Schieß mich frei! - U.H. Wilken - E-Book

Schieß mich frei! E-Book

U. H. Wilken

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Beschreibung

Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). »Mir ist es unbegreiflich, Bronson, wie ein Mann wie du noch so kindisch sein kann! Hör doch endlich auf mit dem Scheiß da drüben!»Warum?»Weil du dann vielleicht mal die Zeit hättest, das Merk deiner Augen auf den Hügel dort zu richten! Wir bekommen Besuch!»Wie aufregend. Das läßt der Oma doch vor Schreck das Gebiß klappern.»Mann, das sind sieben Reiter! Mindestens. Alle bis auf die Knochen bewaffnet.»Du untertreibst mal wieder, Cayuse. Zehn sind es. Mindestens!Weit draußen vor der Stadt wallt Staub auf. Viele Hufe stampfen auf dem sandigen Mesquitehügel. Radsporen rasseln. Conchas klingeln. Hölzerne Sättel knarren. Pferde prusten. Haßerfüllt klingt eine kehlige Stimme.

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Seitenzahl: 138

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Die großen Western – 254 –Schieß mich frei!

U.H. Wilken

»Mir ist es unbegreiflich, Bronson, wie ein Mann wie du noch so kindisch sein kann! Hör doch endlich auf mit dem Scheiß da drüben!«

»Warum?«

»Weil du dann vielleicht mal die Zeit hättest, das Merk deiner Augen auf den Hügel dort zu richten! Wir bekommen Besuch!«

»Wie aufregend. Das läßt der Oma doch vor Schreck das Gebiß klappern.«

»Mann, das sind sieben Reiter! Mindestens. Alle bis auf die Knochen bewaffnet.«

»Du untertreibst mal wieder, Cayuse. Zehn sind es. Mindestens!«

Weit draußen vor der Stadt wallt Staub auf. Viele Hufe stampfen auf dem sandigen Mesquitehügel. Radsporen rasseln. Conchas klingeln. Hölzerne Sättel knarren. Pferde prusten. Haßerfüllt klingt eine kehlige Stimme.

Alle Geräusche trägt der Wind weg.

»Na also!« freut sich Bronson. »Empfangen wir unseren Besuch angemessen würdevoll.«

Gemächlich zieht El Cartucho mit seiner indianischen Mordbande durch das öde Tal.

Unter greller Sonne gleißt es silbern an zerschlissenen Jacken und schmutzigen Hosen. Im Glutwind flattern an riesigen Sombreros bunte Tücher und schwarze Rabenfedern.

Die wilde Horde will in die Stadt. Nur dort gibt es Wasser. Im einzigen Brunnen weit und breit. Aber dort ­warten Bronson und Cayuse.

Mittag in der Geisterstadt. Hier zeigt keine Uhr mehr die Zeit an.

Hitze nistet in leeren Räumen. Unheimliche Stille lastet über halbzerfallenen Häusern.

Die Killerhorde kommt langsam näher.

Staub treibt durch die ausgestorbene Stadt. Wind fängt sich in den verlassenen Behausungen. Türen bewegen sich leise knarrend. Fensterläden quietschen. Flugsand erstickt alles Leben, nur nicht den heimtückischen Tod. Der lauert überall am Boden. Die Klapperschlangen, Eidechsen und Skorpione sind kaum zu erkennen.

Bronson lehnt am alten Brunnen. Gleich neben der ehemaligen Stellmacherei. Zwischen Wagenwracks und zerbrochenen Rädern. Umgeben von angewehtem Abfall.

Der große stämmige Mann hantiert mit seinem Colt herum. Jetzt hält er den Lauf wieder ans Ohr. Lauscht dem wütenden Summen der dicken schwarzen Fliege, die im Lauf steckt. Sie kann nicht aus der Mündung raus. Bronson hält den linken Daumen drauf.

»Ja, gut so, Brummi. Bring dich in Form. Gleich laß ich dich raus.«

Drüben zwischen Saloon und Mietstall kauert Cayuse, beobachtet die Horde, blickt immer wieder kurz zu Bronson hinüber.

»Sag mal, mit wem redest du da eigentlich? Hast du sie nicht mehr alle? Schieb wenigstens dein Pferd in Deckung!«

»Das bleibt hier stehen, Cayuse. Fummel mir nicht in meinen Kram rein. Siehst du denn nicht, daß ich meine Marlin quer auf dem Sattel liegen hab? Locker angebunden, versteht sich. Du bleibst mit deinem Pferd schön von der Straße weg. El Cartucho darf nur mich sehen. Mit dem Pferd. Würde ich hier ohne Gaul rumstehen, wär er sofort von Kopf bis Fuß auf Mord eingestellt.«

»Und wenn er dir das Pferd abknallt?«

»Mein Gott! Mach nicht gleich in die Pelzhose, Cayuse! Fusselt später nur. Zieh die Gamaschen hoch und verdrück dich.«

»Tu ich auch. Mit dir kann man keine Kriege mehr gewinnen. Du wirst langsam senil, mein Lieber. Hast bestimmt schon zuviel Leerraum da oben. Zuviel Ozon in der Rübe. Macht sich auch an deinen Henkelohren bemerkbar. Andere sterben jung. Wie die Schweine. Aber du lebst immer noch. Ich glaub, ich geb El Cartucho mal ’nen Wink. So alt wie du wird kein Schwein. Vielleicht liegt es daran, daß du ’ne Mütze trägst.«

»Laß doch endlich diese Sprüche, Cayuse. Ich find das gar nicht lustig. Hau ab. Brummi und ich machen das schon. Cartucho – das heißt doch Patrone? Wir machen daraus ’ne Hülse.«

Abwinkend erhebt Cayuse sich, gleitet geschmeidig wie eine Raubkatze in den tiefen Schatten zurück, hält die Winchester bereit.

Die Horde ist am Stadtrand. Hufgetrappel und Rasseln unterbrechen die Stille.

Drei Reiter bilden die Spitze. Wer von ihnen El Cartucho ist, können Bronson und Cayuse nicht feststellen.

Die Kerle sehen alle gleich aus. Schon bei Mexikanern ist es schwer, sie zu unterscheiden. Diese Hombres sind Indianer. Mit starren Gesichtszügen, fast schwarzen Augen, langen strähnigen Haaren.

Sie entdecken Bronson am Brunnen. Einen Herzschlag lang weiten sich die Augen. Blicke schnellen umher.

»Adelante«, murmelt einer im Rudel. Sicherlich die ›Patrone‹. Aber wo ist er? Keiner der braunhäutigen Galgenvögel verzieht die Miene.

Sie beobachten Bronson. Halten genau auf ihn zu. Lassen ihn nicht aus den Augen. Zu keiner Sekunde. Sie sind mißtrauisch.

In ihren Augen ist er schon ein toter Mann.

Sie lassen keinen Gringo leben.

Bronsons Pferd steht im Schatten, den das runde Brunnendach wirft. Das Gewehr scheint jeden Moment vom Sattel zu rutschen.

Keiner der Killer weiß, daß es ein Präzisionsgewehr ist. Mit schneller Feuerkraft. Sagenhaft genau durch den enggezogenen Drall. Eine Marlin. Davon gibt es nur zwei. Die andere hat der Konstrukteur. Bronson erprobt die Waffe. Jetzt läßt er sie erst einmal schön beiseite.

Er gibt sich arglos. Lächelnd verzieht er das sonnengebeizte Gesicht, nickt den Reitern zu.

Sie halten im Halbkreis vor ihm.

Ihn stört es offensichtlich nicht, daß einige Waffen auf ihn gerichtet sind. Auf Kopf und Herz.

Sie schätzen ihn ab. Stufen ihn ein. Er ist groß. Nicht zu hager, nicht zu dick Schön durchwachsen. Von strahlender Gesundheit. Mit so einem Typ gehen schöne Frauen besonders gern ins Bett.

Dabei ist er kein schöner Mann. Eher etwas häßlich. Aber er wirkt auf Frauen herausfordernd. Sie lassen sich mit ihm ein, nur um es mal genau zu wissen, wie das ist. Dummerweise ist El Cartucho keine Frau. Auch nicht ein menschlicher Mensch. Er ist eine Bestie. Und die anderen sind das auch.

»Zu dumm, nicht wahr?« Bronson grinst, hält noch immer den Daumen auf die Mündung seines Colts. »Da ist ’ne Fliege drin. Die will raus. Aber ich will mit ihr spielen, versteht ihr? Langweilig ist das hier! Zuerst hab ich gedacht, die haben alle Angst vor mir. Weil keiner angeschissen kam. Da hab ich mir eben den Brummer geschnappt. Wollt ihr mal hören? Sonst glaubt mir keiner! Ist doch immer derselbe Scheiß. He, was starrt ihr mich so an? Meine Hose ist doch zu, oder? Was…«

»Halt’s Maul.«

Einer der indianischen Bandoleros spuckt Bronson vor die Füße. Die anderen zeigen keine Regung.

Es sind vierzehn Reiter!

Eigentlich ein bißchen zuviel.

Bronson recherchiert, wie er das nennt. In seinem Ballermann hat er fünf Schuß. In der Marlin stecken satte zwölf Knaller vom Kaliber 44 Mag­num. Cayuse hat Winchester und Colt– damit fast ebenso viele Patronen. Und dann hat er noch die Sharps. Kaliber 56. Macht zusammen – aber was soll das eigentlich? Wenn jeder dieser zweibeinigen Bestien auch nur einen Colt entleert, bleibt von ihm und Cayuse nur noch der Nachruf übrig. Dennoch lächelt er.

Einer von diesen vierzehn Hombres ist El Cartucho, ›die Patrone‹. Der Bursche ist verdammt gerissen. Hält sich zurück. Das ist seine List. Erst Sekunden vor dem Kampf bricht es aus ihm hervor. Haß. Die grauenvolle Lust am Töten.

Aber vielleicht kann Bronson ihn diesmal dazu bewegen, sich vor Ausbruch des Kampfes zu verraten. Darum macht er dieses Theater. Wenn sie El Cartucho erledigt haben, löst sich der Rest der Bande auf. Der Giftschlange wächst kein Kopf nach.

»Halt’s Maul«, hat der eine gesagt. Und ausgespuckt. Jetzt werden die Pferde unruhig. Sie wollen ans Wasser. Zum Brunnen. Davor steht Bronson. Lauscht am Coltlauf.

»Ziemlich böse ist sie da drinnen«, verrät er. »Wer will denn mal hören? So was hört man nicht alle Tage, mein ich. Hier gibt es keine Misthaufen mehr. Na, wie ist’s?«

Nicht ein einziger sitzt ab.

Alles sieht recht harmlos aus. Dabei ist es höllisch gefährlich für Bronson.

Heißer Staub zieht über die Reiter hinweg. Silberstücke funkeln in der Mittagssonne. Irgendwo stößt der Wind eine Tür zu. Mehrere schmutzige Hände zucken mit schweren Colts herum. Quietschend schlägt an rostenden Haken das Schild vor dem Barber’s Shop hin und her. Drinnen ist niemand. Da hat sich auf dem Rasiersessel der Staub niedergelassen.

»He, seid ihr aber unruhig, Amigos!« stellt Bronson grinsend fest. »Das war nur ’ne Tür. Der Wind geht ein und aus. Hier ist kein Aas. Der Barbier hat auch seinen Pinsel weggesteckt. Tote Hose, sag ich.«

Jetzt reitet einer der finsteren Hombres ein wenig näher. Vielleicht ist das El Cartucho.

Er beugt sich im Holzsattel vor, stützt sich auf den Bügel. Zwischen rechtem Bein und Pferdeleib steckt eingeklemmt eine Winchester. Der Lauf zeigt auf Bronson. In den Händen hat dieser indianische Killer nichts. Der Hombre ist heimtückisch. Wie auch die anderen.

Bronsons Blick huscht über Bein und Gewehr des Reiters hinweg. In dieser einzigen Sekunde entdeckt er eine dünne Lederschnur, die um das Knie des mordlüsternen Halunken geschlungen ist. Das Ende der Schnur ist am Abzug der Winchester festgeknotet.

Er braucht nur das Knie anzuheben und die Kugel trifft Bronson. Wenn es dazu kommt, zerreißt es ihm Brust und Rücken.

Durchdringend blickt der Bandolero ihn an. Auf einmal entspannt sich das Gesicht. Er scheint tatsächlich zu lächeln. Und dann fragt er sanft: »Qué tal?«

Bronson tut angenehm überrascht.

»Nett, daß du wissen möchtest, wie es mir geht! Finde ich ja großartig! Mir geht’s auch so – magnifico. Muy bien, Amigo!«

Mit strahlendem Lächeln bringt er sich aus der Schußlinie der Winchester, tritt näher, hält mit der Rechten den Colt angehoben, drückt noch immer den linken Daumen auf die Mündung.

»Hier – hör mal.«

Da dreht sich der braunhäutige Killer halb im Sattel um und sagt zu den anderen: »Der Gringo ist dumm. So dumm, daß er davon Schmerzen hat. Wenn er tot ist, hat er keine Schmerzen mehr. Was also ist besser für ihn? Töten, Compadres.«

»Dios mio! Macht keinen Quatsch, Jungs!« Bronson weicht verstört zurück, nähert sich seinem Pferd. »Warum, zum Teufel, will keiner von euch meine Fliege hören?«

Er schüttelt den Colt, verzieht das Gesicht wie unter Schmerzen.

»Was ist los?« fragt ein anderer, während sie alle langsam anreiten. Und wieder richtet sich die Winchester zwischen Bein und Pferd auf Bronson Das sind die Sekunden zwischen Leben und Tod!

Drüben duckt Cayuse sich, legt die Winchester an.

Metall gleißt, blendet. Hufe stampfen. Die Pferde drängt es zum Wasser. Drei, vier Halunken wollen schon absitzen. Sie heben das rechte Bein wie Hunde an.

»Was los ist?« Bronson stöhnt laut. »Das Mistvieh beißt ja! Mann, das tut weh! Jetzt hab ich aber genug! Raus mit dem Misthaufenbrummer!«

Dröhnend entlädt sich sein Colt, spuckt Fliege, Feuer und Blei. Die erste Kugel geht genau in den Lauf der Winchester zwischen Bein und Pferd hinein, verursacht einen Rohrkrepierer. Brüllend stürzt der Bandolero mit zerfetztem Bein vom Pferd. Hufe auskeilender Pferde treffen ihn, zertrümmern ihm den Kopf. Drei Halunken trifft es in die Brust. Bronson schnellt weg. Kugeln sirren vorbei, schlagen in Wagenwracks hinein.

Drüben feuert Cayuse. Steht kaltblütig auf der Stelle. Schießt eiskalt. Trifft, was er treffen will.

Bronson erreicht sein Pferd, steht dahinter, packt die Marlin, schießt über den Sattel hinweg.

Bandoleros wälzen sich im Staub, rollen und kriechen zwischen tobenden Pferden umher. Staubwolken schlagen auseinander, hüllen alles ein. Vier Reiter rasen schräg über die Straße. Cayuse schießt, holt noch einen aus dem Sattel. Drei entkommen.

Schießend versuchen die anderen, wegzukommen. Blei nagelt sie fest. Marlin und Winchester sind heiß, als sie verstummen. Pulverrauch treibt mit den Staubwolken die Straße hinauf. Der Staubschleier legt sich. Reiterlose Pferde laufen zwischen leeren Häusern umher. Auf der Straße vor dem alten Brunnen bewegt sich nichts mehr.

Raunend bewegt der Glutwind die schwarzen Rabenfedern, spielt mit den bunten Tüchern. Träge rollt ein Sombrero an den Straßenrand. Colts und Gewehre liegen unter erschlafften Händen. Flugsand fällt auf unzählige Hülsen, ausgeworfen von Gewehren.

Bronson und Cayuse treffen sich auf der Straße.

Sie sehen sich um.

»Drei sind entwischt, Bronson. Sind bestimmt noch im Tal. Ich kann sie aus den Sätteln holen. Von einem Dach aus. Mit der Sharps.«

Bronson winkt ab.

»Hauptsache, El Cartucho ist nicht dabei, Cayuse.«

Sie gehen umher. Betrachten jedes Gesicht. In der Stadt ist es wieder still. Langsam kommen die ledigen Sattelpferde herangetrottet, scharen sich um den Brunnen.

Bronson und Cayuse haben kaum einen Kratzer abbekommen. Beide haben nur ein rauchgeschwärztes Gesicht. Und die Ärmel sind etwas versengt. Niemand wird ihnen glauben, daß sie El Cartuchos Bande erledigt haben. Bronson hat den letzten Bandolero erreicht. Fragend blickt er Cayuse an, runzelt die Stirn.

»Wer von diesen verdammten Kerlen ist denn nun El Cartucho? Ist das der? Oder der?«

»Weiß nicht. Sehen alle gleich aus.«

»Du als Indianer mußt das doch erkennen, Cayuse. Läufst zwar rum wie ein Weißer, sprichst auch so – aber ihr Indianer habt doch einen sicheren Blick. Ich kann nur Weiße voneinander unterscheiden. Nicht sicher genug Indianer und Farbige. Schon gar nicht Chinesen.«

Cayuse zuckt die Achseln.

»Nehmen wir an, daß er uns entkommen ist, Bronson. Dann kann uns nichts mehr überraschen.«

Sie gehen zum Brunnen, tränken die Pferde und tragen dann die Toten in den Saloon. Anschließend setzen sie das Haus in Brand, werfen Waffen, Munitionsgürtel und Sombreros der Hombres ins Feuer.

Nachmittags verlassen sie die Geisterstadt. Die Pferde der Bandoleros nehmen sie mit. Von den drei Mordgesellen ist nichts zu sehen. Auch nicht eine einzige Spur. Sie haben ihre Spuren verwischt.

»Das kann noch Ärger geben, Cayuse.«

»Na und? Wir reiten zur nächsten Telegrafenstation und melden dem Gouverneur dieses friedlichen Staates, daß El Cartucho erledigt ist. Regierungsauftrag erfüllt. Was gibt’s Schöneres?«

»Endlich mal das Geld ausgeben, was wir verdient haben. Von mir aus verprassen!«

*

Metall schimmert matt unter Bäumen. Junge Männer warten im Hinterhalt.

Heißer Wind treibt flimmernde Staubschleier über endlos weites Land. Läßt die Pappeln und Eichen hier am Arroyo rauschen. Knallartig platzen in sengender Hitze Bohnen an Mesquitesträuchern. Trauernd lassen alte Weidenbäume ihre dünnen Zweige lang in das ausgetrocknete Flußbett hängen.

Lange Gewehrläufe ruhen eingeklemmt in den Astgabeln staubiger Sträucher. Schwere Hartholzschäfte stecken tief im alten Laub am Boden. Weitreichende Hinterlader lehnen nur schwer erkennbar an den Sträuchern.

Plötzlich kommt Bewegung in die Männer.

Geräusche dringen aus der Ferne herüber. Lange erwartet, beinahe heiß ersehnt.

Hufeisen schlagen über das Geröll im Flußbett. Unter rollenden Rädern platzen kleine ausgewaschene Steine. Zaumzeug rasselt.

Im Brustblattgeschirr ziehen zwei Pferde einen leichten Wagen durch den Arroyo. Das Flußbett ist wie eine schattige Straße. Baumgürtel an den Ufern fangen die Hitze des Windes ab.

»Fertigmachen!« ruft jemand mit dunkler Stimme. Trotz des Befehlstones klingt sie melodisch weich.

Braunhäutige Hände langen nach den Hinterladern, heben die Schäfte an. Lassen die Läufe in den Astgabeln stecken.

Fast zärtlich streichen die Hände über die Gewehre hinweg. Als seien die Waffen weiche Frauenkörper.

Es sind schlanke schmale Hände. Fest und sehnig. Von Waffenöl durchdrungener Schmutz ist unter den Fingernägeln.

Der Wagen ist jetzt zu sehen. Eine Kutsche. Hinten geschlossen. Vorn zwei weichgepolsterte lederne Sitzbänke mit Armlehnen an den Seiten.

Auf der vorderen Bank, dem Kutschbock, sitzen zwei Männer. Sie tragen städtische Kleidung und einen leichten Staubmantel darüber.

Beide sind mit Gewehren bewaffnet. Die lehnen aber rechts und links von ihnen. Griffbereit.

Auf der anderen Bank, hinter den Männern, sitzt entspannt eine junge Lady. Kaum erwachsen. Beinahe noch ein Mädchen. Ein Fräulein.

Blondes Haar wellt sich im Fahrtwind, leuchtet selbst im Schatten der Baumkronen. Weiß ist das Sommerkleid, das den schlanken Körper umhüllt. Papierblumen stecken am großen Sommerhut, der im Nacken hängt. Ein schönes Mädchen.

Es hat die Arme ausgestreckt auf die Rückenlehne gelegt, ein Bein übergeschlagen.

Gewehrläufe richten sich auf den Wagen.

Plötzlich zieht der Fahrer an den Zügeln. Der Wagen hält. Die beiden Männer greifen nach den Gewehren.

Die blutjunge Lady nimmt die Arme herunter, beugt sich vor.

»Warum halten wir?«

»Ich weiß nicht so recht, Miß Patricia«, murmelt der Fahrer. »Diese Stille hier… Gefällt mir gar nicht.«

»Ist doch schön, wenn es still ist«, meint sie, lacht dann belustigt auf. »Sie sind zu lange in einer Garnison gewesen, Corporal! Hier ist Wildnis! Weites Land! Erwarten Sie, hier Tanzmusik zu hören?«

»Das ist es nicht, Miß Patricia«, entgegnet der Corporal in Zivil. »Vorhin hörten wir Vogelstimmen. Hier ist nichts zu hören. Als wenn jemand die Vögel verscheucht hätte! Vor Tieren haben die Vögel keine Angst, Miß.«

»Der Corporal hat recht, Miß«, versichert der Gefreite. »Mir ist das auch nicht ganz geheuer! Wir sind noch etliche Meilen vom Fort entfernt. Hier ist Indianerland. Und die Grenze ist nicht weit von hier.«

»Ich glaub, ihr beide spinnt.« Das Mädchen klopft dem Corporal sanft auf den Rücken. »Fahrt weiter. Bitte! Ich möchte vor Einbruch der Dunkelheit bei meinem Vater sein.«

»Miß, wir haben Sie zu beschützen! Sicher ans Ziel zu bringen. Zum Colonel. Wenn was passiert, reißt er uns nicht nur die Dienstgradabzeichen ab. Gleich auch den Kopf mit.«

»Private First Class«, sagt das Mädchen lächelnd, »ich übernehme alle Verantwortung.« Sanft stößt es den Gefreiten an. »Na, los – weiter!«

Die Pferde trotten weiter. Der Wagen rollt durch die Schatten. Gewehrläufe folgen seinen Bewegungen.

Schüsse zerreißen die Stille.

Blei zerfetzt das Blätterwerk der Sträucher.