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Es gibt einige Bücher und Veröffentlichungen, die über die Ermordung der Tannen Juden berichten. Das vorliegende Buch versucht außerdem, die bibliographischen Werdegänge der Überlebenden und deren Familien - soweit in Erfahrung gebracht werden konnte - bekanntzumachen. Denn auch die Überlebenden haben ein Schicksal erlitten: Sie mussten Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn und Bekannte zurücklassen, über deren Schicksal selten etwas bekannt wurde. Sie verloren Hab und Gut, ihr gesamtes bisheriges Leben und mussten sich - oft allein - in einer fremden Welt mit einer fremden Sprache zurechtfinden. Auch diesen Menschen soll hiermit ein Andenken bewahrt werden.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Vorwort
Konzentrationslager Stätten des Massenmordes
Hermann Rubenstein
Thekla und Martin Abrahamsohn
Max, Martha, Ernst und Tricel (Beatrice) Reinhold; Jette Freudenthal (Manufaktur- und Schuhwaren)
Albert, Meta, Gerd Gustav, Sally und Elise Moses (Mode- und Manufakturwaren)
Gustav, Berta, Elsbeth, Ilse und Kurt Freudenthal (Kaufhaus Stern & Freudenthal – Textilien, Kolonial- , Gebrauchs- und Schuhwaren)
Florentina Flora Gerendasi
Salomon, Marianne, Siegfried und Simon Moses (Viehhändler)
Adolf und Meta Gerendasi (Spengler)
Leopold, Klara und Sidney Jüngster (Leder, Felle, Bedarfsartikel für Schuhmacher)
Isidor, Emma, Friedrich und Bettina Jüngster
Sally, Betty, Ruth und Lisbeth Jüngster (Kolonialwaren und Textilien) Hermann Oppenheimer (Kaufmann) Henry Okolica (Rabbiner)
Leo, Lina, Horst, Lisel, Anni, Ernst und Kurt Jüngster (Leder, Felle, Schuhmacher- und Sattlerartikel)
Menko und Eva Heilbronn
Karl, Lina, Lotte und Hans-Joachim Hellmann (Krämerladen, Bettfedern, Stoffe)
Hedwig Heilbronn Max, Marie, Ludwig und Hermann Rapp (Firma Josef Heilbronn Sohn; Manufaktur- und Modewaren, Hausgeräte, Öfen) Menko und Bertha Freudenthal
Max Michael, Sophie, Bruno und Hermann Freudenthal
Max, Rosel, Lore und Else Rabenstein
Hugo, Lina und Siegbert Rabenstein (Metzger)
Max, Erna Esther, Anni und Theodor Freudenthal (Viehhändler)
Hulda, Isak, Fritz und Martin Steinberger
Arthur und Meta Strauß
Philippine Hellmann
Brigitte Homburger
Johanna und Salomon Rothschild
Rosalie Friedmann
Frieda und Salomon Löwenstein
Gertrud Hecht
Hermann Hecht
Rosa Goldschmidt
Ella Marcus
Helene Sichel
Anne Vasermann
Johanna Heilbrunn
Fri(e)da Gans
Selma Sichel
Salomon Rosenstock
Lehmann Jsrael Freudenthal
Louis Moses
Samuel, Hilde, Edith und Ernst van der Walde
Aron Rabenstein (Metzger, Viehhändler)
Max Freudenthal III
Arthur Rabenstein
Amtliches Dokument der Stadt Tann
Quellenverzeichnis
Genehmigungen
Wie kam ich dazu, dieses Buch zu schreiben?
Im Sommer 2017 besuchten wir in Tann mit meinem Vater die Ausstellung „400 Jahre Juden in der Rhön“. Er, in Tann geboren und aufgewachsen, wohnte in der damals so genannten Judengasse. Hier wohnten mehr Juden als Christen, und alle waren untereinander gute Nachbarn. Mein Vater war immer in dem Glauben, dass sich alle seine jüdischen Freunde und Bekannte hätten rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Umso entsetzter war er, als er die lange Liste der Holocaust-Opfer während der Ausstellung zu lesen bekam.
Die unbekannten Schicksale haben ihn lange sehr belastet, so dass mir bereits damals der Gedanke kam, hier weiter nachzuforschen. Die ersten Ergebnisse waren so niederschmetternd, dass ich die Realität meinem Vater nicht näherbringen wollte. So behielt ich die Einzelheiten für mich und hoffte, dass er irgendwann nicht mehr so intensiv darüber nachgrübeln würde.
Nach seinem Tod 2022 wurde der Wunsch nach Klarheit über die Schicksale der Tanner Juden in mir immer stärker. Vielleicht lag das auch ein wenig daran, dass ich selbst ein Tanner Geschöpf bin.
Zur Vorbereitung las ich viele Bücher von Überlebenden. Deren Erlebnisse haben mich so sehr belastet, dass ich oft genug ein Buch zur Seite legen musste mit dem Gedanken: „Das kann ich nicht weiterlesen. Daran gehe ich zugrunde. Wie können „Menschen“ so etwas anderen Menschen antun?“ Trotzdem las ich weiter, auch wenn sich mir oft genug der Magen „umdrehte“.
Dieses Gefühl des Grauens verstärkte sich, als ich näheres über die Schicksale der Tanner Juden erfuhr – auch wenn es oft genug nur sehr wenig herauszufinden gab –, waren es doch Freunde, Nachbarn, Bekannte meines Vaters.
Ich weine um jedes einzelne Opfer, ob Jude, Sinti oder Roma, Homosexueller, Politischer oder wie auch immer die Gründe für eine Inhaftierung lauteten.
Ich weine um die Alten, die sich sicher ein friedliches Ende im Kreis ihrer Familie erhofften.
Ich weine um die Kinder, die noch nicht richtig gelebt hatten.
Ich weine um die Jugendlichen, die noch voller Träume von beruflichem Erfolg und eigenen Familien waren.
Und ich weine um all diejenigen, die bereits ihren Platz im Leben gefunden hatten.
Gleichzeitig bete ich darum, dass die Initiatoren, Täter, Mitläufer und vor allem die Denunzianten, die ihre Nachbarn, Freunde und selbst Familienangehörige verrieten, ewig in der Hölle schmoren.
Die Opfer können zumindest ansatzweise in Zahlen erfasst werden. Was jedoch nicht berechnet werden kann, ist das Potenzial, das hier mitvernichtet wurde: Erfindungen und Entdeckungen, die nie gemacht wurden, Kunstwerke und Literatur, die nie entstanden sind. Die Liste ließe sich unendlich weiterführen.
Ich hoffe, dass solche Zeiten nie mehr wiederkehren und dieses Buch vielleicht ein bisschen dazu beitragen kann, dass die Menschen sich in Toleranz und Mitgefühl weiterentwickeln.
Der Begriff Konzentrationslager (KZ, auch KL) steht seit der Zeit des Nationalsozialismus für die Arbeits- und Vernichtungslager des deutschen nationalsozialistischen Regimes. In einem weiteren Sinn werden mit diesem Wort auch Internierungslager im Allgemeinen bezeichnet.
Der Begriff geht zurück auf Herbert Kitchener, der um 1901 das Zusammenpferchen der lokalen Bevölkerung in Lagern im Zweiten Burenkrieg befahl.
Die Konzentrationslager wurden im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten von Organisationen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) errichtet.
Es bestanden schließlich rund 1000 Konzentrations- und Nebenlager sowie sieben Vernichtungslager. Sie dienten der Ermordung von Millionen Menschen, der Beseitigung politischer Gegner, der Ausbeutung durch Zwangsarbeit, medizinischen Menschenversuchen und der Internierung von Kriegsgefangenen. Das Lagersystem stellte ein wesentliches Element der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft dar. Weite Zweige der deutschen Industrie profitierten direkt oder indirekt von ihm.
Es wird angenommen, dass etwa zwei Drittel der geschätzt sechs Millionen Juden, die der deutschen Judenvernichtung, später Shoah oder Holocaust genannt, zum Opfer fielen, in Vernichtungs- und Konzentrationslagern direkt ermordet wurden oder dort an den Folgen von systematischer Unterernährung, Misshandlungen und unbehandelten Krankheiten gestorben sind.
Das verbleibende Drittel starb in – von der Schutzstaffel (SS) so genannten – „Ghettos“, bei Massenerschießungen vor allem durch die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD und auf den Todesmärschen.
Es wurden in den Konzentrationslagern auch viele andere Menschen ermordet, wie Kommunisten, Sozialisten, Pfarrer, Systemkritiker, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, geistig Behinderte und angeblich „Asoziale“ (Aktion T4).
Die genaue Anzahl der Toten ist unklar, da die Mörder längst nicht über alle Opfer Akten führten, am Ende des Zweiten Weltkrieges keine Ermordungen mehr dokumentarisch festgehalten wurden und viele Unterlagen durch Kriegsereignisse unwiederbringlich verloren gingen. Ebenso wurden viele Zeugen bei Kriegsende gezielt ermordet.
Zudem wurden zahlreiche KZ-Häftlinge im Zuge der Räumungen von Konzentrationslagern während der letzten beiden Jahre des Zweiten Weltkrieges bei Räumungstransporten und auf Todesmärschen sowie bei Massakern und anderen nationalsozialistischen Endphaseverbrechen ermordet, etwa beim Massaker von Gardelegen.
Viele andere Häftlinge, die hingegen von den alliierten Truppen befreit werden konnten, starben auch erst nach diesem Zeitpunkt als Displaced Persons oder sogar noch nach ihrer Heimkehr an den gesundheitlichen Folgen ihrer oft jahrelangen KZ-Haft.
Nachfolgend kurz aufgeführte Konzentrationslager können nur einen winzigen Teil der der durch „Menschen“ verursachten Leiden und Qualen beschreiben.
Das Konzentrationslager Auschwitz, kurz auch KZ Auschwitz, Auschwitz oder zeitgenössisch K.L. Auschwitz genannt, war der größte deutsche Komplex aus Gefangenenlagern zur Zeit des Nationalsozialismus. Der Lagerkomplex bestand aus drei, sukzessive ausgebauten, großen Konzentrationslagern und vielen Außenlagern. Auschwitz hatte eine Doppelfunktion als Konzentrations- und Vernichtungslager.
Er bestand aus dem Konzentrationslager Auschwitz I (Stammlager), dem Vernichtungslager Birkenau – Konzentrationslager Auschwitz II, dem Konzentrationslager Monowitz und ca. 50 weiteren Außenlagern. Der Lagerkomplex befand sich im vom Deutschen Reich annektierten Teil von Polen. Die SS betrieb den Lagerkomplex von 1940 bis 1945 am Westrand der polnischen Stadt Oświęcim (dt.: Auschwitz).
Eingangstor Auschwitz Quelle: Dnalor 01, CC BY-SA 3.0 AT, via Wikimedia Commons
Die während des Zweiten Weltkrieges europaweit gefangen genommenen Menschen wurden per Bahn in das KZ Auschwitz deportiert, etwa 90 % waren Juden. Die Herkunftsländer waren hauptsächlich Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Ungarn.
In Auschwitz fand im Zuge des Holocaust (auch Shoah) ein systematischer und fabrikmäßiger Mord an europäischen Juden statt, aber auch andere durch das NS-Regime verfolgte Gruppen wurden dort eingesperrt und ermordet. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen. Die genaue Opferzahl konnte nicht ermittelt werden.
Häftlinge des Sonderkommandos in Auschwitz beim Verbrennen von Leichen. Heimlich aufgenommenes Foto des Widerstandes - wahrscheinlich von "Alex" (Alberto Errero), einem jüdisch-griechischen Häftling des Sonderkommandos.
Am 27. Januar 1945 befreite die von Osten vorrückende Rote Armee den Lagerkomplex. In der Nachkriegszeit ist der Name „Auschwitz“ zu einem Symbol für den Holocaust geworden. Der Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz ist seit 1996 in Deutschland, seit 2005 international der öffentlich begangene Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.
Das KZ Buchenwald, amtlich KL Buchenwald, war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Es wurde zwischen Juli 1937 und April 1945 auf dem Ettersberg bei Weimar als Haftstätte zur Zwangsarbeit betrieben. Insgesamt waren in diesem Zeitraum etwa 266.000 Menschen aus allen Ländern Europas im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert.
Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 15.000 Sowjetbürger, 7.000 Polen, 6.000 Ungarn und 3.000 Franzosen.
Bei der Annäherung der 3. US-Armee am 11. April 1945 übernahmen die Häftlinge die Leitung des Lagers von der abziehenden SS, nahmen 125 der Bewacher fest, öffneten die Tore und hissten die weiße Fahne.
Bereits seit dem 8. April hatten viele Häftlinge durch Boykott und Sabotage ihre von den Nationalsozialisten so genannte Evakuierung verhindert und die US-Armee per Funk um Hilfe gerufen.
Nach dem Abzug der US-Truppen wurden Teile des Geländes von der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager Nr. 2 genutzt. Es existierte bis 1950; von den 28.000 dort Internierten starben 7.000.
Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers wurde 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet. Ab 1991 wurde die Gedenkstätte Buchenwald neugestaltet. Sie enthält viele Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers.
Eingangstor Buchenwald mit dem Spruch „Jedem das Seine“ – eine Schrift im von den Nazis verfemten Bauhausstil, gestaltet durch den Häftling und Bauhausschüler Franz Ehrlich Quelle: Bild: Martin Kraft (photo.martinkraft.com) Lizenz: CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Das Buchenwaldlied (auch „Buchenwälder Marsch“) ist ein Lied, das 1938 von Fritz Löhner-Beda und Hermann Leopoldi, die damals Häftlinge des KZ Buchenwald waren, geschaffen wurde. Es wurde auf Anweisung der SS beim Appell und anderen Gelegenheiten von Häftlingen vorgetragen und erklang auch als Marschlied, wenn die Arbeitskolonnen des KZ Buchenwald ein- und auszogen.
Heute ist das Buchenwaldlied fester Bestandteil von Gedenkfeiern zur Befreiung dieses Konzentrationslagers.
Wenn der Tag erwacht, eh’ die Sonne lacht,
die Kolonnen ziehn zu des Tages Mühn
hinein in den grauenden Morgen.
Und der Wald ist schwarz und der Himmel rot,
und wir tragen im Brotsack ein Stückchen Brot
und im Herzen, im Herzen die Sorgen.
O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
weil du mein Schicksal bist.
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen,
wie wundervoll die Freiheit ist!
O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen,
und was auch unser Schicksal sei,
||:wir wollen trotzdem ja zum Leben sagen,
denn einmal kommt der Tag: dann sind wir frei!:||
Und das Blut ist heiß und das Mädel fern,
und der Wind singt leis, und ich hab’ sie so gern,
wenn treu sie, ja, treu sie nur bliebe!
Und die Steine sind hart, aber fest unser Tritt,
und wir tragen die Picken und Spaten mit
und im Herzen, im Herzen die Liebe.
O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen …
Und die Nacht ist kurz, und der Tag ist so lang,
doch ein Lied erklingt, das die Heimat sang:
wir lassen den Mut uns nicht rauben.
Halte Schritt, Kamerad, und verlier nicht den Mut,
denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut
und im Herzen, im Herzen den Glauben.
O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen …
Häftlinge in einer KZ-Baracke in Buchenwald, 1945
Quelle: Pvt. H. Miller - The National Archives
Originaltitel: "Diese russischen, polnischen und niederländischen
Sklavenarbeiter im KZ Buchenwald wogen bei Einlieferung 11 Monate
vorher durchschnittlich 80kg und wiegen jetzt durchschnittlich 35 kg.
Deutschland, 16.04.1945."
Anfang 1945 wurde das Lager zur Endstation für Todesmärsche aus Auschwitz und Groß-Rosen. Kurz vor der Befreiung versuchte die SS, das Lager zu räumen, und schickte 28.000 Häftlinge auf Todesmärsche. Etwa 21.000 Häftlinge, darunter über 900 Kinder und Jugendliche, blieben im Lager.
Nach der Befreiung mussten sich 1947 im Buchenwald-Hauptprozess 31 Personen für die Verbrechen in Buchenwald vor einem US-Militärtribunal verantworten, darunter auch die Witwe des ehemaligen Kommandanten, Ilse Koch. Es wurden 22 Todesurteile sowie fünf lebenslängliche und vier begrenzte Freiheitsstrafen ausgesprochen. Von den Todesurteilen wurden bis 1951 neun vollstreckt. Der ehemalige Lagerkommandant Hermann Pister starb in der Haft. Ilse Koch blieb dort bis zu ihrem Suizid 1967. Alle übrigen Verurteilten wurden bis Mitte der 1950er-Jahre amnestiert.
Das KZ Dachau, Vollbezeichnung Konzentrationslager Dachau, amtliche Abkürzung KL Dachau, bestand vom 22. März 1933 bis zur Einnahme durch Soldaten der 7. US-Armee am 29. April 1945 (Befreiung des Konzentrationslagers Dachau).
Das NS-Regime errichtete es bereits wenige Wochen nach Adolf Hitlers Machtübernahme. Es war das erste als Dauereinrichtung gebaute Konzentrationslager, durch die unmittelbar im Anschluss an die Befreiung stattfindende Veröffentlichung der Zustände im Lager auch eines der bekanntesten. Es war zwölf Jahre durchgehend in Betrieb, doppelt so lange wie viele der anderen Konzentrationslager.
Bereits 1933 wurden in Dachau die ersten Juden vernichtet. Foto: picture-alliance/dpa/dpaweb
Das Gelände lag ungefähr 20 Kilometer nordwestlich von München. Zunächst diente das Lager der Inhaftierung von politischen Gegnern des Nationalsozialismus. Heinrich Himmler, Polizeipräsident von München und ab 1934 Reichsführer SS, ließ es östlich der Stadt Dachau auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik errichten. Es diente – vor allem in seinen Anfangsjahren, als die NSDAP ihre Macht festigen wollte – zur Inhaftierung und zur Einschüchterung politisch Andersdenkender.
Nach der Zerschlagung der SA 1934, die von der Propagandalüge eines drohenden „Röhm-Putsches“ begleitet wurde, ließ Himmler die Vergrößerung des KZ Dachau planen. 1937 begannen die Bauarbeiten für den neuen Häftlingsbereich, der an die ehemalige Munitionsfabrik anschloss. Organisation und räumlicher Aufbau waren später eine Vorlage für neue Konzentrationslager im Reichsgebiet. Das NS-Regime präsentierte es propagandistisch als „Vorzeigelager“, beispielsweise mittels beschönigender Fotografien.
Dachau war Ausbildungsort für KZ-Wachmannschaften und SS-Führer, die nach Beginn des Zweiten Weltkriegs auch in Vernichtungslagern eingesetzt wurden. Das KZ Dachau war kein Vernichtungslager; jedoch wurden in keinem anderen KZ so viele politische Morde verübt.
Nach der Reichspogromnacht inhaftierte die SS verstärkt auch Juden und andere Verfolgte. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden auch Menschen aus besetzten Gebieten Europas im KZ Dachau inhaftiert. Es entwickelte sich zur Keimzelle für neue KZ und nahm mehrere Sonderstellungen ein: Das Lager war der erste Ort im Deutschen Reich, an dem einem SS-Lagerkommandanten die alleinige Gerichtsbarkeit zugeteilt wurde und geltendes Recht erfolgreich außer
Kraft gesetzt wurde. Die SS schuf einen „Staat im Staate“. Haft und Ermordung politischer Gegner waren dem Zugriff der Justiz entzogen.
Von den insgesamt mindestens 200.000 Häftlingen starben etwa 41.500, wovon alleine im KZ-Außenlagerkomplex Kaufering etwa 14.500 zwischen Juni 1944 und April 1945, starben. Zusätzlich deportierte die SS häufig Häftlinge in andere Lager mit härteren Bedingungen oder gar in die Vernichtungslager im Osten.
Befreite Häftlinge des KZs Dachau grüßen US-Soldaten am 29.04.1945 Quelle: Autor/-in unbekannt - United States Holocaust Memorial Museum, Fotografie #45075
