SCHLAGANFALL - Willi Daniels - E-Book

SCHLAGANFALL E-Book

Willi Daniels

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Beschreibung

Das Buch beschreibt den Weg eines Betroffenen zum Visionär. Daniels hat sich durch sein herausragendes Engagement als wahrer Vorreiter für Menschen mit Schlaganfall bewiesen und die Schlaganfall-Versorgung in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren ein Stück weit mitgeprägt. Es soll auch Ansporn sein für andere zu eigenen Anstrengungen: Es soll ermutigen, neue Wege in puncto Gesundheit zu gehen. Das Buch soll die Patienten aber auch wachrütteln und ihnen aufzeigen, wie sehr Engagement und Wissen den Kampf gegen die eigene Krankheit unterstützt. "In den vielen Jahren, in denen ich Willi Daniels durch die Arbeit in der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe kennenlernen durfte, war er für mich immer Vorbild. Die Kraft, Disziplin und hohe Motivation trotz seiner schweren Erkrankungen für andere da zu sein und ihnen zu helfen, ist ein Leuchtbild für Engagement in Deutschland." Dr. Brigitte Mohn Vorstand Bertelsmann Stiftung

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EPUB
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Seitenzahl: 167

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel – Der Schlaganfall

Schlaganfall – Für mich kein Thema

Schlaganfall – es kann jeden treffen.

Wie kommt es zu einem Schlaganfall?

Risikofaktoren

Ein Schlag aus heiterem Himmel

Symptome eines Schlaganfalls

Wer ist Willi Daniels?

Statement Dr. Petak-Opel

Schlaganfall in der Silvesternacht 1997/98

Notruf

Zurück in Bayern

Wie geht es zu Hause weiter?

Kapitel – Projekte und Engagement

Projekt „Handy als Notrufsäule“

Statement Dr. Platzer

„Computer für den Schlaganfall“

Mitarbeit in Präventionsprojekt

Zusammenarbeit mit der Schlaganfall-Hilfe

Stellungnahme Dr. Brigitte Mohn

Selbsthilfe

Statement aus der Landkreis-Politik

Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung

Das Projekt „Spielerisch Rehabilitieren

NotfallCARD

Schlaganfall und Telemedizin

Politisches Engagement

Bürgerfest des Bundespräsidenten

Statement Dr. Andreas Lenz, MdB

Kapitel - Auszeichungen

Anerkennung und Auszeichnungen

Ehrenamtskarte in Gold

Bayerische Staatsmedaille

Wir brauchen Menschen wie Sie

Laudatio Melanie Huml

Schlusswort

Vorwort

Nie hätte ich gedacht, dass ich eines Tages von schweren Krankheiten betroffen sein werde und schon gar nicht, dass ich aus der Krankheit die Kraft schöpfe, mich selbst zu rehabilitieren und zugleich durch mein Engagement anderen Betroffenen zu helfen. Ich denke mal, bei mir passte einfach alles – die Akzeptanz, die Resilienz, mein Patienten-Empowerment und mein Engagement.

Um es so weit zu bringen, bedurfte es aber auch der Unterstützung, Verständnis und Begleitung durch den Vorstand und den Mitarbeitern der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, diversen Professoren und Ärzten im ambulanten und stationären Bereich, Kliniken, Institutionen im Gesundheitsbereich, Pharmaunternehmen und Firmen aus der Medizin und nicht zu vergessen, Politiker aus der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik. Ohne die Genannten wäre es mir nie gelungen, so aktiv und wirkungsvoll arbeiten zu dürfen.

In diesem Buch habe ich einige Statements aus diesem Personenkreis angeführt, beginnen möchte ich mit den Zeilen aus der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh, mit der ich seit nunmehr mehr als 20 Jahren in bester Weise zusammenarbeite.

Ich lernte Willi Daniels 2013 kennen, als ich zur Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe stieß. Von Beginn an schätzte ich seine konstruktive Art und seine große Energie. Selbst vom Schlaganfall betroffen, schien es für ihn nie eine Option zu sein, sich seinem Leiden hinzugeben. Das hat mich sehr beeindruckt.

„Willi Daniels ist ein Pionier“ titelte „Thala“, das Gesundheitsmagazin der Deutschen Schlaganfall-Hilfe, Anfang 2018. Damit ist das Wesentliche bereits gesagt. Seine eigene Betroffenheit schüttelte Willi Daniels ab und schöpfte daraus die Energie, zahlreiche Projekte und Initiativen zu entwickeln und anzustoßen, die die Schlaganfall-Versorgung in Deutschland verbessert haben.

Seit nunmehr 20 Jahren ist Willi Daniels der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe eng verbunden, hat dabei sieben Jahre lang als Mitglied des Stiftungsrates ihre Geschicke ein Stück weit mitgelenkt. Nicht zuletzt dafür hat die Schlaganfall-Hilfe ihn 2014 mit ihrem Motivationspreis ausgezeichnet.

Für viele Betroffene ist der Schlaganfall nur eine Krankheit und oft eine schwere Bürde, aber Willi Daniels entwickelte aus ihr einen neuen Lebensinhalt.

Seine Energie und seinen Optimismus brachte er ein in die Selbsthilfe. Mit seiner Offenheit für Neues und seinem Interesse an technischen Entwicklungen hat er die Schlaganfall-Selbsthilfe reformiert.

Willi Daniels hat die Schlaganfall-Versorgung in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren ein Stück weit mitgeprägt. Sein Rat, seine Meinung und seine Mitarbeit sind auch weiterhin an vielen Stellen gefragt.

Dr. Michael Brinkmeier

Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Gütersloh, im Mai 2020

Auch wenn ich manchmal Durchhänger hatte, ein Aufgeben kam für mich nie infrage, denn mein Engagement diente ja nicht nur mir als Rehabilitation, sondern auch anderen Betroffenen in der Verarbeitung ihres Schlaganfalls. Manchmal wurde es sogar zu viel, denn wenn man ein wenig bekannt ist, kommen Anfragen aus dem Kreis der Betroffenen, aber auch aus der Industrie und der Politik. Der Stress, der daraus entstand, war aber positiver Art und somit tat er mir gut.

Willi Daniels

1. Kapitel

Der Schlaganfall

Schlaganfall – für mich kein Thema

Dachten oder denken Sie nicht auch so? Also mal ganz ehrlich. Nie und nimmer hätte ich im Alter von 48 Jahren daran gedacht, einen Schlaganfall zu erleiden. Ich dachte immer, der Schlaganfall wäre etwas für alte Leute. Aber leider trifft das schon lange nicht mehr zu. Immer jünger werden die Betroffenen, sogar Kinder im Mutterleib kann ein Schlaganfall treffen. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe wies auf diese Veränderung in einem Poster darauf hin und machte die Aussage: Schlaganfall ist etwas für alte Leute ... ab 29! Ich finde dieses Poster sehr gut, denn so hoffe ich zumindest, rüttelt es die jüngere Generation ein wenig wach. Ich bin mir aber sicher, dass die meisten Menschen sich beim Anblick eines solchen Posters trotzdem wenig Gedanken machen, sie denken vielleicht an einen Druckfehler oder haken diese Aussage schnell ab, denn SIE betrifft es ja nicht, da sie jung und vital sind, glauben viel für ihre Gesundheit zu tun und gehen davon aus, dass es die anderen trifft, nicht sie selbst. So dachte ehrlich gesagt auch! Dabei sprechen wir hier von Zahlen, die durchaus aufhorchen lassen müssten – in Deutschland erleiden ca. 270.000 Menschen einen Schlaganfall und was viele nicht wissen, der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine Behinderung im Erwachsenenalter. In dieser Zahl sind ca. 70.000 erneute Schlaganfälle, sogenannte Rezidive, enthalten. Und diese Zahl ist in meinen Augen noch beeindruckender, denn obwohl diese Menschen schon mal einen Schlaganfall erlitten, ist die Sekundärprävention so schlecht, dass es zu einem weiteren Ereignis kommt. Ok, man kann nicht alle Rezidive verhindern, doch wenn man schon mal so ein Ereignis erlebt hat, sollte man viel Aufmerksamkeit, Kraft und Willen aufbringen, um einen weiteren „Einschlag“ zu unterbinden. Die meisten konzentrieren sich nach dem Schlaganfall darauf, ihr Defizit (Lähmung, Sprachverlust oder Sehstörung) zu verbessern und vernachlässigen dabei die sogenannte Sekundärprävention. Lassen Sie mich aber erst einmal erzählen wie, wo und warum sich der Schlaganfall bei mir zutrug. Im Nachhinein könnte man durchaus sagen, der Schlaganfall ereignete sich aus einer guten Laune heraus, ich hätte ihn zumindest für den damaligen Zeitpunkt vermeiden können. Aber es ist nicht sinnvoll darüber zu grübeln, es ist passiert und je eher man sich damit abfindet, es akzeptiert und nach vorne blickt, desto besser geht es einem danach.

Schlaganfall - es kann jeden treffen

Alle 3 Minuten ereignet sich in Deutschland ein neuer Schlaganfall, alle 9 Minuten stirbt ein Betroffener. Der Schlaganfall, auch Apoplex oder Insult genannt, ist somit die häufigste Ursache für Behinderungen.

Wie kommt es zu einem Schlaganfall?

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine plötzlich auftretende schwere Funktionsstörung des Gehirns, die durch eine Verminderung oder vollständige Unterbrechung der Blutversorgung bestimmter Gehirnbezirke entsteht.

Eine Durchblutungsstörung kann durch eine Verengung oder Verschluss von hirnversorgenden Gefäßen hervorgerufen werden oder durch ein Aufplatzen eines Blutgefäßes im Gehirn. Die häufigste Ursache (85 Prozent) ist die Verengung oder Verschluss, auch weißer Insult genannt.

Anders hingegen ist es bei einer Blutung im Gehirn. Es platzt hierbei ein Gefäß, manchmal auch ein Aneurysma. Diesen Schlaganfall nennt man auch roter Insult.

Risikofaktoren beim Schlaganfall

Risikofaktoren sind: Rauchen, Diabetes, Fettstoffwechselerkrankungen (Cholesterin Erhöhung), Herzvorhofflimmern, außerdem Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress und überhöhter Alkoholkonsum. Nicht beeinflussbare Risikofaktoren sind das Alter, Geschlecht und die familiäre Vorbelastung. Jeder kann sein persönliches Risiko beeinflussen, denn eine Reihe von den genannten Risikofaktoren sind auf eine falsche Lebensweise zurückzuführen.

Hauptrisikofaktor Nr. 1 ist allerdings der Bluthochdruck. Die Blutdruckwerte sollten 140/90 mmHg (bei Arztmessung) und 135/85 mmHg (bei Selbstmessung) nicht übersteigen. Nach neueren Untersuchungen ist die Blutdruck-Selbstmessung bezüglich des kardiovaskulären oder cerebrovaskulären Risikos aussagekräftiger als die in der Praxis oder in der Klinik gemessenen Blutdruckwerte (z. B. Ohasama-Studie, 1998). Mit der Selbstmessung ist es möglich, nicht nur die "Weißkittel-Hypertonie" (20 % der Hypertoniker) zu erkennen, sondern auch eine Praxis-Normotonie ("in diesem Fall ist der Blutdruck beim Arzt in Ordnung – zu Hause jedoch wieder hoch"), die bei 9% der Hypertoniker nachweisbar ist, auszuschließen.

70 % Prozent aller Schlaganfälle könnten verhindert werden, wenn eine konsequente Erkennung und Behandlung des Bluthochdrucks erfolgen würde.

Ein SCHLAG aus heiterem Himmel?

Nein, ein Schlaganfall kündigt sich meist an. Sogenannte TIA´s (transitorisch ischämische Attacke), in südlichen Gegenden, auch "Schlagerl" genannt, sind die Vorboten eines Schlaganfalles. Meist dauern die Symptome nur Sekunden oder Minuten und sind danach wieder verschwunden. Das verleitet dann dazu, dass man es nicht ernst nimmt und es als Lappalie ansieht.

Ich hatte vor meinen Schlaganfällen selbst so eine TIA, die ich falsch deutete und ihr keine Beachtung schenkte. Meine Sprache war während einer Feier für einige Minuten vollkommen weg. Am nächsten Tag wies mich meine Frau darauf hin, doch ich wollte es nicht wahrhaben, da ich es selbst ja nicht merkte. Schon nach Tagen war es vergessen und ich maß dem Ereignis keine Bedeutung mehr zu.

Sechs Monate später war es dann so weit, dann kam der Schlaganfall, der sich ja vorher schon andeutete. Vielleicht hätte ich den Schlaganfall verhindern können, wenn ich ärztlichen Rat in Anspruch genommen hätte.

Daher kann ich nur dringend raten, auf Veränderungen, besonders auf Symptome eines Schlaganfalles zu reagieren. Und das soll nicht heißen, gelegentlich zum Arzt zu gehen, sondern eine TIA bzw. ein "Schlagerl" als medizinischen Notfall zu sehen und danach zu handeln.

Symptome eines Schlaganfalls

Das eindeutigste Symptom eines Schlaganfalles sind Lähmungen, die besonders auffällig sind. Die plötzliche Schwäche oder Bewegungsunfähigkeit von Muskeln oder auch Muskelgruppen (z. B. einer Hand oder einer Gesichtsseite) sind eindeutige und ernst zunehmende Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Die Auswirkungen können sehr unterschiedlich sein, der betroffene Teil kann kribbeln, oder es fühlt sich an, als würde es nicht zu einem gehören. Auch das Empfinden, das Körperteil ist schwer wie Blei, kommt vor.

Schwierigkeiten mit der Zunge, die nach einer Seite rutscht und auch Schluckstörungen sind eindeutige Symptome. Häufig kommt es auch zu einer Lähmung der Gesichtsmuskeln, sodass der Mundwinkel oder ein Augenlid herab hängt.

Sehstörungen der unterschiedlichsten Art gehören auch zu den Vorboten eines Schlaganfalls. Es kann sein, dass ein Auge vorübergehend erblindet oder es zu Einschränkungen des Gesichtsfeldes kommt. Dabei verdunkeln sich die Randbereiche des Blickfeldes. Aber auch ein Flimmern vor den Augen, das beim Bewegen es Auges mitwandert, ist möglich.

Etwas schwieriger wird es bei der Einschätzung von Sprachstörungen, da diese auch beim gesunden Menschen vorkommen können. Sprachstörungen sind z. B. eine undeutliche und verwaschene Sprache, aber auch Wortfindungsstörungen, wie das Vergessen von einzelnen Begriffen.

Ein Schwindel ist ein sehr häufiges Symptom, der jedoch sogar für Ärzte schwierig zu deuten ist, da er bei sehr vielen Gesundheitsstörungen vorkommt. Eine einfache Erkältung kann einen Schwindel erzeugen. Auch ältere Menschen leiden unter Schwindel, ohne dass eine ernsthafte Erkrankung vorliegt. Für die Ursachen Findung ist die Heftigkeit und die Dauer ein brauchbarer Hinweis.

Sollte sich ein sehr heftiger oder ungewöhnlicher Kopfschmerz einstellen, dann muss es heißen: "Sofort zum Arzt!", da dieser ein Hinweis auf eine gefährliche Hirnblutung sein kann.

Ernst nehmen sollte man auch, wenn der Kopfschmerz nicht so stark ist, dafür aber ungewöhnlich. Besonders dann, wenn Übelkeit und Erbrechen hinzukommt oder der Nacken sich versteift. Wichtig ist, dass bei allen Symptomen die auf eine TIA bzw. "Schlagerl" schließen lassen, sofortige Hilfe in Anspruch genommen wird. Denn nicht nur der Schlaganfall, auch eine TIA ist ein medizinischer Notfall. Und das bedeutet: 112 wählen.

Nehmen Sie bitte die genannten Symptome nicht auf die leichte Schulter, Sie ersparen sich und Ihren Angehörigen viel Kummer und Leid.

Wer ist Willi Daniels?

Daniels wurde 1949 als „Münchner Kindl“ geboren. Seine Schulzeit (Volks- und Mittelschule) absolvierte er in München. Schon damals war ihm klar, dass er nach Beendigung der Schulausbildung mit Menschen in seinem Beruf zu tun haben wollte.

So entschloss er sich, eine kaufmännische Lehre als Einzelhandelskaufmann zu beginnen. Die Ausbildung schloss er mit der Kaufmannsgehilfenprüfung ab und war schon kurz nach seiner Lehrzeit Abteilungsleiter.

Als junger Mensch schlummerte wie sicherlich in vielen anderen auch der Wunsch, die große weite Welt kennenzulernen. Und so war es klar, dass er sich nach einem Job im Ausland umsah. Diesen fand er auch relativ schnell, er hätte ein gut dotierte Stelle in Kapstadt/Südafrika bekommen können. Leider machte ihm sein Vater einen Strich durch die Rechnung, lehnte das Vorhaben ab und da Daniels nicht volljährig war (damals war man erst mit dem Alter von 21 Jahren volljährig) blieb ihm nichts anderes übrig als die Entscheidung seines Vaters hinzunehmen. Ein Grund für dessen Ablehnung war die große Entfernung. Dann suche ich mir eben etwas in der Nähe, dachte er sich und wurde in Zürich in der Schweiz fündig. Doch auch damit war sein Vater nicht einverstanden.

Da blieb ihm nur noch eine Möglichkeit, er wollte zur Bundesmarine. Da sein Vater zu Jugendzeiten auch in der Marine war, konnte er ihm diesen Wunsch nicht abschlagen. Und so geschah es auch, der Vater war einverstanden und Daniels verpflichtete sich bei der Marine für 4 Jahre. Es war eine tolle Zeit, denn neben der Ausbildung hauptsächlich auf der Insel Sylt, war er 3 Jahre seiner Dienstzeit auf einem Schiff in der Funktion eines Wachtmeisters tätig. Er war zuständig für das Personal, für Beförderungen, Versetzungen, Disziplinarstrafen und kümmerte sich um den Schriftverkehr auf dem Schiff.

Nach Beendigung der Zeit auf See ging er wieder zurück nach Bayern, arbeitete erneut im kaufmännischen Bereich und lernte dann auch seine Frau kennen, mit der nun fast 45 Jahre verheiratet ist.

1990 erkrankte er an einem Bandscheibensequester (Abbruch der Bandscheibe) im Bereich der Lendenwirbelsäule 4/5 und verbrachte in den ersten 1 ½ Jahren seiner Erkrankung knapp 8 Monate stationär im Krankenhaus. Eine Heilung kam nicht mehr zustande und so wurde er nach dem Auslaufen des Krankengeldbezuges in den Rentenstand versetzt.

Zum „Glück“ kam dann Silvester 1997/98 sein Schlaganfall, der ihn zu einem Umdenken brachte.

Warum zum Glück? Zu Hause zu sein, ohne große Aufgaben, das war nicht sein Ding. Der Schlaganfall zeigte ihm auf, dass man durch Engagement selbst etwas für seine Erkrankung tun kann. Aus dem Rentner wurde ein Mann, der über die Landesgrenzen hinaus aktiv wurde, den Schlaganfall stets vor Augen (aber nicht seinen eigenen) und der relativ schnell nicht nur im Bereich der Betroffenen, sondern auch in der Medizin und der Politik bekannt wurde.

Eine Patientenmanagerin eines großen Pharmakonzerns beschreibt das Wirken von mir so:

Engagement, Akzeptanz, Bewältigung hat einen Namen: Willi Daniels

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit Willi Daniels, vor über zehn Jahren bei uns bei MSD in Haar. Ich hatte 2006 meine Funktion als erste Patientenbeauftragte von MSD Deutschland angetreten und Kolleginnen aus dem Bereich Kommunikation und ich hatten uns kurz darauf zum Austausch mit Willi Daniels verabredet. Wir wollten mehr erfahren über ihn, seine Erkrankung, seine Akzeptanz im Umgang damit und über sein daraus entstandenes Engagement für andere. Ich vergesse es nie: Wir waren alle war sehr überrascht beim ersten Kennen lernen. Wer Willi Daniels erstmals gegenübersteht und nicht weiß, dass er 1998 einen Schlaganfall erlitten hatte, der hätte es nicht erahnt. Vor uns stand ein Mann, der sprühend vor Begeisterung war, der uns alle mitriss, wenn er über seine Ideen und Projekte für Patienten sprach: Willi Daniels war schon immer und ist für mich weiterhin ein großer Visionär. Dinge zu akzeptieren, vor allem die, die auf den ersten Blick nicht so schön sind, mit denen man hadern könnte, ist immer schwierig, aber nicht für Willi Daniels. Von großer Dankbarkeit erfüllt, seinen Schlaganfall überstanden zu haben, entstand danach sein großes Engagement für andere. Bereits in 2011 gründete er eine Social Media Schlaganfall-Online-Gruppe. Pionierarbeit aus der heutigen Perspektive. Er stellt nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern immer sind es die anderen. Für andere Menschen den Lebensalltag besser zu machen, das ist sein Lebensmotor. Woher er diese unermüdliche Energie hat, die ihn dabei immer weiter antreibt, bleibt sein Geheimnis. Für einige Jahre hatten wir uns nach unserem Gespräch in Haar aus den Augen verloren. Als wir uns wiedersahen, hatte Willi Daniels eine neue Diagnose erhalten, woran er hätte verzweifeln können, diesmal die Diagnose Krebs. Aber Willi Daniels schaute wie immer nach vorn und sagte mir bei einem unserer kürzlich erfolgten Treffen, dass er jetzt eine App für an Krebs erkrankte Menschen erstellt habe - eine App komplett aus der Perspektive eines Betroffenen, der auf seine Erkrankung schaut. Er sagte, dass er einen Punkt in der App besonders wichtig findet: die Motivation. Als Patient mit einer Krebserkrankung sich immer wieder tagtäglich motivieren zu können, das sei sehr wichtig, aber auch manchmal - je nach Befinden - sehr schwierig. So machte er sich in seiner App aus seiner Betroffenenkompetenz über eine gelingende Motivation viele Gedanken und schon wieder stand ich staunend vor Willi Daniels und seiner bewundernswerten Einstellung. Ein „Geht nicht gibt es nicht“- nicht für ihn. Immer die Lösung im Blick schreitet er unermüdlich voran, immer sein Engagement in die Sache der anderen stellend. So nimmt er zum Beispiel noch immer viele Reisen nach Berlin zu politischen Veranstaltungen auf sich. Besonders hat es mich gefreut, dass Willi Daniels Ende 2019 die Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um Gesundheit und Pflege erhalten hat. Ich freue mich auch in Zukunft sehr auf hoffentlich noch viele Gelegenheiten des Dialogs mit Willi Daniels!

Dr. med. Silvia Petak-Opel

Patientenbeauftragte MSD Deutschland

München, im April 2020

Schlaganfall in der Silvesternacht 1997/98

Fast ein Jahrzehnt feierte ich Silvester mit meinen ehemaligen Marinekameraden bei mir zu Hause. Irgendwann kam ich zu der Überzeugung, dass auch mal die anderen Gastgeber sein könnten und somit fand das erste Treffen nicht in Bayern, sondern in Nordrhein-Westfalen statt.

Gut gelaunt ging es im Auto zusammen mit meiner Frau und meinem damals 9-jährigem Sohn Richtung Norden. Ich war sehr froh, dass ich endlich mal stressfrei ins neue Jahr kommen sollte und freute mich sehr auf ein paar entspannende Tage.

Wir trafen einen Tag vor Silvester ein und konnten uns in Ruhe entspannen. Am letzten Abend im alten Jahr genossen wir ein Raclette mit einem Glas Wein und als das neue Jahr begann, wünschten wir uns mit einem Gläschen Sekt viel Gesundheit und Glück. Danach ging es raus zu einem kleinen Feuerwerk, das der Hausherr besorgt hatte. Mein Sohn war natürlich hin und weg und war sehr traurig, als nichts mehr zum Schießen da war. Somit gingen wir wieder rein und auf einmal kam der Junior zu uns und fragte, ob er Luftballons in Schlangenform aufblasen dürfte, um sie danach platzen zu lassen. Er hatte halt noch nicht genug von der Knallerei. Ich sagte ihm, wenn der Hausherr nichts dagegen hat, ist das für mich ok.

Er hatte nichts dagegen und mein Sohn war glücklich.

Doch dieser Zustand änderte sich schlagartig, als er feststellte, dass er für das Aufblasen zu wenig Puste hatte. Somit fragte er meine Frau und bat sie einen Luftballon aufzublasen. Aber auch sie schaffte es nicht. Der nächste der es versuchen durfte war mein Freund, in meinem Alter aber durchaus sportlich. Tja, auch er schaffte es nicht ihn aufzublasen.

Und somit kam er zu mir, ich war seine letzte Hoffnung. Ich saß gelassen auf der Couch, noch ein Glas Sekt in der Hand und sagte: „Das kann doch nicht so schwierig sein und lachte.“

Ich stellte das Glas auf den Tisch, schnappte mir den Luftballon, holte zwei- oder dreimal tief Luft und blies rein. In diesem Moment bereute ich meinen Spruch von vorhin, denn beim Luftballon rührte sich fast nicht. Ich wollte mir keine Blöße geben und blies mit letzter Kraft hinein. Wow, es geht ja doch dachte ich mir, sah, wie der Ballon sich leicht weitete und dann …

Weiß ich nichts mehr. Ich fiel wohl um und da lag ich dann da. Meine Frau, auch mein Freund glaubte, ich mache mal wieder einen Scherz. Als ich wohl nach einer Minute noch immer auf der Couch lag, schüttelte mich meine Frau und als auch das nicht half, gab sie mir einige Klapse ins Gesicht.

Es dauerte einige Minuten und dann öffnete ich die Augen. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht was los