Schicksal am Rotwandkar - Rosemarie Forstmaier - E-Book

Schicksal am Rotwandkar E-Book

Rosemarie Forstmaier

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Beschreibung

Als die Magd Annamirl Freimoser vom Jäger Steff ein Kind erwartet, wird sie von ihrer Bäuerin davongejagt. Doch Steff hat sich inzwischen der Pointner Hanni zugewendet, die den Sommer auf der Wildbachalm verbringt. Ganz in der Nähe haust der alte Ropfen-Pauli. Er möchte unbedingt das Leben des weißen Gamsbocks schützen, auf den der Dienstherr des Steff Jagd machen will. Einer alten Prophezeiung zufolge muss der Schütze, der einen weißen Gamsbock erlegt, innerhalb eines Jahres sterben…

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Veröffentlichungsjahr: 2017

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LESEPROBE ZU

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Rosenheimer Verlagshaus erschienenen Originalausgabe 2004

© 2017 Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheim

www.rosenheimer.com

Titelfoto: © Michael Wolf, München

Satz: Leingärtner, Nabburg

eISBN 978-3-475-54654-9 (epub)

Worum geht es im Buch?

Rosemarie Forstmaier

Schicksal am Rotwandkar

Als die Magd Annamirl Freimoser vom Jäger Steff ein Kind erwartet, wird sie von ihrer Bäuerin davongejagt. Doch Steff hat sich inzwischen der Pointner Hanni zugewendet, die den Sommer auf der Wildbachalm verbringt. Ganz in der Nähe haust der alte Ropfen-Pauli. Er möchte unbedingt das Leben des weißen Gamsbocks schützen, auf den der Dienstherr des Steff Jagd machen will. Einer alten Prophezeiung zufolge muss der Schütze, der einen weißen Gamsbock erlegt, innerhalb eines Jahres sterben…

Auf der Wildbachalm, über der sattgrünen Almmulde, im steilaufstrebenden nackten Gewänd, geisterte – anders ließ sich dieses irrwischartige, koboldhafte Verhalten nicht bezeichnen – schon seit geraumer Zeit ein weißer Gamsbock umher.

Nun war dieser „Weiße“ keine Abnormität, kein Albino. Es war vielmehr einer jener in unserer Zeit äußerst selten gewordenen Uralten, deren Haarkleid im Laufe der Jahre ergraut, fast silbern geworden war.

Wieviel List und Schläue, man kann ruhig sagen, Klugheit dazugehört, sein begehrtes „Fell“ vor den weittragenden Büchsen, den Zielfernrohren erfahrener Jäger zu retten, sich zudem Jahr für Jahr als unbesiegter Herrscher über ein eigenes Rudel zu behaupten, mag nur ermessen, wer mit der Hochgebirgsjagd vertraut ist. So einen Uralten, Gewieften und Gerissenen auszumachen, ihn in seinem Revier zu wissen, gehört zu den Sternstunden in einem Jägerleben. Um auf solch rares Wild Jagd machen zu dürfen, dafür würde wohl so mancher ein kleines Vermögen hergeben.

Grenzen zwischen Privat- und Staatsjagden sind zumeist etwas heikle Angelegenheiten, nicht selten Anlaß zu mehr oder weniger dramatischen Ereignissen und Auseinandersetzungen. Denn das Wild hat nun einmal die Gewohnheit, sich an keine Grenze zu halten. Doch mit ein wenig Toleranz auf beiden Seiten – und dem Jagdgesetz – lassen sich auftretende Konflikte doch meistens gütlich bereinigen.

Freilich, wirklich problematisch wird es jedoch dann, wenn ein besonders seltenes oder edles Sück Wild, wie eben der Uralte, zum Abschuß freigegeben, von einem Revier ins andere wechselt. Natürlich gibt es auch für diesen gar nicht so seltenen Fall präzise Paragraphen im Jagdgesetz, an deren buchstabengetreuer Auslegung nicht zu rütteln ist. Aber welcher ehrgeizige Waidmann hält sich schon noch so genau an Vorschriften, wenn es sich um einen Fetzenbock oder um einen Prügelhirsch handelt? Da gilt halt auch die sattsam bekannte Regel: Der G’schwinder, der G’sünder! Oder man hält sich ans elfte Gebot: Du sollt dich nicht erwischen lassen! Da jedoch in derlei speziellen Fällen einer auf den anderen wie ein Haftelmacher aufpaßt, wird zumeist dem Gesetz von ganz allein Genüge getan.

In eine ähnliche, aber noch um etliches haarigere Situation war man auch auf der Wildbachalm geraten. Hier waren die damit verbundenen Probleme vielschichtiger, denn persönliche Emotionen, Dünkel, Ehrgeiz und noch einiges mehr spielten dabei eine Rolle.

Noch lag Stille über der Wildbachalm, war nur das leise Surren des Bergwindes zu hören, der von den firnbedeckten Gipfeln herab durchs ausgeaperte Kar strich, das von einem silberhellen, vom Schmelzwasser hochgehenden Wildbach getrennt und durchzogen wurde. Und noch lagen die zwei Sennhütten, die sich den Almgrund teilten, verwaist in der sanftansteigenden Mulde. Es würde gewiß Juni werden, ehe der Pointner-Bauer und der Ropfen-Hias, dem der höher gelegene Kaser zur Linken des Wildbaches gehörte, ihr Vieh auftrieben. Dann würde es für einen kurzen Almsommer vorbei sein mit der paradiesischen Ruhe hier heroben, bis zum Herbst.

Aber dann würde die Gamspirsch aufgehen, war die Schonzeit für den Uralten wieder vorbei. Und das Einander-Ausspionieren und Auflauern, das Rennen und Hasten begannen erneut. Ob er diesen Hochgebirgsherbst noch einmal überleben würde? Ob es ihm noch einmal gelang, allen Nachstellungen zu entkommen, die ihm aus beiden, hier aneinandergrenzenden Revieren drohten?

Man sah lediglich die roten Ziegeldächer aus dem weißen Spitzenblust blühender Kirsch- und Birnbäume hervorlugen, von dem die beiden nur auf Rufweite entfernten stattlichen Anwesen umschäumt wurden. Und doch gab es kein nachbarliches Hin und Her, schon gar kein gegenseitiges Aushelfen, ein sich Hie- und Da-Beistehen; eine unüberwindliche Mauer langjähriger Feindschaft trennte die Höfe.

Warum man einmal miteinander übers Kreuz gekommen war, das wußte heute keiner mehr so genau, trotzdem wurde diese gegenseitige Abneigung gewissenhaft gepflegt und unerbittlich fortgeführt. Dies lag zu einem Gutteil an den Bäuerinnen, denn sowohl die Pfaffingerin wie auch die Voglsamer-Thekla, beides tüchtige, resolute Weiberleute, waren als scharfzüngig bekannt.

„Wissen möch’ ich, was es da drent zu sehen gibt?“ raunzte die Voglsamer-Thekla ihre Magd an, die so selbstvergessen aus dem Fenster starrte.

Ertappt prallte das junge, etwas mollige Madl zurück und murmelte: „Nixn, Bäuerin, g’wiß net. Ich hab halt grad so aus’m Fenster . . .“

„Schau lieber, daß du zu deiner Arbeit kommst! Fürs Außischauen kann ich net zahlen. Man weiß ja so bald nimmer, wo man das Geld für einen Dienstbot hernehmen soll, mit allem, was man heutigentags alles an Krankenkasse und Versicherungen zahlen muß. – Man kommt sich ja eh schon wie ein Wohlfahrtsinstitut oder wie ein Herrenbauer vor, bloß weil man sich noch eine Dirn leistet.“

Die Annamirl, sie begann wieder hastig die Scheiben zu putzen, kannte diesen Sermon, wußte, worauf ihre Bäuerin hinauswollte. Und sie hatte Angst davor. Jetzt mußte sie sich halt in ihrer Not ganz fest auf ihn, den Steff, verlassen.

Auch im Voglsamerhof hatte man die Zeichen der Zeit erkannt, konnte man nicht länger gegen den Strom schwimmen. Es hieß jetzt überall: Rationalisieren! Menschen wurden gegen Maschinen ausgetauscht; Dienstboten wurden unbezahlbar. Der neue Bulldog, der draußen in der Hofreut stand, schaffte mehr als das beste Gespann Rösser.

Aber das alles kostete Geld, mußte bezahlt werden. Und diese Neuerungen, die damit verbundenen Sorgen, beschäftigten die Voglsamer-Thekla seit geraumer Zeit, so daß ihrem ansonsten scharfen Habichtsblick etliches entgangen war, das ihr ganz und gar nicht gefallen hätte.

Weder sie noch sonst jemand ahnte etwas von dem heimlichen Grenzverkehr zwischen den verfeindeten Höfen, der die Annamirl allerdings in eine recht schlimme Lage gebracht hatte; in eine Situation, die sich gefährlich zuspitzte. Aber sie, in ihrem unerschütterlichen Glauben an Liebe und Treue, verließ sich noch immer auf das, war ihr der Pfaffinger-Steff so hoch und heilig versprochen und geschworen hatte.

Denn dieses anständige und kreuzbrave Madl hatte ihr Herz an einen Nachbarssohn, den jüngsten, verloren; einen feschen, schneidigen Jäger. Eine Liebschaft, für deren glücklichen Ausgang keiner, der mit den Gegebenheiten auch nur halbwegs vertraut war, nur einen Pfifferling gegeben hätte. Aber die Annamirl in ihrem blinden Vertrauen hoffte noch immer drauf, daß sie der Steff nicht im Stich lassen würde.

Sie wußte ja selber, daß es nicht leicht für ihn sein würde, von seiner Mutter die Zustimmung zur Heirat zu kriegen. Es ließ sich leicht denken, daß sich die Pfaffingerin eine andere Schwiegertochter wünschte als eine arme Magd, die nicht einmal wußte, wer ihr Vater gewesen war. Da mußte sie dem Steff schon einige Zeit einräumen, bis er den entscheidenden Zeitpunkt bei seiner Mutter abpaßte und erwischte, um mit ihr darüber reden zu können.

Sogar die Notwendigkeit sah sie ein, daß man jetzt ganz besonders vorsichtig sein mußte, auch wenn ihr das immer häufigere vergebliche Warten schwerfiel. Schließlich hatte er ja seinen Beruf auch noch, der ihn jetzt, im Frühjahr, vollauf beschäftigte. Da war’s halt kein Wunder, wenn er nur noch ab und zu heimkam, die meiste Zeit im Revier des Herrn Barons sein und in einsamen Jagdhütten nächtigen und hausen mußte. Er war eh nicht zu beneiden, um nicht zu sagen zu derbarmen, mit seinem strengen Dienst.

Ob der Pfaffinger-Steff soviel ehrliche Derbarmnis verdiente, mußte dahingestellt bleiben. Als es ihn wieder einmal zu seiner Mutter in den elterlichen Hof heimzog und damit auch in die Nähe der Annamirl, hatte das seinen ganz bestimmten Grund. Seine Lebensmittelvorräte gingen zur Neige, und von irgendwas muß der Mensch schließlich leben. Am billigsten versorgte man sich immer noch daheim, schon gleich gar, wenn man es – so wie er – verstand, die Mutter um den kleinen Finger zu wickeln, ihr Herzbinkerl war.

Ohne sich um die mißgünstig lauernden Blicke seines älteren Bruders und Hoferben zu kümmern, ließ sich der Steff seinen Rucksack randvoll mit allem packen, was gut und nahrhaft war. Und die Mutter gab mit vollen Händen, und sie gab gern, denn der Bub mußte bei all den Strapazen seines schweren Berufes anständig essen.

All diese Fürsorge hinderte den Steff jedoch nicht, sich sogleich, nachdem er alles eingepackt hatte, zu verabschieden und wieder auf den Weg zu machen. „Ein andermal hab ich mehra Zeit, Mutter“, versprach er leichthin.

„Wann kommt er denn wieder, dein Herr Baron?“ wollte die Pfaffingerin wissen, dabei musterte sie ihren gutgewachsenen Sohn voller Stolz.

„So bald wohl kaum, denn er ist halt nimmer der Jüngste.“

„Und sein Sohn . . . ?“ versuchte sie ihn in ein doch etwas ausführlicheres Gespräch zu verwickeln.

Aber hastig erklärte er: „Du weißt doch, daß er Junge für die Jagerei nix oder kaum etwas übrig hat.“ Er hatte sich zum Gehen gewandt, es brannte ihm noch etwas auf den Nägeln.

„Meinst, du verlierst deine schöne Stellung, wenn der Alte einmal nimmer ist und der Junge am Ende alles verkauft?“

Schon halb aus der Tür rief er unbekümmert lachend zurück: „Kimmt der Tag, bringt der Tag! – Servus, bis zum naxtenmal, Mutter!“ Damit war er auch schon fort.

Der Pfaffinger-Steff hatte sich nicht getäuscht. Natürlich hatte ihn die Annamirl beim Heimkommen erspäht und wartete nun fröstelnd im Schatten des Heustadels, ihrem heimlichen Treffpunkt.

Als sie ihn aus der Dunkelheit auftauchen sah, entfuhr ihr ein erleichtertes: „Gott sein Dank! Ich hab schon gefürchtet . . .“

Vorschnell und ungeduldig unterbrach er sie: „Wie geht’s dir denn? Weißt schon was G’wisses jetzt?“ Das Grüßen schien er vergessen zu haben, statt dessen nahm er sie in den Arm, zog sie an sich.

Sich eng an ihn schmiegend, gab sie kleinlaut zu: „Da gibt’s schon lang keinen Zweifel nimmer. Und meine größte Sorg ist, daß die Bäuerin was g’spannt. Sie ist imstand und jagt mich von heut auf morgen ’naus. Sie redet ja eh schon von nix anderm mehr, als daß man sich heutigentags keinen Dienstboten nimmer leisten kann. Ich weiß ja auch warum, kenn mich schon aus: Unsere Walli kommt heuer aus der Schul, ist eine vollwertige Arbeitskraft, und da braucht man mich nimmer.“

„Arbeit gibt’s doch überall.“

„Nimmer für eine Bauerndirn. Und was anders hab ich halt net g’lernt. – Jessas, Steff, wir werden doch rechtzeitig heiraten?“ Ihre Stimme hatte vor Angst ganz dünn geklungen.

Es war zu finster, um sein Gesicht zu erkennen, doch leichte Gereiztheit schwang in seinem Ton, als er entgegnete: „Du weißt, ich kann nix übers Knie abbrechen . . .“

„Aber du hast . . .“

„Freilich hab ich, Annamirl“, fiel er ihr etwas versöhnlicher ins Wort, „und drum hab ich jetzt auch mit dir drüber reden müssen.“ Er räusperte sich, hielt sie jedoch immer noch fest an sich gedrückt, bis er fortfuhr: „Im Moment schaut’s ein wengl schwierig her, was aber net heißt, daß ich die Sach durchaus net im Griff hätt! Bloß kann ich auch net mit dem Kopf durch die Wand. Verstehst?“

Sie schüttelte daraufhin nur schwach den Kopf.

„Die Mutter hat, wie du weißt, noch net übergeben. Und jetzt geht’s halt drum, daß ich auch zu dem Meinigen komm. Hast mich? Wenn sie oder mein Bruder erfährt, daß ich und du . . halt wir zwei . . . no ja, halt eine aus dem Voglsamerhof. .

„Ich bin doch gar keine, bloß eine . . .

„Als ob’s das besser macht!“ rumpelte es ihm vorschnell heraus. Hastig fügte er hinzu: „Du kennst sie ja eh, meine Mutter, weißt, daß mit ihr net gut Kirschen essen ist. – Wirklich, Annamirl, jetzt müssen wir halt noch ein wengl g’scheit sein. Aber wennst mich machen laßt, vernünftig bist, nachher kann ich schon alles hinbiegen.“ Er zögerte etwas, ehe er hinzusetzte: „Da müßt ich mich halt unbedingt und hundertprozentig auf dich verlassen können?“

Sie verstand nicht recht, wie das gemeint war, da ihr ohnedies nichts anderes übrig blieb, als das zu tun, was er für richtig hielt.

Nun erklärte er eindringlich: „Es geht in erster Linie darum, daß keiner was erfahrt, daß nix aufkommt, von wem du ... so dran bist. Meine Mutter wenn was spannt, nachher schaltet sie sofort auf stur und laßt gar nimmer mit sich verhandeln. Ich muß abwarten, bis sie übergeben hat, ich mein Teil sicher geschrieben hab . . .“

„Und wann wird das sein?“

„Daß es bald ist, da laßt schon mein Bruder nimmer aus, denn er möcht endlich Bauer werden. Und bis dahin, lang kann’s ja nimmer dauern, darf keiner, auch schon gleich gar keiner, was erfahren. – Wir müssen uns bloß einig sein, Annamirl, und fest Zusammenhalten, nachher geht’s schon so, wie ich möcht. – Du mußt mir grad eins versprechen: Daß du mir bei unseren Heiligen Jungfrau schwörst, meinen Nam unter gar keine Umstand zu nennen!“

„No freilich, Steff, schwör ich dir das“, willigte sie hastig und geradezu erleichtert ein. „Wie du nur . . .?“

„Naa, net mir sollst es schwören“, berichtigte er sie mit einiger Ungeduld. „Schwör’s in der Kirch, vor dem Altar unserer Heiligen Jungfrau!“

„Jessas, Steff, warum denn das?“ entfuhr es ihr einigermaßen bestürzt.

„Sei mir net bös, Annamirl, aber man kennt enk Weiberleut doch“, wandte er halb scherzhaft und halb ernst ein, „wie schnell enk was herausrumpelt und wie wenig ihr was für enk behalten könnts. Naa, naa, ich kann mich da auf kein Risiko einlassen, und tat sauber dastehen, wenn meine Mutter was erfahrt, eh ich mit ihr auf gleich bin. Du mußt dich schon auch an unsere Abmachung halten, sonst ist alles für die Katz. – Es geht schließlich um etliches Geld, das ich krieg oder net krieg. Verstehst schon?!“

Sie fand zwar diese Vorsichtsmaßnahmen ziemlich übertrieben, fast schon kränkend, weil er ihr so wenig vertraute, doch sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, bei ihm mußte alles nur nach seinem Kopf gehen. „No ja, wenn dir gar so viel dran liegt, nachher tu ich dir halt den G’fallen und schwör’s, auch wenn’s durchaus net notwendig war. Denn du weißt es ja eh, Steff, für dich ging ich auch durchs Feuer“, gestand sie mit einem leisen Aufseufzen.

„Das braucht’s gar net. Es wird schon alles recht werden, wennst nur hinter meinem Rücken keine Dummheiten machst“, sagte er mit einem kurzen, schon wieder recht unbekümmerten Auflachen.

„Was ist denn?“ fragte sie enttäuscht, als er sie nun von sich schob. „Du mußt doch net schon wieder gehen?“

„So leid’s mir tut, Annamirl, aber ich muß ins Revier, in meine Hütt’n. Der Dienst . . .“

„Jetzt, so spät, wo’s eh längst finster ist?“

„Ich muß morgen vor Tag wieder hinaus.“

„Wann kommst denn wieder?“

„Schwer zu sagen. Es ist eh g’scheiter, wir sind vorsichtig, sehen uns net zu oft. Wir dürfen uns keinen Fehler erlauben. – Gell, und vergiß net, am Sonntag, was du mir versprochen hast“, mahnte er eindringlich. „Und kein Sterbenswörtl!“

„Naa, naa, Steff, ganz g’wiß net! Und der Muttergottes werd ich noch eine Kerzn anzünden, daß sie uns beisteht.“

Jeden anderen hätte bei diesem Versprechen, das so hoffnungsvoll und ehrlich aus tiefstem Herzen kam, das Gewissen gedrückt. Nicht so den Pfaffinger-Steff. Er dachte kaum darüber nach, was er diesem Madl antat, das sich in blindem Vertrauen auf ihn verließ. Er hatte längst anderes im Kopf.

Nach einem flüchtigen Kuß verabschiedete er sich hastig, verschwand in der Dunkelheit der Mainacht.

Wieder allein schlich das Annamirl nun doch recht niedergeschlagen zum Hof zurück, schlüpfte unbemerkt in ihre Kammer.

Als sie mit heißen, sehnsüchtigen Augen zu den Lichtern des Nachbarhofes hinübersah, hatte sie Mühe, die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten.

Nein, sie durfte ihm nicht mißtrauen; denn der Steff war der einzige Mensch, der ihr nahestand. Sie mußte alles tun, um ihn nicht zu enttäuschen, ihn nicht zu verlieren. Und wenn ihm schon so viel daran lag, dann würde sie dieses Gelübde ablegen; kein Sterbenswort sollte über ihre Lippen kommen, bis man sich offen zueinander bekennen durfte.

Auch sie verstand, wie schwer es sein würde, die Pfaffingerin von dieser ungleichen Heirat zu überzeugen. Sie brachte ja nicht mehr in diese Ehe ein als ein Paar fleißige Hände, ein Herz voller Liebe und den Willen, alles zu geben.

Es war überall in jeder Gemeinde das gleiche, und hatte gewiß schon Generationen von Pfarrherrn und Seelsorgern schier zur Verzweiflung gebracht, aber geändert hatte sich diese Unsitte, die längst schon zum festen Brauch geworden war, nicht: Kein gestandenes Mannsbild betrat am Sonntag vor dem Hochamt die Kirche vor dem Zusammenläuten. Und die jungen Burschen unterbrachen ihren Disput auf dem Kirchplatz noch ein wengl später, trampelten und rumpelten lärmend zur Empore hinauf, derweil der Hochwürden bereits vor dem Altar stand, die heilige Handlung begonnen hatte.

Umso verwunderlicher war es, als der Pfaffinger-Steff heute das Gotteshaus so früh betrat, daß nur ein paar alte Weiblein in den Bänken knieten. Er nahm hinter einer mächtigen Marmorsäule Aufstellung, denn von hier aus konnte er den rechten Seitenaltar mit der Madonnenstatue genau beobachten, vor der bereits etliche Kerzen brannten.

Lange mußte er nicht warten, da schob sich die Freimooser-Annamirl durch einen schmalen Spalt des schweren, eisenbeschlagenen Portals herein. Er sah, wie sie zum Seitenaltar ging, vor der Heiligen Jungfrau eine Kerze anzündete, niederkniete und die Hände vor der Brust faltete. Nun konnte er befreit aufschnaufen; er spürte weder Bedauern noch Mitleid für dieses leichtgläubige, gutmütige Geschöpf, das sich ihm nun ganz und gar ausgeliefert hatte.

„Ich schwör’s bei der Heiligen Muttergottes, daß ich kein Sterbenswörtel drüber verlauten laß, wer der Vater von meinem Kind ist“, gelobte die Annamirl mit lautloser Stimme. „Ich werd allerweil zum Steff halten und tun, was er verlangt. Ich bitt dich, Heilige Maria, steh uns bei, hilf uns, daß wir bald heiraten können, daß mein Kind einen ehrlichen Namen kriegt und ich aus der Schand herauskomm.“ Sie betete noch ein stilles Vaterunser, ehe sie sich in eine der hinteren Bänke kniete, voller Vertrauen und Hoffnung auf die Fürsprache der Muttergottes.

Längst hatte sich der Pfaffinger-Steff verdrückt, hatte gesehen, was er sehen wollte. Nun hielt er auf dem Friedhof draußen nach den Pointnerischen Ausschau.

Ein erwartungsvolles Schmunzeln glitt über sein Gesicht, als er sie entdeckte, die bildhübsche Pointner-Hanni. Zwischen den Grabreihen stand sie mit ihrer Mutter, die sich angeregt mit der Ropfen-Bäuerin unterhielt.

Auch das blonde Dirndl hatte ihn gesehen, wollte zu ihm herüber, wurde jedoch von ihrer Mutter mit einem schnellen Griff festgehalten.

Ohne ihre Unterhaltung mit der Ropfen-Marie zu unterbrechen, flocht die Pointner-Babett im selben Tonfall ein: „. . . und du bleibst jetzt da, weil’s gleich z’sammläuten! Der wird’s derwarten können.“ Und schon ging’s zur Ropfin weiter: „Bald wird sich der Almauftrieb ganz aufhören. Wer soll denn die Arbeit noch machen? Und wer kann’s noch derzahlen?“ Sie übersah das hilflose Achselzucken ihrer Tochter, hin zum feschen Jäger, ließ jedoch auch deren Arm nicht los.

„Ganz meine Red, Pointnerin“, stimmte ihr die Ropfin, eifrig mit dem Kopf nickend, zu. „Ich wüßt net, wen ich auffischick, wenn’s unser Pauli einmal nimmer dermacht. Heutigentags kriegst doch niemand mehr, der diese Arbeit Überhaupts noch tun möcht. Oder man kann’s nimmer derzahlen, so daß sich der ganze Aufwand eh nimmer rentiert.“

„Ja, wer weiß, wie lang es noch eine Almwirtschaft gibt? Unsere Lies, über sechzge ist sie jetzt, hat drauf b’standen, daß ich ihr die Hanni mit auffi geb, weil sie’s allein nimmer dermacht. Die letzten Jahr hat sie schon allweil bös gejammert und gedroht, daß sie nimmer mag . . .“

„Jessas, Pointnerin, ich muß weiter“, fiel ihr die Ropfen-Marie ins Wort. „Da kommt die Wetzelsbergerin. Es ist zwegen dem Finken-Simmerl seinem Jungvieh.“

Damit war das Gespräch der beiden Almbäuerinnen beendet. Die Ropfin eilte geschäftig auf eine hagere, etwas scharfnasige Frau zu, derweil die Pointnerin, ihre Tochter noch immer am Arm haltend, nun auf ihre Familiengrabstätte zuhielt, um dort ein Vaterunser zu beten. Mit gedämpfter, aber doch deutlich verächtlich klingender Stimme sagte sie: „Es wird weniger dem Finken-Simmerl sein Jungvieh sein, das der Pauli auf die Alm mitnehmen soll, sondern ehnder Simmerl selber, daß sie es auf einmal gar so dick mit der Wetzelsbergerin hat. Sie ist immerhin dem Simmerl seine Schwester.“

„Warum?“ fragte die Hanni mehr aus Höflichkeit als aus Interesse, blickte sich verstohlen nach dem Pfaffinger-Steff um, der jedoch nirgends mehr zu sehen war.

Man war vor dem Pointnerischen Grab angekommen, einer prächtigen Grabstätte, wie es sich für eine alteingesessene, wohlhabende Familie gehörte, die Babett bückte sich ob ihrer Leibesfülle leise ächzend zum Weihwasserkesselchen und erwiderte, während sie sich mit den benetzten Fingern bekreuzigte: „Dumme Frag, mit ihrene drei Madeln, die sie net unter die Haub’n bringt. Jetzt wär ihr sogar der Finken-Simmerl mit seinem mageren Sachl recht.“

„Geh zu, wie kommst denn dadrauf?“

„So was weiß man halt“, kam es selbstgerecht zurück. „Aber ich möcht drauf schwör’n, daß sie da grad bei der Wetzelsbergerin an der verkehrten Adress ist, wenn sie hofft, daß sie ein gut’s Wörtl für sie einlegt. Eine wie die Theres, die bekannt ist für ihre Sparsamkeit – man kann ruhig sagen, ein geiziges G’nack – spekuliert doch längst drauf, daß ihr Bruder nimmer heiratet, der Finkenhof eins von ihre Kinder zufallt.“

Da dies die Hanni nur herzlich wenig interessierte, wußte sie darauf nur zu sagen: „So ein Schmarrn. Als ob sich da einer heut noch viel dreinreden laßt.“

Mit plötzlicher Gereiztheit entfuhr es der Pointnerin: „Das sieht man an dir. Ob’s richtig ist, muß sich erst noch aufweisen. – Ausgerechnet ein Jager, wo du wahrhaftig anderne . . .Jessas, jetzt pressiert’s aber. Z’sammg’läut wird schon!“

Vom barocken Zwiebelturm herab ertönte das Geläut der Glocken, die zum Hochamt riefen. Und nun eilten alle noch säumigen Frauenspersonen auf das weitgeöffnete, hohe Portal zu, zwängten sich schiebend und drängend hinein, derweil sich das Mannsvolk immer noch Zeit ließ.

Nach der Heiligen Messe, als alles aus der Kirche strömte, hielt die Annamirl nach ihren Hofleuten Ausschau. Da entdeckte sie den Steff, wie er unweit des Friedhofstürchens bei den Pointnerischen stand, sich recht lebhaft mit der jungen, bildhübschen Hanni unterhielt. Ihr Herz krampfte sich zusammen. Sie hielt ihr Gebetbüchl so fest umklammert, daß ihre Fingerknöchel weiß hervortraten, als sie nun hastig auf ihre Bäuerin zutrat.

Ungeduldig wie stets drängte die Voglsamer-Thekla: „Wo bleibst denn? Komm weiter, gehen wir!“

Sie machten sich auf den Heimweg, zur Kocherei, derweil sich der Bauer und der Hansl, sein einziger Sohn und Hoferbe, noch auf eine Maß zum Frühschoppen begaben.

Annamirls Kopf sank tief auf die Brust, sie spürte glühende Röte übers Gesicht schlagen, als sie unweit des Steff durchs Friedhofstürchen schritt.

Kaum standen sie auf der Straße, als die Voglsamerin auch schon abfällig hervorstieß: „Ich, wenn Pointnerin wär, nachher tät ich mich vor so einem grünen Hallodri in acht nehmen. Aber ihm, dem überspannten Pfaffinger, ist scheints bloß das Beste gut genug. Ausgerechnet bei die Pointnerischen steht er dabei!“

„Das muß doch nix bedeuten“, kam es würgend von ihrer jungen Magd.

„Bei die Pfaffingerischen ist nie nix zufällig. Das Geld, das die Pointnerisch einmal mitkriegt, könnt er schon brauchen. Denn gar soviel wird’s ja kaum sein, was so ein Jager heimbringt.“

Dies alles zu hören, war für die Annamirl schier unerträglich. Trotzdem durfte sie sich nicht verrückt machen lassen. Der Steff würde schon wissen, was er tat. Sie mußte ihm nur vertrauen, dann würde gewiß alles noch rechtzeitig gut werden.

Indessen verstand es der Pfaffinger-Steff sich bei den Pointnerischen von seiner allerbesten Seite zu geben, immer angestrahlt von Hannis verliebten, bewundernden Blicken.

Das war es wohl letztlich auch, was ihre Eltern versöhnlich stimmte, wenngleich sie sich doch insgeheim eine andere Partie gewünscht und erträumt hatten.

Freilich, der Steff stammte aus einem angesehenen Hof, hatte eine schöne Mitgift zu erwarten. Aber halt das bescheidene Jägergehalt . . . Doch auch da würde zu helfen sein, so daß dem Glück nichts mehr im Wege stand.

Der Mai war mit seiner verschwenderischen Blütenpracht bereits in den Juni übergegangen; man rüstete sich allenthalben zur Heuernte.

Nur einmal noch hatte die Freimooser-Annamirl den Pfaffinger-Steff heimlich getroffen. Und doch hatte er es verstanden, das hilflose Madl hinzuhalten, es mit schönen Worten zu vertrösten und sich ihr Schweigen zu sichern.

Immer noch vertraute sie ihm, hoffte mit der ganzen Arglosigkeit ihres verliebten Herzens, daß er sein Versprechen bald einlösen und sie heiraten würde. Irgendwelche Zweifel an der Ehrlichkeit seiner Absichten ließ sie erst gar nicht aufkommen.

Es wurde nun für sie jedoch immer schwerer, ihren Zustand zu verbergen; lange würde sie ihr Geheimnis nicht mehr für sich behalten können.

Und dann, eines Morgens, als die Annamirl gegen ihre Übelkeit ankämpfte, ging der Voglsamer-Thekla ganz plötzlich ein Licht auf. „Jetzt sag grad, daß du in Umstand bist?!“ Dies war keine Frage, sondern eine Feststeilung.

Während Annamirls Gesicht feuerrot anlief, sie verlegen den Kopf senkte, fuhr die Bäuerin aufgebracht fort: „Also, alles, was recht ist! Und das unter meinem Dach! Ich laß mir doch von so einer Schlampen mein ehrliches Haus net in Verruf bringen . . .“ Hier brach sie unvermittelt ab, starrte ihre Magd sichtlich bestürzt an. Ihr war da ein fürchterlicher Verdacht eingeschossen. „Wer war’s?“ stieß sie mit einiger Unsicherheit, gemischt mit Angst, hervor.

„Das möcht ich net sagen, Bäuerin“, kam es murmelnd zurück.

„Sonst nix mehr! Das wär ja noch schöner. Heraus mit der Sprach!“ Sie zögerte, ehe sie rundheraus wissen wollte: „Es wird am End doch net unser Hanse . . .?“

„Naa, naa, um Gott’s will’n! Da tät’st ihm unrecht. Der Hansl hat sich mir gegenüber noch nie nix derlaubt.“

Die Voglsamerin schnaufte erleichtert aus, ließ aber nicht locker. „Wer ist es gewesen? Ich hab ein Recht zu wissen, wer die Frechheit hat und meinen Hof in Verruf bringt!“ Drohend, mit laut anschwellender Stimme, fuhr sie fort: „Wennst jetzt net auf der Stell sagst, mit wem du dich da eingelassen hast, nachher kannst sofort dein Glump z’sammpacken und gehen!“

Annamirls Herz wollte fast stehenbleiben vor Angst, ihre Kehle war wie zugeschnürt, als sie tonlos hervorbrachte: „Ich kann’s net sagen, Bäuerin! – Bloß soviel, daß wir über kurz oder lang heiraten . . .“

„Das wird ja allweil interessanter“, fiel ihr die Voglsamerin nun schon fast kreischend ins Wort. „Nachher schleicht dieser Saukerl ja noch allweil bei uns umeinander! – Naa, du, alles muß man sich net bieten lassen. Ich hab schließlich selber Kinder, und muß an den Ruf von meinem Hof denken.“ Hier war endlich die Gelegenheit, sie loszuwerden und sich auch moralisch noch im Recht zu fühlen. Daran, was das Gesetz dazu sagte, dachte weder sie noch die unbedarfte Annamirl. Wer mochte denn auch schon bleiben auf einem Platz, wo man nicht mehr erwünscht war?

„Von mir aus tust, was du willst, aber bei mir gehen solchene Sperenzln net, daß du’s gleich weißt“, fuhr sie laut plärrend fort. „Ich will’s gar nimmer wissen, von wem du deinen Bankert hast, wer dich da einizarrt hat! Nachher kann auch keiner behaupten, ich hätt was g’wußt von dera Sauerei.“

„Was ist denn da herin los? Warum schreist denn so, Mutter?“ Damit kam die vierzehnjährige Walli zur Kuchltür herein, machte große, verwunderte Augen.

„Das fragst besser sie“, kam es abweisend von der Bäuerin, während sie mit dem Kinn verächtlich in Annamirls Richtung wies. „Da haben wir uns sauber hinters Licht führen lassen von diesem scheinheiligen Luder“, belferte sie. „In Umständ ist sie und sagt’s net, von wem.“

Das breitflächige Gesicht der Walli lief puterrot an, als sie atemlos schnappte: „Net möööglich.“ Mehr brachte sie nicht mehr heraus, es hatte ihr die Sprache verschlagen.

„Hast denn du auch nie nix gspannt?“ forschte die Voglsamerin streng. Als ihre Tochter nur stumm den Kopf schüttelte, fügte sie ohne jegliches Mitgefühl hinzu: „Ich hab’s ihr schon gesagt, ich laß meinen Hof net in Verruf bringen, sie muß gehen. Ich muß schließlich auch an enk denken. – Soll sich halt dieser Schlawiner, der sie ins Schlamassel einibracht hat, um sie kümmern.“

Obwohl dies für die Annamirl nicht überraschend kam, konnte sie nun doch die Tränen nicht länger zurückhalten. Trotzdem macht sie erst gar keinenVersuch, die Bäuerin umzustimmen und um Mitleid anzusuchen.

Mit erstickter Stimme brachte sie hervor: „No ja, Bäuerin, nachher geh ich halt jetzt“, damit wollte sie aus der Tür.

„Öha, langsam!“ plärrte die Voglsamerin mit blecherner Stimme. „Heut wird die Arbeit, die ansteht, schon noch getan. Nach Feierabend kannst dir dein Zeugl z’sammklauben und morgen dann, von mir aus in aller Herrgottsfrüh, suchst dir woanders ein Unterkommen. Es soll net heißen, ich hätt dich Hals über Kopf auf die Straß g jagt. – Was du noch an Lohn zu kriegen hast, wird dir der Bauer heut auf d’ Nacht auszahlen.“

Damit war für sie die Sache so ziemlich erledigt. Sie war viel zu erleichtert, das Madl so schnell losgeworden zu sein, als daß sie sich noch ernstlich den Kopf darüber zerbrochen hätte, wer denn nun eigentlich der Verführer dieses armen Geschöpfes war.

Im Laufe des Tages versuchte sogar der Voglsamer-Hans, ein gutmütiger, zurückhaltender Mensch, einiges mehr aus dem verstörten und, wie es schien, verstockten Madl herauszubekommen. Fast hatte es den Anschein, als wäre er bereit, die Annamirl zu behalten und weiter bei sich arbeiten zu lassen, hätte sie sich nur einsichtiger gezeigt und den Namen des Kindsvaters verraten.

Auf einmal kamen der Annamirl bei der Aussicht, morgen auf der Straße zu stehen, nicht zu wissen, wohin, doch erste Bedenken, was sie gelobt und versprochen hatte. Wer weiß, ob sie Steffs Namen nicht doch in ihrer Verzweiflung genannt und verraten hätte. Doch da waren ihr strenger Glaube und die Furcht, sich noch mehr Sünde aufzuladen. Ein Gelübde zu brechen, wäre einem Meineid gleichgekommen. Nein, man durfte es nicht wagen, die Strafen des Himmels und der Hölle auf sich herabzubeschwören.

War es nicht ein Wink des Schicksals, daß der Steff gerade an diesem Abend wieder einmal heimkam in den Pfaffingerhof! Ja, nun mußte alles gut werden! Er würde ihr schon sagen, mußte wissen, wie es weitergehen sollte.

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