sie dann den Euro bekommen. Im Übrigen steht am Automaten, dass er kein Wechselautomat ist.“

Noch mehr hasste Manne die Erklärung, dass er das Wlan Passwort nicht hat. „Ja, wieso kennen sie das nicht?“ ist dann die gängige Antwort. Manne versucht dann zu erklären, dass jedes Wohnmobil sein eigenes Passwort bekommt (dazu mit eigenem Login). Beim Einrichten des Routers hatte die Stadt Kitzingen als Betreiber halt noch Angst gehabt, dass, wenn jemand auf irgendwelchen Porno- oder Gamerseiten oder Ähnlichem herumsurft, dass sie dann zur Haftung herangezogen wird. Doch nach einem Urteil im vergangenen Sommer ist diese Haftung aufgehoben worden. Wahrscheinlich ist dies noch nicht bis zu den Verantwortlichen durchgedrungen. Ein schöner Hotspot hier auf dem Platz – das wärs halt!

Die Luft ist dampfig, so als könne sich gleich wieder ein Gewitter über der Stadt entladen.

Als Manne das Prospektregal auffüllen will, fällt ihm auf, dass die drei Stadtpläne in italienscher Sprache nicht mehr da waren. Seit drei Jahren war dies das erste Mal, dass jemand einen Stadtführer in italienscher Sprache mitnahm, darum ist Manne das auch gleich aufgefallen. Im selben Moment fährt ein großes Wohnmobil mit ungarischer Nummer am Container vorbei.

Ariel-Caprice ist ein gefragtes Aktmodell aus Ungarn. Sie hat ihren großen Luxusliner zu einem kleinen Fotostudio ausbauen lassen. Sie fährt damit durch ganz Europa und hat auf dem Womoplatz ein Foto Date mit Gottfried Meister klar gemacht.

„Biological, Cleanroom Systems, Facility, Industrial Handling“, liest Manne am nächsten Morgen an der Ampel auf dem angerosteten Transporter vor ihm. „Geht nur noch in Englisch“, dachte er.

Die Lindenallee mit der Zufahrt zum Platz steht in voller Blüte und auf dem Rasen ist alles noch ruhig, als er auf den Weg zum Container einbiegt. Hinter dem Morelo Loft steht der weinrote Caddy von Gottfried.

Er hatte noch nicht ganz eingeräumt, als ein junger Mann eintritt, sie kommen ins Gespräch und dann stellt sich heraus, dass er als Busfahrer beim Heeresmusikkorps Veitshöchheim arbeitet. Er hat beim Steuern der großen Luxus Liner keine Probleme, erzählt er. Am Wochenende fährt er die Bläser und Trommler des Heeresmusikkorps Veitshöchheim durch Paris. „Höchste Sicherheitsstufe dort, kann man sich ja denken. Ich habe jedenfalls ein bisschen Fracksausen. Ich war schon bei Auftritten in Großbritannien, Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, Schweiz, USA und Kanada dabei.“

Heute war Angela Merkel auf der Titelseite der Zeitung mit den bunten Bildern groß abgedruckt. Manne wird am Ende der Verkaufszeit feststellen, dass er kein einziges Exemplar verkauft hat.

„Buongiorno, achte Croissants, prego!“ „Wie viele Croissants möchten sie?“, „Achte!“ „Ach so, acht. Bitteschön, kommen sie aus Italien?“ grimmig antwortete der südländisch aussehende Typ: „Wer wille das wissen?“ „Schon gut: 12.-Euro. Prego!“

Ein gut gelaunter älterer Herr betrat nach einigen Minuten den Container und schwärmte: „Das ist ja einmal eine Auswahl, bitte drei von den Pariser Handgemachten, eine Brezel und zwei Käsestangen und für heute Mittag von den lecker aussehenden Quarktaschen hier vorne: zwei Stück. Sie haben hier einen wunderschönen Platz, aber wir müssen heute wieder zurück nach Gemünden fahren!“ „Geht die Fähre noch?“ „Ja klar, die wird auch noch einige Zeit fahren müssen, bis die Brücke über den Main fertig gebaut ist!“

„Vier Gaiser und zwei Bruin alsjeblieft!” Sagte eine dralle Holländerin im knappen Outfit. “Daar ga je!”

Anscheinend ist der nächste Kunde Mathemathiker. Er erklärt Manne: “Rechnen sie bitte einmal mit, an 220 Tagen sind, sagen wir einmal kanpp gerechnet, 50 Wohnmobile am Tag auf dem Platz, das wären 11000 Wohnmobile im Jahr mal 9 Euro, sind knapp 100000 Euro. Wahrscheinlich ist das noch spärlich gerechnet, was der Platz abwirft.. In zehn Jahren dann immerhin eine Millionen Euro. Das wäre dann aber wirklich noch knapp gerechnet!” krakelte er. Nach seiner Meinung könnte dafür doch eine Duschcontaineranlage aufstellt werden. Der Mann wurde lauter. Einen Bewegungsmelder für das Licht hier im Container sollte doch auch drinn sein. Er wurde noch lauter. Ein Schild an der Einfahrt des Platzes, auf dem draufsteht, dass es weiter hinten Brötchen zu kaufen gibt, sollte doch auch Standard sein. Er nahm dann zehn Kaisersemmel mit und sagte zum Abschied: “Nichts für ungut!” Eine mollige, gut gelaunte Mitvierzigerin sagte nur, dass es schon schrullige Erbsenzähler gäbe. Manne sagte nix und packte 5 Kaiser, 4 Vollkorn und 2 Brezen in die Tüte. Dem Dialekt zu urteilen stammte die Frau aus Oberfranken. Nachdem der nächste Kunde gegangen war, dachte Manne, was denn heute los sei. Der Nächste beschwerte sich heftig, dass der Platz wieder übervoll sei. “Tja, jedes Jahr werden ca. 50000 neue Wohnmobile zugelassen und irgendwo müssen die sich ja hinstellen. Wir haben nunmal mit der guten Lage am Main und der Nähe zur Altstadt einen geilen Platz und da kommen dann halt auch die Camper gerne her!” Der Mann war trotzdem sauer und kaufte nur eine Zeitung mit den vier Buchstaben.

Der Moosburger betritt den Container und Manne wusste, dass er jetzt gleich vier Kürbiskernbrötchen in die Tüte zählt. “Für morgen bestelle ich wieder 20 Stück zum Mitnehmen. Die friere ich ein!” Manne dachte im Stillen, dass er das immer sagt, das mit dem Einfrieren. Anscheinend sind die Kürbiskernbrötchen in Moosburg teuerer, wie hier auf dem Platz.

Dann kam Gottfried und nahm drei Kaffee to Go und sechs Plunderstückchen. “13,80 bitte!” Er ließ die 20 Euro wie immer aufgehen. “Wenn du willst, komm doch mal rüber, wenn du fertig bist!” “Gerne!”

Ein Schwede kommt in den Container und lässt sich die letzten sieben Kaisersemmel einpacken. Auf ein Blatt Papier schreibt er folgenden Satz: „Kort gåtur til by og indkøb. Burde snart studse buskene. Spærrer for udsigt til floden Main.“ Zu Hause wird sich Manne mit einem Übersetzungsprogramm am PC den Satz übersetzen lassen. Dabei kommt Folgendes heraus: “Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Wir sollten bald die Büsche Stutzen. Blockiert die Haupt- Ansicht des Flusses.“

Manne hatte den Container ausgeräumt, Kasse, Retouren und Leergut im Combo verstaut, klopfte nun an die Wohnmobiltür der Ungarin. Er ging über zwei Treppenstufen durch die Tür ins Innere. Er staunte nicht schlecht, jede Menge Plüsch, hinten sogar eine Pool Stange. Dank der großzügig angebrachten Deckenfenster war es ziemlich hell über dem großen Bett, in dem sich gerade Ariel-Caprice für Gottfried aalte, der sie fotografierte. Dass sie dabei nackt war, störte anscheinend niemand. Gottfried gab Anweisungen, wie sie sich bewegen sollte und was für Posen sie einnehmen könnte. Der Begleiter des Models saß völlig unbeteiligt vor einem Fernsehapparat und schaute irgendeine ungarische Quizsendung an (oder war es eine Italienische?). „Setz dich, willst du was trinken? Alles inclusive. Morgen am Nachmittag kommen noch drei Fotografen!“ „Ja schön, da will ich jetzt aber nicht weiter stören, wünsche frohes Schaffen!“ Beim Hinausgehen schaute er den Begleiter groß an. Ihm fällt auf, dass dieser sehr große Ähnlichkeit mit Gottfried besitzt.

Die Hitzewelle mit ihren schweren Gewittern, Starkregen und Hagel im Gepäck war jetzt erst einmal vorbei. Schwülwarme dreißig Grad im Juni waren schon sehr ungewöhnlich. Die „Schafskälte“ brachte es jetzt noch auf angenehme 22 Grad.

Beim Hinausfahren fiel ihm wieder der unfreundliche Italiener auf, der im hinteren Bereich des Platzes herumlungerte.

Als erstes schmeißt er erst einmal den Zettel des Schweden von gestern in den Kummerkasten. Es ist noch kühler geworden. Ein netter älterer Herr aus Holland schaut neidisch auf den schwarz- gelb- roten Blütenkranz, den sich Manne an den Innenspiegel gehängt hat. „Ja schade, dass wir es nicht geschafft haben. Bitte vier Kaiser und drei Bruin wie gestern!“

Eine braungebrannte, attraktive Lady auf dem Weg von Kroatien nach Hause holt sich Verpflegung für die letzten Kilometer des Urlaubs nach Marburg. „Auf der Autobahn ist es ja immer so teuer!“ „Gute Fahrt!“

Der Luxus Liner von Ariel-Caprice steht immer noch da und Manne musste daran denken, dass es ja heute ein Model Sharing gibt.

Ein Belgier aus Brügge holt sich sein Klischee- Baguette.

Mannes Blick fällt auf den Titel der Klatschpresse, die er verkaufen muss. „Für beide geht es jetzt um alles!“ Gemeint sind Seehofer und Merkel, die großformatig abgebildet sind.

„Sie sind aber schön braun geworden!“ Sagte Manne zu einer gebräunten Schönheit. „Wir waren vier Wochen auf Ibiza und haben dort den Sonnenuntergang beim Cafe del Mar erlebt. Unbeschreiblich! Jetzt fahren wir noch eine Woche durch Bayern.“ Das mit dem Cafe del Mar sagte sie so, als ob es ihr größtes Lebensereignis bis dato gewesen wäre.

Ein zotteliger Hund bellte sich in den Container und der Belgier, der am anderen Ende der Leine hereinstolperte, will auf der „Romantic Road“ zum Schloss Neuschwanstein fahren.

Auf dem Heimweg fährt Manne noch bei Ansgar vorbei. Er will sich einen Termin für einen Ölwechsel am Combo abholen.

Zu Hause geht er zu Preissler auf die Terrasse und trinkt mit ihm sein wohl verdientes Feierabend- Bierchen aus der Dose. Sie quatschen über seine Sattelschweine und seine beiden Pferde. Am Nachmittag fährt er ins Kino-Cafe in den Mainfrankenpark, genießt Kaffee und Kuchen und schaut sich dann die französische Komödie „Ein Dorf zieht blank“ an. In dem Movie geht darum, dass mithilfe eines berühmten

Aktfotografen der Bürgermeister eines französischen Dorfes auf die bittere Lage der Bauern aufmerksam machen will. Der Haken dabei: Die Bauern sollen sich für das Foto ausziehen.

Das Modelsharing ist für alle beteiligten Fotografen super gelaufen. Tolle Bilder sind in den vier Stunden entstanden. Ariel und Gottfried teilten die Einnahmen auf. Sie bekommt 300.- Euro und Gottfried steckt einen Hunni ein. Ein beteiligter Fotograf aus der Gegend um Stuttgart ist voll des Lobes, vor allem die Location im Luxus Liner hatte es ihm angetan, aber natürlich auch die natürliche Schönheit des ungarischen Models.

Am nächsten Morgen, als Manne auf den Platz einfährt, erschrickt er leicht, weil so wenige Wohnmobile auf dem Platz stehen.

Ein älterer Mann mit ungepflegtem Bart, steht schon vor dem Eingang und wartet auf die frischen Semmeln, als Manne die kiesbestreute Auffahrt hochfährt. „Wissen sie, wir wollen heute noch Bekannte in Würzburg besuchen und dann weiter nach Wertheim fahren. Bitte zwei Kaisersemmel!“ „Bitteschön!“ „Mann“, denkt Manne „wegen zwei Kaiser so eine Hektik.“ Im selben Moment gibt es einen Riesen- Knall und einige Sekunden später noch einmal Einen. Im Radio hörte er später, dass zwei Eurofighter der Alarmrotte Süd aus Neuburg an der Donau die Schallmauer durchbrochen hatten. Die beiden Knaller am Dienstag gegen 7.16 Uhr kurz hintereinander hätten viele Menschen verunsichert. Die Luftwaffe gab aber schnell Entwarnung: Ein ziviles Flugzeug hatte den Funkkontakt zur Flugsicherung am Boden verloren, weshalb das Nationale Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum (NLFZ) in Uedem am Niederrhein den Auftrag an die Eurofighter erteilte, bla, bla, bla.

Ein weiterer Mann im fortgeschrittenen Rentenalter kam hereinspaziert. „Haben sie den Knall auch gehört, mein Camper hat ganz schön gewackelt!?“ Er strahlte Ruhe und Gelassenheit aus und die Lachfältchen um seine Augen deuteten darauf hin, dass er Humor hatte. „Zwei runde Brötchen bitte, zwei Mehrkorn und ein Hörnchen für den Hund.“ Na Bravo, dachte Manne und sagte „Bitteschön!“

Es ist wenig Betrieb auf dem Platz und Manne beschließt, kurz „Hallo“ bei Ariel-Caprice zu sagen. Nachdem er seine Retouren und die Kasse in seinem Auto weggesperrt hatte, geht er die wenigen Meter zum Luxus Liner. Er klopft an. Keine Antwort, es kommt ihm so vor, als höre er ein Schluchzen im Inneren des riesigen, mobilen Fotostudios. Er probiert die Türe zu öffnen, sie ist nicht verschlossen. Er sieht zuerst die in der linken, hinteren Ecke kauernde Ariel, sie zittert wie Espenlaub und ist völlig apathisch, sie sieht ihn zwar, reagiert aber überhaupt nicht. Dann bemerkt Manne einen blutigen Klumpen am Boden liegen. Es ist Nandor, der Fahrer von Ariel, man hat ihm die Ohren und den kleinen Finger an der rechten Hand abgeschnitten. Ekelhaft. Er muss unter großen Schmerzen gestorben sein.

Die Obduktion wird später ergeben, dass er mit einem Draht erdrosselt wurde. Manne ist geschockt und kann nur mit Mühe die Polizei anrufen, die nicht so recht verstehen will, was da passiert ist. Als er sich Ariel nähert, um sie zu trösten oder was auch immer, beginnt diese mit beiden Händen auf ihn einzuschlagen. An den Beinen ist sie gefesselt und er sieht erst jetzt, dass über ihrer linken Wange ein tiefer Einschnitt klafft. „Beruhige dich, es ist alles vorbei!“ Sie bricht in Tränen aus und Manne hört das Martinshorn näherkommen.

Mit gezogenen Pistolen nähern sich Polizeihauptwachtmeister Franz Hell und Polizeimeister Herbert Gebhardt dem Wohnmobil und gehen in das Innere des Liners. „Meine Fresse, wie sieht es denn hier aus, Herbert spanne bitte gleich mal großräumig mit Flatterband ab!“ Dann rief Hell in der Direktion und beim Rettungsdienst an. Das Rote Kreuz war nach wenigen Minuten ohne Blaulicht und Martinshorn vor Ort und nahm Ariel durch die hintere Türe auf und brachte sie auf unspektakuläre Weise in die Uniklinik nach Würzburg. Manne gab ihr vor der Abfahrt seine Karte und ihre Handtasche, in dem sich ihr Smartphone befand.

Die Leute von der Spurensicherung trafen nach einer Stunde ein und auch ein Leichenwagen des örtlichen Bestatters und einige Pressevertreter. Auch das Lokalfernsehen war schon da. Mittlerweile hatten sich auch hunderte von Gaffern auf dem Platz versammelt. Manne ging zu seinem Auto und fuhr unbemerkt auf der vorderen Ausfahrt vom Platz. Er dachte zumindest, dass er unbemerkt davonfuhr. Ein Motorrad folgte ihm mit einigem Abstand.

Er gab Retouren und Kasse in der Bäckerei ab und fuhr weiter, Richtung nach Hause. Als er sein Auto in der unteren Bergstraße vor seinem kleinen Häuschen abstellte, bemerkte er den Fremden, der immer noch den verspiegelten Helm auf seinem Kopf sitzen hatte. Er stand nach wenigen Schritten neben ihm und packte Mannes linken Arm und drehte diesen auf den Rücken. Es schmerzte höllisch und der Fremde fragte ihn: „Ist der Tote Gottfried Meister und lüge mich nichte an?!“

„Hey, lass mich erst einmal los, sonst sage ich gar nix!“

Das war die falsche Antwort. Der Vermummte bog Mannes Arm soweit nach oben, dass er sich auskugelte. Er schrie laut auf vor Schmerzen. Sein Nachbar schaute kurz aus der Türe. Nach wenigen Sekunden kam er wieder heraus, in den Händen ein MP7 Heckler & Koch, er war ein Waffennarr mit Waffenschein und wartete eigentlich sein ganzes Leben schon auf so eine Situation. „Lass ihn los!“ Der Vermummte ließ Manne los und schubste ihn auf die Seite, um im selben Moment nach hinten zu greifen und eine Pistole zu ziehen. Dazu kam er aber nicht mehr. Wolfgang Preissler hatte die HK MP7 Heckler & Koch auf Dauerfeuer eingestellt, als er abdrückte und 10 Sekunden auf den Fremden feuerte. Hundertsechzig Schuss zerfetzten den Fremden förmlich. Preissler hatte den Schalldämpfer auf seiner Waffe und es sah so aus, als ob niemand etwas, in der abseits gelegene Ecke der Stadt, von den Schüssen mitbekommen hatte. Er zog dem Getöteten aus dessen unversehrter linken Gesäßtasche den Geldbeutel und schaute auf den Ausweis. „Salvatore Fiscianelli!“ Las er laut vor. „Mafia!“ rief Manne. „Wir müssen den Typen verschwinden lassen!“ Als Preissler den Helm des Getöteten abnahm, erkannte Manfred den unfreundlichen Typen vom Womoplatz.

Manne konnte nur mit einer Hand helfen, als sie den Italiener über das Gatter von Preisslers Schweinestall hievten. Sie machten es so, dass Außenstehende von einer jahrelangen Routine ausgehen mussten. „So, du musst jetzt erst mal ins Krankenhaus, sieht nicht gut aus, wie der Arm dranhängt. Vorher müssen wir aber noch die Ducati 959 Panigale verstecken. Im Futterheu-Schuppen fand sie erstmal einen Platz.

Am Tatort war jetzt Felix von Stein eingetroffen, eigentlich schon pensioniert, aber wegen des großen Personalmangels bat ihn der Polizeipräsident noch ein Jährchen anzuhängen, was er nur mit Widerwillen machte. Von Stein und sein jüngerer, langjähriger Partner Kriminalkommissar Eduard Gersteg schauten sich entsetzt an, als sie das Gemetzel betrachteten. Stein war etwas mulmig zu Mute, war er doch am vergangenen Nachmittag vorher noch einer der Teilnehmer beim Modelsharing gewesen.

Ein Krankenwagen fuhr Manne in die Würzburger Uniklinik, Abteilung Schulterambulanz, wo ein Arzt ihm ohne viel Aufheben die Schulter wieder einrenkte. Er rief Ansgar auf dem Handy an, dass der ihn abholen könnte. „Ich stehe doch schon mit dem Capri auf dem oberen Parkplatz, Preissler hat mir Bescheid gegeben.“ Am Info- Schalter erkundigte sich Manne nach Ariel und besuchte sie dann in ihrem Zimmer, dass sie noch mit einer anderen im Moment schlafenden Patientin teilte. Ihr aufgeschlitzter Backen musste geklammert werden und wird sie wohl als Narbe in der Zukunft immer an die Bluttat erinnern. „Nimm mich mit, ich sterbe hier!“ bettelte sie in schlechtem Deutsch.

„Okay, zieh dich an, ich stehe auf dem oberen Parkdeck und es ist der mintgrüne Ford Capri!“ Ariel schaute ihn fragend an. „Okay, ich warte vor der Türe!“ Es dauerte nur zwei Minuten, dann war sie ebenfalls dort und beide verschwanden zu Mannes Auto. „Ist der Oldtimer oder was ist das?“ „Schau mal auf die Autonummer, was siehst du da? Genau, er hat das History H Zeichen und mit seinen 125 PS starken 2,6-Liter-Doppelvergaser-V6 Motor ist der 2600 GT immer noch eine Waffe!“ Ansgar saß am Lenkrad und sagte zu Ariel: „Wenn du magst, kannst du bei mir in der Wohnung schlafen, bis dein Mobilhome wieder freigegeben ist.“ „Wie bist du eigentlich reingekommen?“ „Wie reingekommen?“ „Ich meine: ins Auto!“

„Preissler hat mich angerufen und wo der Schlüssel für dein Schätzchen liegt weiß ich doch, mit dem Compo wollte ich nicht fahren!“

„Du Sack, weiß eigentlich Gottfried schon, dass er von der Mafia gesucht wird!“ „Gottfried ist tot, wir müssen nur den Stein überzeugen, dass er das auch so sieht und eine Todesanzeige sollte Gottfried schalten oder halt einer von uns.“ „Die Italiener waren zu dritt, also rennen immer noch zwei auf dem Platz rum!“

Nun meldete sich Zsanett Kovacs, wie Ariel mit ihrem richtigen Namen hieß, zu Wort. „Nandor hat ihnen doch gesagt, dass er nicht Gottfried ist, aber sie haben ihn trotzdem gequält, mich hätten sie auch umgebracht, wenn nicht der Platz Kontrolleur um 22 Uhr geklopft hätte!“ „Ich würde vorschlagen, dass Gottfried trotzdem eine Todesanzeige in die Mainpostille setzen sollte. Aber das muss er selber entscheiden und wenn ich noch anmerken darf, Nandor hat kein Wort Deutsch verstanden, aber hat lange in Italien gearbeitet!“

Gottfried rasierte seinen Bart ab, färbte seine grauen Haare blond und ließ sie ganz kurz schneiden, dazu kaufte er sich noch eine große Nerdbrille mit Fensterglas und begann zu fasten, um sein Gewicht deutlich zu reduzieren.

Zsanett Kovacs machte im Capri bereits Zukunftspläne. Wenn sie ihren Luxus Liner zurückhatte, wolle sie diesen dann verkaufen, um dann mit der Bahn nach Holland zu fahren, um dort nochmal von vorne anzufangen. Aber wieso wusste Ansgar, dass Nandor kein Deutsch konnte?

Preissler ging zu seinen Schweinen und zog dem angefressenen Salvatore Fiscianelli die Klamotten aus und verbrannte sie auf seinem großen Anwesen in einem Feuerkorb samt dem teuren Integralhelm. Die 164 Patronenhülsen sammelte er sorgfältig auf, er ging dazu mit einem Metall Detektor insgesamt drei Mal über das Gelände am Bach.

Manne, hatte zwar noch leichte Schmerzen in der Schulter, öffnete aber am übernächsten Morgen wieder sein Büdchen und als erster Kunde kam sein Lieblingsholländer aus Enschede, „Bitte vier Kaiser und drei Bruin, fahre heute weiter nach Königswinter am Rhein, machs gut, mein Jung!“ „Gute Fahrt!“ Kein Wort über Polizei oder Fernsehen von vorgestern. Oder hat er es gar nicht mitbekommen? Groß genug ist ja der Platz, dass man vorne nicht unbedingt mitbekommt, was hinten passiert, auf dem ein Kilometer langen Platz mit einer Stellplatzkapazität von 120 Stück.