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Fünf Jahre lang hat Kaja in Hamburg gelebt. Auch wenn die Liebe zu ihrer kleinen Heimatstadt an der Ostsee nie verging, hat sie es nach der schmerzhaften Trennung von ihrem Verlobten Mika einfach nicht mehr dort ausgehalten. Als ihr Vater aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, kehrt sie an die Ostsee zurück, um ihrer Mutter mit der Familienpension zu helfen. Kein Problem. Immerhin ist Mika selbst vor einer Weile weggezogen und die Zeit somit reif für einen Neuanfang. Doch auch wenn Mika offiziell in Amerika lebt, sieht sie seit ihrer Rückkehr an die Ostsee ständig einen Mann, der ihm verdammt ähnlich sieht. Doch jedes Mal, wenn sie mehr über den Fremden erfahren will, ist er wieder verschwunden. Kaja ist sich sicher, dieser Mann ist Mika. Der Mann, der ihr damals kurz vor der Hochzeit das Herz brach. Aber alle, die ihn kennen, versichern ihr, dass das unmöglich ist. Aber was hat das alles zu bedeuten? Wer ist dieser fremde Mann? Und warum weckt er plötzlich so viele verdrängte Gefühle in ihr? Hat das alles vielleicht sogar etwas mit ihrer Trennung von Mika vor fünf Jahren zu tun? Eine Trennung, die sie selbst nie ganz verstanden hat?
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Inhaltsverzeichnis
Über das Buch
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Epilog
Leseprobe „Das Baby, mein Boss und ich“
Leseprobe – Prolog
Leseprobe – Kapitel 1
Leseprobe – Kapitel 2
Mehr von der Autorin
Impressum
Nancy Salchow
Seesterne lügen nicht
Liebesroman
Fünf Jahre lang hat Kaja in Hamburg gelebt. Auch wenn die Liebe zu ihrer kleinen Heimatstadt an der Ostsee nie verging, hat sie es nach der schmerzhaften Trennung von ihrem Verlobten Mika einfach nicht mehr dort ausgehalten.
Als ihr Vater aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, kehrt sie an die Ostsee zurück, um ihrer Mutter mit der Familienpension zu helfen. Kein Problem. Immerhin ist Mika selbst vor einer Weile weggezogen und die Zeit somit reif für einen Neuanfang.
Doch auch wenn Mika offiziell in Amerika lebt, sieht sie seit ihrer Rückkehr an die Ostsee ständig einen Mann, der ihm verdammt ähnlich sieht. Doch jedes Mal, wenn sie mehr über den Fremden erfahren will, ist er wieder verschwunden.
Kaja ist sich sicher, dieser Mann ist Mika. Der Mann, der ihr damals kurz vor der Hochzeit das Herz brach. Aber alle, die ihn kennen, versichern ihr, dass das unmöglich ist.
Aber was hat das alles zu bedeuten? Wer ist dieser fremde Mann? Und warum weckt er plötzlich so viele verdrängte Gefühle in ihr? Hat das alles vielleicht sogar etwas mit ihrer Trennung von Mika vor fünf Jahren zu tun? Eine Trennung, die sie selbst nie ganz verstanden hat?
Dieser Roman ist in sich abgeschlossen, enthält prickelnde Szenen und natürlich ein wohlverdientes Happy End.
Anmerkung:Fleesenow ist eine von der Autorin erfundene Kleinstadt an der Ostsee, die immer mal wieder in ihren Büchern vorkommt. Angesiedelt wäre Fleesenow, gäbe es den Ort wirklich, vermutlich irgendwo in der Nähe der Insel Poel oder Wismar, der Heimat der Autorin.
Fünf Jahre zuvor
Kaja
________________
Der feuchte Sand klebt an meinen Füßen und belebt mich dabei auf vertraute Weise. So wie eigentlich immer, wenn ich hier bin. Salzige Luft auf meiner Zunge, rhythmisches Wellenrauschen, das meine Schritte begleitet.
Mein Blick wandert aufs Wasser, auf dem sich die aufgehende Sonne in majestätischen Farben spiegelt. Alles scheint so malerisch, beinahe unwirklich.
Ich schiebe die Hände in die Seitentaschen meines Sommerkleides, das meine Knie flatternd umspielt.
„Ach, hier bist du“, höre ich ihn hinter mir sagen.
Seine Stimme holt mich in die Gegenwart zurück. Lächelnd drehe ich mich zu ihm um und sehe ihn auf mich zukommen. Ein Anblick, der sich noch immer wie das allererste Mal anfühlt. Als wäre jede Begegnung unsere erste.
„Warst du etwa auf der Flucht?“ Er wirkt außer Atem, als er mich eingeholt hat.
„Natürlich nicht.“ Ich lächele sanft. „Du hast so schön geschlafen, da wollte ich dich nicht wecken.“
Unser Zelt ist von diesem Abschnitt des Strandes kaum zu sehen. Dass ich mich so weit davon entfernt habe, war mir gar nicht bewusst.
„Ich schlafe nur gut, wenn du neben mir liegst“, antwortet er mit geheimnisvollem Grinsen.
„Ist das so?“ Ich berühre seinen nackten Oberkörper mit meinen Fingerspitzen. Bis auf seine Unterhose ist er nackt und weckt allein mit diesem muskulösen Anblick süße Erinnerungen an die letzte Nacht. Wie sehr er in den letzten Monaten trainiert hat, ist mehr als offensichtlich.
„Ich könnte jede Nacht mit dir am Strand schlafen“, sage ich leise, während er nach meiner Hand greift und sie langsam zu seinen Lippen führt.
„Geht mir ähnlich“, antwortet er, während er jeden meiner Finger nach und nach zärtlich küsst. „Und wer will uns davon abhalten?“
„Im Grunde niemand.“ Seufzend lege ich meine Arme um ihn und halte ihn fest. Wie ein Versuch, diesen Augenblick für immer festzuhalten.
Nur er und ich und das endlose Meer, das an diesem zauberhaften Morgen allein uns beiden zu gehören scheint.
„Ich liebe dich“, flüstert er mir zu.
„Ich liebe dich auch“, antworte ich leise.
In diesem Moment scheint alles andere ganz weit weg. Die Gedanken an die Zukunft, all die Fragen, welcher Weg der richtige für uns ist. Hier und jetzt gibt es nur uns beide. Und allein diese Gewissheit gibt mir das Gefühl, unbesiegbar zu sein.
„Irgendwann werden wir unser eigenes Haus haben“, sagt er. „Hier am Strand.“
„Meinst du?“
„Aber sicher. Wer will das verhindern? Wir wissen beide, was wir beruflich wollen und werden uns zusammen etwas aufbauen. Gemeinsam können wir einfach alles erreichen. Wir sind jung, die Welt steht uns offen.“
„Du redest wie ein Wegweiser zum Glücklichsein.“ Ich lache leise. „Wie ein Ratgeber mit Glücksklee auf dem Buchcover.“
„Was ist gegen Glücksklee einzuwenden?“, lacht er frech.
Ich atme tief ein und schließe die Augen, die Arme noch immer fest um ihn geschlungen.
„Nichts“, antworte ich beinahe lautlos. „Überhaupt nichts.“
Kaja
________________
Der Wind trägt den salzigen Duft der Ostsee zu mir, während ich barfuß über den feinen Sand laufe. Die grelle Sommersonne steht wie gemalt über mir am endlos blauen Himmel. Ihre Strahlen brechen sich im glitzernden Wasser, das in sanften Wellen an den Strand schwappt. Kleine Muscheln und Kieselsteine verteilen sich malerisch am Ufer. Allein ihr Anblick ist Heimat pur. Hin und wieder bücke ich mich, um ein besonders schönes Exemplar aufzuheben und in meiner Hand zu drehen.
Ein paar Meter weiter sehe ich eine Gruppe Möwen, die sich um ein Stück Treibholz scharen. Sie streiten sich laut kreischend um die besten Plätze, ihre Flügel schlagen wild in der Luft. Ich lächle bei ihrem Anblick und gehe weiter, dabei sinken meine Füße immer wieder leicht in den warmen Sand. Das Rauschen des Meeres mischt sich mit den Rufen der Vögel und dem sanften Rascheln der Dünengräser, die sich im Wind wiegen.
Ich erreiche eine kleine Düne und klettere hinauf, meine Hände graben sich in den Sand, um Halt zu finden.
Was für ein Ausblick! Von hier oben habe ich einen wunderbaren Blick über die gesamte Bucht. Das Wasser erstreckt sich bis zum Horizont, und am Rand des Strandes wachsen vereinzelte Sanddornbüsche, die dem Wind trotzen. Ich setze mich hin, lasse die Beine über die Düne baumeln und atme tief ein. Die Luft schmeckt nach Freiheit – und nach Heimat.
Ein altes Fischerboot schaukelt sanft in einer kleinen Bucht, weiter hinten sehe ich ein paar Kinder, die begeistert Sandburgen bauen. Ihre fröhlichen Rufe erreichen mich sogar hier oben, und ich kann nicht anders, als ihre Freude zu teilen. Fast so, als wäre ich selbst wieder ein Kind.
Neben ihnen sitzt eine ältere Frau in einem Klappstuhl, liest ein Buch und wirft ab und zu einen liebevollen Blick auf die spielenden Kinder. Das ist die Botschaft dieses Ortes: Ruhe, Unbeschwertheit und der Zauber des Augenblicks.
Ich lehne mich zurück, stütze mich auf meine Ellbogen und schaue in den blauen Himmel. Eine einzelne Wolke schwebt träge dahin, und ich stelle mir vor, wie sie vom Wind in die Ferne getragen wird. Hier, an diesem unberührten Fleckchen Erde, scheint die Zeit stillzustehen. Alles fühlt sich friedlich und richtig an, als ob die Welt außerhalb dieses Strandes für einen Moment nicht existiert.
Von einem Instinkt getrieben stehe ich wieder auf und setze meinen Spaziergang fort, dieses Mal wage ich mich jedoch ins Wasser, wenn auch nur bis zu den Waden.
Die Wellen umspielen meine nackten Füße, während ich mich immer weiter von meinen im Sand liegenden Sandalen entferne. Möwen kreischen über mir, als würden sie mich höchstpersönlich willkommen heißen.
Mein Wagen steht oben auf dem Dünen-Parkplatz, so hastig abgestellt, als wäre ich auf der Flucht. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Das hier ist ein Nachhausekommen. Die Rückkehr in die Heimat, von der mir erst jetzt klar wird, wie sehr ich sie vermisst habe. Eigentlich war ich auf direktem Wege zum Haus meiner Eltern, aber als ich die kleine Abzweigung zum Strand sah, hat mich die Sehnsucht nach dem vertrauten Gefühl des Salzwassers auf meiner Haut übermannt.
Und hier bin ich jetzt, Schritt für Schritt durchs Wasser spazierend, als hätte ich alle Zeit der Welt. Aber ganz genau so fühlt es sich tatsächlich an: Als hätte ich mit der Rückkehr nach Fleesenow auch alle Verpflichtungen hinter mir gelassen. Hier in der kleinen Stadt an der Ostsee, in der ich bis zu meinem 22. Lebensjahr gelebt habe, um dann meine aufregende Karriere in Hamburg zu starten.
Okay, ganz so aufregend war sie vielleicht doch nicht. Aber trotzdem bin ich stolz darauf, nach meinen ersten Jahren in einem renommierten Verlag nun als freie Lektorin zu arbeiten. Ein Job, der es mir ermöglicht, von überall aus tätig zu sein – sogar von Fleesenow aus.
Fleesenow. Allein der Name ist Heimat pur. Wann war ich eigentlich das letzte Mal hier? Vor drei Monaten? Oder vier? Auf jeden Fall ist es viel zu lange her. Damals war es noch zu kalt, um baden zu gehen, aber jetzt haben wir Mitte Juli und das Wasser schreit regelrecht danach, dass ich mich mit Haut und Haaren hineinstürze.
Wo ist eigentlich mein Bikini? Sicher ganz unten im Koffer. Vermutlich sollte ich erst mal meine Sachen nach Hause bringen und …
In genau diesem Moment klingelt wie aufs Stichwort das Handy in meiner Hand, mit dem ich gerade noch ein paar Fotos gemacht habe. Das Wasser glitzerte so wunderschön in der Mittagssonne, dass ich es unbedingt festhalten musste. Fast wie eine Touristin, die zum ersten Mal hier ist.
„Hallo Mama!“, begrüße ich meine Mutter.
„Wo bleibst du denn, Schätzchen? Die Lasagne ist fertig. Wir warten auf dich.“
„Oh Gott, wie spät ist es denn?“
„Schon zehn nach zwölf.“
„Echt? Das tut mir so leid, ich habe völlig die Zeit vergessen.“
„Wo bist du denn?“
„Am Strand.“
„Hier in Fleesenow?“
„Ja. Ich wollte mir nur kurz die Füße vertreten, weil ich so lange nicht mehr hier war. Aber ich komme sofort, okay?“
„Tja, da war das Meerweh doch größer als gedacht, was? Dein Herz weiß einfach, wo es hingehört.“ Sie lacht leise. „Ich decke schon mal den Tisch. Bis gleich.“
„Bis gleich, Mama. Und sag Papa, er soll mir noch was übriglassen.“
„Das kann ich nicht versprechen“, lacht sie.
„Du beeilst dich besser“, höre ich ihn von hinten rufen. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“
Typisch Papa! Ein Spruch, der mich unweigerlich zum Lächeln bringt.
Als ich das Gespräch beende, mache ich sofort kehrt, um meine Sandalen einzusammeln und zurück zum Auto zu gehen. Als ich eben ausgestiegen bin, war es doch gerade mal elf. Verrückt, wie schnell man hier die Zeit vergisst.
Diese Macht, Raum und Zeit auszublenden, hat wohl tatsächlich nur das Meer. Eine Macht, die ich fast vergessen hatte. Aber eben nur fast. Denn endlich bin ich wieder hier. Und dieses Mal wird mich nichts und niemand wieder in die Flucht schlagen, auch kein gebrochenes Herz.
Rückblende
Fünf Jahre zuvor
Mika
________________
Ihre langen bernsteinfarbenen Locken werden unbarmherzig vom kühlen Ostseewind zerzaust. Ihre Wangen sind rot, ihr Atem bildet kleine Wölkchen, während sie die Hände in ihre tiefen Manteltaschen schiebt.
Wir sitzen in einer der Einbuchtungen auf dem Steg, in der wir uns – auf derselben Bank wie heute sitzend – vor zwei Jahren das erste Mal geküsst haben. Genau hier, wo alles angefangen hat. Eine Liebe, die aus einer unschuldigen Kinderfreundschaft entstanden ist. Ein ganzes Leben lang haben wir uns gekannt, sind gemeinsam aufgewachsen, bis irgendwann mehr daraus wurde.
Das Mehr ist genau heute zwei Jahre her. Eine Tatsache, die mir bewusst macht, wie schnell die Zeit seitdem gerannt ist. Und doch war ich mir niemals sicherer bei einer Entscheidung als in diesem Augenblick.
Genau genommen sitzen nicht wir beide auf dieser Bank, sondern nur sie. Ich selbst stehe noch etwas unbeholfen vor ihr, während ich versuche, den nötigen Mut zu sammeln.
„Was ist denn?“ Sie schaut mich verwirrt an. „Warum setzt du dich denn nicht? Du warst doch derjenige, der eine Pause machen wollte.“ Sie lacht. „Dabei sind wir erst seit zehn Minuten unterwegs. Dass du so schnell schwächelst, kenne ich gar nicht von dir.“
Ihre Nase kräuselt sich ein wenig, so wie sie es immer tut, wenn sie so frech lacht. Eines der unzähligen Dinge, die ich so an ihr liebe.
„Na ja“, ich spiele nervös mit meinen Fingern, „eigentlich wollte ich dich fragen, ob du weißt, wo wir hier sind.“
„Ob ich weiß, wo wir hier sind?“ Sie hebt die Augenbrauen. „Was soll die Frage, Mika?“ Sie lächelt ungläubig. „Wir waren doch schon tausendmal hier. Es ist einer unserer Lieblingsplätze in Fleesenow.“
„Ach ja?“ Ich stelle mich scherzhaft dumm, während ich mich nun doch neben sie setze. „Und weißt du auch noch, seit wann genau?“
„Was wird das? Ein Verhör?“
Typisch Kaja. Immer skeptisch, immer wachsam. Selbst bei mir.
„Komm schon, Kaja“, ich nehme ihre Hände, „tu mir den Gefallen und beantworte mir die Frage.“
„Also schön.“ Sie seufzt, das Lächeln aber noch immer auf den Lippen. „Genau hier haben wir uns damals das erste Mal geküsst. Das war am …“, sie hält kurz inne, „… Moment mal … genau heute vor zwei Jahren, oder?“
„Ganz genau.“ Ich führe ihre Hand zu meinen Lippen. „Was für ein Zufall, was?“
Sie legt den Kopf schief. „Was ist los, Mika? Du bist heute schon den ganzen Tag so komisch. Das sieht dir gar nicht ähnlich. Normalerweise bin doch ich diejenige, die dich an solche Details erinnert, weil du nie weißt, welchen Tag wir gerade haben.“
„Ja, stimmt schon. Normalerweise ist das auch so. Aber heute …“ ich lasse ihre Hand wieder los, „… heute ist alles anders als sonst.“
„Warum?“ Ihr Lächeln weicht einer gewissen Neugier. Oder ist es doch der Hauch einer Ahnung?
Nein, sie hat keinen Schimmer, da bin ich mir sicher. Eine Tatsache, die mich noch nervöser macht. Vielleicht wird sie aus allen Wolken fallen, möglicherweise sogar geschockt sein, weil sie absolut nicht damit gerechnet hat. Immerhin werden wir dieses Jahr beide gerade mal 21. Fast noch Kinder, wie meine Eltern sagen würden.
Aber das, was sie in mir auslöst, hat absolut nichts Kindisches an sich. Schon lange nicht mehr.
„Na ja“, beginne ich schließlich, „ich habe diese Idee schon länger.“
„Welche Idee?“
Ich schlucke schwer. „Weißt du, Kaja, es gibt einen Grund für mein komisches Verhalten heute. Ich bin nämlich ein bisschen nervös und versuche schon den ganzen Tag, den Mut aufzubringen, um dir …“, ich ziehe eine kleine Schmuckschatulle aus meiner Manteltasche, „… das hier zu geben.“
Ihr entgleisen sämtliche Züge. Sie fährt sich mit der Hand vor den Mund, während ich das Kästchen öffne und einen silbernen Ring mit kleinem Diamanten heraushole.
Sie ist völlig überwältigt, sagt aber kein Wort.
„Einerseits tut es mir leid, dich so zu überfallen“, sage ich mit feuchten Augen. „Du weißt, dass ich sonst keine Geheimnisse vor dir habe, mein Schatz. Aber das hier sollte nun mal eine Überraschung werden. Und genau deshalb verhalte ich mich heute wie der letzte Idiot.“
Sie schluchzt, ihre Hand zittert, ebenso wie ihr Unterkiefer.
„Ich habe mir so viele Worte zurechtgelegt“, fahre ich mit dünner Stimme fort. „Schon seit Tagen schreibe ich die passenden Zeilen auf, streiche sie wieder durch und fange immer wieder von vorn an. Heute früh habe ich dann erkannt, dass ich einfach nur auf mein Herz hören muss. Dann weiß ich schon, was ich dir sagen will.“
„Oh, Mika …“, wimmert sie.
„Solange ich denken kann“, ich senke den Blick auf den Finger in meinen Händen, „warst du ein Teil meines Lebens, Kaja. Wenn es um die Frage ging, wer beim Wettschwimmen in der Ostsee am schnellsten ist, wussten alle: Kaja. Oder wenn man jemanden brauchte, der einem bei den Hausaufgaben hilft – Kaja.“
Sie lächelt mit verheulten Augen.
„Genauso wie allen klar war, wer die größte Klappe in der Schule hatte, weil sie sich nichts gefallen ließ, weder von Jungs, noch von Mädchen, noch von fiesen Lehrern. Du warst einfach schon immer die Mutigste von uns allen.“ Ich lächele schief. „Vielleicht habe ich dich unterbewusst schon immer geliebt. Vielleicht war diese Bewunderung für deinen Mut und deine Stärke in Wahrheit von Anfang an Liebe. Nur dass ich das erst sehr viel später erkannt habe.“
Sie reibt sich mit dem Handrücken über die feuchten Augen.
„Ich hingegen bin alles andere als mutig“, sage ich. „Deshalb fiel es mir auch so schwer, mich auf diesen Tag vorzubereiten. Denn ich hatte echt Schiss, dass ich die Frage aller Fragen versauen könnte oder dass du zu meinem großen Bedauern doch noch merken könntest, dass du einen viel Besseren als mich verdient hast. Aber die Wahrheit ist, dass ich mit dir alt werden möchte, Kaja. Ich möchte dich für immer und ewig an meiner Seite haben. Und deshalb frage ich dich, ob …“
„Herr Gott, JAAAA!“, unterbricht sie mich und fällt mir jubelnd um den Hals. „Natürlich heirate ich dich, du Spinner! Wen, wenn nicht dich?“
Ich höre sie an meiner Brust schluchzen, und doch fällt es mir schwer, diesen Moment zu realisieren. Sie hat wirklich „Ja“ gesagt. Die Frau meines Lebens hat „Ja“ gesagt.
„Ich schwöre dir, ich werde alles tun, um dich zur glücklichsten Frau der Welt zu machen“, sage ich, während auch mich die Tränen langsam übermannen.
„Das tust du doch bereits jetzt.“ Sie löst sich aus der Umarmung und legt beide Hände um mein Gesicht. „Ich bin so froh, dass du dich getraut hast. Ich habe mit Sandra drüber gesprochen, dass ich dich eines Tages heiraten möchte, aber sie sagte, dass ich auf keinen Fall einen Antrag machen, sondern auf deinen warten soll. Hat was mit verletzter Eitelkeit zu tun, meinte sie.“ Sie lacht unter Tränen. „Aber ehrlich gesagt habe ich befürchtet, du würdest mich niemals fragen.“
„In der Hinsicht bin ich wohl wirklich etwas feige.“ Ich reibe mir die Augen trocken. „Ich habe mir immer wieder vorgestellt, dass du Nein sagst. Ich glaube, das hätte ich nicht überlebt. Also habe ich die Frage immer wieder aufgeschoben. Den Ring habe ich schon vor vier Monaten gekauft. Seitdem frage ich mich ständig, welcher Zeitpunkt der richtige ist.“
„Vor vier Monaten schon?“
„Eigentlich hätte ich ihn schon nach unserem ersten Kuss kaufen können“, antworte ich lachend.
